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3.5 Steuerschuld, Steuererhebung in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 193 - 194

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_193

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164 Teil II: Ertragsteuern gen zuzuordnen. Dies hat zur Folge, dass § 32d EStG zur Anwendung kommt, und zwar grundsätzlich der sich aus dessen Absatz 1 ergebende gesonderte Steuertarif i. H. v. 25 %. Die Einkommensteuerschuld gilt gem. § 43 Abs. 5 EStG i. V. m. § 43a Abs. 1 EStG mit der Einbehaltung und Abführung der Kapitalertragsteuer i. H. v. ebenfalls 25 % als abgegolten. Die Ausschüttungen sind also nicht in die Einkommensteuerveranlagung des Ausschüttungsempfängers einzubeziehen. Allerdings kann der Ausschüttungsempfänger in folgenden Fällen eine Einbeziehung der empfangenen Ausschüttungen in seine Einkommensteuerveranlagung beantragen: • Der Ausschüttungsempfänger ist unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 25 % an der Kapitalgesellschaft beteiligt oder er ist zwar nur zu mindestens 1 % beteiligt ist aber beruflich für die Gesellschaft tätig (§ 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG). In diesem Fall ist die Ausschüttung nach § 3 Nr. 40 EStG zu 40 % steuerbefreit (Teileinkünfteverfahren). • Der Ausschüttungsempfänger stellt nach § 32d Abs. 6 EStG einen Antrag auf Einbeziehung der empfangenen Ausschüttungen in die Veranlagung, und zwar in Fällen, in denen die Voraussetzungen des § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG nicht erfüllt sind. Hier unterliegen die empfangenen Ausschüttungen dem tariflichen Einkommensteuersatz des § 32a EStG, d. h. das Teileinkünfteverfahren kommt nicht zur Anwendung. Ein Antrag auf Einbeziehung der Ausschüttungen in die Veranlagung gibt in diesen Fällen nur dann Sinn, wenn der Steuerpflichtige hierdurch einen Vorteil erzielen kann. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn er hohe Verluste aus anderen Einkünften erzielt hat und diese mit den Einkünften aus Kapitalvermögen nach § 2 Abs. 3 EStG ausgleichen möchte. Ist der Empfänger einer Gewinnausschüttung nicht eine natürliche Person, sondern eine Kapitalgesellschaft, so kommt § 8b KStG zur Anwendung. Nach dessen Abs. 1 sind die Ausschüttungen bei der empfangenden Gesellschaft (Obergesellschaft) steuerfrei. Allerdings gelten nach § 8b Abs. 5 KStG 5 % der Ausschüttungen als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben. Dies hat im Ergebnis zur Folge, dass die Ausschüttung bei der Obergesellschaft lediglich zu 95 % steuerfrei ist. Schüttet die Obergesellschaft ihrerseits die empfangene Ausschüttung zu irgendeinem Zeitpunkt an ihre Gesellschafter aus und handelt es sich bei diesen um natürliche Personen, so unterliegt diese Ausschüttung nach den weiter oben dargestellten Grundsätzen bei den Empfängern der Einkommensteuer. 3.5 Steuerschuld, Steuererhebung Die Jahressteuerschuld ergibt sich als das Produkt aus dem zu versteuernden Einkommen und dem Körperschaftsteuersatz gemäß § 23 Abs. 1 KStG i. H. v. derzeit (2011) 15 %. 3 Körperschaftsteuer einschließlich Besteuerung der Ausschüttungen 165 Beispiel Das zu versteuernde Einkommen der Y-AG für das Jahr 2011 beträgt 900 Mio €. Die Y-AG plant, für das Jahr 2011 eine Dividende von 210 Mio € auszuschütten. Die Körperschaftsteuer für das Jahr 2011 beträgt (900 Mio € · 15 % =) 135 Mio €. Die Ausschüttung hat hierauf keinen Einfluss. Bei der Durchführung der Besteuerung sind nach § 31 KStG die Vorschriften des EStG entsprechend anzuwenden121. Die Jahressteuerschuld wird demnach durch einen Steuerbescheid festgesetzt. Auf die Jahressteuerschuld sind die bereits für den Veranlagungszeitraum geleisteten Vorauszahlungen anzurechnen. Außerdem kann die Körperschaft Kapitalertragsteuer, die für sie von einem Schuldner von Kapitalerträgen entrichtet worden ist, auf ihre eigene Steuerschuld anrechnen. Verbleibt nach Anrechnung der genannten Beträge eine Steuerschuld, so hat die Körperschaft diese innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Steuerbescheids zu entrichten. Zu viel gezahlte Steuern hat das Finanzamt zu erstatten. Während eines Veranlagungszeitraums hat die Körperschaft Vorauszahlungen auf die zu erwartende Körperschaftsteuerschuld zu entrichten. Deren Höhe richtet sich - ebenso wie bei der Einkommensteuer - grundsätzlich nach den Ergebnissen der letzten Veranlagung. Über die zu entrichtenden Vorauszahlungen ergeht ein Vorauszahlungsbescheid. Dieser ist üblicherweise auf demselben Stück Papier abgedruckt wie der Steuerbescheid für das Jahr, nach dessen Ergebnissen die Höhe der Vorauszahlungen bemessen wird. 3.6 Aufgaben 25 - 30 Aufgabe 25 Die A-GmbH hat nach dem Gesellschaftsvertrag ihren Sitz in Stuttgart. Der mehrheitsbeteiligte Gesellschafter, der die Geschäfte der GmbH maßgeblich lenkt, hat seinen Wohnsitz in der Schweiz. Dort befinden sich auch die wichtigsten Produktionsstätten der GmbH. Ist die GmbH körperschaftsteuerpflichtig? Aufgabe 26 Ein inländisches Unternehmen vermietet ausschließlich Wohnungen. Bei dem Unternehmen handelt es sich um a) eine KG, b) eine GmbH, c) einen rechtsfähigen Verein. Besteht in allen drei Fällen Körperschaftsteuerpflicht, und welcher Einkunftsart sind die Einkünfte aus der Vermietung zuzurechnen? Aufgabe 27 Eine GmbH tätigt Aufwendungen für Werbegeschenke, die unter das Abzugsverbot des § 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG fallen, i. H. v. 10.000 €. Sie muss deshalb gem. § 1 Abs. 1 Nr. 1 121 Vgl. Gliederungspunkt 2.5.1 und die dort zitierten Vorschriften des EStG.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

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Die Schwerpunkte im Überblick

* Grundlagen und Grundbegriffe, Durchführung der Besteuerung

* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.