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Manfred Maus, VIII.7 Franchise-Feuer: Begeisterung von innen in:

Jürgen Nebel, Albrecht Schulz, Eckhard Flohr (Ed.)

Das Franchise-System, page 603 - 610

Handbuch für Franchisegeber und Franchisenehmer

4. Edition 2008, ISBN print: 978-3-8006-3330-2, ISBN online: 978-3-8006-4324-0, https://doi.org/10.15358/9783800643240_603

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VIII.7 Franchise-Feuer: Begeisterung von innen von Manfred Maus Einführung „Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, heißt ein bekanntes Sprichwort. Vor über 30 Jahren, als Obi gegründet wurde, wiesen die Zeichen der Zeit in eine vollkommen andere Richtung als in die des Do-it-yourself-Booms. Noch Ende der sechziger Jahre war Freizeit knapp bemessen. Und wer am Wochenende selbst Hand anlegen wollte in Haus und Garten, musste z. B. für Schrauben, Farbe und Holz mehrere Geschäfte aufsuchen und langeWege inKauf nehmen. Denn der Einzelhandel inDeutschlandwar in kleine Fachgeschäfte aufgeteilt. Man fand Eisenwaren, Holz oder Farben oft Kilometer voneinander entfernt. Kaufhof, Karstadt undHorten zeigten in Deutschland als Erste, dass es sich „unter einem Dach“ viel leichter einkaufen ließ – die Shopping-Center in Amerika setzten auf der „grünen Wiese“ weitere Maßstäbe der Bequemlichkeit. Hier erlebte man zum ersten Mal, dass alle Produkte zum Heimwerken „unter einem Dach“ gebündelt wurden. Wie man die amerikanische Idee des „One-stop-shoppings“ für Heimwerker auch in Deutschland realisieren konnte, war eine Frage, die man im Hause Emil Lux, einem Großhandelsunternehmen für Handwerkzeuge, intensiv diskutierte. Denn dass die Zeit über kurz oder lang gegen die kleinen Einzelhändler arbeitete, welche die Firma Emil Lux als Großhandelsorganisation belieferte, war offenkundig. Das Großhandelsunternehmen Lux befand sich jedoch in einem Konflikt. Auf der einen Seite standen die Einzelhändler, viele davon seit vielen Jahren gute Kunden. Auf der anderen Seite war es geboten, neue Wege zu gehen und neue Chancen zu ergreifen. Die zündende Idee, wie man als Pionier in einem ganz neu zu schaffenden Markt Zeichen setzen kann – und dennoch nicht in Kollision mit seinen Kunden gerät – brachte eine Veranstaltung der American Management Assoziation in New York zum Thema Franchising. Hier wurde plötzlich die Lösung sichtbar, wie die Existenz der eigenen Kunden angesichts des immer härter werdenden Verdrängungswettbewerbs gesichert werden konnte. Fortan sollten die Kunden der Firma Emil Lux die Partner sein, die es für denAufbau eines Do-ityourself-Systems im Franchise-Verbund zu gewinnen galt. Doch was in der Theorie so einleuchtend war, stellte sich in der Praxis mehr als schwierig dar. Wer wollte sich freiwillig an einem Experiment mit ungewissem Ausgang beteiligen? Wer hatte denMut, Geld für eine völlig neue Geschäftsidee zu investieren?Wer war bereit, den über Jahrzehnte etablierten Firmennamen zugunsten des neuen Namens Obi zu opfern? Denn so sollte das Unternehmen – in Anlehnung an das französische „hobby“ – heißen, das bislang nur als Idee existierte. Dass man selbst investieren musste, um die Partner vom Erfolg der neuen Idee zu überzeugen, war selbstverständlich, als 1970 der erste Obi Markt im Hamburger Einkaufszentrum Alstertal eröffnet wurde. Geleitet wurde der 900 Quadratmeter große Markt von 582 Ausschöpfen einem Mitarbeiter-Team, das aus dem Hause Lux nach Hamburg aufbrach. Zwölf Mitarbeiter zählte damals die erste Obi Mannschaft. Sie bestand aus neun Fachverkäufern und zwei Kassiererinnen inHamburg und einer Bürokraft, die vonWermelskirchen aus die Pioniere unterstützte. Der neue Markt bot unter einem Dach alles, was man als Heimwerker haben musste, um für den Ernstfall beim Do-it-yourself gerüstet zu sein: Holz, Sanitär, Farben und Tapeten, Werkzeuge undMaschinen, Gartenhartwaren, ein Sortiment zumBasteln, Baustoffe, Eisenwaren und Beschläge, Elektroinstallation und Haushaltswaren. Schon nach einem Jahr konnten wir nachweisen, dass sich das investierte Geld so verzinst hatte, wie es geplant war – das stärkste Verkaufsargument für potenzielle Franchisenehmer. Von der Eröffnung des ersten Marktes in Hamburg bis zum Start des nächsten im Kaufpark Sprendlingen vergingen allerdings zwei Jahre. Danach hatte sich die Überzeugungsarbeit gelohnt. Mitte 1974 gab es bereits 14 Obi Standorte, drei Jahre später schon 34. Der ursprüngliche Plan, die Eisenwarenhändler des Hauses Emil Lux als Franchisenehmer zu gewinnen, ging allerdings nicht auf. Statt dessen rekrutierten sich die Franchisenehmer von Obi hauptsächlich aus dem Baustoffhandel, dem Holzhandel und unabhängigen Investoren. Die weitaus meisten der frühen Franchisepartner gehören noch heute zu Obi. Sie betreiben meist mehrere Obi Märkte. Das Franchising, das vor knapp 30 Jahren inDeutschland so gutwie unbekanntwar, wurde bei Obi zur Grundlage einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte. Nachdem die Pioniere aus Wermelskirchen in Hamburg demonstriert hatten, dass die neue Idee des „One-stopshopping“ von Erfolg gekrönt war, schlossen sich immer mehr Unternehmer dem Vertriebsverbund an. Wirtschaftlich und rechtlich blieben sie selbstständig, das Know-how hingegen, das sie zur erfolgreichen Führung ihres Einzelhandelsgeschäftes brauchten, bezogen sie von der Systemzentrale.Alle ObiMärkte wurden undwerden im Franchising geführt, auch die Märkte, die von der Obi AG in Eigenregie betrieben werden und alle ausländischen Partner-Märkte mit Unterstützung der jeweiligen Auslandssystemzentralen. 7.1 Franchising bei Obi heute Mit demWachstum der Organisation wuchs auch das Service-Paket für die Franchisenehmer. Heute bedient die Systemzentrale von Wermelskirchen aus rund 345 Obi Märkte in Deutschland und 117 Obi Märkte im Ausland mit Dienstleistungen, die von der Standortanalyse über den Neu- und Umbau, die Ladenplanung, die Sortimentsgestaltung, die Buchhaltung, die Verkaufsförderung und die Werbung bis hin zum Personaltraining reichen, um nur die Kern-Dienstleistungen zu nennen. Das geschieht nach demMotto: „Einmal denken, über 450-mal anwenden“. Dabei ist die Messlatte für die angebotenen Dienstleistungen sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht sehr hoch angelegt. Denn die Obi Franchisepartner akzeptieren nur Dienstleistungen, von deren Güte und Nutzen sie überzeugt sind. Das zunächstmühsam erscheinendeUnterfangen, erfolgreicheUnternehmer auf einen einheitlichen Vertriebsverbund unter dem Namen Obi einzuschwören, kritische und individualistische Köpfe unter ein Dach zu bringen, hatte – neben der besonderen Situation des Hauses Emil Lux – noch einen anderen Grund. Obi wollte um keinen Preis schwerfällig werden. So schwerfällig, wie die meisten Organisationen, wenn sie erst einmal groß geworden sind. Franchising sollte von vornherein der Starre den Kampf ansagen. Denn das Franchise-Feuer: Begeisterung von innen 583 Franchising verhindert, dass das Dach der Organisation sich von der Basis abhebt – vom Kunden. Ausschließlich der Franchisenehmer kann sich voll auf seine Kunden konzentrieren. Die Systemzentrale hält ihm den Rücken frei. Kundenwünsche aufzuspüren, das Ohr an der Basis zu haben, ist seine wichtigste Aufgabe. Deshalb wird auch er nicht ruhen, sein Wissen in die Organisation einzubringen und maßgeschneiderte Lösungen von der Systemzentrale einzufordern. Flexibilität, Individualität und Kundennähe sind daher beim Franchising ein absolutesMuss. Damit trotzdem gewährleistet ist, dass die Geschäftspolitik des Franchisenehmers mit der des Franchisegebers abgestimmt ist, werden die wichtigen Entscheidungen, wie Budgetplanungen für denMarkt, imObi Führungsdreieck getroffen. Der Franchisenehmer setzt sich mit einem Repräsentanten des Franchisegebers und dem Marktleiter, der für das operative Geschäft vor Ort verantwortlich ist, zusammen, um einstimmige (!) Entscheidungen zu verabschieden. Dass sich das Franchising auch zur Erfolgsformel bei der Erschließung neuerMärkte im internationalen Kontext entwickelt hat, zeigt Obi heute mit seiner Präsenz in Österreich, Italien, der Schweiz und auf den osteuropäischen Märkten in Tschechien, Ungarn, Polen, Slowenien, Russland und Lettland. Denn anders als straff zentralistisch geführte Unternehmen, die bei einerAusweitung ihrer Geschäftsbeziehung insAusland in der Gefahr stehen, die eigenen Geschäftspraktiken, die eigene Unternehmenskultur zu verabsolutieren und taub zu sein für die Ansprüche neuer Partner – seien es Kooperationspartner, Konsumenten, Mitarbeiter –, verschmelzen sich Franchiseunternehmen auf eine natürliche Art undWeisemit der fremdenKultur. Die Franchisenehmer sind fest verwurzelt in dieser Kultur und besitzen die Freiheit, im Interesse des Ganzen ihre Geschäfte so zu führen, wie es den Bedürfnissen ihrer Kunden entspricht. Sie können also schnell und flexibel auf neue Markterfordernisse antworten. Besonders für die heute noch unerschlossenen Märkte der Länder Mittel- und Osteuropas bietet die Kooperation mit westlichen Franchisegebern wie Obi Unternehmern die Chance zum Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen, vor allem solcher, die mittelständisch geprägt sind. Der Franchisenehmer profitiert vom Know-how des Franchisegebers, übernimmt damit alle Voraussetzungen für eine betriebswirtschaftliche Unternehmensführung nach westlichem Muster, ohne dabei „kolonialisiert“ zu werden – weder kulturell noch finanziell. Denn er hat nicht nur die Freiheit, im Interesse der Tuchfühlung mit seinen Kunden eine individuelle standortbezogenen Unternehmenspolitik zu realisieren. Auch seine Gewinne bleiben im Land und können dort wieder investiert werden. Und der Franchisegeber profitiert von der Verwurzelung des Franchisenehmers in Regionen, in denen er in eigener Regie nur mit viel Mühe Fuß fassen könnte. Beste Voraussetzungen für Synergieeffekte über nationale Grenzen hinweg! 7.2 Stärke des Obi Franchisings: Wettbewerbsvorteile erringen Als Obi als erstes Unternehmen der Branche die Pflanze ins Sortiment aufnahm und die ersten Gartenparadiese einrichtete, war dies eine Pionierleistung, die bis heute von anderen nicht eingeholt werden konnte. Wer wie Obi die Orchidee quasi neben dem Sack Zement verkaufte, erntete Mitte der 70er Jahre in der Branche zunächst nur Spott. Heute steht und fällt der Erfolg eines Marktes nicht zuletzt mit den Gartenparadiesen, die unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Bau- 584 Kapitel VIII: Ausschöpfen und Heimwerkermarktes geworden sind und etwa 25Prozent des Umsatzes bringen. Heute ist kein neuer Baumarkt mehr ohne Gartencenter denkbar. Später kamen andere Ideen hinzu. Obi war der erste der Branche, der ein durchdachtes und auf Nutzen für den Kunden und den Markt angelegtes Konzept des Maschinenverleihs unter dem NamenMietprofi installierte. Natürlich haben wir anfangs dafür Lehrgeld bezahlt. Aber nie haben wir daran gezweifelt, dass das Angebot richtig war und angenommen werden würde. Das hat sich inzwischen bestätigt und wir haben gegenüber anderen die Gewissheit, in der Weiterentwicklung dieses Geschäftes einen jahrelangen Vorsprung zu haben. Ähnliches werden wir mit dem Obi Handwerkerservice erreichen. Die Marktforschung und Befragungen von Kunden belegen, dass ein großer Teil der Kunden die Arbeiten im und am Haus nicht oder teilweise nicht selbst ausführen wollen oder können. Diese Kunden wollen aber sehr wohl im Obi Markt ihre Produkte selbst aussuchen. Wir bieten ihnen die notwendigen handwerklichen Dienstleistungen im Verbundmit Meisterbetrieben, klaren Preisaussagen und koordinierter Abwicklung zusätzlich an. Einen weiterenWettbewerbsvorteil in der Branche und unter den Franchise-Unternehmen erreichten außerdem mit dem Joint Venture mit dem Otto-Versand. 1998 standen wir wie alle anderen vor der Herausforderung, unsmit dem Thema E-Business auseinander zu setzen und eine effiziente, dauerhafte und profitable Lösung zu finden. Was lag da näher, als uns mit dem Größten der Versandbranche, dem Otto-Versand, zusammenzutun. Auch für den Otto-Versand war dies eine glänzende Idee. Wir brachten unsere Marke und Kompetenz im Bauen und Heimwerken ein, die der Otto-Versand nicht hatte. Otto seinerseits brachte seine exzellenten Strukturen im Versandgeschäft und der dahinter stehenden Logistik ein. So entstand innerhalb kürzester Zeit eine Win-win-Situation für beide Partner. Nachdem viele andere Online-Anbieter imDo-It-Yourself inzwischenwieder von der Bildfläche verschwunden sind, expandiert Obi@Otto weiter. Jährlich zwei Kataloge, zahlreiche Flyer, das Angebot im Internet und in den Obi Märkten – das bündelt Ressourcen und Chancen und bietet dem Kunden die Möglichkeit, seinen Einkauf je nach Lust und Laune imMarkt, per Katalogbestellung oder online abzuwickeln. Es handelt sich hierbei um eine innovative Multi-ChannelStrategie, von deren Erfolg auch die Obi Franchisepartner überzeugt sind. Mit einem Provisionssystem profitieren sie von allen Umsätzen und Gewinnen bei Obi@Otto, außerdem natürlich von der Marktpräsenz und der damit verbundenen Markenprofilierung. Das sind nur drei Beispiele für die Erkennung undNutzung vonWettbewerbsvorteilen bei Obi. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie immer auf dauerhaften Erfolg und qualitatives Wachstum angelegt sind, aber auch das Risiko nicht scheuen. 7.3 Kundenorientierung – das Gebot der Stunde Ende der achziger Jahre rüttelten die Ergebnisse einer Image-Analyse das Unternehmen so gewaltig auf, dass man begann, einen vollkommen neuen Weg im Marketing zu beschreiten. Alarmiert durch das Urteil der Kunden, dass es kein Bau- und Heimwerkermarkt bislang verstanden hätte, sich ein eigenständiges Profil im Wettbewerb zu schaffen, wagten wir ein Experiment, das alles, was im Marketing bisher vom „grünen Tisch“ entschieden wurde, in den Schatten stellte. Zum erstenMal waren es die Kunden selbst, die im Rahmen eines „Rollentauschs im Marketing“ ihren „Freizeitmarkt der Zukunft“ entwerfen sollten. Franchise-Feuer: Begeisterung von innen 585 Jeweils zwei Samstage lang schlüpften Kunden in die Position des Architekten, des Personalchefs oder des Marketingchefs, um zu überlegen, wie die neuen Sortimente, die neue Verkaufsberatung, der neue Service, die neuen Kommunikationsstrategien für die Obi Märkte in Zukunft aussehen könnten. Undwaswünschten sich die Kunden? Sie wünschten sich denObi-Markt als Lern-Shop als Ideen-Börse und als Animationsgeschäft. Sie wünschten sich einen ganzen Strauß von Ideen rund ums Do-it-yourself, das, was wir heute als Mehrwert bezeichnen. Vor allem aber wünschten sich unsere Kunden die Möglichkeiten, direkt im Markt zu lernen, wie man mit Holz arbeitet oder einen Gartenteich anlegt. Die Ratschläge der Kunden, die alle darauf hinausliefen: „Verkauft das Hobby, dann verkauft sich dieWare von selbst“, wurden in der Folgezeit kontinuierlich umgesetzt.Weil das „Produkt pur“ austauschbar geworden war, bot und bietet Obi seinen Kunden ein „Produkt über den Produkten“ an und wuchs damit in eine ganz neue Rolle hinein, in die des „Coachs“, der sich für die Lösung ökologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fragen engagiert. Der erste Schritt war, dass dieWarenpräsentation vollkommen geändertwurde. Fortanwar für die Kunden eine konsequente Dreiteilung des Geschäfts in die BereicheAusbauen, „Erfolgreich Heimwerken“ und „Schöner Wohnen“ erkennbar. Die Sortimente wurden konsequent nach den Bedürfnissen der Kunden gebündelt, die sich eben nicht auf Fachabteilungen konzentrieren, sondern auf die Dinge, die das Leben erleichtern und verschönern. Coaching boten wir den Kunden weiterhin dadurch an, dass Obi eine Fülle neuer Service- Ideen ersann. Vom Kundenmagazin, das vier Mal im Jahr der Phantasie seiner Leser Flügel wachsen lassen sollte, vom Ratgeber, der über alle bei Obi verfügbaren Produkte informiert bis hin zum kostenlosen Telefon-Service am Feierabend und am Wochenende – Obi investierte konsequent in den Service. Viele Obi Märkte haben heute ein spezielles Service-Center, in dem hochkompetente Fachleute sich um alle Belange der Beratung für Um- und Ausbauprojekte kümmern. Außendienst und Beratung vor Ort bei den Kunden sind hier selbstverständlich geworden. Das hat nebenbei den positiven Effekt, dass die Fachverkäufer auf der Fläche zeitlich entlastet werden. Administrative Tätigkeiten, die sich z. B. aus dem Kommissionsgeschäft ergeben, werden in das Back-Office verlagert, sodass auch hierwiedermehr Raum für Beratung und Verkauf geschaffen wird. Mittlerweile ist in fast jedemObiMarkt einWohn- undUmweltberater tätig.Auch dieAusbaupakete für das kostengünstige B.O. S.-Haus zum Mitbauen sind in allen Märkten ins Sortiment integriert. Auf der Obi Internetseite steht ein umfangreicher Service zur Verfügung. Es gibt stets aktuelle Informationen rund um die Themen des Heimwerkens und der Gartengestaltung, um die Besonderheiten des ökologischenAngebots und der in Deutschland erhältlichen Fördermöglichkeiten, um die Engagements von Obi in Sport und Gesellschaft, bis hin zur Wegbeschreibung zum dem Wohnort nächstgelegenen Obi Markt und seinen Öffnungszeiten. Über die Internetseite können die Obi Kunden direkten Kontakt mit der Systemzentrale aufnehmen und sicher sein, dass jede Anfrage beantwortet wird. 7.4 Obi macht Karrieren: Mit der Obi-Akademie bis zur Spitze All diese Service-Ideen können natürlich nur dann realisiert werden, wenn die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen voll engagiert dahinterstehen. Deshalb beinhaltet Kundenorientie- 586 Kapitel VIII: Ausschöpfen rung bei Obi auch, alles zu tun, umMitarbeiter zufrieden zu stellen. Zufriedenheit bedeutet in erster Linie, dass den Menschen in der Organisation eine Perspektive für das eigene berufliche Leben geboten wird. Jeder bei Obi hat die Chance, sich entsprechend seinen Fähigkeiten und Wünschen zu entwickeln. Das betrifft nicht nur die fachliche Weiterbildung und die geradlinige Karriere, erlaubt sind auch Umwege undAuszeiten aus persönlichen Gründen. Flexible Arbeitszeitmodelle, Marktwechsel und Wechsel von der Systemzentrale in einen Markt oder umgekehrt sind machbar, Auslandsaufenthalte werden gefördert. Als erstes Unternehmen im Einzelhandel gründete Obi 1994 eine eigeneAkademie, die Obi Akademie.Alle, die vorwärts kommenwollen, können über dieAkademie nach einemModulsystem ihre ganz besondere Karrierechance nutzen. Die Führungskraft genausowie die Kassiererin. Für alle Fachberater und -beraterinnen bietet Obi vier neue Wege für eine stark erweiterte Qualifikation. Wer seine Fähigkeiten als Generalist erweitern möchte, durchläuft die Ausbildung zum Master-Verkäufer, der in vier Sortimentsbereichen des Obi Marktes kompetent beraten kann. Wer sich dagegen spezialisieren will, kann sich entweder als Merchandising-Beauftragter oder als Umweltberater weiterqualifizieren oder auch eine Schulung im Rahmen der Ausbilder-Eignungsprüfung absolvieren. FürAbiturienten bietet Obi dieMöglichkeit, sich innerhalb von drei Jahren an einer Berufsakademie zumBetriebswirt (BA) ausbilden zu lassen. Theorie und Praxis wechseln sich dabei alle drei Monate ab. Wer die Prüfung zum Diplom-Betriebswirt besteht, hat die besten Voraussetzungen, in einemObiMarkt oder in der Systemzentrale in eine Führungsposition hineinzuwachsen. Und dies in einemAlter, in dem andere Studenten noch nicht einmal an ihr Examen denken. Wer dann noch ganz hoch hinaus will und schon einen Abschluss als Betriebswirt (BA) oder als Handelsfachwirt in der Tasche hat, kann sich im TOP-Center I bis zum Gruppenleiter oder bis zum stellvertretenden Marktleiter qualifizieren, im TOP-Center II zum Marktleiter. Im TOP-Center III bereiten sich erfolgreicheMarktleiter auf weitere Führungsaufgaben im Obi Management vor. Und als besonderen Höhepunkt ihrer Entwicklung haben Mitarbeiter, die es in die Ferne lockt, die Möglichkeit, sich auf fremden Märkten zu profilieren. Aufenthalte in Japan und Amerika gehören heute mittlerweile bei Obi ebenso zur Personalentwicklung für die besonders Qualifizierten wie Aufenthalte im europäischen und außereuropäischenAusland. 7.5 Perspektiven Dass diese Möglichkeiten für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beständig ausgebaut werden können, liegt in der Logik des Obi Wachstums. Unser Unternehmen, das sich kontinuierlich zum Marktführer entwickelte und 2001 mit rund 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einemUmsatz von über 4Milliarden Euro erwirtschaftete, ist auf immermehr ausländischen Märkten präsent. Dabei sind die Sortimente den nationalen Besonderheiten derMärkte zwar höchstmöglich angepasst, aber eines bleibt bei Obi immer gleich – die Corporate Identity. Die Obi Corporate Identity ist viel mehr als nur der optische Reiz des Wiedererkennens. Obi Corporate Identity verspricht „Gleichheit im Wandel“: eine Leistung, die überall auf der Welt berechenbar ist. Die in der Obi Unternehmenskultur verankerten Werte wie Fairness, Leistung, partnerschaftliches Handeln bleiben auch auf den ausländi- Franchise-Feuer: Begeisterung von innen 587 schenMärkten bestehen. Der Kunde soll bei Obi immer die gleiche Freundlichkeit, die gleiche Kompetenz, das gleiche Bemühen um Kundenorientierung erleben. Denn Kundenorientierung ist für Obi das Unternehmensziel Nummer eins. Sie ist die Basis für das Vertrauen, das der Kunde der Marke Obi entgegenbringt. Auch wenn derWettbewerb in der Do-it-yourself-Branche kontinuierlich härter wird, weil ein noch nie gekannter Verdrängungswettbewerb stattfindet, hat Obi die besten Chancen, sich in diesemWettbewerb im Spitzenfeld zu behaupten. Denn Obi hat über die Jahre hinweg unter Beweis gestellt, wie ein Unternehmen als „lernende Organisation“ mit den Bedürfnissen seiner Kunden wächst. Eine solche lernende Organisation braucht ein inneres Feuer. Das ist bei Obi das Franchising – die Freude am Erfolg. 588 Kapitel VIII: Ausschöpfen IX.1 Nützliche Adressen IX.1.1 Franchise-Messe, Franchise-Börse, Franchise-Verband Internationale Franchise-Messe in Deutschland Alljährlich findet in Deutschland dieweltweit zweitgrößte Franchise-Messe statt. Sie ist viertägig und umfasst immer ein komplettes Wochenende. Dort präsentieren sich meist rund 200 Franchisegeber (und Lizenzgeber für Existenzgründer) und informieren über ihre Konzepte. Sie findet jährlich in Frankfurt amMain statt. Mit der Eintrittskartewird an jeden Besucher die Zeitschrift franchise INTER- NATIONAL ausgehändigt. Sie bietet Informationen zu allen Ausstellern (Konzept, Franchisenehmeranzahl, Kapitalbedarf, Franchisegebühren etc.) und allgemeine Informationen zum Franchising. Reed Exhibition Companies Blenheim Heckmann GmbH Völklinger Str. 4 40219 Düsseldorf Telefon: 0211/90191147 Telefax: 0211/90191155 Internet: http://www.reedexpo.de Franchise-CD Umfassender ist die Franchise-CD EURO Edition von Forby’s Guide. Diese umfasst in der Euro Edition 2006 5.000 Geschäftskonzepte. Damit ist sie deutlich die umfassendste Information über Franchisesysteme, die gegenwärtig erhältlich ist. Da sie 48,00 Euro kostet, ist sie auch verhältnismäßig die Preisgünstigste. Hinzu kommt, dass die CD noch fundierteweitere Informationen über Verbände, Organisationen etc., aber auch allgemeine Informationen zum Franchising aufweist. FranchisePORTALGmbH Heidestraße 30a 53797 Lohmer Telefon: 02241/388440 Telefax: 02241/917053 Im Buchhandel ist auch ein Überblick über alle Franchisesysteme (896 Franchise-Konzepte), die in Deutschland vertreten sind, sowie über Masterfranchise-Gelegenheiten erhältlich: „Franchise-Chancen“ 2007/2008 Selbstständigmachen als Partner erfolgreicher Unternehmen VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG, Theodor-Heuss-Straße 2–4, 53177 Bonn, erscheint jedes Jahr neu Deutscher Franchise-Verband e.V., Deutsches Franchise-Institut ImDeutschen Franchise-Verband (DFV), dem zweitgrößten Franchise-Verbandweltweit, ist ein großer Teil aller deutschen Franchisegeber organisiert. Die Mitgliedschaft ist insoweit ein Gütesiegel, als die Franchiseverträge der Verbandsmitglieder auf ihren Inhalt geprüft sind,was indessen nicht bedeutet, dass sie in jedem Fall auch rechtswirksam seinmüssen, und die Franchisegeber sich gleichzeitig durch ihre Mitgliedschaft einem strengen Ehrenkodex unterwerfen. Deutscher Franchise-Verband e.V. Luisenstraße 41 10117 Berlin Telefon: 030/278902-0 Telefax: 030/278902-15 E-Mail: info@franchiseverband.com Internet: http://www.dfv-franchise.de Die Marktidee: Am Anfang steht der Kunde 589

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Zusammenfassung

Das Standardwerk des Franchising

Mit Franchising gutes Geld verdienen wollen viele. Gelingen kann es aber nur, wenn man die Bedingungen hierfür wirklich kennt und dann auch konsequent umsetzt.

Dieses Standardwerk gibt nun in der 4. Auflage Franchisegebern und Franchisenehmern gemeinsam das ökonomische und rechtliche Instrumentarium an die Hand, um die Kraft des Franchising voll nutzen zu können. Franchisegebern zeigt es, wie sie Chancen beim Entwickeln und Umsetzen von Franchisesystemen erkennen und Risiken vermeiden können. Franchisenehmern hilft es, die Stärken und Schwächen eines Systems nach wirtschaftlichen Kriterien einzuschätzen. Erkenntnis: Franchising als „Partnership for Profit“ lebt nur, wenn Geber und Nehmer gleichermaßen vom System profitieren. Die langjährigen Erfahrungen der Herausgeber und Autoren prägen dieses Buch. Der inhaltliche Rhythmus folgt dem Lebenszyklus eines Franchisesystems.

Die Neuauflage erläutert im Detail die Auswirkungen der EG-Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung sowie der Anpassung des deutschen an das EG-Kartellrecht durch die 7. GWB-Novelle. Sie beleuchtet die Folgen der großen Schuldrechtsreform einschließlich der geänderten Verbraucherschutzvorschriften und setzt sich mit den unbefriedigenden Auswirkungen der Muster-Widerrufs-belehrung auseinander. Der Dokumentationsteil bündelt wichtige rechtliche Rahmenbedingungen und Empfehlungen des Deutschen Franchise-Verbandes in der jeweils aktuellen Fassung.

Die Herausgeber

Dr. Jürgen Nebel, Personal- und Unternehmensberater, Albrecht Schulz, Rechtsanwalt, hat langjährige Erfahrung im Franchise-, Vertriebs- und Handelsvertreterrecht, Prof. Dr. Eckhard Flohr, Rechtsanwalt, langjähriger Berater nationaler und internationaler Franchise-Systeme.