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Hans-Jürgen Meier, III.7 Finanzierung des Franchisebetriebs in:

Jürgen Nebel, Albrecht Schulz, Eckhard Flohr (Ed.)

Das Franchise-System, page 264 - 271

Handbuch für Franchisegeber und Franchisenehmer

4. Edition 2008, ISBN print: 978-3-8006-3330-2, ISBN online: 978-3-8006-4324-0, https://doi.org/10.15358/9783800643240_264

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III.7 Finanzierung des Franchisebetriebs von Hans-Jürgen Meier In dieser klassischen Form der Existenzgründungsfinanzierung nimmt der Franchisegeber lediglich eine Auswahl der Franchisenehmer nach fachspezifischen Richtlinien vor. Das heißt er bewertet den Bewerber nach seinen verkäuferischen Fähigkeiten und den Chancen, mit ihm den unternehmerischen Erfolg zu erzielen. Die Prüfung des Standorts sollte standardisiert und sehr gewissenhaft durchgeführt werden. Der Franchisegeberwird natürlich auch die finanziellenMöglichkeiten des Bewerbers überprüfen. Eine weitergehende Aufbereitung des finanziellen Hintergrundes und den sich daraus ergebenden Notwendigkeiten findet jedoch nicht statt. Der Franchisegeber stellt, meist in Form einer Werbebroschüre eine allgemein gehaltene Vorhabensbeschreibung einschließlich einer Übersicht zu den Verdienstmöglichkeiten, zur Verfügung. Diese Vorhabensbeschreibung muss folgende Inhalte umfassen: • das Sortiment und seine Besonderheiten • den Markt • den Wettbewerb • die notwendigen Investitionen und der Kapitalbedarf • die Ertragsaussichten für den Franchisenehmer • das Marketingkonzept des Franchisegebers III.7.1 Der Franchisenehmer und seine Finanzierungsmöglichkeiten Der zukünftige Franchisenehmer wendet sich mit diesen Unterlagen an seinen Steuerberater oder direkt an den zuständigen Firmenkundenberater seiner Hausbank um eine Finanzierung der geplanten Investitionen und Betriebsmittel zu besprechen. Die Hausbank wird im Rahmen einer ordnungsgemäßen Beratung alle finanziellen Sachverhalte prüfen und bei Vorliegen der notwendigen Voraussetzungen entsprechende Anträge für die Ausreichung der öffentlichen Kreditmittel fertig stellen und einreichen. Die jeweiligenKonditionenunddie letztendlicheFinanzierungsstruktur liegenindieserForm der Franchisefinanzierung sehr stark im Ermessen der jeweiligen Hausbank, deren Informationsstand und derenWillen an dem betreffenden Standort einen Franchisebetrieb in der jeweiligen Branche zu finanzieren. Einemögliche Finanzierung könntewie folgt aussehen: • Hausbank – Darlehen 18Prozent • KfW – Darlehen zzgl. Länderprogramme 42Prozent • Eigenkapitalunterstützende Darlehen 25Prozent • Eigenkapital des Gründers 15Prozent • Investitionsvolumen 100Prozent In der Regelwird für den gesamtenAblauf ein Zeitraum von etwa sieben bis zehnWochen beansprucht. Die Chance, die optimale Finanzierung zu bekommen hängt von vielen Fak- Finanzierung des Franchisebetriebs 241 toren ab, welche in ihren Zusammenhängen von dem Existenzgründer meist überhaupt nicht überblickt werden können. Die Absagequote ohne entsprechende Unterstützung durch den Franchisegeber und/oder spezialisierte Berater ist meist relativ hoch. Einewichtige Rolle spielen auch die Bürgschaftsbanken der einzelnen Bundesländer. Diese unterstützen die Hausbank bei der Besicherung der oft mit wenig Eigenkapital ausgestatteten Franchisenehmerkredite. Dabei ist zu beachten, dass sich die Bürgschaftsbank sehr intensiv mit der grundsätzlichen Finanzierung und dem zugrunde liegenden Geschäftsmodell befasst. Es sollte von den Betreuern und Beratern des Franchisesystems der Kontakt gesuchtwerden, um denAnsprechpartnern bei den Bürgschaftsinstituten einen ebenfalls detaillierten Einblick in das Franchisesystem zu ermöglichen. Eine Ablehnung durch die Bürgschaftsbank lässt in der Regel auch die Hausbank von der Finanzierung zurücktreten. Dabei sollte jedoch deutlich darauf hingewiesenwerden, dass die meistenAbsagen bereits durch die beantragenden Hausbanken erteiltwerden. Diese haften in jeden Fall zumindest teilweise für die Kredite und sowird es im Zusammenhang mit der allgemeinen Verschärfung der Kreditvergabe-Bestimmungen immer schwieriger die Hausbank von der Erfolgschancen zu überzeugen. Sehr oftwird deshalb der Franchisegeber einen Franchisebetreuer das Bankgespräch begleiten lassen. Dieser Franchisegeber-Mitarbeiter schlüpft nun die Rolle des Verkäufers für das Franchisesystem,was natürlich mit einigen Gefahren verbunden ist. Schließlich preist somancher Franchise-Außendienstmitarbeiter das eigene System schon mal mit Begriffen an, die leicht in die Nähe einer Erfolgsgarantie oder Risikoübernahme gerückt werden könnten. Letztendlich wird durch seinen Vertreter das Franchisesystem die Planung einschließlich einer Renditeprognose erläutern. Über die Haftung aus fehlerhaften oder auch einfach nur nicht zutreffenden Renditeprognosen wird an anderer Stelle genauer eingegangen. Durch die Beauftragung eines unabhängigen Existenzgründungsberaters kann hier zumindest einemöglicheGefahrenquelle und auch natürlich eine Fehlinvestition in eine nicht tragfähige unternehmerische Tätigkeit vermiedenwerden. Außerdemwird die Gefahr der Ablehnung durch die Bank dahingehend minimiert, dass der Berater alle wichtigen Unterlagen und Sachverhalte in einer Formpräsentiert und bei der Bank vorstellt, die eine vernünftige Kreditentscheidung begünstigt. Die jeweiligen Bankinstitute legen den Rahmen der Unterlagen selbst sehr detailliert in Checklisten fest. In vielen Franchisesystemenwird das Ziel der engenZusammenarbeit zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer auch in Richtung einer sinnvollen Finanzierungsstrukturwesentlich intensiver weiterverfolgt. Die Tatsache, dass der ideale Franchisepartner, was die persönlichenVoraussetzungen anbelangt, nicht immerder Bewerbermit einemausreichenden Eigenkapital ist, ließ Franchisegeber nach anderenWegen der Finanzierung suchen. Die Möglichkeiten, das Gesamtvolumen in der Existenzgründungsfinanzierung auf mehrere Schultern zu verteilen sind vielfältig. Photo Porst war beispielsweise nach einer eingehenden Prüfung aller Sachverhalte und nach der Entscheidung für einen bestimmten Franchisepartner bereit, den zu bezahlenden Geschäftswert über ein eigenes Darlehen zu finanzieren. Dabei lag der Zinssatz zwar individuell verschieden, jedoch meist in der Nähe der günstigen öffentlichen Finanzierungsmittel. Die Laufzeit wurde meist an die Laufzeit des Mietvertrages gekoppelt. In den Modalitäten wird auf die spezifische Ergebnis- und Liquiditätsentwicklung des Betriebes eingegangen. 242 Kapitel III: Vervielfältigen Außerdem wurden bei Bedarf Pachtverträge für Einrichtungen ausgereicht, welche ebenfalls in ihren Konditionen nicht über den banküblichen Konditionen lagen. Der Effekt einer solchen Franchisefinanzierungspolitik liegt in einem sehr viel größeren Vertrauen der hauptsächlich finanzierenden Hausbank. Diese erkennt zum einen, dass der Franchisegeber auch finanziell an den Erfolg des Standortes und des Franchisenehmers glaubt und zum anderen, dass sich der Franchisegeber intensiv mit den wirtschaftlichen Verhältnissen des Betriebes und der Person des Gründers auseinandergesetzt hat. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Richtigkeit der Kreditanträge nicht zu verletzen.Auchwenn der Franchisegeber für diese Finanzierung keinerlei Sicherheiten verlangt, ist dadurch trotzdem eine Verbindlichkeit entstanden, die der Kreditnehmer der finanzierenden Bank anzuzeigen hat. Dasselbe gilt für Darlehen des Franchisegebers zum Ersatz oder zurAufstockung des notwendigen Eigenkapitals. Hier sollte der Sachverhalt der Bank von Beginn an erläutertwerden und diesesDarlehen als klassischesNachrangdarlehen formuliertwerden. Der zusätzliche Einsatz eines speziellen Existenzgründungsberaters für Franchisesysteme, ermöglicht eine zusätzliche gründliche formale Aufbereitung der Unterlagen und Planungen, welche in diesem Kontext in der Regel zu einem positiveren und schnelleren Entscheidungsverhalten des finanzierenden Bankinstitutes führen. Die Konsequenz ist ein in der Regel beschleunigtes Verfahren zur Übergabe der Vertriebsstellen und Standorte an neue Franchisenehmer und die Chance für eine schnellere Expansion des Franchisesystems. Finanzierungshilfen des Franchisegebers im Überblick: Finanzierung des Franchisebetriebs 243 Abb. 1: Finanzierungshilfen III.7.2 Die Koordination der Franchisenehmerfinanzierung über Rahmenverträge Unter der Koordinationsfunktion ist eine sehr umfassende Gestaltung der Finanzierungsstrukturen für das gesamte Franchisesystem zu verstehen. Das Grundproblem der herkömmlichen Franchisenehmerfinanzierung ist die große Abhängigkeit der Finanzierung und damit des Betriebsgründungsablaufs von der, den einzelnen Franchisenehmer finanzierenden Hausbank. Nicht jeder Franchisegeber kann oderwill nun die Finanzierungshilfen für seine zukünftigen Franchisenehmer bereitstellen, um diesem die zusätzlich notwendigen Kreditmittel der Hausbank leichter erreichbar zu machen. Zudemwerden die in Franchisesystemen zurAufbereitung von neuen Standorten und zur Anwerbung und Auswahl neuer Franchisepartner notwendigen Ressourcen nur dann effizient, das heißt zumindest kostendeckend eingesetzt, wenn der Aufwand für eine Neueröffnung in der Franchisezentrale möglichst gering gehalten werden kann. Die vorhergehend beschriebenen Finanzierungsabläufe sind nicht immer geeignet, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Aus diesem Grund bieten mittlerweile mehrere Bankinstitute franchisespezifische Finanzierungsmodelle für Franchisesysteme an. Beispielsweise engagiert sich die Deutsche Bank in diesem Umfeld mit einer eigenen Zentral- Abteilung sehr stark. Die Grundstruktur eines solchen Modells sieht immer eine starke Einbindung des Franchisegebers in die Planung und Kontrolle des Franchisenehmerbetriebs vor. Der Franchisegeber schließt mit einem Bankinstitut einen Rahmenvertrag über ein bestimmtes Volumen an Existenzgründungen ab. Dieses ist sowohl hinsichtlich der Anzahl als auch des Finanzierungsvolumens klar definiert. Das bedeutet im Einzelnen, dass der Franchisegeber bereits in der Phase der Rahmenvertragsgestaltung ebenso klar definieren muss, mit welcher Bandbreite des Investitionsvolumens zu rechnen ist. Der nächste Schritt umfasst die speziellen Umsatz-, Ertrags- und Kostenstrukturen eines durchschnittlichen Franchisenehmerbetriebs. Darauswerden Richtlinien für die Minimaloder Maximalanforderungen, sowohl bezüglich der finanziellen Situation des Franchisenehmers, als auch bezüglich der Ergebnisstrukturen des Betriebes erarbeitet. Diese Richtlinien sind insofern von entscheidender Bedeutung, als sie im Einsatz des Finanzierungsmodells die reibungslose und sehr schnelle Kreditvergabe innerhalb weniger Tage ermöglichen, nämlich dannwennder potenzielle Franchisenehmer diesemRaster entspricht. Im Anschluss an die so gefällte Entscheidung schließt die nach dem Regionalprinzip der BankenausgewählteZweigstellevorOrt einenKreditvertragmitdemFranchisenehmerund wirddadurchauchalle laufendenEin-undAuszahlungenverwalten.Dadurch istwiederum eine engereAnbindung des Franchisenehmerbetriebs an die Hausbank gewährleistet. Die Kreditkonditionen sollten denen der alternativ möglichen öffentlichen Kredite entsprechen um eine Benachteiligung des Franchisenehmers in jedem Fall auszuschließen. Nach der Existenzgründung wird sowohl der Franchisegeber als auch die Bankzentrale durch ein System der Franchisenehmerüberwachung laufend über die wirtschaftliche Situation informiert. Die Informationsstrukturwird bereits imVorfeldmit derGestaltung der Rahmenvereinbarung definiert. 244 Kapitel III: Vervielfältigen Als systemspezifischer Vorteil ist in diesem Modell ein sehr zeitnahes, standardisiertes System der Franchisenehmerüberwachung und -betreuung vorhanden, welches dem Franchisegeber weitere wichtige Informationen zu grundsätzlichen Entwicklungen bereitstellt. Viele Franchisesysteme, darunter auch große und etablierte Systeme müssen immer wieder feststellen, dass sie sehrwenige zeitnahe und aussagekräftige Informationen über ihre Franchisenehmer zur Verfügung haben. Folgende Punkte sollten im Rahmenvertrag festgelegt sein: • Umfang der Existenzgründungen: Anzahl, Investitionsvolumen, usw. • Gesamtfinanzierungsvolumen • Sicherheitenvergabe durch Franchisegeber • Standard-Franchisevertrag und Nebenabreden • Auswahlverfahren für potenzielle Franchisenehmer • Auswahlkriterien für neue Standorte • Musterkalkulationen für einen Franchisenehmerbetrieb • Definition des Verfahrens zur Geschäftswertberechnung • Klar definiertes Betriebsgründungsprocedere • Festlegung der laufenden Berichterstattung • Einheitliche Kreditvergabekonditionen • Festlegung der Reaktionszeit der Bank • Laufzeit des Rahmenvertrages Für die Einzelkreditverträge sollten unbedingt folgende Konditionen festgelegtwerden: • Effektivzinssätze ähnlich denen der öffentlichen Mittel • Laufzeiten, die den geplanten Ergebnisentwicklungen entsprechen • Ausreichende zusätzlich Kontokorrentkreditlinien • Tilgungsfreie Zeiträume zu Beginn der Laufzeit • Modalitäten zur Kreditbesicherung Finanzierung des Franchisebetriebs 245 Abb. 2: Rahmenvereinbarung Die Sicherheiten des Franchisegebers sind je nach Verhandlung des Rahmenvertrages sehr unterschiedlich darstellbar. Nachfolgende Aufzählung beinhaltet eine mögliche Auswahl: • zeitlich und betragsmäßig begrenzte Bürgschaft • Rücknahmeverpflichtung zu Einkaufspreisen für alle gelieferten Warenbestände • Rücknahmeverpflichtung zu Restbuchwerten für alle verkauften Einrichtungsgegenstände des Betriebes, sowie des Geschäftswertes • Abtretung aller Forderungen gegenüber dem Franchisenehmer an die Bank • Verpflichtung zur Subventionierung des Franchisenehmers in einer vorher definierten Art und Weise innerhalb bestimmter Grenzen • Verpflichtung zur vorübergehenden und/oder teilweisen Erlassung oder Stundung der Franchisegebühr bei finanziellen Engpässen • Einrichtung eines verzinslichen Sicherheitenkontos zur Risikoabdeckung in Höhe eines definierten Prozentsatzes der ausgereichten Kredite Insgesamt erweist sich eine Finanzierung über Rahmenverträge in vielerlei Hinsicht als vorteilhaft. Voraussetzung ist, dass die entsprechenden Rahmenbedingungen berücksichtigt wurden und sich sowohl das Finanzierungsinstitut als auch der Franchisegeber über die (Franchise)systemimmanenten Besonderheiten im klaren sind. (1) Schnelle Abwicklung der Existenzgründungsfinanzierung einzelner Franchisenehmer (2) Günstige Finanzierungskonditionen ähnlich denen der öffentlichen Hand (3) Einheitliche Finanzierungsstruktur bezüglich Laufzeit und Kredithöhe (4) Bei sorgfältig und vorausschauend erarbeiteten Rahmenverträgen wird eine Unterfinanzierung ausgeschlossen (5) Die Hausbank und der Franchisegeber verfügen über zeitnahe Informationen über den Franchisenehmer (6) Die umfassende und detaillierte Festlegungwirtschaftlicher Grundlagen der Franchisenehmerbetriebe erzieht den Franchisegeber zur Disziplin Aktuelle Gespräche mit deutschen Banken zeigen, dass in immer stärkerem Maße das eigentliche Geschäftsmodell des Franchisegebers und seine spezifischen Wettbewerbsvorteile ins Zentrum der bereits erläuterten Analyse gerücktwerden. Im Einzelnen ist also aufzuzeigen, wie sich der geplante Zustand unter Einbeziehung eines strukturierten Finanzierungskonzeptes positiv vom Ist-Zustand abhebt. Die bereits allgemein dargestellten Vorteilewie Schnelligkeit und Kostenreduzierung sind detailliert zu beziffern. Sollte der Franchisegeber-Betrieb über eine sogenannte Prozesskostenrechnung verfügen, so wird einfach der Ablauf von Beginn der Akquisition an bis zur Eröffnung des Outlets abgebildet. Im Einzelnen sind dabei die Personalkosten der Aussendienstmitarbeiter, deren Reisekosten, die anfallenden administrativen Kosten, wie Schreibarbeiten usw. in ein Mengengerüst zu bringen. Zusätzlich sollten die Aufwände dargestellte werden, die sich dadurch ergeben, dass Verhandlungenmit Vermietern von Standorten durch zu lange Kreditbearbeitungszeiten der Franchisenehmers scheitern. Eine genaue Darstellung ist sehr unternehmensspezifisch und auch sehr vom vorhandenen Kostenrechnungsmodell abhängig. In jedem Fall sollte der Franchisegeber genau erfahren können, wieviel die Eröffnung eines neuen Outlets kostet, und zwar zu sog. Vollkosten. 246 Kapitel III: Vervielfältigen III.7.3 Teilabschnitte einer strukturierten Rahmenfinanzierung Die entsprechenden Teilabschnitte einer strukturierten Rahmenfinanzierung bieten in diesemKontext nun präzise Kostenvorteile. Und die Höhe eben dieser Kostenvorteile,welche vom Franchisegeber für und mit der Bank erarbeitet werden ist letztendlich mitentscheidend, ob die Bank diese Rahmenfinanzierung begleitenwird. Die Bankwird die eigene Erträge über die laufenden Kredit-Konditionen sowie über entsprechende Bearbeitungshonorare für das Gesamtkonzept generieren. Das heißt, das Konzept sollte in jedem Fall deutliche Vorteile aufweisen können. Ganz nebenbei erfährt so die möglicherweise finanzierende Bank sehr viel über das Controlling- und Führungs-Know-how des Franchisegeber-Unternehmens. Grundsätzlich sollte sich der Franchisegeber sowohl für die Planung der eigenen Risikopositionen als auch hinsichtlich der eigenen Verhandlungsstärke stets vergegenwärtigen, dass hier sehr schnell größere Summen bewältigt werden müssen. Die entsprechenden Bilanzierungsspielräume könnten unter Umständen ebenfalls nicht unbeträchtlich sein. Das heißt, im Falle einer strukturierten Finanzierung unter den oben dargestellten Rahmenbedingungen sollte unbedingt ein bilanzielle Voraussetzungen geschaffenwerden, die hinsichtlich einer eventuellen tendenziellen Abschwächung des Geschäftsverlaufes über eine zwangsläufige Risikovorsorge nicht zu einer dramatischen Ergebnisauswirkung führen. Die allseits bekannten Auswirkungen von Basel II betreffend die Verschärfung der Kreditvergabebedingungen erleichtern die Verhandlungen hier nicht gerade. Im Zweifelsfall sollte sich der Franchisegeber in dieser Phase durch ein spezialisiertes Beratungsunternehmen unterstützen lassen. Implizit spricht auch das eingangs bereits erläuterte Vorgehen, einen Franchise-Mitarbeiter das Bankgespräch begleiten zu lassen, sehr für eine strukturierte Vorgehensweise. Schließlich wird bereits dieser Franchisegeber-Mitarbeiter das System einschließlich aller rentabilitätswirksamen Merkmale detailliert darstellen müssen. Und so erscheint der konsequente Schritt in Richtung einer Standardisierung (und damit Kosteneinsparung) nur logisch. Der Franchisegeber sollte vor allem nie vergessen, dass er diewirtschaftliche Existenz vieler Franchisenehmer zu sichern hat und diese wiederum seine wirtschaftliche Existenzgrundlage darstellen. Die Sorgfalt und der Aufwand einer umfassenden Planung und Definition der zukünftigen Franchisenehmerbetriebe schafft ein hohesMaß an Sicherheit und macht sich dadurch sicherlich bezahlt. Finanzierung des Franchisebetriebs 247 III.8 Franchisegebühren von Jürgen Nebel Einführung Eines der vieldiskutierten Themen im Franchising ist die Franchisegebühr. Wie hoch ist sie zu bemessen? Wie viel lässt sich anderweitig erwirtschaften? Wie viel kann direkt über die Franchisegebühr erzielt werden. Die Franchisegebühr ist Dreh- und Angelpunkt im Franchisesystem. Um sie geht es doch dem Franchisegeber letztendlich,wenn nicht gar alleine. So glauben es zumindest diejenigen, die Franchising vordergründig oder alleine unter materiellen Gesichtspunkten betrachten, die anderen Vorteile des Franchising dagegen nicht für ausschlaggebend erachten. Unbestritten geht es bei der Erfüllung des Dauerschuldverhältnisses Franchisevertrag um die beiden Hauptleistungen Lizenzierung der Marke und betriebstypisches Know-how einerseits und eben Zahlung der Franchisegebühr andererseits. Gegenleistung Das Thema Franchisegebühren ist prekär,weil es die Gegenleistung zu einer schwer messbaren Leistung darstellt. An ihr entzündet sich leicht eine Diskussion um die Angemessenheit. Bei einem einfachen Austauschverhältnis, etwa einem Kaufvertrag, können Käufer wie Verkäufer schon mal glauben, der Kaufpreis sei zu hoch oder zu niedrig gewesen. Meist ist dies aber bald vergessen, da der Vertrag abgewickelt ist. In einem Dauerschuldverhältnis aber fragen sich die Partner stets, ob der Austausch ausgewogen ist. „Partnership for profit“, ist da ein ebenso verbreitetes wie schiefes Schlagwort, welches das Kooperationsverhältnis von Franchisegeber und Franchisenehmer beschreiben möchte und so tut, als gäbe es hier nur zu gewinnen. Es sollte natürlich so sein: Win-win-Prinzip im Franchisesystem. Dessen Verwirklichung bedarf aber dauernder Anstrengung und genauen Beobachtens, es ist keineswegs franchisetypische Selbstverständlichkeit. Und natürlich ist es subjektiv, ob die aufgrunddes Franchiseverhältnisses erhaltenen Leistungen auch als angemessen empfunden werden. Für die Höhe lassen sich kaum objektive Maßstäbe aufstellen, die nicht mit gutem Grund angegriffenwerden könnten. Gestaltung der Gebühren Wie werden nun Franchisegebühren gestaltet? Grundsätzlich zu unterscheiden ist zwischen einer laufenden und einer Einstiegsgebühr. Die Vereinbarung beider Gebühren ist die Regel. Eine laufende Gebühr entfällt nur dann, wenn sich das System über die Handelsspanne einer franchisevertraglichen Warenbezugsverpflichtung finanziert. Dies ist durchaus üblich,wenn auch,wie hier noch gezeigtwird, nicht ratsam. Dass dies aber legitim ist, ergibt sich beispielsweise aus der bedeutsamen Definition des Franchising wie sie im Europäischen Verhaltenskodex für Franchising niedergelegt ist. Dieser wurde in Abstimmung mit der EG-Kommission in Brüssel erarbeitet. Die Definition spricht von den Leistungen des Franchisegebers, die „gegen ein direktes oder indirektes Entgelt“ des Franchisenehmers erbracht werden. Dies bedeutet, dass der Franchisenehmer entweder direkt 248 Vervielfältigen

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References

Zusammenfassung

Das Standardwerk des Franchising

Mit Franchising gutes Geld verdienen wollen viele. Gelingen kann es aber nur, wenn man die Bedingungen hierfür wirklich kennt und dann auch konsequent umsetzt.

Dieses Standardwerk gibt nun in der 4. Auflage Franchisegebern und Franchisenehmern gemeinsam das ökonomische und rechtliche Instrumentarium an die Hand, um die Kraft des Franchising voll nutzen zu können. Franchisegebern zeigt es, wie sie Chancen beim Entwickeln und Umsetzen von Franchisesystemen erkennen und Risiken vermeiden können. Franchisenehmern hilft es, die Stärken und Schwächen eines Systems nach wirtschaftlichen Kriterien einzuschätzen. Erkenntnis: Franchising als „Partnership for Profit“ lebt nur, wenn Geber und Nehmer gleichermaßen vom System profitieren. Die langjährigen Erfahrungen der Herausgeber und Autoren prägen dieses Buch. Der inhaltliche Rhythmus folgt dem Lebenszyklus eines Franchisesystems.

Die Neuauflage erläutert im Detail die Auswirkungen der EG-Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung sowie der Anpassung des deutschen an das EG-Kartellrecht durch die 7. GWB-Novelle. Sie beleuchtet die Folgen der großen Schuldrechtsreform einschließlich der geänderten Verbraucherschutzvorschriften und setzt sich mit den unbefriedigenden Auswirkungen der Muster-Widerrufs-belehrung auseinander. Der Dokumentationsteil bündelt wichtige rechtliche Rahmenbedingungen und Empfehlungen des Deutschen Franchise-Verbandes in der jeweils aktuellen Fassung.

Die Herausgeber

Dr. Jürgen Nebel, Personal- und Unternehmensberater, Albrecht Schulz, Rechtsanwalt, hat langjährige Erfahrung im Franchise-, Vertriebs- und Handelsvertreterrecht, Prof. Dr. Eckhard Flohr, Rechtsanwalt, langjähriger Berater nationaler und internationaler Franchise-Systeme.