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6.2 Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Bilanz in:

Günter Wöhe, Heinz Kußmaul

Grundzüge der Buchführung und Bilanztechnik, page 257 - 261

8. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4276-2, ISBN online: 978-3-8006-4277-9, https://doi.org/10.15358/9783800642779_257

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

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236 6 Technik der Aufstellung des Jahresabschlusses - die Lebenshaltungskosten nach § 12 EStG. Im Folgenden werden derartige Sachverhalte unmittelbar bei der Verbuchung der Geschäftsvorfälle nach dem Buchungssatztyp „Privatentnahmen an (jeweiliges) Aufwandskonto“ verbucht. Ansonsten wird auf dieses vorwiegend steuerliche Problem im Rahmen der vorbereitenden Abschlussbuchungen nicht mehr eingegangen. ? Abschluss von Unterkonten auf Hauptkonten: Bevor die einzelnen Aufwands- und Ertragskonten in das Gewinn- und Verlustkonto und die einzelnen Bestandskonten in das Schlussbilanzkonto übertragen werden, müssen solche Konten, deren Saldo in bestimmte andere Konten zu übertragen ist, abgeschlossen werden. Auf diese Konten und die erforderliche Verbuchung wurde oben jeweils hingewiesen. Zu nennen sind insbesondere - der Abschluss des Bezugskostenkontos, des Kontos „Skontoerträge“ sowie des Kontos „Lieferantenboni“ im Wareneinkaufskonto (bzw. dem jeweiligen sonstigen Bestandskonto), - der Abschluss des Kontos „Skontoaufwendungen“ und des Kontos „Kundenboni“ im Warenverkaufskonto (bzw. im Konto „Umsatzerlöse“), - der Abschluss des Vorsteuerkontos im Umsatzsteuerkonto, - der Abschluss des Kontos „Privatentnahmen“ und des Kontos „Privateinlagen“ im Privatkonto sowie der Abschluss des Privatkontos im Eigenkapitalkonto. Die Aufstellung des Jahresabschlusses erfolgt in drei Schritten: ? Abschluss der Erfolgskonten (Aufwands- und Ertragskonten) im Gewinn- und Verlustkonto; ? Abschluss des Gewinn- und Verlustkontos im Eigenkapitalkonto; ? Abschluss der Bestandskonten (Aktiv- und Passivkonten) im Schlussbilanzkonto. Bevor die Salden der einzelnen Konten in das Gewinn- und Verlustkonto bzw. in das Schlussbilanzkonto übertragen werden, wird in der Praxis eine sog. Abschlussübersicht (Hauptabschlussübersicht) aufgestellt, mit deren Hilfe eventuell vorhandene Fehler vor der endgültigen Aufstellung des Jahresabschlusses eliminiert werden können.287 6.2 Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Bilanz Der Gesetzgeber hat kein für Unternehmen aller Rechtsformen geltendes Mindestgliederungsschema für die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung erlassen. Zum Inhalt der Bilanz ist aus § 242 Abs. 1 HGB lediglich zu entnehmen, dass jeder Kaufmann „zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahrs einen das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluss (Er- öffnungsbilanz, Bilanz) aufzustellen“ hat. § 247 Abs. 1 HGB konkretisiert diese Vorschrift lediglich dahingehend, dass „das Anlage- und das Umlaufvermögen, das Eigenkapital, die 287 Die Abschlussübersicht wird auf S. 322 ff. dargestellt. 6.2 Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Bilanz 237 Schulden sowie die Rechnungsabgrenzungsposten gesondert auszuweisen und hinreichend aufzugliedern“ sind. Von dieser Pflicht zur Aufstellung einer Bilanz sowie einer Gewinnund Verlustrechnung sind lediglich kleingewerbetreibende Einzelkaufleute i.S.d. § 241a HGB ausgenommen. Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Bilanz Für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften i.S.d. § 267 Abs. 2 und 3 HGB ist das Bilanzgliederungsschema des § 266 Abs. 2 und 3 HGB, das auf den Seiten 239 und 240 dargestellt wird, verbindlich. Kleine Kapitalgesellschaften dürfen eine verkürzte Bilanz aufstellen, in die nur die mit Buchstaben und römischen Zahlen bezeichneten Posten gesondert aufgenommen werden müssen.288 Reicht die Mindestgliederung aufgrund der Besonderheiten eines Betriebes nicht aus, die Klarheit und Übersichtlichkeit der Bilanzierung zu gewährleisten, so werden entweder zusätzliche Positionen eingefügt – wenn sich Vermögens- oder Schuldposten nicht in die Bilanzpositionen des § 266 Abs. 2 und 3 HGB einordnen lassen –, oder es werden gesetzlich vorgeschriebene Posten weiter aufgeteilt (z. B. die Position „Betriebs- und Geschäftsausstattung“ in Werkzeuge, Fuhrpark, sonstige Betriebsausstattung und Büroausstattung), so dass entweder mehrere Positionen an die Stelle von einer Position treten oder die Zusammensetzung einer Position durch Vermerke in einer Vorspalte oder in einer Fußnote erläutert wird (so kann z. B. die Position „Kapitalrücklage“ in einer Vorspalte nach den verschiedenen Arten ihrer Dotierung erläutert werden). Außerdem ergibt sich aus dem Gesetz der Ausweis bestimmter Positionen, die ? im Gliederungsschema nicht enthalten sind, weil sie selten auftreten, z. B. der eingeforderte, aber noch nicht eingezahlte Betrag der ausstehenden Einlagen auf das gezeichnete Kapital;289 ? wegen ihres besonderen Charakters aus einer im Gliederungsschema angegebenen Position ausgegliedert werden müssen, z. B. Rückdeckungsansprüche aus Lebensversicherungen;290 ? eine im Gliederungsschema aufgeführte Position durch nähere Angaben in den Vorspalten oder auf andere Weise (z. B. als Fußnote oder im Anhang) erläutern; so müssen z. B. der Betrag der Forderungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr und der Betrag der Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr bei jedem Posten gesondert vermerkt werden,291 ferner muss ein in den aktiven Rechnungsab- 288 Vgl. § 266 Abs. 1 Satz 3 HGB. 289 Vgl. § 272 Abs. 1 HGB. 290 Vgl. Datenverarbeitungsorganisation des steuerberatenden Berufes in der Bundesrepublik Deutschland eG, DATEV-Kontenrahmen Spezialkontenrahmen (SKR) 04 – Gültig ab 2011, S. 2 und grundsätzlich zur Aktivierungspflicht von Rückdeckungsansprüchen aus Lebensversicherungen Kußmaul, H., Betriebliche Altersversorgung von Geschäftsführern. Voraussetzungen und finanzwirtschaftliche Auswirkungen, München 1995, S. 37 sowie S. 98. 291 Vgl. § 268 Abs. 4 und 5 HGB. 238 6 Technik der Aufstellung des Jahresabschlusses grenzungsposten aufgenommener Disagiobetrag gesondert ausgewiesen oder im Anhang angegeben werden.292 Risiken und Verpflichtungen, für die ein Ausweis auf der Passivseite der Bilanz nicht zwingend vorgeschrieben ist,293 müssen im Interesse der Klarheit der Rechenschaftslegung entweder in der Bilanz („unter dem Strich“, d. h. nicht als Bestandteil der Bilanzsumme) oder im Anhang vermerkt werden.294 292 Vgl. § 268 Abs. 6 HGB. 293 Vgl. § 251 HGB. 294 Vgl. § 268 Abs. 7 HGB. 6.2 Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Bilanz 239 Gliederung der Bilanz nach § 266 Abs. 2 und 3 HGB Aktivseite: A. Anlagevermögen: I. Immaterielle Vermögensgegenstände: 1. Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte; 2. entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten; 3. Geschäfts- oder Firmenwert; 4. geleistete Anzahlungen; II. Sachanlagen: 1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschl. der Bauten auf fremden Grundstücken; 2. technische Anlagen und Maschinen; 3. andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung; 4. geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau; III. Finanzanlagen: 1. Anteile an verbundenen Unternehmen; 2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen; 3. Beteiligungen; 4. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht; 5. Wertpapiere des Anlagevermögens; 6. sonstige Ausleihungen. B. Umlaufvermögen: I. Vorräte: 1. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe; 2. unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen; 3. fertige Erzeugnisse und Waren; 4. geleistete Anzahlungen; II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände: 1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen; 2. Forderungen gegen verbundene Unternehmen; 3. Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht; 4. sonstige Vermögensgegenstände; III. Wertpapiere: 1. Anteile an verbundenen Unternehmen; 2. sonstige Wertpapiere; IV. Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks. C. Rechnungsabgrenzungsposten. D. Aktive latente Steuern. E. Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung. 240 6 Technik der Aufstellung des Jahresabschlusses Passivseite: A. Eigenkapital: I. Gezeichnetes Kapital; II. Kapitalrücklage; III. Gewinnrücklagen: 1. gesetzliche Rücklage; 2. Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen; 3. satzungsmäßige Rücklagen; 4. andere Gewinnrücklagen; IV. Gewinnvortrag/Verlustvortrag; V. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag. B. Rückstellungen: 1. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen; 2. Steuerrückstellungen; 3. sonstige Rückstellungen. C. Verbindlichkeiten: 1. Anleihen, davon konvertibel; 2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten; 3. erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen; 4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen; 5. Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel; 6. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen; 7. Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht; 8. sonstige Verbindlichkeiten, davon aus Steuern, davon im Rahmen der sozialen Sicherheit. D. Rechnungsabgrenzungsposten. E. Passive latente Steuern. 6.3 Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Gewinn- und Verlustrechnung Die Pflicht zur Aufstellung einer Gewinn- und Verlustrechnung im Rahmen des handelsrechtlichen Jahresabschlusses ergibt sich aus § 242 Abs. 2 i.V.m. § 242 Abs. 4 HGB. Für Nicht-Kapitalgesellschaften gibt es keine gesetzlichen Vorschriften über die Gliederung der Aufwendungen und Erträge. Für Kapitalgesellschaften sieht § 275 HGB wahlweise das Gesamtkosten- oder das Umsatzkostenverfahren295 vor. Entsprechend enthält § 275 HGB zwei Gliederungsschemata. Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften ist – ebenso wie bei der Bilanz – kein Gliederungsschema vorgeschrieben. Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Gewinn- und Verlustrechnung 295 Bezüglich Einzelheiten zu diesen Verfahren vgl. Wöhe, G., Bilanzierung und Bilanzpolitik, a. a. O., S. 274 ff.

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Zusammenfassung

Der Klassiker zur Buchführung und Bilanztechnik.

Der Wöhe/Kußmaul zur Buchführung und Bilanztechnik

führt fundiert in das System der doppelten Buchführung und in die Technik der Erstellung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (Jahresabschluss) ein.

Schwerpunkte sind die verrechnungstechnischen Grundlagen, die buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle bei Handels- und Industriebetrieben sowie die Technik der Aufstellung des Jahresabschlusses. Zusätzlich bietet das Werk einen fundierten Überblick über die gesetzlichen Vorschriften zur Führung von Büchern und zur Aufstellung des Jahresabschlusses sowie über die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und Bilanzierung.

Die 8. Auflage

berücksichtigt die Änderungen durch die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte sowie die Modifikationen bei den Sozialversicherungsbeiträgen. Leser finden zudem unter www.kussmaul.woehe-portal.de einen auf das Buch abgestimmten Multiple-Choice-Test.