9. Einige für das Studium wichtige Denkansätze in:

Kurt-Wolfgang Koeder

Studienmethodik, page 258 - 266

Selbstmanagement für Studienanfänger

5. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4266-3, ISBN online: 978-3-8006-4267-0, https://doi.org/10.15358/9783800642670_258

Series: WiSt-Taschenbücher

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Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 9.1 Überblick 247 9. Einige für das Studium wichtige Denkansätze 9.1 Überblick 9. Einige für das Studium wichtige Denkansätze 9.1 Überblick Jede Wissenschaftsdisziplin befasst sich systematisch mit einem abgegrenzten Gegenstandsbereich. Dieser Gegenstandsbereich wird auch als Erkenntnisobjekt einer Wissenschaft bezeichnet. So ist z. B. Erkenntnisobjekt bzw. gemeinsames Untersuchungsobjekt aller wirtschaftswissenschaftlicher Teildisziplinen die Wirtschaft, der Bereich des Menschen, der der Bedürfnisbefriedigung dient. Die Betriebswirtschaftslehre als eine dieser wirtschaftswissenschaftlichen Teildisziplinen bezieht ihre Erkenntnisse, wie aus dem Namen dieser Wissenschaft erkennbar, aus der wirtschaftlichen Seite von Betrieben (als produktionstechnische Einheiten) und Unternehmen (juristisch-organisatorische Einheiten). Neben dem Erkenntnisobjekt repräsentieren die zu gewinnenden Erkenntnisse (Erkenntnisziele) ein weiteres Wissenschaftselement. Wiederum bezogen auf die Betriebswirtschaftslehre zählt die Erklärung ökonomischer betrieblicher Zusammenhänge sowie deren interdependente Wirkungen zu einem Erkenntnisziel dieser Wissenschaftsdisziplin. Um diese Erkenntnisse zu gewinnen und hierbei auftretende Probleme zu lösen, bedienen sich die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen einer Vielzahl von Methoden bzw. wissenschaftlicher Denkrichtungen/ -ansätze, die Sie sich zur Lösung und Erleichterung Ihrer Studientätigkeiten zueigen machen sollten. Denn während Ihres mehrjährigen Studiums werden Sie ständig mit Erkenntnisobjekten und daraus für den Studienerfolg wichtigen zu gewinnenden Erkenntnissen und zu lösenden fachlichen Problemen konfrontiert. Seitdem sich die Menschen darum bemühen, ihr Wissen, Denken und Handeln systematisch zu entwickeln, haben sie sich auch besonders Gedanken darüber gemacht, wie dies methodisch umgesetzt werden kann. Dabei sind sie eigentlich immer fragend vorgegangen, was auch heute noch ein Zeichen denkender Menschen ist, wobei diese schematische Methode des Fragens die Studieninhalte nicht erschöpft. Aber Sie liegen immer richtig, wenn Sie sich von einem Thema ausgehend über die in diesem enthaltenen, seiner Eigenart entsprechenden Fragen den Weg zu den Fachinhalten suchen. Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 248 9. Einige für das Studium wichtige Denkansätze Für die Erkenntnisgewinnung wichtig ist ferner eine gewisse methodische Vorgehensweise, indem Sie schon von Anfang an inhaltlich Wesentliches von Unwesentlichem trennen. Aus diesem Grunde werden Sie in diesem Kapitel in kurzer Form mit einigen Methoden zur Erkenntnisgewinnung konfrontiert, wobei diese Einzelmethoden eng miteinander verknüpft sind und Sie im jeweiligen konkreten Fall auf deren zweckmäßige Auswahl und Kombination angewiesen sind. Auf dieses methodische Instrumentarium greifen insgesamt gesehen alle wissenschaftlichen Disziplinen zurück, natürlich mit unterschiedlicher Intensität. Einige dieser Denkansätze vorab im Überblick. Denk-/Problemlösungsmethoden Hypothesenbildung Denken in Nachbildungen/ Simulationen Heuristik Abb. 26: Denkmethoden im Überblick 9.2 Hauptdenkansätze/-methoden 9.2 Hauptdenkansätze/-methoden 9.2.1 Analyse und Synthese Um wesentliche Bedingungen eines Problems von unwesentlichen zu trennen, um die in der Aufgabenstellung wichtigen, echten Bedingungen herausfiltrieren zu können, bedienen wir uns vorab des Vergleichs, der vergleichenden Betrachtung. Diese Vorgehensweise bietet die Möglichkeit, umfangreiche und unübersichtliche Tatbestände überschaubar zu machen sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Die vergleichende Betrachtung als Vorstufe bzw. Vorbedingung für Fallmethode und Planspiel Modell Experiment Schlussfolgerndes Problemlösen (Reduktion und Deduktion) Analyse und Synthese Einige Hauptmethoden Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 9.2 Hauptdenkansätze/-methoden 249 wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung ist durchaus in der Lage, Zusammenhänge, Interdependenzen und Gesetzmäßigkeiten bestimmter Erscheinungen aufzudecken. Eine Erweiterung dieser vergleichenden Betrachtung ist in den beiden Denkrichtungen „Analyse und Synthese“ zu sehen, die auf sämtlichen Stufen der Erkenntnisgewinnung und des Erkenntnisvorganges überwiegend zum Einsatz kommen, unabhängig davon, um welches Wissenschaftsgebiet bzw. Studienfach es sich handelt. Gemeinsam bereiten diese beiden Denkrichtungen, teils nacheinander, teils miteinander zu untersuchende Tatbestände durch Zergliederung und neues Zusammenfügen dergestalt auf, dass durch Einsatz weiterer Denkoperationen wie Schließen, Schlussfolgern und Verallgemeinern, aus bereits bekannten Aussagen neue, weitreichendere und weiterführende Erkenntnisse und Aussagen gewonnen werden. Die Verknüpfung von Analyse und Synthese, auf einen möglichen Erkenntnisgegenstand, ein zu untersuchendes Objekt bezogen, lässt sich in folgender Übersicht verdeutlichen: Analyse Synthese Trennung/Aufspaltung/Zergliederung des Untersuchungsgegenstandes in seine Einzelelemente, Eigenschaften, Teilbereiche etc., die anschließend geordnet, untersucht und ausgewertet werden Trennung der für die Problemlösung wesentlichen Gedanken von den unwesentlichen, Bestimmung der Bedeutung und der Funktionen des sich als wesentlich ergebenden im Ganzen und deren Beziehungen/Abhängigkeiten untereinander Verknüpfung und neues Zusammenfügen der sich jetzt bestimmten Aussagen zur Ganzheit des Erkenntnisobjektes Abb. 27: Analyse – Synthese: Funktionsaufteilung bezogen auf ein Untersuchungsobjekt Analyse und Synthese sind zwei einander entgegengerichtete erkenntnistheoretische Denkverfahren. Dabei geht man von der zunächst unklaren Vorstellung (eines Problems) durch z. B. schlussfolgerndes Denken zum Urteil, Ergebnis, Begriff. Wichtig für Sie und Ihr Studium ist es, zu erkennen, dass beide Denkansätze trotz ihrer Verschiedenheit in der methodischen Vorgehensweise ein unzertrennliches Ganzes darstellen. Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 250 9. Einige für das Studium wichtige Denkansätze 9.2.2 Schlussfolgerndes Denken – Reduktion und Deduktion Diesen beiden Denkrichtungen sind wir in Kapitel 7.3.1 „Zuhören“ bereits begegnet. Das schlussfolgernde Denken (logisches Schließen) erlaubt es uns, Zusammenhänge zwischen Untersuchungsgegenständen herzustellen, da derartige Zusammenhänge zwischen Erscheinungen, Vorgängen, Abläufen etc. in der Realität tatsächlich bestehen. Durch schlussfolgerndes Denken, in Zusammenarbeit mit der analytischsynthetischen Denkrichtung, gewinnen wir neue Erkenntnisse, neues Wissen. Vereinfacht ausgedrückt, schließen wir entweder reduktiv, d. h. von der Wirkung auf die Ursache, aber auch vom Besonderen auf das Allgemeine, vom Konkreten auf das Abstrakte. Diese Denkmethode der Schlussfolgerung bezeichnet man auch als Reduktion (lat. reducere = zurückführen auf etwas). Reduktives Denken führt bestimmte Erscheinungen auf das Wesen zurück. Die am häufigsten praktizierte reduktive Schlussfolgerung ist die Induktion (lat. inducere = hineinführen – in das Wesen –). Sie schließt von einem bestimmten Teil auf das Ganze (Hochrechnung einer Wahl auf der Basis der Ergebnisauswertung von xxx Wahlbezirken). Man müsste eigentlich sagen, bei der Induktion handelt es sich um Verallgemeinerungen, wie z. B. Schlüsse von den Studienmotiven eines Erstsemesters auf die gesamte Studentenschaft; oder deduktiv, d. h. von der Ursache auf die Wirkung, oder aber auch vom Allgemeinen auf das Besondere, vom Abstrakten auf das Konkrete. Diese Denkmethode wird als Deduktion bezeichnet (lat. deducere = ableiten von etwas). Die Deduktion leitet also aus dem Wesen bestimmte Erscheinungen ab, aus Regeln und Gesetzen wird die Erkenntnis einzelner Untersuchungsgegenstände abgeleitet. Analyse und Synthese, in Verbindung mit Reduktion und Deduktion, lassen sich hinsichtlich der verschiedenen Aspekte/Anschauungen vereinfacht wie folgt darstellen: Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 9.3 Hypothesenbildung 251 Das Abstrakte, das Allgemeine, Regeln und Gesetze, gewonnen durch Synthese bzw. erschlossen durch reduktives Denken (Induktion). Das Konkrete, das Besondere, Einzeltatsachen, gewonnen aus Analyse bzw. erschlossen durch deduktives Denken. 9.3 Hypothesenbildung 9.3 Hypothesenbildung Wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen wir auf der Grundlage einer Vielzahl von Denkrichtungen. Gerade in dieser denkenden Durchdringung praktischer Gegebenheiten bleiben aber auch Lücken, z. B. Erfahrungslücken. Wir versuchen, diese Lücken für die Erkenntnisgewinnung zu schließen, indem wir mit „Annahmen“ arbeiten, mit sogenannten „Unterstellungen“ (Bedeutung des aus der griechischen Sprache stammenden Wortes „Hypothese“). Hypothese kann gedeutet werden als eine Vermutung über strukturelle Eigenschaften der Realität, meist formuliert in einer Wenn-dann-Aussage. (Wenn diese Bedingungen vorliegen, dann könnte dies eintreffen.) Wichtig ist, dass auch bei fachwissenschaftlicher Anwendung die Hypothese nicht einfach eine auf Willkür basierende Annahme darstellt. Es müssen bereits vorliegende Theorien und bekannte Tatbestände für eine wissenschaftlich begründete Vermutung sprechen, ansonsten würde es sich um eine Spekulation handeln. Versuche, Beobachtungen, Erfahrungen etc. zeigen dann, ob die Hypothesen richtige oder falsche Annahmen warten, d. h. die Hypothese wird bestätigt (verifiziert, von Veritas = Wahrheit). Stellt sich heraus, dass eine bestimmte Hypothese falsch ist, also nicht verifiziert werden konnte, lassen sich bei Vorliegen gewisser Umstände auch hier weiterführende Schlüsse/Erkenntnisse ableiten, die zu neuen Ergebnissen führen können. Je mehr Fakten und Erkenntnisse gefunden werden, die sich mit den formulierten Annahmen in Übereinstimmung befinden, desto gesicherter ist die Hypothese, desto eher erhält sie auch den Charakter eines wissenschaftlichen Gesetzes, einer Theorie. Im umgekehrten Falle kann es aber auch sein, dass Hypothesen aufgestellt werden, die über lange Zeit hinweg weder durch Experimente und Beobachtungen noch durch Erfahrungen bestätigt werden können, so z. B. die Frage der Existenz von UFO’s. Deduktion Reduktion Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 252 9. Einige für das Studium wichtige Denkansätze 9.4 Denken in Nachbildungen/Simulationen 9.4 Denken in Nachbildungen/Simulationen 9.4.1 Experiment Experimente kennen Sie noch aus Schülertagen als wichtige Unterrichtsbestandteile in Fächern wie Chemie, Physik etc. Aufgabe dieser Experimente war es, bereits Bekanntes anschaulich vorzuführen und zu demonstrieren. Im Rahmen der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung übernimmt das Experiment so wichtige Funktionen wie das Herauslösen bestimmter Ausschnitte aus einer Vielzahl von Erscheinungen und deren Nachbildung, indem z. B. bestimmte Gegebenheiten isoliert und einem festgelegten Bedingungsrahmen unterworfen werden. Wir schaffen „künstliche Bedingungen“ zur Erhaltung gewünschter Erscheinungen in „reiner Form“. Genaues Beobachten, Ordnen, Klassifizieren usw. stellen wichtige Bausteine für die Erkenntnisgewinnung mittels Experiment dar, wissenschaftliche Exaktheit in der Durchführung und damit die Nachvollziehbarkeit sind wichtig. Dabei sollen Experimente aufgetretene Probleme untersuchen, Behauptungen begründen/widerlegen, Hypothesen bestätigen, die Wirksamkeit von Gesetzen überprüfen bzw. deren Gültigkeit erhärten. Experimente werden heute nicht nur im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich erfolgreich eingesetzt, auch die Soziologie, die Pädagogik, die Psychologie und auch die Wirtschaftswissenschaften (z. B. Marktforschung) und weitere Wissenschaftsgebiete nutzen das Experiment als Forschungsmethode. 9.4.2 Modelle Auch die Modellbildung spielt in nahezu sämtlichen Wissenschaftsgebieten eine wichtige Rolle, so insbesondere im Bereich der Wirtschaftswissenschaften (z. B. Prognose- und Entscheidungsmodelle). Jeweils in Abhängigkeit des Wissenschaftsbereiches werden Modelle erarbeitet (mathematische, technische usw.), die hinsichtlich ihrer Funktionen, ihrem Aufbau und ihrer Struktur sowie ihren Eigenschaften und Verhaltensähnlichkeiten dem zu untersuchenden Original möglichst genau (optimal) entsprechen. Modelle stellen also Nachbildungen der Wirklichkeit dar, die speziell zum Zwecke solcher Problemlösungen genutzt werden, deren Durchführung am Original nicht möglich oder gar zu Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 9.5 Heuristik 253 zeitaufwendig ist, z. B. Marktgegebenheiten in einem Unternehmungsplanspiel. Modelle gestatten die Ermittlung von Werten und Daten, mit deren Hilfe das der Wirklichkeit nachgebildete, noch unvollständige oder gar unübersichtliche Modell zu einem Gesamtbild erweitert werden kann. Die sich aus der Modellbetrachtung ergebenden Strukturen lassen sich dann auf andere Objekte übertragen und erlauben somit neuen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. 9.4.3 Fallmethode und Planspiel Fallstudien und Planspiele wurden bereits in Kapitel 3 als wichtige Formen des Lehrens und Lernens in der Hochschulausbildung gerade im Bereich der Wirtschaftswissenschaften gekennzeichnet. Aber auch in der Medizin und insbesondere in juristischen Studiengängen wird fallorientiert gearbeitet, dies gilt auch für verhaltenswissenschaftliche Studiengänge wie die Psychologie, die Pädagogik und die Soziologie. Daher an dieser Stelle nur nochmals in Kürze einige Charakteristika. Sinn und Zweck der Fallmethode ist es, eine vorliegende Problemsituation (z. B. Organisationsproblem im Unternehmen) zu lösen, indem eine bestimmte methodische Schrittfolge zugrundegelegt wird, wie z. B. Sachverhalt strukturieren, Problem erkennen und formulieren, Aufgliederung des Problems in Teilprobleme, Analyse der Tatbestände, Formulierung möglicher Lösungsansätze und Entscheidung für eine „optimale“ Lösung. Die wissenschaftlich begründete Entscheidungsfindung verlangt analytisches und synthetisches Denken auf der Basis fundierter Fachkenntnis. Eine Weiterentwicklung der Fallmethode ist das Planspiel, wobei als zusätzliches Element der dynamische Charakter des Spielens hinzukommt, d. h. auf den gefundenen Lösungsansatz hin erfolgt eine neue Entscheidung. 9.5 Heuristik 9.5 Heuristik „Heureka“, so wird gesagt, soll Archimedes, ein bedeutender Naturwissenschaftler der griechischen Antike, gerufen haben, als er das physikalische Gesetz des Auftriebs entdeckte. In unserer Sprache würde man „Ich hab’s“ oder „Geschafft“ sagen, wenn ein Schlusspunkt unter die gelungene Lösung eines Problems gesetzt wird. Als Heuristik bezeichnen wir das wissenschaftliche Bemühen um das Finden bzw. Lö- Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 254 9. Einige für das Studium wichtige Denkansätze sen eines Problems. Heuristik wird definiert als Methode, durch z. B. Hypothesen, neue Erkenntnisse zu gewinnen, als Lehre von den Suchmethoden nach Problemlösungswegen. Im philosophischen Sinne verstehen wir unter Heuristik soviel wie Erfindungskunst oder Anweisung, auf methodischem Wege Neues zu finden. Vereinfacht dargestellt, gehen Sie heuristisch vor, wenn Sie im Vorfeld zur Bearbeitung einer Hausarbeit, eines Referates oder einer Bachelorarbeit überlegen, ob Sie eine Literaturarbeit anfertigen oder aber Untersuchungen vor Ort in der Praxis (z. B. Unternehmen, Institut) vornehmen. Beachten Sie dabei, dass insbesondere das Thema als Gegenstand der schriftlichen Arbeit die Richtung bestimmt, für die Sie sich zu entscheiden haben. Die Heuristik tastet also ein Problem ab, um über Teillösungen zum richtigen Lösungsweg zu gelangen. Ein derartiger Ansatz zu einer systematischen Heuristik könnte (z. B. für ein erhaltenes Bachelorarbeitsthema) in verkürzter Form wie folgt aussehen, wobei die Arbeitsweise, das Vorgehen und die Methodik auf alle wissenschaftlichen Disziplinen und Fragestellungen übertragbar ist. Schritt I: Vertrautmachen mit dem Sachverhalt • Zielanalyse (z. B. Was ist gefragt?) • Situationsanalyse (z. B. Was ist gegeben?) • Konfliktanalyse (z. B. Welche Probleme liegen vor?) • Mittelanalyse (z. B. Was steht mir zur Verfügung?) Schritt II: Lösungsidee/-plan und Durchführung • Einstieg • Weiterführung • Ergebnis Schritt III: Schlussbetrachtung • Zusammenfassung (z. B. Was habe ich erreicht?) • Vergleichende Betrachtung • Ausblick und Anregungen (z. B. Was bieten mir die Ergebnisse?) Abrunden möchte ich diesen kleinen Exkurs in den Bereich wissenschaftlicher Denkansätze zur Erkenntnisgewinnung mit einigen Aussagen namhafter Denker zu dieser Thematik: „Das letzte Ziel aller wissenschaftlichen Erkenntnis besteht darin, das größtmögliche Tatsachengebiet aus der kleinstmöglichen Anzahl von Axiomen und Hypothesen zu erhellen.“ (A. Einstein) Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 9.5 Heuristik 255 „Alles wissenschaftliche Arbeiten ist nichts anderes, als immer neuen Stoff in allgemeine Gesetze zu bringen.“ (W. v. Humboldt) „Wahre Wissenschaft ist vollendete Anschauung.“ (Schleiermacher) „Die Tragödie der Wissenschaft – das Erschlagen einer schönen Hypothese durch eine häßliche Tatsache.“ (Th. H. Huxley) „Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an, interessant zu werden, wo sie aufhört.“ (J. v. Liebig) „Eine jede Lehre, wenn sie ein System, d. i. ein nach Prinzipien geordnetes Ganzes der Erkenntnis, sein soll, heißt Wissenschaft.“ (E. Kant)

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References

Zusammenfassung

Vorteile

- Anregungen und Hilfestellungen für den Start ins Studium

- Studienformen, -möglichkeiten, Lehr- und Lernformen, Lernpsychologie

- Mehr Zeit, Motivation und Energie fürs Lernen

"Die Weisheit besteht darin, dass man gelernt hat zu lernen." (B. Brecht)

Zum Werk

Das Buch hilft, Startschwierigkeiten bei Beginn des Studiums zu beseitigen und gibt einen Überblick über die "soft skills":

- Vom schulischen Lernen zum Studieren

- Studienformen

- Bachelor- und Masterstudiengänge als Alternative zum Diplom

- Lehr- und Lernformen in der Hochschulausbildung

- Lernpsychologie, Studien- und Arbeitsmethodik

- Selbststudium als Form der inhaltlichen Vertiefung

- Zuhören, Mitschreiben und Lesen

- Klausuren, Hausarbeiten, Referate, Prüfungen, Präsentationen

- Organisation des Selbststudiums

- Denkrichtungen wissenschaftlicher Disziplinen

Autor

Dr. Kurt-Wolfgang Koeder ist Professor für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt HR-Management an der University of Applied Science, Mainz.

Zielgruppe

Für Schüler sowie Studierende aller Fachrichtungen an Universitäten und Fachhochschulen.