7 Internationale Transmission und Koordinierung der Wirtschaftspolitik in:

Wolfgang Maennig

Außenwirtschaft, page 332 - 378

Theorie und Politik

2. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4262-5, ISBN online: 978-3-8006-4263-2, https://doi.org/10.15358/9783800642632_332

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Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 327 7Internationale Transmission und Koordinierung der Wirtschaftspolitik 7 Internationale Transmission u. Koordinierung Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den Wirkungen aktiver Wirtschaftspolitik (Geld- und Fiskalpolitik) in offenen Volkswirtschaften. Im Gegensatz zur Autarkiesituation sind dabei die Interdependenzen zwischen den einzelnen Ländern zu beachten, die sich aus Handelsbeziehungen und Finanzverflechtungen ergeben. Ein hoher Grad internationaler Verflechtung kann in der Realität zu einer Übertragung von Wirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen von einem Land auf das andere führen. Steigt z. B. im Inland das Einkommen auf- Kapitelübersicht 7.1 Das Mundell-Fleming-Modell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329 7.1.1 Der Gütermarkt und die IS-Kurve . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329 7.1.2 Der Geldmarkt und die LM-Kurve. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 334 7.1.3 Zahlungsbilanz und die ZB-Kurve . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 337 7.1.4 Internes und externes Gleichgewicht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 340 7.1.5 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 341 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik . . . . . . . . . . . . 342 7.2.1 Modellbeschreibung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 342 7.2.2 Internationale Transmission bei festen Wechselkursen . . . . . . . . . . . 343 7.2.2.1 Geldpolitik bei vollkommener Kapitalmobilität . . . . . . . . . . . . . . 345 7.2.2.2 Fiskalpolitik bei vollkommener Kapitalmobilität . . . . . . . . . . . . . 347 7.2.2.3 Geld- und Fiskalpolitik bei völlig immobilem Kapital . . . . . . . . . 350 7.2.3 Internationale Transmission bei flexiblem Wechselkurs . . . . . . . . . . 351 7.2.3.1 Geldpolitik bei vollkommener Kapitalmobilität . . . . . . . . . . . . . . 352 7.2.3.2 Fiskalpolitik bei vollkommener Kapitalmobilität . . . . . . . . . . . . . 353 7.2.3.3 Geld- und Fiskalpolitik bei völlig immobilem Kapital . . . . . . . . . 356 7.2.4 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 357 7.3 Internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik . . . . . . . . . . . . . . . 358 7.3.1 Wohlfahrtsgewinne aus einer koordinierten Wirtschaftspolitik . . . 358 7.3.2 Kritik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 363 7.3.3 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 368 Anhang A7: Internationale Transmission . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369 1. Feste Wechselkurse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369 2. Flexible Wechselkurse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 371 Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 328 7 Internationale Transmission u. Koordinierung328 grund erhöhter Staatsausgaben, so wird ein Teil des Einkommensanstiegs für Importe ausgegeben. Dadurch erhöht sich auch das Einkommen im Ausland. Möglicherweise erhöht der Anstieg des ausländischen Einkommens die ausländische Nachfrage nach inländischen Gütern, was die inländische Einkommenserhöhung weiter verstärkt. Der Gedanke der internationalen Transmission der Wirtschaftspolitik (Spill- Over-Effekte) bzw. des internationalen Konjunkturzusammenhangs ist in der Wirtschaftspolitik fest verankert. Eine zeitlich recht frühe Abschätzung solcher Rückwirkungseffekte zeigt die Tabelle 7.1. Diese stellt den prozentualen Anstieg des BSPs in verschiedenen Ländern dar, der aus einer Erhöhung der Staatsausgaben in einem initiierenden Land in Höhe von 1 % des entsprechenden BSPs resultiert. Allerdings sei bereits an dieser Stelle auf die Box 7.1 hingewiesen, in der (a) jüngere Schätzungen für Rückwirkungseffekte beschrieben und (b) das Wissen um eindeutige internationale Spill-Over-Effekte kritisch hinterfragt werden. Unter internationaler Transmission wird im Folgenden eine solche Übertragung wirtschaftlicher Impulse von einem Land auf das andere verstanden, wobei hier vereinfachend davon ausgegangen wird, dass die Impulse aus (Änderungen) der Geld- oder Fiskalpolitik herrühren.125 Der Abschnitt 7.2 beschreibt mögliche Transmissionskanäle und -mechanismen. Das Kapitel 7.3 geht der Frage nach, ob durch eine Koordinierung der Wirtschaftspolitiken einzelner Länder generell Wohlfahrtsgewinne (für alle) erzielt werden können. Zunächst muss jedoch der modelltheoretische Rahmen gesetzt werden, auf dem speziell die Analyse der internationalen Transmission beruht. Der Abschnitt 7.1 beschreibt deshalb das Mundell-Fleming-Modell, das eine Erweiterung des IS-LM-Konzeptes auf eine offene Volkswirtschaft darstellt.126 125 Andere wichtige Impulse, die auf ausländische Staaten oder Regionen wirken können, sind z. B. technische Innovationen, Änderungen in der Handelspolitik oder (De-) Regulierungspolitiken. 126 Vgl. Fleming, J.M., Domestic Financial Policies Under Fixed and Floating Exchange Rates, IMF Staff Papers 9 (1962), S. 369–380 sowie Mundell, R.A., Capital Mobility and Stabilization Policy Under Fixed and Floating Exchange Rates, Canadian Journal of Economic and Political Science 29 (1963), S. 475–485. Tab. 7.1: Abschätzungen des prozentualen BSP-Anstiegs in verschiedenen Ländern aufgrund erhöhter Staatsausgaben im anderen Land (in Höhe von 1 % des BSPs) Initiierendes Land Effekt auf Frankreich Deutschland UK 0,04 0,06 Italien 0,06 0,09 Spanien 0,10 0,08 Niederlande 0,12 0,37 Quelle: Beetsma et al. (2008). Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 329 7.1 Das Mundell-Fleming-Modell 329 7.1 Das Mundell-Fleming-Modell Das Mundell-Fleming-Modell ist in seiner Grundversion ein statisches 2-Länder-2-Güter-Modell, welches das IS-LM-Konzept einer geschlossenen auf eine offene Volkswirtschaft überträgt. Neben den Gleichgewichten auf Güter- und Geldmärkten wird dabei das externe Gleichgewicht durch die Zahlungsbilanz explizit in die Analyse einbezogen. Die Zahlungsbilanz setzt sich zusammen aus der Leistungs- und der Kapitalverkehrsbilanz.127 Die Höhe des Leistungsbilanzsaldos erklärt sich aus dem in- und ausländischen Einkommen sowie dem Wechselkurs. Höhe und Richtung des Kapitalverkehrs hängen von der Differenz zwischen in- und ausländischem Zinssatz ab. Des Weiteren werden einige vereinfachende Annahmen getroffen. So soll Unterbeschäftigung bestehen und das Güterangebot völlig preiselastisch sein. Preise und Löhne werden als starr unterstellt. Um auf eine Unterscheidung zwischen nominalen und realen Modellgrößen verzichten zu können, werden die Preisniveaus P und P* des In- und Auslands gleich 1 gesetzt. Weiterhin bleiben Wechselkurserwartungen und Vermögenseffekte unberücksichtigt. In den folgenden Unterabschnitten werden zunächst die IS- und LM-Kurve für eine offene Volkswirtschaft dargestellt. Anschließend wird die ZB-Kurve (Zahlungsbilanz) unter verschiedenen Annahmen für den Grad der Kapitalmobilität hergeleitet. 7.1.1 Der Gütermarkt und die IS-Kurve Die vollkommene Preiselastizität des Güterangebots (horizontale Angebotskurve) impliziert stets die vollständige Anpassung des Angebots an die Güternachfrage. Das Einkommen Y des Inlands (real und nominal, wegen P = 1) ergibt sich deshalb bei Vernachlässigung unentgeltlicher Übertragungen zu (7.1) Y AB LB= + mit AB als heimischer Absorption und LB als Leistungsbilanzsaldo (vgl. 2. Kapitel, Gleichung (2.6)). Die heimische Absorption wird nun in zwei Komponenten zerlegt. Eine erste Komponente, die autonome Absorption AB, sei einkommensund zinsunabhängig. Die zweite Komponente wird dagegen als einkommensund zinsabhängig unterstellt. So werden insbesondere die private Nachfrage nach Konsumgütern vom Einkommen Y und die privaten Investitionen vom Inlandszins Z abhängen: (7.2) ( ) ( )( , )AB AB AB Y Z+ −= + 127 Im Folgenden werden die Begriffe Leistungsbilanz(-saldo), Handelsbilanz(-saldo) sowie Außenbeitrag synonym verwendet. Von laufenden Dienstleistungen und Übertragungen wird abgesehen. 7.1 Das Mundell-Fleming-Modell Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 330 7 Internationale Transmission u. Koordinierung330 Durch partielle Differentiation der heimischen Absorption AB nach Y bzw. Z ergeben sich die marginalen Absorptionsraten in Bezug auf das Einkommen bzw. hinsichtlich des Zinssatzes: (7.3) Y AB AB Y ∂ ∂ ≡ Z AB AB Z ∂ ∂ ≡ Für beide Größen werden die folgenden plausiblen Wertebereiche unterstellt: (7.4) 0 1YAB≤ ≤ und 0ZAB ≤ Während ABY immer nicht-negativ und in der Regel kleiner als 1 ist, ist ABZ negativ oder gleich Null. ABZ = 0 bedeutet, dass weder die private noch die staatliche Nachfrage nach Investitions- oder Konsumgütern vom Inlandszins abhängen. Der Leistungsbilanzsaldo LB des Inlands hängt von den folgenden Größen ab: •• dem inländischen Einkommen Y, das die Importausgaben des Inlands beeinflusst, •• dem ausländischen Einkommen Y*, das die ausländische Nachfrage nach inländischen Gütern beeinflusst •• sowie dem Wechselkurs W:128 (7.5) ( ) ( ) ( )( , , )LB LB Y Y W ∗ − + + = Gemäß (7.5) wird somit davon ausgegangen, dass die Leistungsbilanz „normal“ auf eine Wechselkursänderung reagiert, d. h., dass z. B. eine Abwertung der inländischen Währung die Leistungsbilanz aktiviert. Im Mundell-Fleming- Modell wird demnach unterstellt, dass die Marshall-Lerner- bzw. die verallgemeinerte Robinson-Bedingung stets erfüllt sind (vgl. Abschnitt 2.3.3.1.3). Durch partielle Differentiation nach den Variablen erhält man: (7.6) 0Y LB LB Y ∂ ∂ ≡ < 0 Y LB LB Y ∂ ∂ ∗ ∗≡ > 0W LB LB W ∂ ∂ ≡ > Die partiellen Ableitungen in (7.6) können als marginale Importneigungen des In- und Auslands sowie als Veränderungsrate des Leistungsbilanzsaldos hinsichtlich des Wechselkurses interpretiert werden. Das Einkommen des Inlandes ergibt sich durch Einsetzen der Gleichungen (7.2) und (7.5) in (7.1): (7.7) ( ,Z) ( , , )Y AB AB Y LB Y Y W∗= + + Die Gleichung (7.7) enthält einen impliziten Zusammenhang zwischen dem inländischen Einkommen Y und dem Zinsniveau Z. Sie beschreibt den geometrischen Ort aller Kombinationen von inländischem Einkommen und Zins, 128 Man beachte, dass hier der Wechselkurs zunächst mit W anstelle des sonst üblichen Kleinbuchstabens w bezeichnet wird. An späterer Stelle dieses Kapitels wird mit Logarithmen gerechnet und das Symbol w = ln(W) für den logarithmierten Wechselkurs benutzt. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 331 7.1 Das Mundell-Fleming-Modell 331 die eine Räumung des inländischen Gütermarktes bewirken. Die Gleichung (7.7) kann somit als IS-Kurve einer offenen Volkswirtschaft aufgefasst werden. Die Steigung der IS-Kurve erhält man über die Differentiationsregel für implizite Funktionen.129 Setzt man ( , ) ( , ) ( , , )F Y Z Y AB AB Y Z LB Y Y W∗≡ − − − so lässt sich die IS-Kurve (7.7) schreiben als ( , )=0F Y Z Für ihre Steigung gilt dann (7.8) 01 1 Z Z Y Y Y Y F ZdY AB AB dZ F Y AB LB AB LB ∂ ∂ ∂ ∂ − = − = − = ≤ − − − −   130 Die Abb. 7.1 zeigt typische Verläufe von IS-Kurven. Bei IS0‘ ist der Zinskoeffizient ABZ konstant gleich Null, d. h. die inländische Absorption ist zinsunabhängig. Wichtig ist weiterhin die Unterscheidung zwischen endogenen und exogenen Größen des Modells. Endogene Größen sind das inländische Einkommen Y sowie der Zins Z. Der Einkommenseffekt einer Zinsänderung ergibt sich aus einer Bewegung entlang der IS-Kurve. Die exogenen Größen sind der autonome 129 Zur Differentiation impliziter Funktionen, vgl. z. B. Chiang, A., Fundamental Methods of Mathematical Economics, 4. Auflage, Singapore 2009. 130 Die Tatsache, dass der letzte Term und damit die Steigung der IS-Kurve kleiner oder gleich Null sind, folgt aus (7.4) und (7.6). Z Y Z0 IS1’IS0’IS1IS0 Abb. 7.1: IS-Kurven im Mundell-Fleming-Modell Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 332 7 Internationale Transmission u. Koordinierung332 Bestandteil der Absorption AB, das ausländische Einkommen Y* und der Wechselkurs W. Ihre Veränderungen führen zu einer Verschiebung der IS-Kurve. Höhe und Verschiebungsrichtung ergeben sich aus dem totalen Differential der Funktion (7.7): (7.9) *1 ( ) 1 Z WYY Y dY dAB AB dZ LB dY LB dW AB LB ∗= ⋅ + + + − − Hält man den Zins Z konstant (d. h. dZ = 0), so ergibt sich für die Veränderung von Y: *1 ( ) 1 WYY Y dY dAB LB dY LB dW AB LB ∗= ⋅ + + − − Offensichtlich führt eine Erhöhung von AB, Y* oder W (also eine Abwertung der inländischen Währung) zu einer Rechtsverschiebung der IS-Kurve (von IS0 → IS1 bzw. von IS0‘ → IS1‘), solange 1 – ABY – LBY > 0 gilt, was allerdings nach (7.4) und (7.6) stets gegeben ist. Für ein gegebenes Zinsniveau Z0 erhöht sich dann das inländische Einkommen Y. Bei den bisherigen Überlegungen zur IS-Kurve (7.7) wurden für deren Komponenten AB (inländische Absorption) und LB (inländischer Leistungsbilanzsaldo) allgemeine, bis auf die Vorzeichen der partiellen Ableitungen nicht näher spezifizierte Funktionen unterstellt. Es ist für das Verständnis hilfreich, hier und in den weiteren Ausführungen spezielle funktionale Formen zu betrachten. In der einschlägigen Literatur ist es dabei üblich, solche Funktionen zu wählen, aus denen sich nach einer Logarithmierung linear additive Zusammenhänge ergeben. Diese Vorgehensweise weist verschiedene Vorteile auf. Zunächst einmal wird hierdurch die Notation erleichtert. Zum anderen ist die logarithmische Schreibweise üblich, weil oft weniger die absoluten Werte der Variablen von wirtschaftspolitischem Interesse sind, sondern vielmehr die prozentualen Ver- änderungen. Die Differenzen von Logarithmen können als solche prozentualen Veränderungsraten interpretiert werden. Ferner sei darauf hingewiesen, dass sich auch für empirische Überprüfungen Logarithmen in vielerlei Hinsicht methodisch anbieten. In gewisser Ähnlichkeit zur Spezifikation der Geldnachfragefunktion (6.26) aus Kapitel 6 bietet sich z. B. eine Spezifikation der IS-Kurve (7.7) in der Form (7.10) exp( ) ( )Y AB Y Z Y Wφ ε ϕλ ∗= ⋅ ⋅ − ⋅ ⋅ ⋅ an. Hierbei bezeichnen j die Einkommenselastizität der Absorption und l die Semizinselastizität des Einkommens. e ist die Elastizität des inländischen Einkommens bezüglich des ausländischen Einkommens, die aus ökonomischer Sicht aus der Importverflechtung resultiert. f benennt die Wechselkurselastizität des inländischen Einkommens. Analog zu den vorangegangenen Ausführungen kann hier von den Parameterrestriktionen l, e, f ≥ 0 sowie 0 ≤ j ≤ 1 ausgegangen werden. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 333 7.1 Das Mundell-Fleming-Modell 333 Zugegebenermaßen fällt eine konkrete ökonomische Begründung für die IS- Kurven-Spezifikation (7.10) zunächst schwer. Diese wird aber deutlich, wenn man beide Seiten von (7.10) logarithmiert: (7.11) ln( ) ln( ) ln( ) ln( ) ln( )Y AB Y Z Y Wφ λ ε ϕ∗= + ⋅ − ⋅ + ⋅ + ⋅ Unter der Konvention, dass die Logarithmen der Größen AB, Y, Z, Y* und W mit Kleinbuchstaben bezeichnet werden, lässt sich (7.11) auch schreiben als (7.12) y ab y Z y wφ λ ε ϕ∗= + ⋅ − ⋅ + ⋅ + ⋅ Die Interpretation der Gleichung (7.12) ähnelt der der IS-Kurve (7.7). Die Gleichung beschreibt den geometrischen Ort aller Kombinationen von inländischem (logarithmiertem) Einkommen und Zins, die eine Räumung des inländischen Gütermarktes bewirken und kann somit als IS-Kurve einer offenen Volkswirtschaft aufgefasst werden. Eine Bewegung entlang dieser IS-Kurve, z. B. aufgrund einer Zinssenkung, zeigt nun das daraus folgende, gleichgewichtige prozentuale Einkommenswachstum an. Aus (7.7) wurde dagegen die absolute Zunahme des Einkommens ersichtlich. Die Steigung der IS-Kurve (7.12) kann anhand ihres totalen Differentials berechnet werden: (7.13) dy dab dy dZ dy dwφ λ ε ϕ∗= + ⋅ − ⋅ + ⋅ + ⋅ bzw. (7.14) ( )11dy dab dZ dy dwλ ε ϕφ ∗= ⋅ − ⋅ + ⋅ + ⋅ − Damit beträgt die Steigung der IS-Kurve (7.12) (7.15) 01 dy dZ λ φ = − ≤ − Das totale Differential (7.14) hat eine eigenständige Interpretation. Diese ergibt sich aufgrund des bereits erwähnten Umstands, dass die Differenzen logarithmierter Variablen als prozentuale Wachstumsraten aufgefasst werden können. Damit hängt das inländische Einkommenswachstum dy vom Wachstum der autonomen Absorption (dab), des ausländischen Einkommens (dy*), von der prozentualen Veränderung des Wechselkurses dw und von der Veränderung des inländischen Zinssatzes (dZ) ab, wobei alle Variablen mit ihren zugehörigen Verhaltensparametern gewichtet werden. Die Gleichung (7.14) ist also eine dynamisierte Fassung der traditionellen IS-Kurve. Sie beschreibt den geometrischen Ort aller Kombinationen von Zinsänderungen und gleichgewichtigem inländischem Einkommenswachstum. Sie hat prinzipiell den gleichen Verlauf (und die gleiche Steigung) wie die IS-Kurve in Abb. 7.1. Es stellt sich die Frage, wie Bewegungen auf der dynamisierten IS-Kurve (7.14) zu interpretieren sind. Derartige Bewegungen spiegeln letztendlich Veränderungen von Veränderungen wider. Wenn an den Achsen der Abb. 7.1 anstelle Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 334 7 Internationale Transmission u. Koordinierung334 von Y und Z die Größen dy und dZ abgetragen werden, so würde (bei Verlängerung der eingezeichneten IS-Kurven) der Schnittpunkt einer IS-Kurve mit der dy-Achse dasjenige gleichgewichtige Wachstum abbilden, das sich bei konstanten Zinsen (dZ = 0) sowie konstanten Wechselkursen und konstantem Wachstum der autonomen Absorption und des ausländischen Einkommens ergeben würde. Der Schnittpunkt der IS-Kurve mit der dZ-Achse veranschaulicht dagegen, um wie viel Prozentpunkte das Zinsniveau erhöht werden muss, um bei gegebenen anderen Einflussfaktoren das inländische Wachstum auf Null zu reduzieren. Diese Interpretation der dynamisierten IS-Kurve (7.14) als geometrischer Ort aller gleichgewichtigen Kombinationen von Wachstumsraten und Zinssatzänderungen steht in gedanklichem Einklang mit der Deutung der statischen IS-Kurve (7.7). 7.1.2 Der Geldmarkt und die LM-Kurve Der (inländische) Geldmarkt befindet sich im Gleichgewicht, wenn das Geldangebot M der Geldnachfrage L entspricht:131 (7.16) ( ) ( )( , )M L Y Z+ −= Die Geldnachfrage L wird dabei üblicherweise als einkommens- und zinsabhängig unterstellt. Für die partiellen Ableitungen gilt (7.17) 0Y L L Y ∂ ∂ ≡ > und 0Z L L Z ∂ ∂ ≡ ≤   132 Die Gleichgewichtsbedingung (7.16) lässt sich grafisch durch die LM-Kurve einer offenen Volkswirtschaft darstellen. Die LM-Kurve stellt alle Kombinationen von Y und Z dar, die bei gegebenem Geldangebot M zu einer Räumung des inländischen Geldmarktes führen. Über die Differentiationsregel für implizite Funktionen ergibt sich die Steigung der LM-Kurve zu (7.18) 0Z Y dY L dZ L = − ≥   133 Über die Höhe der Einkommenselastizität der Geldnachfrage besteht ein relativ breiter Konsens. Die meisten Arbeiten gehen von einer Elastizität von eins oder der Nähe davon aus. Dennoch ist der Steigung der LM-Kurve aufgrund der recht unterschiedlichen Auffassungen zur Zinselastizität der Geldnachfrage umstritten. Die Abb. 7.2 zeigt einige typische Verläufe von LM-Kurven. Die Kurven LM0 und LM1 beschreiben die beiden Extremfälle LZ = 0 und LZ = –∞. 131 Wegen P = 1 wird erneut nicht zwischen nominalen und realen Größen unterschieden. 132 In der Regel ist LZ < 0, da sich bei steigendem Zins die Opportunitätskosten der Geldhaltung erhöhen und die Wirtschaftssubjekte tendenziell Geld durch Kapitalmarktanlagen substituieren. Eine zinsunabhängige Geldnachfrage (LZ = 0) korrespondiert mit der klassischen Geldnachfragetheorie, in der Geld lediglich zu Transaktionszwecken gehalten wird. 133 Vgl. die Herleitung der Steigung für die IS-Kurve in (7.8). Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 335 7.1 Das Mundell-Fleming-Modell 335 Der „Normalfall“ –∞ < LZ < 0 ist durch die Kurve LM2 dargestellt. LM1 spiegelt den keynesianischen Fall der Liquiditätsfalle, LM0 entspricht dem „klassischen“ Fall einer zinsunelastischen Geldnachfrage. Eine Veränderung des Geldangebotes M führt im Normalfall zu einer Verschiebung der LM-Kurve. Die Verschiebungsrichtung ergibt sich aus dem totalen Differential der Funktion (7.16): (7.19) Y ZdM L dY L dZ= + Hält man den Zins bzw. das Einkommen konstant (d. h. dZ = 0 bzw. dY = 0), so ergibt sich (7.20) 1 Y dY dM L = ⋅ bzw. 1 Z dZ dM L = ⋅ Eine Erhöhung des Geldangebotes führt somit im (Y, Z)-Diagramm bei unverändertem Einkommen zu einem niedrigeren Zins, d. h. es resultiert eine Rechtsverschiebung der LM-Kurve. Wie bei der IS-Kurve in Abschnitt 7.1.1 soll auch für die LM-Kurve eine konkrete Spezifikation der allgemeinen Funktionszusammenhänge erfolgen. Für die Geldnachfrage L bietet sich dabei die bereits in Kapitel 6 verwendete funktionale Form (7.21) ( , ) exp( )L Y Z Y Zη σ= ⋅ − ⋅ , mit , 0η σ ≥ an (vgl. Formel (6.26)). Durch den Übergang zu natürlichen Logarithmen geht die Geldnachfragefunktion (7.21) über in (7.22) ( )ln ( , ) ln( )l L Y Z Y Z y Zη σ η σ≡ = ⋅ − ⋅ = ⋅ − ⋅  134 134 Man beachte erneut die Konvention, dass Kleinbuchstaben bei den Variablen (aber nicht bei den Verhaltensparametern) natürliche Logarithmen bezeichnen. Z YY0 Z0 LM2 LM1 LM0 Abb. 7.2: LM-Kurven im Mundell-Fleming-Modell Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 336 7 Internationale Transmission u. Koordinierung336 Hierbei beschreiben h = ∂l/∂y die Einkommenselastizität und s = –∂l/∂Z die Semizinselastizität der Geldnachfrage. Mit (7.22) lässt sich die Geldmarktgleichgewichtsbedingung (7.16) schreiben als (7.23) m y Zη σ= ⋅ − ⋅ Für das totale Differential ergibt sich (7.24) dm dy dZη σ= ⋅ − ⋅ Die Gleichgewichtsbedingung (7.23) lässt sich grafisch in einem (y,Z)-Diagramm darstellen und kann als LM-Kurve einer offenen Volkswirtschaft interpretiert werden. Für die Steigung dieser LM-Kurve ergibt sich aufgrund von (7.24) bei konstantem Geldangebot (d. h. dm = 0) (7.25) 0 dy dZ σ η = ≥ Rein formal unterscheiden sich die LM-Kurven (7.16) bzw. (7.23) einer offenen Volkswirtschaft zunächst nicht von der einer geschlossenen Volkswirtschaft. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch in der Art und Weise, wie es zu Veränderungen des Geldangebotes M kommen kann. Beim LM-Modell einer geschlossenen Volkswirtschaft wird davon ausgegangen, dass die Geldmenge M im Wesentlichen durch die inländische Zentralbank kontrolliert und gesteuert wird.135 In einer offenen Volkswirtschaft ist jedoch – je nach Wechselkurssystem – ein ausländischer Einfluss über die Veränderung der Devisenreserven (RES) denkbar: Bei flexiblen Wechselkursen greift die Zentralbank grundsätzlich nicht am Devisenmarkt ein, so dass die Währungsreserven der Zentralbank von außenwirtschaftlichen Transaktionen unberührt bleiben und somit keine direkten Geldmengeneffekte auftreten. Bei festen Wechselkursen ist die Zentralbank hingegen bei Abweichungen von der Parität zu Interventionen am Devisenmarkt und somit zu (teilweise ungewollten) Bestandsänderungen ihrer Währungsreserven verpflichtet. Zu solchen Abweichungen von der Parität kommt es, wenn sich die Salden der Leistungs- und Kapitalverkehrsbilanz nicht ausgleichen.136 Die Veränderung von RES ist per definitionem gleich dem Zahlungsbilanzsaldo ZB (Saldo der Devisenbilanz) im jeweiligen Betrachtungszeitraum: (7.26) dRES ZB= Bei einem Zahlungsbilanzüberschuss(-defizit) vergrößern (verkleinern) sich die Währungsreserven der Zentralbank, was über die veränderte monetäre Basis zu einem Anstieg (einer Abnahme) des Geldangebotes M führt. Insgesamt ergibt sich ein direkter Zusammenhang zwischen inländischer Geldmenge und Reservebildung: 135 Das Geldangebot ergibt sich aus dem Produkt von Geldschöpfungsmultiplikator und monetärer Basis. Unterstellt man einen konstanten Multiplikator, so wird die monetäre Basis zum entscheidenden Faktor des Geldangebots M. 136 Unberücksichtigt bleiben im Folgenden erneut Vermögensübertragungen sowie der Restposten (vgl. Kapitel 2). Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 337 7.1 Das Mundell-Fleming-Modell 337 (7.27) 1 dM dRES = Der Vollständigkeit halber sei noch darauf hingewiesen, dass auch beim schmutzigen Float (kursbeeinflussende Interventionen der Zentralbank ohne rechtliche Verpflichtung) Veränderungen der monetären Basis entstehen können. 7.1.3 Zahlungsbilanz und die ZB-Kurve Der Schnittpunkt zwischen IS- und LM-Kurve im (Y,Z)-Diagramm beschreibt die Gleichgewichtskombination von Einkommen und Zins, die zu einer gleichzeitigen Räumung des inländischen Güter- und Geldmarktes führt. Dieses simultane Gleichgewicht stellt das sogenannte interne Gleichgewicht dar. In den vorangegangenen Abschnitten wurde bereits klar, dass dieses Gleichgewicht von den außenwirtschaftlichen Verflechtungen beeinflusst wird. Die güterwirtschaftlichen Transaktionen zwischen In- und Ausland gehen über die Leistungsbilanz in die IS-Kurve ein. Eine unausgeglichene Zahlungsbilanz hat bei festen Wechselkursen über ihre Auswirkungen auf die Devisenreserven Rückwirkungen auf die LM-Kurve. Aufgrund dieser Auswirkungen auf die LM- Kurve kann ein internes Gleichgewicht nicht stabil sein, wenn die Zahlungsbilanz nicht ausgeglichen ist. So verschiebt z. B. eine dauerhaft überschüssige Zahlungsbilanz die LM-Kurve kontinuierlich nach rechts unten. Abgesehen von der Bedeutung für das interne Gleichgewicht kann eine ausgeglichene Zahlungsbilanz ein eigenständiges wirtschaftspolitisches Ziel sein (vgl. Kapitel 2). Von einem externen Gleichgewicht spricht man bei ausgeglichener Zahlungsbilanz, d. h. bei ZB = 0. Der Zahlungsbilanzsaldo (ZB) ergibt sich dabei aus der Summe der Salden von Leistungsbilanz (LB) und Kapitalverkehrsbilanz (KB). Im Folgenden wird vereinfachend unterstellt, dass die Höhe des aggregierten Kapitalverkehrs neben einem zinsunabhängigen, autonomen Kapitalverkehr (KB) von der Differenz zwischen In- und Auslandszins abhängt: (7.28) ( )( )KB KB KB Z Z ∗ + = + −   137 Hierbei bedeutet KB > 0 (KB < 0) einen Überschuss (Defizit) in der Kapitalverkehrsbilanz, bei KB = 0 ist die Bilanz ausgeglichen. Die Reagibilität des inländischen Kapitalbilanzsaldos auf marginale Veränderungen des Zinsdifferentials ist gegeben durch (7.29) ( )ZD KB KB Z Z ∂ ∂ ∗ ≡ − 137 In Kapitel 6 wurde deutlich, dass die Höhe und Richtung des internationalen Kapitalverkehrs nicht nur vom Zinsdifferential (Z – Z*) abhängt, sondern auch von der erwarteten Wechselkursänderungsrate oder internationalen Finanztransaktionskosten. Auf die Modellierung derartiger Einflüsse wird an dieser Stelle der Einfachheit halber verzichtet. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 338 7 Internationale Transmission u. Koordinierung338 Es wird unterstellt, dass eine Erhöhung des Zinsdifferentials tendenziell zu steigenden Kapitalimporten (sinkenden Kapitalexporten) des Inlands führt, also ein positiver Zusammenhang zwischen Kapitalbilanzsaldo und Zinsdifferential besteht: (7.30) 0 ZDKB≤ ≤ ∞ Die absolute Höhe des Koeffizienten KBZD hängt zum einen von der durch die technischen Möglichkeiten und das Verhalten der Wirtschaftssubjekte bedingten internationalen Kapitalmobilität ab. Zum anderen wird er beeinflusst von etwaigen internationalen Kapitalverkehrsbeschränkungen. Bei strikten Kapitalverkehrsbeschränkungen ist KBZD klein, im Extremfall bei einem Verbot sogar gleich Null, denn das Zinsdifferential spielt bei den Anlageentscheidungen zwischen in- und ausländischen Aktiva keine Rolle mehr. Aber auch bei Freizügigkeit kann der Wert von KBZD klein werden, nämlich dann, wenn das internationale Finanzkapital recht immobil ist. Gründe für eine geringe Kapitalmobilität können z. B. darin liegen, dass inländische Investoren ausländische Finanzaktiva für risikoreicher einschätzen oder den institutionellen Gegebenheiten ausländischer Finanzmärkte skeptisch gegenüberstehen. Im anderen Extremfall kann KBZD unendlich groß werden, nämlich dann, wenn Freizügigkeit besteht und die Wirtschaftssubjekte in- und ausländische Finanzanlagen als perfekte Substitute ansehen, mit anderen Worten vollständige Kapitalmobilität besteht. Mit den Strukturen des Leistungsbilanz- und Kapitalverkehrsbilanzsaldos aus (7.5) bzw. (7.28) folgt für den Zahlungsbilanzsaldo (7.31) ( , , ) ( )ZB LB Y Y W KB KB Z Z∗ ∗= + + − Eine ausgeglichene inländische Zahlungsbilanz ist bei ZB = 0 gegeben (externes Gleichgewicht), wodurch sich ein impliziter Zusammenhang zwischen inländischem Einkommen Y und inländischem Zins Z ergibt. Die zugehörige Kurve im (Y, Z)-Diagramm wird im Folgenden als ZB-Kurve bezeichnet. Mittels der Differentiationsregel für implizite Funktionen ergibt sich für ihre Steigung (7.32) 0ZD Y ZB ZdY KB dZ ZB Y LB ∂ ∂ ∂ ∂ = − = − ≥   138 Die Abb. 7.3 zeigt drei verschiedene ZB-Kurven. ZB0 hat eine positive, endliche Steigung (Normalfall), d. h. die marginale Importneigung LBY ist kleiner als Null und der Zinskoeffizient KBZD größer als Null und endlich. Für KBZD = 0 (zinsunelastischer Kapitalverkehr, keine Kapitalmobilität) verläuft die Kurve ZB1 parallel zur Zinsachse. Bei vollkommener Kapitalmobilität, also KBZD = ∞, genügt dagegen bei beliebigen Einkommensänderungen bereits eine marginale Zinsänderung für den Zahlungsbilanzausgleich, so dass die Kurve ZB2 parallel zur Y-Achse verläuft. 138 Die positive Steigung folgt mit KBZD ≥ 0 und LBY < 0 (vgl. Gleichung (7.6)). Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 339 7.1 Das Mundell-Fleming-Modell 339 Um Aussagen über die Lage der ZB-Kurve treffen zu können, wird das totale Differential der Funktion (7.31) unter Berücksichtigung der Gleichgewichtsbedingung (ZB = 0) für die Veränderung von Y gebildet: (7.33) 1 ( ) ZD ZDWY Y Y Y KB KB dY LB dY LB dW dKB dZ dZ LB LB LB ∗ ∗ ∗= − ⋅ + + − + Aus (7.33) ist zu erkennen, dass bei KBZD < ∞ das inländische Einkommen Y steigt, wenn •• sich das ausländische Einkommen Y* erhöht (zusätzliche Exporte des Inlandes), •• der Wechselkurs W steigt (Aktivierung der Leistungsbilanz unter „normalen“ Bedingungen), •• sich der autonome Kapitalbilanzsaldo KB erhöht. Alle diese Veränderungen führen zu einer Rechtsverschiebung der ZB-Kurve. Auch eine Verringerung des ausländischen Zinses Z* hat in der Regel eine Rechtsverschiebung der ZB-Kurve zur Folge: Jedem gegebenem inländischen Zinssatz entspricht nun ein geringerer Kapitalexport (bzw. erhöhter Kapitalimport). Dieser zahlungsbilanzaktivierende Effekt muss ceteris paribus über den leistungs- bzw. zahlungsbilanzpassivierenden Effekt einer Einkommenssteigerung ausgeglichen werden. Der Einfluss der ausländischen Zinsen kann übrigens noch wesentlich weiter gehen: Bei vollständiger Kapitalmobilität (KBZD = ∞) stimmen Inlands- und Auslandszins stets überein. Denn eine Zinsdifferenz bewirkt einen so großen Kapitalstrom in das Land mit höherem Zins, dass es dort zu einem Zinssenkungsdruck kommt, während im anderen Land die Zinsen stark steigen. Für den Fall eines kleinen Inlandes und vollständiger Kapitalmobilität passt sich Z Y Z* ZB ZA YBYA B A ZB0 ZB2 ZB1 Abb. 7.3: ZB-Kurven im Mundell-Fleming-Modell Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 340 7 Internationale Transmission u. Koordinierung340 der inländische Zinssatz stets dem ausländischen an. Der ausländische Zinssatz hingegen bleibt von dem durch die Inländer induzierten Kapitalverkehr unberührt, da dieser nur ein relativ kleines Volumen aufweist. In diesem Fall wird die Lage der ZB-Kurve nur noch vom ausländischen Zinsniveau Z* bestimmt. Die inländische ZB-Kurve ist eine Parallele zur Y-Achse auf der Höhe des ausländischen Zinssatzes. Ein Einfluss der Zinssätze auf die Lage der ZB-Kurve entfällt jedoch vollständig bei dem (unrealistischen) Fall eines zinsunelastischen Kapitalverkehrs (KBZD = 0). In diesem Fall ist die ZB-Kurve eine Senkrechte und die Zinsen haben keine Bedeutung für den Zahlungsbilanzausgleich. Alle Punkte, die nicht auf der ZB-Kurve liegen, repräsentieren eine unausgeglichene Zahlungsbilanz. (Y, Z)-Kombinationen, die „rechts unterhalb“ der ZB-Kurve liegen, repräsentieren ein Zahlungsbilanzdefizit (z. B. der Punkt B in Abb. 7.3). Dort ist nämlich bei gegebenem inländischem Einkommen YB der Inlandszins ZB zu niedrig, so dass der zinsinduzierte Kapitalexport (-import) für eine ausgeglichene Zahlungsbilanz zu hoch (zu gering) ist.139 Kombinationen „links oberhalb“ der ZB-Kurve repräsentieren hingegen einen Zahlungsbilanz- überschuss (z. B. der Punkt A). 7.1.4 Internes und externes Gleichgewicht In der Abb. 7.4 sind die IS-, LM- und ZB-Kurve einer offenen Volkswirtschaft in einem Diagramm zusammengefügt worden, wobei realistischer Weise angenommen wurde, dass die ZB-Kurve (ZB1 bzw. ZB2) flacher verläuft als die LM-Kurve.140 Der Schnittpunkt zwischen IS- und LM-Kurve beschreibt das interne Gleichgewicht, bei dem die inländischen Güter- und Geldmärkte gleichzeitig geräumt sind. Die ZB-Kurve zeigt die (Y, Z)-Kombinationen, die zu einer ausgeglichenen Zahlungsbilanz führen. Läuft sie, wie ZB1, durch den Punkt A, stimmen das interne und das externe Gleichgewicht überein. Ist die ZB-Kurve dagegen durch ZB2 gegeben, so stellt A lediglich das interne Gleichgewicht dar, die Zahlungsbilanz ist dagegen unausgeglichen. Der horizontale Abstand AB zwischen internem Gleichgewicht und ZB2-Kurve zeigt, um wie viel das inländische Einkommen zur Erreichung eines Zahlungsbilanzgleichgewichtes zu verändern 139 Alternativ kann man argumentieren, dass bei gegebenem Zins ZB das inländische Einkommen YB zu hoch ist, so dass der einkommensinduzierte (passive) Leistungsbilanzsaldo für eine ausgeglichene Zahlungsbilanz zu hoch ist. 140 Trotz allen empirischen Streits dürften unter normalen Umständen für die Zinselastizität der Geldnachfrage ein Wert in der Nähe von Null (LZ ≈ 0) und für die Einkommenselastizität der Geldnachfrage ein Wert in der Nähe von 1 (LY ≈ 1) robuste Ausgangswerte sein. Die LM-Kurve verläuft somit gemäß (7.18) relativ steil. Für die Einkommenselastizität des Leistungsbilanzsaldos LBY dürfte ein betraglicher Wert in der Nähe der durchschnittlichen Importquote (für Deutschland ca. 0,3), für die Zinselastizität des Kapitalbilanzsaldos bei der hohen internationalen Kapitalmobilität hingegen ein relativ hoher Wert realistisch sein. Nach (7.32) verläuft die ZB-Kurve somit relativ flach. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 341 7.1 Das Mundell-Fleming-Modell 341 wäre. Ist die Einkommenselastizität des Leistungsbilanzsaldos bekannt, kann daraus auf die Höhe des Zahlungsbilanzüberschusses geschlossen werden. In den Ausführungen des folgenden Kapitels 7.2 wird stets eine Ausgangssituation unterstellt, in der das interne und das externe Gleichgewicht zusammenfallen, sich die drei Kurven also in einem Punkt schneiden. In einem System flexibler Wechselkurse ist das immer der Fall, denn jedes Zahlungsbilanzungleichgewicht wird durch angemessene Wechselkursänderungen eliminiert (Verschiebungen der IS- und ZB-Kurve). Bei festen Wechselkursen können dagegen das interne und externe Gleichgewicht durchaus voneinander abweichen. 7.1.5 Zusammenfassung •• Das Mundell-Fleming-Modell erweitert das IS-LM-Konzept für geschlossene auf offene Volkswirtschaften. Hierbei ist neben dem internen Gleichgewicht (simultane Räumung des inländischen Güter- und Geldmarktes) das Zahlungsbilanzgleichgewicht (externes Gleichgewicht) in die Analyse einzubeziehen. •• Die IS-Kurve ist der geometrische Ort aller Kombinationen von inländischem Einkommen und Zins, der eine Räumung des inländischen Gütermarktes bewirkt. Im Mundell-Fleming-Modell spielt dabei der inländische Leistungsbilanzsaldo eine Rolle, der negativ vom inländischen Einkommen und positiv vom ausländischen Einkommen und vom Wechselkurs abhängt. Die Steigung der IS-Kurve ist negativ (oder gleich 0). Eine Erhöhung der autonomen inländischen Absorption, des ausländischen Einkommens sowie des Wechselkurses (Abwertung der Inlandswährung) verschiebt die IS-Kurve nach rechts. B Z Y ZB2 A ZB1LM IS Abb. 7.4: Gleichgewicht im Mundell-Fleming-Modell Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 342 7 Internationale Transmission u. Koordinierung342 •• Die LM-Kurve ist der geometrische Ort aller Kombinationen von inländischem Einkommen und Zins, der eine Räumung des inländischen Geldmarktes bewirkt. Die Steigung der LM-Kurve ist positiv (oder gleich 0). Eine Erhöhung des inländischen Geldangebotes verschiebt die LM-Kurve bei unverändertem Einkommen nach rechts. Rein formal unterscheidet sich die LM-Kurve im Mundell-Fleming-Modell nicht von der einer geschlossenen Volkswirtschaft. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Konzepten besteht im Zustandekommen von Geldangebotsveränderungen. •• Die ZB-Kurve ist der geometrische Ort aller Kombinationen von inländischem Einkommen und Zins, bei dem die Zahlungsbilanz (Leistungsbilanz + Kapitalverkehrsbilanz) ausgeglichen ist (externes Gleichgewicht). Die Steigung der ZB-Kurve ist positiv (oder gleich 0). Bei völlig immobilem Kapitalverkehr verläuft die ZB-Kurve parallel zur Zinsachse, bei vollkommener Kapitalmobilität parallel zur Einkommensachse. Erhöhungen des ausländischen Einkommens, des Wechselkurses sowie des autonomen Kapitalverkehrssaldos verschieben die ZB-Kurve nach rechts. •• Bei flexiblen Wechselkursen fallen internes und externes Gleichgewicht stets zusammen (automatischer Zahlungsbilanzausgleich). Bei festen Wechselkursen können beide Gleichgewichte voneinander abweichen. 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik Das im Abschnitt 7.1 beschriebene Mundell-Fleming-Modell bezog sich bislang nur auf die Analyse der Wirkungen inländischer Geld-, Fiskal- oder Wechselkurspolitik auf das inländische Einkommen und Zinsniveau sowie die Zahlungsbilanz. Das Modell eignet sich auch, um mögliche Effekte inländischer Stabilitätspolitik auf das ausländische Einkommen bzw. Zinsniveau zu analysieren, aus denen sich wiederum Rückwirkungen auf inländische Makrogrößen ergeben können. In den folgenden Abschnitten sollen deshalb die Wirkungen inländischer Geld- und Fiskalpolitik unter Berücksichtigung außenwirtschaftlicher Interdependenzen diskutiert werden. 7.2.1 Modellbeschreibung Zur Erfassung internationaler Rückwirkungen ist das Mundell-Fleming-Modell aus Abschnitt 7.1 um den ausländischen Güter- und Geldmarkt zu erweitern. Im Hinblick auf die Kapitalmobilität wird im Folgenden von eventuellen Kapitalverkehrsbeschränkungen abstrahiert und – abgesehen von einigen kurzen Anmerkungen – der wohl praxisrelevanteste Fall eines absolut zinselastischen Kapitalverkehrs (vollkommene Kapitalmobilität) unterstellt. Es wird somit von der Zinsgleichheit zwischen In- und Ausland ausgegangen: (7.34) Z Z∗= 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 343 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik 343 Zusätzlich wird angenommen, dass das Inland groß und das Ausland klein ist, so dass sich das ausländische Zinsniveau dem inländischen anpasst und deshalb durch dieses ersetzt werden kann. Zur Ableitung der Gleichgewichte auf den inländischen und ausländischen Gütermärkten (IS-Kurven) sei zunächst an die Gleichung (7.12) erinnert. Wird diese nach y aufgelöst, so ergibt sich: (7.35) y Z y w abθ ∗= − ⋅ + Ψ ⋅ + Θ ⋅ + Ω ⋅ (inländische IS-Kurve) mit 0 1 λθ φ ≡ ≥ − , 0 1 ε φ Ψ ≡ ≥ − , 0 1 ϕ φ Θ ≡ ≥ − , 1 0 1 φ Ω ≡ ≥ − Unter der Annahme, dass es sich beim In- und Ausland um symmetrische Länder, d. h. zwei Länder mit identischen Verhaltensparametern handelt, ergibt sich für die ausländische IS-Kurve (7.36) y Z y w abθ ∗∗ = − ⋅ + Ψ ⋅ −Θ ⋅ + Ω ⋅ (ausländische IS-Kurve) wobei der Stern (*) wie gewohnt ausländische Variablen kennzeichnet und ansonsten die Notation des Abschnittes 7.1 beibehalten wird. Bei der weitgehenden Symmetrie der Gleichungen (7.35) und (7.36) ist zu beachten, dass der Wechselkurs das ausländische Einkommen negativ beeinflusst: Eine Erhöhung des Wechselkurses bedeutet eine Aufwertung der ausländischen Währung, was die ausländische Leistungsbilanz tendenziell passiviert. Die LM-Kurven des In- und Auslands (Geldmarktgleichgewichte) ergeben sich analog der Gleichung (7.23) aus der Gleichsetzung von jeweiligem Geldangebot und einkommens- und zinsabhängiger Geldnachfrage: (7.37) m y Zη σ= ⋅ − ⋅ (inländische LM-Kurve) (7.38) m y Zη σ∗ ∗= ⋅ − ⋅ (ausländische LM-Kurve) Mit dem um die ausländischen Güter- und Geldmärkte erweiterten Mundell- Fleming-Modell lassen sich nun die Effekte inländischer Geld- und Fiskalpolitik unter Berücksichtigung wechselseitiger außenwirtschaftlicher Abhängigkeiten analysieren. Grad und Ausprägung der internationalen Transmission hängen dabei im Wesentlichen ab •• vom Wechselkurssystem (feste oder flexible Wechselkurse), •• vom Grad der internationalen Kapitalmobilität sowie •• von der Größe des Landes, in dem die wirtschaftspolitische Maßnahme ergriffen wird. 7.2.2 Internationale Transmission bei festen Wechselkursen Im Rahmen des beschriebenen Modells sind in einem System fester Wechselkurse grundsätzlich zwei Wirkungsmechanismen zu beachten: güterwirtschaft- Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 344 7 Internationale Transmission u. Koordinierung344 liche Effekte auf das Einkommen über Veränderungen der Leistungsbilanz sowie Geldmengeneffekte über Reserveänderungen. Zwar kann hiergegen eingewendet werden, dass sich derartige Geldmengeneffekte von der Zentralbank eines Landes neutralisieren lassen, indem sie durch eine entgegengesetzte Variation des autonomen Teils M des Geldangebots kompensiert werden. Allerdings ist bei vollkommener Kapitalmobilität (absolut zinselastischer Kapitalverkehr) eine solche Neutralisierungspolitik nicht möglich, weil dadurch das Zahlungsbilanzdefizit zementiert würde, was schließlich den vollständigen Verlust an Währungsreserven nach sich zöge. Da im Festkurssystem der Wechselkurs W keine Variable mehr ist und der Einfachheit halber auf eins (und der logarithmische Wechselkurs w damit auf Null) normiert werden kann, vereinfacht sich das Gleichungssystem (7.35) bis (7.38). Die Lösung des Gleichungssystems wird weiter durch die zusätzliche Annahme vereinfacht, dass die inländische Währung den „Anker“ im Festkurssystem darstellt und die ausländische Notenbank ihre Geldpolitik danach ausrichtet, die Wechselkursvorgaben einzuhalten. Die ausländische (logarithmische) Geldmenge m* wird damit zur endogenen Größe. Diese Situation war nach Meinung einiger Beobachter im Europäischen Währungssystem (EWS) gegeben: Während die Bundesbank eine autonome Geldpolitik betrieb, mussten sich die anderen Notenbanken in ihrer Geldmengensteuerung an den Wechselkursvorgaben ausrichten. Im System der 4 Gleichungen (7.35) bis (7.38) ergeben sich somit als endogene Variablen y, y*, Z und m*. Als exogene Politikvariablen verbleiben ,m ab sowie ab ∗ . Hinter den beiden letzten Größen verbirgt sich die Möglichkeit, über eine expansive Fiskalpolitik das Einkommen zu beeinflussen. Eine Erhöhung der Staatsausgaben erhöht die einkommensunabhängige, autonome Absorption ab. Das durch die Gleichungen (7.35) bis (7.38) beschriebene Grundmodell der internationalen Transmission lässt sich für den Fall fester Wechselkurse also wie folgt umformulieren: (7.39) 1 0y y Z m abθ∗ ∗⋅ − Ψ ⋅ + ⋅ + ⋅ = Ω ⋅ (7.40) 1 0y y Z m abθ ∗∗ ∗−Ψ ⋅ + ⋅ + ⋅ + ⋅ = Ω ⋅ (7.41) 0 0y y Z m mη σ∗ ∗⋅ + ⋅ − ⋅ + ⋅ = (7.42) 0 1 0y y Z mη σ∗ ∗⋅ + ⋅ − ⋅ − ⋅ = In dieser Formulierung des Gleichungssystems stehen alle endogenen Variablen auf den linken, alle exogenen Variablen auf den rechten Seiten der Gleichungen. Die jeweiligen Wirkungen der exogenen Variablen auf die endogenen Größen lassen sich anhand der Lösung des Gleichungssystems relativ leicht bestimmen. Im Anhang A7 wird das Gleichungssystem (7.39) bis (7.42) durch einfache Matrixalgebra gelöst. Die in den folgenden Unterabschnitten benutzten expliziten Lösungen sind den Komponenten der inversen Matrix (A7.9) zu entnehmen. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 345 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik 345 7.2.2.1 Geldpolitik bei vollkommener Kapitalmobilität Wie wirkt für den Fall, dass das große Inland die Ankerwährung bereitstellt, eine expansive Geldpolitik des kleinen Auslands auf das in- und ausländische Einkommen? Die autonome Erhöhung des ausländischen Geldangebots bewirkt zunächst einen tendenziellen Senkungsdruck auf das ausländische Zinsniveau. Hieraus resultiert ein extremer, nicht zu neutralisierender Kapitalabfluss ins Inland, der zu einer ausländischen Geldmengenkontraktion führt (außenwirtschaftlich bedingter Geldmengeneffekt) und somit die autonome Erhöhung des ausländischen Geldangebotes voll ausgleicht. Zu einer ausländischen Zinssenkung kann es somit nicht kommen. Das Zinsniveau wird voll durch das große Inland bestimmt, welches jedoch von der Politik des kleinen Auslandes unberührt bleibt. Da sich der geschilderte Prozess sehr schnell vollzieht, kommt die vorgesehene Geldmengenausdehnung im Grenzfall nicht zustande. Dies verdeutlicht die zuvor getroffene Feststellung, dass die Geldmenge eines kleinen Landes, das sich bei festen Wechselkursen an der Ankerwährung eines großen anderen Landes orientiert, nicht mehr als Politikinstrument zur Verfügung steht, sondern eine endogene Variable ist. Somit ergibt sich also auch keinerlei Effekt auf das Auslandseinkommen. Im Inland kommt es zwar zu einem Kapitalzufluss. Dieser hat jedoch aufgrund der Annahme eines kleinen Auslands keinen Einfluss auf das inländische Zinsniveau. Somit ändert sich also auch das inländische Einkommen nicht, so dass es auch über die Leistungsbilanz keine güterwirtschaftlichen Effekte geben kann. In einer grafischen Darstellung würde sich die ausländische LM-Kurve allenfalls kurzzeitig nach rechts unten verschieben, um dann sofort in ihre Ursprungslage zurückzukehren. Auch die inländische LM-Kurve sowie die in- und ausländischen IS-Kurven bleiben unberührt. Die ZB-Kurve des Inlandes bleibt schon aufgrund der Größe des Landes unverändert. Die (waagerechte) ZB-Kurve des Auslandes bleibt starr auf dem Niveau, das durch das inländische Zinsniveau vorgegeben wird. Aufgrund dieser Nicht-Änderungen wird auf eine grafische Darstellung verzichtet. Als nächstes soll davon ausgegangen werden, dass das große Inland eine expansive Geldpolitik betreibe. Eine autonome Geldmengenerhöhung im Inland führt über eine tendenzielle Zinssenkung erneut zu einem Kapitalabfluss. Dieser stellt jetzt aber einen erheblichen Liquiditätstransfer ins Ausland dar, der auch dort über eine merkliche Geldmengenausweitung zu einem verringerten Zinsniveau führt. Die Zinssenkung in beiden Ländern erhöht sowohl das in- als auch das ausländische Einkommen, so dass wechselseitig positive güterwirtschaftliche Effekte auftreten. Das gestiegene ausländische Einkommen aktiviert über erhöhte inländische Exporte die inländische Leistungsbilanz (weitere Zunahme des inländischen Einkommens). Wenn das Ausland allerdings „klein“ ist im obigen Sinne des „nicht Spürbaren“, entfällt dieser Effekt. Ebenso steigen die einkommensabhängigen Importe des Inlands, was das ausländische Einkommen weiter erhöht. Insgesamt ergibt sich somit eine in ihrer Stärke abklingende Sequenz einkommenserhöhender Rückwirkungen zwischen In- und Ausland. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 346 7 Internationale Transmission u. Koordinierung346 Formal lassen sich die Effekte über die Lösung des Gleichungssystems (7.39) bis (7.42) bestimmen (vgl. die Matrix (A7.9) im Anhang A7). Das inländische Einkommen steigt aufgrund der expansiven inländischen Geldpolitik: (7.43) 2 y m ∂ θ ∂ = ∆   141 wobei D2 ≡ hq•+ s(1 – Y) ist. Im Folgenden soll von Y ≤ 1 ausgegangen werden, so dass (7.43) größer oder gleich Null ist. Der positive Effekt auf das ausländische Einkommen ergibt sich als (7.44) 2 0 y m ∂ θ ∂ ∗ = ≥ ∆   142 und ist somit genauso groß wie auf das inländische Einkommen. Die Ursache liegt darin, dass das kleine Ausland gezwungen ist, seine Geldmenge m* in genau dem gleichen Umfang auszudehnen wie das Inland, um die Wechselkursparität aufrechtzuerhalten.143 In beiden Ländern sinken deshalb die Zinsen in gleichem Umfang144, was zu den entsprechenden gleich hohen Einkommenseffekten führt. Die Abb. 7.5 verdeutlicht die Wirkungen der Geldmengenerhöhung des großen Inlands. In der Ausgangssituation befinden sich das In- bzw. Ausland in den jeweils simultanen internen und externen Gleichgewichtspunkten A bzw. A*. Die autonome Geldmengenerhöhung verschiebt die LM-Kurve des Inlands kurzfristig zunächst weit nach rechts, nämlich von LM0 nach LM2. Der einsetzende Kapitalabfluss bewirkt nun zweierlei: Erstens eine Erhöhung der Geldmenge im Ausland, zweitens eine Reduktion des zuvor autonom ausgeweiteten Geldangebots im Inland. Durch diesen Geldmengeneffekt verschiebt sich die LM-Kurve des Auslands von LM0* nach LM1*, während sich die LM-Kurve des Inlands tendenziell zurück nach links bewegt. In beiden Ländern kommt es jedoch, verglichen mit der Ausgangssituation vor der inländischen Geldmengenexpansion, zu einer Zinssenkung, die in beiden Ländern zu primären Einkommenserhöhungen führt (Bewegung auf den IS-Linien). Im Gleichgewicht sind die Zahlungsbilanzen der beiden Länder ausgeglichen. Da dies bei vollkommener Kapitalmobilität mit gleich hohen Zinsen in beiden Ländern verbunden ist, ver- ändern sich auch die Kapitalverkehrsbilanzen der beiden Länder nicht. Folglich bleiben auch die Leistungsbilanzsalden unberührt. Die neuen simultanen Gleichgewichte der nationalen Geld- und Gütermärkte liegen in den Punkten B und B*. Da hier auch in beiden Ländern ein Zahlungsbilanzgleichgewicht herrscht, müssen sich in beiden Ländern die (waagerechten) ZB-Kurven gleich stark nach unten verschieben. Die Zinsen verändern sich um 141 Dies entspricht dem Eintrag in der 1. Zeile, 3. Spalte der Matrix (A7.9). 142 Dies entspricht dem Eintrag in der 2. Zeile, 3. Spalte der Matrix (A7.9). 143 Aus der 4. Zeile, 3. Spalte der Matrix (A7.9) ergibt sich ∂m*/∂m = 1. 144 Aus der 3. Zeile, 3. Spalte der Matrix (A7.9) ergibt sich ∂Z/∂m = (Y – 1)/D2 ≤ 0. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 347 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik 347 2 1 0 Z Z m m ∂ ∂ ∂ ∂ ∗ Ψ − = = ≤ ∆ Insgesamt lassen sich die Wirkungen einer expansiven Geldpolitik bei festen Wechselkursen und vollständiger Kapitalmobilität wie folgt zusammenfassen: 1. Eine expansive Geldpolitik eines kleinen Landes hat keinerlei Einkommenswirkung im Land selbst oder im Partnerland. 2. Eine expansive Geldpolitik eines großen Landes führt zu Einkommenssteigerungen sowohl im Land selbst als auch im Partnerland. 7.2.2.2 Fiskalpolitik bei vollkommener Kapitalmobilität Eine fiskalische Expansion führt zunächst tendenziell zu einem Zinsanstieg im ausführenden Land (die IS-Linie des Landes verschiebt sich nach rechts oben). Da das Kapital international vollkommen mobil ist, kommt es zu einem Kapitalzufluss aus dem anderen Land, der durch Devisenankäufe der Notenbank des fiskalisch expansiven Landes ausgeglichen werden muss. Deshalb nimmt die Geldmenge des expandierenden Landes zu (die LM-Linie des expandierenden Landes verschiebt sich nach rechts unten). Bei einem kleinen Land (in diesem Fall das Ausland), das keinen Einfluss auf das internationale Zinsniveau und auf das Einkommen des großen Inlandes hat, wird der Kapitalzufluss so lange anhalten, bis sich der Auslandszins wieder dem internationalen Niveau angeglichen hat. Die fiskalische Expansion und der dadurch induzierte Geldmengenzuwachs führen also eindeutig zu einer Einkommenserhöhung im kleinen Ausland. Aufgrund der geringen Bedeutung des Auslands ergeben sich für das große Inland keine nennenswerten Wirkungen. ZZ Y*Y ZB1 ZB0 LM1* LM0* IS0* LM2 LM1LM0 Y1*Y0*Y1Y0 IS0 B B* A*A Z1 Z0 Abb. 7.5: Wirkungen einer Geldmengenausweitung in einem großen Land Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 348 7 Internationale Transmission u. Koordinierung348 Die Wirkungen einer expansiven Fiskalpolitik des großen Inlands sind positiv für das Inland. Für das Ausland ist die Wirkungsrichtung jedoch unsicher. Aus der Matrix (A7.9) des Anhangs A7 ergibt sich (7.45) 1 0 y ab ∂ σ ∂ Ω = ≥ ∆   145 mit D1 ≡ (hq•+ s(1 – Y)) × (1 + Y) und (7.46) ( ) 1 0 y ab σ ηθ∂ ∂ ∗ ≥ < Ψ − Ω = ∆ In Richtung eines positiven Spill-Over-Effektes wirken •• eine hohe Importneigung des großen Inlandes146 (die IS*-Linie verschiebt sich aufgrund der steigenden Exporte deutlich nach rechts), •• eine geringe Zinselastizität der Güternachfrage des kleinen Auslandes (die IS*-Linie ist steil; Zinssteigerungen führen nur zu geringen Einkommensverlusten), •• eine geringe Einkommenselastizität der Geldnachfrage des großen Inlandes (die durch die inländischen Einkommenssteigerungen ausgelösten (Welt)- Zinssteigerungen sind gering) •• sowie eine hohe Zinselastizität der Geldnachfrage des Inlandes (die LM-Linie ist flach, die durch die inländischen Einkommenssteigerungen ausgelösten (Welt-)Zinssteigerungen sind gering). Die beiden letzten Effekte würden bedeuten, dass die ausländische Geldmenge nur relativ schwach von der inländischen Expansion betroffen ist, das heißt, dass sich die ausländische LM*-Kurve nur wenig nach links verschieben muss. Die beiden gegenläufigen Effekte auf das Einkommen des Auslandes (Rechtsverschiebung der IS*-Kurve und Linksverschiebung der LM*-Kurve) lassen sich anhand der Abb. 7.6 verdeutlichen. Vor der fiskalpolitischen Maßnahme befinden sich die beiden Länder in den jeweiligen internen und externen Gleichgewichtszuständen A und A*. Durch die expansive fiskalische Maßnahme verschiebt sich die IS-Kurve des Inlands kurzfristig von IS0 auf ISk. Die damit verbundene Zinssteigerung induziert einen Kapitalzufluss aus dem Ausland, der zu einer Rechtsverschiebung der inländischen LM-Kurve führt (von LM0 auf LM1). Aufgrund der Größe des Inlands führen der Kapitalabfluss vom Ausland ins Inland und die somit notwendigen Devisenverkäufe der ausländischen Notenbank zu einer spürbaren Verringerung der ausländischen Geldmenge. Die LM-Kurve des Auslands bewegt sich durch diesen Geldmengeneffekt nach 145 Zur Erinnerung: Die Positivität des Ausdrucks folgt mit Y ≤ 1 und W ≥ 0 (vgl. Formel (7.35)). 146 Die im Text wiedergegebenen Berechnungen beziehen sich auf symmetrische Volkswirtschaften. Die Matrix (A7.8) des Anhangs A7, in der Berechnungen auch für asymmetrische Volkswirtschaften enthalten sind, lässt erkennen, ob die für die Wirkungsrichtung ausschlaggebenden Verhaltensparameter die des In- oder des Auslands sind. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 349 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik 349 links oben (von LM0* auf LM1*), wodurch sich ein negativer Effekt auf das ausländische Einkommen ergibt. Andererseits führt die Einkommenserhöhung im Inland zu einer Steigerung der ausländischen Exporte und somit zu einer Erhöhung des ausländischen Einkommens. Offensichtlich zieht die fiskalische Expansion im Inland zwei entgegengesetzte Wirkungen auf das ausländische Einkommen nach sich: Eine Einkommensreduktion aufgrund der (Welt-)Zinssteigerungen, die durch die Einkommenssteigerungen im großen Inland ausgelöst wurden sowie eine Einkommenserhöhung durch den güterwirtschaftlichen Zusammenhang. Ob und in welche Richtung sich das ausländische Einkommen verändert, hängt vom Nettoeffekt der beiden gegensätzlichen Wirkungen (bzw. von den Verhaltensparametern) ab. Die beiden ausländischen IS-Kurven IS1* (starker positiver Effekt aus zunehmenden Exporten) und IS2* (nur schwacher Effekt aus zunehmenden Exporten) verdeutlichen die möglichen Gesamteffekte auf das ausländische Einkommen (Steigerung des Einkommens von Y0* auf Y1* bzw. Reduktion auf Y2*). Die jeweilige Veränderung des ausländischen Einkommens führt dann wiederum zu entsprechenden güterwirtschaftlichen Rückwirkungen auf das Inland (Zu- oder Abnahme der inländischen Exporte), die durch die IS-Kurven IS1 und IS2 gekennzeichnet sind. Ein eventuell negativer güterwirtschaftlicher Effekt aus einer verringerten ausländischen Importnachfrage (IS2) kann jedoch den primären positiven Einkommenseffekt der fiskalischen Expansion nicht überkompensieren. Insgesamt führt der erhöhte inländische Geldbedarf zu einer Erhöhung des in- und ausländischen Zinsniveaus, so dass sich die ZB-Kurven beider Länder nach oben verschieben (von ZB0 in Richtung ZB2 oder ZB1). ZZ Y*Y ZB0 ZB2 ZB1 LM1* LM0*IS1* IS0* IS2*LM1 LM0 ISkIS0 Y0*Y1*Y2*Y1Y2Y0 C B B* C* A* A Z1 Z2 Z0 IS1IS2 Abb. 7.6: Wirkungen einer expansiven Fiskalpolitik in einem großen Land Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 350 7 Internationale Transmission u. Koordinierung350 Zusammenfassend ergeben sich bei einer expansiven Fiskalpolitik bei festen Wechselkursen und vollständiger Kapitalmobilität die folgenden Wirkungen: 1. Ein kleines Land erreicht mittels expansiver Fiskalpolitik eine eigene Einkommenserhöhung, aber keine registrierbare Erhöhung im Partnerland. 2. In einem großen Land führt eine expansive Fiskalpolitik zu eindeutigen Einkommenssteigerungen im Land selbst, während das Einkommen des Partnerlandes steigen, fallen oder gleich bleiben kann. 7.2.2.3 Geld- und Fiskalpolitik bei völlig immobilem Kapital Bei völlig immobilem internationalem Kapitalverkehr können geld- und fiskalpolitische Maßnahmen eines Landes lediglich über die Leistungsbilanz auf das andere Land wirken. Angenommen in einem Land herrscht ein internes und externes Gleichgewicht. Durch eine expansive Geld- oder Fiskalpolitik erhöht sich kurzfristig sein Einkommen Y, so dass sich seine Leistungsbilanz aufgrund steigender Importe passiviert. Zu beachten ist ferner, dass die erhöhten Importe des Landes von entsprechenden Devisentransaktionen zwischen In- und Ausland begleitet werden. Beim expansiven Land handele es sich im ersten Schritt um das kleine Ausland. Im großen Inland führen dann weder die zusätzlichen ausländischen Importe noch die aus den Devisentransaktionen resultierende Geldmengenausweitung zu einer spürbaren Einkommenserhöhung. Im Ausland führt die expansive Maßnahme zunächst zu einer Einkommenserhöhung. Allerdings verursachen die daraus resultierenden erhöhten Importe des Auslandes eine Geldmengenkontraktion, die wiederum negativ auf das Einkommen wirkt. Die durch die Devisentransaktionen bedingte Geldmengenverknappung im Ausland kann nur durch einen Leistungsbilanzausgleich gestoppt werden. Da sich jedoch das Einkommen des großen Inlandes und annahmegemäß auch der Wechselkurs nicht verändern, wird dieser Ausgleich nur durch ein ausländisches Einkommensniveau realisiert, das dem der Ausgangssituation entspricht. Die expansive Maßnahme hat somit unter diesen Umständen keine längerfristige Einkommenserhöhung im Ausland zur Folge. Eine Möglichkeit, das ausländische Einkommen langfristig zu erhöhen, besteht allerdings darin, dass die Zentralbank die mit den Devisentransaktionen einsetzende Geldmengenverknappung (zumindest bis zum Zeitpunkt der Erschöpfung der Devisenreserven) durch eine permanente Erhöhung des autonomen Geldangebots neutralisiert. Expansive Maßnahmen im großen Inland führen aus zweierlei Gründen zu einer deutlichen Erhöhung des ausländischen Einkommens. Erstens aktivieren die steigenden inländischen Importe die ausländische Leistungsbilanz. Zweitens bewirken die entsprechenden Devisentransaktionen eine Geldmengenausweitung im Ausland, so dass sich dort über eine Zinssenkung eine weitere Einkommenserhöhung ergibt.147 Die ausländische Einkommenssteigerung 147 Hierbei ist allerdings vorauszusetzen, dass die ausländische Zentralbank der au- ßenwirtschaftlich bedingten Geldmengenerhöhung nicht durch eine entsprechende Neutralisierungspolitik entgegenwirkt. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 351 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik 351 impliziert positive Rückwirkungen auf das Inland. Steigende ausländische Importe aktivieren tendenziell die inländische Leistungsbilanz, so dass sich der Leistungsbilanzausgleich im Inland bei einem höheren Einkommen Y als in der Ausgangssituation vollziehen lässt. Im Gegensatz zum Fall des kleinen Auslandes sind also auch ohne Neutralisierungspolitik langfristige Einkommenserhöhungen im Inland realisierbar. Zusammenfassend ergeben sich bei völlig immobilem internationalem Kapitalverkehr und festem Wechselkurs die folgenden Wirkungen auf eine expansive geld- und/oder fiskalische Maßnahme: 1. Ist das expansive Land klein, so führt die Maßnahme zu keiner nennenswerten Einkommenserhöhung im Partnerland. Im expansiven Land selbst ist eine Einkommenserhöhung nur in Begleitung einer Neutralisierungspolitik der Zentralbank möglich. 2. Ist das expansive Land groß, so führt die Maßnahme auch ohne neutralisierungspolitische Eingriffe seitens der Zentralbank in beiden Ländern tendenziell zu Einkommenserhöhungen. 7.2.3 Internationale Transmission bei flexiblem Wechselkurs Ein flexibler Wechselkurs garantiert eine kontinuierlich ausgeglichene Zahlungsbilanz. Die Währungsreservebestände der Zentralbanken werden durch außenwirtschaftliche Transaktionen nicht verändert. Somit folgt, dass Geldangebotsveränderungen im In- und Ausland nur noch aus Veränderungen der autonomen heimischen Geldmengenbestände resultieren und keine außenwirtschaftlich bedingten Geldmengeneffekte mehr auftreten. Im Gegensatz zum Festkurssystem ist bei flexiblen Wechselkursen die ausländische Geldmenge m* eine exogene Größe. Obwohl es bei flexiblem Wechselkurs keine „Ankerwährung“ mehr gibt, bleibt die Unterscheidung in kleine und große Länder sinnvoll. So wird weiterhin davon ausgegangen, dass sich das Zinsniveau des (kleinen) Auslandes stets dem des (großen) Inlandes anpasst. Das in (7.35) bis (7.38) beschriebene Grundmodell der internationalen Transmission enthält somit im Fall flexibler Wechselkurse als endogene Variablen y, y*, Z und w. Als exogene Politikvariablen verbleiben , ,m m ab∗ sowie ab ∗ : (7.47) 1 y y Z w abθ∗⋅ − Ψ ⋅ + ⋅ − Θ ⋅ = Ω ⋅ (7.48) 1y y Z w abθ ∗∗−Ψ ⋅ + ⋅ + ⋅ + Θ ⋅ = Ω ⋅ (7.49) 0 0y y Z w mη σ∗⋅ + ⋅ − ⋅ + ⋅ = (7.50) 0 0y y Z w mη σ∗ ∗⋅ + ⋅ − ⋅ + ⋅ = Im Gleichungssystem (7.47) bis (7.50) stehen erneut alle endogenen Variablen auf den linken, alle exogenen Variablen auf den rechten Gleichungsseiten. Die Lösung des Gleichungssystems wird im Anhang A7 im Wesentlichen durch die Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 352 7 Internationale Transmission u. Koordinierung352 Matrix (A7.14) beschrieben. Die im Folgenden verwendeten expliziten Lösungen sind den Komponenten dieser Matrix entnommen worden. 7.2.3.1 Geldpolitik bei vollkommener Kapitalmobilität Eine monetäre Expansion (Verschiebung der LM-Kurve nach rechts unten) senkt den Zins des expansiven Landes unter das internationale Niveau. Hieraus resultiert ein (im Extremfall unendlich hoher) Kapitalabfluss in das andere Land, eine Passivierung der eigenen Kapitalverkehrsbilanz und eine Abwertung der eigenen Währung. Wie gehabt soll von einem kleinen Ausland und einem großen Inland ausgegangen werden. Da das Ausland klein ist, können die Wirkungen seiner monetären Expansion auf das große Inland erneut vernachlässigt werden. Weder der Zins noch das Einkommen des großen Inlandes verändern sich. Die Anpassung des Zinses des kleinen Auslandes an den höheren Welt- bzw. Inlandszins der Ausgangssituation vollzieht sich über die wechselkursinduzierte Einkommenserhöhung des Auslands: Der Kapitalabfluss in das große Inland hält so lange an, bis die daraus folgende Abwertung der eigenen Währung die Güternachfrage im expansiven Ausland so stark erhöht (Rechtsverschiebung der ursprünglichen ausländischen IS*-Kurve), dass das alte Zinsniveau wieder erreicht ist. Die Geldpolitik ist somit bei flexiblen Wechselkursen effizient. Aufgrund der Größe des Inlands bedeutet eine inländische Geldmengenexpansion eine spürbare internationale Liquiditätsausweitung, die zu einer Zinssenkung in beiden Ländern führen muss. Während diese Zinssenkung jedoch im Inland mit einem positiven Effekt auf das Einkommen verbunden ist, kann sie im Ausland bei gegebener ausländischer Geldpolitik (konstante LM*-Linie) nur mit einer Einkommensreduktion einhergehen: Auf dem Geldmarkt des Auslandes führt die Zinssenkung zu einer zinsinduzierten Erhöhung der Geldnachfrage, die bei gegebener Geldmenge nur durch eine gegenläufige einkommensinduzierte Verringerung der Geldnachfrage ausgeglichen werden kann: (7.51) 5 (1 ) 0 y m ∂ σ ∂ η ∗ − Ψ = − ≤ ∆   148 wobei D5 ≡ 2(hq + s(1–Y)). Ist die Zinselastizität der ausländischen Geldnachfrage gering (s → 0, die LM*-Kurve ist steil), so entfällt im Grenzfall die Notwendigkeit einer ausländischen Einkommensverringerung zur Wiederherstellung des ausländischen Geldmarktgleichgewichtes. Grundsätzlich gilt: Je geringer die Zinssenkung, desto kleiner muss der entsprechende negative Einkommenseffekt im Ausland ausfallen. Falls diese beiden Extremfälle nicht gegeben sind, wird die Verringerung des ausländischen Einkommens über die Aufwertung der Auslandswährung er- 148 Der Ausdruck ergibt sich aus der 2. Zeile, 3. Spalte der Matrix (A7.14). Dass er kleiner oder gleich Null ist, folgt wegen s, h, D5 > 0 und Y ≤ 1. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 353 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik 353 reicht, die eine passivierte ausländische Leistungsbilanz induziert (Verschiebung der ausländischen IS*-Kurve nach links unten).149 Die Wirkungen einer expansiven Geldpolitik bei flexiblem Wechselkurs und völliger Kapitalmobilität lassen sich wie folgt zusammenfassen: 1. Ist das expansive Land klein, so führt die Maßnahme zu einer Einkommenserhöhung im eigenen Land, während das Einkommen des Partnerlandes unberührt bleibt. 2. Ist das expansive Land groß, so führt die Maßnahme zwar zu einer Einkommenserhöhung im eigenen Land, gleichzeitig aber zu einer Einkommensverringerung im Partnerland. 7.2.3.2 Fiskalpolitik bei vollkommener Kapitalmobilität Eine fiskalische Expansion eines Landes führt zu einer Zinserhöhung des Landes (die entsprechende IS-Kurve verschiebt sich nach rechts oben). Als Konsequenz ergibt sich ein Kapitalzufluss aus dem anderen Land, begleitet von einer Währungsaufwertung des fiskalisch expandierenden Landes. Versucht das kleine Ausland eine fiskalische Expansion, so hat die Maßnahme erneut keinerlei nennenswerte Wirkungen auf den Zins oder das Einkommen des großen Inlands. Der erhöhte ausländische Zinssatz kann nicht von Dauer sein. Ansonsten würde ein dauerhafter, bei hoher Kapitalmobilität unendlich großer Kapitalzufluss eintreten und zu einer nicht endenden Aufwertungstendenz der Auslandswährung führen. Genau diese Aufwertung führt jedoch zurück zu einem Gleichgewicht. Aufgrund der Aufwertung und der daraus folgenden Passivierungstendenz der ausländischen Leistungsbilanz verschiebt sich die IS*-Kurve wieder zurück nach links bis auf ihr Ausgangsniveau. Die Verschiebung auf das alte Ausgangsniveau (und damit die Wirkungslosigkeit der ausländischen Fiskalpolitik) ist sicher. Nur wenn der kontraktive Effekt der Leistungsbilanzpassivierung auf das Auslandseinkommen dem expansiven Effekt der fiskalischen Maßnahme entspricht, verbleibt per Saldo kein Effekt auf das ausländische Zinsniveau. Und nur in diesem Fall versiegen die Kapitalzuflüsse, was Voraussetzung für ein neues Gleichgewicht ist. Bei einer fiskalischen Expansion des großen Inlands führt sowohl die Aufwertung seiner Währung als auch seine fiskalisch bedingte Einkommenserhöhung150 zu einer Aktivierung der ausländischen Leistungsbilanz und somit zu einer Einkommenserhöhung im Ausland (Verschiebung der IS*-Kurve nach rechts oben). Die ausländische Einkommenssteigerung führt dazu, dass sich das ausländische Zinsniveau dem gestiegenen Zinsniveau des Inlandes vollständig anpasst. Gesichert wird dies dadurch, dass bei Zinsnachteilen des Auslandes die Aufwertungstendenz des Inlandes und somit eine anhaltende Aktivierung 149 Die Wechselkursveränderung beträgt ∂w/∂m = (1 + Y)/(2hQ) ≥ 0, was einer Aufwertung der ausländischen Währung entspricht (vgl. 4. Zeile, 3. Spalte der Matrix (A7.14)). 150 Aus (A7.14) folgt 5 0y ab∂ ∂ = σΩ ∆ ≥ mit D5 ≡ 2(hq•+ s(1 – Y)) Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 354 7 Internationale Transmission u. Koordinierung354 der ausländischen Leistungsbilanz bestehen bleibt. Es ergibt sich ein höherer internationaler Zins als in der Ausgangssituation.151 Der expansive Effekt auf das Auslandseinkommen infolge der fiskalischen Maßnahme des Inlandes dominiert den zinsinduzierten kontraktiven Effekt. Insgesamt erhöht sich das ausländische Einkommen. Bei vollständiger Symmetrie beider Länder ist der Einkommenszuwachs im In- und Ausland sogar gleich groß.152 Ursache ist, dass bei gegebenen nationalen Geldmengen, identischen Zinselastizitäten der Geldnachfrage (und damit identisch hohen zinsinduzierten Geldnachfragerückgängen) und identischen Einkommenselastizitäten der Geldnachfrage die zur Wiederherstellung der beiden Geldmarktgleichgewichte erforderlichen Einkommenserhöhungen identisch sein müssen. Zusammenfassend ergeben sich bei flexiblem Wechselkurs und vollständiger Kapitalmobilität die folgenden Wirkungen aus einer fiskalischen Expansion: 1. Ist das fiskalisch expandierende Land klein, so führt die Maßnahme weder zu einer Einkommenserhöhung im eigenen Land noch im Partnerland. 2. Ist das expandierende Land groß, so führt die Maßnahme sowohl im Land selbst als auch im Partnerland zu einer Einkommenserhöhung. Box 7.1: Zur Empirie internationaler Spill-Over-Effekte In einem groß angelegten Forschungsprojekt evaluierte die Brookings Institution 1986 die internationalen Spill-Over-Effekte zwischen den westlichen Industrieländern. Hierzu wurden Institutionen oder Autoren eingeladen, die als Vertreter der zwölf führenden empirischen Mehr-Länder-Modelle galten. Den jeweiligen Vertretern wurde die Aufgabe gestellt, in ihren Modellen die Reaktionen einer Reihe von endogenen Variablen auf insgesamt acht verschiedene, standardisierte Politikänderungen zu berechnen. Das Projekt liegt zugegebener Maßen eine Weile zurück. Leider gibt es keine jüngeren, ähnlichen Untersuchungen, mit denen verschiedene empirische Modelle verglichen werden. Dies mag unter anderem daran liegen, dass (zu) viel Konsens darüber herrscht, wie beispielsweise die US-amerikanische Wirtschaftspolitik in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts und in den „Nuller“-Jahren des 21. Jahrhunderts auf den Rest der Welt gewirkt hat. In Europa findet sich ein Pendant: Es scheint ein weitgehender Konsens vorhanden zu sein, wie die deutsche Lohn- und Haushaltsdisziplin auf die süd-europäischen Nachbarländer gewirkt hat, was schon angesichts der Erkenntnisse aus Abschnitt 7.2.2.2. durchaus erstaunen mag. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass das Experiment nicht längst wiederholt wurde, angesichts der äußerst widersprüchlichen Ergebnisse: Wichtige Simulationen betrafen die Wirkungen der Geld- und Fiskalpolitik in den USA und dem Rest der OECD-Länder (ROECD). Die Änderung der Fiskalpolitik wurde als eine gegenüber dem Kontrollpfad dauerhafte 1 %-ige Ver- änderung der Staatsausgaben bei gleich bleibender Kontrollpfad-Geldpolitik 151 Aus (A7.14) folgt 5 0Z ab∂ ∂ = ηΩ ∆ ≥ mit D5 ≡ 2(hq•+ s(1 – Y)) 152 Aus (A7.14) folgt 5 0y ab y ab ∗∂ ∂ = σΩ ∆ = ∂ ∂ ≥ mit D5 ≡ 2(hq•+ s(1 – Y)) Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 355 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik 355 definiert. Unter expansiver Geldpolitik wurde die Erhöhung der Geldmenge M1 bzw. des ähnlichsten Geldmengenaggregates in allen folgenden Perioden um 4 % über der Höhe des Geldmengenaggregates des Referenzpfades verstanden. Es wurden flexible Wechselkurse angenommen. Die Wirtschaftspolitik des jeweiligen Auslandes wurde als gegeben angenommen, endogene wirtschaftspolitische Reaktionen des Auslandes auf die inländische Wirtschaftspolitik wurden also vernachlässigt. Die endogenen Variablen, deren Reaktionen auf die Politikänderungen abgefragt wurden, bestanden aus makroökonomischen Variablen wie dem Preisniveau, dem Einkommen, der Leistungsbilanz und dem Wechselkurs. Die zu testenden Simulationsmodelle wiesen wesentliche Unterschiede bezüglich der Erwartungsbildung, der Berücksichtigung von Vermögens- und Risikoaspekten, der angenommenen Kapitalmobilität sowie dem Grad der Endogenisierung der Variablen (teilweise wurden Parameter aus anderen Schätzungen übernommen) auf. Auch hielten sich einige Modellbauer nicht an die Vorgaben hinsichtlich des Referenzpfades und/oder an die vorgegebenen Politikänderungen. Aufgrund dieser Unterschiede war und ist die Vergleichbarkeit der Modelle durchaus eingeschränkt. Dennoch lohnt eine Betrachtung der Ergebnisse, um ein Gefühl für das empirische Ausmaß der internationalen Spill-Over-Effekte zu erhalten, die das Mundell-Fleming Modell theoretisch ableitet. Was die Einkommenswirkungen der Fiskalpolitik in der jeweiligen Partnerregion betrifft, bestand zwischen den Modellen Uneinigkeit über die Richtung einer kontraktiven US-Fiskalpolitik. Mit Ausnahme eines einzelnen Modells prognostizierten alle anderen Modelle eine Wirkung nach sechs Jahren zwischen + 0,4 % und – 1 % auf das Einkommen der ROECD, ohne dass eine klare Mehrheit für positive bzw. negative Spill-Over-Effekte auszumachen ist. Im Fall einer fiskalischen Expansion der ROECD und deren Wirkungen auf das Einkommen in den USA besteht allerdings mehr Einigkeit bezüglich der Wirkungsrichtung: Das US-Einkommen wird positiv und zwar im Bereich zwischen 0 und + 0,4 % berührt. Bezüglich einer expansiven US-Geldpolitik können sich die 12 Modelle erneut nicht einigen. Sieben Modelle sagen positive Spill-Over-Effekte voraus, fünf dagegen negative. Die Wirkungen bewegen sich zumeist zwischen ± 0,5 %. Die Simulation einer expansiven Geldpolitik der ROECD ergab ähnlich uneinheitliche Ergebnisse. Es muss also festgehalten werden, dass die empirischen Schätzungen zu den Spill-Over-Effekten der Geld- und Fiskalpolitik mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Dies betrifft nicht nur das Ausmaß der Wirkungen, sondern auch ihre Wirkungsrichtung. Das einfache Mundell-Fleming-Modell, das bei flexiblen Wechselkursen der expansiven Geldpolitik eines großen Landes eindeutig negative, der expansiven Fiskalpolitik eines großen Landes dagegen eindeutig positive Spill-Over-Effekte zuordnet, wird damit in Frage gestellt. Natürlich müssten die damaligen vergleichenden Experimente im Falle einer Wiederholung der Studie verfeinert werden. Es macht inzwischen wenig Sinn, eine „1 %-ige Veränderung der Staatsausgaben“ zu simulieren Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 356 7 Internationale Transmission u. Koordinierung356 Es kommt darauf an, wofür die staatlichen Mittel verwendet werden; zusätzliche staatliche Investitionen haben beispielsweise andere Wirkungen als erhöhte Transfers. Und es ist von großem Einfluss, wie die zusätzlichen Ausgaben finanziert werden (Coenen et al. 2012). Und es wäre wichtig, ordnungspolitische Maßnahmen wie zum Beispiel die Veränderung der Immobilien-Kreditgewährungspolitik und in der Bankenregulierung in den Neunziger Jahren auf ihre internationalen Wirkungen zu untersuchen. Alles in allem wäre es an der Zeit, die Frage der internationalen Transmission neu anzugehen. Literatur: Bryant, R.C. et al., Empirical Macroeconomics for Interdependent Economies, Vol. I + II, Washington 1988. Coenen, G. et al., Effects of Fiscal Stimulus in Structural Models, in: American Economic Journal: Macroeconomics 4 (2012), S. 22–68. 7.2.3.3 Geld- und Fiskalpolitik bei völlig immobilem Kapital Bei völlig immobilem Kapitalverkehr zwischen In- und Ausland ziehen Zins- änderungen aufgrund geldpolitischer oder fiskalischer Maßnahmen im Inland keinerlei internationale Kapitalströme nach sich. Somit bleibt die inländische Kapitalverkehrsbilanz von den wirtschaftspolitischen Maßnahmen völlig unberührt. Per definitionem ist bei flexiblem Wechselkurs jedoch auch die Zahlungsbilanz stets ausgeglichen. Hieraus kann nur folgen, dass jegliche Geldoder Fiskalpolitik auch keinerlei Einfluss auf die Leistungsbilanz haben kann. Die Unveränderlichkeit der Leistungsbilanz erklärt sich natürlich daraus, dass einkommensinduzierte Nachfrageveränderungen nach ausländischen Gütern sofort entgegengesetzt wirkende Wechselkursanpassungen nach sich ziehen, welche die Nettoexportveränderungen exakt ausgleichen. Da die inländische Geld- und Fiskalpolitik im genannten modelltheoretischen Rahmen also keinen Einfluss auf die Leistungsbilanz beider Länder ausübt, kann sie somit auch keinen Einfluss auf das ausländische Einkommen haben. Völlig unabhängig von der Größe des Inlands ist deshalb eine internationale Transmission ausgeschlossen. Die Einkommenswirkungen im Inland gleichen exakt denen, die sich aus einer entsprechenden Politik in einer geschlossenen Volkswirtschaft ergeben. Bei völlig immobilem Kapitalverkehr und flexiblem Wechselkurs haben expansive geld- oder fiskalpolitische Maßnahmen eines Landes unabhängig von dessen Größe einkommenssteigernde Wirkungen im Land selbst, aber keine Wirkung auf das Einkommen im Partnerland. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 357 7.2 Internationale Transmission der Geld- und Fiskalpolitik 357 7.2.4 Zusammenfassung •• Zur Analyse der Wirkungen inländischer Geld- und Fiskalpolitik unter Berücksichtigung internationaler Rückwirkungen ist das Mundell-Fleming- Modell um die ausländischen Güter- und Geldmärkte zu erweitern. Weiterhin ist zwischen dem bestehenden Wechselkurssystem, der Größe des expansiven Landes sowie dem Grad der internationalen Kapitalmobilität zu unterscheiden. •• Bei festem Wechselkurs und vollständiger Kapitalmobilität hat die expansive Geldpolitik eines kleinen Landes keinerlei Einkommenswirkungen im Land selbst oder im Partnerland. Ist das expansive Land groß, so führt die expansive Geldpolitik zu Einkommenssteigerungen sowohl im Land selbst als auch im Partnerland. •• Bei festen Wechselkursen und vollständiger Kapitalmobilität führt eine expansive Fiskalpolitik eines kleinen Landes zu einer Einkommenserhöhung im Land selbst, jedoch zu keiner wesentlichen Einkommenserhöhung im Partnerland. Ist das Land groß, so führt die expansive fiskalische Maßnahme zu einer Einkommenssteigerung im eigenen Land. Die Einkommensveränderung im Partnerland bleibt dagegen unbestimmt. •• Bei festem Wechselkurs und völlig immobilem Kapitalverkehr führen expansive geldpolitische und/oder fiskalische Maßnahmen eines kleinen Landes zu keiner nennenswerten Einkommenssteigerung im Partnerland. Eine Einkommenserhöhung im expansiven Land selbst ist nur in Begleitung einer Neutralisierungspolitik der Zentralbank möglich. Ist das Land groß, so führt die Maßnahme auch ohne neutralisierungspolitische Eingriffe der Zentralbank sowohl im eigenen als auch im Partnerland zu Einkommenserhöhungen. •• Bei flexiblem Wechselkurs und vollkommener Kapitalmobilität führt eine expansive geldpolitische Maßnahme eines kleinen Landes zu einer Einkommenserhöhung im eigenen Land, während das Einkommen des Partnerlandes unberührt bleibt. Ist das expansive Land groß, so führt die Maßnahme zu einer Einkommenserhöhung im eigenen Land, jedoch gleichzeitig zu einer Einkommensverringerung im Partnerland. •• Bei flexiblen Wechselkursen und vollkommener Kapitalmobilität führt eine expansive fiskalische Maßnahme eines kleinen Landes weder zu Einkommenserhöhungen im eigenen noch im Partnerland. Ist das expansive Land groß, so führt die Maßnahme in beiden Ländern zu Einkommenserhöhungen. •• Bei völlig immobilem Kapitalverkehr und flexiblen Wechselkursen haben expansive geld- oder fiskalpolitische Maßnahmen eines Landes unabhängig von dessen Größe einkommenssteigernde Wirkungen im Land selbst, aber keine Wirkung auf das Einkommen des Partnerlandes. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 358 7 Internationale Transmission u. Koordinierung358 7.3 Internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik In den vorigen Abschnitten wurde zum einen aufgezeigt, dass eine aktive nationale Stabilisierungspolitik ihre Wirksamkeit teilweise oder vollständig verlieren kann, wenn das Ausland seine Politik unverändert lässt. Schon deshalb mag der Wunsch aufkommen, die nationalen Wirtschaftspolitiken international zu koordinieren. Zum anderen zeigte sich, dass das Ausland von der inländischen Wirtschaftspolitik betroffen sein kann (positiv oder negativ), die inländische Wirtschaftspolitik also externe Effekte hervorruft. Der Begriff der externen Effekte löst sofort Assoziationen zur Theorie des Marktversagens und ihrer Implikationen aus. Danach wird z. B. von einem Gut, das positive externe Effekte hervorruft, über das freie Spiel der Marktkräfte zu wenig bereitgestellt. Übertragen auf den Fall der nationalen Stabilisierungspolitiken würde dies für den Fall einer Unterbeschäftigung im In- und Ausland bedeuten, dass ein Land diejenigen Stabilisierungspolitiken, die im In- und Ausland richtungsgleich wirken, nicht hinreichend expansiv ausführt. 7.3.1 Wohlfahrtsgewinne aus einer koordinierten Wirtschaftspolitik Im Folgenden sollen die Wohlfahrtsgewinne analysiert werden, die aus einer Koordinierung der Wirtschaftspolitik der beteiligten Länder unter expliziter Berücksichtigung der internationalen Politikrückwirkungen entstehen können. Hierzu wird das Koordinierungsgleichgewicht mit dem nach seinem „Entdecker“ (und Nobelpreisträger) benannten Nash-Gleichgewicht verglichen.153 Das Nash-Gleichgewicht resultiert daraus, dass jedes Land seine Wirtschaftspolitik selbständig, ohne Rücksicht auf internationale Spill-Over-Effekte und unter der Annahme eines gegebenen Verhaltens der anderen Länder optimiert. Dabei soll von einem einfachen 2-Länder-Fall ausgegangen werden, bei dem beide Länder über die Geldpolitik das Ziel verfolgen, die Abweichung des Einkommens und des Preisniveaus von ihren Zielwerten zu minimieren. Explizit werden die folgenden Wirkungszusammenhänge unterstellt: (7.52) 1 2y m m uγ γ ∗= ⋅ + ⋅ + wobei 1 2 0γ γ> > (7.53) 1 2y m m uγ γ ∗ ∗= ⋅ + ⋅ + (7.54) p m= (7.55) p m∗ ∗= wobei y und p die Abweichungen des realen Einkommenswachstums und der Inflationsrate von ihren Zielwerten, m die (Abweichungen von den normalen) Wachstumsraten der inländischen Geldmenge und u eine exogene (weltwirtschaftliche) Nachfragestörung bezeichnen sollen. Die Nachfragestörung soll 153 Vgl. Nash, J.F., Non-Cooperative Games, Annals of Mathematics 54 (1951), S. 286–295. 7.3 Internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 359 7.3 Internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik 359 hier vereinfachend auf das Einkommenswachstum und die Inflationsrate gleich gerichtet und gleich stark wirken. Die entsprechenden ausländischen Variablen sind wie gewohnt mit einem Stern (*) gekennzeichnet. g1 > g2 stellt sicher, dass eine Geldmengenexpansion im jeweiligen Land eine größere Wirkung hat als im fremden Land. g1, g2 > 0 kennzeichnet eine klassische Lokomotiven-Welt, in der Störungen oder Politikänderungen im In- und Ausland die gleiche Wirkungsrichtung haben. Für den Fall der Beggar-My-Neighbour-Welt, in der die Instrumente im eigenen Land positiv, im Ausland jedoch negativ wirken, oder für nicht eindeutig klassifizierbare Fälle lassen sich jedoch die folgenden Ergebnisse entsprechend ableiten. Beide Länder weisen nach dem Gleichungssystem (7.52) bis (7.55) der Einfachheit halber identische Strukturen auf. Diese Vereinfachung gestattet im Folgenden, sich zunächst ausschließlich auf die Betrachtung des Inlands zu konzentrieren. Das Ausland verhält sich nach diesem Modell völlig symmetrisch. In die Nutzenfunktion der Entscheidungsträger gehen die beiden Ziele der Einkommens- und Inflationsoptimierung gewichtet ein. Dabei soll davon ausgegangen werden, dass Abweichungen von den Optimalwerten nach oben und unten gleiches Gewicht erhalten. Eine solche Annahme ist insbesondere dann sinnvoll, wenn von der Existenz bestimmter Optimalwerte für Wachstum und Inflation ausgegangen werden kann. Abweichungen von den Optimalwerten bedeuten dann in beiden Richtungen einen Nutzenverlust.154 Streng genommen minimieren die Entscheidungsträger also Verlustfunktionen. Hierfür bieten sich quadratische Verlustfunktionen der Form (7.56) ( )ϕ= ⋅ + ⋅ →2 21 min 2 VF y p an, wobei VF (bzw. VF*) den inländischen (ausländischen) Nutzenverlust und j (j > 0) das relative Gewicht, das dem Inflationsziel beigemessen wird, darstellen. Mit der expliziten Wahl von j wird gleichzeitig eine relative Gewichtung zwischen den beiden wirtschaftspolitischen Zielen vorgenommen. Ist j > 1 (j < 1), so wird die Abweichung vom Inflationsziel stärker (schwächer) gewichtet als die vom Einkommensziel. Setzt man die Gleichungen (7.52) und (7.54) in (7.56) ein, so erhält man (7.57) ( )γ γ ϕ∗= ⋅ + ⋅ + + ⋅2 21 21 ( )2VF m m u m   155 Die inländischen (ausländischen) Entscheidungsträger haben zur Minimierung ihrer Verluste zunächst ausschließlich das Instrument der inländischen (ausländischen) Geldmenge zur Verfügung. Sie werden diese so variieren, dass keine weitere Verringerung der Verluste möglich ist. Als notwendige Bedingung zur Minimierung der Verluste ergibt sich somit 154 Selbstverständlich ist auch eine Spezifikation denkbar, nach der z. B. Abweichungen vom Inflationswert nach unten geringer gewichtet werden als Abweichungen nach oben. Die Analyse würde dadurch allerdings komplizierter, ohne dass die im Folgenden abgeleiteten, grundsätzlichen Aussagen verloren gehen. 155 Für das Ausland ergibt sich natürlich eine entsprechende Verlustfunktion VF*. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 360 7 Internationale Transmission u. Koordinierung360 (7.58) ∂ γ γ γ ϕ ∂ ∗= ⋅ ⋅ + ⋅ + + ⋅ = ! 1 1 2( ) 0 VF m m u m m Nach wenigen Umformungen erhält man zu jeder gegebenen ausländischen Geldpolitik die bestmögliche inländische geldpolitische Verhaltensweise: (7.59) γ γ γ γ ϕ γ ϕ ∗⋅= − ⋅ − ⋅ + + 1 2 1 2 2 1 1 m m u (7.59) wird auch Reaktionsfunktion (RF) oder Best Response (teilweise auch: Rational Response) genannt. Über die Schritte, die in den Gleichungen (7.56) bis (7.59) zur Reaktionsfunktion RF des Inlandes geführt haben, lässt sich analog die des Auslandes ableiten (RF*). Diese muss in diesem einfachen Modell symmetrisch aussehen: (7.60) γ γ γ γ ϕ γ ϕ ∗ ⋅= − ⋅ − ⋅ + + 1 2 1 2 2 1 1 m m u Die Abb. 7.7 stellt die beiden Reaktionsfunktionen RF und RF* unter der Annahme einer rezessiven Störung (u < 0) grafisch dar. Für die Möglichkeit von Wohlfahrtsgewinnen einer Koordinierung sind Steigung und Lage der Reaktionsfunktionen von Bedeutung. Deshalb soll auf diese ausführlicher eingegangen werden. Die Steigungen der in- und ausländischen Reaktionsfunktionen RF und RF* lauten (7.61) γ γ γ ϕ∗ ⋅ = − + 1 2 2 1RF dm dm bzw. UK* UN* UK UN m* BL B W AV C P P BL* RF* m 45°-Linie RF N K Abb. 7.7: Nash- und Koordinierungsgleichgewicht Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 361 7.3 Internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik 361 (7.62) γ ϕ γ γ∗∗ + = − ⋅ 2 1 1 2RF dm dm und hängen von den Vorzeichen der Koeffizienten in den Gleichungen (7.52) bis (7.55) (d. h. vom zugrundeliegenden makroökonomischen Modell) sowie von den Präferenzen in den Verlustfunktionen vom Typ (7.56) ab. Unter der Annahme einer Lokomotiv-Welt (g1 > g2 > 0) sind die Steigungen der Reaktionsfunktionen negativ. Die inländische Notenbank reagiert kontraktiv auf eine ausländische Geldmengenexpansion, weil letztere das inländische Preisniveau und Einkommen erhöht.156 Sofern auf der vertikalen Achse die inländische Geldmenge abgetragen wird, ist die inländische Reaktionsfunktion flacher geneigt als die ausländische: Bei einer gegebenen Aktion des jeweiligen Auslandes reicht eine relativ kleine Reaktion der jeweils inländischen Notenbank, da das Instrument in Bezug auf die inländischen Variablen stärker wirkt (g1 > g2 > 0). Im Nash-Gleichgewicht minimiert jeder Wirtschaftspolitiker seine Verlustfunktion unter der Annahme, dass das Verhalten des Auslandes fest vorgegeben ist. Es herrscht eine Situation, in der keines der beteiligten Länder durch eine einseitige Maßnahme seinen Nutzen erhöhen kann (∂VF/∂m = ∂VF*/∂m* = 0). Dieses Nash-Gleichgewicht wird im Punkt N erreicht. Zur Verdeutlichung sei angenommen, dass zunächst der Punkt A realisiert worden sei. Dann ist es entsprechend der ausländischen Reaktionsfunktion unter der Annahme einer gegebenen inländischen Geldpolitik rational, eine restriktive Geldpolitik einzuleiten und sich zum Punkt B zu bewegen. In B ist es nun jedoch für das Inland unter der Annahme einer gegebenen ausländischen Geldpolitik rational, eine expansivere Geldpolitik zu betreiben und damit den Punkt C zu erreichen. Dieser Anpassungsprozess endet erst in N, also im Schnittpunkt der beiden Reaktionsfunktionen. Hier kann keines der beteiligten Länder seine Wohlfahrt durch eine einseitige geldpolitische Änderung erhöhen. Zur formalen Bestimmung des Nash-Gleichgewichtes wird die Gleichung (7.60) nach m aufgelöst. Anschließend werden die beiden rechten Seiten dieser neuen Gleichung und der Gleichung (7.59) gleichgesetzt. Aufgrund der Symmetrieannahme m = m* folgt nach einigen leichten Umformungen (7.63) γ γ ϕ γ γ ∗= = − ⋅ > + + ⋅ 1 2 1 1 2 0N Nm m u Zum Vergleich dieses Nash-Gleichgewichtes mit den Wohlfahrtsmaxima beider Länder ist festzuhalten, dass letztere dadurch gekennzeichnet wären, dass sowohl die Abweichung vom Einkommen als auch vom Inflationsziel gleich Null wäre (p = y = 0 bzw. p* = y* = 0). Die entsprechenden Sättigungs- bzw. „Blisspunkte“ (dies sind die Punkte auf den Reaktionsfunktionen, in denen die jeweilige Verlustfunktion gleich Null ist) sind in unserem einfachen Modell 156 Die Steigung der Reaktionskurven kann unter anderen Annahmen auch positiv sein. Möglich wäre dies insbesondere in der Beggar-My-Neighbour-Welt, in welcher der Spill-Over-Effekt einer expansiven Geldpolitik auf das jeweils ausländische Einkommen negativ ist (g2 < 0). Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 362 7 Internationale Transmission u. Koordinierung362 schnell bestimmt. Für das Inland folgt aus (7.54) m = 0. Setzt man m = 0 und y = 0 in (7.52) ein, so ergibt sich der inländische Blisspunkt als 2 u BL γ = − (Punkt BL in Abb. 7.7). Analog lässt sich der ausländische Blisspunkt bestimmen als 2 u BL γ ∗ = − (Punkt BL* in Abb. 7.7). Bei der angenommenen Parameterkonstellation wünscht das Inland also im Vergleich zum Nash-Gleichgewicht eine expansivere ausländische Geldpolitik, um dann gleichzeitig selbst restriktiver vorgehen zu können. Jedes Land würde sich gerne darauf konzentrieren, über eine restriktive Geldpolitik (im Inland m = 0) das gewünschte Inflationsziel vollständig zu erreichen, während das jeweils andere Land über eine expansive Geldpolitik einen Beitrag zum Einkommensziel leisten soll. Um die Sättigungspunkte herum liegen konzentrische Indifferenzkurven des In- und Auslandes, die mit zunehmendem Abstand vom jeweiligen Sättigungspunkt abnehmende Nutzeniveaus bzw. steigende Verlustniveaus darstellen.157 In Abb. 7.7 sind für das Inland beispielhaft die Indifferenzkurve UN, für das Ausland die Indifferenzkurve UN* dargestellt. Die inländischen Indifferenzkurven sind in den Punkten, in denen sie die inländische Reaktionsfunktion schneiden, senkrecht, da der Grenznutzen des Einsatzes der inländischen Geldpolitik bei gegebener ausländischer Geldpolitik gleich Null ist. Umgekehrt sind die ausländischen Indifferenzkurven in den Punkten waagerecht, in denen sie die ausländische Reaktionsfunktion schneiden. Es kann also festgehalten werden, dass im Nash-Gleichgewicht keines der beiden Länder sein maximales Nutzenniveau erreicht. Das Nash-Gleichgewicht ist folglich nicht Pareto-optimal. Hierin liegt der Ansatzpunkt strategischer Überlegungen, nach denen es möglich ist, durch ein international koordiniertes Vorgehen in der Geldpolitik Pareto-optimale Nutzengewinne zu erzielen. In Abb. 7.7 lassen sich die Wirtschaftspolitiken mit möglichen Nutzengewinnen durch die Fläche zwischen den beiden Indifferenzkurven UN und UN* veranschaulichen, die das Nash- Nutzenniveau bestimmen. Pareto-optimal sind alle Geldmengenkombinationen, bei denen sich die Indifferenzkurven der beiden Länder tangieren. Die entsprechende Paretolinie bzw. Kontraktkurve ist in der Abb. 7.7 durch die Linie PP gekennzeichnet. Im Prinzip kann jeder dieser Punkte realisiert werden. Je näher das Koordinierungsgleichgewicht jedoch an einem der beiden Sättigungspunkte liegt, desto 157 Dies gilt bei quadratischen Verlustfunktionen. Vgl. Canzonieri, M.B., Gray, J.A., Monetary Policy Games and the Consequences of Non-Cooperative Behaviour, International Economic Review 26 (1985), S. 547–564 sowie die dort angegebene Literatur. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 363 7.3 Internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik 363 ungleicher ist die Verteilung der Nutzengewinne. Welches Ergebnis tatsächlich realisiert wird, ist eine Frage der Verhandlungsstrategien beider Länder bzw. der Gewichte, mit denen die Nutzengewinne der Länder in die gemeinsame Nutzenfunktion eingehen. Im vorliegenden Fall zweier symmetrischer Länder erscheint es sinnvoll, von einer Koordinierung mit m = m* (und damit VF = VF*) auszugehen, so dass das Koordinierungsgleichgewicht auf der 45o-Linie, also im Punkt K in Abb. 7.7, liegt. Formal ergibt sich das Koordinierungsgleichgewicht durch Einsetzen von m = m* in (7.57) (7.64) ( ) γ γ γ γ ϕ ∗ += = − ⋅ + + 1 2 2 1 2 K Km m u Aus der Abb. 7.7 lässt sich erkennen (und durch Umformungen formal zeigen), dass die optimal koordinierte Geldpolitik der beiden Länder im Falle einer Rezession in einer gemeinsamen monetären Expansion besteht. Beide Länder erzielen dann Wohlfahrtsgewinne, was daraus ersichtlich wird, dass im Koordinierungsgleichgewicht die Indifferenzkurven dichter an den nationalen Blisspunkten liegen als im Nash-Gleichgewicht. Die gemeinsame Expansion ist optimal, weil beide Länder im Koordinierungsfall (im Gegensatz zum Nash-Gleichgewicht) die „Externalitäten“ einer expansiven Geldpolitik in Form positiver Spill-Over-Effekte auf das andere Land berücksichtigen. Zur Verdeutlichung: Die Ausdehnung der Geldpolitik hat positive Wirkungen auf das in- und ausländische Einkommen, dagegen negative (da inflationäre) Wirkungen auf das in- und ausländische Preisniveau. Jeder Entscheidungsträger wird die Geldmenge nur soweit ausdehnen, bis „sein“ Grenznutzen (in Form höheren inländischen Einkommens) „seinen“ Grenzkosten (in Form eines höheren inländischen Preisniveaus) gleicht. Die Berücksichtigung des ausländischen Grenznutzens, der die ausländischen Grenzkosten (die hier gleich Null sind, weil das ausländische Preisniveau von der inländischen Geldmenge unabhängig ist) übersteigt, unterbleibt. Unter weltwirtschaftlichen Gesichtspunkten ist die in- (und auch die ausländische) Geldmenge deshalb im Nash-Gleichgewicht zu gering. 7.3.2 Kritik Zum formal überzeugenden Gedanken, durch eine explizite internationale Koordinierung der Geld-, Fiskal- und sonstigen Wirtschaftspolitik Wohlfahrtsgewinne erzielen zu können, sind krititsche Anmerkungen angebracht. Dabei ist zunächst an die grundsätzliche Kritik zur diskretionären Wirtschaftspolitik zu erinnern. 1. Es müssen signifikante und hinreichend identifizierbare Störungen vorliegen. Ohne Störungen (im obigen Modell u = 0) lässt sich aus (7.63) und (7.64) sofort erkennen, dass die Geldpolitiken im Nash-Gleichgewicht (mN = mN* = 0) denen entsprechen, die sich bei expliziter Koordinierung ergeben würden. Wenn Störungen vorliegen, müssen sie mit hinreichend starken Wirkungen Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 364 7 Internationale Transmission u. Koordinierung364 verbunden sein, was bei rationalen Erwartungen und Lohn- und Preisflexibilität nur eingeschränkt der Fall ist. Sind die Störungen klein, wenig wirksam oder aufgrund automatischer Anpassungsprozesse nur von vorübergehender Dauer, so könnten die Kosten einer Koordinierung höher ausfallen als deren Nutzen. 2. Die Ziele der Entscheidungsträger können unangemessen gewählt sein. So kann erstens die Zielfunktion der Entscheidungsträger von den gesellschaftlichen Präferenzen abweichen. Ein Grund hierfür könnte z. B. der Wunsch nach politischen Konjunkturzyklen zwecks Stimmenmaximierung sein. Wird aber eine Koordinierung an der „falschen“ Zielfunktion ausgerichtet, sind Wohlfahrtsverluste der privaten Wirtschaftssubjekte möglich. Zweitens können die Ziele insofern unangemessen sein, als dass nach Störungen unter Umständen das Anspruchsniveau bei der Zielsetzung in einer angemessenen Weise reduziert werden sollte. Noch deutlicher: Als Alternative zu wirtschaftspolitischem Eingreifen nach Störungen existiert die Möglichkeit, eine (koordinierte) Anpassung in der Zielsetzung vorzunehmen, die ein Eingreifen entweder völlig überflüssig macht oder aber dessen Umfang erheblich reduziert. Bei der zuvor angenommenen rezessiven Nachfragestörung lautet die einfachste Zielanpassungsmöglichkeit y’ = y*’ = u. Die neuen Zielwerte entsprechen damit den tatsächlichen Werten nach der Störung. Die Einkommensziele würden einfach den neuen, rezessiven Gegebenheiten angepasst. Die Geldpolitik würde im Vergleich zurzeit vor der Rezession nicht geändert. Die (neuen) Verlustminima würden auch ohne Koordinierung nach wie vor erreicht. Allerdings funktioniert dies nur, wenn die Länder ihre Ziele koordiniert anpassen. Wenn z. B. nur das Inland seine Ziele wie beschrieben anpasst, verschiebt sich in Abb. 7.7 nur die inländische Reaktionsfunktion (parallel) nach unten, bis sie durch den Ursprung verläuft. Das daraus resultierende Nash-Gleichgewicht würde sich durch eine „super-restriktive“ inländische Geldpolitik auszeichnen, bei der sich das Inland von seiner ursprünglichen Zielsetzung aus der Zeit vor der Zielrevision noch weiter entfernt. Politisch dürfte dies kaum durchzuhalten sein. Hieran zeigt sich explizit der Wert eines Informationsaustausches, in dem nicht über konkrete wirtschaftspolitische Aktionen verhandelt, sondern ausschließlich über weltwirtschaftliche Zielsetzungen und Zusammenhänge diskutiert wird. Sofern aus diesen Gesprächen eine Änderung im „Weltbild“ (oder auch in den Zielsetzungen und Präferenzen) der Gesprächspartner resultiert, können daraus ähnliche Wohlfahrtszuwächse erreicht werden wie durch eine Koordinierung im engeren Sinne. 3. Nicht nur bezüglich der Störungen, sondern auch hinsichtlich anderer Modellparameter müssen gewisse Mindestwerte erreicht werden. Was die Existenz eines Zielkonfliktes betrifft ist festzustellen, dass für j = 0 die Nutzenverluste sowohl im Nash- als auch im Koordinierungs-Gleichgewicht gleich Null sind. Entsprechend kann eine Koordinierung keine Wohlfahrtsgewinne erzeugen. Ein Zielkonflikt liegt nicht mehr vor, da für jedes Ziel ein Instrument zur Verfügung steht. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 365 7.3 Internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik 365 Geeignete internationale Spill-Over-Effekte sind wesentlich, da nur durch sie die jeweils ausländische Wirtschaftspolitik Wirkungen im Inland hat und Einfluss auf den inländischen Zielkonflikt ausüben kann. Noch weitergehender: Der Wohlfahrtsgewinn der Koordinierung ist umso größer, je mehr ein Land internationalen Spill-Over-Effekten ausgesetzt ist. Offene Länder haben deshalb ein höheres Interesse an einer Koordinierung als geschlossene oder sehr große Länder. Zudem müssen die Spill-Over-Effekte nicht nur ungleich Null sein, sondern müssen sich auch von den Multiplikatoren der heimischen Instrumente unterscheiden. Sind die Spill-Over-Effekte und die Multiplikatoren der heimischen Instrumente gleich groß, so stellt die jeweils fremde Geldpolitik letztlich kein zusätzliches Instrument zur Bekämpfung des Trade-Offs dar. 4. Die Exogenität und Verfügbarkeit der wirtschaftspolitischen Instrumente für eine internationale Koordinierung ist aufgrund von innenpolitischen Zwängen, gesetzlichen Regeln (Unabhängigkeit der Notenbanken) und konjunkturellen Einflüssen nur begrenzt. Insofern ist eine kurzfristig orientierte internationale Koordinierung mit diesen Instrumenten nur eingeschränkt realisierbar. 5. Die wirtschaftspolitischen Instrumente müssen einen signifikanten Einfluss auf die Zielvariablen haben (g1 > g2 ≠ 0). Bei rationalen Erwartungen ist dies nur eingeschränkt der Fall. Das Ricardo-Barro-Theorem macht für die Fiskalpolitik, die „senkrechte Phillipskurve“ für die Geldpolitik entsprechende Einschränkungen. Die Lucas-Kritik ergänzt, dass die Wirtschaftspolitik nicht unter der Annahme eines gegebenen Modells optimiert werden kann, sondern nach einer Implementierung der Politik aufgrund einer Änderung der (rationalen) Erwartungshaltung der Wirtschaftssubjekte mit einem Strukturbruch in den Modellparametern gerechnet werden muss. Bei langen und variablen Lags kommt die Gefahr hinzu, dass die Instrumente aufgrund einer unerwarteten Verzögerung pro- statt antizyklisch wirken.158 Insgesamt muss bei einer diskretionär ausgerichteten Koordinierung der Wirtschaftspolitik mit ähnlichen Problemen gerechnet werden wie bei der diskretionären, national orientierten Wirtschaftspolitik: „… policy coordination … will turn out to have all the disadvantages of fine tuning times seven“.159 Die angeführten grundsätzlichen Argumente gegen die Idee, diskretionäre Wirtschaftspolitik international zu koordinieren, werden ergänzt durch einige Argumente, die sich kritisch mit der Koordinierung an sich befassen. Diese gelten somit auch, wenn keine diskretionäre Wirtschaftspolitik, sondern z. B. die Ordnungspolitik koordiniert werden soll. 158 Vgl. hierzu die üblichen makroökonomischen Lehrbücher. 159 Vgl. Lipsey, R.G., Agenda for the 1988 and future summits, Canadian Public Policy, XV Supplement, Feb. 1989, S. 87. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 366 7 Internationale Transmission u. Koordinierung366 1. Zunächst wäre als gewichtiges, spezifisches Argument gegen die internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik der damit verbundene Verlust an nationalstaatlicher Autonomie zu nennen. 2. In einer Volkswirtschaft mit klassischen Eigenschaften führen dezentrale Entscheidungen zu einem sozialen Optimum. Für eine Weltwirtschaft mit klassischen Eigenschaften sollten entsprechend die dezentralisierten Entscheidungen der nationalen Entscheidungsträger die Weltwohlfahrt maximieren. Die internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik gleicht jedoch der Bildung eines internationalen Kartells der Wirtschaftspolitiker, die zu Lasten der privaten Wirtschaftssubjekte gehen kann. Die Kartellbildung impliziert zumeist eine Konvergenz der Wirtschaftspolitiken. Dies führt dazu, dass die Auswahlmöglichkeiten der Wirtschaftssubjekte bezüglich des Rahmens, in dem sie wirtschaften wollen, beschränkt werden, was deren Wohlfahrt verringert. Diese Annäherung der Wirtschaftspolitik beschränkt darüber hinaus die Informationsbasis, aus der heraus besonders effiziente Politiken gefunden werden können. Insofern verringern derartige internationale Absprachen den (permanenten) Hayekschen Wettbewerb der nationalen Entscheidungsträger um die beste nationale Wirtschaftspolitik. Der mangelnde Wettbewerb aufgrund der internationalen Absprachen kann schließlich dazu führen, dass ineffiziente Politiken längere Zeit aufrecht erhalten werden als dies ohne solche Absprachen möglich wäre. 3. Spätestens bei Erreichen des Koordinierungsgleichgewichts besteht ein Anreiz zum Vertragsbruch. Die Abb. 7.7 veranschaulicht dies: Befinden sich die beiden Länder im Koordinierungsgleichgewicht K, dann ist es für das Inland vorteilhaft, die Geldmenge solange zu reduzieren, bis es sich im Punkt V befindet. Allerdings würde jedes vertragsbrechende Land nur kurzfristig Wohlfahrtsgewinne erzielen. Angenommen das Inland sei zuerst vertragsbrüchig geworden (Punkt V in Abb. 7.7). Das Ausland wird darauf mit einer restriktiven Geldpolitik bis zum Punkt W reagieren. Der Anpassungsprozess setzt sich fort bis die beiden Länder das (dauerhafte) Nash-Gleichgewicht erreicht haben. Sehr wesentlich für die Möglichkeit zur Erreichung von Wohlfahrtsgewinnen ist also die internationale Glaubwürdigkeit der Wirtschaftspolitiker. Box 7.2: Zur Empirie von Wohlfahrtsgewinnen durch internationale Koordinierung Zur Durchführung einer internationalen Koordinierung genügen rein theoretische Erwägungen heutzutage nicht mehr. Vielmehr ist es üblich geworden, sämtliche öffentliche Maßnahmen zuvor auf ihre Nutzen und Kosten zu untersuchen. Was die Kosten betrifft, so ist ein Teil in Form der Reise- und Kommunikationskosten zwar leicht messbar, aber letztlich vernachlässigbar gering. Andere Kosten, wie z. B. das oft genannte Risiko, bei Entscheidungen unter der Annahme falscher Modellparameter Koordinierungsverluste anstatt -gewinne zu realisieren, sind streng genommen keine Kostenkategorie. Vielmehr reduziert das Risiko, das im Übrigen jeder wirtschaftlichen Entscheidung zugrundeliegt, den erwarteten Nutzen aus der wirtschaftlichen Aktivität. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 367 7.3 Internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik 367 Von besonders großem Interesse waren deshalb in der empirischen Wirtschaftsforschung die möglichen Nutzen aus einer Koordinierung. In einer ersten Kalkulation konnten G. Oudiz und J.D. Sachs (1984) Nutzengewinne zwischen 0,03 % und 0,99 % des BSP für die USA, Japan und die Bundesrepublik nachweisen.160 Signifikante Gewinne (die allerdings nicht gereicht hätten, um die Weltwirtschaft aus der Rezession Anfang/Mitte der 80er Jahre zu befreien) wären ausschließlich Japan zugekommen. Die wichtigsten Gründe für die nur geringen Wohlfahrtsgewinne liegen nach Oudiz und Sachs in der hohen Präferenz der Wirtschaftspolitiker gegen die Inflation und in den letztlich geringen Spill-Over-Effekten einer aktiven Geld- und Fiskalpolitik gerade auf die ausländische Inflation. Obwohl diese Spill-Over-Effekte innerhalb der stärker integrierten Staaten der Europäischen Union größer ausfallen, zeigten G. Oudiz und J.D. Sachs (1985), dass die unbefriedigenden Ergebnisse einer weltweiten Koordinierung auch auf eine regional begrenzte Koordinierung in der EU übertragen werden können.161 Deutliche Wohlfahrtsgewinne fielen vor allem Frankreich (in Höhe von 1 % des BSP) zu, während für Deutschland und Großbritannien die Wohlfahrtsgewinne mit je 0,2 % kaum spürbar sind. Deutlich spürbare Wohlfahrtsgewinne werden auch in diesem Fall durch die starke Präferenz gegen eine Inflation verhindert. Zu den beiden genannten Arbeiten existiert eine Reihe von Erweiterungen, die teilweise zu ähnlich geringen, teilweise zu deutlich höheren Nutzengewinnen kommen. Eine wesentliche Erweiterung liegt in der dynamischen Analyse der Wohlfahrtsgewinne. Zu anderen Ergebnissen kommen N.J. Carlozzi und J.B. Taylor (1983) sowie J.B. Taylor (1984) anhand von Modellen mit neoklassischen Annahmen und rationalen Erwartungen, bei denen langfristig keine realen Effekte (insbesondere keine Spill-Over-Effekte) möglich sind.162 Sie gehen bei ihren Untersuchungen davon aus, dass die Entscheidungsträger bei einer Koordinierung einfachen Politikregeln zu folgen haben, damit die Erfolgswahrscheinlichkeit hoch ist. Da reale Effekte im Sinne von Oudiz und Sachs unter ihren Modellannahmen nicht möglich sind, analysieren sie, inwiefern eine Koordinierung die Varianz von Einkommen und Preisniveau in den G-7 Ländern verringern kann. Die von ihnen konstruierte Welt-Verlustfunktion verringert sich bei Taylor (1984) von 358,8×10-4 auf 264,0×10-4. Dies entspricht einem Wohlfahrtsgewinn von 26 %. Wichtig ist allerdings ihre Erkenntnis, dass an solchen Weltwohlfahrtsgewinnen nicht 160 Vgl. Oudiz, G., Sachs, J.D., Macroeconomic Policy Coordination Among the Industrial Economies, Brooking Papers on Economic Activities 1 (1984). 161 Vgl. Oudiz, G., Sachs, J.D., International Policy Coordination in Dynamic Macroeconomic Models, in: W.H. Buiter, R.C. Marston (Eds.), International Economic Policy Coordination, Cambridge 1985, S. 274–319. 162 Vgl. Carlozzi, N.J., Taylor, J.B., International Capital Mobility and the Coordination of Monetary Rules, in: J.S. Bhandari, B. Putnam (Eds.), Economic Interdependence and Flexible Exchange Rates, Cambridge 1983 sowie Taylor, J.B., International Coordination in the Design of Macroeconomic Policy Rules, European Economic Review 28 (1984), S. 53–81. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 368 7 Internationale Transmission u. Koordinierung368 alle Länder partizipieren müssen. Die Verlustfunktion der Bundesrepublik Deutschland erhöht sich von 92,7×10-4 auf 121,0×10-4. Die Rolle der Dauer und Wirksamkeit der Störungen sowie der Glaubwürdigkeit auf nationaler und internationaler Ebene analysieren D. Currie, P. Levine und N. Vidalis (1987).163 Bei transitorischen Störungen sind die Wohlfahrtsänderungen nach einer Koordinierung stets gering. Bei permanenten weltweiten Angebots- oder Nachfragestörungen führt eine glaubwürdige internationale Koordinierung gegenüber einem glaubwürdigen Nash-Gleichgewicht zu Wohlfahrtsgewinnen um 30 %. Dies entspricht bei der von den Autoren gewählten Verlustfunktion einem BSP-Äquivalent von mehr als 5 %. Ohne Reputation sind die Wohlfahrtsgewinne allerdings klein. 7.3.3 Zusammenfassung •• Der Wunsch nach einer internationalen Koordinierung der Wirtschaftspolitik begründet sich im Wesentlichen aus zwei Fakten: Erstens ist es möglich, dass eine aktive nationale Stabilitätspolitik ihre Wirksamkeit teilweise oder vollständig verliert, falls das Ausland seine Politik unverändert lässt. Zweitens existieren internationale Spill-Over-Effekte, so dass das Ausland von der inländischen Wirtschaftspolitik (positiv oder negativ) betroffen sein kann (externe Effekte). •• Zur Analyse der Wohlfahrtsgewinne aus einer international koordinierten Wirtschaftspolitik unter Berücksichtigung eventueller Interdependenzen wird das Koordinierungsgleichgewicht mit dem Nash-Gleichgewicht (Gleichgewicht bei Nicht-Koordinierung) verglichen. Das Nash-Gleichgewicht resultiert daraus, dass jedes Land seine Wirtschaftspolitik selbständig, ohne Rücksicht auf internationale Spill-Over-Effekte und unter der Annahme eines gegebenen Verhaltens der anderen Länder optimiert. •• Anhand eines stark vereinfachenden 2-Länder-Modells, in dem beide Länder über die Geldpolitik das Ziel verfolgen, die Abweichung des Einkommens und des Preisniveaus von vorgegebenen Zielwerten zu minimieren, kann folgendes gezeigt werden: Erstens ist das Nash-Gleichgewicht bei Nicht- Koordinierung nicht Pareto-optimal. Zweitens sind Pareto-optimale Nutzengewinne aus einem international koordinierten Vorgehen in der Geldpolitik realisierbar. Die optimal koordinierte Geldpolitik der beiden Länder im Falle einer Rezession besteht in einer gemeinsamen monetären Expansion. Beide Länder erzielen durch die Koordinierung Wohlfahrtsgewinne. •• Es gibt verschiedene kritische Argumente zum formal überzeugenden Konzept, durch explizite internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik Wohlfahrtsgewinne erzielen zu können. Zu diesen Kritikpunkten gehören unter anderem die grundsätzliche Kritik zur diskretionären Wirtschaftspolitik, mögliche unangemessene Zielsetzungen der Entscheidungsträger, 163 Vgl. Currie, D., Levine, P., Vidalis, N., International Cooperation and Reputation in an Empirical Two-Block-Model, in: R.C. Bryant, R. Portes (Eds.), Global Macroeconomics: Policy Conflict and Cooperation, New York 1988. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 369 Anhang A7 369 das womöglich zu hoch eingeschätzte Ausmaß internationaler Spill-Over- Effekte, die Exogenität und Verfügbarkeit geeigneter wirtschaftspolitischer Instrumente für eine internationale Koordinierung sowie die Möglichkeit zum Vertragsbruch. Anhang A7: Internationale Transmission Im Folgenden wird das Grundmodell der internationalen Transmission aus Abschnitt 7.2.1 für feste und flexible Wechselkurse formal präzisiert. Auf die Herleitungen dieses Anhangs wird bei den Ausführungen in den Abschnitten 7.2.2 und 7.2.3 verstärkt zurückgegriffen. Das Grundmodell der internationalen Transmission besteht aus den folgenden vier Gleichungen (vgl. die Gleichungen (7.35) bis (7.38) in Abschnitt 7.2.1): (A7.1) y Z y w abθ ∗= − ⋅ + Ψ ⋅ + Θ ⋅ + Ω ⋅ (inländische IS-Kurve) (A7.2) y Z y w abθ ∗∗ ∗ ∗ ∗ ∗= − ⋅ + Ψ ⋅ −Θ ⋅ + Ω ⋅ (ausländische IS-Kurve) (A7.3) m y Zη σ= ⋅ − ⋅ (inländische LM-Kurve) (A7.4) m y Zη σ∗ ∗ ∗ ∗= ⋅ − ⋅ (ausländische LM-Kurve) Die Verhaltensparameter q, Y, Q, W, h, s wurden im Abschnitt 7.2.1 definiert und sind allesamt positiv. Gleiches gilt für die ausländischen Parameter q*, Y*, Q*, W*, h*, s*. Man beachte, dass im Transmissionsmodell (A7.1) bis (A7.4) im Gegensatz zu den Ausführungen im Abschnitt 7.2 zunächst nicht von symmetrischen Ländern ausgegangen wird, d. h. die Verhaltensparameter des Auslands können sich prinzipiell von denen des Inlands unterscheiden. 1. Feste Wechselkurse Bei festen Wechselkursen entfällt definitionsgemäß der Wechselkurs als Variable. Wird der Wechselkurs W auf eins normiert (d. h. der im Modell auftauchende logarithmierte Wechselkurs w ist Null) und wird ferner unterstellt, dass das Ausland seine Währung an die „Ankerwährung“ des Inlands bindet und somit seine Geldmenge derart ausrichtet, dass der Wechselkurs eingehalten wird, so verbleiben als exogene bzw. Politikvariablen , ,m ab ab ∗ bzw. als endogene Variablen y, y*, Z, m*. Das Gleichungssystem (A7.1) bis (A7.4) lässt sich wie folgt in Matrixschreibweise darstellen: (A7.5) Fest Fest FestA E X⋅ = wobei AFest die Parametermatrix, EFest den Vektor der endogenen Variablen und XFest den Vektor der exogenen Größen symbolisiert. Ausgeschrieben ergibt sich (A7.5) als Anhang A7 Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 370 7 Internationale Transmission u. Koordinierung370 (A7.6) 1 0 1 0 0 0 0 1 0 aby y ab Z m m θ θ η σ η σ ∗ ∗ ∗ ∗∗ ∗ ∗ ∗ Ω ⋅−Ψ −Ψ Ω ⋅ ⋅ = − − − Aus (A7.6) erhält man den Vektor der endogenen Variablen durch die Prämultiplikation der inversen Matrix von AFest auf beiden Seiten der Matrixgleichung: (A7.7) 1Fest Fest FestE A X −= ⋅  164 Die Inverse 1FestA − berechnet sich zu (A7.8) 3 3 3 1 3 3 3 Fest 3 3 3 3 3 3 ( ) 0 ( ) ( ) ( ) 0 ( 1) 0 1 A σ σ θ θ σ ηθ ηθ σ θ θ η η α β χ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ − ∗ ∆ Ψ ∆ Ψ + ∆ Ψ − ∆ + ∆ Ψ + ∆ = ∆ Ψ ∆ ΨΨ − ∆ ∆ ∆ ∆ − wobei ( )α η η θ σ η σ∗ ∗ ∗ ∗ ∗≡ − + + Ψ ( )β η ψσ η θ η σ∗ ∗ ∗≡ − − + ( ) (1 )χ η θ θ σ∗ ∗ ∗ ∗ ∗≡ Ψ + + −ΨΨ 3 ( ) (1 )η θ θ σ ∗ ∗∆ ≡ Ψ + + −ΨΨ Es gilt zu beachten, dass mit der Lösung (A7.8) die im Abschnitt 7.2 beschriebenen Fälle des „kleinen Landes“ nicht nachvollzogen werden können, da im vorliegenden Gleichungssystem das Einkommen des im Text als klein behandelten Auslands einen Einfluss auf die güterwirtschaftliche Nachfrage des großen Inlands hat. Im Falle zweier symmetrischer Volkswirtschaften, bei denen die Verhaltensparameter identisch sind, reduziert sich die Inverse auf (A7.9) 1 1 2 1 1 21 Fest, sym 1 1 2 0 ( ) ( ) 0 ( 1) 0 ( 1) ( 1) 1 1 A σ σ θ σ ηθ ηθ σ θ η η η η − ∆ Ψ ∆ ∆ Ψ − ∆ + ∆ ∆ = ∆ Ψ ∆ Ψ − ∆ − Ψ + Ψ + − wobei ( ) ( )1 (1 ) 1ηθ σ∆ ≡ + −Ψ ⋅ + Ψ 2 (1 )ηθ σ∆ ≡ + −Ψ 164 Zur Inversion von Matrizen, vgl. Chiang, A., Fundamental Methods of Mathematical Economics, 3. Auflage, Singapore 1994, S. 103 ff. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 371 Anhang A7 371 2. Flexible Wechselkurse Bei flexiblen Wechselkursen stehen sowohl im In- als auch im Ausland die Geldmengen als Politikvariable zur Verfügung. Der Wechselkurs ist hingegen endogen. Insgesamt verbleiben als exogene bzw. Politikvariablen m, m*, ,ab ab ∗ bzw. als endogene Variablen y, y*, Z, w. Analog zum Fall der festen Wechselkursen lässt sich das Gleichungssystem (A7.1) bis (A7.4) auch bei flexiblen Wechselkursen in Matrixschreibweise darstellen als (A7.10) Flex Flex FlexA E X⋅ = mit AFlex als Parametermatrix, EFlex als Vektor der endogenen Variablen und XFlex als Vektor der exogenen Größen. Ausgeschrieben ergibt sich (A7.10) als (A7.11) 1 1 0 0 0 0 aby y ab Z m w m θ θ η σ η σ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗∗ ∗ ∗ ∗ Ω ⋅−Ψ −Θ −Ψ Θ Ω ⋅ ⋅ = − − Den Vektor der endogenen Variablen erhält man durch Prämultiplikation der zu AFlex inversen Matrix auf beiden Seiten der letzten Matrixgleichung: (A7.12) 1Flex Flex FlexE A X −= ⋅ 1 FlexA − berechnet sich zu (A7.13) 1 1 2 Flex 4 3 4 5 6 ( ) ( )1 ( ) ( ) A η σ η σ σ ησ ησ σ η η η η η η ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ − ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ Θ Θ Ω − Θ −Θ Ψ Θ Θ − Θ −ΘΨ Ω = ⋅ ∆ Θ Θ − Θ −ΘΨ − Θ −Θ Ψ Ω Ω Ω Ω mit ( )4 ( ) ( ) ( )η η θ θ σ η σ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗∆ ≡ Θ + Θ + Θ −Θ Ψ + Θ −ΘΨ 1 ( ) ( )σ η θ θ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗Ω ≡ Θ −Θ Ψ + Θ +Θ 2 ( ) ( )η θ θ σ ∗ ∗ ∗ ∗Ω ≡ Θ + Θ + Θ −ΘΨ 3 ( )η σ η σ η θ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗Ω ≡ Ψ − + 4 ( )η σ η σ ηθ ∗ ∗Ω ≡ − Ψ + + 5 ( ) (1 )η θ θ σ ∗ ∗ ∗ ∗ ∗Ω ≡ + Ψ + −Ψ Ψ 6 ( ) (1 )η θ θ σ ∗ ∗Ω ≡ − + Ψ − −Ψ Ψ Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 372 7 Internationale Transmission u. Koordinierung372 Im Falle zweier symmetrischer Volkswirtschaften mit identischen Verhaltensparametern im In- und Ausland reduziert sich die Inverse auf (A7.14) 1 Flex, symA − = 5 5 5 5 5 5 5 5 5 5 5 5 (2 (1 )) ( ) (1 ) ( ) (1 ) ( ) (2 (1 )) ( ) (1 ) (1 ) 1 (2 ) 1 (2 ) (1 ) (2 ) (1 ) (2 ) σ σ ηθ σ η σ η σ σ σ η ηθ σ η η η η η ∆ ∆ + −Ψ ∆ − −Ψ ∆ ∆ ∆ − −Ψ ∆ + −Ψ ∆ ∆ ∆ − −Ψ ∆ − −Ψ ∆ − Θ Θ + Ψ Θ − + Ψ Θ mit ( )5 2 (1 )ηθ σ∆ ≡ + −Ψ Weiterführende Literatur Darius, R., The Macroeconomic Effects of Monetary Policy in a Small Open Economy: Does the Exchange Rate Regime matter? Journal of International Money and Finance 29 (2010), S. 1506–1528. Delias, H., Monetary policy in open economies, European Economic Review 50 (2006), S. 1471–1486. De Paol, B., Monetary policy and welfare in a small open economy, Journal of International Economics 77 (2009), S. 11–22. Mundell, R., The Case for a World Currency, Journal of Policy Modeling 34 (2012), S. 568–578. Neri, S., Noblii, A., The Transmission of US Monetary Policy to the Euro Area, International Finance 13 (2010), S. 55–78. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 373 Personen- und Stichwortverzeichnis A Abbau der Ressourcen 245 Abschöpfungen 130 Absorption 26, 329 Absorptionsrate, marginale 330 Abwertung 65 Aktivsaldo 10 Aktivtausch 21 Allokationsentscheidung, intertemporale 29 Anbietermarktmacht 179 Angebotselastizitäten 64 Ansatz, quantitätstheoretischer 55 Anti-Dumpingmaßnahme 134 Arbitragegeschäfte 273 Argy, V. 41 Asplund, M. 324 Auftragsvergabe, staatliche 163 Ausbeutung 245 Außenbeitrag 17, 25 Außenhandel, saisonaler 117 Austauschverhältnis, internationales 82 B Baier, S. 124 Baillie, R.T. 310 Baker, J. 259 Balassa, B. 122 Baldwin, R.E. 184, 193, 210 Beckermann, W. 124 Bedeutung multinationaler Unternehmen 250 Beggar-My-Neighbour-Welt 359 Behrens, K. 218 Bemessungsgrundlage 132 Benesch, C. 94 Benkard, C.L. 210 Bergstrand, J. 124 Bernhofen, D. 166 Bertrand-Strategie 206 Beschaffungspolitik, staatliche 133 Best Response 360 Bhandari, J.S. 367 Bilanz der Vermögensübertragungen 9 Bilanzverlängerung 21 Bjørnland, H.C. 325 Blanchard, O.J. 307 Blasen, spekulative (Bubbles) 306, 317 Blisspunkte 361 Botti, S. 94 Brady, N. 259 Brady-Plan 259 Brainard, W.C. 209, 289 Brain Drain 225 Brander, J. 180 Branson, W.H. 286 Bretton Woods 41, 311 Brien, R. 124 Brückenköpfe (beachheads) 313 Bruttoproduktionswert 139 Bryant, R.C. 356, 368 Bubbles 317 Buiter, W.H. 367 Buy American Act 133 Buy American Clause 133 C Calvo, G.A. 267 Canzonieri, M.B. 362 Carlozzi, N.J. 367 Cassel, G. 282 Chaney, T. 218 Chen, J.D. 317 Cheung, Y.-W. 325 Chiang, A. 331, 370 Chinn, M.D. 325 cif-Bewertung 12 Club of Rome 256 Coenen, G. et al. 356 Cournot-Nash-Strategie 206 Cournotscher Punkt 176 Crash 307 Credit Default Swaps 264 Cuddington, J.T. 325 Currie, D. 368 D Darius, R. 372 Davis, D. 166 Deardorff, A.V. 121 f.

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References

Zusammenfassung

Theorie und Politik der Außenwirtschaft

Dieses Buch stellt die Außenwirtschaftsbeziehungen und wirtschaftspolitische Eingriffe umfassend und auf der Basis traditioneller sowie „neuer“ Erklärungsansätze dar. Es versetzt den Leser in die Lage, mit Theoretikern und Praktikern qualifiziert und unter Bezug auf moderne Erkenntnisse über die außenwirtschaftliche Entwicklung zu diskutieren.

Außenwirtschaftliche Zusammenhänge

Ausgangspunkt ist die Zahlungsbilanz als zentraler Indikator für die außenwirtschaftliche Aktivität eines Landes. Ihre Leistungs-, Kapitalverkehrs- und Devisenbilanz erfassen verschiedene Teile der Außenwirtschaft, nämlich den Handel mit Waren und Dienstleistungen, die Kapitalbewegungen sowie die Währungspolitik. Diese Teile und ihre Zusammenhänge stellt das Buch ausführlich dar und geht der Frage nach, wie die Wirtschaftspolitik international am besten abgestimmt werden kann.