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9.6 Immobilieninvestments und Nachhaltigkeitsaspekte in:

Hanspeter Gondring, Thomas Wagner

Facility Management, page 334 - 343

Handbuch für Studium und Praxis

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3836-9, ISBN online: 978-3-8006-4182-6, https://doi.org/10.15358/9783800641826_334

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Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 323 3239.6 Immobilieninvestments und Nachhaltigkeitsaspekte tung der Bauvorschriften in Deutschland kann bspw. eine Immobilie hierzulande schon die zweitbeste Zertifizierungsstufe des LEED-Verfahrens erreichen.493 9.5.3 Einfluss der Nachhaltigkeit auf die Rendite einer  Immobilie Professionelle Anleger beurteilen i. d. R. jedes Investment nach den Gesichtspunkten Rendite, Risiko und Liquidität, das oftmals auch als „magisches Dreieck“ bezeichnet wird. Investoren orientieren sich jedoch bei ihrer Investitionsstrategie nicht nur ausschließlich an ökonomischen Aspekten, sondern beziehen übergeordnete Prinzipien der Nachhaltigkeit mit ein. Kirchliche Gemeinden oder Bistümer investieren bereits seit vielen Jahren auf Basis ihrer religiösen Grundhaltung in nachhaltige Anlagen. Aber auch andere Anlegergruppen wie bspw. Stiftungen oder Pensionskassen investieren zunehmend in Investments mit nachhaltigem Charakter. Nicht zu vergessen sind die vermögenden Privatanleger, die vermehrt ökologische, soziale und bspw. ethische Prinzipien bei ihrer Vermögensanlage berücksichtigen.494 Das magische Dreieck der Vermögensanlage wird zunehmend für viele Investoren ein „magisches Viereck“. Die Ziele Rentabilität, Sicherheit und Liquidität einer Anlage werden um ein viertes Ziel erweitert, das die Anforderungen an die Nachhaltigkeit beinhaltet. Der Anspruch eines Investors, eine finanzielle Rendite mit seiner Anlage zu erwirtschaften, wird kombiniert mit der Erwartung, ökologische und soziale Faktoren in die Investitionsentscheidung einzubeziehen.495 9.6 Immobilieninvestments und Nachhaltigkeitsaspekte 9.6.1 Der Markt für nachhaltige Immobilieninvestments In Deutschland hat sich, ausgehend vom begrenzten Angebot an nachhaltigen Immobilien, auch der Markt für nachhaltige Immobilieninvestments nur eingeschränkt entwickelt. Die Zusammensetzung des deutschen Immobilienbestandes, in der circa 60  Prozent der bebauten Flächen älter als 25 Jahre und somit aus energetischer Sicht stark sanierungsbedürftig sind, ist für die Marktentwicklung ein einschränkender Faktor. Diese schlechte Ausgangssituation wird durch fehlende Liquidität und eine altersbedingt niedrige Investitionsbereitschaft der Gebäudeeigentümer sowie insbesondere durch Überlegungen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit von nachhaltigen Immobilien verstärkt.496 493 Vgl. Barthauer, M./Büchner, G. (2009), S. 322. 494 Vgl. Moll, K.-H. (2008), S. 27. 495 Vgl. Schneider, H. (2008), S. 18. 496 Vgl. Giljohann-Farkas, K./Pfleiderer, G. (2008), S. 4. 9.6 Immobilieninvestments und Nachhaltigkeitsaspekte Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 324 9 Nachhaltige Immobilien324 Auch durch die Anzahl der Gebäude mit Nachhaltigkeitszertifikat wird deutlich, dass der Markt für nachhaltige Immobilien noch relativ gering ist. In Deutschland sind – Stand September 2009 – nur 19 Gebäude gem. dem Gütesiegel der DGNB zertifiziert worden, weitere 24 sind vorzertifiziert. Das ebenfalls in Deutschland verwendete LEED-Zertifikat zählt zu diesem Zeitpunkt lediglich eine Zertifizierung. Außerhalb von Deutschland sind in den letzten Jahren 3.111 Gebäude nach LEED zertifiziert worden. Das älteste britische BREEAM- Zertifikat wurde weltweit bereits an 185.000 Gebäude vergeben. In Deutschland wurden davon jedoch nur 4 Gebäude zertifiziert (Stand September 2009).497 Dennoch nimmt Deutschland im internationalen Vergleich eine wichtige Rolle ein. Die Kombination aus einem hohen Baustandard und Baukultur, verbunden mit einer hohen Innovationskraft bei gebäudebezogenen Nachhaltigkeitstechnologien hat Deutschland zu einem der bedeutendsten Märkte und wichtigsten Anbieter gemacht. Viele Anleger, auch aus dem Ausland, sehen in Deutschland sowohl im Neubau als auch in der nachhaltigen Sanierung von Bestandsgebäuden ein enormes Marktpotenzial.498 Die Entwicklung des Marktes wird durch starke Triebkräfte beschleunigt. Die wesentlichen Treiber sind die staatlichen Regulierungs- und Fördermaßnahmen für die Immobilienbranche, die durch die Verpflichtung zahlreicher nationaler Regierungen im Rahmen von internationalen Abkommen, z. B. zum Klimaschutz, ausgelöst wurden. Voraussichtlich wird sich diese anfängliche Dynamik in den nächsten Jahren fortsetzen. Des Weiteren wird die Entwicklung dadurch gefördert, dass immer mehr Unternehmen ihren CSR-Pflichten gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Eigentümern ernsthafter nachkommen.499 Hervorzuheben ist auch die steigende Bereitschaft der Anleger, insbesondere von Kleinanlegern, ihr Kapital in den noch kleinen SRI-Markt zu investieren. Dies hat dazu beigetragen, dass sich der Markt zu einem der stärksten Wachstumssegmente entwickelt hat. Auch die zunehmende Erfahrung der Immobilienbranche in der ökologisch nachhaltigen Planung, dem Bau, dem Betrieb und der Entsorgung von Gebäuden fördert die Entwicklung des Marktes für nachhaltiges Immobilieninvestment. Nicht zuletzt durch den steigenden gesellschaftlichen Druck und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie z. B. steigende Energiepreise, aber auch durch die Bereitschaft und die finanzielle Fähigkeit für nachhaltige Flächen höhere Kosten zu akzeptieren, wird die Nachfrage nach nachhaltigen Immobilien steigen.500 DEGI Research hat externe Steuerungsfaktoren identifiziert, die die Marktdurchdringung von Gebäuden mit energieeffizienten Ansätzen in Deutschland beeinflussen. Bei der Fokussierung auf nachhaltige Immobilien werden in Zukunft nicht mehr allein nur Imagevorteile im Vordergrund stehen, sondern auch ökonomische und vor allem langfristige Wettbewerbsvorteile.501 Ob die Akzeptanz des DGNB-Gütesiegels steigen und sich zusammen mit dem Ener- 497 Vgl. Jung, C. (2009), S. 3. 498 Vgl. Barthauer, M./Büchner, G. (2009), S. 318. 499 Vgl. ebenda, S. 316. 500 Vgl. ebenda, S. 316f. 501 Vgl. Giljohann-Farkas, K./Pfleiderer, G. (2008), S. 4. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 325 3259.6 Immobilieninvestments und Nachhaltigkeitsaspekte gieausweis auf dem deutschen Immobilienmarkt durchsetzen wird, wird sich zeigen. Die steigenden Energie- und Rohstoffpreise und weitere energiewirksame Vorschriften wie bspw. die Novellierung der Energieeinsparverordnung im Jahr 2012 werden zum allmählichen Abbau des alten und sanierungsbedürftigen Gebäudebestands führen. In Abb. 118 ist zu erkennen, dass in den nächsten Jahren ein Abbau des nicht sanierten Bestands erwartet wird und sich damit nachhaltige Aspekte im Neubau durchsetzen werden.502 Nach Ansicht von DEGI Research wird etwa im Jahr 2013 der nicht sanierte Gebäudebestand abgestraft und der nachhaltige Neubau wird honoriert. Durch die neuen, vielschichtigen Möglichkeiten der Planung und Errichtung bzw. Sanierung von Gebäuden, die den Anforderungen an nachhaltige Immobilien entsprechen und dies über Bewertungen und Zertifikate belegen, werden sich neue Chancen zur Entwicklung von Produkten im Bereich der Immobilieninvestments eröffnen. Das Marktpotenzial für nachhaltige Immobilieninvestments ist nicht zuletzt durch den stetig wachsenden SRI-Markt enorm groß.503 504 9.6.2 Strategien für nachhaltiges Immobilieninvestment Die Geldanlage in Immobilien lässt sich sowohl über direkte als auch über indirekte Anlageformen realisieren. Dabei wurde zum einen hervorgehoben, dass eine Direktanlage mit einem hohen Kapitaleinsatz und Know-how des Investors verbunden ist und sich daher mehr für institutionelle Anleger eignet. Zum anderen wurden die indirekten Anlageformen wie z. B. offene und geschlossene Immobilienfonds für jeden potenziellen Anleger als interessante Anlage gekennzeichnet. Um neue nachhaltige Immobilieninvestmentprodukte 502 Vgl. Rottke, N./Reichardt, A. (2010), S. 47. 503 Vgl. Lützkendorf, T./Lorenz, D. (2007), S. 67. 504 Enthalten in: Giljohann-Farkas, K./Pfleiderer, G. (2008), S. 4. Abb. 118: Ausblick für nachhaltige Immobilien in Deutschland504 Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 326 9 Nachhaltige Immobilien326 zu entwickeln bzw. bereits existierende Produkte neu auszurichten haben sich verschiedene Vorgehensweisen bzw. Strategien entwickelt.505 Eine dieser Strategien wird mit dem Begriff „Selection“ bzw. „Screening“ bezeichnet. Dabei werden Immobilien, die bestimmte Mindeststandards hinsichtlich ihrer ökologischen und sozialen Performance erfüllen, also einer nachhaltigen Immobilie nahe kommen, z. B. zur Portfoliooptimierung oder zur Portfoliozusammenstellung angekauft bzw. verkauft. Besonders geeignet für diese Strategie sind offene Immobilienfonds oder auch Immobilienaktiengesellschaften. Eine zweite Strategie für nachhaltiges Immobilieninvestment nennt sich „Build and operate“ bzw. „Build and sell“. Hierbei investiert der Kapitalgeber in bestimmte Neubauprojekte, die ausschließlich unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten geplant, errichtet und betrieben werden. Diese Strategie eignet sich besonders für geschlossene Fonds, Spezialfonds oder auch Direktinvestitionen. Eine weitere Möglichkeit in nachhaltige Immobilien zu investieren wird mit dem Begriff „Optimization“ bezeichnet. Wie der Name schon vermuten lässt, wird bei dieser Strategie in Bestandsobjekte zur Optimierung der ökologischen und sozialen Immobilieneigenschaften investiert. Insbesondere im Zusammenhang mit Ankauf und Optimierung von größeren Immobilienbeständen eignen sich hierbei so genannte „Real Estate Partnerships“ und auch Immobilienaktiengesellschaften. Schließlich richtet sich eine vierte Strategie für nachhaltige Immobilieninvestments darauf aus, Investitionen in Immobilien, die eine schädliche Einwirkung auf Umwelt und Gesellschaft erwarten lassen, zu vermeiden bzw. auszuschlie- ßen.506 Der Staat hat die Möglichkeit, mithilfe von zusätzlichen Anreizen sowohl bei institutionellen Investoren als auch bei privaten Anlegern, die Annahme der Anlagestrategien zu fördern. Verschiedene Handlungsoptionen stehen zur Verfügung, die bereits in einzelnen Ländern verwirklicht wurden. Der Staat kann bspw. durch die Implementierung des Konzeptes der nachhaltigen Entwicklung in nationale Planungs- und Bauvorschriften oder auch durch die Einrichtung von Förderprogrammen für nachhaltiges Bauen die Entwicklung und Realisierung von nachhaltigen Immobilieninvestments unterstützen. Aber auch ausgewählte Akteure der Immobilienwirtschaft haben mehrere Handlungsoptionen zur Verfügung. So können bspw. Banken durch Gewährung von niedrigen Zinssätzen zur Finanzierung nachhaltiger Gebäude die Entwicklung nachhaltiger Immobilieninvestments fördern.507 505 Vgl. Lützkendorf, T./Lorenz, D. (2005), S. 24. 506 Vgl. Lützkendorf, T. (2007), S. 38. 507 Vgl. Lützkendorf, T./Lorenz, D. (2005), S. 24f. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 327 3279.6 Immobilieninvestments und Nachhaltigkeitsaspekte 9.6.3 „Grüne“ Immobilienfonds Durch den in Zukunft voraussichtlich wachsenden Markt für nachhaltige Immobilien werden Investoren zunehmend in Fonds investieren, die nachhaltige Immobilien enthalten. Die Immobilienwirtschaft spricht in diesem Zusammenhang von „grünen Immobilienfonds“ oder auch „Green-Building- Fonds“. Um eine erste Definition darüber zu erreichen, was unter einem „Green- Building-Fonds“ zu verstehen ist, wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Immobi lienfonds von Juli bis August des Jahres 2009 eine repräsentative Umfrage unter Fondsmanagern von offenen und geschlossenen Immobilienfonds durchgeführt, um einen ganzheitlichen und umfassenden Überblick der aktuellen Lage zu erhalten.508 In Auswertung dieser Umfrage zeigt Abb. 119, dass rund ein Drittel der befragten Fondsmanager unter einem „Green-Building-Fonds“ einen Fonds versteht, der zu 100  Prozent aus nachhaltigen Immobilien besteht. Rund ein Drittel akzeptiert einen geringeren Anteil von 75 Prozent. Daraus ergibt sich, dass je höher der Anteil an „Green Buildings“ in einem Fonds, desto größer auch die Akzeptanz als „Green-Building-Fonds“ ist.509 510 508 Vgl. Jung, C. (2009), S. 3. 509 Vgl. DEGI (2009), S. 14. 510 Enthalten in: DEGI (2009), S. 14. Abb. 119: Erwarteter Anteil Green Buildings bei „grünen“ Immobilienfonds510 0,0% 0,0% 12,9% 32,3% 32,3% 22,6% 0,0% 5,0% 10,0% 15,0% 20,0% 25,0% 30,0% 35,0% weniger als 25% 25% 50% 75% 100% keine Antwort Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 328 9 Nachhaltige Immobilien328 Im Vergleich zu einem Fonds mit herkömmlichen Immobilien haben „grüne Immobilienfonds” eine Reihe von Vorteilen. So sind die befragten Fondsmanager der Meinung, dass sich durch die Auflegung eines „Green-Building-Fonds“ das Image des Unternehmens verbessert. Bemerkenswert sind jedoch auch die besseren Vermarktungschancen, die bessere Vermietbarkeit sowie der stabilere Werterhalt und schließlich die geringeren Nebenkosten einer nachhaltigen Immobilie. Bei der Hervorhebung dieser Vorteile gehen die Befragten generell davon aus, dass sich diese Vorteile in erster Linie langfristig auswirken werden. So schätzten einheitlich alle Befragten ein, dass ein „Green-Building-Fonds“ kurzfristig gegenüber einem konventionellen Immobilienfonds keine höhere Rendite erzielen wird. Langfristig gesehen erwartet jedoch jeder Fünfte im Vergleich höhere Renditen.511 Mit der steigenden Nachfrage nach „grünen“ Immobilienfonds ist zu untersuchen, welcher Produkttyp bzw. welche Anlageform das größte Potenzial für „Green-Building-Fonds“ hat. Anhand der Online-Befragung von der Deutschen Gesellschaft für Immobilienfonds wird deutlich, dass das größte Potenzial im Bereich des offenen Immobilienspezialfonds, dicht gefolgt vom geschlossenen Immobilienfonds, zu erwarten ist. Keiner der befragten Fondsmanager gibt dagegen dem Real Estate Investment Trust als Produkttyp für „Green-Building- Fonds“ eine Chance.512 Nachhaltige Immobilien spielen eine immer größere Rolle in den Anlage- Portfolios der Investoren. Durch die zunehmende Nachfrage nach „grünen“ Immobilienfonds kommen immer mehr dementsprechend passende Anlageprodukte auf den Markt, wobei dabei besonders offene Immobilienfonds von Bedeutung sind. Die Wertentwicklung des Fonds wird insbesondere durch Miet- und Zinseinnahmen sowie durch die Wertsteigerungen der Immobilien beeinflusst. Da sich diese Aspekte bei nachhaltigen Immobilien i. d. R. langfristig überdurchschnittlich entwickeln, sind offene Immobilienfonds als Anlageform eines „Green-Building-Fonds“ sehr gut geeignet.513 Vor Auflage eines neuen Fonds wird die Anlegergruppe mit Interesse an nachhaltigen Investmentprodukten eruiert. Das größte Interesse an Fonds mit einem hohen Anteil an nachhaltigen Immobilien haben nach Meinung der befragten Fondsmanager insbesondere Kirchen, Stiftungen, Altersvorsorgeeinrichtungen und Versicherungen.514 Nachhaltige Immobilienfonds sind eine mittel- bis langfristige Form der Anlage, daher profitieren zunächst langfristige Investoren von dem Nachhaltigkeitstrend. Die Zukunftschancen von nachhaltigen Immobilien und „grünen“ Immobilienfonds sind nach Meinung der Fondsmanager sehr positiv. Über 70 Prozent der befragten Teilnehmer gehen davon aus, dass der Anteil an nachhaltigen Immobilien in ihren bestehenden Fonds in den nächsten fünf Jahren ansteigen wird. Dem widersprechen lediglich nur rund drei Prozent der Fondsmanager. Die Unsicherheit und Zurückhaltung der Befragten bei der Beurteilung der 511 Vgl. DEGI (2009), S. 15. 512 Vgl. ebenda, S. 16. 513 Pex, S. (o. J.), URL: http://www.energiesparclub.de. 514 Vgl. Jung, C. (2009), S. 5. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 329 3299.6 Immobilieninvestments und Nachhaltigkeitsaspekte Zukunft von „Green-Building-Fonds“ zeigte sich besonders deutlich darin, dass die Mehrheit zukünftig keinen reinen „Green-Building-Fonds“ auflegen wird. Nur circa ein Viertel zieht in Betracht, in den nächsten fünf Jahren einen derartigen Fonds anzubieten.515 Das heißt aber nicht, dass Nachhaltigkeitsaspekte für die Mehrheit der Immobilieninvestoren keine große Rolle bei ihren Anlageentscheidungen spielen. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag von Union Investment Real Estate sagt aus, dass rund zwei Drittel der mehr als 220 befragten Immobilienunternehmen und institutionellen Anleger in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zukünftig stärker in nachhaltige Gebäude investieren wollen. Zudem gaben 60 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass Nachhaltigkeitsaspekte bereits heute ein fester Bestandteil ihrer Anlagestrategie sind. Positiv stimmt auch die Aussage von rund 20 Prozent der befragten Investoren, dass sich bei nachhaltigen Immobilien höhere Renditen als mit konventionellen Immobilien erzielen lassen. Anhand dieser Ergebnisse ist für die Zukunft zu vermuten, dass sich Green Buildings in den nächsten Jahren zu einer eigenen Assetklasse entwickeln werden.516 Anfang des Jahres 2010 hat das Emissionshaus Hesse Newman den Vertrieb des Immobilienfonds „Green Building“ gestartet. Interessierte Anleger können über den Fonds in die neue Siemens-Niederlassung direkt am Flughafen von Düsseldorf investieren. Das Bürohaus mit rund 10.000 Quadratmetern Mietfläche soll im Herbst 2010 fertig gestellt sein und zeichnet sich durch einen hohen Qualitätsstandard nach EU-Anforderungen aus. Für eine hohe Energieeffizienz sorgen eine besonders gute Wärmedämmung, hochwertige Baumaterialien und ein intelligentes Heizungs-, Licht- und Belüftungskonzept.517 Die Immobilie ist für zehn Jahre mit drei Verlängerungsoptionen um jeweils fünf Jahre an die Siemens AG vermietet. Dieser lange Vermietungszeitraum an einen bonitätsstarken Mieter ermöglicht eine gute Planbarkeit der Einnahmen und sichert zudem die Wertstabilität der Immobilie. Der nachhaltige Immobilienfonds soll bis 2022 laufen und anfänglich sechs Prozent Rendite pro Jahr ausschütten. Es wird prognostiziert, dass sich die Rückflüsse auf bis zu 178 Prozent des eingesetzten Kapitals summieren werden. Knapp 46 Millionen Euro, das sind rund die Hälfte des gesamten Fondsvolumens, will das Unternehmen als Eigenkapital bei den Anlegern einsammeln. Die restlichen 50 Prozent des Fondsvolumens werden mithilfe von Fremdkapital finanziert. Interessierte Anleger müssen sich mit mindestens 10.000 Euro plus fünf Prozent Ausgabeaufschlag beteiligen.518 Bei einer positiven Entwicklung dieses Green- Building-Fonds werden sich zukünftig auch andere Investoren, Finanzinstitute und Investmentfondsgesellschaften für derartige Fonds interessieren. 515 Vgl. DEGI (2009), S. 27. 516 Vgl. Lindenberg, C. (2010), URL: http://www.dasinvestment.com. 517 Vgl. Nachtweh, C. (2010), URL: http://www.dasinvestment.com. 518 Vgl. ebenda, URL: http://www.dasinvestment.com. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 330 9 Nachhaltige Immobilien330 9.6.4 Chancen und Risiken nachhaltiger Immobilieninvestments Chancen und Risiken nachhaltiger Immobilieninvestments richtig bewerten und abwägen zu können setzt voraus, dass Klarheit über die Bedeutung der Nachhaltigkeit für die Zukunft und die sich daraus ergebende Verantwortung der Immobilienwirtschaft herrscht. Das Wissen über den Anteil von nachhaltigen Immobilien an der weiteren stabilen und erfolgreichen Entwicklung unserer Gesellschaft stärkt die Bereitschaft der Investoren, Eigentümer und Mieter gleichermaßen, die sich ergebenden Chancen, auch bei entsprechendem Risiko, zu nutzen. Durch unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen Investoren, Eigentümer und Mieter unterschiedliche Interessen. Die Nachhaltigkeit zu akzeptieren, aber nur den eigenen bzw. persönlichen Vorteil anzustreben, widerspricht dem Anliegen einer nachhaltigen Entwicklung. Schließlich wird sich der Nutzen einer nachhaltigen Immobilienwirtschaft langfristig positiv auf alle Bereiche der Gesellschaft auswirken. Die größten Vorteile, durch die sich ergebenden Chancen aus nachhaltigen Immobilien, haben die Investoren und Eigentümer. Sie tragen aber auch das größte Risiko. Die Chancen gleichen das Risiko i. d. R. jedoch mehr als aus. Solche Chancen, wie bspw. die Sicherung einer langfristigen Vermietbarkeit und besseres Nachvermietungspotenzial, insbesondere durch geringere Ausbaukosten und Incentives werden dem Risiko eventueller Mehrkosten durch Entwicklung, Ankauf und Sanierung von Gebäuden entgegenwirken. Das Gleiche trifft auf die zu erwartende höhere Mieterbindung zu. Allerdings ist die Bereitschaft der Mieter, höhere Mieten für „Nachhaltigkeit“ zu zahlen, wesentlich von der konjunkturellen Entwicklung im Lande selbst, das heißt von den konkreten Lebenssituationen der Mieter abhängig. Durch nachhaltige Immobilien werden die Betriebs-, Wartungs- und Instandhaltungskosten gesenkt, was für den Vermieter und Mieter gleichermaßen direkt spürbar wird. Die Anforderung jedes Eigentümers von Immobilien an deren Werterhaltung wird bei nachhaltigen Immobilien am ehesten erfüllt. Hohe Werterhaltung der Immobilien bringen dem Eigentümer auch höhere Verkaufserlöse und bessere Verkaufsmöglichkeiten, was nicht zu unterschätzende Vorteile in einer dynamischen und flexiblen Gesellschaft sind. Ähnlich günstig sind nachhaltige Immobilien, wenn es gilt, Kostentransparenz über die Energiebilanz zu erreichen, was wiederum die Planungssicherheit erhöht. In diesem Zusammenhang soll auf die Funktion des Energieausweises verwiesen werden. Schließlich bietet ein nachhaltiges Immobilieninvestment die Chance steuerliche Vorteile im Zusammenhang mit Energieeffizienz und reduzierten CO2-Emissionen zu erzielen. Risiken nachhaltiger Immobilieninvestments sind zurzeit oftmals durch fehlendes oder zögerliches politisches Handeln der Regierenden begründet. Solche Risiken sind die konjunkturelle Abhängigkeit der Immobilienwirtschaft, was in Wirtschafts- und Finanzkrisen sehr auffällig ist, und die Unsicherheiten für Investoren hinsichtlich der Umlagefähigkeit der Kosten für die nachhaltige Sanierung eines Gebäudes. Leerstehende Gebäude und Bauruinen könnten so manchen Investor in die Insolvenz führen. Risiken für nachhaltige Im- Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 331 3319.6 Immobilieninvestments und Nachhaltigkeitsaspekte mobilieninvestments ergeben sich teilweise auch aus organisatorischen und technischen Ursachen. Das betrifft die noch nicht vollständig geklärte Art und Weise der Messbarkeit von Nachhaltigkeitskriterien genauso, wie den fehlenden internationalen Zertifizierungsstandard. Beides, fehlende Messbarkeit und uneinheitliche Zertifizierung von nachhaltigen Immobilien erschwert den Vergleich, der für einen entsprechenden Markt von großer Bedeutung ist. Gerade die verzögerte Marktbildung für nachhaltige Immobilien wird von den Investoren als noch zu großes Risiko angesehen. Nicht zu unterschätzen sind auf dem Gebiet der Immobilienwirtschaft auch die ständig, in kurzen Zeitabständen optimierten Möglichkeiten durch technische Innovationen. Deshalb scheuen viele Investoren, aus Angst vor einer Fehlinvestition, in den Markt mit nachhaltigen Immobilien einzutreten. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 333 10 Wertorientiertes Facility Management 10 Wertorientiertes Facility Management

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Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassender Einblick in Theorie und Praxis des Facility Managements

- Systematische Darstellung der relevanten Normen und Richtlinien

- Konkrete Beispiele zur Anwendung und Vertiefung der Inhalte

Zum Werk

Die Immobilie in ihrem Lebenszyklus erfordert ein Wertmanagement, das unter dem Begriff Facility Management zusammengefasst wird. Das Buch umfasst alle Aspekte einschließlich anschaulicher Praxisbeispiele.

Zur Neuauflage

Umfassende Aktualisierung und zusätzliche Fallbeispiele.

Inhalt

- Geschichte des FM; Vergleich mit anderen Ländern

- Facility Management im Lebenszyklus einer Immobilie

- Strategisches FM

- Inhalte des technischen, kaufmännischen und infrastrukturellen FM mit vielen Praxisbeispielen

- Rechtliche Aspekte und Normen

- Wertorientierung im FM und FM-Rating

- Outsourcing-Strategien

- EDV-technische Unterstützung

Autoren

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Duale Hochschule Stuttgart, Dipl.-Kfm. Thomas Wagner, Wagner Real Estate GmbH, Hamburg.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennahe Studienfächer wie z.B. Architektur, Bauingenieurwesen, Stadt- und Regionalplanung, Studierende der Bank- und Finanzwirtschaft, Jura-Studierende mit der Vertiefung Immobilienrecht sowie interessierte Praktiker.