Content

6.5 Infrastrukturelles Gebäudemanagement auf Flughäfen in:

Hanspeter Gondring, Thomas Wagner

Facility Management, page 221 - 231

Handbuch für Studium und Praxis

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3836-9, ISBN online: 978-3-8006-4182-6, https://doi.org/10.15358/9783800641826_221

Bibliographic information
Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 206 6 Infrastrukturelles Gebäudemanagement206 der Erledigung von Formalitäten und geben Auskünfte. Diese Dienstleistung entlastet das Pflegepersonal und soll diesen die Möglichkeit geben, sich allein auf das Kerngeschäft – die Pflege von Patienten – zu konzentrieren. 6.4.4 Wertschöpfung in Krankenhäusern mit Hilfe des IGM Unter dem Begriff „Wertschöpfung“ wird die Werterhöhung eines Produkts im Herstellungsprozess verstanden.315 Im Krankenhaus „ist die Veränderung des Gesundheitszustandes des behandelten Patienten diejenige Leistung, die eigentlich die ,Wertschöpfung‘ ausmacht“.316 Der Primärprozess eines Krankenhauses besteht in der Heilung von Patienten, die Sekundärprozesse bieten hierbei unterstützende Leistungen. Prozesse, die im Rahmen des IGM optimiert werden, haben eine unmittelbare Auswirkung auf die Primärprozesse und somit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes der Patienten. Diese aufeinander abgestimmten Zusammenhänge und Kooperationen ermöglichen erst die Realisierung der Wertschöpfung in Krankenhäusern. 6.5 Infrastrukturelles Gebäudemanagement auf  Flughäfen Das Zitat „These days airways have replaced the oceans, and airports have replaced seaports in importance”317 soll verdeutlichen, welcher Stellenwert dem Luftverkehr beigemessen wird. Flughäfen nehmen als Knotenpunkte des Luftverkehrs eine bedeutende Stellung ein.318 Am Frankfurter Flughafen konnten im Jahr 2009 rund 51 Millionen Passagiere gezählt werden, wovon 50 % Umsteiger waren, gleichzeitig haben durchschnittlich mehr als 1.250 Starts und Landungen pro Tag stattgefunden, was diesen Flughafen zu einem der bedeutendsten Luftverkehrsdrehkreuze der Welt macht. Zudem gehört er global mit ca. 1,8 Millionen t Fracht zu den größten Frachtzentren. Laut einer Prognose wird sich die Anzahl der Fluggäste in den nächsten zehn Jahren um über 73 % auf 88,3 Millionen steigern und es werden voraussichtlich mehr als 3,1 Millionen t Fracht und Post befördert werden.319 Steigende Anforderungen der Gesellschaft und der Wirtschaft an Mobilität und Flexibilität sind zu gewährleisten, was eine Erhöhung der Anzahl an Fluggästen und des Transportguts zur Folge hat. Diese Anforderungen setzen eine funktions- und leistungsfähige Infrastruktur voraus. Allerdings sind für Flughäfen neben der traditionellen öffentlichen Aufgabe der Infrastrukturbereitstellung 315 Vgl. Meyer, U. B./ Creux, S. E./Weber Marin, A. K. (2005), S. 115. 316 Kersting, T. (2008), S. 281. 317 Dempsey, P. S. (1999), S. 191. 318 Vgl. Trumpfheller, M. (2006), S. 1. 319 Vgl. Fraport AG (2010). 6.5 Infrastrukturelles Gebäudemanagement auf Flughäfen Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 207 2076.5 Infrastrukturelles Gebäudemanagement auf Flughäfen für den Luftverkehr auch zunehmend wirtschaftliche Interessen relevant, die die Flughafenbetreiber mit neuen Anforderungen konfrontieren.320 Hieraus ergeben sich Art und Umfang von Leistungen, die ein Flughafen anbietet und welche infrastrukturellen Anforderungen und Dienste sich daraus, auch für ein infrastrukturelles Gebäudemanagement, ergeben. 6.5.1 Funktion von Flughäfen Unter dem Begriff Flugplatz ist ein definiertes Gebiet einschließlich der erforderlichen Gebäude, Anlagen und Ausrüstungen zu verstehen, die ganz oder teilweise für Flug- und Rollbewegungen von Luftfahrzeugen bestimmt sind. Flughäfen sind Flugplätze, die durch einen Bauschutzbereich gem. § 12 Luftverkehrsgesetz (LuftVG) gesichert sind. Die Flughäfen des allgemeinen Verkehrs werden als „Verkehrsflughäfen“ bezeichnet, Flughäfen für besondere Zwecke heißen „Sonderflughäfen“.321 Unter die Leistungen von Flughäfen fallen:322 •• Nutzung der Infrastruktureinrichtungen, wie Start-/Landebahnen, Terminal und Zugangsstraßen •• Ground Handling, was die komplette Flugzeugabfertigung beinhaltet •• Non-Aviation-Bereich, der mit dem Flugverkehr an sich nichts zu tun hat, aber eine wichtige Einnahmequelle für Flughafenbetreiber darstellt.322 Die Hauptfunktionen von Flughäfen als Teil der Verkehrsinfrastruktur sind die Wegsicherung, die Abfertigung und der Transit von Fluggästen, Fracht und Flugzeugen. Des Weiteren dienen sie zunehmend als Dienstleistungszentren für die Bedürfniserfüllung von Reisenden und Besuchern. Diese Funktionen werden auch als Primärfunktionen von Flughäfen bezeichnet. In Zusammenhang mit der Primärfunktion erbrachte Leistungen werden als Sekundärfunktionen bezeichnet. Diese beinhalten den Verkauf von Flugtickets, den Mietwagenservice oder die Bereitstellung von Gepäckwägen. Flughäfen haben einen Wandel von reinen Verkehrsstationen mit minimalem Serviceangebot zu umfassenden Dienstleistungszentren vollzogen, wobei hier die Bedürfnisbefriedigung der Reisenden und Besucher im Rahmen von Tertiärfunktionen zu gewährleisten ist. Diese Bedürfnisse sind unabhängig von den technischen Abfertigungsprozessen und umfassen bspw. Angebote in den Segmenten Gastronomie und Einzelhandel. Diese Entwicklung wird unter dem Schlagwort „Airport City“ zusammengefasst.323 320 Vgl. Trumpfheller, M. (2006), S. 1. 321 Vgl. Mensen, H. (2007), S. 8. 322 Vgl. Klingenstein, S. (2008), S. 7. 323 Vgl. Trumpfheller, M. (2006), S. 33ff. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 208 6 Infrastrukturelles Gebäudemanagement208 6.5.2 Gebäudemanagement an Flughäfen Ein Flughafen stellt hohe Ansprüche an Logistik und Sicherheit. In Verbindung mit Flughäfen stehen nicht nur Flugzeuge und Start- und Landebahnen, Flughäfen sind vielmehr große Zentren, die u. a. Terminals, Flugzeughangars, Frachthallen, Verwaltungsgebäude oder eine Feuerwache umfassen. Diese Bereiche des Flughafengeländes sind im Rahmen des GM zu bewirtschaften, wobei gleichzeitig Strukturen angepasst und optimiert werden sollen, um Güter und Fluggäste pünktlich und sicher zu ihrem Ziel zu leiten und Kosten sparend zu wirtschaften. 6.5.3 Aufgaben des IGM an Flughäfen Unter Airport Cities werden die Leistungen der Personen- und Frachtbeförderung verstanden, aber auch Servicebereiche in Terminals. Ein gut organisierter Terminalbetrieb mit all seinen Servicebereichen übernimmt eine wichtige Rolle und trägt zum Geschäftserfolg und zum Imageaufbau eines Flughafens erheblich bei. Es werden Servicebereiche angeboten, denen ertragsmäßig eine immer größer werdende Stellung beigemessen wird, die aber mit dem Flugbetrieb teilweise nichts mehr zu tun haben.324 Sowohl diese, als auch das gesamte Fluggelände fallen unter die Bewirtschaftung und somit unter das Leistungsspektrum des IGM an Flughäfen, was Abb. 64 veranschaulicht. Das Dienstleistungsspektrum eines Flughafenbetreibers sollte primär die Abfertigung und Versorgung von Flugzeugen umfassen, um die Passagier- und Frachtbeförderung zu gewährleisten. Das IGM soll hierbei geschäftsunterstützende Dienstleistungen erbringen, die es einem Flughafenbetreiber ermöglichen, sein Kerngeschäft zu erbringen. Zusätzlich gibt es verschiedene Dienstleistungen, die sich speziell auf die Anforderungen von Flughäfen im Bereich der Personen- und Frachtbeförderung konzentrieren. 6.5.3.1 Flugzeugabfertigung Unter dem Begriff Flugzeugabfertigung, der die Bodenabfertigung beinhaltet, ist der so genannte Turnaround einer Maschine gemeint. Dieser erstreckt sich vom Ankommen eines Flugzeugs an der Abfertigungsstelle („on block“) bis hin zum Verlassen dieser Position („off block“). Die komplette Flugzeugabfertigung wird als Ground Handling bzw. Ground Services bezeichnet.325 Diese Bodenabfertigung beinhaltet alle Leistungen, die zur Abfertigung eines Flugzeugs, seiner Passagiere und seiner Fracht erforderlich sind. Hierzu gehören u. a. Leistungen der: 324 Vgl. Mensen, H. (2007), S. 941; Vgl. dazu auch Beyerle, T. (2008). 325 Vgl. Templin, C. (2007), S. 21. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 209 2096.5 Infrastrukturelles Gebäudemanagement auf Flughäfen •• Fluggastabfertigung, •• Gepäckabfertigung, •• Luftfracht- und Luftpostabfertigung, •• Vorfelddienste, •• Reinigungs- und Servicedienste am Flugzeug, •• Betankungsdienste für Flugzeuge, •• Überwachung und Verwaltung der Dienste. Abb. 64: Leistungsspektrum IGM an Flughäfen Flugzeugabfertigung - Fluggastabfertigung - Gepäckabfertigung - Luftfracht- und Postabfertigung - Vorfelddienste - Reinigungs- und Servicedienst - Betankungsdienst Fluggastservices - Loungeservices - Flughafentransfer Reinigungsdienste - Flugzeuginnenreinigung - Flugzeugaußenreinigung - Flugzeugenteisung Sicherheitsdienste - Empfangsdienst - Objektbewachung - Sicherheitsbegleitung - Flugzeugbewachung - Flugzeugzugangskontrolle Verpflegungsdienste - Catering - Kabinencatering Terminalbetrieb - Shops/Shopping - Duty Free - Travel Value - Gastronomie - Bars - Restaurants - Fast Food - Autovermietung - Informationsdienste - Fundbüro - Bank und Bankautomaten - Communication Center - Flugdateninformationen Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 210 6 Infrastrukturelles Gebäudemanagement210 Anbieter dieser Dienstleistung können Flughafengesellschaften, Flughafenbetreiber und unabhängige Drittabfertiger, „Handling Agencies“ genannt, sein.326 Die Fluggastabfertigung umfasst bei der Ankunft, beim Abflug, während des Transits oder bei Anschlussflügen die gesamte Passagierbetreuung. Besonders wichtig sind hierbei die Flugscheinkontrolle sowie die Kontrolle der Reiseunterlagen, die Flugsicherheitskontrolle und die Registrierung des Gepäcks nebst dessen Beförderung.327 Innovative Abläufe in der Fluggastabfertigung bieten Check-in-Automaten, die es Fluggästen ermöglichen, selbst am Automaten einzuchecken. Zwischenzeitlich bieten diese Automaten auch die Möglichkeit der Gepäckannahme, was die Anzahl der Check-ins am Check-in-Schalter wesentlich reduziert. Auf Grund dessen werden die Check-in-Schalter erheblich entlastet, was die gesamte Fluggastabfertigung beschleunigt und den Ablauf reibungslos verlaufen lässt. Ein weiteres, innovatives Produkt in der Fluggastabfertigung ist das weltweite Einchecken per Handy und Internet.328 Im Rahmen der Gepäckabfertigung wird das Gepäck sortiert, auf den Abflug vorbereitet, durchläuft die Flugsicherheitskontrolle und wird auf Shuttles oder Anlagen verladen, die es zum Sortierraum transportieren. Des Weiteren zählt zur Gepäckabfertigung die Beförderung des Gepäcks zwischen Sortierraum und Ausgaberaum.329 Für eine zügige und rationelle Gepäckbeförderung ist eine umfangreiche Infrastruktur, bestehend aus Transportbändern, Sortieranlagen und Bändern für die Gepäcklogistik erforderlich. Luftfrachtterminals und Luftpostzentren sind hochtechnisierte Logistikanlagen, in denen automatisierte Hochregallager, EDV-Systeme und verschiedene Geräte für die Abfertigung zur Verfügung stehen.330 Die Luftfrachtabfertigung umfasst die Bearbeitung der Frachtpapiere bei Einund Ausfuhr, die Zollformalitäten und die geforderten Sicherungs- und Sicherheitsmaßnahmen. Das Leistungsspektrum der Luftpostabfertigung entspricht bis auf die Bearbeitung der Zollformalitäten den Anforderungen der Luftfrachtabfertigung. Unter Vorfelddienst ist das Lotsen der Flugzeuge bei der Ankunft und beim Abflug, die Unterstützung beim Parken der Flugzeuge, das Be- und Entladen sowie die Beförderung der Besatzung und der Passagiere zu verstehen, hierzu gehören auch die Beförderung des Gepäcks zwischen Flugzeug und Abfertigungsgebäude (Terminal). Des Weiteren gehört die Unterstützung beim Anlassen der Triebwerke und die entsprechende Bereitstellung von Hilfsgeräten, das Bewegen der Flugzeuge bei der Ankunft und beim Abflug, sowie das Catering zum Vorfelddienst. Für die Innen- und Außenreinigung, den Toiletten- und Wasserservice und die Enteisung der Flugzeuge ist der Reinigungsdienst zuständig. Der Betankungsdienst umfasst die Organisation und die Durchführung des Be- und Enttankens, die Lagerung der Betriebsstoffe, die Qualitäts- und die 326 Vgl. Klußmann, N./Malik, A. (2007), S. 40. 327 Vgl. Mensen, H. (2007), S. 548. 328 Vgl. Rizk-Antonious, R. (2002), S. 122f. 329 Vgl. Mensen, H. (2007), S. 548ff. 330 Vgl. Sterzenbach, R./Conrady, R. (2003), S. 134. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 211 2116.5 Infrastrukturelles Gebäudemanagement auf Flughäfen Quantitätskontrolle der Betriebsstofflieferungen. Zusätzlich ist der Betankungsdienst für das Nachfüllen von Ölen und Schmierstoffen verantwortlich.331 Für eine schnelle und Kosten sparende Flugzeugabfertigung wurde ein Mobiles Informations- und Dokumentationssystem für den Ladeservice (MobIS-L) entwickelt. Die Lademeister-Agenten, die dafür zuständig sind, dass das Flugzeug korrekt beladen wird, bekommen zukünftig über ein tragbares, elektronisches Gerät Flugplan-, Lade- und Gepäckdaten. Des Weiteren erfolgt die Dokumentation aller Abfertigungsvorgänge mit Hilfe des MobIS-L. Auf diese Art werden alle wichtigen Dokumente elektronisch zusammengefasst und mit Hilfe der Informationsübermittlung per Sprechfunk ist eine digitalisierte Abfertigung möglich, die die Arbeit der Verantwortlichen erleichtert. Der MobIS-L-Nutzer wird zudem stets mit aktuellen Flug- und Ladedaten versorgt, was für eine Transparenz des gesamten Abfertigungsvorgangs sorgt. Die Vorteile eines solchen digitalisierten Systems sind die schnelle, papierlose Form der Datenübermittlung, deren Aktualität und Effizienzsteigerung. Das System erleichtert die Arbeit, gewährleistet eine schnelle, flexible und kundenfreundliche Informationsweitergabe und eine bessere Qualität der Dokumentation an die Airlines, außerdem erfasst es die Personaldisposition. 332 6.5.3.2 Sicherheitsdienst Steigende Sicherheitsanforderungen an Flughäfen benötigen zuverlässige Sicherheitsdienste. Unter diesen Begriff fallen gem. Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG): 331 Vgl. Mensen, H. (2007), S. 548ff. 332 Enthalten in: Stein, D. (o. J.), http://www.fraport.de/cms/innovationsprojekte/ dokbin/321/321674.mobisl.pdf, Abruf: 17.06.2010. Abb. 65: Mobiles Informationssystem für den Ladeverkehr332 Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 212 6 Infrastrukturelles Gebäudemanagement212 •• § 5 LuftSiG: Passagier- und Handgepäckkontrollen und Abwehr der Einbringung von gefährlichen/verbotenen Gütern •• §§ 8 und 9 LuftSiG: Personal- und Warenkontrolle, Objektschutz für Flughafenanlagen, Passagierdatenerfassung, Ticket- und Bordkartenkontrolle, Flugzeugbewachung und Zugangskontrollen zum Luftfahrzeug, Überprüfung der Passagierkabinen, etc.333 Des Weiteren kann der Sicherheitsservice durch den Einsatz von Streifendiensten ausgebaut werden. Werttransporte zählen genauso zu diesen Leistungen, wie der Flughafenbrandschutz, der für den Brandschutz in den Terminals und Gebäuden sowie für den Flugzeugbrandschutz zuständig ist. Die Sicherheitsleistungen können durch medizinische Dienste ergänzt werden, indem diese am Flughafen angeboten werden.333 34 Auch im Sicherheitssegment wurden innovative Produkte entwickelt, um einen möglichst reibungslosen Terminalbetrieb und somit eine schnelle Passagierabfertigung zu gewährleisten. Zu erwähnen ist hier die Neukonzeption der Grenzkontrollschalter. Sie sind Platz sparend und können bei Bedarf auf Grund einer Rollkonstruktion an einen anderen Ort gefahren werden. 333 Vgl. KÖTTER GmbH & Co. KG (2007), http://www.bdws.de/cms/DSD/1-2-07/04. pdf, Abruf: 17.06.2010. 334 Vgl. Fraport AG (o. J.), http://www.fraport.de/cms/default/rubrik/16/16441.sicherheitsleistungen@55.htm, Abruf: 17.06.2010. Abb. 66: Mobiler Grenzkontrollschalter Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 213 2136.5 Infrastrukturelles Gebäudemanagement auf Flughäfen Der Nutzen eines innovativen Grenzkontrollschalters liegt in der Platz sparenden Konstruktion und dem damit verbundenen Einsatz auf engem Raum sowie in der Optimierung des Passagierflusses. Eine weitere Optimierung ist die automatisierte Passkontrolle namens „Easy Pass“, die sowohl dem Sicherheitssegment als auch der Passagierabfertigung an Flughäfen zugeordnet werden kann. Dabei erfolgt die automatisierte Kontrolle auf Basis des elektronischen Reisepasses und des darin digital gespeicherten Bildes. Wird der elektronische Pass als gültig erkannt, öffnet sich die so genannte Grenzkontrollspur und eine Kamera erfasst das Gesicht des Reisenden und gleicht dieses mit dem Lichtbild auf dem Pass ab. Nach erfolgreicher Überprüfung kann der Passagier durch die nun geöffnete Ausgangstür treten. Diese Optimierung gewährleistet eine schnelle und effiziente Fluggastabfertigung auf höchstem technischem Niveau. 6.5.3.3 Loungeservices Der Loungeservice stellt ausgewählten Fluggästen eine Räumlichkeit zur Verfügung, die Platz zum Ausruhen und Arbeiten bietet. Dort können sich Fluggäste zurückziehen und in Abgeschiedenheit auf ihren Flug bzw. ihre Weiterreisemöglichkeit warten. Solche Lounges sind meist mit Zeitungen, Zeitschriften, Getränken und Snacks sowie Steckdosen und Internetanschlüssen ausgestattet, um das Warten kundengerecht zu gestalten. Um diesen Service bieten zu können, müssen diese Räumlichkeiten bewirtschaftet werden, wobei das IGM hier die Verantwortung für die Koordination und die Bereitstellung des Services trägt.335 6.5.3.4 Pushback Die Bereitstellung des Flugbetriebs ist die Hauptaufgabe eines Flughafens. Um diesen zu gewährleisten, gehört der Pushback zu den wichtigsten infrastrukturellen Leistungen am Flughafen. Flugzeuge sind so konzipiert, dass sie nicht über einen Rückwärtsgang verfügen und somit nicht selbständig aus der Parkposition rückwärts ausparken können, wenn sie mit dem Heck in Richtung Rollbahn abgestellt wurden. Auf Grund dessen müssen die Flugzeuge mit so genannten Pushback-Fahrzeugen in die richtige Position geschoben werden. Dabei wird das Flugzeug durch eine Schleppstange mit dem Pushback-Schlepper verbunden. Der Ramp Agent, der einerseits ständig Sichtkontakt zum Schlepperfahrer, andererseits permanenten Funkkontakt zum Piloten hält, ist zuständig für die Koordination des Schleppvorgangs und hat die Aufgabe, die Sicherheit während des Schleppvorgangs zu gewährleisten.336 335 Vgl. FINNAIR (o. J.), http://www.finnair.com/finnaircom/wps/portal/LoungeServices/de_CH, Abruf: 17.06.2010. 336 Vgl. ebenda, http://www.airportgroundservice.com/pushb.htm, Abruf: 29.06.2010. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 214 6 Infrastrukturelles Gebäudemanagement214 6.5.3.5 Boarding Support Der Boarding Support stellt eine wichtige Leistung in Bezug auf die Personenbeförderung dar. Hierbei steht die Betreuung körperlich beeinträchtigter Menschen und die Betreuung minderjähriger Fluggäste im Leistungsmittelpunkt. Der Support liegt sowohl in der Hilfeleistung und Wegbegleitung körperlich benachteiligter Fluggäste vom Terminal zum Flugzeug, als auch vom Flugzeug zum Terminal. Unter Zuhilfenahme von Equipment, wie bspw. Rollstuhlrampen und Treppenliften für Rollstühle, wird dem Passagier das Reisen erleichtert.337 6.5.3.6 Non-Aviation und Airport Retailing Unter dem Begriff „Non-Aviation“ sind alle Leistungen zu verstehen, die zwar nicht direkt für den Flugbetrieb notwendig sind, aber dennoch einen wesentlichen Beitrag zur Attraktivität und Wirtschaftlichkeit eines Flughafens leisten. In diesem Segment werden hohe Umsätze generiert, ihnen wird demzufolge eine große Bedeutung zugesprochen.338 Unter den Non-Aviation-Bereich fallen Leistungen, wie 339 •• Einzelhandel, •• Gastronomie, •• Besuchereinrichtungen, •• Management von Flughafenimmobilien, •• Parkraummanagement.339 Die Begrifflichkeit „Airport Retailing“ steht für den Flughafen-Einzelhandel und beinhaltet zumeist auch die dort vorhandene Gastronomie, wie Snack- Bars, Bars, Bistros, Mobile Bars, Fine Dining und nationale sowie internationale Verköstigungs-Angebote. Des Weiteren umfasst es Geschäftsbereiche wie z. B.: 337 Vgl. ebenda, http://www.airportgroundservice.com/bsup.htm, Abruf: 29.06.2010. 338 Vgl. Trumpfheller, M. (2006), S. 168. 339 Vgl. HOCHTIEF AG (o. J.), http://www.reports.hochtief.com/gb06/cnt_150.jhtml, Abruf: 25.062010. Abb. 67: Push-Back-Services Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 215 2156.5 Infrastrukturelles Gebäudemanagement auf Flughäfen •• Duty Free/Travel Value, •• Services, wie Banken, Geldwechsel, Kommunikation, Autovermietung, Apotheken, Frisöre und Reisebüros, •• Werbung. Um die Bedeutung des Airport Retailing aufzuzeigen, wird besonderes Augenmerk auf den Frankfurter Flughafen geworfen, der im Jahr 2008 über 222 Shops (davon 19 Duty Free/Travel Value-Shops) und 62 gastronomische Einrichtungen verfügte. Des Weiteren kann als spezieller Geschäftsbereich im Airport Retailing sowohl das Spielkasino, als auch der Supermarkt und das Wellness- Angebot genannt werden.340 340 Vgl. Fraport AG (2009), http://www.fraport.de/cms/produkte_services/dokbin/382/382322.zahlen_und_daten_airport_retailing_2009d.pdf, Abruf: 25.06.2010. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gondring/Wagner - Facility Management (2. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 27.04.2012 Status: Imprimatur Seite 217 7 Flächenmanagement 7 Flächenmanagement

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassender Einblick in Theorie und Praxis des Facility Managements

- Systematische Darstellung der relevanten Normen und Richtlinien

- Konkrete Beispiele zur Anwendung und Vertiefung der Inhalte

Zum Werk

Die Immobilie in ihrem Lebenszyklus erfordert ein Wertmanagement, das unter dem Begriff Facility Management zusammengefasst wird. Das Buch umfasst alle Aspekte einschließlich anschaulicher Praxisbeispiele.

Zur Neuauflage

Umfassende Aktualisierung und zusätzliche Fallbeispiele.

Inhalt

- Geschichte des FM; Vergleich mit anderen Ländern

- Facility Management im Lebenszyklus einer Immobilie

- Strategisches FM

- Inhalte des technischen, kaufmännischen und infrastrukturellen FM mit vielen Praxisbeispielen

- Rechtliche Aspekte und Normen

- Wertorientierung im FM und FM-Rating

- Outsourcing-Strategien

- EDV-technische Unterstützung

Autoren

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Duale Hochschule Stuttgart, Dipl.-Kfm. Thomas Wagner, Wagner Real Estate GmbH, Hamburg.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennahe Studienfächer wie z.B. Architektur, Bauingenieurwesen, Stadt- und Regionalplanung, Studierende der Bank- und Finanzwirtschaft, Jura-Studierende mit der Vertiefung Immobilienrecht sowie interessierte Praktiker.