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8.8 Distributionslogistik in der Nachkaufphase in:

Christof Schulte

Logistik, page 507 - 512

Wege zur Optimierung der Supply Chain

6. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3995-3, ISBN online: 978-3-8006-3996-0, https://doi.org/10.15358/9783800639960_533

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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8.8 Distributionslogistik in der Nachkaufphase 507 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 8.8 Distributionslogistik in der Nachkaufphase 8.8.1 Bedeutung und Phasen In vielen Märkten, insbesondere denen für Investitions- und Gebrauchsgüter ist mit der Übergabe der Güter und deren Bezahlung die Geschäftsbeziehung zwischen Anbieter und Kunde noch nicht abgeschlossen. Mit der sich anschließenden Nachkaufphase wird der nachhaltige Markterfolg determiniert. Gerade durch Anbieterleistungen in der Nachkaufphase kann eine starke Kundenbindung aufgebaut und der Wechsel des Kunden zu anderen Lieferanten nachhaltig vermieden werden (vgl. Ihde 1991, S. 250). Die Ersatzteillogistik stellt damit ein wichtiges Erfolgspotenzial im Rahmen der Marketing- und Vertriebsstrategie sowie Wettbewerbsdifferenzierung dar. Gleichzeitig liefert das Ersatzteilgeschäft Beiträge zu den Unternehmensumsätzen und -gewinnen. Beim Aufbau derartiger Lieferanten-Kunden-Beziehungen kommen der Ersatzteilversorgung und der Instandhaltung (mit ihren Elementen Wartung, Inspektion und Instandsetzung) hohe Bedeutung zu. Im Rahmen der Instandsetzung werden beschädigte, verschlissene oder fehlende Teile ersetzt. Hierdurch wird der ursprüngliche Funktionsumfang des technischen Systems erhalten bzw. wiederhergestellt. Neben den konstruktiven Merkmalen der Primärprodukte ist die Verfügbarkeit der Ersatzteile der entscheidende Einflussfaktor auf die Länge der Ausfallzeiten. Mangelnde Lieferfähigkeit oder zu lange Lieferzeiten von Ersatzteilen können zu Betriebsunterbrechungen und -stilllegungen, Fehlmengenkosten, Lieferverzögerungen und Konventionalstrafen beim Kunden führen. Teile- und Bezugsalternativen stehen bei Ersatzteilbedarfen vielfach nicht zur Verfügung. Diese spezifischen Rahmenbedingungen verdeutlichen den besonderen Einfluss der Ersatzteillogistik auf die Wiederholkaufentscheidung (vgl. Ihde u. a. 1988, S. 35). Abb. 8–31: Phasen des Bedarfsverlaufs von Ersatzteilen (Klug 2010, S. 448) 5–7 Jahre Serie 15 Jahre Ersatzteilversorgung Auslauf 508 8 Distributionslogistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Die Entwicklung des Ersatzteilbedarfs weist in der Regel mehrere Lebenszyklusphasen auf (vgl. Klug 2010, S. 447 f.). Der typische Ersatzteil-Bedarfsverlauf in der Automobilindustrie ist in Abb. 8–31 dargestellt. Unmittelbar nach Einführung eines neuen Fahrzeugmodells im Markt sind Ersatzteilbestände vorzuhalten, um eventuelle Frühausfälle sofort beheben zu können. In dieser Einführungsphase kann jedoch nicht auf direkte Vergangenheitsdaten bzgl. Verbrauch und Ausfallverhalten zurückgegriffen werden. In der zweiten Phase, der Konsolidierungsphase, liegt ein relativ konstanter Grundbestand an Fahrzeugen vor. Diese Konstanz spiegelt sich jedoch nicht in der Struktur der Ersatzteilnachfrage wider. Infolge der gestiegenen Anzahl kundenspezifischer und komplexer Fahrzeuge, langer Ersatzteil-Garantiedauern und der permanent kürzer gewordenen Innovations- und Markteinführungszyklen, ist die Breite der Ersatzteilsortimente stark gewachsen. Hieraus resultieren in der Regel niedrige Ersatzbedarfsmengen und höhere Schwankungen der Ersatzteilnachfrage. Die letzte Phase, die Degenerationsphase, ist durch einen starken Rückgang des Fahrzeugbestandes charakterisiert. Der Übergang von Serienbezug auf Einzelteilbezug führt bei den Teilelieferanten dazu, dass bei diesen die Fertigungslosgrößen um ein Vielfaches sinken. Aus diesem Grund wird nach Beendigung des Produktlebenszyklus vielfach die Ersatzteilbevorratung für die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs vorgesehen. Wegen der Langfristigkeit des Prognosehorizonts ist dies mit hoher Planungsunsicherheit verbunden. 8.8.2 Besonderheiten der Ersatzteillogistik Ersatzteile sind nach DIN 24420 „Teile (z. B. auch Einzelteile genannt), Gruppen (z. B. auch Baugruppen oder Teilegruppen genannt) oder vollständige Erzeugnisse, die dazu bestimmt sind, beschädigte, verschlissene oder fehlende Teile, Gruppen oder Erzeugnisse zu ersetzen“. Zu den Aufgaben der Ersatzteillogistik gehören die Planung, Durchführung und Kontrolle der ersatzteilwirtschaftlichen Teilfunktionen Disposition, Beschaffung, Auftragsabwicklung, Vorverpackung, Lagerung, Kommissionierung, Verpackung, Auslieferung und Transport. Hierbei gilt es, einen hohen (zu definierenden) Servicegrad unter Berücksichtigung der Logistikkosten zu realisieren. Im Folgenden sollen vier Problemkreise im Hinblick auf ihre spezifischen Ausprägungen im Rahmen der Ersatzteillogistik behandelt werden: – Lagerhaltung (Bedarfsprognosen), – Auftragsabwicklung, – Verpackung, – Transport. Die Lagerhaltung in der Ersatzteillogistik erfolgt typischerweise als selektive Lagerhaltung (vgl. Biedermann 1987). ABC-Analysen bezüglich der Gängigkeit von Ersatzteilen ergeben fast immer ausgeprägte Konzentrationskurven. Mit einem sehr niedrigen Anteil der Ersatzteile wird der größte Anteil des Ersatzteilumsatzes realisiert. Eine dezentrale Bevorratung bietet sich für die gängigsten Ersatzteile an, wohingegen für die übrigen Teile in der Regel eine zentrale Bevorratung erfolgt. Ein weiteres wichtiges Differenzierungskriterium ist die Funktionsnotwendigkeit eines Ersatzteils für ein Betriebsmittel bzw. sonstiges Primärprodukt. Die in Abschnitt 7.2.1.3 vorgestellten Lagermodelle unterstellen vielfach kontinuierliche Lagerabgänge und optimieren die Lagerzugänge durch Verknüpfung von Bestellzyklus 8.8 Distributionslogistik in der Nachkaufphase 509 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 oder -punkt und wirtschaftlicher Losgröße. Diese Prognoseverfahren sind nicht ersatzteilspezifisch und deshalb für die Bedarfsvorhersage von Ersatzteilen kaum geeignet. Ersatzteilspezifische zuverlässigkeitstheoretisch ausgerichtete Modelle legen hingegen explizit das den Ersatzteilbedarf verursachende Ausfallverhalten der Betriebsmittel und die daraus abgeleitete Instandhaltungsstrategie sowie weitere Einflussfaktoren wie Anlagenstruktur, Instandsetzbarkeit, Höhe der Ausfallkosten bei fehlenden Ersatzteilen etc. zugrunde (vgl. Strube 1988, S. 116). Abb. 8–32 stellt die Einflussgrößen der Bedarfsprognosen aus der Sicht des Herstellers im Überblick dar. Abb. 8–32: Einflussgrößen der Bedarfsprognose von Ersatzteilen (Pfohl 1991, S. 1038) Die Überdisposition von nicht anderweitig verwertbaren Ersatzteilen führt zu Abwertungsbedarf, die Unterdisposition zu teuren Sonderfertigungen (vgl. Dreger 1981, S. 4). Bei hohen Folgekosten infolge fehlender Ersatzteile ist es wichtig, im Rahmen der Auftragsabwicklung für eine zeitverzugslose Bedarfsmeldung zu sorgen. Hochentwickelte Betriebsmittel verfügen über integrierte Diagnoseeinheiten, die per Telefon oder im Online-Betrieb mit einem Diagnosezentrum verbunden sind. Die Früherkennung von Fehlern ermöglicht eine frühzeitige Auslösung der entsprechenden Ersatzteilaufträge. Die Einplanung von Ersatzteil-Aufträgen umfasst die Prüfung der Ersatzteilverfügbarkeit über alle Stufen und gegebenenfalls die Auflösung weiterer Aufträge, wie beispielsweise eines internen Auftrags an die Ersatzteilfertigung. Infolge der teilweise sehr langen Lagerzeiten von Ersatzteilen muss die Verpackung über entsprechende Zeiträume gegen mechanische und chemisch-physikalische Einflüsse schützen sowie Wartungs- und Kontrollmaßnahmen ermöglichen. Hohe Bedeutung kommt der Informationsfunktion der Ersatzteilverpackung zu, da bei einer großen Ersatzteilvielfalt und unterschiedlichen Änderungsständen eine exakte Kennzeichnung zur Identifikation für eine schnelle Auftragsabwicklung unabdingbar ist (vgl. Pfohl 1991, S. 1039). 08-23.tif 510 8 Distributionslogistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Eine exakte Tourenplanung im Rahmen des technischen Kundendienstes ermöglicht Kosteneinsparungen (vgl. Fischer 1984, S. 6). Nicht exakt im Voraus planbare Eilbestellungen führen dazu, dass schnelle Transportdienste (Express-, Kurierdienste) die Ersatzteillogistik wesentlich prägen. 8.8.3 Fallstudie: Zeppelin-Ersatzteillogistik Am Beispiel der führenden Händlerorganisation im deutschen Baumaschinenmarkt, der Zeppelin Metallwerke GmbH in Garching bei München, werden im folgenden Struktur und Ablauf eines weit entwickelten Ersatzteilversorgungssystems dargestellt. Auf der Basis eines international vernetzten Informationssystems für die gesamte Logistikkette werden bei Zeppelin nahezu 99% aller angeforderten Ersatzteile innerhalb von 24 Stunden an die Kunden ausgeliefert (vgl. hierzu und zum Folgenden Nerb 1990). Das Vertriebsprogramm des Unternehmens umfasst eine breite Palette an Baumaschinen verschiedener Hersteller, wobei der Schwerpunkt bei den Produkten der Marke Caterpillar liegt. Die Abnehmer der Baumaschinen stammen größtenteils aus dem Erd- und Straßenbau sowie der Industrie der Steine und Erden. Das Zeppelin-eigene Niederlassungsnetz deckt die gesamte Bundesrepublik ab. Im after-sales-Bereich erfordert die optimale Unterstützung des Kunden bei seiner Aufgabenerfüllung in erster Linie, die Einsatzbereitschaft der Baumaschinen sicherzustellen. Der Ausfall von Maschinen verursacht hohe Kosten und Zeitverlust. Reparaturen und Wartungsarbeiten werden von entsprechend geschulten Monteuren in den Werkstätten der Niederlassung oder am Einsatzort (z. B. auf der Baustelle) durchgeführt. Kernstück des Zeppelin-Service ist die Ersatzteilversorgung. Ersatzteillager für Caterpillar-Teile gibt es auf folgenden Ebenen (vgl. Abb. 8–33): – Zunächst verfügt jede Niederlassung über ein eigenes Ersatzteillager, wobei die Bestände auf die im Niederlassungsbereich vorhandenen Maschinen abgestimmt sind. – Das Zentralersatzteillager in Köln bildet den Schwerpunkt für die gesamte Ersatzteilversorgung. Dieses Lager ist auch der Hauptumschlagplatz zwischen den Lieferanten und den Zeppelin-Niederlassungen. – Aus dem Caterpillar Zentrallager für Europa in Brüssel werden gegebenenfalls in Deutschland nicht verfügbare Teile beschafft und die Zeppelin-Lager regelmäßig wieder aufgefüllt. – Vom amerikanischen Caterpillar Zentrallager in Chicago werden Kundenrückstände dann per Flugzeug beschafft, wenn diese im Caterpillar Zentrallager in Brüssel nicht vorrätig sind. Tägliche Transporte finden sowohl zwischen den Zentrallagern von Caterpillar und Zeppelin als auch zwischen dem Zeppelin-Zentrallager in Köln und allen Niederlassungen (Nachtsprung) statt. Zur Sicherstellung einer möglichst kurzen Lieferzeit werden viele Teile, die in den Niederlassungen nicht verfügbar sind, vielfach noch am Tag der Kundenbestellung von Köln aus direkt an den Kunden geliefert. In besonders eiligen Fällen werden auch Taxi oder Flugzeug als Transportmittel eingesetzt. Die Bevorratung von Caterpillar-Ersatzteilen in den Niederlassungen und im Zentrallager wird größtenteils über den Computer gesteuert. Für jede bewegte Position erfolgt täglich eine Bedarfsprognose und anschließend gegebenenfalls eine Bestellung. Lagerbestellun- 8.8 Distributionslogistik in der Nachkaufphase 511 Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 gen von Zeppelin an Caterpillar und die Übermittlung der Lieferschein- und Rechnungsdaten in umgekehrter Richtung erfolgen per Datenfernverarbeitung. Abb. 8–33 : Zeppelin-Ersatzteillogistik (Nerb 1990) Die Kundenanforderungen bedingen, dass die der Ersatzteilversorgung und Schadenbehebung zugrundeliegenden Informationen sofort, jederzeit, überall und unternehmensübergreifend verfügbar sein müssen: – Sofort (realtime), weil der Ausfall einer Maschine enorme Kosten nach sich ziehen kann. – Jederzeit, weil Ersatzteilbestellungen rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erfolgen können. – Überall, weil die Baumaschinenkunden mobil sind (z. B. ein Münchner Bauunternehmen ist auf einer Baustelle in Norddeutschland tätig). – Unternehmensübergreifend, weil auch die Logistikkette unternehmensübergreifend ist. Entsprechend diesen Anforderungen wurden die Informationssysteme (vgl. Abb. 8–34) von Zeppelin und Caterpillar wie folgt realisiert: – Alle Informationen stehen on-line zur Verfügung. – Jede Niederlassung ist rund um die Uhr mit dem EDV-Netz verbunden, wobei nachts und am Wochenende nur Abfragen möglich sind. – Nachts und am Wochenende können Notdienst-Mitarbeiter das Netz mit mobilen Terminals (laptops) anwählen. – Jede Information kann an jedem Bildschirm abgerufen werden, sofern der Mitarbeiter die Zugriffsberechtigung besitzt. – Integriertes Netz zwischen Hersteller und Handelsorganisation. – Die Verfügbarkeit ist sehr hoch (99,5% für den Endanwender). – Sehr kurze Antwortzeiten am Bildschirm (ca. 1–2 Sekunden remote). 08-24.tif 512 8 Distributionslogistik Druckerei C.H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Abb. 8–34: Zeppelin/Caterpillar-Informationssysteme (Nerb 1990) Anhand des typischen Ablaufs einer Geräteinstandsetzung lässt sich die Arbeitsweise des Zeppelin-Service und die Nutzung der Informationssysteme am besten veranschaulichen (vgl. Abb. 8–35). Abb. 8–35: Ablauf der Zeppelin/Caterpillar-Ersatzteilabwicklung (Nerb 1990) 08-25.tif 08-26.tif 9.1 Rahmenbedingungen 513 Druckerei C. H . Beck Schulte, Logistik (Vahlen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 23.11.2012 Revision 9 Entsorgungslogistik Entsorgung als Oberbegriff umfasst alle planenden und ausführenden Tätigkeiten der umweltgerechten Verwendung, Verwertung und geordneten Beseitigung von Reststoffen (vgl. Werner/Stark 1989, S. 49). Als Teilprozesse des gesamten Entsorgungsprozesses fallen logistische Prozesse, Aufbereitungs- und Entsorgungsprozesse i. e. S. an (vgl. Abb. 9–1) (vgl. hierzu Dutz/Femerling 1994, S. 223). Während die beiden letztgenannten nicht zu den entsorgungslogistischen Aktivitäten selbst gehören, stellen sie wichtige Rahmenbedingungen für die Ausgestaltung des entsorgungslogistischen Systems dar. 9.1 Rahmenbedingungen Bis zum Ende der Achtzigerjahre stand primär die Gestaltung des sachzielbezogenen Güterflusses im Unternehmen, der die Beschaffung der Einsatzstoffe bis zu deren Transformation zu Zwischen- und Endprodukten und ihre marktmäßige Verwertung umfasst, im Mittelpunkt des betriebswirtschaftlichen Interesses (vgl. Matschke/Lemser 1992, S. 86). Den Entsorgungsprozessen kam eine eher untergeordnete Bedeutung zu, da an diese vielfach keine besonderen Anforderungen gestellt wurden. Bezog sich die Zuständigkeit und Verantwortung von Unternehmen schon immer auf die im Rahmen der Faktorkombination anfallenden Produktionsrückstände, so ist seit Anfang der Neunzigerjahre eine Ausweitung auch bis in vor- und nachgelagerte Wertschöpfungsstufen hinein festzustellen. Hierin schlägt sich die konsequente Anwendung des Verursacherprinzips nieder, das den Produzenten zur Entsorgung der von ihnen verkauften Produkte eine Rücknahmeverpflichtung auferlegt. Somit tritt neben den Güterversorgungsfluss (logistische Kette vom Lieferanten über den Hersteller zum Kunden) ein vom Unternehmen zu gestaltender Güterstrom, der Prozess- und Produktrückstände umfasst. Das Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz; KrW-/AbfG) hat das Abfallgesetz von 1986 abgelöst. § 22 KrWG erweitert die Produktverantwortung der Unternehmen dahingehend, dass für den Hersteller bzw. Verteiler nach Produktgebrauch eine Entsorgungs- bzw. Verwertungspflicht besteht. Einen Überblick über gesetzliche Regelungen im Bereich der Entsorgungslogistik gibt Abb. 9–2. Entsorgung Logistische Prozesse (Entsorgungslogistik) Aufbereitungsprozesse Entsorgungsprozesse i. e.S. Kernleistungen – Lagerung – Transport – Umschlag Zusatzleistungen – Sammlung – Sortierung – Verpackung Informationsleistungen – Auftragsabwicklung Trennung – Demontage – Filtration – Magnetische Trennung etc. Umwandlung – Entwässerung – Zerkleinerung – Verfestigung etc. Verwendung – Wiederverwendung – Weiterverwertung Verwertung – Wiederverwendung – Weiterverwendung Beseitigung – Deponierung – Verbrennung – Kompostierung Abb. 9–1: Prozessarten in der Entsorgung

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Zusammenfassung

Der 360°-Blickwinkel auf die Logistik

Dieses Buch präsentiert Ihnen in einer umfassenden und systematischen Darstellung den aktuellen Stand der Logistik. Dabei werden Ihnen neben den klassischen Logistikkonzepten insbesondere neue Entwicklungen, die großen Einfluss auf das Supply Chain Management haben, erläutert. Aus diesem Grund findet das Buch nicht nur an vielen Hochschulen sondern auch in der Praxis regen Einsatz.

Aus dem Inhalt:

- Logistikstrategie und nachhaltige Logistik

- Erfolgsfaktoren der Logistik

- Beschaffungs- und Produktionslogistik

- Distributions- und Entsorgungslogistik

- Supply Chain Management

- Informations- und Kommunikationssysteme in der Logistik

- Transport- und Umschlagsysteme

- Lager- und Kommissioniersysteme

- Aufbauorganisation und personelle Aspekte der Logistik

- Logistik-Controlling

Über den Autor:

Dr. Christof Schulte ist Mitglied des Vorstandes (Chief Financial Officer) eines Unternehmens der Energiebranche.