Content

1 Überblick in:

Hans Blohm, Klaus Lüder, Christina Schaefer

Investition, page 49 - 55

Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs und Investitionsrechnung

10. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3937-3, ISBN online: 978-3-8006-3938-0, https://doi.org/10.15358/9783800639380_49

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
3. Kapitel: Beurteilung einzelner Investitions projekte bei sicheren Erwartungen 1 Überblick 1.1 Verfahrensübersicht Gegenstand dieses Kapitels ist die Beurteilung der (absoluten und relativen) Vorteilhaftigkeit einzelner Investitionsprojekte anhand von Ergebnissen der In vestitionsrechnung. Dabei wird vorausgesetzt, dass für jede mit einer Investition verbundene Zahlung genau ein Prognosewert ermittelt wird, der dann in die In vestitionsrechnung eingeht. Formal kann dieser Fall im Rahmen der Investitionsrechnung genau so behandelt werden, wie der (unrealistische) Fall sicherer Erwartungen hinsichtlich der Projektzahlungen. Deshalb spricht man hier auch von der Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren Erwartungen. Die Ergebnisse der im Folgenden zu behandelnden Investitionsrechnungen können vor allem zur Beantwortung der folgenden Fragestellungen herangezogen werden: – Ist es (unter bestimmten Voraussetzungen) vorteilhaft, ein geplantes Investi tionsprojekt durchzuführen, d. h. ist das Projekt absolut vorteilhaft? – Welches von zwei oder mehreren sich gegenseitig ausschließenden Investi tionsprojekten ist (unter bestimmten Voraussetzungen) das vorteilhafteste, d. h. welches ist relativ vorteilhaft? Bei dem letztgenannten Problem ist zu beachten, dass für ein relativ vorteilhaftes Projekt stets auch die absolute Vorteilhaftigkeit gegeben sein muss, um seine Realisierung zu rechtfertigen. Werden im Rahmen einer Investitionsrechnung nur die für den Projektträger relevanten Projektwirkungen erfasst, so handelt es sich um eine einzelwirtschaftliche Investitionsrechnung. Dies ist der Prototyp der Investitionsrechnung für private Investitionen. Zur Beurteilung öffentlicher Investitionen sind einzelwirtschaftliche Investitionsrechnungen zwar notwendig, häufig jedoch nicht hinreichend. Darüber hinaus müssen in der Regel auch trägerexterne Projektwirkungen berücksichtigt werden. Dazu ist eine gesamtwirtschaftliche Investitionsrechnung durchzuführen. Die folgende Abbildung1 gibt einen Überblick über die verschiedenen Arten von Investitionsrechnungen zur Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren Erwartungen und die ihnen zuzuordnenden Investitionsrechenverfahren. 1 Vgl. Lüder, K./Dubber, O. 1984, S. 360ff., hier S. 361; Lüder, K., Investitionsrechnung für öffentliche Investitionen 1993, S.1049f., hier S.1050. 004-Kapitel_3 14.05.12 09:52 Seite 37 Die einzelwirtschaftlichen Investitionsrechnungen lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen: die statischen Verfahren und die dynamischen Verfahren. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Arten von Verfahren besteht darin, dass die dynamischen Verfahren zeitliche Unterschiede im Anfall der Zahlungen einer Investition wertmäßig berücksichtigen, während das bei den statischen Verfahren nicht der Fall ist. Mit anderen Worten: bei den dynamischen Verfahren werden alle mit einem Investitionsprojekt verbundenen Zahlungen auf einen bestimmten Zeitpunkt aufgezinst (wenn sie vor diesem Zeitpunkt anfallen) bzw. abgezinst (wenn sie nach diesem Zeitpunkt anfallen). Das bedeutet, Einzahlungen und Auszahlungen werden umso höher bewertet, je früher sie entstehen. Dieses Vorgehen wird durch folgende Überlegung gerechtfertigt: je früher man Einzahlungen aus einer Investition erhält und je länger man Auszahlungen hinausschieben kann, desto höher ist der Zinsertrag, der sich durch Reinvestition von Einzahlungsüberschüssen erzielen lässt bzw. desto geringer ist der Zinsaufwand, der sich als Folge der Abdeckung von Auszahlungsüberschüssen ergibt. Unter dem Gesichtspunkt der theoretischen Exaktheit sind die dynamischen Verfahren den statischen zweifellos vorzuziehen. Die statischen Verfahren liefern in der Regel Näherungen für die Ergebnisse der dynamischen Verfahren. Sie können daher in Bezug auf die dynamischen Verfahren auch als Näherungsverfahren interpretiert werden.2 Um diesen Näherungscharakter der statischen Verfahren verdeutlichen zu können, werden sie erst im Anschluss an die dynamischen Verfahren behandelt. Ergänzend zu den hier im Mittelpunkt des Interesses stehenden dynamischen und statischen Verfahren der finanziellen Investitionsrechnung wird in besonderen Abschnitten auf die Nutzwertanalyse als Verfahren der nichtfinanziellen einzelwirt- 38 3. Kapitel: Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren Erwartungen 2 Vgl. auch Küpper, W.,/Knoop, P., Investitionsplanung, in: Müller, W.,/Krink, J. (Hrsg.), Rationelle Betriebswirtschaft, Kapitel X, Neuwied 1974, S.60. 004-Kapitel_3 14.05.12 09:52 Seite 38 schaftlichen Investitionsrechung und auf die besonderen Merkmale gesamtwirtschaftlicher Investitionsrechnungen eingegangen. 1.2 Verbreitung und Bedeutung von Investitionsrechnungen in der Praxis In den vergangenen Jahrzehnten wurden empirische Untersuchungen über die Anwendung von Investitionsrechnungen, vor allem in US-amerikanischen industriellen Großunternehmen durchgeführt. Auch für die Bundesrepublik Deutschland gibt es einige empirische Untersuchungen (vgl. z.B. Krist, Wittmann, Wehrle- Streif, Heidtmann/Däumler). Außerdem ist auf die Arbeiten von Brounen et al., Pike für Großbritannien und Staehelin für die Schweiz zu verweisen3. Trotz der Unterschiedlichkeit der Untersuchungen hinsichtlich des Untersuchungssamples [vor allem: industrielle – nichtindustrielle Unternehmen; Großunternehmen – mittelgroße und kleine Unternehmen; Sample – Größe], der Untersuchungsmethode (schriftliche Befragung per Mail, Fax oder über das Internet oder mündliche Befragung; Aufbau des Fragebogens) und der Darstellung der Untersuchungsergebnisse (absolute oder relative Häufigkeiten für unterschied liche Problemkomplexe mit unterschiedlich definierten Merkmalen der Investi tionsrechnung) lassen sich daraus doch wenigstens einige empirisch abgesicherte Hypothesen über Entwicklungsstand und Trends ableiten. 3 Vgl. insbesondere die folgenden Quellen: Brounen, D./de Jong. A/Koedijk, K.: Corporate Finance in Europe – Confronting Theory with Practive, in: Financial Management 33 (2004) Christy, G.A.: Capital Budgeting: Current Practices and their Efficiency, University of Oregon, Eugene/Or. 1966. Graham, J.R./Harvey, C.R.: The Theory and Practice of Corporate Finance: Evidence from the Field, in: Journal of Financial Economics 61 (2001), S.187ff. Heidtmann, D./Däumler K.D.: Anwendung von Investitionsrechnungsverfahren bei mittelständischen Unternehmen – eine empirische Untersuchung, in: BBK-Buchführung, Bilanz, Kostenrechnung, Beilage 2/1997. Krist, H.: Der Investitionsentscheidungsprozess in Industriebetrieben, Diskussionspapier IIM/IP 83–36, Wissenschaftszentrum Berlin 1983. Küpper, H.-U./Winckler, B./Zhang, S.: Planungsverfahren und Planungsinformationen als Instrumente des Controlling, in: DBW 50 (1990) 4, S.435 ff. Moore, J.S./Reichert, A.K.: An Analysis of the Financial Management Techniques Currently Employed by Large U.S. Corporations, in: Journal of Business Finance and Accounting (1983), S.623ff. Petry, G.H.: Effective Use of Capital Budgeting Tools, in: Business Horizons 18 (1975) 5, S.57ff. Pike, R.H.; A Review of Recent Trends in Formal Capital Budgeting Processes, in: Accounting and Business Research (1983), S.201ff. Schall, L.D./Sundem, G.L./Geijsbeek, W.R.: Survey and Analysis of Capital Budgeting Methods, in: Journal of Finance 33 (1978), S.281ff. Schneider, A.: Darstellung und Erklärungsansätze des Investitionsverhaltens industrieller Unternehmen, Diss., Erlangen-Nürnberg 1976. Staehelin, E.: Investitionsrechnung, 8. Aufl., Chur/Zürich 1993. Wehrle-Streif, U.: Empirische Untersuchungen zur Investitionsrechnung, Köln 1989. Wittmann, F.: Der Einfluss der Steuern auf die Investitionsentscheidungen der Unternehmen, Frankfurt/New York 1986. 1 Überblick 39 004-Kapitel_3 14.05.12 09:52 Seite 39 Die industriellen Großunternehmen verwenden heute nahezu vollzählig statische und/oder dynamische Verfahren der Investitionsrechnung zur Beurteilung von Investitionsprojekten. Die noch von Christy (1964) festgestellten 12% der Unternehmen ohne solche Verfahren haben sich inzwischen auf Werte um oder unter 5% reduziert. Von den neueren US-amerikanischen und deutschen Untersuchungen weisen lediglich die von Krist, Wittmann und Heidtmann/Däumler einen deutlich höheren Prozentsatz von Unternehmen ohne Investitionsrechnung aus (22%/12%/18,18%). Dies ist bei diesen Untersuchungen darauf zurückzuführen, dass überwiegend kleine und mittelgroße Unternehmen in die Erhebung einbezogen wurden. Die betriebsgrößenmäßige Differenzierung der Erhebungsergebnisse von Krist und Heidtmann/Däumler bestätigen diese Schlussfolgerung: Betriebe ohne Investitionsrechnung sind in der Untersuchung fast ausschließlich Betriebe mit weniger als 100 Beschäftigten. Von 52 Betrieben mit 100 und mehr Mitarbeitern verfügen lediglich zwei über keine Investitionsrechnung. In der Untersuchung von Heidtmann/Däumler wenden 88,24% der Betriebe mit weniger als 500 Beschäftigten und nur 11,76% der Betriebe mit 55 bis ca. 2000 Beschäftigten keine Investitionsrechnung an. Zudem zeigen Heidtmann/Däumler auf, dass die Betriebe ohne Investitionsrechnung mit steigendem Umsatz abnehmen. Die dynamischen Verfahren der Investitionsrechnung (Kapitalwertmethode, Interne-Zinssatz-Methode) wurden in den letzten Jahrzehnten verstärkt eingeführt. Nach den US-Untersuchungen von Petry und Schall u. a. (1975 oder später) nennen ca. 2⁄3 der Unternehmen die Interne-Zinssatz-Methode und ca. 50% die Kapitalwertmethode als angewendetes Verfahren. Im Untersuchungssample (298) von Moore/Reichert (1983) lag der Prozentsatz der Unternehmen mit einem dynamischen Verfahren bei 86. Interne-Zinssatz-Methode und Kapitalwertmethode werden etwa gleichhäufig angewendet (66%/68%). Die von Graham/Harvey (2001) fast zwei Jahrzehnte später durchgeführte Studie mit 392 Unternehmen bestätigt eine weiterhin etwa gleichhäufige Anwendung der Internen-Zinssatz-Methode und Kapitalwertmethode (75,7%/74,9%). Tendenziell ist in den vergangenen Jahrzehnten auch in der Bundesrepublik Deutschland eine verstärkte Einführung dynamischer Verfahren erfolgt. Die Untersuchungen von Wehrle-Streif (1989) und Heidtmann/Däumler (1997) bestätigen diese Einschätzung: danach wenden in der Untersuchung von Wehrle-Streif je ca. 60% der befragten Unternehmen die Kapitalwertmethode bzw. die Interne- Zinssatz-Methode an, in der Untersuchung von Heidtmann/Däumler gaben ca. 70% der Unternehmen, die Investitionsrechnung anwenden, dynamische Verfahren an. Gleichwohl herrschen aber besonders bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen statische Verfahren noch vor (vgl. dazu auch die Untersuchungsergebnisse von Krist, Wittmann und Küpper u. a.). Vorbehalte gegenüber den dynamischen Verfahren wegen ihrer angeblichen „Kompliziertheit“ und „Aufwändigkeit“ ebenso wie ein Mangel an genügend qualifiziertem Personal für die Durchführung und Auswertung dynamischer Investitionsrechnungen dürften die maßgebenden Ursachen dafür sein. 40 3. Kapitel: Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren Erwartungen 004-Kapitel_3 14.05.12 09:52 Seite 40 Beim Vergleich der Nennungen für die Interne-Zinssatz-Methode und für die Kapitalwertmethode fällt auf, dass vermutlich zumindest in den USA die Kapitalwertmethode in den vergangenen Jahrzehnten relativ an Bedeutung gewonnen hat. Diesen Schluss legen die folgenden Zahlen nahe: Interne-Zins- Kapitalwertsatz-Methode methode Petry 1975 61,6% : 33,1% Schall u. a. 1978 65,0% : 56,0% Moore/Reichert 1983 66,4% : 68,1% Graham/Harvey 2001 75,7% : 74,9% Die etwa zeitgleichen europäischen Untersuchungen, von denen in der folgenden Tabelle repräsentativ für den Nachweis des zeitlichen Entwicklungsverlaufs einige aufgeführt sind, zeigen auch in Europa eine zunehmende Annäherung der Präferenzen für beide Verfahren: Interne-Zins- Kapitalwertsatz-Methode methode A. Schneider 1976: Deutschland 27,0% : 6,0% Pike 1983: Großbritannien 54,0% : 38,0% Wehrle-Streif 1988: Deutschland, Österreich, Schweiz 59,6% : 56,2% Heidtmann/Däumler 1997: Deutschland 44,44% : 35,95% Brounen et al. 2004: Großbritannien/Deutschland 53,1%/42,2% : 47%/47,6% Dass, wie Küpper u. a. feststellen, „… die Praxis den Einwendungen nicht [folgt], die in der Literatur gegen die Interne-Zinsfuß-Methode vorgetragen werden“ 4, wird durch andere Untersuchungen und durch die Analyse der Änderung der Anwendungshäufigkeiten im Zeitablauf nicht bestätigt. Die verstärkte Anwendung dynamischer Verfahren hat offenbar nicht in größerem Maße zur Ablösung früher angewendeter statischer Verfahren geführt, sondern dazu, dass vermehrt mehrere Verfahren eingesetzt werden. Die jüngst von Graham/Harvey (2001) in den USA und Brounen et al. (2004) in Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass insbesondere die statische Amortisationsrechnung mit relativen Anwendungshäufigkeiten von jeweils ca. 57%, 69%, 65%, 50% und 51% auf den Rängen eins bis vier im Vergleich mit den dynamischen Verfahren positioniert ist. In der deutschen Untersuchung von Heidtmann/Däumler (1997) ist die Rentabilitätsrechnung mit ca. 47% gefolgt von der Internen-Zinssatz-Methode mit ca. 44% die am häufigsten angewandte Methode bei den Unternehmen, die Investitionsrechnungen durchführen. Schall et al. (1978), Wehrle-Streif (1989) und Heidtmann/Däumler (1997) stellten bei jeweils 86%, 88% und 66% der Unternehmen ihrer Untersuchungssamples die Verwendung mehr als eines Verfahrens und damit 4 Küpper, H.-U. u. a., a. a.O., S.448. 1 Überblick 41 004-Kapitel_3 14.05.12 09:52 Seite 41 die Tendenz zur Methodenvielfalt fest. Auf einen Trend zu größerer Verfahrensvielfalt lässt auch ein Vergleich der Untersuchungsergebnisse von Christy (1964), Schall u. a. (1978) und Wehrle-Streif (1989) schließen: die von Christy untersuchten Unternehmen wendeten nur zu 26% mehr als ein Verfahren der Investi tionsrechnung an, während Schall u. a. bei 86%, Wehrle-Streif bei 88% der Unternehmen ihrer Untersuchungssamples die Verwendung mehr als eines Verfahrens feststellten. Die Tendenz zur Methodenvielfalt hat ihre Ursachen – in der Bedeutung der Amortisationszeit als Kriterium für die Risikoabschätzung einer Investition, die zusätzlich zur Rendite-Abschätzung erfolgen muss; – in persönlichen Präferenzen von Entscheidungsträgern, die auch bei Einführung neuer Verfahren nicht auf die bisher verfügbaren Informationen verzichten wollen; – in der Computerisierung der Investitionsrechnung, – im Einsatz unterschiedlicher Verfahren der Investitionsrechnung für unterschiedliche Investitionskategorien oder unterschiedliche Investitions-Entscheidungsprobleme. Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse von Investitionsrechnungen für unterschiedliche Projekte zu gewährleisten, erscheint es allerdings nicht zweckmäßig, für unterschiedliche Investitionskategorien unterschiedliche Verfahren der Investitionsrechnung einzusetzen. Darüber hinaus sollte nach Möglichkeit auch auf die Berechnung mehrerer substitutiver Erfolgskriterien je Projekt verzichtet und der Erfolgsbeurteilung ein einziger, einheitlich verwendeter Beurteilungsmaßstab (z.B. Kapitalwert) zugrunde gelegt werden. Über den Vorteil der besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse von Investitionsrechnungen hinaus wird es damit für nicht fachkundiges Personal einfacher, sich Grundkenntnisse der Investitionsrechnung anzueignen und Rechnungen sachgerecht durchzuführen und zu interpretieren. Das Ergebnis einer Investitionsentscheidung wird durch eine Reihe von Faktoren bestimmt, so durch die Investitionszwecke, durch persönliche Merkmale der Entscheidungsträger und durch die verfügbaren Informationen über die Projektwirkungen. Zu den letzteren gehört auch das Ergebnis von Investitionsrechnungen. 42 3. Kapitel: Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren Erwartungen 004-Kapitel_3 14.05.12 09:52 Seite 42 Prinzipiell kann das Ergebnis von Investitionsrechnungen für die Entscheidung – dominierend sein, – neben anderen Kriterien bedeutsam sein, – lediglich der Abstützung einer vorgefassten Meinung bei Individualentscheidungen oder der Durchsetzung einer vorgefassten Meinung bei multipersonalen Entscheidungen dienen, – keine Bedeutung besitzen. Die wenigen speziellen Untersuchungen zu diesem Problem (bspw. Krist 1983) lassen den Schluss zu, dass das Ergebnis von Investitionsrechnungen für Investitionsentscheidungen überwiegend mindestens ein bedeutsames Kriterium ist. Bei den von Krist befragten Betrieben, die eine Investitionsrechnung durchführen, schätzten 92% deren Ergebnis als „dominant“, „sehr bedeutend“ und „u. a. bedeutend“ ein. 2 Einzelwirtschaftliche Investitionsrechnungen 2.1 Dynamische Verfahren 2.1.1 Allgemeines 2.1.1.1 Methodenübersicht Von den dynamischen Verfahren der Investitionsrechnung sind vor allem die Kapitalwertmethode, die Interne-Zinssatz-Methode und die Annuitätenmethode in Theorie und Praxis seit langem bekannt. Andere Verfahren wurden erst in jüngerer Zeit entwickelt oder wieder „entdeckt“. Die große Zahl verfügbarer Verfahren lässt es einerseits nicht gerechtfertigt erscheinen, sich auf die Behandlung der Kapitalwertmethode, der Interne-Zinssatz-Methode und der Annuitätenmethode zu beschränken, und sie macht andererseits eine Klassifizierung notwendig, welche die Übersicht über die einzelnen Verfahren erleichtert und deren spezifische Eigenschaften deutlich macht. Eine derartige Klassifizierung enthält die folgende Abbildung5. Die Gliederung des Abschnittes 2.1 folgt diesem Klassifizierungsschema. (1) Vermögenswertmethoden: Verfahren zur Ermittlung des Vermögenszuwachses während der Planperiode bei gegebenen Zinssätzen. (1.1) Kapitalwertmethode (= Vermögensbarwertmethode): Bezug der Zahlungen und damit des Vermögenswertes auf den Beginn der Planperiode. Einheitlicher Kalkulationszinssatz für Finanzmittelaufnahme und -anlage. 5 Vgl. auch Kruschwitz, L.: Finanzmathematische Endwert- und Zinsfußmodelle, in: ZfB 46 (1976), S.245f.; Lüder, K., Entwicklung und Stand der Investitionsplanung, a. a.O., S.2. 2 Einzelwirtschaftliche Investitionsrechnungen 43 004-Kapitel_3 14.05.12 09:52 Seite 43

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Investitionen sicher beurteilen.

Dieses Lehrbuch führt in die Grundlagen der Investitionsrechnung ein. An die Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs im Unternehmen schließt sich die Vorstellung der gängigen Verfahren zur Beurteilung von Investitionen an. Hierbei wird auch der Einfluss von Steuern und der Inflation bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt. Zahlreiche Abbildungen und Beispielrechnungen sorgen für ein zusätzliches Verständnis der Darstellungen.

Aus dem Inhalt:

- Schwachstellen im Investitionsbereich

- Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren und unsicheren Erwartungen

- Bestimmung von Investitionsprogrammen bei sicheren und unsicheren Erwartungen

Über die Autoren:

Begründet von Prof. Dr.-Ing. Hans Blohm (ehemals Technische Universität Berlin) und Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Lüder, Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, ab der 9. Auflage fortgeführt mit Prof. Dr. Christina Schaefer, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.