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5 Überwachung im Investitionsbereich in:

Hans Blohm, Klaus Lüder, Christina Schaefer

Investition, page 35 - 37

Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs und Investitionsrechnung

10. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3937-3, ISBN online: 978-3-8006-3938-0, https://doi.org/10.15358/9783800639380_35

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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die sowohl technischen als auch wirtschaftlichen Gesichtspunkten gerecht wird. Das Konzept einer strategischen Planung, die in langfristiger Projektion auf die „Schaffung und Erhaltung hoher und sicherer Erfolgspotenziale“ gerichtet ist, kann als Rahmen einer Unternehmensplanung der Koordination aller Planungsbereiche förderlich sein. 5 Überwachung im Investitionsbereich 5.1 Die Überwachungsaufgabe Die Investitionen sind normalerweise Teil des Revisionsgegenstandes „Anlagenwirtschaft (Sachanlagen)“ der Innenrevision. Dieser umfasst etwa im Primärbereich die Revision • der Antrags- und Bewilligungsverfahren • der Investitionsplanung • der Planung von Instandhaltungen • der Anlagenbeschaffung • der Anlagenverwaltung • der Anlagenabrechnung. Außerdem gehört die Revision der Unternehmensorganisation dazu, hier also die organisatorische Gestaltung des Investitionsbereiches und die grundsätzliche Beurteilung aller angewendeten Methoden. Die bereits im Abschnitt 3.1 näher ausgeführten Zwecke der Ermittlung von Soll- Ist-Abweichungen (Verbesserung zukünftiger Entscheidungen, Verminderung von Manipulationen, Korrektur unerwünschter Entwicklungen) decken sich weitgehend mit der allgemeinen Zielsetzung der Innenrevision. Die Innenrevision ist ihrem Wesen nach nicht als ein Kontrollorgan, das laufende Überwachungshandlungen vornimmt, konzipiert; wegen ihrer unabhängigen Stellung und der sich auch daraus ergebenden objektiven Arbeitsweise werden ihr aber in besonderen Fällen auch Kontrollaufgaben als Bestandteile von Arbeitsabläufen im Investitionsprozess übertragen, wie die formelle und materielle Kontrolle von Entscheidungsunterlagen, bevor diese dem Entscheidungsgremium vorgelegt werden. Fragen formeller Art sind z. B.: Wurden die gesetzlichen und betrieblichen Bestimmungen beachtet? Wurde richtig gerechnet? Fragen materieller Art betreffen die Bewertung der Kostengüter, die Schätzung künftiger Leistungen, Umsätze usw. Normalerweise prüft die Innenrevision abgeschlossene Vorgänge formell und materiell. Die Prüfung von Investitionen kann objektweise oder global durchgeführt werden. Bei einer objektweisen Prüfung wird das Ergebnis einzelner Investitionsobjekte (auch einzelner Investitionsprogramme) ermittelt und kritisch beurteilt. Bei der globalen Prüfung erfolgt die Beurteilung nicht direkt, sondern in der Weise, dass die Ergebnisse abrechnungstechnisch selbständiger Bereiche (Kostenstellen, Cost-Center, Profit-Center, Investment-Center) ermittelt und die Investitionen 5 Überwachung im Investitionsbereich 23 003-Kapitel_2 14.05.12 09:41 Seite 23 dieser Bereiche indirekt beurteilt werden. Globalprüfungen sind mehr eine Ergänzung als eine Alternative zu objektweise durchgeführten Prüfungen. 5.2 Das Instrumentarium der Investitionsüberwachung 9 In der Praxis ist das Instrumentarium der Investitionsüberwachung weniger entwickelt als das der Investitionsplanung, -entscheidung und -vorrechnung. Je nach den betrieblichen Bedingungen sind die folgenden Fragen von Fall zu Fall zu klären: (1) Welche Investitionsobjekte sollen geprüft werden? (Z.B.: Methodische Auswahl der Großobjekte, Zufallsauswahl der Kleinob jekte) (2) Wann und wie oft sollen die Prüfungen stattfinden? (Zu früh bedeutet Verzicht auf Istwerte, zu spät Verzicht auf Korrekturmöglichkeiten) (3) Wie werden die Daten objektweise abgegrenzt, so weit das Rechnungswesen die Daten nicht in dieser Abgrenzung bereitstellen kann? (4) Wie kann eine systematische Auswertung der Prüfungsergebnisse und die Ableitung geeigneter Maßnahmen sichergestellt werden? Zur Prüfung des Investitionsbereiches in organisatorischer Beziehung kann sich die Innenrevision des bewährten und in der Fachliteratur eingehend beschriebenen Instrumentariums der Organisationsprüfung bedienen10. Investitionsnachrechnungen weisen gegenüber den Vorrechnungen einige wesentliche Unterschiede auf: (1) Die Eingangswerte der Rechnung sind ganz oder teilweise Istwerte, während die Vorrechnung auf Planwerten aufbaut, die sich im Regelfall auf Prognosen und Vorgaben stützen. (2) Die Nachrechnung kann sämtliche Daten der Vorrechnung im Sinne einer Vollrechnung erfassen, sie kann sich aber auch auf einen Teil der Daten beschränken (Teilrechnung). (3) Die Nachrechnung umfasst normalerweise eine Abweichungsrechnung, welche die Abweichungen von den Plandaten ausweist und analysiert. Die Investitionsnachrechnung sollte nicht nur den zum Prüfungszeitpunkt abgelaufenen Teil der Lebensdauer, für den Istwerte an die Stelle der Planwerte treten können, erfassen, sondern auch die Restlebensdauer. Dies ermöglicht es, mög- 24 2. Kapitel: Schwachstellen im Investitionsbereich 9 Vgl. hierzu z.B.: Lüder, K.: Investitionskontrolle, a. a. O., insbes. S.59ff.; Lüder, K.: Investitionsplanung und Kontrolle in: Gehrke, W./Steiner, M., Handwörterbuch des Bankund Finanzwesens, 3.Aufl., Stuttgart 2001, Sp.1108ff.; Lüder, K.: lnvestitionskontrolle in industriellen Großunternehmen, a. a. O., insbes. S.367ff. 10 Vgl. hierzu: Blohm, H.: Organisation, Information und Überwachung, a. a. O., S.211ff.; dort auch ausführliches Literaturverzeichnis. 003-Kapitel_2 14.05.12 09:41 Seite 24 lichst frühzeitig Informationen über notwendige Korrekturmaßnahmen zu gewinnen. Allerdings ist die Erarbeitung neuer Planwerte keine Aufgabe, für die die Innenrevision besonders geeignet ist. Eine Teilrechnung kann insbesondere dann an die Stelle der Vollrechnung treten, wenn das Investitionsobjekt „kritische Variable“ aufweist, die das wirtschaftliche Ergebnis vorrangig bestimmen und zum Gegenstand der Prüfung bestimmt werden. Die kritischen Variablen können z. B. mit Hilfe der Sensitivitätsanalyse ermittelt werden11. Für die Abweichungsrechnung gilt: Je detaillierter sie ist, desto einfacher ist die Abweichungsanalyse, das führt u. a. zu der folgenden Überlegung: Revidiert man im Vollzuge der Prüfung die Planwerte für die Restlebensdauer, so ist es zweckmäßig, die Gesamtergebnisabweichung und die Einzelabweichungen (Abweichungen der Einzeldaten) in die Plan-Ist-Abweichung (eingetretene Abweichung) und die Plan-Plan-Abweichung (erwartete Abweichung) aufzuspalten. Zu beachten ist bei der Abweichungsanalyse das Problem der Abweichungsinterdependenzen. 6 Fehlende Alternativen 6.1 Art der Schwachstelle Joel Dean12 nennt bei Aufzählung von „ten fallacies“ auf dem Investitionsgebiet an erster Stelle „No Alternatives“ (keine Alternativen), an zweiter Stelle „Must Investment“ (Muss-Investition). Er betont die enge Verwandtschaft der beiden Schwachstellen, ein Sachverhalt, der uns veranlasst hat, sie zusammenzufassen. Auch die vierte Schwachstelle Joel Deans „Routine Replacement“ (Routine-Anlagenersatz) gehört in diese Kategorie. In allen Fällen sind die Entscheidungsalternativen von vornherein dadurch eingeengt, dass man einige Investitionsmöglichkeiten unbeachtet lässt; sei es, weil man sie nicht erkennt, sei es, weil man sie für abwegig hält. So mag, insbesondere bei Ersatzinvestitionen, eine Entscheidung im eigentlichen Sinne überhaupt entfallen, da praktisch eine selbstbereitete Zwangssituation gegeben ist. Geht man davon aus, dass in allen Fällen, in denen eine Rechnung als Entscheidungsgrundlage möglich wäre, auch nur die Rechnung die beste Alternative aufzeigen kann, so können sich aus der Einengung der durchgerechneten Möglichkeiten Fehlentscheidungen ergeben. Auch wirkt es sich nicht günstig auf die Grundhaltung der mit Investitionsfragen befassten Mitarbeiter aus, wenn das Prinzip, die Entscheidungen auf Rechnungen aufzubauen, durchbrochen wird. 11 Vgl. Lüder, K.: Investitionskontrolle, a. a. O., S.89ff. 12 Vgl. Dean, J., Measuring the Productivity of Capital, HBR 1/1954, S.125ff. 6 Fehlende Alternativen 25 003-Kapitel_2 14.05.12 09:41 Seite 25

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References

Zusammenfassung

Investitionen sicher beurteilen.

Dieses Lehrbuch führt in die Grundlagen der Investitionsrechnung ein. An die Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs im Unternehmen schließt sich die Vorstellung der gängigen Verfahren zur Beurteilung von Investitionen an. Hierbei wird auch der Einfluss von Steuern und der Inflation bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt. Zahlreiche Abbildungen und Beispielrechnungen sorgen für ein zusätzliches Verständnis der Darstellungen.

Aus dem Inhalt:

- Schwachstellen im Investitionsbereich

- Beurteilung einzelner Investitionsprojekte bei sicheren und unsicheren Erwartungen

- Bestimmung von Investitionsprogrammen bei sicheren und unsicheren Erwartungen

Über die Autoren:

Begründet von Prof. Dr.-Ing. Hans Blohm (ehemals Technische Universität Berlin) und Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Lüder, Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, ab der 9. Auflage fortgeführt mit Prof. Dr. Christina Schaefer, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.