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5 DVFA-Rating-Standards in:

Werner Gleißner, Karsten Füser

Praxishandbuch Rating und Finanzierung, page 459 - 474

Strategien für den Mittelstand

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-3876-5, ISBN online: 978-3-8006-3877-2, https://doi.org/10.15358/9783800638772_459

Series: Finance Competence

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7. Anhänge446 Wie beurteilen Sie das technologische Know-how in Ihrem Unternehmen? q Sehr hoch. q Hoch. q Durchschnittlich. q Gering. q Sehr gering. 5. DVFA-Rating-Standards Die DVFA-Kommission für Rating-Standards hat mit den DVFA-Rating Standards einen ersten Fragenkatalog entwickelt, der es Nutzern, Banken und Aufsichtsbehörden erlauben soll, interne Rating-Verfahren für das Unternehmensrating zu evaluieren, der nachfolgend vollständig wiedergegeben ist (vgl. DVFA – Rating Standards von 2006):448 1) Allgemeine Angaben zum Rating a) Angaben zur Beschreibung des Ratingansatzes i) Zum Ratingzweck des beurteilenden Unternehmens Welchen Zweck verfolgt das Ratingunternehmen? Ist das Rating den primären Geschäftsaktivitäten des Unternehmens zuzurechnen oder nicht? Es können internes und externes Rating unterschieden werden: (a) Externes Rating: Im Regelfall ist das Rating gleichsam der primäre Zweck des Ratingunternehmens. Das Unternehmen wendet sich mit dem Rating als Produktangebot an externe Marktteilnehmer. (b) Internes Rating: Das Rating dient unternehmensinternen Zwecken und ist nicht primärer Unternehmenszweck. Das Rating wird nicht externen Marktteilnehmern angeboten, sondern dient dazu die Transparenz der eigenen Ratingbeurteilung zu erhöhen. ii) Zum Zweck des Ratings Zu welchem Zweck wurde das Rating erstellt? Es können folgende Ratingzwecke unterschieden werden: (a) Rating zur verbesserten Refi nanzierung börsennotierter und privater Unternehmen über den Kapitalmarkt, (b) Rating als Basis bei der Gestaltung privatrechtlicher Vertragsbeziehungen, (c) Rating als Zulassungsvoraussetzung bei öffentlichen oder privaten Ausschreibungen, (d) Rating zur Informationsbeschaffung vor dem Aufbau individueller Geschäftsbeziehungen oder (e) Rating zur kritischen Beurteilung des eigenen Unternehmens. iii) Zum Ablauf des Ratingprozesses Welche festgelegten Stufen durchläuft der Ratingprozess? Der Ratingprozess ist in die folgenden Stufen untergliedert: (a) Keine oder wenige Stufen (Datenerhebung, Datenauswertung) oder (b) Ausführlicher Stufenplan (Vorbesprechung, Vertragsabschluss, Datenerhebung, Datenauswertung, Erteilung des Ratings, Veröffentlichung des Ratings). 448 Download unter: http://www.dvfa.de/fi les/die_dvfa/kommissionen/rating/application/ pdf/rating_standards_2006.pdf (Stand: 29.01.13). 5. DVFA-Rating-Standards 447 iv) Zur Informationsbasis des Ratingsystems Welche Arten von Informationen nutzt das Ratingsystem grundsätzlich? Es können die folgenden quantitativen und qualitativen Informationen unterschieden werden: (a) Daten des externen Rechnungswesens eines beurteilten Unternehmens auf Basis von Bilanz- und GuV-Daten, (b) Ergänzende Daten des externen Rechnungswesens des beurteilten Unternehmens (Anhang, Lagebericht, freiwillige Berichte), (c) Vergleichsdaten anderer Betriebe, Branchendaten, Konkurrenzdaten, Daten über Branchenentwicklungen und Branchenrisiken, volkswirtschaftliche Rahmendaten, (d) qualitative Daten über Merkmale des beurteilten Unternehmens hinsichtlich der primären und sekundären Wertschöpfungsprozesse, der Managementqualität und Unternehmenskultur oder (e) Ergebnisse externer nicht unternehmensbezogener Ratings (z. B. Länder-, Branchenratings, …). (1) Informationsquellen Aus welchen Quellen stammen die Informationen, welche die Grundlage des Ratingsystems darstellen? Mögliche Informationsquellen sind das interne und externe Rechnungswesen, Unternehmensmitarbeiter, Lieferanten, Kunden und andere Geschäftspartner des zu beurteilenden Unternehmens, sowie unternehmensexterne Informationsanbieter (externe Ratingagenturen, Analysten, Wirtschaftsauskunfteien). (2) Zeitaspekt der Daten Welchen zeitlichen Horizont haben die einfl ießenden Daten? Bei den berücksichtigten Daten handelt es sich um: (i) Daten des letzten Jahres, (ii) Daten aus vorhergehenden Jahren, (iii) historische Zeitreihen oder (iv) Plandaten der nahen Zukunft basierend auf Prognosen des beurteilten Unternehmens und des Ratingunternehmens. (3) Erhebungsart der Daten Auf welche Weise wurden die Daten erhoben? In welchem Maße sind Ratingunternehmen und beurteiltes Unternehmen am Ratingprozess beteiligt? Die Erhebung der Daten kann als: (i) Primärerhebung beim beurteilten Unternehmen durch eigene Analysten des Ratingunternehmens, (ii) Sekundärerhebung durch Auswertung der Daten, die vom beurteilten Unternehmen übergeben wurden oder (iii) gemischt, sowohl Primär- als auch Sekundärerhebung, erfolgen. Hinsichtlich der Beteiligung am Ratingprozess können folgende Fälle unterschieden werden: (iv) Das beurteilte Unternehmen ist am Ratingprozess nicht beteiligt oder (v) das beurteilte Unternehmen übernimmt aktiv Teile der Informationsgewinnung. Wie werden diese Informationen von dem Ratingunternehmen überprüft? 7. Anhänge448 Die Prüfung der Informationen kann durch: (vi) Plausibilisierung mit internen Vergleichsdaten (z. B. Daten des Rechnungswesens, Mitarbeiterbefragung) oder (vii) Plausibilisierung mit externen Vergleichsdaten (z. B. Analysteninformationen) erfolgen. v) Zur Ratingmethode Mit welcher/-n Methode/-n werden die Informationen über das beurteilte Unternehmen zu einem Ratingergebnis zusammengefasst? Wie werden die Merkmale ausgewählt (Vorgabe der Merkmale), gebildet (Defi nition der Merkmale) und verdichtet (Zusammenfassung und Gewichtung der Merkmale)? Grundsätzlich können folgende Ratingmethoden unterschieden werden: (a) Merkmalsauswahl, Merkmalsbildung, Merkmalsverdichtung erfolgen durch ein mathematisch-statistisches Modell, (b) Merkmalsauswahl erfolgt durch Experten, Merkmalsbildung und Merkmalsverdichtung erfolgen durch ein mathematisch-statistisches Modell, (c) Merkmalsauswahl und Merkmalsbildung erfolgen durch Experten, Merkmalsverdichtung erfolgt durch ein mathematisch-statistisches Modell oder (d) Merkmalsauswahl, Merkmalsbildung und Merkmalsverdichtung erfolgen durch Experten. vi) Zur Qualitätssicherung im Ratingunternehmen Welchen aufbau- und ablauforganisatorischen Prinzipien folgt das Ratingsystem? Wird das Vier-Augen-Prinzip beachtet? Erfolgt eine Trennung von Erhebung und Auswertung? Werden externe Vergleiche des Ratingsystems durchgeführt? Welche weiteren Verfahren zur Qualitätssicherung werden verwendet? Es können folgende Maßnahmen der Qualitätssicherung unterschieden werden: (a) Alle Phasen des Ratingprozesses von der Datenerhebung bis zur Kommunikation des Ratings werden durch ein Internes Kontrollsystem (IKS) begleitet Insbesondere werden der Grundsatz der Funktionentrennung und das Vier-Augen-Prinzip beachtet, (b) eine ergebnisorientierte Rückkopplung von den Ratingergebnissen zur Datenerhebung ist nicht möglich (keine Anpassung des Ratingergebnisses bei Nicht-Gefallen), (c) die Ratingergebnisse werden soweit möglich durch externe Vergleiche mit den Ratingergebnissen anderer Ratingsysteme überprüft oder (d) es gibt eine Plausibilitätsprüfung. vii) Zum Ratingergebnis (1) Ratingskala Wird eine Skala zur Abbildung des Ratingergebnisses verwendet? Lässt sich die verwendete Skala auf eine Masterskala umrechnen? Welche Ausfallraten sind mit den einzelnen Ratingklassen der verwendeten Skala in der Vergangenheit verbunden gewesen? Die Abbildung des Ratingergebnisses erfolgt durch: (i) Verwendung einer international anerkannten Skala zur Abbildung des Ratingergebnisses, die eine Überleitung auf eine Masterskala zulässt, 5. DVFA-Rating-Standards 449 (ii) Verwendung einer individuellen Skala zur Abbildung des Ratingergebnisses, die Überleitung auf eine Masterskala wird vorgenommen und angegeben oder (iii) Verwendung einer individuellen Skala zur Abbildung des Ratingergebnisses ohne Möglichkeit der Überleitung auf eine Masterskala. (a) Für jedes Ratingurteil auf Basis einer Ratingskala sollten: (i) die Bezeichung der Ratingklasse und zugehörige Ausfallrate in % sowie (ii) die zugrunde gelegte Datenbasis und ihr Erhebungszeitraum angeben werden. (2) Veröffentlichung Wie wird das Ratingergebnis veröffentlicht? Die Veröffentlichung eines Ratings muss dem Ratingzweck angemessen sein. Ratingunternehmen sollen einen Report nach den “Grundsätzen ordnungsmäßiger Reporterstellung” veröffentlichen. Diese Berichte sollten den Vergleich der Track-Records von verschiedenen Ratingunternehmen ermöglichen. Ratingunternehmen sollten angeben, ob: (i) Ratingergebnisse grundsätzlich veröffentlicht werden, (ii) eine Veröffentlichung nur dann erfolgt, wenn das beurteilte Unternehmen dies wünscht bzw. erlaubt, (iii) das Ratingergebnis ausschließlich für interne Zwecke des beurteilten Unternehmens verwendet und nicht veröffentlicht wird. b) Angaben zur Beschreibung der Geschäftsbeziehung zwischen Ratingunternehmen und beurteiltem Unternehmen i) Zur Unabhängigkeit des Ratingunternehmens vom beurteilten Unternehmen Ist das Ratingunternehmen vom beurteilten Unternehmen unabhängig? Ratings sollten unabhängig von geschäftspolitischen Interessen sein. Unabhängigkeit des Ratingunternehmens bedeutet, dass ein Ratingersteller nicht gleichzeitig in einer Beratungsfunktion für das beurteilte Unternehmen tätig ist. Das Ratingunternehmen darf in seinen Ratingergebnissen nicht durch politischen oder wirtschaftlichen Druck beeinfl usst werden. Der Prozess der Ratingerstellung sollte nicht durch Interessenkonfl ikte belastet sein, die aus der Zusammensetzung der Geschäftsführung und/oder der Gesellschafter des Ratingunternehmens heraus entstehen. Grundsätzlich sollten Ratingunternehmen keine Empfehlungen zu Kauf- oder Verkaufsentscheidungen, Marktpreisen oder zur Eignung eines Objektes für einen bestimmten Investor abgeben. ii) Zur Bindung des Ratingunternehmens an ethische Standards Inwiefern wird auf die Bindung an ethische Standards verwiesen? Sowohl Institutionen wie Ratingunternehmen als auch natürliche Personen wie Ratingexperten, Credit-Analysten und andere Ratingsachverständige unterliegen ethischen Standards. Ihre Tätigkeit muss im Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften, insbesondere den einschlägigen Vorgaben des europäischen und des deutschen Kapitalmarktrechts, mit den Ethikgrundsätzen der deutschen akademischen Berufe sowie mit international einschlägigen berufsständischen Regelungen stehen. 7. Anhänge450 Die Befolgung ethischer Standards sollte auf der Grundlage des folgenden, nicht abschließenden Katalogs von Grundprinzipien berufsethischen Wohlverhaltens auf institutioneller und persönlicher Ebene dokumentiert werden: (a) Nachweis der fachlichen und berufsethischen Kompetenz, (b) Ausübung der Tätigkeit unter Beachtung des jeweils neuesten Standes der Erkenntnisse aus Praxis und Wissenschaft; regelmäßige Aktualisierung des Wissens- und Kenntnisstandes, (c) Einrichtung von Organisationsstrukturen zur Vermeidung von Interessenkonfl ikten; Verpfl ichtung zur Einhaltung von Compliance-Vorschriften, (d) Offenlegung potenzieller Interessenskollisionen, insbesondere über wirtschaftliche Verfl echtungen mit dem beurteilten Unternehmen sowie anderer Konfl iktpotenziale, die eine sachgerechte und faire Evaluierung gefährden könnten, (e) Beachtung der Unvereinbarkeit von Beurteilungs- und Beratungstätigkeit, insbesondere Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen, (f) Ausübung der Tätigkeit unter Beachtung von Eigenverantwortlichkeit, Unabhängigkeit, Neutralität und Unparteilichkeit der Ratingexperten als Basis von qualifi zierten Evaluierungsurteilen, (g) Abgabe von Ratingurteilen nur nach fachgerechter, sorgfältiger, gewissenhafter und professioneller Anwendung von Ratingmethoden; (h) Offenlegung der zur Beurteilung des Ratings relevanten Informationen unter Beachtung der Rating Standards, (i) Regelmäßige Aktualisierung der Datenlage und rechtzeitige Unterrichtung des Marktes durch Veröffentlichung maßgeblicher Veränderungen des Ratingurteils, (j) Einhaltung der Sorgfaltspfl icht bei der Datenbeschaffung und -verarbeitung sowie der Informationsbekanntgabe, (k) Beachtung des Verbots der Veröffentlichung von unrichtigen und unvollständigen Angaben sowie des Verschweigens von erheblichen Umständen, die das Ratingurteil beeinfl ussen könnten, unwissentlich falsche Angaben sind sofort nach Bekanntwerden öffentlich zu korrigieren, (l) Einhaltung der Verpfl ichtung zur Verschwiegenheit und Vertraulichkeit, (m) Beachtung des Verbots unzulässiger Geschäftspraktiken, insbesondere der Verletzung der Insidergesetze und der Vorteilsnahme und (n) Beachtung des Urheberrechts und des Plagiatsverbots. iii) Zur Bindung an Geschäftsbedingungen des Ratingunternehmens Inwieweit wird auf Geschäftsbedingungen des Ratingunternehmens verwiesen? Die Geschäftsbedingungen sollten Bestandteil des Vertrags zwischen Ratingunternehmen und beurteiltem Unternehmen sein. iv) Zur Benennung fachlicher Ansprechpartner Sind Personen im Ratingunternehmen benannt, die den Ratingadressaten und dem beurteilten Unternehmen als fachliche Ansprechpartner für das Ratingergebnis zur Verfügung stehen? Das Ratingunternehmen hat die Autoren oder Verfasser der Ratingstudie zu benennen, die den Ratingadressaten als fachliche Ansprechpartner zur Verfügung stehen. 5. DVFA-Rating-Standards 451 v) Zur Sicherstellung vollständiger Informationen und autorisierter Informationsquellen Ist sichergestellt, dass die Geschäftsleitung und die benannten Auskunftspersonen des beurteilten Unternehmens unverzüglich sämtliche relevanten Informationen an das Analystenteam des Ratingunternehmens weiterleiten? Wurde den benannten Auskunftspersonen und den gesetzlichen Vertretern des Unternehmens Art und Umfang des relevanten Informationsbedarfs durch das Ratingunternehmen mitgeteilt? Um zu gewährleisten, dass sämtliche bekannten oder latenten Risiken im Ratingprozess Berücksichtigung fi nden, können folgende organisatorischen Regelungen unterschieden werden: (a) Sämtliche relevanten Informationen werden im Ratingprozess erhoben; einer gesonderten Abfrage bedarf es nicht. (b) Art und Umfang der vom Ratingunternehmen benötigten Informationen sind im Ratingvertrag festgeschrieben und die gesetzlichen Vertreter des zu beurteilenden Unternehmens werden durch Vertragsunterzeichnung dazu verpfl ichtet diese Informationen zur Verfügung zu stellen. (c) Am Ende der Erhebung wird zur Sicherung der gewonnenen Erkenntnisse eine Erklärung der gesetzlichen Vertreter eingeholt, dass den Analysten sämtliche relevanten Informationen mitgeteilt wurden. Diese Erklärung ist üblicherweise in Checklistenform gehalten, enthält die autorisierten Auskunftspersonen und wird von den gesetzlichen Vertretern unterzeichnet. c) Angaben zur Unabhängigkeit im Innenverhältnis Ist der Ratingersteller unabhängig vom Ratingunternehmen? Ist der Ratingprüfer unabhängig vom Ratingersteller? Ist das Ratingergebnis unabhängig von nachgelagerten Entscheidungen? 2) Angaben zur Informationsbasis des Ratingergebnisses durch das Ratingunternehmen b) Angaben zur Beurteilung der Qualität der Eingangsdaten i) Zur Merkmalsauswahl Auf welcher Basis erfolgt die Merkmalsauswahl? Merkmale werden bspw. individuell, fallbezogen, systematisch oder auf Basis statistischer Verteilungseigenschaften ausgewählt. ii) Zur Datenverdichtung Wie stark sind die vorliegenden Eingangsdaten bereits vom beurteilten Unternehmen verdichtet worden? Sind durch die vorgenommene(n) Datenverdichtung(en) wertvolle Informationen verloren gegangen oder wurden Informationen verzerrt bzw. verfälscht? Bei der Verdichtung der Daten ist darauf zu achten, dass weder wichtige Informationen verloren gehen, noch dass durch die Verdichtung Informationsverzerrungen entstehen. Zu unterscheiden sind die Fälle, in denen für die Ratingerstellung auf Rohdaten zurückgegriffen wird, die (a) vom Ratingersteller oder (b) vom beurteilten Unternehmen verdichtet wurden. iii) Zur Vertrauenswürdigkeit Wie ist die Vertrauenswürdigkeit der internen und externen Eingangsdaten zu beurteilen? 7. Anhänge452 (a) Es gehen Planungs- und Prognosedaten des beurteilten Unternehmens ein. (b) Es gehen Daten Dritter (öffentlicher und nicht-öffentlicher Institutionen) ein. (c) Es gehen vom Unternehmen erstellte ungeprüfte Jahresabschlüsse, Zwischenabschlüsse oder vorläufi ge Abschlüsse ein. (d) Es gehen testierte Abschlüsse ein. iv) Zur Aufbereitung Wie werden z. B. Daten- und Informationslücken behandelt? Wie werden Ausreißer behandelt? Bei der Verwendung von mathematisch-statistischen Modellen ist auf eine sachgerechte Behandlung von Ausreißern und Missing Values zu achten. v) Zur Konsistenz Wie wird die Konsistenz der Ist-Daten überprüft? Die Konsistenz der Ist-Daten des beurteilten Unternehmens sollten plausibilisiert, sowie Maßnahmen und Methoden der Konsistenzprüfung durch das Ratingunternehmen benannt werden. vi) Zur Skalierung Wie sind die Eingangsdaten skaliert? Die Eingangsdaten können nominal, ordinal oder metrisch skaliert sein. Die Skalierungsanforderungen der eingesetzten Methoden sind zwingend zu erfüllen. vii) Zur internen Kontrolle Wie werden die Daten vom Ratingunternehmen eingegeben? Wie werden Eingabefehler vermieden? Das Verfahren der Datenerhebung, der Übertragung in den Verarbeitungsprozess und der Datenprüfung ist darzulegen. c) Informationsbereiche Welche Daten werden in dem Ratingsystem verarbeitet? Wer die Qualität eines Ratingurteils einschätzen will, benötigt Einsicht in die Informationsbasis der Institution, die das Rating vornimmt. Die folgende Aufzählung möglicher Informationsquellen ist als eine Check-Liste anzusehen, welche für das Rating eines Unternehmens herangezogen werden können: i) Angaben zur Identität des beurteilten Unternehmens Werden Angaben beispielsweise zu Rechtsform, Standorte, Unternehmensgröße oder Eigentümerstruktur verarbeitet? (a) Firma, (b) Rechtsform, (c) Sitz und Standorte (Registereintrag, Nationalität, Firmensitze, Standorte), (d) Gründungsdatum, (e) Wirtschaftszweigklassifi kation(en) (Branchenziffern, regionale Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit hinsichtlich Beschaffung, Produktion und Absatz), (f) Kriterien zur Unternehmensgröße in Anlehnung an die Publizitäts- und Mitbestimmungsgesetze (Bilanzsumme, Umsatz, Mitarbeiter), (g) Konzernzugehörigkeit (als herrschendes Mutterunternehmen, als abhängiges Tochterunternehmen), (h) Eigentümerstruktur (Einzelunternehmer, Familienunternehmen, Staatsunternehmen, Venture Capital Unternehmen, …) und 5. DVFA-Rating-Standards 453 (i) historische Unternehmensentwicklung. ii) Informationen aus dem Rechnungswesen des Ratingobjektes Werden Angaben beispielsweise zu Abschlussart, rechtlichen Grundlagen oder berücksichtigten Plandaten verarbeitet? (a) Kreis der einbezogenen Unternehmen (Einzelabschlüsse, Konzernabschlüsse), (b) rechtliche Grundlagen der Abschlüsse (HGB, IFRS-Standards, US-GAAP- Standards, Steuerrecht, sonstige Länderstandards, Art und Zeitpunkt von Rechnungslegungsumstellungen), (c) Art der Abschlüsse (regulärer Jahresabschluss, Zwischenabschlüsse, Abschlüsse aus besonderem Anlass), (d) Testat/Bescheinigung (Testat durch Wirtschaftsprüfer, Bescheinigung durch mitwirkenden Steuerberater, Wechsel von Wirtschaftsprüfer bzw. Steuerberater), (e) Formale Feststellung des Jahresabschlusses (durch Aufsichtsgremium, durch Gesellschafterversammlung, gemeinsam von Vorstand und Aufsichtsrat, Billigung des Jahresabschlusses), (f) Zeitraum (Anzahl der betrachteten Geschäftsjahre, Lücken im aktuellen Geschäftsjahr, Unterjährigkeit, Rumpfgeschäftsjahre), (g) Planabschlüsse unter Angabe des Planungshorizonts (vollständige Jahresabschlüsse, Prognose von Einzeldaten/Kennzahlen) und (h) andere monetäre Planungsdaten unter Angabe des Planungshorizonts (Umsatzpläne, Pläne wichtiger Aufwandsarten, Finanzpläne, Investitionspläne, Kapitalkostenplanung). iii) Nicht aus dem Rechnungswesen ersichtliche Potenziale des Ratingobjektes Werden zukünftige Absatzmarktentwicklung und Marktstellung berücksichtigt? Werden Qualität des Managements, der Standort- und Umweltbedingungen sowie der Personalressourcen berücksichtigt? (a) Absatzmarkt und Marktstellung des Ratingobjektes (Lebenszyklus von Branche und Produkten, Kostenstruktur der Branche und des Ratingobjektes, Konzentrationstendenzen in den relevanten Märkten, Branchenkonjunktur, Markteintrittsbarrieren, Marktregulierung, Marktanteile, Abhängigkeit von Großkunden, Qualität und Innovationsgrad der Produkte und des Produktprogramms, Distributionsstärke, …), (b) Produktion und Beschaffung (Ausmaß der vertikalen Integration, Bindung an bestimmte Technologien, Vorleistungen oder Rohstoffe, Abhängigkeit von Großlieferanten, relative Kostenvorteile, Abhängigkeit von Engpass-Produktionsfaktoren, Sicherheit der Rohstoffund Energieversorgung, …), (c) Management (Größe des Top-Managements, Aufsichtsrat/Beirat, fachliche Ausrichtung, Rekrutierung und Fluktuation des Top-Managements, Abhängigkeit des Unternehmens von singulären Persönlichkeiten, Vernetzung des Top-Managements, Anreizsysteme, Strategieentwicklung und -kommunikation, Unternehmenskultur, Qualitätsmanagement, Management-Informationssysteme, Organisationsstruktur, Informationspolitik des Unternehmens, Risiko-Management-System), (d) Personalwirtschaft (Personalstruktur, Abhängigkeiten von Schlüsselpersonen, Personalplanung, Personalentwicklung, Personalbeschaffung) und 7. Anhänge454 (e) Standort/Umwelt (Sicherheit der politischen Rahmenbedingungen, Rechtssicherheit, Wirtschaftsförderung, Restriktionen, abgaberechtliche Rahmenbedingungen, Wirtschaftsentwicklung des Standortes, Infrastruktur, Umweltmanagement). iv) Risikoanalyse und Risikomanagement Werden mögliche Risiken trennscharf defi niert und systematisch erfasst? Werden alle wichtigen Einzelrisiken erfasst und sachgerecht zu einem Gesamtrisiko aggregiert? Werden detaillierte Informationen hinsichtlich Effektivität und Effi zienz des Risikomanagements erfasst? (a) Defi nition möglicher Risiken (Operative Risiken, Strategische Risiken, Abgrenzung von einzelnen Risikoarten), (b) Bedeutende Einzelrisiken (Risiken bei Engpassfaktoren, Ausfallrisiken bei Kundenforderungen, Risiken des Leistungsprozesses, Produkthaftungsrisiken, Währungs- und Derivaterisiken, Risiken aus Altlasten,…), (c) Aggregation der Einzelrisiken (Qualitative Risikoaggregation durch Risiko-Matrix, statistische Risikoaggregation auf Basis der Monte-Carlo- Simulation) und (d) Aspekte des Risikomanagements (Risikoplanung, Instrumente des Risikomanagements, Organisation des Risikomanagements, Testate zum Risikomanagement, Organisatorische Einbindung und Verantwortlichkeiten, Existenz von Frühwarnsystemen). v) Informationen über Vergleichsunternehmen zur Beurteilung des Ratingobjektes Wird ein dynamisches oder ein statisches Benchmarking vorgenommen? Werden branchenbezogene und branchenübergreifende Vergleiche durchgeführt? Werden andere mathematisch-statistische Vergleiche durchgeführt? (a) Zeitvergleich (einjährig, mehrjährig), (b) Einzelbetriebsvergleich (Name des Vergleichsunternehmens, Größenangaben, Rechtsform, spezifi sche Wirtschaftszweigklassifi kationen, wichtige Strukturunterschiede gegenüber Ratingobjekt, Datenbasis), (c) Branchenvergleich (spezifi sche Wirtschaftszweigklassifi kationen, Anzahl der Vergleichsunternehmen, Mittelwertmaße, Streuungsmaße), (d) Inter-Branchenvergleich (subjektive Beurteilung, datengestützte Beurteilung, historische Insolvenzquote in der Branche) und (e) Vergleich außerhalb der Wirtschaftszweigklassifi kation (Größe der Vergleichsstichproben, Quotierung der Vergleichsstichproben, Vergleichszeitraum). 3) Angaben zur Informationsverarbeitung im Ratingprozess a) Allgemeine Kriterien zur Beurteilung der Qualität des Ratingsystems i) Zum verwendeten Ratingverfahren Welche Kombination von Ratingverfahren verwendet das Ratingunternehmen in seinem Ratingsystem? Ein Ratingsystem umfasst im Allgemeinen mehrere Komponenten bzw. Ratingverfahren. Nur bei eindeutigen Bewertungen wird in der Praxis darauf verzichtet, das ermittelte Ratingergebnis eines Ratingverfahrens durch Hinzuziehung anderer Informationen zu überprüfen. Oft wird mit einem mathematisch-statistischen Modell zunächst die materielle Kreditwürdigkeit 5. DVFA-Rating-Standards 455 bewertet und dann durch Hinzuziehung weiterer Faktoren über Management-Qualitäten, Branchenlage, Marktlage etc. die endgültige Eingruppierung in eine Ratingklasse vorgenommen. Dies kann durch Einsatz eines anderen Verfahrens und/oder durch Expertenurteil erfolgen. ii) Zur Transparenz und Nachvollziehbarkeit Basiert das Ratingergebnis ausschließlich auf angegebenen und nachvollziehbaren Kriterien? Sind die Strukturen des Ratingsystems für einen Sachverständigen Dritten nachvollziehbar dargelegt? Das Ratingunternehmen hat quantitative und qualitative Angaben zu machen, die eine Beantwortung der Fragen zur Transparenz und Nachvollziehbarkeit ermöglichen. iii) Zur Validität Ist das Ratingsystem in der Lage, ein Emittentenrating abzugeben? Um die Validität des Ratingsystems zu gewährleisten, ist sicherzustellen, dass das Ratingergebnis das misst, was es vorgibt messen zu wollen. Im vorliegenden Fall muss es sich um ein Emittentenrating handeln. Ausführlich zur Validierung von Ratingverfahren vgl. DFVA-Rating Standard Validierung. iv) Zur Treffsicherheit Wie groß ist die Irrtumswahrscheinlichkeit des verwendeten Ratingsystems? Treffsicherheit bedeutet, dass das ermittelte Ratingurteil zutreffend den Bonitätszustand des betrachteten Unternehmens abbildet. Als ein Beurteilungsmaß zur Treffsicherheit bietet sich die Irrtumswahrscheinlichkeit an. Sie wird durch den Alpha-/Beta-Fehler ausgedrückt. Der Alpha-Fehler (Fehler 1. Art) bezeichnet die empirische Wahrscheinlichkeit, dass ein insolventes Unternehmen fälschlicherweise als solvent erkannt wird. Der Beta- Fehler (Fehler 2. Art) bezeichnet die empirische Wahrscheinlichkeit, dass ein solventes Unternehmen fälschlicherweise als insolvent erkannt wird. Ein weiteres Gütekriterium sind sogenannte Power-Curves (Gini-Kurve) oder die Fehlerfl äche unterhalb der Kurve, die Aussagen über die Diskriminierungsfähigkeit des Ratingmodells erlauben. v) Zur Reliabilität Kommt das Ratingsystem bei gleicher Ausgangslage stets zum gleichen Ergebnis? Wie groß ist die Übereinstimmung mehrerer Ratinganalysten desselben Ratingunternehmens? Kommen verschiedene Ratingunternehmen zum selben Ratingergebnis? Zuverlässig arbeitet ein Ratingverfahren dann, wenn es bei gleichen Sachverhalten zu gleichen Ergebnissen kommt. Dies lässt sich gewährleisten durch (a) Reduzierung der Freiheitsgrade der Ermessensausübung bei der Beurteilung qualitativer Merkmale und (b) Schulung der Mitarbeiter. Neben Prüfungen zur Reliabilität sollte die Sensitivität des Ratingsystems bzgl. subjektiver Expertenschätzungen analysiert werden. vi) Zur Granularität Sind genügend Ratingklassen vorhanden, um eine ausreichende Differenzierung zu ermöglichen? 7. Anhänge456 Die Anzahl der Ratingklassen sollte in einem angemessenen Verhältnis zur Anzahl der Eingangsdaten und zur Informationsverdichtung stehen. vii) Zur Eindeutigkeit des Ratingergebnisses und Vollständigkeit der erforderlichen Eingangsdaten Kann jedes beurteilte Unternehmen genau einer Ratingklasse zugeordnet werden? Für jedes Unternehmen sollte sich ein Rating bestimmen lassen, durch das das Unternehmen eindeutig einer Ratingklasse zugeordnet werden kann. viii) Zur Aktualität und Robustheit Wie häufi g wird das Ratingsystem überprüft und gegebenenfalls angepasst? Aus welchen Anlässen wird das Ratingsystem überprüft? Wer passt das Ratingsystem an? Das Ratingsystem sollte kontinuierlich auf seine Angemessenheit hin überprüft werden. Insbesondere ist sicher zu stellen, dass wesentliche Veränderungen konjunktureller Rahmenbedingungen durch zeitnahe Parameteranpassungen im Ratingverfahren berücksichtigt werden. ix) Zur Wesentlichkeit Werden alle für die Prognose der Kreditwürdigkeit relevanten Informationen des beurteilten Unternehmens genutzt? Als wesentlich kann eine Information dann angesehen werden, wenn ihre Nichtberücksichtigung zu einer Veränderung des Ratingurteils führt. Grundsätzlich sollten alle für die Analyse der Kreditwürdigkeit wesentlichen Informationen im Ratingprozess genutzt werden. x) Zum Einfl uss der Untersuchungsobjekte Haben Branchen-, Rechtsform-, Größen- oder andere Merkmale der Untersuchungsobjekte einen wesentlichen Einfl uss auf das Ratingsystem? Wie fein werden die Branchen unterschieden? Das Ratingsystem sollte erkennen lassen, ob Branchenzugehörigkeit, Rechtsform, Größe oder sonstige spezifi sche Merkmale zur Beurteilung herangezogen werden. b) Kriterien zur Beurteilung der Qualität datenbasierter Ratingverfahren i) Zur Datenbasis Erfüllt die zugrunde liegende Datenbasis hinsichtlich Vollständigkeit und Qualität die Anforderungen des Modells? Für die Stichprobe müssen Elemente (z. B. Unternehmen) beschafft werden, deren Gruppenzugehörigkeit (z. B. solvent – insolvent) bekannt ist. Die Gruppierungsvariable ist nominal skaliert. Die für die Gesamtstichprobe ausgewählten Unternehmen sollten repräsentativ für die betrachtete Grundgesamtheit sein. Obwohl es keine allgemeingültige Vorgehensweise gibt, wie Repräsentativität sichergestellt werden kann, dürfte mit zunehmendem Umfang der Stichprobe die Wahrscheinlichkeit steigen, dass sie aussagefähige Schlüsse zulässt. Die zugrunde liegende Datenbasis sollte sich anhand aussagefähiger Merkmale in disjunkte Gruppen einteilen lassen. Trennscharf und damit aussagefähig sind Merkmale dann, wenn sich die Merkmalsausprägungen in den betrachteten Gruppen signifi kant unterscheiden. ii) Zur Auswahl der Merkmale Erfüllt die Merkmalsauswahl die Anforderungen des Modells? 5. DVFA-Rating-Standards 457 Je nach Modellspezifi kation ergeben sich unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich der Merkmalsausprägung. Insbesondere die Anforderung an die (stochastische) Unabhängigkeit und Skalierung (Nominal-, Ordinal-, Intervall- oder Verhältnisskalierung) der Daten muss erfüllt sein. iii) Zur Performancemessung des Modells Erfüllt die Performancemessung die Anforderungen des Modells? Die Anzahl der erklärenden Variablen bzw. die Gesamtzahl der Ausprägungen sollte eine sinnvolle Obergrenze nicht überschreiten. Diese ist vom Umfang der Lernstichprobe abhängig. Bei der Auswahl der erklärenden Variablen sollten die wichtigsten Dimensionen des Merkmalsraums abgedeckt und die Merkmalsvariablen möglichst gering korreliert sein. Bei Jahresabschlusskennzahlen: Um umfassend das Informationspotenzial des Jahresabschlusses abbilden zu können, müssen die Merkmale (z. B. Kennzahlen des externen Rechnungswesens) unterschiedliche Bereiche (z. B. der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage etc.) widerspiegeln. iv) Zur Schätzung der Modellparameter Die Schätzung der Modellparameter sollte mit einer Teilmenge der Gesamtstichprobe, der sogenannten Lernstichprobe erfolgen. Die Lernstichprobe muss einen möglichst guten Querschnitt der jetzigen bzw. zukünftigen Kreditnehmer darstellen. Der Umfang der Lernstichprobe ist hinreichend groß zu wählen, damit die vorliegenden Klassenzugehörigkeiten der Lernstichprobenelemente ein hinreichend guter Schätzer für die tatsächlich vorliegenden Klassenzugehörigkeiten der zu analysierenden Objektgruppe sind. Bei der Schätzung der Modellparameter ist darauf zu achten, dass sich die Parameter betriebswirtschaftlich sinnvoll interpretieren lassen. v) Zur Performancemessung des Modells Um die Klassifi kationsleistung des Ratingmodells zu ermitteln, sollte der vorliegende Datensatz (die Gesamtstichprobe) mindestens in eine Lernund eine Teststichprobe (Holdout- Sample) aufgeteilt werden. Die Daten der Unternehmen der Lernstichprobe dienen dazu, die Modellparameter zu kalibrieren. Die Teststichprobe(n) dient/-en der Modellvalidierung (Backtesting). Die Teststichprobe(n) sollten nur Unternehmen enthalten sein, die noch nicht zur Modellkalibrierung herangezogen wurden (Holdout-Sample). Mittels statistischer Tests ist sicherzustellen, dass alle Stichproben punktfremde Zufallsauswahlen der Gesamtstichprobe darstellen. Des Weiteren ist das Gütemaß anzugeben, mit dem die Trennleistung des Ratingmodells beurteilt wird. c) Zusätzliche Kriterien für die Beurteilung einzelner Ratingverfahren i) Kriterien für mathematisch-statistische Verfahren Erfüllt die Schätzung der Modellparameter die Anforderungen des mathematisch statistischen Modells? Die Parameterschätzung erfolgt häufi g unter bestimmten Annahmen, die dokumentiert und eingehalten werden sollten. Dies betrifft beispielsweise Verteilungsannahmen hinsichtlich der erklärenden Variablen eines Ratingmodells oder die mathematische Voraussetzungen der Schätzverfahren. ii) Kriterien für Punktwertverfahren (1) Zur Bestimmung des Zielsystems Werden Angaben zur Auswahl der Einzelfaktoren gemacht? 7. Anhänge458 Informationen über die Auswahl der Einzelfaktoren (subjektiv, statistische Untersuchung) sollten angegeben werden. (2) Zur Bestimmung der Zielerreichung der Alternativen Werden Informationen zur Bestimmung der Zielerreichung der Alternativen angegeben? Die Bandbreite der Bewertungsskala muss dem zu beurteilenden Merkmal angemessen sein. Der Abstand zwischen dem obersten und untersten Wert der Skala muss jedoch nicht für alle Ziele einheitlich sein. Die Skalenpunkte sollten so festgelegt und beschrieben werden, dass die Bewertungsskala quasi-metrisch ist. Informationen über die Vorgehensweise bei der Auswahl der Merkmale und der Festlegung der Gewichte (subjektiv, statistische Untersuchung) sollten angegeben werden. iii) Kriterien für Expertensysteme (1) Zur Wissensbasis (a) Woraus besteht die Wissensbasis? (b) Über welche Informationsbereiche können Aussagen getroffen werden? (c) Aus welchen Quellen stammt das vorhandene Wissen? (d) Die Wissensbasis kann beruhen auf: (i) (internen/externen) Datenbanken, (ii) (nicht standardisierten) Expertenbeobachtungen, z. B. individuelle Expertenurteile über einen bestimmten Unternehmensbereich oder (iii) (standardisierten) Expertenerfahrungen, welche bei der Auswahl der betrachteten Merkmale, der Bildung von Beurteilungsklassen, der verwendeten Aggregationsoperatoren oder Verarbeitungsregeln, etc. genutzt werden. (e) Die Qualifi kation (Ausbildung, bisherige Tätigkeit, Referenzen, Bindung an berufsständische Standards, etc.) der am Aufbau des Systems beteiligten Experten sollte offen gelegt werden. Das eingesetzte Expertenwissen ist ausführlich zu dokumentieren. (2) Zum Steuerungssystem Welche Skalierungsanforderungen bestehen an die Eingangsdaten aufgrund des gewählten Verdichtungsverfahrens? Werden diese Anforderungen erfüllt? Bei einer operatorenbasierten Aggregation sollten metrisch skalierte Eingangsdaten vorliegen, während bei einer regelbasierten Aggregation ordinal skalierte Eingangsdaten ausreichen. Sind die linguistischen Bewertungen der Merkmale ausreichend und nachvollziehbar beschrieben? Bei Fuzzy-Logik basierten Systemen werden linguistische Variablen durch Fuzzy-Intervalle beschrieben, die durch Zugehörigkeitsfunktionen repräsentiert werden. Hierbei sollte auf die Bildung der Bewertungsintervalle eingegangen und dargestellt werden, ob neben Expertenwissen auch Datenwissen herangezogen wurde. Ist der Beurteilungsprozess nachvollziehbar? Die Aggregationsstruktur sollte für einen sachverständigen Dritten nachvollziehbar sein. Die Aggregationsoperatoren und/oder Regelsätze sind zu dokumentieren. Wie häufi g wird das Expertensystem überprüft und gegebenenfalls angepasst? 5. DVFA-Rating-Standards 459 Die Anlässe für die Überprüfung der Wissensbasis und die an einer möglichen Anpassung beteiligten Experten sollten angegeben werden. Wie lange ist das Expertensystem bereits im Einsatz und wie zutreffend waren die bisherigen Systemurteile? Die Einsatzzeit des Expertensystems sollte angegeben werden. iv) Kriterien für Neuronale Netze (1) Zum Aufbau des Neuronalen Netzes Wie groß ist die Anzahl der Neuronen in der Input-Schicht, in den Zwischenschichten und in der Output-Schicht? Die Anzahl der Neuronen, der Zwischenschichten und der Verbindungen sollte angegeben werden. (2) Zum Training des Neuronalen Netzes Werden Angaben zum Training des Neuronalen Netzes gemacht? Werden Angaben zur Nutzung einer Teststichprobe gemacht? Es ist zu erläutern, welcher Berechnungsalgorithmus benutzt wird (überwacht oder nichtüberwacht), welche Pruningverfahren zum Einsatz kommen und wie viele Trainingsdurchläufe durchgeführt werden. Darüber hinaus ist anzugeben, ob eine Überwachung der Einfl üsse der Inputparameter mittels Sensitivitätsanalysen stattfi ndet. Die Prognoseergebnisse des Holdout-Sample sollten als Maß für die Leistung des Neuronalen Netzes herangezogen werden. Die Validierung ist anhand einer dritten unabhängigen Stichprobe vorzunehmen. d) Kriterien für die Beurteilung von qualitativen Ratingverfahren (Rating-Klassifi zierungen durch Ratinganalysten ohne Angabe des Verfahrens) i) Zur Qualifi kation der Ratinganalysten Welche Angaben zur Qualifi kation und Unabhängigkeit der am Ratingergebnis beteiligten Experten werden gemacht? Das Ratingunternehmen sollte seine generellen (Mindest-) Qualifi kationsanforderungen und Arbeitsstandards für bei ihm beschäftigte Analysten offenlegen (Ausbildung, Schulung, Erfahrung, Bindung an berufsständische Standards, etc.). ii) Zum Ratingprozess Wie hoch ist der Standardisierungsgrad des Prozesses zur Ermittlung des Ratingergebnisses? Wie detailliert sind die Richtlinien, an die sich der Experte halten muss? Der Ratingprozess und Anzahl der beteiligten Experten ist zu dokumentieren. Des Weiteren sollte dargelegt werden, welche Vorgaben zur Kriterienauswahl und Datenaktualität die Experten erhalten und inwieweit Benchmarks und Ausschlusskriterien zum Einsatz kommen. iii) Zur Sicherstellung der Ratingqualität Wie wird die Qualität des Ratings sichergestellt? Das Urteil des/der Experten sollte durch weitere Personen überprüft werden. Die Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips und die Maßnahmen zur laufenden Qualitätskontrolle sind zu dokumentieren. 4) Angaben zum Ratingergebnis durch das Ratingunternehmen a) Allgemeine Angaben zur Beurteilung des Ratingergebnisses i) Zur Vergleichbarkeit Ist die Transformation auf eine Masterskala möglich? 7. Anhänge460 Werden verschiedene Ratingskalen von verschiedenen Ratingunternehmen verwendet, so sollte jede dieser Ratingskalen aus Gründen der Vergleichbarkeit auf eine „allgemein anerkannte Skala“ (Masterskala) umgerechnet werden können. Die Realisierung dieser Forderungen setzt aber die Vereinheitlichung der Defi nition des „Ausfalls“ voraus. ii) Zur Transparenz Das Ratingergebnis muss nachvollziehbar sein. Es ist anzugeben, wie die verwendeten Kriterien zum Gesamturteil verknüpft werden. Dazu bedarf es öffentlicher und individueller Transparenz, um eine sachgerechte Interpretation durch das beurteilte Unternehmen und andere Finanzmarktakteure zu ermöglichen. Das Ratingergebnis muss gegenüber dem beurteilten Unternehmen individuell nachgewiesen werden, damit das Ratingergebnis durch das Unternehmen nachvollziehbar ist. Die Ratingbeurteilungen dürfen – vorbehaltlich offensichtlicher Fehler während des Ratingprozesses – nicht nachträglich geändert werden. Der Informationsaustausch zwischen Ratingunternehmen und beurteiltem Unternehmen sollte protokolliert werden. Die externe Offenlegung von Ratingergebnissen hängt von dem Ratingzweck ab, der insbesondere durch den Auftraggeber bzw. dessen Zielsetzung bestimmt wird. iii) Zur Kontrolle Veröffentlicht das Ratingunternehmen regelmäßig Angaben zur Güte seiner Ratingergebnisse? Die Überwachung und Überprüfung von Ratingergebnissen sollte primär durch den Markt erfolgen. Dazu sind die historischen Ausfallraten pro Ratingklasse regelmäßig durch das Ratingunternehmen zu veröffentlichen (Track Records). Bei der Anwendung mathematisch-statistischer Verfahren sind Angaben zur Modellsignifi kanz, Güte der Klassifi kationsleistung und Monotonie der historischen Ausfallraten zu machen. b) Angaben zur Interpretierbarkeit des Ratingergebnisses i) Individuelle Angaben zum Ratingergebnis (1) Zur Unternehmensidentität Welche Angaben zur Unternehmensidentität werden gemacht? (2) Angaben zur Aktualität und Datierung des Ratingergebnisses Sind Aktualität und Datierung der Ratingergebnisse nachvollziehbar? Das Datum der Ratingerteilung und der Erhebungszeitraum der Eingangsdaten sollten angegeben werden. Da eine Ratingbeurteilung bis zu ihrer Änderung oder ihrem Widerruf gültig bleibt, ist die Beurteilung durch das Ratingunternehmen laufend zu überprüfen und bei Erhalt neuer Informationen mit Auswirkung auf die Kreditwürdigkeit unverzüglich anzupassen. Änderungen im Ratingergebnis sind zu dokumentieren und die Historie der Ratingergebnisse vorzuhalten. Die Anpassungsgeschwindigkeit der Ratings muss hinreichend hoch sein. Die Ratingunternehmen sollten die Ratings unverzüglich nach Erhalt neuer Informationen (Quartals-, Jahresabschlüsse, Ad-hoc-Meldungen) anpassen. Substanzielle Veränderungen der Kreditwürdigkeit des beurteilten Unternehmens sollten zu einer zeitnahen Veränderung des Ratings führen. (3) Angaben zur Berücksichtigung von Länderrisiken Die Angabe zu Branchen- und Länderrisiken können separat angegeben werden oder implizit im Ratingergebnis enthalten sein. Die 100 Gesetze erfolgreicher Unternehmensführung 461 (4) Angaben zur Verlustquote Es sollten Angaben zur Verlustquote bzw. der durchschnittlichen Ausfallwahrscheinlichkeit der Ratingklasse erfolgen, in die das Unternehmen eingestuft wurde. ii) Angaben zur Ratingskala (1) Zur Beschreibung der Ratingskala Es sollten Angaben zu Bandbreite, Skalierung der Ratingskala sowie Erläuterungen zu ihrer Transformation in eine Masterskala gemacht werden. (2) Zur Defi nition des Ausfallevents Die Ausfalldefi nition sollte sich an den Vorgaben der Eigenkapitalrichtlinie des Baselers Ausschusses für Bankenaufsicht orientieren. Anderslautende individuelle Defi nitionen sind vor dem jeweiligen Anwendungshintergrund ausführlich zu erläutern und sollten die Problematik von Teilausfällen, Kreditumstrukturierungen, Zahlungsverzug und Berücksichtigung von Sicherheiten einschließen. (3) Zur Ausfallwahrscheinlichkeit der einzelnen Ratingklassen Es sind die mittleren Ausfallwahrscheinlichkeiten und soweit möglich Intervalle der Ausfallwahrscheinlichkeiten für jede einzelne Ratingklasse anzugeben. iii) Angaben zum Gültigkeitsbereich des Ratings (1) Zum Prognosehorizont in Jahren Bei der Ratingprognose sollte zwischen kurzfristigem Prognosezeitraum (< 1 Jahr) oder langfristigem Prognosezeitraum (>1 Jahr) differenziert werden. (2) Zur Branche Für die Branche sollte der jeweilige Branchenschlüssels angegeben werden, z. B. für Produzierendes Gewerbe, Verarbeitendes Gewerbe, Banken/Versicherungen, Dienstleistungen, Konsumgüter, …) (3) Zur Unternehmensgröße Die Angaben zur Unternehmensgröße sollten standardisiert in Anlehnung an §§ 267, 293 HGB bzw. §§ 1, 11 PublG veröffentlicht werden. (4) Zum regionalen Geltungsbereich Der Geltungsbereich eines Ratings sollte möglichst weltweit unbeschränkt sein, kann jedoch in begründeten Fällen lokal, national oder international beschränkt sein. Die 100 Gesetze erfolgreicher Unternehmensführung Wichtige Anregungen für eine erfolgreiche Unternehmensführung können aus den folgenden „100 Gesetzen“ abgeleitet werden: • Die Praxis des Managements erfordert theoretisches Wissen. • Die dynamische Unternehmung entdeckt laufend neue Perspektiven. • Unternehmensführung beginnt mit der Festlegung der Unternehmensziele. • Planen ist eine Entscheidung heute, damit morgen etwas geschieht. • Jede Planung verlangt Alternativplanungen. • Manager setzen realistische Ziele für und mit ihren Mitarbeitern. • Wachstum ist nicht immer lebensnotwendig. • Ohne neue Ideen und Innovationen gibt es kein Überleben.

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References

Zusammenfassung

Rating und Finanzierung unter Basel III

Mit Basel III hat der sogenannte Baseler Ausschuss ein neues Regelwerk mit Eigenkapitalvorschriften für Banken veröffentlicht, das ab 2013 schrittweise in Kraft tritt. Während Basel II vor allem die Risikomessung zum Gegenstand hat, geht es in den neuen Regelungen um die Definition des Eigenkapitals und die erforderlichen Mindestquoten. Das stellt insbesondere mittelständische Firmen, die auf weitere Kreditvergabe durch Banken angewiesen sind, vor neue Herausforderungen.

Das Praxishandbuch Rating und Finanzierung stellt Firmen Bausteine für eine ratingorientierte Unternehmensführung zur Verfügung.

Die Schwerpunkte:

- Rating als Erfolgsfaktor

- Analyse der eigenen Situation: Wie gut ist unser Rating?

- Optimierung des Ratings

- IT-gestützte Hilfsmittel für das Rating

- Die Zukunft von Rating und Finanzierung

Besonders praktisch

sind die Checklisten zur Analyse und Optimierung des eigenen Unternehmens sowie die CD mit der Software Quick-Rater, die eine Eigenbewertung des Unternehmens ermöglicht.

Die Autoren

Dr. Werner Gleißner ist Vorstand der FutureValue Group AG und Dr. Karsten Füser ist Partner bei Ernst&Young.

Zielgruppe

Mitarbeiter in den Finanzabteilungen mittelständischer Unternehmen.