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5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator in:

Werner Gleißner, Karsten Füser

Praxishandbuch Rating und Finanzierung, page 407 - 426

Strategien für den Mittelstand

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-3876-5, ISBN online: 978-3-8006-3877-2, https://doi.org/10.15358/9783800638772_407

Series: Finance Competence

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5. IT-gestützte Hilfsmittel für Rating und Finanzierung394 hier beispielsweise Sensitivitätsanalysen431, die jene kritischen, „Rating-Kriterien“ zeigen, die das Rating besonders stark (negativ) beeinfl ussen. Speziell müssen diejenigen beeinfl ussbaren Faktoren aufgezeigt werden (dies sind oft sogenannte „Softfaktoren“ des Ratings), die in einem Unternehmen unmittelbar beeinfl usst werden können und die das zukünftige Finanzrating beeinfl ussen. Hier kann auch ein „Expertensystem“, das Maßnahmen zur Rating-Verbesserung (z. B. speziell auch zur Risikobewältigung) gestützt auf die vorhandenen Daten vorschlägt, hilfreich sein. (4) Unterstützung der Umsetzung einer Rating-Strategie Auch die Umsetzung einer gezielten Verbesserung des Ratings und der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens, also die Realisierung der entwickelten Rating-Strategie, kann durch Rating-Software unterstützt werden. Eine wesentliche Funktion ist dabei ein Maßnahmen-Controlling, das die vereinbarten Maßnahmen erfasst, bestehenden Handlungsbedarf (z. B. durch eine Ampel-Funktion) aufzeigt und so die Umsetzung der Rating-Strategie steuert. Beispielsweise können so vereinbarte Risikobewältigungsmaßnahmen (und die zugrunde liegenden Risiken) kontinuierlich überwacht werden, um bei kritischen Entwicklungen rechtzeitig intervenieren zu können. Gerade bei dieser Aufgabenstellung wird eine Rating-Software innerhalb des Controlling- und Managementzyklus eines Unternehmens kontinuierlich im Einsatz sein. (5) Flankierende Zusatzfunktionen und integrierte Unternehmenssteuerungssoftware Für das Rating eines Unternehmens ist eine Vielzahl von Kriterien maßgeblich. Damit weist eine Rating-Software zwangsläufi g in erheblichem Umfang Überschneidungen mit anderen Aufgabenstellungen im Unternehmen auf, die grundsätzlich auch mit Hilfe einer Software unterstützt werden können. Wesentliche Zusatzfunktionen, die durch eine Rating-Software mit abgebildet werden können, betreffen insbesondere die (traditionelle) Unternehmensanalyse (Erstellung von Stärken-Schwächen-Profi len), eine umfassende kennzahlengestützte Jahresabschlussanalyse und Funktionalitäten für die Erarbeitung einer operativen Unternehmensplanung (Erfolgsplanung und Bilanzplanung). Da das Rating eine Betrachtung der Risiken eines Unternehmens aus Fremdkapitalgeber-Perspektive darstellt, ist insbesondere die Einbeziehung von Funktionen des Risikomanagements, das die Risiken aus Eigentümerperspektive betrachtet, naheliegend. In dieser Hinsicht kann Rating-Software bei der Identifi kation, Bewertung, Aggregation (Bestimmung des Gesamtrisikoumfangs) von Risiken sowie der Abbildung der organisatorischen Regelungen (z. B. Überwachungsfunktion) eines Risikomanagementsystems helfen, das den Anforderungen des Kontroll- und Transparenzgesetzes (KonTraG) von 1998 gerecht wird. 5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator 432 5.2.1 Idee, Aufbau und Anwendungsschwerpunkte Die Softwareplattform Strategie-Navigator stellt verschiedene Module bereit, mit deren Hilfe ein breites Spektrum an IT-Tools im Bereich des Risikomanagements, Ratings, Strategie und wertorientierte Steuerung abgedeckt werden, auf Wunsch auch kundenspezifi sch angepasst. Die Spezialversion „Strategie-Navigator/Value Manager Edi- 431 Vgl. zu „Rating-Impact-Analyse“ Gleißner (2009a). 432 In Anlehnung an Gleißner/Schmidt (2007). 5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator 395 tion“ ist eine integrierte Unternehmenssteuerungssoftware, speziell zur Unterstützung von Top-Management-Entscheidungen. Es erlaubt eine Beurteilung strategischer (oder operativer) Handlungsoptionen unter Betrachtung von Ertrags- und Risikoauswirkungen, und zwar sowohl aus Perspektive von (a) Gläubigern (Ratingprognose) als auch vom (b) Eigentümer/Investor (fundamentaler Wert). Es zielt damit darauf, durch eine intelligente Auswertung oft schon vorhandener Daten (z. B. aus Planung/Controlling und Risikomanagement) die Qualität von Entscheidungsvorlagen (beim Vorstand oder Geschäftsführung) und der letztendlich getroffenen Entscheidungen zu verbessern (Steigerung von „Business Intelligence“). Kernbaustein der Software ist ein integriertes Unternehmensplanungsmodell (mit Erfolgsrechnung, Bilanz und die daraus abgeleitete Cashfl ow-Rechnung) das mit quantitativen Risikoinformationen (Wahrscheinlichkeitsverteilung) verknüpft werden kann, was zu einer „stochastischen Planung“ oder „Bandbreitenplanung“ führt. Durch die Berechnung einer großen repräsentativen Anzahl risikobedingt möglicher Zukunftsszenarien (Monte-Carlo-Simulation) werden dabei realistische Entwicklungskorridore (Bandbreiten) der Entwicklung wichtiger Unternehmenskenngrößen (wie Ertrag, Cashfl ow oder Eigenkapital) aufgezeigt. Der Übergang von einer traditionellen einwertigen Planung zu einer Bandbreitenplanung schafft Transparenz über den realistischen Umfang von Planabweichungen (Planungssicherheit) und vermeidet Scheingenauigkeiten. Auf diese Weise ist es möglich das Rendite-Risiko-Profi l verschiedener Handlungsoptionen zu vergleichen. Der Strategie-Navigator verknüpft die wesentlichen intelligenten Aspekte von Planungs-, Controlling-, Rating- und Risikomanagement-Software. Die Software ermöglicht eine simulationsbasierte Aggregation der Risiken im Kontext der Planung. Auf diesem Weg der Risikoaggregation kann insbesondere auch der aggregierte Gesamtrisikoumfang des Unternehmens (z. B. ausgedrückt im Value at Risk bzw. Eigenkapitalbedarf) eines Unternehmens in Abhängigkeit eines vorgegebenen Ziel-Ratings bestimmt werden. Die „indirekten“ Wirkungen eines Risikos (z. B. eine unerwartete Veränderung beim Umsatz) über die Kosten (Anpassung der variablen Kosten) werden dabei berücksichtigt. Es wird nicht nur der aggregierte Risikoumfang einer Periode ausgewiesen, sondern durch die „Bandbreitenplanung“ der realistische Entwicklungskorridor für die Zukunft. Risiken können dabei realitätsnah durch die Nutzung einer großen Anzahl möglicher Wahrscheinlichkeitsverteilungen (wie Dreiecksverteilung, Normalverteilung, Binomialverteilung oder Pareto-Verteilung für die Abbildung von Extremrisiken) sowie stochastische Prozesse, die auch die langfristigen Wirkungen von Risiken darstellen, abgebildet werden. Durch sogenannte „Risikofaktor-Modelle “ kann auch das Unternehmensumfeld (z. B. ausgedrückt durch Nachfrage, Zinssätze, Rohstoffpreise oder Wechselkurse) modelliert werden und es kann gezeigt werden, welche Implikationen (unerwartete) Änderungen des Umfelds auf die wesentlichen Unternehmensgrößen haben („Umfeldmodell“). Neben einer hocheffi zienten Monte- Carlo-Simulation ist auch eine traditionelle Betrachtung von vordefi nierten Einzelszenarien („Was-wäre-wenn-Analysen“) möglich. Die Software (einschließlich der verfügbaren Zusatzmodule) kann somit als Plattform für eine integrierte Unternehmensführungssoftware verstanden werden und ist geeignet unternehmerische Entscheidungen sowohl aus Perspektive der Eigentümer als auch aus Perspektive der Gläubiger (also bezüglich des Ratings) zu beurteilen. Leitlinie bei der Entwicklung des Rating-Moduls war es, in einer Lösung bisher bewährte (traditionelle) Verfahren des Ratings (Finanzkennzahlen-Rating, Beurteilung von Soft-Faktoren wie z. B. Erfolgspotenzialen) mit neuen Methoden der Prognose 5. IT-gestützte Hilfsmittel für Rating und Finanzierung396 von Ausfallwahrscheinlichkeiten, die den wissenschaftlichen „State of the Art“ darstellen, zu kombinieren, um so Leistungsfähigkeit und Anwendungsmöglichkeiten von Rating-Software zu erweitern.433 Insbesondere für die Vorbereitung auf das Rating bietet die Software eine wertvolle Hilfe. So fasst sie die Bewertung der Erfolgspotenziale, das Risikoinventar und die Rating-relevanten Finanzkennzahlen der Jahresabschlussanalyse („Finanzrating“) mit einer Bewertung der Branchenattraktivität zusammen, um so eine Abschätzung der Rating-Stufe des Unternehmens (indikatives Rating) zu erreichen. Kernelement der fl ankierenden Zusatzfunktionen ist das implementierte Verfahren eines „direkten Ratings“. Dieses Verfahren erlaubt im Kontext der Unternehmensplanung mittels Simulation von Risiken (möglichen Planabweichungen) eine direkte Berechnung der Wahrscheinlichkeit zur Illiquidität und Überschuldung eines Unternehmens, ohne traditionelle Kennzahlensysteme heranziehen zu müssen. So wird die Bewertung alternativer Strategien und Planungsvarianten bezogen auf (a) Rating und (b) Ertrag/Unternehmenswert möglich. 5.2.2 Das Rating-Modul Der methodische Aufbau des geprüften Rating-Verfahrens folgt den Teilbereichen „P1 Finanzrating“, und „P3 Perspektiven“ (Erfolgspotenziale, Branchenrating, Bankbeziehung). Zusätzlich können optional die einzelnen Risiken, sowie die Ergebnisse der Simulation der Risiken im Kontext der Unternehmensplanung (Teilbereich P2) mit einbezogen werden. Die Verdichtung der Analyseergebnisse erfolgt im „Gesamtrating“. Die folgende Abbildung zeigt den Rating-Ansatz in der im Risiko-Kompass integrierten Version im Überblick. 433 Vgl. Blum/Gleißner/Leibbrand (2005) und Gleißner/Leibbrand (2004a). Für eine adäquate wissenschaftliche Absicherung der Methoden wurde dabei eng mit Hochschulen (insbesondere der Universität Dresden) zusammengearbeitet. Im Rahmen einer Initiative des Sächsischen Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit (SMWA) in den Jahren 2001 bis 2004 sollten sächsische Mittelständler bei der Vorbereitung auf das bankinterne Rating unterstützt werden. Das Forschungsprojekt zielte darauf ab, die von den Kreditinstituten vorgesehenen Rating-Systeme hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit und theoretischen Fundierung zu beurteilen und wurde von der RMCE RiskCon GmbH gemeinsam mit der FutureValue Group AG und der TU Dresden (IAWW) durchgeführt. Hierauf aufbauend wurde ein methodischer Ansatz entwickelt, der den Unternehmen ermöglicht in kürzester Zeit eine Ersteinschätzung ihres zu erwartenden „indikativen“ Ratings zu erstellen. 5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator 397 Risiken P3: Perspektiven • Branchenrating • Erfolgspotenziale • Bankbeziehungen P1: Finanzkennzahlenanalyse kurzfristiges Rating mittelfristiges Rating langfristiges Rating Zukunftspotenziale Risikoadjustierte Zukunftspotenziale • kurzfristig • mittelfristig • langfristig P2: Unternehmenssimulation • kurzfristig • mittelfristig • langfristig Gesamtrating Quelle: Forschungsprojekt des IAWW, TU Dresden und der WiMa GmbH Besonderheit des Ansatzes: Integration einer risikoorientierten Unternehmensplanung zur Abschätzung der .gnudrhäfegznevlosnI Abbildung 102: Rating-Ansatz im Überblick In der Software „Strategie-Navigator-Rating Edition“ auf der CD zum Buch ist als Modul Unternehmensplanung, Finanzrating und Ratingprognose vollständig enthalten und weitere Ratingkomponenten in einer kompakten Version abgebildet, sodass das eigene Rating für alternative Planungsvarianten gut abgeschätzt werden kann. Die Risikosimulation fehlt. 5.2.2.1 Teilbereich P1: Finanzkennzahlenanalyse, Planung und Ratingprognose Beim „Finanzrating “ handelt es sich um die Berechnung von Kennzahlen, die auf der traditionellen Jahresabschlussanalyse basieren und Aussagen zur Vermögens-, Ertrags- und Liquiditätslage zulassen. Eine Jahresabschlussanalyse (die auch auf in der Software generierte Plan-Jahresabschlüsse angewendet werden kann) zeigt die wesentlichen Informationen zu Kapitalbindung, Liquidität, Rentabilität und Risikotragfähigkeit. Die Software bietet die Möglichkeit historische Jahresabschlussdaten eines Unternehmens (vollständige HGB-Struktur, optional auch IFRS) zu erfassen und so eine Vielzahl von Jahresabschlusskennzahlen herzuleiten. 5. IT-gestützte Hilfsmittel für Rating und Finanzierung398 Umsatzbezogene Kennzahlen 31.12.2011 31.12.2012 Δ 31.12.2012 in % p.a. Umsatzerlöse + Bestandsveränderung fertige/unfertige Erzeugnisse + andere aktivierte Eigenleistungen + sonstige betriebliche Erträge 53.590.000 € 0 € 0 € 0 € 51.930.000 € 0 € 0 € 0 € - 3,1 % % 1,3 - € 000.039.15€ 000.095.35 gnutsieltmaseG Betriebsergebnis (EBIT) / Gesamtleistung 2.920.000 € 53.590.000 € 1.030.000 € 51.930.000 € - 64,7 % - 3,1 % % 6,36 - % 2% 4,5 )egraM-TIBE( egraM evitarepO Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EBT) + AfA auf Sachanlagen und immatrielles Vermögen + Änderung der Pensionsrückstellungen - Steuern von Einkommen und Ertrag 1.140.000 € 2.240.000 € 0 € 684.000 € - 610.000 € 2.400.000 € 306.700 € 0 € + 7.1 % % 2,22 - € 007.690.2€ 000.696.2 nreuetS hcan wolfhsaC Cashflow nach Steuern / Gesamtleistung 2.696.000 € 53.590.000 € 2.096.700 € 51.930.000 € - 22,2 % - 3,1 % % 7,91- % 4% 5 egraM-wolfhsaC Cashflow nach Steuern + Zinsen und ähnliche Aufwendungen - AfA auf Sachanlagen und immatrielles Vermögen - Änderung des betriebsnotwendigen Vermögens (CE) 2.696.000 € 1.780.000 € 2.240.000 € 0 € 2.096.700 € 1.640.000 € 2.400.000 € - 450.000 € - 22,2 % - 7,9 % + 7,1 % Freier Cashflow nach Steuern (verschuldet) 2.236.000 € 1.786.700 € - 20,1 % Freier Cashflow nach Steuern (verschuldet) + Effekt der Steuerabzugsfähigkeit des Zinsaufwandes 2.236.000 € 1.068.000 € 1.786.700 € 0 € - 20,1 % Freier Cashflow nach Steuern (unverschuldet) 3.304.000 € 1.786,700 € - 45,9 % Gesamtleistung / betriebsnotwendiges Vermögen (CE) 53.590.000 € 25.650.000 € 51.930.000 € 25.200.000 € - 3,1 % -1,8 % % 4,1 - 60,290,2 )vitarepo( galhcsmulatipaK Abbildung 103: Ausschnitt aus den Umsatzbezogenen Kennzahlen (Beispiel) Diese Daten haben neben der Verfügbarkeit vor allem den Vorteil der Objektivität und des quantitativen Charakters. Sie erlauben einen schnellen Überblick über die monetäre Situation eines Unternehmens. Für eine Bonitätsprüfung sind die gewonnenen Daten jedoch nicht ausreichend, da bei der Beurteilung der Ausfallwahrscheinlichkeit (bzw. der Kreditwürdigkeit) Aussagen zur zukünftigen Entwicklung des Unternehmens gemacht werden müssen. Hier hat im Allgemeinen die Eigenkapitalquote, die Rückschlüsse auf die Risikotragfähigkeit eines Unternehmens zulassen, eine hohe Bedeutung. Die gewonnenen Kennzahlen werden im sog. Finanzrating (Bilanzrating) verdichtet.434 Das Finanzrating wurde dabei so konstruiert, dass es die Ergebnisse 434 Neben diesen Daten können im Risiko-Kompass plus Rating bzw. Strategie-Navigator Value Manager Edition weitere Informationen verwertet werden. Für eine Kennzahlenanalyse – über das Finanzrating hinaus – kann ein Vergleich unternehmenseigener Zahlen mit denen verschiedenster Branchen durchgeführt werden. Der Katalog an Benchmarks umfasst Analysedaten der Deutschen Bundesbank mit 26 Branchen von „produzierendem Gewerbe“ über „Handel“ bis „Verkehr“ unterteilt in Unternehmensgrößen mit Umsätzen „bis 2,5 Mio. €“, „2,5 bis unter 50 Mio. €“ und „über 50 Mio €“. 5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator 399 einer Vielzahl üblicher Ratingansätze (z. B. der Kreditinstitute und Rating-Agenturen) im Mittel gut abbildet („Benchmarkrating“). Finanzrating 31.12.2012 wirtschaftliche Eigenkapitalquote bereinigt dynamischer Verschuldungsgrad (a) Zinsdeckungsquote operative Marge (EBIT-Marge) Kapitalrückflussquote Gesamtkapitalrendite (ROCE) Quick-Ratio Verbindlichkeitenrückflussquote KENNZAHLEN CCC Finanzrating 31.12.2012 B BB BBB A WERT <10% >10% >20% >35% >60% 13,2% >8 <8 <4 <1 <0,01 10,2 <1 >1 >2,5 >4 >9 0,6 <0% >0% >5% >10% >15% 2% <5% >5% >10% >15% >25% 11,3% <0% >0% >5% >10% >20% 4,1% <60% >60% >90% >140% >200% 55,5% <–10% >–10% >0% >10% >20% 7,9% 4,2 Rating-Prognose 31.12.2013 wirtschaftliche Eigenkapitalquote bereinigt dynamischer Verschuldungsgrad (a) Zinsdeckungsquote operative Marge (EBIT-Marge) Kapitalrückflussquote Gesamtkapitalrendite (ROCE) Quick-Ratio Verbindlichkeitenrückflussquote KENNZAHLEN CCC Rating-Prognose 31.12.2013 B BB BBB A WERT <10% >10% >20% >35% >60% 14% >8 <8 <4 <1 <0,01 6,5 <1 >1 >2,5 >4 >9 2 <0% >0% >5% >10% >15% 6,5% <5% >5% >10% >15% >25% 18,6% <0% >0% >5% >10% >20% 13,3% <60% >60% >90% >140% >200% 60,1% <–10% >–10% >0% >10% >20% 8,9% 3,3 Abbildung 104: Finanzrating mit Rating-Prognose Ergänzend zur Erstellung eines Finanzratings basierend auf historischen Ist-Daten unterstützt die Software die Erstellung von Ratingprognosen. Auch in der (kostenlosen) „Basis-Version“ des Strategie-Navigators auf der Buch-CD ermöglicht das integrierte Planungsmodul die effi ziente Erstellung von Planerfolgsrechnung und Planbilanzen (vgl. 5.2.2.4). Aus diesen werden Planfi nanzkennzahlen abgeleitet, die in eine Ratingprognose umgesetzt werden. Die Software ermöglicht durch ihre Effi zienz dabei die Erstellung von Ratingprognosen für (a) Basisszenarien und (b) Stressszenarien. Dies erlaubt einen Blick ein Jahr oder mehr in die Zukunft, als die alleinige Betrachtung historischer Werte. Insbesondere die Berechnung von Ratingprognosen für Stressszenarien zeigt die Stabilität eines Ratings und dient als Krisenfrühwarnindikator. 5. IT-gestützte Hilfsmittel für Rating und Finanzierung400 5.2.2.2 Teilbereich P3: Branche und Erfolgspotenziale (Unternehmensanalyse) Die Software hilft durch eine Checklisten-geführte Analyse der wesentlichen Erfolgspotenziale bei der Erstellung einer Stärken- und Schwächen- Bilanz (Strategische Bilanz) eines Unternehmens. Dabei werden alle für die langfristigen Zukunftsperspektiven eines Unternehmens relevanten Aspekte – z. B. Marktposition und Wettbewerbsvorteile, Kompetenzen sowie Qualität und Effi zienz von Prozessen und Anlagen – betrachtet, unterteilt in die Bereiche Strategie und Management, Organisation und Prozesse, Mitarbeiter sowie Produkt und Markt. Der Erfolgsfaktor „Strategie und Management“ drückt aus, inwieweit es dem Unternehmen gelingt, eine den Marktbedingungen, Kundenwünschen und sonstigen Umfeldbedingungen angemessene Strategie zu realisieren. Der Erfolgsfaktor „Organisation und Prozesse“ betrachtet die formale, weitgehend von Personen unabhängige Struktur des Aufbaus eines Unternehmens sowie die Gestaltung der Geschäftsprozesse, des Informationsfl usses und der Methoden der Informationsauswertung. Qualifi zierte und motivierte „Mitarbeiter“ stellen einen entscheidenden Erfolgsfaktor für ein Unternehmen dar, denn alle Maßnahmen im Unternehmen, die letztlich auf Entwicklung, die effi ziente Herstellung und den Vertrieb der Produkte/ Leistungen ausgerichtet sind, werden von den Mitarbeitern eines Unternehmens durchgeführt. Erst die Mitarbeiter erfüllen die formale Struktur eines Unternehmens mit Leben. Der Erfolgsfaktor „Produkt und Markt“ betrachtet Indikatoren, die zeigen, inwieweit ein Unternehmen seine Produkte/Leistungen am Markt platzieren kann. Zu allen Bereichen werden Fragen, die auf einer Skala von 1 bis 5 beantwortet werden, gestellt. Dieser Vorgang wird in Abbildung 105 für den Bereich „Produkt und Markt“ exemplarisch dargestellt. Bei der Einschätzung der Erfolgspotenziale ist neben der direkten Beurteilung zusätzlich eine individuelle Gewichtung möglich. Auch Wechselwirkungen werden ausgewertet. Das Gesamt-Erfolgspotenzial des Unternehmens berechnet sich aus dem Durchschnitt der einzelnen Kriterien, wobei die Gewichtung der Kriterien in Abhängigkeit von Branchenzugehörigkeit und individueller „Geschäftslogik“ variiert werden kann. Auch durch die Berücksichtigung von Wechselwirkungen zwischen den Erfolgsfaktoren variiert die Gewichtung. Die Ergebnisse der Analyse werden in einer Auswertungsübersicht grafi sch dargestellt, was Abbildung 106 zeigt. 5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator 401 Abbildung 105: Auszug aus der Checklisten-geführten Analyse der Erfolgspotenziale Abbildung 106: Übersicht über die Erfolgspotenziale 5. IT-gestützte Hilfsmittel für Rating und Finanzierung402 Abbildung 107: Übersicht über das Branchenrating Abbildung 108: Übersicht der Bankenbeziehung 5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator 403 Die Bewertung der Branche, in der das zu beurteilende Unternehmen seinen (Haupt-) Umsatz erzielt, erfolgt im Teilbereich „Branchenrating“. Das Umfeld des Unternehmens wird in diesem Kontext unter Bezug auf die Wettbewerbskräfte („Porter-Ansatz“) bezüglich Attraktivität beurteilt. Das Branchenrating bestimmt sich aus einem gewichteten Mittelwert aus den Bewertungen der einzelnen Kriterien zur Branchenattraktivität. Dazu wurden aus dem Ansatz von Porter die wichtigsten Einzelkriterien abgeleitet, die auf einer Notenskala von 1 („sehr positiv“) bis 5 („sehr negativ“) bewertet werden. Die einzelnen Kriterien zeigt Abbildung 107. Durch ein Zusatzmodul kann eine detaillierte Portfolioanalyse für die einzelnen Geschäftsbereiche des Unternehmens unterstützt werden. Für das Rating ist auch die Qualität der „Bankbeziehungen“ von Bedeutung, die unter anderem von der Aussagefähigkeit der übermittelten Informationen und der Qualität des Rechnungswesens als Datengrundlage abhängt („Glaubwürdigkeit und Transparenz“). Dieser Aspekt ist gerade dann von Bedeutung, wenn ein Unternehmen sich auf das Rating durch ein Kreditinstitut vorbereiten möchte. Die Abbildung 108 zeigt die Übersicht der Auswertung der relevanten Kriterien. 5.2.2.3 Teilbereich Risikoanalyse Da Insolvenzen meist die Konsequenz eingetretener Risiken sind, haben alle Risiken (Chancen und Gefahren), die mit unternehmerischer Tätigkeit einhergehen, einen gro- ßen Einfl uss auf das Rating. Daher ist es von Bedeutung, die Risikosituation des Unternehmens möglichst umfassend einzuschätzen. Als Hilfe bei einer strukturierten Erfassung der Risiken sind die häufi gsten schon in einer Checkliste hinterlegt (ähnlich der aus Abschnitt 3.7.5). Eine Eingabe weiterer individueller Risiken ist darüber hinaus möglich. Für die Ableitung von Ausfallwahrscheinlichkeiten und Ratings ist es notwendig, die möglichen zukünftigen Auswirkungen von Risiken zu bewerten. Dies erfolgt zunächst durch die Erfassung der Relevanzen von Risiken. Ausprägung 1. Unbedeutendes Risiko, das kaum spürbare Abweichungen vom Betriebsergebnis verursacht. 2. Mittleres Risiko, das eine spürbare Beeinträchtigung des Betriebsergebnisses bewirkt. 3. Bedeutendes Risiko, das das Betriebsergebnis stark beeinfl usst. 4. Schwerwiegendes Risiko, das allein das übliche Betriebsergebnis eines Jahres aufzehren kann. 5. Bestandsgefährdendes Risiko, das mit einer wesentlichen Wahrscheinlichkeit den Fortbestand des Unternehmens gefährdet. Tabelle 46: Relevanzskala Nach der eher qualitativen Bewertung eines Risikos mittels der o.g. Relevanz, ermöglicht die Software zudem, für jedes Risiko eine quantitative Beurteilung vorzunehmen (z. B. hinsichtlich Schadenshöhe und Eintrittshäufi gkeit). Dabei können verschiedene denkbare Schadensszenarien unterschieden werden (zu sehen am Beispiel „Produkthaftpfl icht“ in Abbildung 109). 5. IT-gestützte Hilfsmittel für Rating und Finanzierung404 Abbildung 109: Bewertung eines Risikos am Beispiel Produkthaftpfl icht Gerade zur Erfassung üblicher Planungsunsicherheiten (speziell bei Kosten) kann eine Risikoquantifi zierung erfolgen über die Angabe von (a) Mindestwert, (b) wahrscheinlichsten Wert und (c) Maximalwert einer Planungsposition (wie z. B. Umsatzwachstum), also einer sogenannten Dreiecksverteilung (siehe Abschnitt 3.6.5). Darüber hinaus ist es auch möglich, Risiken als normalverteilte Schwankungen zu erfassen. So wird es beispielsweise möglich den Umfang möglicher Planabweichungen beim erwarteten Umsatz durch Angabe der erwarteten Streuung (Standardabweichung) für das kommende Geschäftsjahr explizit zu beschreiben. Insgesamt steht ein breites Spektrum an Wahrscheinlichkeitsverteilungen zur quantitativen Beschreibung von Risiken zur Verfügung. 5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator 405 Abbildung 110: Planungsrisiken: Unsicherheit von Positionen der Unternehmensplanung 5.2.2.4 Teilbereich P2: Unternehmensplanung und Unternehmenssimulation (Risikoaggregation) Mit Hilfe einer stochastischen Unternehmensplanung , die eine quantitative Berücksichtigung identifi zierter Risiken zulässt, kann unmittelbar auf die Wahrscheinlichkeit der Überschuldung bzw. Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens geschlossen werden. Dieser theoretisch sinnvolle, aber in der Praxis der Kreditinstitute bisher noch relativ selten umgesetzte alternative Ansatz zur Fundierung von Rating-Urteilen ist im Risiko-Kompass und Strategie-Navigator (Value Manager Edition) als zusätzliches Instrumentarium implementiert. Die Software unterstützt bei der Erstellung einer Plan- Gewinn- und Verlustrechnung und einer Plan-Bilanz auf Basis der historischen Jahresabschluss-Analyse mittels Fortschreibungsregeln und durch die Beschreibung von Abhängigkeiten zwischen Plan-Größe („integriertes Planungsmodell“). Anders als traditionelle Software-gestützte Unternehmensplanungsverfahren, erlaubt der Risiko- Kompass und der Strategie-Navigator (Value Manager Edition) die Zuordnung der bewerteten Risiken zu den einzelnen Planwerten (siehe Abbildung 111). 5. IT-gestützte Hilfsmittel für Rating und Finanzierung406 S1 S2 S3 Sn Plan-GuV Absatzmenge Neuer Wettbewerber Materialpreise Personalkosten Zins- änderung Ausfall der IT Umsatz 1.000 950 1.000 1.000 ---- Materialkosten – 400 –380 –400 –360 ---- Deckungsbeitrag = 600 570 600 640 ---- Personalaufwand – 300 –300 –300 –296 ---- Sonstige Kosten – 150 –150 –150 –150 ---davon Risikotransfer 5 5 5 5 ---- AfA – 50 -50 –50 –50 ---- Betriebsergebnis = 100 70 100 144 ---- Zinsaufwand – 44 –44 –50 –50 ---a.o. Ergebnis – 0 0 –200 0 ---- Gewinn vor Steuern = 56 26 –150 94 ---- R6 R5 R4 R3 R2 R1 +/–5% –100 –/+10% +/–2% +/–1% –200 Abbildung 111: Schematische Übersicht der Zuordnung von Risiken zu Plangrößen Auf diese Weise können mittels Simulation (Risikoaggregationsverfahren ) Bandbreiten für die wichtigsten Plangrößen – beispielsweise das Betriebsergebnis (EBIT) – berechnet werden. Dabei wird mit Hilfe dieser Technik auch der risikobedingte Eigenkapitalbedarf für eine angestrebte Rating-Stufe und die Wahrscheinlichkeit für den kompletten Verzehr des tatsächlich vorhandenen Eigenkapitals und die Illiquidität berechnet. Konkret ist in der Software standardmäßig das nachfolgende Unternehmensmodell integriert, mit den dargestellten Beziehungen der simulierten Größen von Plan-GuV und Plan-Bilanz. Mit diesen Angaben über Risiken (mögliche Planabweichungen), die sich an unterschiedlichen Stellen der GuV und Bilanz auswirken, werden mehrere tausend risikobedingt mögliche Zukunftsszenarien simuliert, die mögliche risikobedingte Ausprägungen des zukünftigen Gewinns und Cashfl ows darstellen. Aus den Simulationsergebnissen können dann die relevanten Kennzahlen, wie Mittelwert, Standardabweichung und Quantile, berechnet werden. Entscheidend für das Rating ist, dass sich für jedes einzelne risikoabhängige Szenario bestimmen lässt, ob das Unternehmen in dem ermittelten Jahr illiquide oder überschuldet war. Aus der Anzahl der Szenarien, in denen das eine oder andere Kriterium zutraf, kann direkt die Insolvenzwahrscheinlichkeit bestimmt werden, die wiederum das Gesamtrating (siehe Abbildung 112) beeinfl usst. Auch die Wahrscheinlichkeit der Verletzung von Covenants (Kreditvereinbarungen) wird so berechnet. Zu beachten ist, dass Kreditinstitute derartige Verfahren bisher noch selten als „Standard“ anwenden – die Ergebnisse sind daher weniger für eine präzise Vorhersage der Rating-Einschätzung durch eine Bank als für ein eigenes Verständnis der Chancen und Gefahren der zukünftigen Unternehmensentwicklung von Bedeutung. Insbesondere kann durch die Analyse verschiedener Szenarien und Handlungsmöglichkeiten ein fundiertes Abwägen von Chancen und Gefahren erreicht sowie eine Rating-Prognose getroffen werden, was zu einer nachhaltigen Sicherung des Unternehmens beiträgt. Die mittels Simulation berechnete Rating-Prognose dient also zur Krisenprophylaxe. Im sog. „Risiko-Cockpit “ werden neben dem Risikoinventar die ermittelten Werte der Simulation in komprimierter Form übersichtlich als Kennzahlen und anhand von Grafi ken dargestellt (siehe Abbildung 113). 5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator 407 Position Plan Schwankungen der Position Plan 2013 2013 Gesamtleistung 56.000.000,00 A: Anlagevermögen 14.410.000,00 1. Umsatzerlöse 55.818.766,56 B: Umlaufvermögen 17.158.163,84 2. Bestandsveränderung fertige/unfertg. Erzeugnisse 181.233,44 I. Vorräte 8.349.318,90 5. Materialaufwand 26.876.656,09 II. Forderungen und sonst. Vermögensgegenstände 7.408.844,94 a) Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, bezogene Waren 26.876.656,09 1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 7.325.247,25 b) Aufwendungen für bezogene Leistungen 0,00 4. sonstige Vermögensgegenstände 83.597,69 Deckungsbeitrag 29.123.343,91 Bilanzsumme Aktiva 31.568.163,84 fixe, zahlungswirksame Kosten 23.731.293,15 A: Eigenkapital 12.024.820,30 6. Personalaufwand 14.943.086,40 I. gezeichnetes Kapital 11.020.000,00 8. sonstiger betrieblicher Aufwand (mit Prämie) 8.788.206,75 II. Kapitalrücklage 0,00 EBITDA 5.392.050,76 III. Gewinnrücklagen 0,00 7. Abschreibungen 2.240.000,00 IV. Gewinnvortrag / Verlustvortrag 456.000,00 Betriebsergebnis (EBIT) 3.152.050,76 V. Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag 548.820,30 Finanzergebnis -1.780.000,00 B: Rückstellungen 3.210.000,00 13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 1.780.000,00 C: Verbindlichkeiten 15.579.728,31 14. Ergebnis der gewöhnl. Geschäftstätigkeit (EBT) 1.372.050,76 2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstitute 10.520.637,06 17. a.o. Ergebnis, Korrekturen -261.355,00 4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 3.929.091,25 15. a.o. Erträge 0,00 8. sonstige Verbindlichkeiten 1.130.000,00 16. a.o. Aufwendungen 261.355,00 Bilanzsumme Passiva 31.568.163,84 Gewinn vor Steuern 1.110.695,76 18. Steuern von Einkommen und Ertrag 333.208,73 21. Gewinn nach Steuern 777.487,03 Absatzmenge = 2% Absatzpreis = 0,5% Materialkosten = 0,5% Personalkosten = 1% sonst. Kosten = 1% Zinsen = 1,05%-Pkte. Abh. von Schlüsselkunde; Produkthaftung; Änderungsmanagement; Rev. Invest.entscheidung Berücksichtigung von Steuersatz, Ausschüttungsquote, Gewinn-/Verlustvortrag Abbildung 112: Unternehmensmodell In dieser Abbildung bedeutet bspw. die Eigenkapitaldeckung von 184 %, dass bei diesem Unternehmen das vorhandene Eigenkapital aus der Unternehmensplanung den Eigenkapitalbedarf auf dem 5 %-Niveau (5 % der ermittelten Werte der Simulation liegen also außerhalb) um das knapp 2-fache überschreitet (vorhandenes Eigenkapital: 4,4 Mio. €, Eigenkapitalbedarf: 2,4 Mio. €). Unmittelbar ablesbar ist die Überschuldungswahrscheinlichkeit (2,6 %) des hier betrachteten Unternehmens. Allerdings zeigt sich in diesem Beispiel auch der bestehende Liquiditätsmangel des Unternehmens, so dass sich nur ein „CCC“-Rating ergibt. Abbildung 113: Risiko-Cockpit mit Informationen zur Gesamtrisikosituation 5.2.3 Rating-Cockpit Zur Generierung des Rating-Urteils werden zunächst nur die Teilbereiche P1 und P3 bzw. deren Teilratings herangezogen. Der Teilbereich P2 (Unternehmenssimulation), der die Risikosituation aus der Unternehmensplanung und die darin enthaltenen Risi- 5. IT-gestützte Hilfsmittel für Rating und Finanzierung408 ken berücksichtigt, wird an dieser Stelle noch nicht mit einbezogen. Diese Vorgehensweise entspricht den üblichen Rating-Verfahren der Banken und Rating-Agenturen und erlaubt eine Rating-Abschätzung („indikatives Rating“) aus Perspektive eines Externen, der nicht über alle unternehmensinternen Informationen über Planung und Risiken verfügt. 5.2.4 Gesamtrating und Rating-Steuerung Im Gesamtrating werden die Teilratings zu den Erfolgspotenzialen, zur Branchenattraktivität, zu den Bankbeziehungen und das Finanzrating (alle gemessen auf einer Skala zwischen 1 und 5) mit (kontextabhängigen) Gewichten versehen und zu einer Gesamtkennzahl  – dem „Zukunftspotenzial“  – addiert. Diese Bewertung des Zukunftspotenzials kann unmittelbar mittels einer Kalibrierung in eine Rating-Note umgesetzt werden. Die Gewichtungen können für jedes Unternehmen individuell angepasst werden und sind kontextabhängig. Abbildung 114: Darstellung des Gesamtratings im Risiko-Kompass plus Rating Die Darstellung des Gesamtratings bildet ein traditionelles, bankennahes Rating ab, das alle wesentlichen Elemente verschiedener Rating-Systeme beinhaltet. Jeder Ratingstufe des so ermittelten Gesamtratings kann eine erwartete Insolvenzwahrscheinlichkeit (näherungsweise also die Ausfallwahrscheinlichkeit) zugeordnet werden. 5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator 409 Rating- Note Rating- Stufe Beschreibung Ausfallwahrscheinlichkeit 1. Jahr 1 AAA/AA Hohe Bonität, sehr geringes Ausfallrisiko 0,0 % 1,5 A Überdurchschnittliche Bonität, etwas erhöhtes Risiko 0,1 % 2 BBB Noch gute Bonität, mittleres Risiko 0,3 % 3 BB Vertretbare Bonität, erhöhtes Risiko 1,5 % 4 B Schlechte Bonität, hohes Risiko 7,0 % 5 CCC Geringste Bonität, höchstes Risiko 12 % Tabelle 47: Erläuterungen der Rating-Stufen im Risiko-Kompass Die aus dem Unternehmensplanungsmodell (Simulation) abgeleiteten Erkenntnisse hinsichtlich des Ratings werden in einem weiteren Analyseschritt mit den „traditionellen“ Rating-Kriterien verbunden. Insofern bietet sich sowohl die Möglichkeit, ein bankennahes, traditionelles Rating abzubilden als auch innovative, zukunftsorientierte Rating-Einschätzungen auf Basis der Planung des Unternehmens und der mit ihr verbundenen Risiken selbst anzuzeigen. Letzteres ist vor allem für die Unternehmensführung selbst von großer Bedeutung, um die Konsequenzen ihrer Zukunftsplanung – welche die Kreditinstitute bestenfalls rudimentär berücksichtigen – auf die zukünftige Entwicklung ihrer Ratings rechtzeitig anzuzeigen und z. B. das Rating-Änderungsrisiko und dessen Folgen realistisch einschätzen zu können. Abbildung 115: Bestimmung der Rating-Urteils unter Berücksichtigung der individuellen Risiken 5. IT-gestützte Hilfsmittel für Rating und Finanzierung410 Zur Berücksichtigung der Ergebnisse der Risikoaggregation mit dem „klassischen“ Rating-Verfahren wird das ermittelte „Roh-Rating“ (bzw. die damit verbundenen Ausfallwahrscheinlichkeiten) schließlich mit den Ausfallwahrscheinlichkeiten aus der simulierten Unternehmensplanung im „Rating-Cockpit“ verbunden. Dies ermöglicht die explizite Einbeziehung der Unternehmensrisiken und erlaubt zudem Konsistenztests, sowie die – in üblichen Rating-Ansätzen nicht mögliche – Ableitung einer zeitlichen Struktur der Ausfallwahrscheinlichkeiten. Der Strategie-Navigator und der Risiko-Kompass sind so konzipiert, dass die Unternehmensleitung die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen auf die Rating-Note simulieren kann (Rating-Prognose). Auch das Rating-Änderungsrisiko, das zu einer Verschlechterung der Konditionen oder sogar zur Insolvenz führen kann, kann so abgeschätzt werden. Die Existenz des Rating-Änderungsrisikos zeigt die Wichtigkeit einer soliden Rating-Prognose, um auf drohende Änderungen rechtzeitig reagieren zu können. Darüber hinaus können mit Hilfe einer Sensitivitätsanalyse die Faktoren berechnet und angezeigt werden, deren Verbesserung die größte Verringerung der prognostizierten Ausfallswahrscheinlichkeit bewirken und zu einer deutlichen Verbesserung des Ratings führen. Auch die Konsequenzen für den (Rating-abhängigen) zukünftigen Zinsaufwand werden gezeigt. 5.2.5 Zusatzmodule: Risikomanagement, Bewertung, Treasury und weitere Zusatzfunktionen des Strategie-Navigators (1) Unternehmensbewertung und wertorientierte Steuerung Das Modul „Unternehmensbewertung“, welches ein Bestandteil der Software Strategie-Navigator (Value Manager Edition) ist, enthält leistungsfähige Verfahren zur Bewertung des Unternehmens auf Grundlage der Discounted-Cashfl ow-Methode, wobei die im Bereich der Unternehmensplanung erfassten Daten ebenso wie die Risikoinformationen ausgewertet werden. Ergänzend zur traditionellen Bewertungstechnik (mit der Ableitung von Kapitalkostensätzen über das CAPM) kann auch der für unvollkommene Kapitalmärkte (speziell bei Fehlen von Kapitalmarktinformationen) hilfreiche simulationsbasierte Bewertung genutzt werden. Bei diesem wird das Risikomaß (wie der Eigenkapitalbedarf) aus der Risikoaggregation abgeleitet (anstelle des BETA- Faktors des CAPM). Ein höherer Umfang möglicher Planabweichungen (Ertragsrisiko) bzw. höherer Bedarf an teurem Eigenkapital zur Abdeckung risikobedingt möglicher Planabweichungen oder Verluste führt zu einem höheren Gesamtkapitalkostensatz (Weighted Average Cost of Capital, WACC) und entsprechend zu einem sinkenden Unternehmenswert. Wie erläutert wird auch die Konsequenz der Insolvenzwahrscheinlichkeit selbst für den Unternehmenswert berücksichtigt (vgl. Abschnitt 4.7). Jede Veränderung des Risikoumfangs und jede unternehmerische Maßnahme kann damit explizit aus Perspektive der Gläubiger (beim Rating) und der Eigentümer (beim Unternehmenswert) beurteilt werden (vgl. Abschnitte 4.7 und 4.8). (2) Risikomanagement Da sich die Risikosituation eines Unternehmens im Zeitverlauf ändert, unterstützt das Modul „Risikomanagement“ (enthalten, z. B. im Risiko-Kompass) den Aufbau eines Risikomanagementsystems, das sich an den Vorgaben des Kontroll- und Transparenz- Gesetzes (KonTraG) orientiert und für jedes Risiko erfasst, in welcher Weise es laufend zu überwachen ist. Dabei wird jedem Risiko zugeordnet, wer für die Überwachung verantwortlich ist, in welchem Turnus das Risiko zu überwachen und wie ein Risiko zu quantifi zieren ist. Für das Risiko relevante und schon existierende Dokumente (z. B. QM-Richtlinien etc.) können als Datei dem jeweiligen Risiko zugeordnet werden. Wer- 5.2 Der Risiko-Kompass plus Rating und die Softwareplattform Strategie-Navigator 411 den Schwellenwerte von defi nierten Frühwarnindikatoren überschritten, die eine kritische Entwicklung des Risikos anzeigen, wird die Anzeige von grün („kein Handlungsbedarf“) auf gelb („baldiger Handlungsbedarf“) bzw. rot („sofortiger Handlungsbedarf“) umgestellt. Um den Umgang mit einem Risiko zu unterstützen und auf eine Optimierung der Risikoposition hinzuwirken, wird zudem ein Controlling von präventiven und reaktiven Maßnahmen hinsichtlich jedem Risiko angeboten und der Handlungsbedarf in einer To-Do-Liste zusammengefasst. Abbildung 116: Darstellung der Überwachung eines Risikos Abbildung 117: To-Do-Liste im Risikomanagement (3) Treasury Mit Hilfe dieses Zusatzmoduls können (exogene) volkswirtschaftliche Einfl üsse modelliert werden, also die Unsicherheit im Hinblick auf die Entwicklung von Infl ationsrate, Zinsen oder Wechselkursen. Um die Wirkung exogener Risikofaktoren (Umfeldfaktoren, wie z. B. Zins oder Währung) darstellen zu können, werden diese Risikofaktoren explizit durch sog. „stochastische Prozesse“ modelliert. Dies bildet die Grundlage für die Beurteilung von Finanzinstrumente und Hedging-Strategien. Durch eine derartige „volkswirtschaftliche Fundierung“ wird es beispielsweise möglich, zu beantworten, wie sich Veränderungen von Zinssätzen oder Wechselkursen auf 5. IT-gestützte Hilfsmittel für Rating und Finanzierung412 den Erfolg auswirken. Durch Erfassung verschiedener Ausprägungen der exogenen Risikofaktoren können mögliche Szenarien der Entwicklung des volkswirtschaftlichen Umfelds und deren Auswirkung auf das Unternehmen betrachtet werden. Damit ist es „auf Knopfdruck“ möglich, alternative Planrechnungen in Abhängigkeit des Umfeldszenarios zu erstellen. Beispielsweise werden damit auch Stresstests ermöglicht. Mit Hilfe des Derivatespiegels werden die Auswirkungen verschiedener (Absicherungs-)Instrumente auf das Unternehmen bzw. Exposure des Unternehmens modelliert. Durch die Abbildung von Optionen (Call/Put; Short/Long) und Future (Short/Long) können Hedging-Strategien des Risikotransfers – auch in der Konsequenz für das Rating – beurteilt werden. Mit Hilfe des Kreditspiegels kann zudem die genaue Finanzierungssituation des Unternehmens erfasst, sowie die Wirkung von Finanzderivaten mit Bezug auf vorhandene oder geplante Kredite beurteilt werden. Die Integration erfolgt standardmäßig für folgende vier Kreditarten: • Kontokorrentkredit, • Darlehen mit endfälliger Tilgung, • Darlehen mit fester Tilgungshöhe und • Annuitätenkredit. 5.3 Quick-Rater 413 Mit Hilfe des Kreditspiegels werden die Eigenschaften der einzelnen Kredite detailliert erfasst. Die Zahlungspläne der Kredite werden automatisch berechnet. Die Auswirkung von unsichere zukünftigen Zinsen und vertraglich vereinbarter Tilgung von Krediten auf das Unternehmen kann mit Hilfe des Moduls präziser beurteilt werden. (4) Strategisches Management und Balanced Scorecard Mit dem Zusatzmodul „Balanced Scorecard“ kann die Unternehmensstrategie strukturiert (auch mit vordefi nierten „Strategie-Dimensionen“) beschrieben und jedem strategischen Ziel eine Kennzahl zugeordnet werden, mit der Fortschritte bei der Zielerreichung angezeigt werden können. Durch die Zuordnung von Soll-Werten, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten unterstützt die Balanced Scorecard als strategisches Managementsystem das strategische Controlling und die Überwachung der Strategieumsetzung. Im Rahmen der Balanced Scorecard können dabei selbstverständlich auch die maßgeblichen Finanzkennzahlen des Ratings und die Maßnahmen der Ratingstrategie mit einbezogen werden. Zusätzlich besteht435 die Möglichkeit, strategische Kennzahlen der Balanced Scorecard mit denjenigen Risiken zu verbinden, die hier Planabweichungen auslösen können. In dieser Hinsicht kann die Software damit zu einem integrierten Managementsystem erweitert werden, das Strategieumsetzung, Risikomanagement und Controlling hocheffi zient verbindet und die verdichteten Gesamtergebnisse und die Situation des Unternehmens in geeigneten Management-Reports aufbereitet. Das Zusatzmodul „operatives Controlling“ erlaubt die Erfassung von (monatlichen) Ist-Daten für Erfolgsrechnungen (G+V) und Bilanz, die Erstellung von Forecasts (mit verschiedenen Prognoseregeln) sowie die Durchführung von Abweichungsanalysen, was den Risiko-Kompass zu einem Instrument der kurzfristigen Erfolgssteuerung des Unternehmens macht. 5.2.6 Funktion des Strategie-Navigator – Risiko & Rating Light Der der Begleit-CD beigefügte „Strategie-Navigator Risiko Rating Light“ umfasst die wesentlichen Kernbausteine (uneingeschränkt) der hier erläuterten Softwaresysteme „Strategie-Navigator“ und „Risikokompass“436. Die Software umfasst insbesondere folgende der oben im Detail erläuterten Funktionalitäten: • Unternehmensplanung, • Finanzrating und Ratingprognosen, • Abschätzung Gesamtrating, • Erfassung einer (Rating-)Strategie. • Risikoidentifi kation, 5.3 Quick-Rater Ein weiteres Beispiel einer kostenlosen Software ist der „Quick-Rater“ der FutureValue Group AG, welcher im Folgenden kurz vorgestellt wird.437 Er ist auch auf der Begleit-CD des Buchs zu fi nden. Der „Quick-Rater “ soll Unternehmen sowohl hinsichtlich der Herausforderung durch Basel II und Basel III sensibilisieren als auch die von Kreditinstituten betrachteten Fra- 435 In Anlehnung an den FutureValue Scorecard-Ansatz. 436 Bzw. Strategie-Navigator mit dem integrierten Risikokompass. 437 In enger Anlehnung an Sautter/Holoubek (2007).

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Rating und Finanzierung unter Basel III

Mit Basel III hat der sogenannte Baseler Ausschuss ein neues Regelwerk mit Eigenkapitalvorschriften für Banken veröffentlicht, das ab 2013 schrittweise in Kraft tritt. Während Basel II vor allem die Risikomessung zum Gegenstand hat, geht es in den neuen Regelungen um die Definition des Eigenkapitals und die erforderlichen Mindestquoten. Das stellt insbesondere mittelständische Firmen, die auf weitere Kreditvergabe durch Banken angewiesen sind, vor neue Herausforderungen.

Das Praxishandbuch Rating und Finanzierung stellt Firmen Bausteine für eine ratingorientierte Unternehmensführung zur Verfügung.

Die Schwerpunkte:

- Rating als Erfolgsfaktor

- Analyse der eigenen Situation: Wie gut ist unser Rating?

- Optimierung des Ratings

- IT-gestützte Hilfsmittel für das Rating

- Die Zukunft von Rating und Finanzierung

Besonders praktisch

sind die Checklisten zur Analyse und Optimierung des eigenen Unternehmens sowie die CD mit der Software Quick-Rater, die eine Eigenbewertung des Unternehmens ermöglicht.

Die Autoren

Dr. Werner Gleißner ist Vorstand der FutureValue Group AG und Dr. Karsten Füser ist Partner bei Ernst&Young.

Zielgruppe

Mitarbeiter in den Finanzabteilungen mittelständischer Unternehmen.