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3.8 Erweiterungen des eigenen Ratings in:

Werner Gleißner, Karsten Füser

Praxishandbuch Rating und Finanzierung, page 238 - 241

Strategien für den Mittelstand

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-3876-5, ISBN online: 978-3-8006-3877-2, https://doi.org/10.15358/9783800638772_238

Series: Finance Competence

Bibliographic information
3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?224 Rating Zukunftspotenzial 1 2 3 4 5 M ax im al ris ik o 1 AAA/AA BBB BB B CCC 2 A BBB BB B CCC 3 BBB BB BB B CCC 4 BB BB B CCC CCC 5 B B CCC CCC CCC Aus der Verknüpfung von „Risiko“ und „Potenzial“ errechnet sich somit in Abhängigkeit der eigenen Finanzkennzahlen und der spezifi schen Branchensituation das eigene Rating. Sie können es als selbst ermittelten Vergleichsmaßstab zu internen und externen Ratings interpretieren. Die nachfolgende Tabelle zeigt Orientierungswerte für die Zuordnung von Ratingnote zur damit verbundenen Insolvenzwahrscheinlichkeit (PD). Rating Rating-Note PD AAA/AA < 1,12 < 0,02 % AA– < 1,25 < 0,03 % A+ < 1,42 < 0,06 % A < 1,58 < 0,10 % A– < 1,75 < 0,15 % BBB+ < 2,00 < 0,28 % BBB < 2,25 < 0,48 % BBB- < 2,50 < 0,78 % BB+ < 2,83 < 1,37 % BB < 3,17 < 2,30 % BB– < 3,50 < 3,61 % B+ < 3,75 < 4,95 % B < 4,00 < 6,64 % B– < 4,50 < 11,35 % CCC ≥ 4,50 > 11,35 % Tabelle 29: Rating und Insolvenzwahrscheinlichkeit (PD) 3.8 Erweiterungen des eigenen Ratings 3.8.1 Corporate Rating vs. Credit Rating Die Berücksichtigung von Sicherheiten im Rahmen des erweiterten eigenen Ratings ebnet den Weg von einem Corporate Rating zu einem Credit Rating . Ansatzweise lässt sich dieser Weg über den folgenden Zusammenhang darstellen:211 211 Vgl. Füser (2001a). 3.8 Erweiterungen des eigenen Ratings 225 Die Bewertung und Berücksichtigung werthaltiger Sicherheiten zur Absicherung eines Engagements ist heute bereits seit Jahren Standard bei vielen Banken, wenngleich die Kopplung mit einem Rating-Urteil noch immer nicht in allen Häusern gegeben ist. Grundsätzlich stellt sich die Frage, welche Sicherheiten sollen zur Absicherung des Vorhabens gestellt und wie können diese im Rahmen der Bonitätsbeurteilung („Credit Rating“) verarbeitet werden? Ansatzpunkte hierfür liefert das nachfolgende Beispiel: Beispiel einer Risikomatrix aus Sicherheitenklasse und Rating: Sicherheitenklasse Rating AAA/ AA/A BB/B BB B CCC Obligo voll besichert 1 1 1 2 3 4 unter 100 % besichert 2 1 1 2 4 5 Obligo bis unter 75 % abgesichert 3 1 2 3 4 5 Obligo bis 50 % abgesichert 4 1 2 3 4 5 Obligo bis unter 25 % abgesichert 5 1 2 4 5 6 Ungenügend – keine werthaltigen Sicherheiten 6 1 2 4 5 6 Das Beispiel zeigt, dass die Verarbeitung werthaltiger Sicherheiten zu einem eigenen Credit-Rating führt. Wenn somit z. B. ein Kredit von 1 Mio. EUR beansprucht wird und den werthaltigen Sicherheiten von 650 000 EUR gegenüberstehen, folgt hieraus eine Einstufung in die Sicherheitenklasse 3. In Abhängigkeit des Ratings erfolgt die Gesamtbewertung, die hier – abweichend zum Corporate Rating – mit Hilfe eines Schulnotenprinzips veranschaulicht wird. Bei der Beurteilung einer Emission (z. B. einer Anleihe) interessiert den Käufer letztlich der erwartete Verlust, der Expected Loss, der von der Qualität und den Sicherheiten abhängig ist („Emissions-Rating“). Entsprechend kann man auch eine Zuordnung von Ratingnoten zu den typischen Ausprägungen von Expected Loss ableiten (vgl. nachfolgend eine Auswertung von Euler Hermes Rating Deutschland GmbH und FutureValue Group AG basierend auf Daten von Moody´s sowie Abschnitt 3.9.1). Ratingnote Recovery Rate (RR) (Altman, 2007) Probability of Default (PD) (Moody´s 1920 bis 2009) Expected Loss (EL) AAA/Aaa 82,55 % 0,00 % 0,00 % AA/Aa 65,68 % 0,03 % 0,01 % A/A 53,91 % 0,02 % 0,01 % BBB/Baa 42,15 % 0,18 % 0,10 % BB/Ba 36,25 % 1,11 % 0,71 % B/B 34,11 % 5,29 % 3,49 % CCC/Caa 37,67 % 23,41 % 14,59 % Tabelle 30: Zuordnung von Ratingnote zu Expected Loss und Grobeinschätzung für Corporate Ratings 3. Analyse der eigenen Situation: W ie gut ist unser Rating?226 Grundsätzlich führt das Ergebnis aus der Bonitätsbeurteilung verknüpft mit der Zuordnung zu einer Sicherheitenklasse zu einer objektivierten Risikoeinstufung. Man ist sich prinzipiell (seitens der Banken) einig, dass Kredite nicht aus der Verwertung von Kreditsicherheiten, sondern aus den Cashfl ows eines im Markt wettbewerbsfähigen Unternehmens zurückgeführt werden sollen. 3.8.2 Ableitung von Handlungsbedarf Nachdem nunmehr die Ermittlung eines Corporate Ratings und die Ableitung eines Risk Ratings dargestellt wurden, gilt es Handlungsalternativen aus den „Schwächen des eigenen Ratings“ abzuleiten. Hierzu bietet es sich an, die die einzelnen Ratings determinierenden Größen noch einmal kritisch zu hinterfragen, bevor nachfolgend auf die Ansätze zur Optimierung des eigenen Ratings detaillierter eingegangen wird. Es gilt also die „kritischen Rating-Kriterien“ zu identifi zieren, bezüglich derer Handlungsbedarf besteht. Stellen Sie sich somit die Frage, ob Ihr Corporate Rating i. W. von • den Risiken, • der Branchensituation, • den Finanzkennzahlen und • den Erfolgspotenzialen oder im Falle eines Credit Ratings von • den Sicherheiten abhängt. Verschaffen Sie sich einen Eindruck auf der Ebene der Rating-Kriterien, welche Größen Ihr Rating maßgeblich beeinfl ussen. Stellen Sie sich vor diesem Hintergrund die Frage, wie stabil ist das eigene Rating bei einer Veränderung/Variation der wesentlichen Einfl ussgrößen. Es bietet sich hierzu an, neben den berechneten Durchschnittsgrößen auch den Minimal- und Maximalwert der Ratings zu bestimmen. Nennen Sie die fünf Kriterien, die Ihr Rating maßgeblich beeinfl ussen: Nr. Kriterium, das Ihr Rating maßgeblich (negativ) beeinfl usst: 1. 2. 3. 4. 5. Wenn Sie sich hierüber ein umfassendes Bild verschafft haben, können Sie nunmehr dazu übergehen, das eigene Rating durch Maßnahmen („Handlungen“) zu optimieren. Hierzu liefert Ihnen das folgende Kapitel zahlreiche Anhaltspunkte. 3.8.3 Vom Rating zur Ratingprognose Mit der bisher dargestellten Ratingmethodik ist es möglich einzuschätzen, wie Gläubiger (speziell Banken) ein Unternehmen auf Grundlage der aktuell verfügbaren Daten einschätzen. Für ein zukunftsorientiertes Ratingmanagement, speziell die Entwicklung einer Ratingstrategie , ist jedoch ein Blick in die Zukunft erforderlich. Hierzu 3.9 Spezialaspekte des Ratings 227 werden Ratingprognosen eingesetzt. Ratingprognosen dienen dazu vorherzusehen, wie sich das Rating eines Unternehmens voraussichtlich weiterentwickeln wird (siehe Abschnitt 2.5.3, 3.6.6 und 4.7). Bei den relativ einfach nutzbaren (deterministischen) Ratingprognosen werden, ausgehend von plausiblen Annahmen, Planwerte für Erfolgsrechnung und Bilanz des folgenden Geschäftsjahres entwickelt. Diese werden für die Berechnung von (Plan-)Finanzkennzahlen genutzt, aus denen sich dann ein prognostiziertes Rating ableiten lässt (Ratingprognose). In der Regel wird dabei unterstellt, dass alle anderen Einfl ussfaktoren auf das Rating (z. B. die Erfolgspotenziale) unverändert bleiben. Die Erstellung des aktuellen (Finanz-)Ratings und einer (integrierten) Unternehmensplanung , aus denen dann die Ratingprognose abgeleitet werden kann, ist leicht möglich unter der Nutzung der Software „Strategie-Navigator/Rating-Edition“, die auf der Begleit-CD zu diesem Buch zu fi nden ist. Es empfi ehlt sich dabei neben einer „Basisplanung“ mindestens auch ein realistisches „Stressszenario “ zu berechnen und die Implikationen für das Rating aufzuzeigen (vgl. Abschnitt 4.1.2 zu Stressszenarien). Die Techniken von Ratingprognosen und Stresstests werden daher nachfolgend noch etwas näher erläutert. 3.9 Spezialaspekte des Ratings 3.9.1 Anleihenrating Im Unternehmensrating (Corporate Rating, Emittentenrating) drückt sich die Wahrscheinlichkeit für Überschuldung und/oder Illiquidität, also die Insolvenzwahrscheinlichkeit, aus.212 Die Ausfallwahrscheinlichkeit (Shortfall-Wahrscheinlichkeit) ist konkret ein sogenanntes „LPM0-Risikomaß“, das nur die Häufi gkeit der Insolvenz betrachtet  – aber nicht die Konsequenzen.213 Für das Anleihenrating 214, als spezielles Credit Rating, und die Bestimmung angemessener Zinskonditionen sowie die Bewertung bereits existierender Anleihen benötigt man die Berechnung eines anderen Risikomaßes, nämlich eines sogenannten „Shortfall-Erwartungswerts“ des „Expected Loss“ (vgl. Tabelle 2, S. 27).215 Dieses drückt den im Durchschnitt aller denkbaren Zukunftsszenarien zu erwartenden Verlust durch eine Zahlungsstörung aus und ist damit abhängig von (a) der Insolvenzwahrscheinlichkeit und (b) den Verlusten, die die Anleiheneigentümer im Insolvenzfall erleiden werden. Bei Banken wird hier von einem «Expected Loss» gesprochen, der neben der Insolvenzwahrscheinlichkeit (Probability of Default) auch abhängig ist von der Verlustquote, Loss Given Default (beziehungsweise der Gegenposition, der Recovery Rate). Für eine fundierte Beurteilung und Bewertung von Anleihen, und insbesondere für ein Anleihenrating, ergeben sich aufgrund der erwähnten Besonderheiten und der Erkenntnisse der jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrise eine ganze Reihe wesentlicher Herausforderungen: Die Beurteilung der Insolvenzwahrscheinlichkeit des Unternehmens sollte außer der „Risikotragfähigkeit“ (erfasst durch Finanzkennzahlen) insbesondere auch die Risiken berücksichtigen, die in Zukunft schwerwiegende Planabweichungen und damit Insolvenzen auslösen können. Ergänzend zu traditionellen Verfahren des Ratings soll- 212 Die formal betrachtet ein Risikomaß aus der Kategorie der Lower Partial Moments (LPM-Risikomaße) darstellt. 213 Siehe zu diesen Risikomaßen Gleißner (2011a) sowie weiterführend Albrecht/Maurer (2008). 214 In Anlehnung an Garrn/Gleißner (2010). 215 D. h. eines „LPM1-Risikomaßes“.

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References

Zusammenfassung

Rating und Finanzierung unter Basel III

Mit Basel III hat der sogenannte Baseler Ausschuss ein neues Regelwerk mit Eigenkapitalvorschriften für Banken veröffentlicht, das ab 2013 schrittweise in Kraft tritt. Während Basel II vor allem die Risikomessung zum Gegenstand hat, geht es in den neuen Regelungen um die Definition des Eigenkapitals und die erforderlichen Mindestquoten. Das stellt insbesondere mittelständische Firmen, die auf weitere Kreditvergabe durch Banken angewiesen sind, vor neue Herausforderungen.

Das Praxishandbuch Rating und Finanzierung stellt Firmen Bausteine für eine ratingorientierte Unternehmensführung zur Verfügung.

Die Schwerpunkte:

- Rating als Erfolgsfaktor

- Analyse der eigenen Situation: Wie gut ist unser Rating?

- Optimierung des Ratings

- IT-gestützte Hilfsmittel für das Rating

- Die Zukunft von Rating und Finanzierung

Besonders praktisch

sind die Checklisten zur Analyse und Optimierung des eigenen Unternehmens sowie die CD mit der Software Quick-Rater, die eine Eigenbewertung des Unternehmens ermöglicht.

Die Autoren

Dr. Werner Gleißner ist Vorstand der FutureValue Group AG und Dr. Karsten Füser ist Partner bei Ernst&Young.

Zielgruppe

Mitarbeiter in den Finanzabteilungen mittelständischer Unternehmen.