Petra Grimm, Tobias O. Keber, Oliver Zöllner, Vorgestellt: Das „Institut für Digitale Ethik“ an der Hochschule der Medien Stuttgart in:

MedienWirtschaft, page 40 - 43

MW, Volume 11 (2014), Issue 1, ISSN: 1613-0669, ISSN online: 1613-0669, https://doi.org/10.15358/1613-0669-2014-1-40

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40 MedienWirtschaft 1/2014 Forschung + Lehre Vorgestellt: Das „Institut für Digitale Ethik“ an der Hochschule der Medien Stuttgart Neues Dialogforum für medienethische Fragen der Gesellschaft Im Januar 2014 hat das „Institut für Digitale Ethik“ (IDE) an der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) offiziell seine Arbeit aufgenommen. Das neue Institut ist das erste seiner Art im deutschsprachigen Raum. Es soll als Dialogforum für den Austausch zwischen Medienwissenschaft, Medienpraxis und Medienpolitik dienen und interessierte Wissenschaftler und Praktiker vernetzen. Weiter ist Ziel des IDE, die Öffentlichkeit durch Veranstaltungen für aktuelle Fragestellungen der Medienethik im digitalen Umfeld zu sensibilisieren und zentrale Anlaufstelle für medienethische Expertise zu sein. Die Nutzung und Bereitstellung von digitalen Informationen hat sich inzwischen zu einer Art Grundversorgung entwickelt, ähnlich wie Wasser, Gas und Strom. Viele Menschen haben sich längst daran gewöhnt, im Internet vieles (scheinbar) kostenlos zu bekommen, oder genauer: für ihr stillschweigendes Einverständnis, mit ihren Daten zu bezahlen und sich letzten Endes ausspähen zu lassen. Die dahinterstehenden Geschäftsmodelle sind oft nicht transparent, ebenso wenig andere Daten-Verwertungskontexte – etwa auf der staatlichen Ebene. Dem Institut dürfte die Arbeit nicht ausgehen, wie ein Blick auf die Nachrichten allein der letzten Monate zeigt: Big Data, Smart-TV, das vernetzte Automobil und nicht zuletzt der netzwerkende Mensch, der vielfältige Apparate permanent mit Daten füttert – all dies sind Schlagworte, die am Ende auch ethische Fragestellungen provozieren. Wie soll sich der Mensch in einer zunehmend mediatisierten Gesellschaft verhalten? Welche Rolle spielt die Privatsphäre und wie weit darf Überwachung reichen? Wohin entwickelt sich eine Gesellschaft, in der Medien zunehmend bis in die Intimsphäre des Einzelnen hineinwirken? Das Bewusstsein um die Bedeutung der Medienethik hat im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Die Sensibilität für Gefahren, die sich für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt ergeben können, wenn Medien im weitesten Sinne zum Einsatz kommen, ist größer geworden – zuletzt sicher im Zusammenhang mit der Debatte um Google, Facebook und die Datenspionage von NSA, GCHQ u. a. Gleichwohl ist die Medienethik als Forschungsgebiet im deutschsprachigen Raum noch nicht so prominent verankert, wie sie es angesichts ihrer wichtigen Themen sicher verdient hätte. Hier will das IDE mit seinem speziellen Fokus auf digitale Medien und den Metaprozess der Digitalisierung einen Beitrag zur Profilschärfung leisten und Impulse für eine dringend notwendige gesellschaftliche Debatte um Chancen und Risiken digitaler Medien setzen. Aufgabenfelder der Digitalen Ethik Das IDE hat sich als Aufgabe gesetzt, die bisher schon vorliegenden Themensetzungen der allgemeinen Medienethik mit Blick auf online-spezifische Fragestellungen und Befunde zu systematisieren und die dazugehörige Forschung zu betreiben. Aufgabenfelder einer emergenten Digitalen Ethik sind derzeit konkret zu sehen bei … ungleichen Zugangsbedingungen und Aneignungschancen (z. B. Digital Divide in globaler Sicht und durch soziale Benachteiligung in der Medienaneignung) neuen journalistischen Darstellungsformen, Angebotsplattformen, Geschäftsmodellen und deren ethischen Implikationen Die Leitung des Instituts für Digitale Ethik (v.l.) Prof. Dr. Petra Grimm, Prof. Dr. Tobias Keber und Prof. Dr. Oliver Zöllner leiten das Institut gemeinschaftlich 1/2014 MedienWirtschaft 41 Forschung + Lehre Mängeln an Informationsgerechtigkeit, Autonomie und Transparenz (z. B. Datenschutz und Privatsphäre), den diskursiven Topoi Kontrolle und Überwachung (in) der mediatisierten Gesellschaft, verletzendem Kommunikationsverhalten (z. B. Trolling, Cybermobbing, sexuelle Belästigung), Gefährdungspotenzialen durch Medieninhalte (z. B. Gewaltvideos, Hassseiten, Internetpornografie, Menschenwürdeverletzung, Suizidforen), ungerechten Distributions- und Produktionsstandards (z.B. Kostenfallen, Umweltbelastung durch Computerund Handyschrott, unwürdige Produktionsbedingungen bei der Geräteherstellung) und interkulturellen Kommunikationskonflikten (z.B. im Internet verbreitete satirische Videos im religiösen Kontext). Die Aufgabenfelder des IDE lassen sich drei Säulen zuordnen, die auf einem gemeinsamen Fundament ruhen (vgl. Abb. 1). In den Bereich der Forschung (1. Säule) fallen die Anfertigung empirischer Studien und Gutachten. Im Bereich der Lehre (2. Säule) sind die Beratung von Entscheidungsträgern und Lehrveranstaltungen an Schulen sowie Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung wie der Hochschule der Medien zu verorten. Der Bezug zur Praxis (3. Säule) wird durch die Erarbeitung konkreter Handlungsempfehlungen hergestellt. Auch ist die Einführung eines Zertifikats angedacht, mit dem Angebote versehen werden können („Medienethik-TÜV“). Ein weiteres Aufgabenfeld (das man wohl zwischen der 2. und 3. Säule verorten kann), stellt die sachverständige Mitwirkung des Instituts bei Gesetzgebungsvorhaben dar. Fachtagungen und Publikationen Das Institut für Digitale Ethik hat seine Tätigkeit 2014 mit einer (peer-reviewed) Fachtagung zum Thema „Anonymität und Transparenz in der Digitalen Gesellschaft – interdisziplinäre Perspektiven“ eröffnet, auf der die wesentlichen Begriffe und Perspektiven einer Digitalen Ethik diskutiert wurden. Fachwissenschaftler/-innen aus mehreren Disziplinen hielten grundlegende sowie anwendungsbezogene Vorträge und zeigten damit einen ersten Umriss des Forschungsgebiets auf. Auch zukünftig wird die unter dem Leittitel „IDEepolis“ jährlich stattfindende Tagung eine Plattform bieten, aktuelle gesellschaftlich relevante Themen der Digitalen Ethik zu diskutieren. Die Beiträge des Symposiums werden in der Schriftenreihe „Medienethik“ im Franz Steiner Verlag (Stuttgart) publiziert, die mit inzwischen zwölf Bänden auf eine etablierte Tradition verweisen kann. Bereits seit über einem Jahrzehnt werden hier die Ergebnisse der „HdM- Symposien zur Medienethik“ dokumentiert. Zum Beirat des IDE gehören der Medienethiker Prof. em. Dr. Rafael Capurro (ehemals HdM), der Medienrechtler Prof. Dr. Dieter Dörr (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz), der Medienethiker Prof. Dr. Alexander Filipovi (Hochschule für Philosophie München) und Thomas Langheinrich, der Präsident der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) Baden- Württemberg. Geleitet wird das neue Institut gemeinschaftlich von Prof. Dr. Petra Grimm (Medienwissenschaftlerin und Ethikbeauftragte der HdM), Prof. Dr. Tobias Keber (Medienrechtler) und Prof. Dr. Oliver Zöllner (Kommunikationswissenschaftler). Alle drei lehren im Studiengang Medienwirtschaft der Hochschule der Medien. Kontakt: Institut für Digitale Ethik (IDE) Hochschule der Medien Stuttgart Nobelstr. 10 70569 Stuttgart Web: http://www.digitale-ethik.de Twitter: http://www.twitter.com/DigitaleEthik Tel.: (0711) 8923-2299 E-Mail: ide@hdm-stuttgart.de Prof. Dr. Petra Grimm grimm@hdm-stuttgart.de Prof. Dr. Tobias O. Keber keber@hdm-stuttgart.de Prof. Dr. Oliver Zöllner zoellner@hdm-stuttgart.de Quelle: IDE © Medienwirtschaft Abb. 1: Aufgabenfelder des „Instituts für Digitale Ethik“ an der Hochschule der Medien Stuttgart 42 MedienWirtschaft 1/2014 Forschung + Lehre Termine Seminare/Tagungen April 2014 29.04.2014 – 30.04.2014 AUDIOVISUAL MEDIA DAYS 2014 MÜNCHEN Kongress für Web-TV und Video in Medien, Marketing und Kommunikation Veranstalter: Medientage München GmbH Mai 2014 05.05.2014 – 07.05.2014 MEDIENTREFFPUNKT MITTELDEUTSCHLAND LEIPZIG Leitthema: „Relevanz – Was ist wichtig?“ Veranstalter: Landesmedienanstalten der drei mitteldeutschen Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeinsam mit Unternehmen der Medienbranche, dem Mitteldeutschen Rundfunk und der Stadt Leipzig 06.05.2014 – 07.05.2014 MEDIA CONVENTION BERLIN BERLIN Leitthema: „Media Rules!“, Veranstalter: Medienboard Berlin-Brandenburg 06.05.2014 – 08.05.2014 RE:PUBLICA 2014 BERLIN Leitthema: „Into the Wild“ – Social Media Konferenz, Veranstalter: Republica GmbH 09.05.2014 NEUE PRESSEÖKONOMIE DORTMUND Leitthema: „Finanzierungsmodelle für den digitalen Journalismus“ Veranstalter: Institut für Zeitungsforschung Dortmund 13.05.2014 – 14.05.2014 M-DAYS FRANKFURT AM MAIN Mobile Media – Fachmesse und Kongress für das Mobile Business Veranstalter: Messe Frankfurt Exhibition GmbH 16.05.2014 DATENSCHUTZ IM DIGITALEN ZEITALTER KÖLN Datenschutz im digitalen Zeitalter – global, europäisch, national Veranstalter: Institut für Rundfunkrecht an der Universität zu Köln 20.05.2014 – 22.05.2014 ANGA COM / MEDIENFORUM NRW KÖLN Breitband, TV & Online – Fachmesse und Kongress, Veranstalter: ANGA Services GmbH 28.05.2014 – 30.05.2014 DGPUK-JAHRESTAGUNG PASSAU 59. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft Juni 2014 12.06.2014 – 13.06.2014 EMMA ANNUAL CONFERENCE 2014 TALLINN Leitthema: „Media Convergence and Multi-Platform Strategies” Veranstalter: EMMA – European Media Management Education Association 23.06.2014 – 24.06.2014 MOBILE BUSINESS CONFERENCE HAMBURG Konferenz zu Mobile Marketing, Mobile Commerce, Apps & Co. Veranstalter: Neue Mediengesellschaft Ulm mbH Juli 2014 22.07.2014 RAHMENBEDINGUNGEN FÜR DIE MEDIENWIRTSCHAFT IN BAYERN MÜNCHEN Kongress zu Fragen des digitalen Umbruchs Veranstalter: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Die regionale Tageszeitung bietet in gedruckter, digitaler und mobiler Form alle gewünschten Informationen aus der Region. Sie ist damit der leistungsstärkste Kommunikationskanal, wenn es darum geht, die Konsumenten in ihrem regionalen Umfeld zu erreichen. 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Im Januar 2014 hat das „Institut für Digitale Ethik“ (IDE) an der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) offiziell seine Arbeit aufgenommen. Das neue Institut ist das erste seiner Art im deutschsprachigen Raum. Es soll als Dialogforum für den Austausch zwischen Medienwissenschaft, Medienpraxis und Medienpolitik dienen und interessierte Wissenschaftler und Praktiker vernetzen. Weiter ist Ziel des IDE, die Öffentlichkeit durch Veranstaltungen für aktuelle Fragestellungen der Medienethik im digitalen Umfeld zu sensibilisieren und zentrale Anlaufstelle für medienethische Expertise zu sein.

References

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MedienWirtschaft - Zeitschrift für Medienmanagement und Medienökonomie