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Dennis D. Fehrenbacher, Informationsqualität in:

Controlling, page 125 - 126

CON, Volume 25 (2013), Issue 2, ISSN: 0935-0381, ISSN online: 0935-0381, https://doi.org/10.15358/0935-0381_2013_2_125

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Produktherstellung Informationsherstellung Input Rohstoffe Rohdaten Prozess Werkzeuge/Fließband Datenverarbeitungswerkzeuge/ Informationssystem Output Physische Produkte Informationsprodukte Abb. 1: Die Information als Produkt: physische Produktherstellung im Vergleich zur Informationsherstellung (in Anlehnung an Wang et al., 1998) Informationsqualität ........................................................ Definition ........................................................ Im Allgemeinen versteht man unter Informationsqualität einen zweckgerichteten Wert von Informationen. ........................................................ Information ........................................................ Um den Begriff Information zu beleuchten, bietet sich eine Analogie zu materiellen Produkten an (vgl. Abb. 1). Die Herstellung von materiellen Produkten benötigt Rohstoffe (Input), die im Produktionsprozess mit Hilfe von Werkzeugen (Prozess) zu Endprodukten (Output) verarbeitet werden. Um Informationen zu liefern (Output), werden (Roh-)Daten (Input) gesammelt und mit Hilfe von Datenverarbeitungswerkzeugen (Prozess) aufbereitet (vgl. Wang et al., 1998). Datenverarbeitungswerkzeuge können dabei komplexe und automatisierte oder teilautomatisierte Enterprise Ressource Planning Systeme oder weniger komplexe Tabellenverarbeitungssoftware sein. ........................................................ Qualität ........................................................ In Analogie zur Qualität eines physischen Produktes ist für die Qualität einer Information der zweckgerichtete Wert der Information für den Informationsverwender entscheidend. Damit ist für die Qualität einer Information der Nutzen, den die Information für den Informationsverwender bietet, bedeutend. Die Unterscheidung zwischen Daten als Rohstoff und Information als Endprodukt weist auf den subjektiven Charakter in der Bewertung der Qualität einer Information hin. Ein Informationsprodukt ist nur so viel wert, wie es Nutzen für den Endabnehmer bietet. Deshalb kann nur der Endabnehmer die Informationsqualität aus subjektiver Sicht bestimmen. ........................................................ Informationsqualität aus Kundensicht ........................................................ Ein Ansatz, hohe Informationsqualität zu erzielen, ist es, Informationen als Produkte für den Kunden zu betrachten (vgl. Wang et al., 1998). Wie mit physischen Produkten ist es damit notwendig, die Kundenbedürfnisse zu kennen. Dies bedeutet auch, dass wertvolle Informationen für ein Kundensegment nicht notwendigerweise wertvolle Informationen für ein anderes Kundensegment darstellen. Aus diesem Grund sollte hohe Informationsqualität mit hohem Nutzen der Information für den beabsichtigten Einsatz des Kunden einhergehen. Da unterschiedliche Kunden üblicherweise unterschiedliche Präferenzen haben, wird bei der Festlegung von Informationsqualität von mehreren Dimensionen ausgegangen. Mehrere Studien untersuchen, welche Dimensionen die Informationsqualität maßgeblich beeinflussen (vgl. Eppler et al., 2004; Lee et al., 2002). Allerdings ergeben die Studien keine einheitlichen oder vollständigen Ergebnisse hinsichtlich der Fragen, welche Dimensionen zur Informationsqualität dazugehören oder welche Dimensionen die wichtigsten sind. Vergleichende Meta-Untersuchungen zeigen, dass in den meisten Studien Dimensionen wie Richtigkeit (accuracy), Konsistenz (consistency), Sicherheit (security) oder Aktualität (timeliness) als bedeutend zu Grunde gelegt werden und so als Basis für die Bewertung von Informationsqualität dienen können (vgl. Knight/Burn, 2005; Fehrenbacher/Helfert, 2012). Ferner müssen Dimensionen immer wieder gegeneinander abgewogen werden, da die Erhöhung einer Qualitätsdimension manchmal zur zwangsläufigen Verringerung einer anderen Qualitätsdimension führen kann. Zum Beispiel kann die Erhöhung der Informationssicherheit den Zugang zu Informationen erschweren oder die Vollständigkeit von Informationen die Aktualität beeinträchtigen. ........................................................ Messung von Informationsqualität und beeinflussende Faktoren ........................................................ Der subjektive Charakter von Informationsqualität, d. h. die Sichtweise des Informationsverwenders und die Abwägung von Dimensionen, wird in Literatur und Praxis häufig vernachlässigt. Um eine optimale Ressourcenallokation und eine für den Anwender optimale Informationsqualität zu erzielen, ist diese Berücksichtigung allerdings notwendig. Deshalb sollten Informationslieferanten stets mittels Befragungen über die Anforderungen von Informationsverwendern informiert sein und dabei relevante Informationsqualitätsdimensionen und deren Wichtigkeit abfragen. Unterstützt werden kann dies durch die Kenntnis über allgemein beeinflussende Faktoren. Fehrenbacher und Helfert (2012) untersuchen Faktoren, die die subjektive Bewertung von Dimensionen des Anwenders beeinflussen, und finden, dass Technolo- 125CONTROLLING-LEXIKON 25. Jahrgang 2013, Heft 2 gieentwicklung, verfügbare Ressourcen und die direkte Entscheidungsumgebung (Rollen von Informationsverwendern oder die genutzten Informationssysteme) Einflüsse ausüben (vgl. Fehrenbacher/Helfert, 2012). Technologieentwicklung, insbesondere die Entwicklung des Internets, scheint dazu geführt zu haben, dass generell Informationssicherheit als wichtiger empfunden wird. Wenn Nutzer gezwungen werden, Informationsqualitätsdimensionen abzuwägen und damit die verfügbaren Ressourcen eingeschränkt sind, zeigen sich die deutlichsten Unterschiede zwischen verschieden Informationsverwendern in unterschiedlichen Entscheidungsumgebungen. So schätzen IT-Mitarbeiter sowie Personalmitarbeiter die Rolle von Sicherheit (security) im Vergleich zu Zugänglichkeit (accessibility) im Gegensatz zu anderen Mitarbeitern als wichtiger ein. Mitarbeiter in Unterstützungsfunktionen wie der Verwaltung sehen konsistente Darstellung (consistent representation) der Information im Vergleich zu Aktualität (timeliness) im Gegensatz zu Mitarbeitern in Primärfunktionen wie der Logistik als wichtiger. Bezüglich des Informationssystems sehen Nutzer von operativen Systemen Prägnanz (conciseness) gegenüber Vollständigkeit (completeness) im Gegensatz zu Nutzern von Steuerungs- oder Planungssystemen als wichtiger an. Dies zeigt, dass bestimmte Faktoren einen Einfluss auf die subjektive Bestimmung von Informationsqualität haben. Diesen Einfluss einzuschätzen, kann Informationslieferanten helfen, die Anforderungen von Informationsverwendern richtig zu bewerten, um ein adäquates Informationsprodukt an Informationsverwender zu liefern. Aus Unternehmenssicht kann, unterstützend zu einer Befragung von Informationsverwendern, die Einbeziehung solcher Faktoren die Lieferung passender Informationen erleichtern und kostenreduzierend wirken. Vorliegende Ergebnisse einer Befragung bei einer bestimmten Nutzergruppe könnten auf eine andere übertragen werden oder hätten mit bestimmten Anpassungen längere Gültigkeit. ........................................................ Steigerung der Informationsqualität ........................................................ Im Allgemeinen soll festgehalten werden, dass das Denken in Informationsprodukten und Informationskunden sowie die Betrachtung von Einflussfaktoren einen Beitrag zur Steigerung der Informationsqualität liefern kann. Nicht zuletzt sollte allerdings beachtet werden, dass für die Erzielung hoher Informationsqualität hohe Datenqualität vorausgesetzt werden muss. Allerdings führt hohe Datenqualität nicht zwangsläufig zu hoher Informationsqualität, da als Zwischenschritt zwischen Daten und Information der Prozess steht. Literatur Eppler, M. J./Helfert, M./Grasser, U., Information Quality: Organizational, Technological, and Legal Perspectives, in: Studies in Communication Sciences, 4. Jg. (2004), H. 2, S. 1–16. Fehrenbacher, D. D./Helfert, M., Contextual Factors Influencing Perceived Importance and Trade-offs of Information Quality, in: Communications of the Association for Information Systems, 30. Jg. (2012), Artikel 8. Knight, S./Burn, J., Developing a Framework for Assessing Information Quality on the World Wide Web, in: Informing Science Journal, 8. Jg. (2005), S. 159–172. Lee, Y. W./Strong, D./Kahn, B./Wang, R., AIMQ: A Methodology for Information Quality Assessment, in: Information & Management, 40. Jg. (2002), H. 2, S. 133–146. Wang, R. Y./Lee, Y. W./Pipino, L. L./Strong, D. M., Manage Your Information as a Product, in: MIT Sloan Management Review, 39. Jg. (1998), H. 4, S. 95–105. Dr. Dennis D. Fehrenbacher, Melbourne 126 CONTROLLING-LEXIKON CONTROLLING – ZEITSCHRIFT FÜR ERFOLGSORIENTIERTE UNTERNEHMENSSTEUERUNG

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Abstract

Month by month, Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung publishes peer-reviewed, applied research contributions for business management, accounting and reporting. Key elements of succesful corporate controlling are presented in an analytic, well-structured manner.

Language: German.

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Zusammenfassung

Die Controlling - Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung liefert Monat für Monat fundierte und anwendungsorientierte Fachbeiträge für das Management sowie das Finanz- und Rechnungswesen in Unternehmen. Klar gegliedert und strukturiert werden für alle Controlling-Bereiche die Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmenssteuerung aufgezeigt.

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