Content

19 Knochen- und Fraktursonografie bei Kindern in:

Christoph F. Dietrich (Ed.)

Ultraschall-Kurs, page 437 - 448

Organbezogene Darstellung von Grund- und Aufbaukurs sowie weiterführender Module (Postgraduierten-Kurse). Nach den Richtlinien von KBV, DEGUM, ÖGUM und SGUM; eBook-Ausgabe mit OnlinePlus

7. Edition 2020, ISBN print: 978-3-7691-0615-2, ISBN online: 978-3-7691-3715-6, https://doi.org/10.47420/9783769137156-437

Bibliographic information
437Kapitel 19 19 Knochen- und Fraktursonografie bei Kindern* Ole Ackermann Kursgliederung Grundkurs: Topografie, Anatomie, Untersuchungstechnik sowie allgemeine D sonografische Pathologie. Aufbaukurs: Handgelenk, Ellenbogen- und proximale Humerusfrakturen, D Screening Modul(e), Refresher-Kurs(e): Sternum, Rippen, Stellungskontrollen, Stellen-D wert. * Alle Abbildungen dieses Kapitels mit freundlicher Genehmigung von off label media. 19 Knochen- und Fraktursonografie bei Kindern*438 Topografie Die Knochensonografie kann an vielen Lokalisationen des Skeletts angewandt werden. Trotz des breiten Einsatzgebietes finden sich universelle topografische Merkmale, die auf nahezu jede Anwendung dieser Technik zutreffen. So zeichnet sich der Knochen durch eine stets scharfe Abgrenzung zum umliegenden Weichgewebe und auch zum Knorpel aus. Das Periost lässt sich im Normalzustand nicht oder nur als sehr feine Linienstruktur erkennen, bei einem subperiostalen Hämatom jedoch deutlich abgrenzen. In Gelenkhöhe lässt sich die Gelenkkapsel meist gut differenzieren, der Knorpel ist jedoch weitgehend echofrei, sodass er sich nur bei deutlichem Gelenkerguss ansatzweise darstellt. Bei Kindern ist die Epiphysenfuge ein guter Orientierungspunkt und kann leicht echoarm dargestellt werden. Die Lagebeziehungen verschiedener Knochen zueinander lässt sich sonografisch nur schwer fassen, da stets die Position, Kippung und Drehung des Schallkopfes sowie die anatomische Lage der Knochen im Körper in die Beurteilung mit einbezogen werden müssen. Dies erlaubt es nur bei großer Erfahrung, eine valide Aussage zu dieser Frage zu machen. Anatomie Anatomische Orientierung Es ist auch für den Anfänger kein Problem, den Knochen mit der Ultraschallsonde darzustellen, die korrekte Einstellung muss aber geübt werden. Prinzipiell wird nur die kortikale Oberfläche des Knochens dargestellt, sodass intraossäre Prozesse wie Zysten oder Tumoren sich der Ultraschalldarstellung entziehen. Bei der Diagnostik von Frakturen ist die Darstellung der Schnittebene quer zum Frakturverlauf die einfachste und prägnanteste, sodass im Wesentlichen Längsschnitte (parallel zur Längsachse des Knochens) zur Anwendung kommen. Nur bei langen Schräg- oder Spiralfrakturen werden auch Querschnitte eingesetzt. Diese Frakturen werden aber nur selten sonografisch diagnostiziert und sind eine Domäne der radiologischen Bildgebung. Gerade bei Kindern dienen die gelenknahen Strukturen der Orientierung (s. Abb. 19.1). Die Kortikalis stellt sich stets als helle, scharf abgrenzbare Linie dar. Durch den hohen Impedanzunterschied zwischen Weichteilen und Knochen kommt es hier zu einer Totalreflexion, sodass alle Strukturen schallkopffern der Kortikalis als Arte fakte zu werten sind. Die Epiphysenfuge stellt sich als echoarme dunkle Linie dar, die quer zur Kortikalis verläuft. Distal davon finden sich der Epiphysenkern und die knorpeligen Gelenkanteile. Der Knorpel ist ebenfalls echoarm und entzieht sich der differenzierten Diagnostik. Er stellt sich am besten bei einem begleitenden Gelenkerguss dar. Die Gelenkkapsel kann meist gut differenziert werden. Auch periostale Hämatome lassen sich gut visualisieren, sind aber für die Diagnostik von untergeordneter Bedeutung. Normalbefund Die Kortikalis stellt sich als gerade oder harmonisch geschwungene, scharf abgrenzbare Linie dar. Gelegentlich finden sich minimale Aufwerfungen direkt an der Epiphysenfuge, diese sind nicht als pathologisch zu werten. Davon abzugrenzen sind Kantenabsprengungen bei Misshandlung (s. Abb. 19.2; vgl. „Frakturformen“). Die Epiphysenfuge ist auf ganzer Länge einheitlich breit. Die Lage des distalen Knochenkerns ist nicht immer exakt an der Kortikaliskante, sodass der Anfänger bisweilen eine Epiphysenfugenverletzung vermutet. Hier kann eine seitenvergleichende Untersuchung mit der gesunden Seite schnell eine Klärung bringen. Die Stellung von Knochen und Gelenkpartner stellt sich analog dem Befund im Röntgenbild dar. Auch eine Bewegungsuntersuchung ist möglich und zeigt die regelrechte Artikulation. Abb. 19.1: Distaler Radius beim Kind. 1 = physiologischer „Haken“ an der Epiphyse, 2 = kleine Wulstfraktur der Metaphyse, 3 = Epiphysenkern, 4 = Gelenkkapsel (© off label media). Abb. 19.2: Zeichen bei Misshandlung. Mehrfache Verletzungen (1 und 2) und wolkiges Erscheinungsbild im Frakturbereich (© off label media). Allgemeine sonografische Pathologie 439Kapitel 19 Untersuchungstechnik Da die Fraktursonografie nicht ubiquitär, sondern nur bei bestimmten Indikationen anwendbar ist, sollte vorher durch eine genaue Anamnese und klinische Untersuchung die Lokalisation der Läsion eingegrenzt werden. An der Schulter ist es beispielsweise wichtig, ob die Klavikula oder der Humerus betroffen ist, was sich auch bei kleineren Kindern klinisch meist gut differenzieren lässt. Eine spezielle Lagerung ist nicht erforderlich. Die Patienten können bequem sitzend oder auf dem Schoß der Eltern untersucht werden (s. Abb. 19.3 und Abb. 19.4). Die Extremität kann in Schonhaltung belassen werden, die zu untersuchende Region wird mit dem Schallkopf umfahren. Ultraschallgel sollte reichlich verwendet werden, um ohne kräftiges Anpressen des Schallkopfes eine gute Darstellung zu erreichen. Mit dieser Technik ist die Fraktursonografie schmerzärmer als die Röntgenuntersuchung, die ja immer eine korrekte Lagerung erfordert. Die Darstellung sollte gelenknah beginnen. Die korrekte Schnittebene ist erreicht, wenn sich die Kortikalis auf ganzer Breite des Bildes darstellt. Der Knochen kann dann in ganzer Länge abgefahren und dargestellt werden. Kleine Knochen wie Metakarpalia und Phalangen können auch als Ganzes visualisiert werden. Es wird stets eine Darstellung aus mindestens 3, besser noch 4 senkrecht aufeinanderstehenden Schallebenen angestrebt. Allgemeine sonografische Pathologie Frakturformen Frakturen stellen sich sonografisch als Wulst, Knick, Versatz oder Frakturspalt dar (s. Abb. 19.5 bis Abb. 19.7). Eine Besonderheit sind metaphysäre Kantenabsprengungen, die bei Misshandlung auftreten und diagnostische Schwierigkeiten machen können. Hier sollte im Zweifelsfall eine radiologische Beurteilung erfolgen. Ebenso wie im Röntgenbild stellt sich auch sonografisch die Epiphysiolyse häufig nicht eindeutig dar. Dann ist ein Seitenvergleich mit der Epiphyse der Gegenseite angezeigt, um Klarheit zu gewinnen. Periostale Hämatome lassen sich zwar darstellen, doch ist deren diagnostische Wertigkeit unklar. Sie rechtfertigen zum gegenwärtigen Stand ohne weitere Frakturzeichen keine Frakturdiagnose. Abb. 19.3: Untersuchung am Handgelenk. Das Handgelenk kann aufgelegt oder gehalten werden und wird mit dem Schallkopf umfahren (mod. nach einer Abbildung von off label media). Abb. 19.4: Untersuchung am proximalen Humerus. Der kleine Patient sitzt entspannt, der Humerus wird mit dem Schallkopf umfahren (mod. nach einer Abbildung von off label media). 19 Knochen- und Fraktursonografie bei Kindern*440 Weichteilläsionen Gefäßläsionen können in gleicher Sitzung farbdopplersonografisch dargestellt werden. Dies ist jedoch nur selten notwendig, weil der Verdacht auf eine Gefäß-/ Nervenläsion oder eine offene Verletzung stets eine Indikation zur Röntgendiagnostik darstellt. Ein Gelenkerguss lässt sich sehr gut visualisieren und ist vor allem am Ellenbogen von hoher diagnostischer Relevanz (s. Abb. 19.8). Hier ist bei der Dokumentation darauf zu achten, dass die Fossa olecrani zwar horizontal im Bild dargestellt, aber in vertikaler Position untersucht wird, sodass sich eine Spiegelbildung im Gelenk entgegen der Intuition des Betrachters darstellt. Deformitäten Wenn eine Achsabweichung beurteilt werden soll, so ist der Apex der Deformität in der Bildmitte einzustellen und es ist die Schnittebene mit der größten Achsabweichung zu wählen. Dies entspricht bei korrekter Schallkopfausrichtung (parallel zur Knochenachse) der realen Achsabweichung. Die Deformität kann dann mit den gerätespezifischen Winkelmessungen exakt quantifiziert werden. Für geplante Verlaufskontrollen ist es wichtig, die Schallebene exakt zu dokumentieren. Dokumentation Allein anhand der Bilddokumentation lässt sich bei der Fraktursonografie weder der untersuchte Knochen noch die Lokalisation oder die Schnittebene sicher verifizieren. Es ist also eine exakte und unmissverständliche Dokumentation notwendig. Hierzu gehören: Patientenidentifikation D Untersuchungsdatum und -uhrzeit D Seitenangabe D Anatomische Lokalisation D Untersuchungsebene D Befund D Hierzu hat sich das Vorgehen nach standardisierten Schemata bewährt, um nicht jedes Bild einzeln mit den oben genannten Angaben versehen zu müssen. Hierzu müssen verbindliche Standards definiert und exakt eingehalten werden. Am Handgelenk kann so beispielsweise am dorsalen Radius begonnen werden, dann wird der Radius und anschließend die Ulna im Uhrzeigersinn umfahren. Hieraus resultieren 6 Bilder, es ist jedoch eine einmalige Angabe der oben genannten Daten ausreichend. Wichtig ist, dass bei Anwendung dieses Standards für jede Untersuchung genau 6 Bilder in der genannten Reihenfolge vorliegen. Abb. 19.5: Wulst (*) als Frakturzeichen am kindlichen Radius (© off label media). Abb. 19.6: Knick (*) als Frakturzeichen am kindlichen Radius (© off label media). Abb. 19.7: Frakturspalt und Versatz (*) als Frakturzeichen am kindlichen Radius (© off label media). Abb. 19.8: Gelenkflüssigkeit in der Fossa olecrani als indirektes Frakturzeichen. H = Humerus, F = Flüssigkeit mit Spiegelbildung, T = Trochlea humeri (© off label media). Spezielle Indikationen 441Kapitel 19 Spezielle Indikationen Distale Unterarmfraktur Die einfachste und am weitesten verbreitete Indikation ist die distale Unterarmfraktur im Wachstumsalter bis 12 Jahre. Die große therapeutische Breite macht die Therapie sehr sicher, weil Achsabweichungen bis zu 40° im weiteren Verlauf sicher ausgeglichen werden. Klinisch muss zunächst eine Handwurzelfraktur ausgeschlossen werden. Wenn der Verdacht auf eine Handwurzelfraktur besteht, ist ein MRT angezeigt. Nach der klinischen Untersuchung erfolgt die Ultraschalldarstellung in 6 Schnitten. Da die Hand meist proniert in Schonhaltung gehalten wird, bietet es sich an, mit der Ultraschalldarstellung dorsal am Radius zu beginnen. Dann erfolgt die vollständige Darstellung des Radius (von dorsal, radial und volar), anschließend der Ulna (von volar, ulnar und dorsal). Wird eine Fraktur diag nos ti ziert, so kann die Achsabweichung ermittelt und die Therapie danach ausgerichtet werden. Stellungskontrollen können ebenfalls sonografisch erfolgen (s. Abb. 19.9). Indikationen zur Röntgendiagnostik sind: Sicher operationsbedürftige Frakturen D Offene Verletzungen D Suspekte Gefäß- oder Nervenschäden D Refrakturen D Wird keine Fraktur diagnostiziert, erfolgt nach 5 Tagen eine klinische Kontrolle. Wenn sich hier weiterhin Beschwerden finden, erfolgt eine Röntgenkontrolle. Die Diagnostik folgt dem Wrist-SAFE-Algorithmus (Sonographic Algorithm for Fracture Evaluation; s. Abb. 19.10). Ellenbogenfraktur Bei der Diagnostik der Ellenbogenfraktur dient die Fraktursonografie dem Frakturausschluss. Dieser erfolgt mithilfe des Gelenkergusses, der radiologisch als dorsales Fettkörperzeichen imponiert. Ein nicht vorhandener Abb. 19.9: Untersuchungsgang am Handgelenk (© off label media). Abb. 19.10: Wrist-SAFE-Algorithmus (Sonographic Algorithm for Fracture Evaluation) (© off label media). Adäquates Trauma und klinisch V.a. distale Unterarmfraktur Ultraschalluntersuchung in 6 Längsschnitten Fraktur Keine Fraktur Nicht oder tolerabel disloziert Reposition/OP notwendig Gipsbehandlung, sonografische Stellungskontrolle Röntgen in 2 Ebenen und OP Knochendruckschmerz Radius oder Knochendruckschmerz Ulna oder Schwellung im Seitenvergleich? Gips Kontrolle nach 5 Tagen: Druckschmerz Radius oder Druckschmerz Ulna oder Schwellung im Seitenvergleich? Röntgen in 2 Ebenen ja nein Funktionell Funktionell ja nein 19 Knochen- und Fraktursonografie bei Kindern*442 Gelenkerguss schließt eine intraartikuläre Läsion des Ellenbogens (suprakondyläre Fraktur, transkondyläre Fraktur, Radiusköpfchenfraktur, Luxation) mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Die Diagnostik erfolgt mit einem einfachen Längsschnitt über der Fossa olecrani (s. Abb. 19.11 und Abb. 19.12). Findet sich hierbei ein Gelenkerguss, folgt die Röntgendiagnostik zur exakten Frakturklassifikation. Die Behandlung wird dann auf Basis der Röntgenbefunde durchgeführt. Wird kein Gelenkerguss diagnostiziert, kann zunächst eine konservative Behandlung erfolgen, je nach Beschwerdebild mit einem Gips oder funktionell. Nach 5 Tagen erfolgt eine klinische Kontrolle und bei persistierenden Schmerzen eine Röntgenkontrolle. Die Diagnostik folgt dem Elbow-SAFE-Algorithmus (s. Abb. 19.13). Proximale Humerusfraktur An dieser Lokalisation lassen sich Frakturen ebenfalls sehr gut sonografisch darstellen. Die Bestimmung der Achsabweichung ist im Vergleich zum Röntgenbild wesentlich genauer (s. Abb. 19.14). In Schonhaltung werden zunächst Längsschnitte von ventral, lateral und dorsal angefertigt; dann wird der Arm vorsichtig in Neutralstellung rotiert und ein weiterer Längsschnitt von ventral dokumentiert. Damit kann der proximale Humerus aus 4 Richtungen dargestellt werden und nicht, wie im Röntgenbild, nur in 2 Ebenen. Immer wenn eine Fraktur nachgewiesen wird, muss mindestens eine Röntgenaufnahme durchgeführt werden, um eine pathologische Fraktur (s. Abb. 19.15) auszuschließen oder nachzuweisen. Abb. 19.11: Darstellung der Fossa olecrani im dorsalen Längsschnitt. F = Fossa olecrani mit Normalbefund ohne Gelenkerguss, H = Hume rus, T = Trochlea humeri (© off label media). Abb. 19.12: Darstellung der Fossa olecrani im dorsalen Längsschnitt. FE = Fossa olecrani mit Gelenkerguss, der eine weitere Rönt gen diag nos tik erforderlich macht, H = Humerus, T = Trochlea humeri (© off label media). Abb. 19.13: Elbow-SAFE-Algorithmus (© off label media). Direktes oder indirektes Ellenbogentrauma Anamnese und klinische Untersuchung SOFA (+) (positives Fat pad sign) SOFA (–) (negatives Fat pad sign) Fraktur Keine Fraktur Konservative oder operative Therapie Funktionelle Behandlung oder Ruhigstellung Keine primäre Röntgenkontrolle, funktionelle Behandlung oder Ruhigstellung Fokussierter Ellenbogenultraschall: dorsomedianer Längsschnitt über der Fossa olecrani Röntgen in 2 Ebenen Klinische Verlaufskontrolle nach 5 Tagen, bei persistierenden Beschwerden Röntgenkontrolle Spezielle Indikationen 443Kapitel 19 Wenn keine Fraktur nachgewiesen wird, erfolgt auch hier nach 5 Tagen eine klinische Kontrolle und bei Beschwerdepersistenz eine Röntgenuntersuchung. Der Shoulder-SAFE-Algorithmus verdeutlicht das Vorgehen (s. Abb. 19.16). Screening okkulter Frakturen Bei Kindern im Lauflernalter ist die okkulte Fraktur eine häufige Verletzung. Meist wird der Unfall nicht be obach tet und die kleinen Patienten können keine suf fiziente Auskunft über die Lokalisation geben. Da die klinische Untersuchung nicht immer eindeutig ist, resultieren aus dieser Situation häufig multiple Suchaufnahmen der ganzen Extremität. Hier ist der Ultraschall geeignet, die ROI (Region of interest) einzugrenzen und gezielte Röntgenaufnahmen durchzuführen. Hiermit lässt sich eine erhebliche Einsparung von Röntgenaufnahmen erzielen (s. Abb. 19.17). Sternum Sternumfrakturen (s. Abb. 19.18 und Abb. 19.19) sind klinisch gut zu lokalisieren, lassen sich aber im nativen Röntgenbild nicht sicher diagnostizieren, sodass häufig ein CT notwendig wird. Sonografisch lassen sich die meisten Läsionen hier sehr gut darstellen, nur bei isolierten Xiphoidfrakturen kann bei stark abgewinkeltem Xiphoid nicht jede Fraktur sicher visualisiert werden. Zur Untersuchung reicht ein einfacher Längsschnitt aus. Bei einer nachgewiesenen Kortikalisstufe sollte zum Ausschluss mediastinaler Verletzungen ein CT erfolgen. Abb. 19.14: Achsabweichung bei proximaler Humerusfraktur. F = Fraktur, H = Humeruskopf, S = Humerusschaft, weiße Linie = exemplarische Messung der Achsabweichung (© off label media). Abb. 19.15: Pathologische Oberarmfraktur beim Kind. Z = Knochenzyste (© off label media). Abb. 19.16: Shoulder-SAFE-Algorithmus (© off label media). Adäquates Trauma und klinisch V.a. subkapitale Humerusfraktur Ultraschalluntersuchung in 4 Längsschnitten Fraktur Keine Fraktur Funktionell Sonografische Bestimmung der Achsabweichung und Therapieentscheidung, Röntgen in 1 Ebene zum Ausschluss einer pathologischen Fraktur Kontrolle nach 5 Tagen: bei weiter bestehenden Schmerzen Röntgenkontrolle 19 Knochen- und Fraktursonografie bei Kindern*444 Rippen Knöcherne Läsionen der Rippen lassen sich sonografisch mit höherer Sensitivität visualisieren als in den üblichen Hemithorax-Röntgenaufnahmen. Da es nicht praktikabel erscheint, eine vollständige Untersuchung aller Rippen durchzuführen, sollte immer eine palpatorische Eingrenzung der Frakturlokalisation erfolgen, um dann gezielt diese Region zu untersuchen. Nicht dislozierte Frakturen können mit vorsichtigem Druck besser dargestellt werden. Im gleichen Untersuchungsgang können intraabdominelle Hämatome und Milzblutungen ausgeschlossen werden, ebenso wie Pleuraergüsse. Stellungskontrollen Sonografische Stellungskontrollen bereits nachgewiesener Frakturen erfordern große Erfahrung in der Frakturbehandlung. Für eine suffiziente Beurteilung ist es notwen dig, ein initiales Röntgenbild und den korrespondierenden Ultraschallbefund zur Verfügung zu haben. Der Vergleich der Kontrollaufnahmen erfolgt immer mit der primären Bildgebung, um Achsabweichungen festzustellen. Wird eine Abweichung diagnostiziert, erfolgt eine Röntgen- oder CT-Diagnostik zur Therapiesteuerung (s. Abb. 19.20). Stellenwert Im klinischen Alltag ist die Fraktursonografie eine schnelle und effiziente Methode zur zielgerichteten Diag nos tik knöcherner Läsionen. Es gilt hierbei, die Indikationen und Kontraindikationen zu beachten. Bei Abb. 19.18: Sternumfraktur. S = Sternum, * = Frakturspalt mit Versatz des distalen Fragments nach ventral (© off label media). Abb. 19.19: Röntgenbild der Fraktur aus Abbildung 19.18. * = Frakturspalt mit Versatz des distalen Fragments nach ventral (© off label media). Abb. 19.17: Screening-SAFE-Algorithmus (© off label media). Suspekte Fraktur (z.B. Toddlers fracture) Anamnese und klinische Untersuchung Fraktur Keine Fraktur Belastungsfähig; funktionelle Behandlung, sonst Ruhigstellung Ultraschall des gesamten Knochens in mindestens 3, wenn möglich in 4 Ebenen Fokussierte Röntgendiagnostik Röntgen in 2 Ebenen Therapie nach Röntgenbefund Klinische Verlaufskontrolle nach 5 Tagen, bei persistierenden Beschwerden Röntgenkontrolle Literatur 445Kapitel 19 allen Unsicherheiten muss stets die Möglichkeit zur Röntgenkontrolle bestehen. Mit weiterer wissenschaftlicher Evidenz werden auch in Zukunft die Anwendungsbereiche erweitert werden. Rationelles Vorgehen Bei sicherem Befund kann am Handgelenk röntgenfrei vorgegangen werden. Am Ellenbogen ist es wichtig zu beachten, dass die Methode nur dem Frakturausschluss dient, auch wenn knöcherne Läsionen gut dargestellt werden. Auch wenn sich die Bilder bei Röntgen- und Sonografiediagnostik sehr ähnlich sehen, muss sich der Arzt über die Unterschiede der Bildgebung bewusst sein. Der Ultraschall stellt nur die kortikale Oberfläche dar, das Röntgen ein Summationsbild. Üblicherweise beginnt der Anfänger mit der Diagnostik an Handgelenk und Sternum. Mit zunehmender Erfahrung erweitert sich das Indikationsspektrum des Untersuchers nach seiner Erfahrung. Literatur Ackermann O, Sesia S, Berberich T et al. Sonographic diagnostics of proximal humerus fractures in juveniles. Unfallchirurg 2010; 113: 839–844. [Prospektive Studie zur Fraktursonografie der proximalen Humerusfraktur.] Douma-den Hamer D, Blanker MH, Edens MA et al. Ultrasound for distal forearm fracture: a systematic review and diagnostic meta-analysis. PLoS ONE 2016; 11(5): e0155659. [Metaanalyse zur Fraktursonografie bei metaphysären Wulstfrakturen.] Eckert K, Ackermann O. Sonographic fracture diagnosis in children. Unfallchirurg 2014; 117: 355–368. [Übersicht über die Fraktursonografie der Extremitäten bei Kindern.] Eckert K, Ackermann O, Janssen N et al. Accuracy of the sonographic fat pad sign for primary screening of pediatric elbow fractures: a preliminary study. J Med Ultrason (2001) 2014; 41: 473–480. [Prospektive Studie zur Fraktursonografie bei Ellenbogenfrakturen im Kindesalter.] Katzer C, Wasem J, Eckert K et al. Ultrasound in the diagnostics of metaphyseal forearm fractures in children – a systematic review and cost calculation. Pediatr Emerg Care 2016; 32(6): 401–407. [Kostenanalyse der Fraktursonografie.] Rabiner JE, Friedman LM, Khine H et al. Accuracy of point-ofcare ultrasound for diagnosis of skull fractures in children. Pediatrics 2013; 121: e1757–e1767. [Studie zur Fraktursonografie bei Schädelfrakturen.] Trenchs V, Curcoy AI, Castillo M et al. Minor head trauma and linear skull fracture in infants: cranial ultrasound or computed tomography? Eur J Emerg Med 2009; 16: 150– 152. [Vergleich Fraktursonografie und CT bei SHT.] Turk F, Kurt AB, Saglam S. Evaluation by ultrasound of traumatic rib fractures missed by radiography. Emerg Radiol 2010; 17: 473–477. [Studie zur sonografischen Darstellung von Rippenfrakturen.] You JS, Chung YE, Kim D et al. Role of sonography in the emergency room to diagnose sternal fractures. J Clin Ultrasound 2010; 38: 135–137. [Studie zur sonografischen Darstellung von Sternumfrakturen.] Abb. 19.20: Follow-up-SAFE-Algorithmus (© off label media). Gesicherte extraartikuläre Fraktur der Extremitäten (konservative oder operative Behandlung, jedes Lebensalter) Ausgangsbefund: Röntgenbild in 2 Ebenen Ultraschalldiagnostik in mindestens 3, wenn möglich in 4 Ebenen V.a. Dislokation Befund unverändert Sonografische Stellungskontrollen Vergleich mit Ausgangsbefund (nicht mit letzter Sonokontrolle) Röntgen in 2 Ebenen Therapie nach Röntgenbefund Weiter sonografische Kontrollen 19 Knochen- und Fraktursonografie bei Kindern*446 Prüfen Sie Ihr Wissen zum Kapitel „Knochen- und Fraktursonografie bei Kindern“ Frage 1: Der hohe Impedanzunterschied zwischen Knochen und Weichteilen bedingt eine Totalreflexion der Schallwellen. Welche Folge hat diese für die Fraktursonografie? Es entsteht ein artefaktreiches Bild, das eine Beurtei-□ lung unmöglich macht. Es kommt zu einer Übersteuerung, die durch nied-□ rige Frequenzen ausgeglichen werden muss. Strukturen, die vom Schallkopf aus hinter der Kno-□ chenkortikalis liegen, können nicht beurteilt werden. Der Impedanzunterschied hat keine Auswirkung. □ Man muss den Schallkopf wechseln. □ Frage 2: In welchem Lebensalter ist eine sonografische Frakturdiagnostik an Handgelenk, Ellenbogen und proximalem Oberarm derzeit sinnvoll einsetzbar? 5–7 Jahre □ 0–12 Jahre □ Bis 18 Jahre □ In jedem Lebensalter □ Bis zur Menarche □ Frage 3: Welche Aussage zum benötigten Ultraschallgerät ist richtig? Eine Farbdopplerfunktion ist immer notwendig. □ Es werden Spezialschallköpfe zur Knochensonogra-□ fie benötigt. Es muss eine WLAN-Funktion vorhanden sein. □ Es sind nur neue Geräte ab Baujahr 2014 geeignet. □ Keine Aussage ist richtig. □ Frage 4: Welche Voraussetzung muss der Untersucher für die Fraktursonografie erfüllen? Kenntnisse in der Frakturbehandlung □ Kenntnisse der Frakturmorphologie □ Kenntnisse der Röntgendiagnostik □ Kenntnisse der Besonderheiten von Frakturen im □ Wachstumsalter Alle genannten □ Frage 5: Welche apparativen und/oder sonstigen Voraussetzungen müssen für die Fraktursonografie vorliegen? Möglichkeit zur zeitnahen Röntgendiagnostik □ Möglichkeit zur Befunddokumentation □ Technisch einwandfreies Ultraschallgerät □ Einweisung des Untersuchers in das Ultraschallgerät □ Alle genannten □ Frage 6: Wie ist der Ablauf der Untersuchung in der Fraktursonografie? Klinische Untersuchung, Sonografie, Röntgenbild □ zum Vergleich Sonografie, Diagnose, Therapie □ Sonografie, Therapie, nach 5 Tagen immer Röntgen-□ kontrolle Anamnese, klinische Untersuchung, Sonografie, □ Therapie, bei Unsicherheit Röntgendiagnostik Sonografie, Therapie; eine Röntgenkontrolle wird □ niemals durchgeführt Frage 7: Welche Aussage zur Lagerung ist bei der sonografischen Diagnostik handgelenknaher Frakturen richtig? Die Untersuchung erfolgt in Rückenlagerung auf □ der Untersuchungsliege. Die Untersuchung erfolgt bequem sitzend und auch □ auf dem Schoß der Eltern möglich. Das Handgelenk kann in Schonhaltung mit dem Schallkopf umfahren werden. Die Untersuchung erfolgt sitzend, das Handgelenk □ wird unter dem Schallkopf gedreht. Die Untersuchung wird immer ohne die Eltern □ durchgeführt. Die Untersuchung erfolgt in Seitenlagerung mit □ dem Handgelenk in Vorhalteposition. https://bit.ly/uk-knochen-test Prüfen Sie Ihr Wissen zum Kapitel „Knochen- und Fraktursonografie bei Kindern“ 447Kapitel 19 Frage 8: Welche Aussage zur sonografischen Frakturdiagnostik am proximalen Humerus ist richtig? Eine unauffällige Sonografie schließt jeden patholo-□ gischen Befund aus. Bei sonografischem Nachweis einer Fraktur muss □ eine Röntgenkontrolle in einer Ebene erfolgen, um eine pathologische Fraktur auszuschließen. Zysten und Tumoren können rein sonografisch voll-□ ständig diagnostiziert werden. Bereits kleinste Achsabweichungen erfordern ein □ CT. Die sonografische Untersuchung ist extrem schmerz-□ haft. Frage 9: Welche anatomischen Regionen eignen sich zur sonografischen Frakturdiagnostik? Handgelenk, Ellenbogen, proximaler Oberarm □ Proximale Tibia □ Intraartikuläre Bandausrisse □ Wirbelsäule □ Alle genannten □ Frage 10: Welche Aussage zur sonografischen Frakturdiagnostik ist richtig? Am Handgelenk ist in vielen Fällen eine röntgen-□ freie Diagnostik und Behandlung möglich. Die Bestimmung einer Achsabweichung am proxi-□ malen Oberarm ist meist genauer als im Röntgenbild möglich. Bei einem nachgewiesenen Gelenkerguss am Ellen-□ bogen muss eine Röntgenkontrolle erfolgen. Die Sonografie kann auch zur Verlaufskontrolle ein-□ gesetzt werden. Alle Aussagen sind richtig.□

Chapter Preview

Schlagworte

B-Bild, Elastografie, Lungenultraschall, Ultraschalldiagnostik, Bildgebendes Verfahren, Kursbuch, Farb-(Power-)Doppler, Kontrastmittel, Sonographie, Notfallsonographie, Facharztprüfung, Fraktursonografie, Ultraschall, Facharztausbildung

References

Zusammenfassung

Ultraschall komplett – damit Sie sicher befunden

Mit der Neuauflage dieses Kursbuchs halten Sie Schritt mit den modernen Verfahren der Sonografie. Organ für Organ lernen Sie in klaren, aufschlussreichen Bildern die grundlegende sonografische Anatomie kursübergreifend kennen. Das Spektrum reicht dabei von häufigen, leicht zu erhebenden Befunden bis zu seltenen, schwerer erkennbaren Krankheitsbildern. Alle durch Richtlinien vorgegebenen Inhalte von Grund- und Aufbaukurs sowie der Module (Postgraduierten Kurse) werden berücksichtigt. Darüber hinaus eignet sich das Buch als diagnostischer Leitfaden bzw. Nachschlagewerk für den versierten Sonographeur.

Neu in der 7. Auflage:

- Notfallsonografie: Basisnotfallsonografie, fokussierter kardialer Ultraschall, Lungenultraschall im Notfall, fokussierter Ultraschall am Bewegungsapparat, Notfallsonografie im klinischen Kontext

- Knochen- und Fraktursonografie bei Kindern

- Mit OnlinePlus – die Webseite zum Buch:

über 100 Videos mit Erläuterung der Untersuchungstechnik

Fragen-Antwortkatalog zum Überprüfen des eigenen Wissens

Tipps und Tricks

alle Abbildungen des Buches

Interview mit dem Herausgeber uvm.

Ihre Vorteile:

- Übersichtlich: organbezogene, topografische Gliederung

- Komplett: Inhalt von Grund- und Aufbaukurs sowie weiterführender Spezialkurse

- Strukturiert: US-Bilder mit korrespondierendem Schema

- Vielfältig: B-Bild, Farb-(Power-)Doppler, Kontrastmittel, Elastografie und andere innovative Ultraschall-Methoden

- Anschaulich: mit über 2.000 Abbildungen und mehr als 100 Videos

- Für alle: Kursbuch und diagnostischer Leitfaden

- Auf Nummer sicher: ideal für die Prüfungsvorbereitung

Mit dem Ultraschall-Kurs zum Sono-Profi!

Schlagworte

B-Bild, Elastografie, Lungenultraschall, Ultraschalldiagnostik, Bildgebendes Verfahren, Kursbuch, Farb-(Power-)Doppler, Kontrastmittel, Sonographie, Notfallsonographie, Facharztprüfung, Fraktursonografie, Ultraschall, Facharztausbildung