Trophäen und Tribute. Eine Bilderstrecke in:

Zeitschrift für Ideengeschichte, page 49 - 68

ZIG, Volume 15 (2021), Issue 1, ISSN: 1863-8937, ISSN online: 1863-8937, https://doi.org/10.17104/1863-8937-2021-1-49

Browse Volumes and Issues: Zeitschrift für Ideengeschichte

C.H.BECK, München
Bibliographic information
Trophäen & TribuTe Fundstücke aus den Sammlungen der Stiftung preußischer Kulturbesitz, der herzog August bibliothek in Wolfenbüttel und dem jüngeren kulturellen Gedächtnis Erlesenes und Alltägliches, Hochkultur und Massenkonfektion, Bibel und Koran, Mani-Stein und Edeka. Im großen Warenhaus des Kolonialismus findet sich fast alles, Geschenke, Gebrauchsgüter, Forscherglück und auch so manches Beutestück. Vom Himalaya bis zur altbundesrepublikanischen Tiefebene: Das Portfolio der Kolonialwaren ist so weit gefächert wie ihre Provenienzen. Mani-Steine sind mit religiösen Texten, Mantras oder Figuren gravierte Steine oder größere Steinplatten, die entlang von Pilgerwegen oder an heiligen Orten im tibetischen Kulturraum platziert werden. Hierzu zählen unter anderem die Bereiche um Tempel, Chörten und Klöster sowie Passhöhen und Wegkreuzungen. Im Laufe der Zeit können auf diese Weise lange, hoch geschichtete Manisteinhaufen und Manisteinmauern entstehen, die auch sauber als Mauerwerk ausgearbeitet sein können. Auf diesem Mani-Stein ist das bekannte Mantra «Om mani padme hum» in tibetischer Schrift eingraviert. Der Bodhisattva Avalokiteshvara, der «Herr des Mitgefühls», wird als Personifikation dieses Mantra angesehen. Die Rezitation von Mantras erlaubt es den Gläubigen, sich mit einer Gottheit zu verbinden und damit deren Eigenschaften wie zum Beispiel Macht, Kraft, Weisheit und Mitgefühl auf sich zu übertragen. Wer das oben genannte Mantra rezitiert, kann somit schließlich sein eigenes Mitgefühl stärken. Dieser Mani-Stein (25 kg schwer, 39 x 65 cm groß) stammt aus dem ehemaligen Königreich Sikkim im Östlichen Himalaya aus der Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts. Er wurde von Herrmann von Schlagintweit von seiner Expeditionsreise, die er von 1854 bis 1857 gemeinsam mit seinen Brüdern Adolf und Robert Schlagintweit nach Indien und in den Himalaya unternahm, mitgebracht. Er verkaufte den Stein im Jahre 1882 zusammen mit vielen weiteren Objekten an die damalige Kunstkammer in Berlin, deren ethnologische Objekte später ins Museum für Völkerkunde (heute Ethnologisches Museum) übergingen. Die Forschungsreise der Brüder Schlagintweit erfolgte auf Empfehlung Alexander von Humboldts. Im Auftrag der East India Company sollten sie auf dem indischen Subkontinent den Erdmagnetismus erforschen und die Kartografie voranbringen. Knapp drei Jahre reisten die Brüder teils zusammen, teils allein durch Indien und den Himalaya. Ihre Verbindungen zur britischen Kolonialmacht ermöglichten ihnen Abstecher in abgelegene Gebiete wie nach Bhutan, Darjeeling, Sikkim, Nepal, Ladakh und Tibet. Hierbei legten sie knapp 30.000 Kilometer zurück und nutzten die Reisen zu weiteren umfangreichen Beobachtungen. Ganz im Sinne der humboldtschen Naturforschung legten sie ihre Studien breit und interdisziplinär an und erstellten Sammlungen in verschiedensten geographischen, naturwissenschaftlichen und ethnologischen Disziplinen. MAni-STein, hiMAlAyA 50 Neben ihren Reise- und Forschungsnotizen in insgesamt 46 Büchern fertigten die Schlagintweits viele Landschaftsskizzen, Aquarelle und Ölbilder an. Insgesamt brachten sie 510 Kisten mit Forschungsmaterial mit nach Hause – geologisches, botanisches, zoologisches, paläontologisches und ethnographisches Material –, knapp 40.000 Objekte. Besonderes Interesse hatten die Brüder Schlagintweit für den Buddhismus und sammelten daher viele Gegenstände aus religiösem Kontext, darunter auch dieser eindrucksvolle Mani-Stein. Henriette Lavaulx-Vrécourt 51 52 Das westafrikanische Königreich Benin an der Niger-Mündung hatte ab dem 16. Jahrhundert intensive Handelskontakte mit Europäern. Besucher jener Zeit berichteten beeindruckt von der Größe und Anlage der Hauptstadt Benin, wo alleine der reich mit Kunstwerken aus Kupfer, Bronze, Messing und Elfenbein verzierte Königshof so groß war wie damals eine mittlere europäische Stadt. Die von Benin gelieferten Güter veränderten sich im Laufe der Zeit jedoch, und das Königreich bediente die Nachfrage der Europäer nach Sklaven für die Neue Welt. Im Gegenzug versorgten die Europäer das Königreich Benin mit Metallen (Kupfer, Zink, Zinn, Messing, Eisen, Blei) und anderen Rohstoffen (Seidenstoffe und andere Textilien, Kaurischnecken und Korallen, Spirituosen und Tabak). Die Europäer lieferten damit auch die Rohstoffe zur Herstellung jener berühmten Benin-Bronzen sowie von Korallenketten, die Rang und Würde ihrer Träger kennzeichneten. Am Ende waren es nicht zuletzt ökonomische Gründe, die zum Untergang des Königreichs Benin führten. Benin diktierte über Jahrhunderte die Handelsbedingungen an der Niger-Küste. Dem wollten sich insbesondere die Briten nicht mehr länger beugen und dort selbst die Kontrolle übernehmen. Das führte Ende des 19. Jahrhunderts zum Konflikt. Nachdem König Ovonramwen eine britische Gesandtschaft hatte angreifen und töten lassen, schickten die Briten zur Vergeltung eine Strafexpedition, die 1897 die Hauptstadt von Benin eroberte und das Königreich unter ihre Kolonialherrschaft zwang. Zum ersten Mal seit ihrer Gründung wurde die Hauptstadt des Königreichs Benin erobert und zugleich weitgehend verbrannt und verwüstet. Tausende von Kunstwerken verschleppte man aus der Stadt. Schätzungen gehen von mindestens 4 000 Objekten aus, darunter Gedenkköpfe und Reliefplatten aus Bronze und Messing, Terrakotta-Gegenstände, Elfenbein- und Holzschnitzereien und vieles mehr. Die Entstehungszeit etlicher dieser Werke reichte zum Teil bis ins 15. Jahrhundert zurück. Gedenkköpfe und Reliefs hielten historische Persönlichkeiten und geschichtliche Ereignisse in einer Art bildlicher Erzählung fest, waren für die Menschen im Königreich Benin also deutlich mehr als Kunstwerke, sondern Teil ihrer Überlieferung. Die Herstellung der Köpfe und Reliefs aus Bronze und Messing erfolgte nach dem komplizierten Wachsausschmelzverfahren. Die Qualität in der Ausführung der Skulpturen und GedenKKopF, benin 52 53 Szenen mit vielen auch porträthaften Details zeugt von einer meisterhaften Beherrschung dieser Technik. Der Sieg über das Königreich Benin wurde in London frenetisch gefeiert. Es war einer der größten Kunstraubzüge der Kolonialzeit. Zahlreiche Stücke gelangten in das British Museum in London. Einen großen Teil der Beute ließ die britische Regierung anschließend versteigern, weshalb diese Objekte heute über zahlreiche Museen in Europa und Nordamerika verteilt sind. Der Verkauf der Stücke diente dabei auch zur Refinanzierung der Kosten für die Strafexpedition. Die Ankunft der Kunstwerke in Europa kam einer Sensation gleich. Diese herausragende Kunst widerlegte das kolonialistische und rassistisch geprägte Bild von Afrika als einem geschichts- und zivilisationslosen Kontinent eindrucksvoll. Hermann Parzinger 53 Als der Ethnologe und Sammler Theodor Koch-Grünberg (1872– 1924) seine Expedition vom Roraima zum Orinoko (1911–1913) antrat, führte er im Gepäck Glasperlen mit sich, die er (neben Streichhölzern, Macheten, Messern und Gewehren) vor Ort gegen ethnographische Gegenstände, unter anderem den abgebildeten Schurz, eintauschte. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden solche Schurze von indigenen Frauen der Arekuna, Makuxi und Ye’kwana in der nördlichen Amazonasregion als Schambedeckung getragen, vermutlich angeregt durch den Einfluss von Missionaren. Schurze wie dieser aus Glasperlen und Baumwolle oder anderen Pflanzenfasern verweisen auf wechselseitige Aneignungen. So machte Koch-Grünberg die Erfahrung, dass der vermeintlich billige Plunder bei den Frauen seiner Tauschpartner äußerst beliebt war und je nach Gruppe unterschiedliche farbliche Präferenzen vorherrschten. Die Perlen stammten überwiegend aus der Region um Gablonz an der Neiße bzw. Jablonec nad Nisou im heutigen Tschechien, wo Rocailles und andere Glasprodukte bereits im 18. Jahrhundert als Massenware industriell und vor allem für den Export hergestellt wurden. Im Design nahmen die Schurze der indigenen Frauen im Amazonasgebiet Muster auf, die ähnlich auch in der Körperbemalung und bei anderen Artefakten wie zum Beispiel Körben zum Einsatz kamen. Dabei wäre es falsch anzunehmen, dass die bereits perforierte Glasperle aus schlichten praktischen Gründen die in der Bearbeitung komplizierteren Naturmaterialien verdrängte. Für die indigenen TauschpartnerInnen von Theodor Koch-Grünberg waren die Perlen hochbegehrte Primärmaterialien für Körperschmuck, ähnlich wie Federn, Tierzähne, Krallen, Fasern oder Samen. Alle diese Materialien tragen für sie die Handlungsmacht ihrer spirituellen Besitzer und Überbringer in sich. Für viele indigene Gruppen im Amazonasgebiet entstehen und bestehen menschliche Körper in der Kombination solcher Elemente, die von außen kommen und das Beziehungsnetzwerk unterschiedlicher Lebewesen stabil halten. Die Farben der Glasperlen tragen ebenso wie beispielsweise die Farben von Federn eine eigene lebendige Bedeutung. All diese Elemente gehören zu einem Wertsystem mit eigener Logik. Laut den Ye’kwana, die im Südosten Venezuelas und im Norden Brasiliens leben, ist ihr eigener Schöpfer Wanaadi bzw. Majaanuma der perlenSchurz, AMAzonien 54 Urheber der Glasperlen. Der Held im Mythos Kwamaashi, Enkelsohn von Wanaadi, wurde von seinem Großvater mit Glasperlen ausgestattet, um den Jaguar zu töten, der seine Mutter ermordet hatte. Auf den gleichen Schöpfungsakt führen die Ye’kwana auch verschiedene Farben zur Körperbemalung und das hölzerne Schwert zurück, mit dem Kwamaashi, bemalt und geschmückt mit Glasperlen, den Jaguar schließlich zur Strecke brachte. Die Glasperlen sind der Schlüssel zur Schönheit, die als mächtige Waffe gegen den Feind wirkte und den Ye’kwana bis heute Stärke verleiht. Bis heute bevorzugen die Ye’kwana ebenso wie viele andere indigene Gruppen in Amazonien die qualitativ aus ihrer Sicht besonders hochwertigen tschechischen Glasperlen für ihr Kunsthandwerk, das zum Verkauf, insbesondere aber für den Eigengebrauch gefertigt wird. Glasperlen sind dabei Ausdruck von Beziehungen zum «Anderen», der Innovation hervorbringt und das «Eigene» bereichert, indem er das Netzwerk erweitert. Artefakte aus Glasperlen zeugen dabei in eindrücklicher Weise von der Dynamik ästhetischer Praktiken im Amazonasgebiet. Andrea Scholz 55 Prächtige Mäntel mit leuchtend roten und gelben Federn waren Rangabzeichen jener Könige, die im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert auf den Inseln von Hawai’i herrschten. Sie verliehen ihren königlichen Trägern einst Stolz, Würde und Macht. Starb der Besitzer, wurden sie weitervererbt. Vielfach meinte man jedoch, sie brächten Schaden, Krankheit und Krieg, wenn sie von einem anderen Körper getragen würden. Aus diesem Grund hatte man diese prächtigen Königsmäntel immer wieder auch an europäische Seeleute verkauft, deren Schiffe in Hawai’i anlegten. Die ursprünglich 1772 von Friedrich dem Großen gegründete Preußische Seehandlung sollte verstärkt ab 1820 den Seehandel mit Hilfe einer immer weiter ausgebauten Flotte intensivieren und nahm dabei vor allem Südamerika und den Pazifik in den Blick. Ihre Schiffe liefen dabei immer häufiger auch Hawai’i an. Der Federmantel in der Sammlung des Berliner Ethnologischen Museums stammte von dem hawai’ianischen König Kauikeaouli (Kamehameha III.) und wurde ursprünglich von dessen Vater getragen, der einige Jahre zuvor noch Adalbert von Chamisso kennengelernt hatte, der an einer russischen Expedition in den Pazifik teilgenommen hatte. Das Schiff «Princess Louise» der Preußischen Seehandlung hatte 1825 Kurs auf Hawaii genommen. Der hawaiianische König soll mehrmals an Bord gekommen sein, während das Schiff vor Anker lag, und wurde dabei stets mit königlichem Salut von den Geschützen geehrt. Als es drei Jahre später wieder ablegte, übergab König Kauikeaouli dem Kapitän den prächtigen Federmantel seines Vorfahren als diplomatisches Geschenk für den preußischen «Amtskollegen» Friedrich Wilhelm III. Getragen wurde er von Kamehameha I. bei verschiedenen Ereignissen von historischer Tragweite, so zum Beispiel in der Schlacht zur Unterwerfung der Sandwich Inseln. Als Mantel und Begleitschreiben im März 1829 Friedrich Wilhelm III. übergeben wurden, sah dieser darin eine Huldigung und leitete beides an die Kunstkammer des Berliner Schlosses weiter. Von dort gelangte das majestätische Kleidungsstück später in das Völkerkundemuseum und avancierte zu einem wahren Spitzenstück der Sammlung. 1830 lief die «Princess Louise» wieder mit Ziel Hawai’i aus und hatte die Gegengaben Friedrich Wihelms III. für den hawai’ianischen König an Bord, darunter prunkvollen Pferdeschmuck mit Sattel und Pistolenhalf- FederMAnTel, hAWAi’i 56 ter, eine Gardeuniform mit Schwarzem Adlerorden und Degen sowie ein Portrait und ein Schreiben von Friedrich Wilhelm III. Diese Geschenke waren Ausdruck der preußischen höfischen Kultur. Geschenk und Gegengabe folgten einem Muster, das die Kontakte zwischen indigenen und fremden Herrschern kennzeichnete. Das Leben auf Hawai’i war damals bereits in einem tiefgreifenden sozialen, politischen und kulturellen Umbruch begriffen. Missionare kamen auf die Inseln und immer mehr Fremde siedelten sich an. Diese äu- ßere Einflussnahme führte verstärkt zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den hawai’ianischen Herrschern, an denen sich auch Europäer und Nordamerikaner beteiligten, ehe die Inselgruppe Ende des 19. Jahrhunderts von den USA annektiert wurde. Hermann Parzinger 57 Das Ekori ist ein Kopfschmuck, den Herero-Frauen vor dem kolonialen Kontakt in Namibia trugen. Es wurde aus Leder gefertigt und mit Eisenperlen und aufwändigen Lederstickereien verziert. Das Ekori war Teil eines Mode-Ensembles, bestehend aus einem Stirnband, das zusammen mit einem wunderschön gearbeiteten Umhang sowie mit Halsketten, Arm- und Beinschmuck, die alle mit Perlen aus Eisen oder Strau- ßeneierschalen verziert waren, getragen wurde. Der Kontakt mit Missionaren und Missionarinnen im späten 19. Jahrhundert veränderte diese Art der Mode. Sie führten Kleider im viktorianischen Stil ein und verboten Frauen, Leder auf pastoralem Boden zu tragen. Der von 1904 bis 1908 von den Deutschen an den Ovaherero und Nama verübte Völkermord führte dazu, dass eine ganze Generation ihr Wissen nicht mehr an die nächste Generation weitergeben konnte. Die Überlebenden des Völkermords suchten oft Zuflucht in der Nähe von Missionsstationen und schufen langsam, aber stetig eine neue Form der traditionellen Kleidung: das Kleid, das wir als Ovaherero heute tragen. Anstelle von Leder begannen die Künstler und Künstlerinnen Textilien für ihre Kleidung zu verwenden. Dabei erhielt das Ekori auch einen neuen Namen, Otjikaiva, was wörtlich «Kopfbedeckung aus Stoff» bedeutet. Trotz dieser Einschnitte in das soziale Geflecht der Menschen haben wir Ovaherero neue Wege gefunden, Vergangenheit und Gegenwart zu verbinden und unsere Kunstfertigkeit, unseren Stolz und unsere Identität über unsere Kleidung auszudrücken. Meine Forschung an den vierzehn Ekori in der Sammlung des Ethnologischen Museums Berlin hat mir erstmals ermöglicht, die Kunstfertigkeit vergangener Generationen zu studieren und mich davon inspirieren zu lassen. Zum Vergleich: Im National Museum of Namibia gibt es nur drei Ekori. Das Handwerk, die Fertigkeiten und die Bedeutung dieser Kunstwerke sind unseren Jugendlichen nicht bekannt. Ich denke, die Ekori sollten nach Hause zurückkehren. Cynthia Schimming eKori, nAMibiA 58 59 Diese Bibel ist ein durch und durch transkulturelles Objekt! An der Entstehung des in Südostindien gedruckten lutherischen Neuen Testamentes in tamilischer Sprache waren Inder wie Europäer beteiligt. Kam die Druckerpresse per Schiff aus Europa, wie auch das Papier und die Druckergesellen, so unterstützten indische Mitarbeiter beim Druck und bei der Übersetzung. Diese kollaborative Arbeitspraxis wurde in der Missionsgeschichtsschreibung negiert zugunsten eines Heldenkults um den leitenden übersetzenden Missionar. 1706 wurde die erste pietistisch-lutherische Mission in der südostindischen Hafenstadt Tranquebar (heute Tharangambadi), zugleich dänische Handelskolonie, am Golf von Bengalen begründet. Initiator war der dänische Hof und das Hallesche Waisenhaus unter der Leitung von August Hermann Francke wurde mit ins Boot geholt, kurz darauf auch die englische Missionsgesellschaft Society for Promoting Christian Knowledge (SPCK). Die dänische Krone ordinierte die Missionare und bezahlte das Salär, Halle bildete mit seiner Universität die Missionare theologisch aus, initiierte mit Hilfe einer eigenen Missionszeitschrift eine reichsweite Spendenkampagne und die englische Missionsgesellschaft unterstützte ebenfalls finanziell und logistisch. Die beiden ersten Missionare Bartholomäus Ziegenbalg und Johann Ernst Gründler lernten nach ihrer Ankunft in Tranquebar die Ortssprache Tamil, die zur drawidischen Sprachenfamilie gehört, und begannen schließlich – dauerhaft unterstützt von Dolmetschern und Sprachlehrern – mit der Übersetzung des zentralen lutherischen Textes in die tamilische Sprache. Der Papierdruck war in Indien kaum etabliert, als Textspeicher benutzte man Palmblätter. Daher musste eine missionseigene Druckerei und Buchbinderei aufgebaut werden. In Halle arbeitete man nach handschriftlichen Vorlagen aus Indien an tamilischen Lettern und im September 1713 kamen nach monatelanger Schiffsreise eine Presse, die Lettern und drei Druckergesellen in Tranquebar an. Dazu gesellte sich ein Buchbinder, der Gefreiter der dänischen Ostindienkompagnie vor Ort war, und auch bezahlte indische Helfer. Das Papier kam aus England über die SPCK und aus Halle. Der Papiernachschub, auch die unvollständigen Schrifttypensätze, machten der Missionsdruckerei ständige Probleme, und bei so viel Mühen erstaunt es nicht, dass vor allem in Europa der erste tamilische Bibeldruck groß gefeiert und publizistisch verbibel, SüdoSTindien 60 marktet wurde. Das erste Neue Testament in Tamil wurde zum Ausweis eines prosperierenden protestantischen Missionsunternehmens. Daher wurde diese Bibel keineswegs nur in der Konversionsarbeit eingesetzt, sondern gelangte in hoher Stückzahl als emotional aufgeladene, die Ausweitung des Reiches Gottes beweisende und zugleich exotische Gabe für finanzkräftige Missionsunterstützer, etwa Hofprediger, Wissenschaftler, Unternehmer, fürstlicher Adel, darunter viele Frauen, nach Europa. Eine Auswirkung des globalen kolonialen Handels war die enorme Zunahme der in Europa verfügbaren religiösen Gegenstände aus verschiedenen Kulturen und Orten der Welt. Heute wird das Buchobjekt in der Herzog August Bibliothek in der historischen Bibelsammlung einer selbstbewussten welfischen Fürstin aus dem 18. Jahrhundert aufbewahrt. Die verwitwete Fürstin Elisabeth Sophie Marie von Braunschweig-Lüneburg (1683–1767) war eine kämpferische Protestantin, theologische Autorin und Unterstützerin der pietistisch-lutherischen Indienmission. Als Witwe begann sie Bibeln zu sammeln, vornehmlich lutherische Bibeln in allen Sprachen der Welt. So wundert es nicht, dass sie ein Exemplar des ersten in Tamil gedruckten Neuen Testaments in der Ausgabe von 1714 von dem Buchhändler C. S. Jordan erwarb und dieses stolz in ihre Sammlung integrierte. Beim Kauf war es schon durch einen Vorbesitzer prächtig eingebunden worden, in Kalbsleder, teilweise marmoriert, und durch Stempel und Fileten mit Blattgold verziert. Ulrike Gleixner 61 Als Beute aus den Türkenkriegen am Ende des 17. Jahrhunderts gelangten zwei Koranhandschriften in die Handschriftensammlung der Herzöge in Wolfenbüttel. Die Konfrontation zwischen Europa und dem Osmanischen Reich, zwischen Christen und Moslems, fand in den Ungarn- und Balkankriegen der Frühen Neuzeit einen Höhepunkt. Während der osmanische Druck auf das Habsburgerreich bis zur Belagerung Wiens 1683 anhielt, konnten nach der türkischen Niederlage die Kaiserlichen in die Offensive gehen. Im Jahr 1685 belagerten sie die strategisch wichtige Festung Neuhäusel (Nové Zámky) im heute slowakischen Donautiefland. Die Belagerungstruppen setzten sich aus Regimentern aus dem gesamten Reichsgebiet zusammen. Darunter war auch das Wolfenbüttelsche Infanterieregiment Bernstorff, das gemeinsam mit den Kontingenten aus den übrigen welfischen Landen nach Ungarn gezogen war. Die Technik des Buchdrucks wurde im Osmanischen Reich nur sehr zögerlich übernommen. Zwar wurden in Konstantinopel frühzeitig hebräische, armenische und griechische Texte gedruckt, Bücher in türkischer bzw. arabischer Sprache und Schrift hingegen kaum. Viel länger als in den christlichen Ländern behielt die handschriftliche Herstellung von Büchern große Bedeutung. Im Osmanischen Reich zirkulierte der Koran fast ausschließlich in handschriftlicher Form. Dagegen erschien der Koran in arabischer Sprache bereits 1537/38 in Venedig im Druck. Weltweit ist von dieser Ausgabe nur ein einziges Exemplar erhalten geblieben, das erst 1987 in einer venezianischen Klosterbibliothek entdeckt wurde. Es lässt sich nur darüber spekulieren, ob die venezianischen Drucker ihre Ausgabe für den Verkauf im Osmanischen Reich vorgesehen hatten und warum die gesamte Auflage bis auf ein Exemplar verloren ging. Unter protestantischen Gelehrten war die Annahme verbreitet, dass der Papst und die römische Inquisition befohlen hätten, die gesamte Auflage zu verbrennen. Dies ist allerdings durch nichts belegt. Koranhandschriften waren in Europa im 17. Jahrhundert seltene, exotische und begehrte Kostbarkeiten. Als das christliche Heer 1685 die Festung Neuhäusel eroberte, wurde die osmanische Besatzung niedergemacht und ihr Besitz geplündert. Bei dieser Gelegenheit brachte ein Mitglied des Wolfenbütteler Regiments zwei derartige Stücke in seinen Besitz. Sie sind heute Bestandteil der im 18. Jahrhundert zusammen- KorAn, oSMAniScheS reich 62 gestellten Handschriftengruppe «Extravagantes» der Herzog August Bibliothek (Cod. Guelf. 239.6 und 7 Extrav.) und tragen folgenden handschriftlichen Eintrag: Dies buch hat der H. Capitain Gerthumb von dem hochlöblichen Bernstorfschen regiment von die Wollfenbüttelschen, wie auch selber mit im stürmen gewehssen, in Neuheussel beutten gemacht anno 1685 (Eintrag in 239.7 Extrav. vorn) Vermutlich handelt es sich dabei um den Hauptmann Daniel Hieronymus Gerthum, der die beiden Korane mit in seine Heimat brachte. Seine Tochter heiratete später Johann Georg Eccard, den Mitarbeiter von Leibniz, Professor in Helmstedt und Bibliothekar in Hannover und Würzburg. Wie die beiden Handschriften aber aus Gerthums Händen in die Wolfenbütteler Bibliothek gelangten, ist nicht mehr nachzuverfolgen. Der Koran kam aber nicht nur als Kriegsbeute in westeuropäische Bibliotheken. Die arabisch-lateinische Koranausgabe von Luigi Marracci, die 1698 in Padua erschien, sicherte die weite Verbreitung des Werks in arabischer Sprache in gedruckter Form. Dass auch noch später in Europa großes Interesse an Koranhandschriften bestand, zeigt sich unter anderem daran, dass die beiden hier vorgestellten Koranhandschriften 1807 in ebenfalls kriegerischen Zeiten zwangsweise von Wolfenbüttel in die Kaiserliche Bibliothek in Paris abgegeben werden mussten. 1815 nach Wolfenbüttel zurückgekehrt, tragen sie bis heute den Besitzstempel mit Napoleons Adler. Christian Heitzmann 63 Mit der Liberalisierung durch die Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes 1869 waren die Strukturen verschwunden, die (ähnlich den Zünften im Handwerk) die Sicherheit des handeltreibenden Mittelstandes garantierten. Um in der Freiheit des Marktes zu bestehen, suchte man zwischen den Konsumvereinen der Kunden und den kapitalkräftigen Warenhäusern nach neuen Formen der Selbstorganisation. Die Lösung lag einerseits in der Komplettierung des Sortiments. Der Handel frischer Fisch-, Fleisch- und Pflanzenprodukte, der bis dahin durch lokale Wochenmärkte geschehen war, wurde mit dem Verkauf globaler Nahrungsmittel kombiniert. Nun kamen auch Süd-Früchte, Gewürze, Kaffee, Tee, Zucker, Kakao, Tabak, Speiseöle und Lebensmittel-Konserven aller Art ins Angebot. Das andere Novum war die Bildung von Genossenschaften des kaufmännischen Einzelhandels, die ihren Einkauf gemeinsam organisierten. In Hamburg etwa hatte sich das 1866 aufgelöste «Kramer-Amt» 1872 als «Verein der Gewürzhändler» neu gegründet, bevor es 1886 dem Geist der neuen Zeit entsprechend zur Umbenennung in «Verein der Kolonialwarenhändler von 1872 Hamburg» kam. 1906 bestanden im Deutschen Reich bereits 208 Einkaufs-Vereinigungen des Einzelhandels, die zum Beispiel in Frankfurt, Halle, Berlin und Görlitz auch den Begriff Kolonialwaren im Namen führten. Zunächst nur auf regionaler Ebene vorhanden, waren diese Genossenschaften dem Wettbewerb des Überseehandels aber noch immer nicht gewachsen. Nach dem Scheitern der «Zentraleinkaufsgesellschaft deutscher Kolonialwarenhändler» wurde daher 1907 in Leipzig ein «Verband deutscher kaufmännischer Genossenschaften e.V.» gegründet, der auch die finanzielle Absicherung der Angehörigen seiner 23 Regionalverbände übernahm. Der erste Direktor, Karl Biller aus Oldenburg, erkannte die Bedeutung des Marketings, gründete 1908 einen eigenen Verlag (Deutsche Handels-Rundschau) und 1910 die Reklame-Abteilung. Nach einer Umfrage, die rationale Vorschläge wie Pug (preiswert und gut) verworfen hatte, erwarb Biller 1911 vom Berliner Verband seines späteren Nachfolgers Fritz Bormann das dort seit 1898 bestehende Muster und den Namen: «Einkaufszentrale der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin E.d.K.». Das Jugendstil-Logo enthält auch die Langfassung EDEKA, die nun zur Marke erklärt wurde, wobei das K ursprünglich Kolonialwaren bedeutete, aber eben auch als Kleinhandel edeKA, deuTScheS KAiSerreich 64 oder Kaufmännisch gelesen werden konnte. Die komplexen Strukturen dieses wie ein Konzern agierenden Genossenschaftsverbandes und sein Verhältnis zum Großhandel wurden schon bald zum Gegenstand von Dissertationen und Spezialstudien. Beim Jubiläum der Edeka versammeln sich 1957 fast 18 000 Einzelhändler, die über 40 000 Geschäfte repräsentieren. Ihre Läden erscheinen auf Ansichtskarten der Nachkriegsjahre gleichberechtigt neben Kirche, Schule, Rathaus oder Tankstelle. Aktuell bilden noch 4700 «machtbewusste» Einzelunternehmer die Basis des Unternehmens. Michael Matthiesen 65 Die Ernte der Kakao-Bohnen war und ist Kinderarbeit. Ursprünglich ein Rauschmittel der Maya und Azteken, wurde die Schokolade im 19. Jahrhundert als Genussmittel zur weltweiten Massenware. Auch in Berlin entstanden Confiserien, die nach Pariser Vorbild Pralinés herstellten, gleich zwei von ihnen hießen Felix & Sarotti. Die Bedeutung des Namens ist ungeklärt, an einer Firma war auch der Vater des Soziologen Georg Simmel beteiligt. 1868 vereinigte der schwäbische Kaufmann Hugo Hoffmann die Konkurrenten unter einem Dach in der Mohrenstraße, deren altpreußischer Name immer wieder Kontroversen ausgelöst hat. Das prominente Geschäft, Fontane erwähnt es in Cécile und in L’Adultera, floriert und zieht in die Friedrich- und dann in die Belle-Alliance-Stra- ße um. 1912 wird die Fabrikation nach Tempelhof ausgelagert. Zeigten die Tafeln bis dahin nur Bilder märkischer Milchkühe oder eines Honig schleckenden Bären, so änderte sich dies ab 1908 durch die Kooperation mit dem Berliner Werbegraphiker Julius Gipkens (1883–1960), der für seine expressionistische Plakatkunst kräftige Farben und ornamentales Dekor verwendete, ergänzt durch kleine Accessoires. Auf einer Sarotti-Schachtel erscheint ein gelber Kakadu, bei anderen Marken ein Polospieler oder ein kleiner Hund. 1911 wurde dann auch der koloniale Aspekt sichtbar, als nach Art sogenannter «Völkerschauen» stereotypisierte Jugendliche mit Lendenschurz eine Staude «Kamerun-Bananen» tragen. In München schuf der Werbedesigner Ludwig Hohlwein (1874–1949), der gern konkrete Gesichter in seiner Reklame verwendete und später mit politischen Plakaten im Sinne der NS-Heroik (Olympia 1936) bekannt wurde, um 1913 einen «Palmin-Mohren». Das importierte Kokosfett musste sich vor dem Weltkrieg gegen die Konkurrenz der Butter- und Margarineindustrie behaupten und benötigte dazu einen Sympathieträger. Dieser Coco trat dann in den Bildergeschichten als Freund des wei- ßen Küchenpersonals auf, während die Verpackung des Palmins auf das abstrakte Mannheimer Wappen reduziert blieb (Abb. 1). Der später weltbekannte «Sarotti-Mohr» taucht erstmals zum Jubiläum der Firma im Sommer 1918 auf in Form einer Gruppe von drei kleinen Figuren, die auf Tabletts Schokolade bringen (Warenzeichenblatt 1919) (Abb. 2). Doch die weitere Entwicklung des Markenzeichens verlief komplizierter als bisher bekannt. Tatsächlich hat man bei Sarotti ein ganzes SAroTTi-Mohr, deuTSchlAnd 66 Jahrzehnt mit dem Motiv experimentiert. 1911 war in Hugo von Hofmannsthals Rosenkavalier «ein kleiner Neger in Gelb» erschienen, der ein Präsentierbrett mit der Schokolade trägt. Er hat auch den letzten Auftritt und holt noch ein Taschentuch von der Bühne, bevor der Vorhang fällt. Während Jean-Étienne Liotard 1744 mit seinem Wiener Schokoladenmädchen noch eine klassische Dienerin darstellte, findet sich die kleine Figur bereits in William Hogarths Morgendlicher Empfang der Comtesse (1743) als bürgerliche Adaption des Kammer-Mohrs europäischer Fürstinnen, der sich wiederum an osmanischen Vorbildern orientierte. Satire und Oper haben den jugendlichen Mohren auf das ‹Kindchenschema› (Konrad Lorenz) reduziert, und der Werbedesigner ersetzte das cremefarbene Haremskleid durch Uniformelemente einer Comic-Figur, den gestreiften Turban mit dem Signet der Firma sowie voneinander abgesetzt Weste und Hose. Die eigentlich ‹diskriminierenden› Streifen (Michel Pastoureau) waren durch Landsknechte und Revolutionen zu Signalelementen der bürgerlichen Gesellschaft geworden. Der Sarotti-Mohr trat nun in zwei Gestalten auf: als die Schokolade reichender Werbe-Mohr, der in der Weimarer Republik in den Markenzeichen des Patentamts neben dem schwarzen auch ein asiatisches oder weißes Gesicht und europäische Kleider tragen kann. Die andere Variante schwingt eine Fahne mit dem Firmennamen, wobei man auch an Zirkus- oder Sportmotive denken mochte. Der Zukunft zugewandt findet sie sich zunächst auf dem Einband einer Festschrift 1928 und wird später zum Firmensymbol. Dieser Mohr bekommt weder ein markantes 67 Mienenspiel noch die konkrete Präferenz einer Herkunft – wie der den orientalischen Fez tragende Knabe des Meinl-Kaffees oder die «Prinzessin von Schokoland» eines Kinderbuchs, mit dem Sarotti 1922 und parallel zur Anmeldung von Mohren-Prinzen als Warenmarken eine individualisierende Strategie verfolgt hatte. Sie gelangte in schmuck- und farbenreichen Bildern auch auf die Schachteln der Sarotti-Pralinen. Das Design der «Ur-Mohren» von 1918 setzte sich dann aber durch, in der die Fahne der Firma tragenden Variante mit der besonders wirkungsvollen Kombination des flächigen Blau und Rot (die Farben von Haiti und von Paris), die Gipkens auch schon bei abstrakten Reklamemotiven für Sarotti verwendet hatte. Das exotische Kind bot als Mehwert eine soziale Phantasie: der niedliche Diener höherer Stände wird zum konsumierbaren Genuss für das Publikum im Alltag. Als die Zeitschrift Gebrauchsgraphik (International Advertising Art) Gipkens 1932 zu dessen Schokoladen-Packungen interviewte, wurde der Sarotti-Mohr nicht erwähnt und nur der Vogel von 1912 abgebildet. Gipkens emigrierte dann mit seiner Familie in die USA und ist in der Schweiz verstorben. Der Mohr aber blieb im «Dritten Reich» und wurde nach 1945 in Werbefilmen sogar lebendig. Eine interne Revision der längst weiterverkauften Marke Sarotti hat ihn dann 2004 in einen goldenen Magier verwandelt, der mit den Sternen spielt. Michael Matthiesen 68

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die Zeitschrift für Ideengeschichte fragt nach der veränderlichen Natur von Ideen, seien sie philosophischer, religiöser, politischer oder literarischer Art. Herausragende Fachleute aus allen Geisteswissenschaften gehen in Originalbeiträgen der Entstehung, den zahlreichen Metamorphosen, aber auch dem Altern von Ideen nach. Dabei erweist sich manch scheinbar neue Idee als alter Hut. Und umgekehrt gilt es, in Vergessenheit geratene Idee neu zu entdecken.

Die internationale Politik der letzten Jahre, die sich erneuernden Wertedebatten und die intensiv erlebte Wiederkehr der Religionen lassen keinen anderen Schluß zu: Die politische und kulturelle Gegenwart wird von Ideen geprägt, spukhaft oft, doch mit enormer Wirksamkeit. Wer diese Gegenwart verstehen will, kommt nicht umhin, Ideengeschichte zu treiben.

Die Zeitschrift für Ideengeschichte wendet sich an die gebildete Öffentlichkeit. Darüber hinaus strebt sie als Forum der Forschung und Reflexion eine fachübergreifende Kommunikation zwischen allen historisch denkenden und argumentierenden Geisteswissenschaften an.

Die Zeitschrift für Ideengeschichte wird von den drei großen deutschen Forschungsbibliotheken und Archiven in Marbach, Weimar und Wolfenbüttel sowie dem Wissenschaftskolleg zu Berlin gemeinsam getragen. Mögen die Quellen der Zeitschrift im Archiv liegen, so ist ihr intellektueller Zielpunkt die Gegenwart. Sie beschreitet Wege der Überlieferung, um in der Jetztzeit anzukommen; sie stellt Fragen an das Archiv, die uns als Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts beschäftigen.