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Gnomon, page 638 - 672

GNO, Volume 80 (2008), Issue 7, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417_2008_7_638

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C.H.BECK, München
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S. Ahrens: Pilar-Reis, Las termas y balnea romanos de Lusitania638 modernen Distrikt- und Ortsnamen weniger vertraut sind, mit einem Ortsregister oder zumindest einer Katalogübersicht sicherlich sehr geholfen. Über 50 der Thermen sind gut erforscht. Die Autorin hat allerdings auch in fleißiger Recherche weniger bekannte Gebäude aufgespürt und sogar Befunde, die auf eine Thermenanlage hinweisen können, ohne daß eine solche Funktion sicher nachgewiesen werden konnte, mitaufgenommen. Die zweifelhaften Fälle hat die Autorin oftmals aufgesucht und liefert eine Einschätzung der Überreste nach eigener Autopsie. Ausgestattet ist der Katalogteil mit zahlreichen Farbfotos und vorbildlich vereinheitlichten, sehr übersichtlichen, nach den älteren Publikationen erstellten Schwarz-weiß-Plänen. Dem Katalogteil und einer knappen Zusammenfassung folgt eine umfangreiche Bibliographie mit mehr als 600 Titeln. Der Katalogteil des Buches von Reis ist nicht nur Zeugnis einer besonders aufwendigen Magisterarbeit, er legt auch der weiteren Forschung zu den lusitanischen Badeanlagen ein wichtiges und nützliches Werkzeug in die Hand. Eine erschöpfende Untersuchung des Materials steht aber weiterhin aus. Deshalb ist es sehr wünschenswert, daß Reis, die ja im Laufe ihrer Arbeit ein enormes Wissen über die Thermen Lusitaniens angesammelt hat, diesem Mangel in der angekündigten späteren Arbeit abhelfen wird. Dann wird dem vorliegenden Katalog ein ihm angemessener Platz in der internationalen Forschungsliteratur zu den römischen Thermen zufallen. Oslo Sven Ahrens VORLAGEN UND NACHRICHTEN Neil Morpeth: Thucydides’ war: Accounting for the faces of conflict. Hildesheim/ Zürich/New York: Olms 2006. XI, 348 S. (Spudasmata 112.). Wie es der Titel ankündigt, nähert sich Morpeth dem athenischen Historiographen des Peloponnesischen Krieges mit der Zielsetzung, ’die Gesichter eines [kriegerischen] Konflikts‘ zu analysieren. Bei fortlaufender Lektüre erweist sich die Studie vor allem im ersten Teil als eher locker zusammengebundener Strauß allgemeiner Reflexionen über Thukydides, seinen Gegenstand und insbesondere seinen Umgang mit Zahlenangaben, mit denen der antike Autor – so M.s Sicht – dem Gesicht respektive den Gesichtern des Konflikts Kontur und Profil habe verleihen wollen. Die Arbeit hat eine auffällige, da sehr ungleichmäßige Gliederung. Die ersten einhundert von insgesamt 350 Seiten teilen sich in vier – wiederum sehr unterschiedlich lange – Kapitel, die man als eine Art essayistischen Vorspann bezeichnen kann. Im Anschluß daran legt M. in Tabellen und den dazugehörigen Fußnoten sowie Appendices eine beeindruckende Materialsammlung vor, für die er das Werk des Thukydides mit feinem Kamm durchgearbeitet hat. In diesem Materialteil findet der Leser keine zusammenhängenden Ausführungen, sondern muß sich das Verständnis der Tabellen durch permanentes Hin- und Herblättern zwischen Graphik und Kommentar selbst erarbeiten. Da M. auf sämtliche Sach-, Namens-, und Stellenregister verzichtet, dürfte es praktisch unmöglich sein, alle Passagen des Buches, die sich mit einer bestimmten Thukydides-Stelle beschäftigen, synchron in den Blick zu bekommen. So büßt das Buch auch erheblich an Nützlichkeit ein, wenn man es als Arbeitsinstrument zu Thukydides heranziehen möchte. Das Referat der inhaltlichen Leitlinien bereitet einige Schwierigkeiten. Die Blumigkeit der Sprache und der von Beginn an Vorlagen und Nachrichten 639 herrschende Modus des Reflektierens erschweren das Herausschälen einer eng am Gegenstand orientierten Frage- und Problemstellung. Manche erzielte Beobachtung hat darüber hinaus keinen Neuigkeitswert. Die ’Introduction‘ nimmt zunächst ’Thucydides as Teacher of Contemporary History‘ (S. 1–56) in den Blick. Um diesem Ziel im konkreten wie auch im allgemeinen näherzukommen, lenkt M. immer wieder das Augenmerk auf die von Thukydides angegebenen Zahlen und Zahlenverhältnisse, um so von der Quantität der gesamten Kriegsmaschinerie auf die Qualität des kriegerischen Geschehens aufmerksam zu machen. Im Kern geht es M. um den Charakter des Krieges: the character of Thucydides’ war, that is its presentation of information, ideas, and observations, rather than entertaining any hope of capturing the always elusive essence of the writer himself. The war itself and its reportage is the focus of this work. (S. 2) Plataia und der thebanische, kriegauslösende Überfall auf die Stadt bilden M.s erstes Kernbeispiel, S. 10ff: Plataia represented internal and external currents and forces for war. Hier begegne das Kleine im Großen, der Mikrokosmos als Spiegel des Makrokosmos. Sehr genau geht M. den Plataia-Ereignissen nach, konzentriert sich hierbei vor allem auf überlieferte Zahlen von Eindringlingen, Belagerern und Verteidigern und weitet das Geschehene zum Universalen aus: This particular location of war’s violent, grasping, hate-filled and fear induced passions was Plataia. However, the implications of this treaty-smashing incident were extensive and general , (S. 21). Weitere Detailbetrachtungen widmet M. der nosos, die Athen heimsuchte. Diese sehr textnahen Passagen bilden sozusagen Inseln im Umfeld von Überlegungen allgemeineren Zuschnitts, die sich mit der in der Kapitelüberschrift erwähnten contemporary history beschäftigen. Immer wieder zitiert M. geschichtstheoretische Kronzeugen in diesen Abschnitten, die einer Historik ähneln und eine Art philosophische Grundlage für eine contemporary history darstellen. So belesen die Ausführungen auch sein mögen – das Konzept wirkt ausgesprochen bemüht und im Grunde nicht weiterführend. Im folgenden Abschnitt entfaltet M. dem Leser seine zentrale Frage, inwieweit die Zahlenangaben im Werk des Thukydides eine qualitative Bedeutung erhalten können ( basic issue of how quantitative terminology can hold qualitative meanings , S. 57). Diesem basic issue soll in fünffacher Weise nachgegangen werden (S. 62f): (1) eine Überprüfung der Natur der Idee der Qualifizierung ( the nature of the idea of qualification ) und die Frage, inwiefern sie sich auf Zahlen und guesstimates anwenden lasse; (2) M. will das Material in Tabellen sowie charts ausbreiten, um die Zahlen im Werk des Thukydides aufzuzeichnen und visuell zu präsentieren; (3) diese Tabellen sollen mit kommentierenden Fußnoten erläutert werden; (4) die Materialgrundlage soll in einer großen Übersicht über die einschlägigen Thukydides-Stellen zur Verfügung gestellt werden, womit schließlich (5) eine Überarbeitung der von Rubincam erzielten Ergebnisse erreicht werden soll. Nähere Betrachtungen unter dem Leitaspekt ’Quantifizierung‘ und ’Qualifizierung‘ folgen im Kapitel 1.2. M. untersucht hier cultural perceptions von Größenangaben, Wertangaben und Zahlen – besonders im Zusammenhang mit dem Begriff myriádes . M.s Erwägungen respektive Beobachtungen, die er in diesem Abschnitt darlegt, gruppieren sich um unterschiedliche Auffassungen von Zahlenangaben, die sich mit den Kernstichworten proportional reasoning , qualitative reckoning , reckoning einerseits und counting bzw. calculating andererseits umreißen lassen. Während dies oft recht unverbindlich erscheint, sind handfestere ’Ergebnisse‘ eher trivial: Bei einem Vergleich zu Herodot notiert M., daß jener die Aufzählung des gewaltigen Perserheeres deswegen gemacht habe, um dem Leser einen geradezu sinnlichen Eindruck der absoluten Übermacht zu vermitteln (S. 77). Am Beispiel der Expeditionsflotte, die sich auf den Weg nach Sizilien macht, verdeutlicht M. den Zusammenhang von qualitativen und quantitativen Aspekten in Thukydides’ Darstellung. Nach seiner Ansicht durchdringen sich zwei Absichten des Thukydides: Er ziele sowohl auf den Intellekt, den in erster Linie die präzisen Zahlenangaben ansprechen sollen, als auch auf emotionale Affekte. Diese stolze Armee von mehr als Gnomon Bd. 80, 2008640 vier myriádes endete in einem ungeordneten, panisch zurückweichenden Haufen. Indeed, the entirety of VII 75–76ff, is charged with emotion. The expeditionary forces were now pressed together myriadfold. Quite literally, this was a crowded historical moment – brimful with despair. (S. 71) Die acht Tabellen, die sich ab S. 99 anschließen, stellen zunächst annalistisch die athenischen und peloponnesischen Flotten zusammen (Tabelle 1 und 2). Es folgen die zu diesen Tabellen gehörenden charts , welche die Zahlen in Säulendiagramme umsetzen. Tabellen 3 und 4 geben annalistisch die Truppenzahlen für Athen und Sparta mit den jeweiligen Verbündeten wieder, im Anschluß wiederum die charts . Tabelle 5 und 6 zählen die Schiffsverluste pro Jahr auf, es folgen die Verluste an Männern pro Jahr (Tabelle 7 und 8). Damit endet das erste Kapitel. Kapitel 2 sind die Anmerkungen zu Tabelle 1, Kapitel 3 die zu Tabelle 2 usw., bis Kapitel 9 Tabelle 8 kommentiert. Zwei Appendices notieren und paraphrasieren dann in einer jeweils vierspaltigen Tabelle die Thukydides-Passagen für die Tabellen 1–8. Es gibt keine weiteren summarischen oder abschließenden Betrachtungen, die das Material und die daraus zu ziehenden Schlußfolgerungen herleiten und darlegen würden. Die Studie ist im Kern eigentlich nicht streng althistorisch im Sinne einer intensiven, zusammenhängenden Materialauswertung. Auch die im Grunde universalhistorischen Ansätze zur Frage über den Charakter eines kriegerischen Konflikts werden nicht intensiv verfolgt. Ebenfalls kann man die Arbeit kaum als altphilologisch bezeichnen: Textkritische Erwägungen oder literarische Interpretationen sind nicht M.s Anliegen. In den Augen des Rezensenten ist diese Unbestimmtheit eine Schwäche. Die Schwierigkeiten für den Leser beruhen sicherlich auch auf der manierierten Sprache, der Vielzahl eingestreuter Zitate, die zwar große Belesenheit erkennen lassen, den Gedanken aber nicht genauer zu fassen helfen, sondern oft eher diffus erscheinen lassen. Man wünschte sich ein Schlußkapitel, das dem Leser zumindest die Konturen der faces of conflict vor das geistige Auge bringt und somit den Titel der Studie einlöst. Ohne Zweifel erhält ein Krieg durch Zahlenangaben zumindest ein ’statistisches‘ Gesicht. Die Darstellung vermittelt so mehr Präzision, Wissenschaftlichkeit und Wahrheit. Bekanntermaßen berichtet Thukydides selbst seinen Lesern, mit wieviel Mühe er das tatsächlich Geschehene erforscht hat. Der Optimismus M.s, mit Hilfe der Zahlenangaben, so als wären sie ein ’Überrest‘ im quellenkundlichen Sinne, im Werk des Thukydides den Charakter des Krieges gleichsam destillieren zu können, scheint zu weit zu gehen (S. 2, Zitat s.o.). Am Ende muß noch eine Anmerkung zur „Select Bibliography“ gemacht werden. M.s Studie verweist fast ausschließlich auf englischsprachige Titel; französische, italienische oder deutschsprachige Veröffentlichungen älteren oder jüngeren Datums sind nur ganz vereinzelt einbezogen, manche Namen (z.B. Schadewaldt, Lesky) sucht man vergebens. Ein internationaler Diskurs, der doch gerade im Falle eines so zentralen antiken Autors wünschenswert wäre, kommt somit nicht zustande. Köln Frank Bücher Burkhard Scherer: Mythos, Katalog und Prophezeihung. Studien zu den Argonautika des Apollonios Rhodios. Stuttgart: Steiner 2006. 232 S. (Palingenesia. 87). As can be deduced from the title, Scherer’s monograph focuses on three aspects of the Argonautica, namely the myth, the catalogue and the prophecy. In effect, in order to do justice to the book, one has to read it as a collection of three, independent of each other, studies of Apollonius’ epic. However, Scherer attempts to give coherence to his monograph by adopting a similar approach to distinct topics: as stated in the introduction (4–8), the concepts of ’intertextuality‘ and ’narratology‘ provide the theoretical basis for his analysis; the terminology deployed is that coined by Kristeva and Genette-Stanzel respectively. Vorlagen und Nachrichten 641 In the first chapter of his book (’The Myth‘, 9–56), Scherer undertakes, in his own words, a ’thorough revision of the ancient testimonies concerning the Argonautic myth‘. In his opinion, a fresh approach to this old subject seems to be necessary for two reasons: first, the emergence of new material from the papyri and the need for re-evaluation of well-known evidence; second, the supposed inadequacies of previous literature on the subject – Scherer (9, n. 29) explicitly refers to P. Dräger’s 1993 and 2001 monographs on the Argonautica, the latter of which he has elsewhere criticized (cf. BMCR 2003.02.05 with Dräger’s response). The author programmatically calls this chapter a Referenztext for any future study of the Argonautic myth. Perhaps its main advantage lies in the fact that the sources are examined in separate lemmata which are arranged chronologically, thus rendering it a useful tool for the specialist. The wide range of evidence, extending from the archaic to the Hellenistic period and including prose writers and poets, fragmentary works and even iconography, further enhances the encyclopedic quality of this collection of material on the Argonautic myth. However, Scherer’s approach is not always well balanced: whereas an entire section is dedicated to a detailed comparison between the Pindaric and the Apollonian version of the Argonautic myth, parallels between other sources and Apollonius are sporadically drawn (for a loose connection with the Argonautica, see e.g. the lemmata ’Mimnermos‘, ’Epimenides‘, ’Theognidea‘ etc.). The concluding section, which traces the identity of the Argonauts according to the various lists of names which have come down to us from antiquity, marks the transition to the next chapter – ’The Catalogue‘. The introduction to the second chapter (57–72) provides the framework for a novel approach to the notion of the poetic catalogue. Seen from a structuralist and a narratological viewpoint, four different patterns emerge, termed by the author as ’list‘, ’catalogue‘, ’list narrative‘ and ’catalogue narrative‘ respectively. It should be noted, though, that the distinction between these notions is not clear-cut and the definitions offered are rather obscure, couched in reader-unfriendly terminology (see esp. p. 72). Scherer illustrates his theoretical point by quoting numerous examples not only from Graeco-Roman literature but also from other traditions of ’Heldendichtung‘ (Near Eastern, Indian, Celtic and German). On the whole, Scherer’s attempt to provide a theoretical foundation for the catalogue, the importance of which has been underestimated by previous scholarship, is one of the most interesting aspects of his monograph, and a starting point for future research on the subject. The rest of the chapter (72–134) is dedicated to the discussion of Apollonius’ catalogue of the Argonauts. Scherer’s opening remarks, which concern its narratological function and poetic composition, are followed by a critical edition of the greek text with a german translation (Arg. 1.23–233). In contrast with the monotonous regularity of catalogues of the archaic epic, Apollonius gave a complex and varied structure to his own catalogue: in order to demonstrate this, Scherer examines what he calls the ’Lemmatisierung‘, i.e. the 35 units into which Apollonius’ catalogue can be divided according to two different criteria, namely the macrosyntactic markers and the semantic patterns. In the subsequent section, Scherer finally turns his attention to the narratological interpretation of the catalogue by closely examining the example of Orpheus; he finds that this hero is given a prominent place in the catalogue, as he mirrors (as does Demodokos in Homer) the figure of the poet himself. An intertextual reading of the Argonautic catalogue against the background of the Homeric Catalogue of Ships from a geographical angle is appended to the end of this chapter. The episode of Phineus (Arg. 2.178– 530), as viewed from both a narratological and an intertextual perspective, forms the core of the third chapter, ’The Prophecy‘ (135–199). Scherer cites the Greek text (Arg. 2.307–425) with a German translation, and supplements it with a detailed commentary – which, curiously enough, is given in an Appendix at the end of the book (200–222). His interpretation follows certain general lines: the prophecy must be read as an internal prolepsis that will be materialized in the second part of Book 2; Phineus, the internal narrator, reflects the external narrator of the Argonautica; the Gnomon Bd. 80, 2008642 episode of Phineus exemplifies the hybristhemis ’Leitmotiv‘ underlying Book 2; Teiresias’ and Kirke’s prophecies from the Odyssee, Nestor’s speech from Iliad 23, the Homeric Catalogue of Ships, and Io’s prophecy from Aeschylus’ Prometheus are proposed as reference texts for an intertextual reading of the Argonautica. To conclude, Scherer offers an undoubtedly methodical analysis of different aspects of the Argonautica. The main shortcoming of his study, however, is the absence of a unified line of argument which creates an overall impression of fragmentation; such is the heterogeneity of material discussed that the reader often loses the thread of the author’s thought, while conclusions can only be drawn for individual subsections of the book. But, although the scholarly perspective adopted (as reflected in the dozens of tables and the huge collection of geographical, mythological and literary data) seems at times pedantic, this is a learned study, to be used as a commentary on the passages under discussion and as a reliable reference book, recommended to anyone with an interest in the Argonautica and, generally, in formalistic approaches to ancient literature. Thessaloniki Evina Sistakou Mikael Johansson: Libanius’ Declamations 9 and 10. Göteborg: Acta Universitatis Gothoburgensis 2006. 308 S. (Studia Graeca et Latina Gothoburgensia. 67.). Wenn hier zu zwei Deklamationen des Libanios Übersetzung und Kommentar vorgelegt werden, so ist dies grundsätzlich sehr zu begrüßen, da die griechische Deklamationspraxis bisher relativ wenig Aufmerksamkeit gefunden hat und nur unzureichend erschlossen ist. Als Gegenstand hat sich Johansson (J.) in seiner Göteborger Dissertation die Deklamationen 9 und 10 ausgewählt, ein Redenpaar des Neokles und seines Sohnes Themistokles. Thema der beiden Reden ist das auch sonst in Deklamationen beliebte Motiv der Enterbung (apokéryxis): Nachdem Themistokles die Perser besiegt hat, will sein Vater Neokles die einst wegen ungebührlichen Verhaltens ausgesprochene Enterbung wieder rückgängig machen, doch widerspricht sein Sohn diesem Begehren. Der Fall scheint erst eine spätere, etwa bei Aelian und Nepos bezeugte Erfindung zu sein. Nach einer ausführlichen Einleitung (13–75) bietet J. den maßgeblichen Text von Förster (mit kleineren Abweichungen) nebst englischer Übersetzung (76–133) sowie einen philologischen Kommentar (135–283). Mit seiner dreifältigen Aufgabenstellung der Übertragung, der Kommentierung und der Analyse der historischen Quellen wendet er sich an Leser, die an der spätantiken Rhetorik und am Nachleben der Perserkriege in der griechischen Literatur interessiert sind. Die Erläuterungen zur griechischen Deklamationspraxis und zum Corpus des Libanios, die J. in der Einleitung gibt, könnten sehr viel tiefer gehen. Zwar werden antike Urteile über Libanios’ rhetorische Fähigkeiten dargestellt, aber die Bemerkungen zu seinen Deklamationen bleiben oberflächlich. Man erfährt sehr wenig über die Themen der Reden, ihre Darbietungsform oder den Schulbetrieb des Libanios, mit dem die Deklamationen eng verknüpft waren. Auf die Frage, inwieweit Libanios’ Deklamationen Muster für die Schule oder Schaureden zu Unterhaltungszwecken waren (so deutlich etwa decl. 26), geht J. überhaupt nicht ein. Dabei hätte diese Frage auch für die Kommentierung der beiden vorliegenden Texte durchaus wichtig sein können. Da eine umfassende Darstellung der Deklamationen des Redners fehlt, hätte man zumindest kurz Vergleiche mit anderen Stücken des Corpus oder auch mit Himerios’ Deklamationen anstellen können. Ob decl. 9 und 10 in allen Aspekten den Konventionen folgen oder Besonderheiten aufweisen, erfährt man nicht. Zu ausführlich hingegen wird der Aufbau von Reden nach Ps.-Hermogenes’ Perì heuréseos vorgestellt, da sich Libanios J. zufolge eng an das dort präsentierte Schema hält (so neben anderen bereits B. Schouler, La tradition hellénique chez Libanios, Paris 1984). Über vierzig Seiten hinweg werden, mit ausführlichen Zitaten versehen, die Teile der Rede und die Argumentationsformen nach diesem für das Erlernen der Deklamationstechnik verfaßten Handbuch erörtert. Ein knapperer Überblick hätte hier genügt. Ausführungen zur apokéryxis und zu den beiden Kontrahenten schließen die Einleitung ab. Was fehlt, ist eine Ge- Vorlagen und Nachrichten 643 samtinterpretation der beiden Reden, welche die Argumentation jeweils nachzeichnet und die literarische Seite der Texte würdigt. Welche Strategien Vater und Sohn verfolgen, welche Argumente sie besonders betonen, wo Schwachpunkte liegen, all dies wird zwar einzeln im Kommentar abgehandelt, doch fehlt eine zusammenfassende Synthese. Die Übersetzungen sind im großen und ganzen genau und geben ziemlich wörtlich den Sinn des Textes wieder. Im Kommentar folgt auf jeweils knappe rhetorische Erläuterungen zu den Redeteilen die Einzelkommentierung, bei der Quellenfragen und textkritische Probleme im Vordergrund stehen. Insgesamt krankt der Kommentar daran, daß er einerseits viel zu ausführlich Dinge erklärt, die keiner näheren Erläuterung bedürften (etwa zur Akzentsetzung), andererseits manches Interessante übergeht. Selbst wo es auf den Wortlaut nicht ankommt, nennt J. nicht nur Parallelstellen, sondern zitiert diese ausgiebig mit Übersetzung. Nur weil etwa in 9,32 Pferde erwähnt werden, zitiert J. weitere Stellen, an denen Libanios über Pferde spricht. Überflüssig sind wörtliche Zitate insbesondere dort, wo es sich um römische Autoren wie Nepos und Justin (Epitome des Pompeius Trogus) handelt. Selbst wenn diese die gleichen Fakten über Themistokles mitteilen, ist dies für das Verständnis des Libaniostextes völlig irrelevant, da der Autor keine lateinischen Texte las. Bloße Stellenbelege hätten hier gereicht. Je weiter der Kommentar voranschreitet, desto mehr fällt auf, daß J.s Hauptanliegen darin besteht, hundert Jahre alte Ansichten zu Libanios’ Quellen in allen Einzelheiten zu widerlegen (Werner, Richtsteig, Förster). Zweifelsohne hat J. recht damit, daß man damals zu viele Abhängigkeiten, inbesondere von Herodot, gesehen hat, obwohl keine wörtlichen Entsprechungen vorliegen. Aber das müßte man nicht bei jeder einzelnen Stelle mit ausführlichen Zitaten zurückweisen. Die Ergebnisse der Quellenuntersuchung faßt J. am Ende des Buches noch einmal zusammen. Die weitschweifigen Bemerkungen gehen auf Kosten anderer Aspekte. Die Stilistik der Reden findet so gut wie keine Aufmerksamkeit, zur rhetorischen Gestaltung im Detail sagt J., abgesehen von der Charakterisierung der Redeteile, insgesamt wenig. Beispielsweise hätte man auf die Prosopopoiie in 9,50 aufmerksam machen können. Äußerungen zur Wortstellung oder zur Hiatvermeidung sucht man vergebens. Bisweilen vermißt man Kommentare, etwa in 10,11 zur Konstruktion von mit Nebensatz (vgl. Kühner/ Gerth II 356). Wer Einsichten in die Deklamationen des Libanios sucht, die über Detailprobleme von decl. 9 und 10 hinausgehen, oder erfahren will, welche Stellung die beiden Reden im Gesamtcorpus einnehmen, wird bei J. leider nicht fündig. Was man stattdessen erhält, sind eine verläßliche Übersetzung und ein solider, wenn auch unausgewogener Kommentar. Kiel Jan Stenger Franz Witek: Vergils Landschaften. Versuch einer Typologie literarischer Landschaft. Hildesheim/Zürich/New York: Olms 2006. 274 S. (Spudasmata. 111.). I paesaggi naturali come pure quelli virtuali sono fra le descrizioni più discusse e ammirevoli nella poesia di Virgilio: basti pensare alle immagini di locus amoenus e alla creazione letteraria dell’Arcadia nelle ’Bucoliche‘, al modo dolce e amorevole in cui la foce del Tevere accoglie la flotta troiana all’arrivo nel Lazio (Eneide 7,25: Iamque rubescebat radiis mare etc.), all’appassionata contesa d’amore dei tori nelle selve montane della Calabria (Georgiche 3,219–241): di quest’ultima ho scritto in ’Paesaggio drammatico ed esperienza biografica nella Sila virgiliana‘ (in ’Storia e cultura del Mezzogiorno‘, Cosenza-Roma 1978, 9–20) e in ’Immagini letterarie e reali del paesaggio di montagna in Virgilio‘ (Philologus 144, 2000, 81–89),1 ____________________________________ 1 Più di recente ho illustrato la presenza da protagonisti degli animali nel paesaggio del nostro poeta in ’Pecore e capre nelle ’bucoliche‘ virgiliane‘ (’Animali tra zoologia, mito e letteratura nella cultura classica e orientale‘, Quaderni del Dipartimento di Scienze dell’Antichità e del Vicino Oriente, Venezia Ca’ Foscari 1, 2004, 277–283) e in Gnomon Bd. 80, 2008644 due articoli che non sono peraltro citati nella pur ampia bibliografia del volume (232–269), dove manca del resto anche un doveroso riferimento alla bella voce ’paesaggio‘ che Franco Serpa ha scritto per l’’Enciclopedia Virgiliana‘ (III, 1987, 921– 926). Sono omissioni, certo, dovute al fatto che l’intero volume è stato ideato nell’ampia dissertazione su questo soggetto che W. ha discusso a Salisburgo ben trenta anni fa, e ciò chiarisce anche il richiamo prevalente a studi di quel periodo, in particolare ai contributi sempre preziosi ma un poco datati di Karl Büchner, Theodor Haecker, Friedrich Klingner, Hans-Dieter Reeker (azzeccato e raffinato mi è sembrato comunque il riferimento in questa prospettiva al settecentesco ’Laocoonte‘ di Lessing, 33–35). Dopo una breve ’Einleitung‘ (7–22), W. si addentra nella tecnica della descrizione paesistica di Virgilio in una prospettiva ’poetologica‘ (23–62) ed ’emozionale‘ (62– 90), dedicando poi la parte più approfondita della sua indagine alla trasfigurazione della terra natale ( Verklärten Heimat ) nella sfera bucolica (91–122) e nell’Arcadia, come essa viene rappresentata nelle ’Bucoliche‘ (122–176) e poi nelle ’Georgiche‘ (178–189) e nell’’Eneide‘ (189– 229). Chiude il volume un rapido ’Schlusswort‘ (230–231), che può suonare semplicistico e un poco banale laddove afferma che lässt sich in der Arkadien- Thematik auch ein Stück von Vergils Leben und Leiden ablesen . L’analisi della tecnica descrittiva di Virgilio si evidenzia nella differenza fra immagini paesistiche geograficamente evidenti (ad esempio alle pp. 52–62 il vulcano Etna, la terra inospitale di Polifemo nel III libro dell’’Eneide‘, messo giustamente in relazione con la grotta di Caco nel libro VIII: es ist eigentlich eine entartete und pervertierte Landschaft, ein Bereich des Chaos , 61) e, dall’altro lato, immagini che sono essenzialmente una trasfigurazione della natura im Interesse der poetischen Notwendigkeit (24). Per W. infatti la descrizione del paesaggio in Virgilio non è tanto rappresentazione della realtà, ma ricerca di una verità più ’Capellae at the end of the Eclogues‘ (HSPh 102, 2004, 315–318). profonda, di natura prevalentemente religiosa ( gewinnt eine religiöse Dimension , 32). Il paesaggio è uno ’Stimmungsträger‘ in rapporto dinamico con l’uomo ( Mensch und Landschaft stehen von Anbeginn an in einer engen Verbindung, da der Mensch Teil des Universums ist , 32), e in questa prospettiva W. paragona con garbo adeguato gli alterni sentimenti dei Troiani quando sbarcano preoccupati sulla costa africana e quando giungono pieni di speranza e di gioia alla fine del loro viaggio nel Lazio (36–41). Nella I egloga W. raffronta con finezza l’’Heimatlandschaft‘ di Titiro con ’die Ferne‘, l’esilio di Melibeo, e mette sottilmente in rapporto la descrizione di Virgilio con quella del candidum Soracte che si legge in Orazio: Horaz baut, Vergil malt seine Naturbilder … Horaz ist intellektueller, Vergil empfindsamer und religiöser (47). È un fatto che Melibeo rimpiange con nostalgia il proprio podere pur senza ignorare che la sua capanna sorgeva su un terreno paludoso e malsicuro, e non ha remore a rivolgere a Titiro una preghiera nostalgica e triste (Fortunate senex, ergo tua rura manebunt, 65). Né mancano in seguito di enfasi sentimentale le celebrate laudes Italiae delle ’Georgiche‘ (69–72). Il paesaggio virgiliano può tuttavia essere inteso anche come ’geistiger Bereich‘: in diesem Sinn sind allerdings viele der in der Dichtung geschilderten Landschaften nicht reale, sonder literarische Landschaften (48). Il fenomeno si rivela nel modo contrapposto in cui lo stesso paesaggio viene rivelato dalla presenza o dall’assenza di un personaggio emblematico come Dafni nell’egloga V, o come l’amata Licoride nell’egloga X (79–82: qui l’autore avrebbe ben potuto ricordare anche la mutazione soggettiva del paesaggio per la presenza o assenza di Alessi, di Filli e di Licida ai vv. 53–68 dell’egloga VII). Illustrando il tipo della Verklärten Heimat W. si sofferma con acume sulle frequenti menzioni della Sicilia nelle ’Bucoliche‘ (101–111), un segnale allusivo di omaggio a Teocrito, anche se non sarebbe stato fuori luogo discutere il modo in cui l’isola è citata negli altri poemi, e in particolare su come viene osservata dalla nave di Enea che circumnaviga l’isola alla fine del III libro dell’’Eneide‘, dove è evidente pure un riferimento ammirato al Vorlagen und Nachrichten 645 frammento 43 degli ’Aetia‘ di Callimaco, che Pfeiffer pubblicò giustamente con il titolo ’De Siciliae urbibus‘ (ne ho scritto in ’Callimachus at the end of Aeneas’ narration‘, HSPh 95, 1993, 323–331). Dopo un’analisi puntuale della I e della IX egloga, W. si concentra sulla IV (118– 122), che verknüpft die bukolische Landschaft mit dem Thema der Goldenen Zeit … Landschaft ist für ihn vordringlich Offenbarung des Göttlichen . Quanto al tema dell’Arcadia, esaminato analiticamente nelle egloghe IV, VIII, VII e X, e poi nelle ’Georgiche‘ e nell’’Eneide‘, W. ripercorre diacronicamente il dibattito critico su di essa partendo da Bruno Snell (1945) per giungere ad E. A. Schmidt (1975: siamo sempre a trent’anni fa!) e accennando con garbo alle interpretazioni pittoriche che ne hanno dato Guercino e Poussin (132–136) e alla ripresa rinascimentale che ne fece il Sannazaro (166), per giungere alla facile conclusione che Arkadien ist innerhalb dieser Vorstellung ein Symbol für eine bestimmte einfache Lebensform der Urzeit (229). Si tratta nel complesso di un libro accurato e di piacevole lettura, a cui avrebbe giovato però un serio aggiornamento bibliografico, che gli avrebbe certo conferito un carattere maggiormente innovativo. Venezia Mario Geymonat Jochen Walter: Pagane Texte und Wertvorstellungen bei Laktanz. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2006. 382 S. (Hypomnemata. 165.). Matériellement parlant, le travail se présente comme un beau livre, très bien présenté, de 382 pages, dont 25 pages de bibliographie, et 21 pages d’index (Bible, sources antiques, noms et choses) qui permettent de se repérer commodément. Comme l’indique le titre, il s’agit d’examiner la manière dont Lactance évalue les textes païens. En deux sens d’ailleurs: quelle valeur (d’utilisation) leur attribue-t-il? Et, à lire Lactance, quelle valeur leur attribue le lecteur? Dans l’introduction, JW pose le problème; il est clair que Lactance est passé d’un paradigme de conflit (Tertullien!) à celui d’une synthèse entre paganisme et christianisme. Cela était déja vrai même avant Lactance. Cela étant, s’agit-il d’une ambiguïté, d’un christianisme inclusif, d’un dialogue interreligieux ou interculturel? Devons-nous voir en Lactance un pionnier chrétien du combat pour la tolérance, pour la liberté de religion, comme s’il projetait Vatican II? L’ironie de JW montre bien de quel côté il penche; il veut reprendre l’environnement païen de Lactance. Cela insinue l’idée d’une opposition binaire (curieusement JW ne cite nulle part, nisi erro, le livre d’E. R. Dodds, Païens et chrétiens dans un âge d’angoisse), puis l’idée d’une synthèse (on constate beaucoup d’interdépendances entre christianisation et hellénisation). Où l’on retrouve les travaux de J. Fontaine et P. Brown, entre autres. La problématique du travail se dégage ainsi: mettre en valeur la complexité du texte (multiplicité, ambiguïté), se demander si Lactance est un combattant de valeurs modernes comme la tolérance, s’il est un penseur qui pressent le tournant constantinien, ou un témoin de son temps? Après l’introduction, la conceptualisation de la relation de Lactance aux textes païens: les déclarations méthodologiques de Lactance reflètent sa technique d’argumentation, il instrumentalise implicitement les techniques oratoires, il veut se mettre au niveau de son lecteur (essentiellement les païens lettrés qui ont les mêmes goûts stylistiques, pour faire simple, que le jeune Augustin). Donc il faut enduire de miel les bords de la coupe amère: Lactance exprime ainsi sa fidélité à l’égard de la culture antique. Nous rappelons ici que la première carrière de Lactance a été celle d’un rhéteur, professeur de rhétorique latine (= païenne) appelé comme tel par Dioclétien à Nicomédie. Ensuite, JW envisage la valeur des différents textes païens, en allant de l’historiographie à Hystaspe. L’historiographie lui sert de mine où puiser des exempla, mais pour illustrer son point de vue propre: il dénonce les héros de l’histoire romaine au profit des martyrs chrétiens; l’aspect religieux l’emporte – en d’autres termes, c’est le passage du héros au saint ... –. Pour les poètes, ce qui est déterminant, c’est leur crédibilité à l’égard de ses lecteurs, et non pas la valeur effectivement normative du texte poétique, qui est fondamentalement différent des textes bibliques inspirés. Lactance amène son lecteur à Gnomon Bd. 80, 2008646 faire le parcours qui conduit du texte poétique à la Bible, par souci pédagogique / protreptique. Cela revient à affirmer la supériorité du christianisme sur la culture antique: les textes antiques ne font pas partie d’une Histoire Sainte. Les philosophes (dont Lucrèce): Lactance doit montrer qu’il les connaît et qu’il est capable de les maîtriser. Là encore, il affirme la prétention de supériorité du christianisme sur la philosophie, nous dirions qu’il recycle (immer wieder) le thème du christianisme vrai philosophe. JW montre que les citations ne sont pas une dépendance, mais l’expression d’une instrumentalisation souveraine et intentionnelle: la philosophie ne constitue pas une norme. Avec H. Savon (penser à son étude sur la thèse de G. Madec, Ambroise et la philosophie), on pourrait dire que Lactance réutilise la philosophie comme les Hébreux réutilisent les ’dépouilles des Égyptiens‘: ils ne se sentent redevables d’aucune reconnaissance à l’égard de ceux qu’ils réutilisent. C’est une forme de ré-emploi de matériaux préexistants pour bâtir un édifice dont le plan, la structure, etc, sont neufs. Quant à l’hermétisme, JW se montre critique – comme nous même – à l’égard de la thèse d’A. Wlosok d’un Lactance adepte d’un hermétisme platonisant (je simplifie). En un mot, Lactance ne défend pas une forme de christianisme qui serait ’hermétisée‘. Encore une fois, il faut parler d’instrumentalisation, tout en notant que bien des convergences entre l’hermétisme et la pensée de Lactance ne leur sont pas spécifiques (la nécessité de la révélation, par exemple). Comme les néo-platoniciens, les hermétistes sont des concurrents et des adversaires du christianisme. Pas de synthèse donc. Les Oracula Sibyllina viennent ensuite: ils sont très utilisés aussi par l’Oratio ad sanctos constantinienne, mais avec une différence de taille: pour Constantin, la Sibylle est une prophétesse élue par le Christ, annoncé par Virgile (Bucolique 4); pour Lactance, la Sibylle et Virgile ne sont pas chrétiens, mais peuvent avoir une fonction propédeutique par rapport à la Bible: statut précaire et provisoire. Je serais tenté d’y voir une différence entre le registre du religieux vu par le politique (Constantin) et vu par le penseur (Lactance, rhéteur qui utilise la philosophie). Avec JW, je suis tenté de considérer séparément les comptes de Constantin et de Lactance. L’Oracle d’Apollon est lui aussi instrumentalisé (d’autant plus qu’il a joué un rôle dans le déclenchement de la persécution par Dioclétien). Hystaspe est sur le même plan que l’Oracle d’Apollon; à la différence de Justin et Clément, Lactance critique ouvertement Hystaspe, ce qui montre qu’il utilise une version non christianisée. Comment Lactance représente-t-il les valeurs païennes? JW envisage la question sous l’angle du schéma iustitia – pietas – aequitas. La pietas est dei notio pour Lactance (donc un concept exclusivement chrétien), l’aequitas a une dimension anthropocentrique (tous les hommes sont frères en tant qu’ils sont fils de Dieu). Pietas et aequitas sont inséparables de la iustitia: c’est une exclusivité des chrétiens. Les autres vertus sont unies à la iustitia, mais elles peuvent se présenter séparées, et dans cette mesure, elles peuvent exister chez les nonchrétiens. La pietas est centrée sur Dieu: son fondement chez Lactance n’est donc pas politico-social (cf. par exemple Aristote, Cicéron ...), mais religieuxmissionnaire. Au total, Lactance réutilise des notions d’origine antique, mais avec des présupposés théologico-philosophiques complètement différents. Les mots-clés sont instrumentalisation, amalgame, marginalisation. Apparaît ici une vision monopolistique du christianisme selon Lactance (le mot de ’totalitarisme‘ ne figure pas chez JW, mais on n’en est pas loin). A propos de la politique, Lactance est au début de sa carrière éloigné de l’État (en plus, les tétrarques sont persécuteurs). Dans le De mortibus et les dédicaces à Constantin, ce dernier apparaît comme un héros. Le De ira et l’Epitome esquissent un rapprochement avec l’État (signalé depuis longtemps): il accepte le service militaire, la peine de mort, les différences des rangs de fortune. JW n’y voit pas l’esquisse d’une politique concrète – point sur lequel nous le suivons volontiers –, mais il signale une difficulté: il est étonnant que l’Epitome et le De ira soient plus tardifs que le De mortibus – nous ajouterions: et antérieurs aux dédicaces à Constantin –. Selon JW, après l’impression laissée par la persécution et sa fin, Lactance aurait été déçu par Constantin. Cela nous paraît bien difficile à concevoir: comment expliquer alors les dédicaces Vorlagen und Nachrichten 647 à Constantin? la présence de Lactance à la cour, précisément auprès du César Crispus? Nous pensons plutôt que tous les textes ne sont pas sur le même plan; les Institutions sont un essai de constituer une somme chrétienne pendant la persécution, le De mortibus est un pamphlet à dater à proximité de la fin de la persécution, le De ira veut compléter les Institutions, l’Epitomé est un résumé datant d’environ 320, les dédicaces offrent à l’empereur, après l’élimination de Licinius, une révision des Institutions (en 323 / 324), révision restée probablement inachevée. Contextes politiques et religieux, genres littéraires sont différents: il nous semble prudent de considérer que tout n’est pas sur le même plan. Sur la tolérance, JW parle de policy of concord chez Lactance. Il signale son opposition aux païens persécuteurs, mais qu’on ne peut le mettre au nombre des combattants de la tolérance: nulle part, il ne renonce fondamentalement à persécuter le polythéisme – nous remarquons quand même qu’il ne dit pas qu’il faut le faire ... –, et il sépare nettement chrétiens et nonchrétiens. On ne peut donc pas opposer la tolérance de Lactance à l’intolérance de Porphyre ’et alii‘. Soit, sur le plan de la théorie, mais non sur le plan de la praxis; JW remarque d’ailleurs que, pour Lactance, la non-valeur de la vie non-chrétienne ne s’actualise pas ici-bas, mais dans l’au-delà – c’est-à-dire dans l’eschatologie –. Ouf! Lactance refuse la possibilité d’un pluralisme religieux, au motif évident que la vérité est unique, et que l’erreur est multiple. Il est très loin de la déclaration de Symmaque (qui constitue le titre d’un chapitre de Dodds), selon laquelle on ne peut atteindre la vérité par un seul chemin. Sans doute encore; mais ne peut-on pas distinguer deux niveaux: celui de la vérité théorique / spéculative, et celui de la praxis – le domaine de la rhétorique utilisée habilement, voire parfois artificieusement, à des fins apologétiques. Conclusion: JW pense que les travaux récents se sont trop inspirés du mot de J. Fontaine: Christentum ist auch Antike , avec l’inconvénient de faire apparaître Lactance comme un fascinant visionnaire. La contradiction avec la philosophie est ’fulminante‘, ce à quoi on objectera avec H. Savon (travail cité ci-dessus) qu’entre le rejet massif et l’adhésion pure et simple, il peut y avoir un ’tertium quid‘ dans lequel les concepts sont repris dans l’idée que le repreneur ne fait que reprendre son bien. Et donc qu’il n’a contracté aucune dette de reconnaissance à l’égard de qui que ce soit. Mais on accordera à JW qu’il n’y a pas de ’synthèse‘ au sens propre: sur chaque point étudié, c’est au total le christianisme qui apparaît comme l’élément déterminant; les autres éléments sont des faire-valoir. Lactance instrumentalise et réoriente les textes païens en un sens chrétien: c’est sans doute le point sur lequel la démonstration est la plus forte et la plus générale – même s’il n’est pas le premier à le dire –. Et il faut lui en donner crédit. Il en sort un portrait de Lactance plus ’prosaïque‘ que ne le dit de la recherche des dernières années. Cela étant, l’utilisation même, si massive et visible, de textes de provenance païenne nous semble ne pas être complètement neutre: elle montre un changement d’attitude par rapport à l’opposition frontale de Tertullien (par exemple); en outre, le recours permanent à l’aspect rationnel, à la démonstration n’est pas non plus complètement neutre et sans conséquence. Enfin, à notre avis, tous les textes ne sont pas sur le même plan, et les concepts ont changé entre le IVe siècle et le nôtre. Un seul exemple, à propos de la tolérance dont parle JW. Ne pourrait-on dire, ’mutatis mutandis‘, ce que nous avons écrit (’L’homme antique et chrétien‘) sur la non-violence: Lactance a sur ce point une attitude qui ressemble à ce qu’un contemporain appelle non-violence. Mais aujourd’hui, un non-violent pense que son attitude va désarmer son adversaire, alors que Tertullien (et Lactance) laissent la vengeance à Dieu, qui sera ’in fine‘ bien plus efficace que n’importe quel être humain... Amiens Michel Jean-Louis Perrin Meinolf Vielberg: Der Mönchsbischof von Tours im ’Martinellus‘. Zur Form des hagiographischen Dossiers und seines spätantiken Leitbilds. Berlin/New York: de Gruyter 2006. XI, 354 S. (Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte. 79.). L’auteur expose, dans une première partie introductive (p. 1–33), sujet et méthodes de son enquête. Celle-ci porte sur un corpus Gnomon Bd. 80, 2008648 de textes martiniens constitué en deux temps principaux. Un premier ensemble, l’’Urmatinellus‘, probablement réalisé à l’extrême fin du 6e s., regroupe, en annexe aux œuvres de Sulpice Sévère, une sylloge de tituli et de notices en prose, le symbole trinitaire attribué à Martin et quelques chapitres du De uirtutibus s. Martini de Grégoire de Tours. Un dossier hagiographique beaucoup plus ample, le ’Martinellus‘ proprement dit, réalisé au 9es. dans le scriptorium de St-Martin de Tours, reprend les éléments du précédent recueil et y ajoute les écrits martiniens de Paulin de Périgueux, de Venance Fortunat, des extraits plus larges de Grégoire de Tours, ainsi que la brève Vita composée par Alcuin. Dans la longue évolution qui mène de la biographie antique à l’hagiographie chrétienne médiévale, le ’Martinellus‘ représente un corpus unique en son genre, puisqu’il réunit, autour d’une même sainte personnalité, des textes différents par leur nature (prose et poésie) et par l’époque de leur composition ( de la fin du 4e s. au 9e s.): par sa richesse exceptionnelle, il ouvre un vaste champ à une enquête d’intertextualité permettant de mettre en évidence continuité et changement dans la façon dont la figure et le rôle du moine-évêque ont été successivement conçus. Le second volet de l’ouvrage (p. 34–162) est consacré à l’étude, replacée dans leur contexte historique respectif, des quatre biographes majeurs de Martin, à commencer par Sulpice Sévère. Composée en 397, encore du vivant de l’évêque de Tours, la Vita Martini se présente comme une biographie inachevée, ’ouverte‘ à des compléments ultérieurs, sous la forme des trois Lettres qui viennent, une première fois, la clore, en menant le héros jusqu’à la mort, pour former avec la Vita, en pendant à la Lettre préfaçant cette dernière, une composition en forme de cercle. Quelques années plus tard, la rédaction des Dialogues, un genre littéraire choisi parce qu’il permet d’ajouter des épisodes inédits, entraîne le lecteur dans un double voyage, en Orient à la suite de Postumianus et en Gaule Aquitaine auprès de l’auteur et de ses hôtes; dans ce dernier écrit, on assiste à un début de métamorphose de l’image de Martin: au plaidoyer engagé pour défendre un évêque attaqué par nombre de ses collègues, fait place la célébration d’un saint universellement admiré. Dans le troisième quart du 5es., Paulin de Périgueux compose une épopée hagiographique en cinq chants, en habillant de ses vers la Vita et les Dialogues de Sulpice Sévère et en ajoutant, d’après la charta envoyée par son commanditaire, l’évêque de Tours Perpetuus, un sixième Livre sur les miracles posthumes opérés par Martin, en une perspective qui associe le présent au passé. Un siècle plus tard, Venance Fortunat transpose lui aussi les mêmes ouvrages de Sulpice Sévère en une œuvre poétique dans laquelle le thème du voyage, à la façon d’un leit-motiv, apporte une dimension nouvelle: il s’agit d’une part d’un voyage réel, la pregrinatio religiosa entreprise par l’Italien miraculé afin d’acquitter sa dette de reconnaissance au tombeau du confesseur, selon un itinéraire retracé à rebours dans l’Envoi imaginaire de la Vita vers la terre natale de l’auteur; d’autre part, le lecteur est invité à suivre le voyage fictif de l’écrivain embarqué, tel un marin novice sur une mer démontée, dans une navigation littéraire, non moins périlleuse: avec cette ’auto-réflexion poétique‘, qui ponctue chacune des étapes dans la rédaction de la Geste hagiographique, Fortunat mesure les difficultés de son entreprise qui, pour être menée à bon port, attend de Martin qu’il gonfle de son inspiration sa voilure de poète-navigateur. Enfin, les œuvres de Grégoire de Tours, contemporain et ami de Fortunat, s’inscrivent dans une dimension qui englobe, comme chez Paulin de Périgueux, passé et présent, mais prend également en compte l’avenir. L’évêque s’adonne en effet à l’écriture en sa triple qualité de pasteur, d’historien et de responsable politique. Pasteur, il se préoccupe de fortifier l’espérance des fidèles dans les secours prodigués ici-bas par le saint confesseur, médecin des corps et des âmes, mais aussi dans la promesse de la vie éternelle, dont Martin, par sa praesentia toujours manifeste à son tombeau, est le garant. Historien, il conçoit la mission dévolue à ce dernier en Gaule comme une étape dans la réalisation du plan divin pour le salut de l’humanité. Engagé dans les tumultes de la vie politique, il tente, par ses interventions et ses écrits, de peser, en sa qualité de successeur et de représentant de Martin, sur les destinées du royaume dont le confesseur est depuis Clovis le saint patron, en prêchant aux souverains contem- Vorlagen und Nachrichten 649 porains et futurs la concorde, l’équité et le respect des Églises. Dans une troisième partie (p. 163–284), M. Vielberg entreprend d’examiner de façon systématique, par de minutieuses analyses dont on doit se contenter ici de relever les conclusions, la forme et le contenu du ’Martinellus‘. Il prend tout d’abord la mesure des transformations opérées au cours des siècles autour de la figure de Martin : évêque-moine atypique chez Sulpice Sévère, il devient au fil du temps figure exemplaire de l’épiscopat. Parallèlement le récit monochrome du premier biographe se pare chez Paulin et Fortunat des riches couleurs que la poésie emprunte à la peinture, ut pictura poesis. Le récit gagne également en profondeur psychologique par le recours de plus en plus fréquent à la ’personnification‘ des concepts moraux, des éléments naturels et des réalisations humaines (la ville de Tours et la basilique où repose le confesseur); à ce propos, on peut seulement regretter que l’auteur n’ait pas accordé une plus large place à l’étude de la sylloge tourangelle et de quelques-uns des carmina de Fortunat. Enfin un dernier élément contribue à la métamorphose du ’tissu‘ martinien: avec le développement du culte voué à l’apôtre des Gaules, les compositions en son honneur s’apparentent de plus en plus au panégyrique auquel elles empruntent les diverses expressions rhétoriques de l’éloge. Pour conclure (p. 285–303), M. Vielberg définit les raisons du succès durable du ’Martinellus‘, dont témoigne au Moyen Âge un grand nombre de copies manuscrites: un succès qui tient à l’unité du dossier hagiographique constitué en un ensemble clos autour de la figure de Martin, mais aussi à la diversité de sa construction ’ouverte‘ à des apports successifs qui ont progressivement réactualisé, au fil des générations, l’image et le rôle du moineévêque. L’étude de M. Vielberg, qui s’appuie sur une connaissance très sûre de la littérature antique, exploite judicieusement l’imposante bibliographie consacrée à Martin. Dans un ouvrage, dont la consultation est facilitée par une série d’indices, l’enquête d’intertextualité contribue avec bonheur à enrichir la lecture de chacune des œuvres du corpus martinien. Paris Luce Pietri Ross Burns: Damascus. A History. London/New York: Routledge 2005. XX, 386 S. 11 Ktn. zahlr. Abb. 60 £. Wie die meisten Städte im Nahen Osten blickt Damaskus auf eine lange, bewegte Geschichte zurück, eine Geschichte, die im Stadtbild ihre vielfältigen Spuren hinterlassen hat. Auf Spurensuche hat sich jetzt Ross Burns begeben, australischer Diplomat im Ruhestand und bereits Autor eines viel gelesenen historischen Führers zu den Architekturdenkmälerns Syriens. ’Damascus. A History‘ möchte Wegweiser durch die Geschichte der Stadt sein, die dem Leser hauptsächlich anhand der materiellen Kultur in farbigem, bisweilen blumigem Englisch nähergebracht wird. Sie reicht von den Anfängen bis zum Beginn der französischen Mandatszeit in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Tatsächlich schließt Ross damit eine Lücke auf dem Buchmarkt, der bislang nur Titel zu einzelnen Epochen der Stadtgeschichte zu bieten hatte. Auch der Fokus auf die Architekturgeschichte der syrischen Stadt ist durchaus innovativ und macht das Buch in den Händen jedes Damaskus- Besuchers zu einem nützlichen Begleiter. Wer im Labyrinth der Gassen nach historischen Orientierungspunkten sucht, findet sie leicht zwischen den reichlich dreihundert Seiten des Buches, auch und gerade dank eines vorzüglichen Apparates mit Glossar, detailliertem Kartenanhang, ausführlicher, kaum Lücken aufweisender Bibliographie und Register. Auch wer über den städtischen Horizont von Damaskus hinausblicken und sich in der verwickelten Geschichte des Nahen Ostens zurechtfinden möchte, ist mit dem Buch bestens bedient, jedenfalls soweit es die islamische Geschichte betrifft und soweit dies zu beurteilen in der Kompetenz des Rezensenten liegt. Kaum zufriedenstellen indessen kann der Abriß der vorislamischen Geschichte – und er muß hauptsächlicher Gegenstand der Besprechung in einem altertumswissenschaftlichen Rezensionsorgan sein. Burns ist hier mit einem Problem konfrontiert, das weder neu noch exklusives Merkmal der syrischen Hauptstadt ist: Von der antiken Stadt hat wenig bis nichts die Stürme der Zeit überdauert, die stetig ihr Gesicht wandelnde Großstadt hat sich im Gnomon Bd. 80, 2008650 günstigsten Fall das materielle Erbe der Antike angeeignet, im ungünstigeren hat sie es geplündert, unkenntlich gemacht, überbaut. Auch die historische Überlieferungslage ist kaum besser: Über die Jahrtausende, im Prinzip von der Uruk-Zeit in Mesopotamien bzw. dem Alten Reich in Ägypten bis in die Spätphase byzantinischer Herrschaft, war die Levante stets imperiale Peripherie, war kaum je Subjekt, sondern meist Objekt politischer Prozesse. Und selbst im Maßstab der Levante war Damaskus fast immer zweitrangig, im Schatten wirklicher Metropolen wie Tyros, Antiocheia oder Palmyra. Einer Gesamtdarstellung der Damaszener Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert stellt sich also das Problem, daß die Stadt über Jahrtausende verhältnismäßig unbedeutend war und obendrein kaum Monumente hervorbrachte, die sich im Stadtbild erhalten haben. Nun hätte Burns dem Problem begegnen können, indem er genau diese Peripherielage zum Gegenstand seines Interesses macht, nach den Gründen fragt, warum andere Städte Damaskus stets den Rang abliefen und vor allem historische Kontinuitäten der langen Dauer explizit macht, von denen sich eine ganze Reihe hätten finden lassen. Genau das aber tut er nicht. Statt dessen referiert er über Seiten hinweg Handbuchwissen, und das nicht einmal auf dem neuesten Stand. So sind seine Bemerkungen zum Umbruch von der Eisenzeit so vage wie ungetrübt von neueren Forschungsergebnissen: Mit der älteren Forschung sieht er einen domino effect (S. 7) wandernder Völker am Werk, der die bronzezeitlichen Palastzentren hinweg fegte und ein Dunkles Zeitalter anbrechen ließ. Er ignoriert hier weiterführende, den Umbruch als Systemkrise deutende Ansätze vor allem der italienischen Forschung (M. Liverani, C. Zaccagnini), die zumindest Erwähnung verdient hätten. Kaum besser gerät das Bild der assyrischen Periode. Daß Damaskus das Zentrum eines Aramaean Empire (8) war, das die Assyrer bei ihrer Expansion nach Syrien vernichteten, mag man getrost bezweifeln. Burns’ Ausführungen über die assyrische Westexpansion selbst (11f) sind kaum mehr als eine Aneinanderreihung von Schlachten und Tributen, die assyrische Vasallen zu zahlen hatten. Für die allmähliche Intensivierung der assyrischen Suzeränität zu immer direkteren Herrschaftsformen findet er keine Kategorien. Dasselbe gilt mutatis mutandis für die chaldäische und achämenidische Periode, die noch kürzer abgehandelt werden (23f). Das Hellenic Millennium , das Burns mit Issos anheben läßt (29), ist eine Ära, über die wir ein wenig besser orientiert sind. Das hellenistische und römische Vorderasien war jüngst Gegenstand einer stattlichen Reihe von Untersuchungen, die immer wieder das Problem der Akkulturation zum Gegenstand hatten und die Frage nach der ’Kontinuität‘ zwischen vorhellenistischer und hellenistischer Zeit. Hier hält Burns sich mit gutem Grund zurück, glaubt aber – wie etwa W. Ball und bis zu einem gewissen Grad auch M. Sartre, anders aber als etwa F. Millar – an das Überleben immerhin einiger ’orientalischer‘ Traditionsstränge. Den Einfluß griechischer Kultur hält er für mehr als nur Firniß, kein bloßes Oberflächenphänomen, aber er glaubt an eine kreative Aneignung durch die Indigenen: Hellenism did seep through much of Syria, even if it was often no more than just a taste for the prestige of a classical pediment or column. (42). Vermutlich hat Burns damit intuitiv das Richtige getroffen. Als Leser würde man das freilich gern anhand der materiellen Kultur von Damaskus exemplifiziert sehen, doch der Verfasser beläßt es bei Postulaten und Mutmaßungen (siehe auch 59). Unbestimmt und vage bleibt auch vieles an Burns’ Darstellung der römischen Periode. Das System der Klientelmonarchien deutet er in der Sache völlig falsch als laissez faire approach (60, wieder 73). Zu der Frage, ob Damaskus als griechische polis oder als ’orientalische‘ Priestermonarchie (wie etwa das nahe Emesa) organisiert war, vermag er nicht mehr beizusteuern als eine betagte These des großen Rostovtzeff (61f). Allzu kursorisch ist auch die Darstellung des römisch-persischen Konflikts seit dem 3. Jahrhundert, ohne den die Geschichte des römischen Vorderasien insgesamt unverständlich bleibt. Irreführend, weil simplifizierend, ist das Bild, das Burns von den ’Arabern‘ der römischen Epoche zeichnet, denen er – mit seinem Gewährsmann M. Sartre – eine bereits fertig ausgebildete ethnische Identität bescheinigt (93f). In Wirklichkeit läßt sich kaum bün- Vorlagen und Nachrichten 651 dig auf einen Nenner bringen, wer entlang von Roms orientalischer Steppengrenze als Araber galt bzw. sich als solcher fühlte. Die Bemerkungen zum ländlichen Einzugsbereich von Damaskus, einschließlich Auranitis, Gaulanitis und Trachonitis, sind nicht immer ganz präzise, aber die beigegebene Karte (77) gibt sehr gut Aufschluß über das Siedlungsbild der mittleren und späteren römischen Kaiserzeit. Mit Gewinn wird man auch die Abschnitte über den großen Tempel von Damaskus und die frühen Ansätze zu christlicher Mission lesen. Auf dem neuesten Stand der archäologischen Forschung und instruktiv ist schließlich auch das Kapitel über die Transformation in die Stadt der Spätantike, die viele Tendenzen der Stadtentwicklung in islamischer Zeit bereits vorwegnahm: namentlich die Auflösung des orthogonalen Straßenrasters und das allmähliche Zurücktreten des öffentlichen Raums. Hätte man sich aus altertumswissenschaftlicher Perspektive auch manches präziser, ausführlicher und tiefgründiger gewünscht, so hat diese wohl umfassendste Würdigung der Geschichte und materiellen Kultur von Damaskus seit der Arbeit des Archäologen Carl Watzinger und des Architekten Karl Wulzinger fraglos ihre Verdienste. Dem Werk des deutschen Autorenpaares mit den seltsam-ähnlichen Namen, das im ersten Weltkrieg eingehend das antike und islamische Damaskus studierte, zollt Burns denn auch gegen Ende seines Buches einen verdienten Tribut. Liverpool Michael Sommer Catherine Hezser: Jewish Slavery in Antiquity. Oxford: Oxford Up 2005. XI, 439 S. 55 £. Im Gegensatz zum 19. Jh., wo insbesondere jüdische Gelehrte von einem besonderen Vertrauensverhältnis der antiken Juden zu ihren Sklaven ausgingen, kristallisiert sich heute, im 21. Jh., mehr und mehr die Normalität jüdischen Verhaltens gegenüber der griechisch-römischen Umwelt heraus. Einen vorläufigen Höhepunkt dieser Forschungstendenz stellt zweifellos das hier vorzustellende Buch von Catherine Hezser dar, das gleichzeitig auch die Grenzen dieser Methode deutlich aufweist. Der Klappentext verspricht: This is the first systematic account of Jewish slavery in antiquity , und Frau H(ezser) ist an sich hervorragend qualifiziert, ein solches Unterfangen zu realisieren (vgl. Bibliographie!). Aber die Frage darf erlaubt sein, was denn hier ’systematisch‘ heißen soll. Äußerlich gliedert sich der Stoff in vier Hauptteile: I. Der Status des Sklaven (S. 25–119), II. Sklave und Familie (S. 121– 215), III. Sklaven und Wirtschaft (S. 217– 321), und IV. die symbolische Bedeutung von Sklaverei (325–379). Dem entspricht aber nicht die tatsächliche Disposition des Stoffes, der einerseits unter mannigfachen Wiederholungen leidet, andererseits in Teil II und III Unterkapitel enthält, die eigentlich nach Meinung des Rez. in Teil I gehören. z.B. Kap. 8: Prostitutes and Concubines (S. 177–201), Kap. 10: The Sources of Slaves (S. 221– 246) oder Kap. 14: The Manumission of Slaves (S. 304–317). Es scheint, daß eine echte ’Endredaktion‘ nicht stattgefunden hat, was das Fehlen von Querverweisen erklären könnte. Die Grundproblematik des Unterfangens besteht in zweierlei: Zum einen soll die Behandlung der Sklaverei auf dem Hintergrund der griechisch-römischen Antike behandelt werden, um dort Parallelen und Unterschiede herauszuarbeiten, zum anderen gilt es aber auch, die innerjüdische Entwicklung selbst zu beschreiben, die alles andere als einheitlich war. Der zeitliche Rahmen erstreckt sich schwerpunktmäßig auf die tannaitische (1. u. 2. Jh. n.Chr.) und amoritische (3. u. 4. Jh.) Zeit und darüber hinaus, natürlich mit Rückgriffen auf die jüdische Bibel, insbesondere die Tora, die die Grundlage bildet. Neben den literarischen und epigraphischen ’heidnischen‘ Quellen spielen jüdischerseits in erster Linie die rabbinischen eine Rolle, hier bes. die Mischna und Tosefta. Hier stellt sich aber, neben Datierungsfragen, das zentrale Problem von Theorie und Praxis (S. 14f). Der lokale Schwerpunkt ist im wesentlichen Palästina. Wir haben keine Quellen aus der Sicht von Versklavten, sondern nur von Sklavenhaltern. Zudem spielt meist der städtische Gesichtspunkt eine Rolle, d.h. es werden vorwiegend Haussklaven erwähnt, wohl nicht zuletzt aus dem Grunde, daß im Laufe der Spätantike immer mehr Rabbiner Gnomon Bd. 80, 2008652 in Städten wohnten und dieser Gesichtspunkt überrepräsentiert ist. Welche Fragenkomplexe werden behandelt? Die Materialfülle ist so groß, daß sie hier nur in groben Umrissen nachgezeichnet werden kann, wobei die Reihenfolge des Buches von der im Folgenden gebotenen Aufzählung ziemlich abweicht: Zunächst ist festzuhalten, daß für Juden wie Nichtjuden Sklaverei das ’Normale‘ ist. Auch die Juden haben in hasmonäischer und herodischer Zeit Völker versklavt, bis sie dann selbst von den Römern unterworfen wurden. Vornehme Juden wie Nichtjuden brauchten gleichermaßen Sklaven als Standessymbol. So ergibt sich aus jüdischer wie nichtjüdischer Sicht ein ziemlich einheitliches Bild, das durch den Versuch geprägt ist, zwei inkommensurable Größen ’Mensch‘ und ’Sache‘ auf einen Nenner zu bringen: Es geht um die Frage, woraus Sklaverei entsteht (von Natur, aus Kriegsgefangenschaft, Schuldversklavung, Selbstverkauf, Menschenraub, Selbstreproduktion), welche Arten von Sklaven es gibt, wo man sie unter welchen Bedingungen und Vorschriften (etwa der Angabe körperlicher Gebrechen) kaufen konnte, wie sie rechtlich definiert waren und wie sich die jeweils unterschiedliche reale Lage darstellte. Sie gelten einerseits als ’res‘, waren also ’neutralisiert‘, ’entnationalisiert‘, überall und jederzeit einsetzbar, ausbeutbar, ohne Persönlichkeitsrechte, so daß sie bei fehlender Leistung verkauft werden konnten. Andererseits haben sie aber doch die Fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden, was Auswirkungen auf die Haftung im Schadensfalle hatte. Sie tätigten als Mittler ihres Herrn Geschäfte und erwarben selbst ein ’peculium‘, um sich damit frei zu kaufen. Sklaven können de iure keine Ehe eingehen, aber Sklavinnen spielen als Konkubinen eine Rolle, woraus sich bei den Juden bestimmte Versorgungsansprüche ergeben. Ihre Kinder werden u.U. als rechtmäßige Erben angesehen, dürfen aber auch verkauft werden. Als Freigelassene können sie heiraten oder geheiratet werden, werden aber weder in der hellenistisch-römischen noch der jüdischen Gesellschaft als vollwertige Mitglieder angesehen. Welche Formen von Freilassung gab es, und welcher Status als Freigelassener folgte daraus? Welche Unterschiede bestanden zwischen männlichen und weiblichen Sklaven, insbesondere, was ihre Verfügung über den eigenen Körper betraf, d.h. konkret: Welche Regelungen und welche Praxis galten bei Prostitution? Bei den die Sexualität betreffenden Vorschriften ging es weniger um Moral als um den Schutz der eigenen (römischen wie jüdischen) Kernfamilie, im Gegensatz etwa zur biblischen Zeit. Welche Formen der Bestrafung gab es, und wo und warum war Milde angezeigt? Welche Vorteile, aber auch Gefahren ergaben sich aus dem intimen Verhältnis von Herrn und Sklaven, als Vertrautem und Lieblingssklaven, als Amme, als Pädagoge? Wo wurden Sklaven auf dem Land eingesetzt, und wie war der betriebswirtschaftliche Nutzen gegenüber dem freien Lohnarbeiter? Schließlich finden sich auch hinsichtlich der symbolischen Verwendung des Begriffes ’Sklaverei‘ Parallelen zur nichtjüdischen Welt in psychologisch-philo-sophischer, sozialer und politischer Hinsicht. Hier nimmt natürlich für das Judentum der Exodus aus Ägypten eine zentrale Stelle ein (vor allem Ex 13,3), ein Vorbild für Freiheiten aller Art. So wurde wenigstens einmal im Jahr im Rahmen der Pessach-Feier jedem jüdischen Sklaven die prinzipielle Gleichheit aller Menschen vor Gott symbolisch vor Augen gestellt. Angesichts der vielen Parallelen zwischen der hellenistisch-römischen und der jüdischen Welt in den verschiedenen Sklavenfragen ist es vielleicht angebracht, nur auf die prinzipiellen wenigen Unterschiede hinzuweisen: Während das römische Recht vom gleichen Rechtsstatus aller Unfreien ausgeht (in servorum condicione nulla differentia est: Just. Inst. 1,3,4), unterscheidet die jüdische Bibel zwischen israelitischen bzw. hebräischen und ’kanaanäischen‘ Sklaven. Allerdings ebnet sich diese Unterscheidung bis zur Spätantike ein, so daß bei den Rabbinern im wesentlichen nur noch die Dichotomie ’Freier – Unfreier‘ eine Rolle spielt. Das biblische Gebot, israelitische Sklaven im 7. Jahr (oder im Jobeljahr) freizulassen, hat keine Entsprechung im nichtjüdischen Recht. Es ist aber fraglich, ob im hier gewählten Untersuchungszeitraum noch danach gehandelt wurde. Auch die (zumindest theoretische) Vorschrift, daß ein hebräischer Sklave, der an ’Heiden‘ Vorlagen und Nachrichten 653 oder ins Ausland verkauft wird, die Freiheit erhalten muß, ist der nichtjüdischen Welt fremd, zumindest bis zu den ’christlichen‘ Kaisern. Die Stellung des Familienoberhauptes im Römischen, die ’patria potestas‘, fehlt im außerrömischen Bereich, weshalb ein Jude kein prinzipielles Tötungsrecht an Sklaven hat und auch seinen Sohn nicht verkaufen kann. Allerdings versuchte die kaiserliche Gesetzgebung, besonders ab Konstantin, dieses ’väterliche Recht‘ einzuschränken. Das jüdische Recht kennt auch ’Halbfreie‘, was im römischen unmöglich ist, ebenso einen Schuldverkauf, der in Rom längst abgeschafft war (Dig. 40,12,37), wenngleich mit Dig. 1,5,5,1 ein Schlupfloch geboten wurde. Alle diese ’prinzipiellen‘ Unterschiede wirkten sich aber in der Praxis kaum aus. Das vorliegende Buch verrät eine sehr gelehrte und belesene Autorin. Frau H. trägt eine Fülle von Material zu den verschiedenen Aspekten der antiken Sklaverei zusammen, und trotzdem vermag das Ergebnis nicht wirklich zu befriedigen. Es gibt keine große Linie, und damit zerfällt das Thema in viele Einzelthemen, die allerdings kompetent beantwortet werden. Das Unbehagen, das den Rez. beschleicht, liegt wohl insbesondere an der Quellengattung der rabbinischen Literatur. Es gibt so gut wie keine einheitlichen Stellungnahmen, sondern die (z.T. widersprüchlichen) Aussagen der jüdischen Bibel, die von Rabbi A. und Rabbi B. und den ’Weisen‘ und eventuell noch die Meinung Philos v. Alexandrien stehen unvergoren nebeneinander. Daraus eine ’systematische Untersuchung jüdischer Sklaverei‘ machen zu wollen, verdient Respekt, kann aber – aus Sachgründen, die nicht im Unvermögen der Autorin liegen – nicht wirklich gelingen. Sagt doch Frau H. selbst: What needs to be emphasized here is that we are unable to reconstruct a historically accurate picture of slavery in ancient Jewish society (S. 380). Was hier vorliegt, ist eine Sammlung von vielen einzelnen Antworten auf viele einzelne Fragen, aber das ist angesichts der komplexen Materie auch schon ein Fortschritt. Aachen Karl Leo Noethlichs R. Zelnick-Abramovitz: Not Wholly Free. The concept of manumission and the status of manumitted slaves in the ancient Greek world. Leiden/Boston: Brill 2005. VIII, 385 S. (Mnemosyne Suppl. 266.) 112 €. Die Freigelassenen der griechischen Welt haben in der althistorischen Literatur weniger Beachtung gefunden als die Sklaven. Meist wird die Freilassung als Beendigung des unfreien Status erwähnt, der neue mit dem der Metöken identifiziert. Kaum im Blick ist die fortdauernde Abhängigkeit vieler Freigelassener von ihrem Herrn. Sie ist vor allem durch etwa 1200 Freilassungsinschriften aus dem Apollon-Heiligtum in Delphi bekannt (2. Jh. v. Chr. bis 1. Jh. n.Chr.). Darüber ist immerhin viel geschrieben worden, besonders über die ’sakrale‘ Freilassung durch Weihung bzw. Verkauf an den Gott. Das anzuzeigende Buch faßt die Ergebnisse zusammen und zieht überdies alles erreichbare Material aus der griechischen Welt heran, um zu einer neuen Gesamtsicht zu gelangen. Die Untersuchung erörtert in sechs Kapiteln: 1. Slavery and Freedom: Definition and Approaches, 2. Manumission: Diversity and Similarity, 3. Manumittors and Manumitted Slaves, 4. The Act of Manumission, 5. Law and Legal Actions, 6. The Reality of Freedom. Die Gliederung nach Sachthemen bringt es mit sich, daß die Quellenbelege verstreut unter den verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet werden. Querverweise nennen leider nur die Nummer von Kapitel und Unterabschnitt; das Register kann helfen. Der Hauptteil ist eingerahmt durch Introduction und Conclusions, in denen ausführlich Anliegen und Ergebnisse dargelegt werden – gut geeignet zur ersten Information für den Nutzer, zumal die Einleitung schon die Themen der einzelnen Kapitel beschreibt. Durch das inhaltsreiche Buch zieht sich der schon im Titel ausgedrückte Grundgedanke, daß die Freilassung angesichts weiter geltender Verpflichtungen des Freigelassenen gegenüber seinem Herrn (oft bis zu dessen Tod) nur eine Art von Halbfreiheit bewirkte. Die Verf. nennt diesen Status deferred manumission , mit weiterer Bedeutung als die beliebte Bezeichnung paramone: any act of manumission, that did not make the slave free immediately (222). Gnomon Bd. 80, 2008654 All or most manumission agreements included the slaves’ obligation to supply further services. Manumission was a social transaction; freedom had to be paid for. What distinguished manumissions with paramone clauses, therefore, was not the fact that they were conditional or that they obligated the slave to remain with the exowner; rather, the distinctive feature was that all obligations associated with manumission were secured in a formal contract. (223) Der Satz über social transaction spielt auf einen weiteren Grundgedanken der Verf. an, nämlich daß Sklaven nicht einfach Besitzstücke waren , sondern als menschliche Wesen gesehen wurden (nach Aristoteles sogar in einem philia-Verhältnis zum Herrn stehen konnten) und beim Freikauf als Subjekte handelten. Die These, Freigelassene seien durchweg oder doch meistens zu weiteren Dienstleistungen verpflichtet gewesen (wohl deswegen von der Verf. fast ausnahmslos nicht freedmen bzw. -women genannt, sondern manumitted slaves – oder als geschlechtsneutrale Benennung?), ist kühn. Gerade die delphischen Freilassungsinschriften, der größte Quellenblock, enthalten in ihrer Mehrheit keine derartigen Festlegungen. Der unbefangene Leser wird sie am wenigsten dort als unausgesprochen vorhanden vermuten, wo eine ausführliche Formel wesentliche Elemente der Freiheit zusichert, ohne daß diese im selben Text durch paramone-Auflagen relativiert würden, was ja durchaus geschehen konnte. Weil sich vielleicht speziell bei zusätzlichen Vereinbarungen eine Publikation empfahl, die wegen des Aufwands nicht immer angestrebt wurde, ist insgesamt womöglich ein noch höherer Anteil von bedingungslosen Freilassungen anzunehmen. Für die Verf. brauchte allerdings das, was sich von selbst verstand, nicht erwähnt zu werden. In ihrer Sicht gibt schon die am meisten verbreitete Bezeichnung des Freigelassenen als apeleutheros zu erkennen, daß es sich um deferred manumission handelte. Das sehr viel seltenere exeleutheros habe bei Befreiung aus allen Verpflichtungen, auch der paramone (oft nach nochmaliger Zahlung), gegolten. Die dafür angeführten Belege aus verschiedenen Gegenden und Zeiten sind aber selten eindeutig. Die bloße Existenz getrennter Gesetze für beide Gruppen in Athen zur Zeit des Demosthenes (Pollux 3,83 ohne Andeutung des Inhalts) taugt wenig zur Verallgemeinerung. Athen enttäuscht übrigens hinsichtlich inschriftlicher Belege, und nicht nur Athen. Das untersuchte Material stammt nicht aus der ganzen griechischen Welt, sondern überwiegend aus Mittel- und Nordgriechenland. Die Verf. konnte zwar sogar jüdische Inschriften aus dem Bosporanischen Reich heranziehen, aber das westliche Siedlungsgebiet der Griechen fehlt völlig. Dadurch wird der Wert der Arbeit natürlich nicht geschmälert. Es ist der Verf. sehr dafür zu danken, wie sie die vielfältigen Quellen und den Forschungsstand präsentiert und diskutiert und daraus in einer nicht zu apodiktischen Weise (I believe, I suggest ...) ihre eigenen Annahmen entwikkelt hat. Bezüglich des höchst umstrittenen Status der not wholly free gewordenen Männer und Frauen vertieft sie die Auffassung, daß sie im Verhältnis zu anderen rechtlich frei waren, im Verhältnis zum Freilasser abhängig und damit in den Augen der Zeitgenossen in einer sklavenähnlichen Stellung. So erweist sich die Berücksichtigung sozial- und mentalitätsgeschichtlicher Aspekte als hilfreich. Jena Detlef Lotze Fabio Roscalla: Biaios didaskalos. Rappresentazioni della crisi di Atene della fine V secolo. Pisa: Edizioni ETS 2005. 134 S. (Pubblicazioni della Facoltà di Lettere e Filosofia dell’Università di Pavia. 108.) 12 €. Damit der Titel des Buches nicht zu Mißverständnissen führt, betont R. in der Einleitung (11–13), daß sein Augenmerk weder Thukydides noch der Desintegration Athens im Peloponnesischen Krieg gilt. Thukydides’ Phänomenologie der stasis und das Wort vom ’gewalttätigen Lehrer‘ dienen ihm vielmehr als Vergleichspunkt für sein eigentliches Thema, die athenische Erinnerung an die Ereignisse von 403. Es soll untersucht werden, wie die Eskalation von Gewalt, die sich in Hinrichtungen, Morden und einem erbittert geführten Bürgerkrieg niederschlug, das politische Handeln und die politische Literatur der Folgezeit beeinflußte. Mit dem Ziel, die Vorlagen und Nachrichten 655 Strategien aufzudecken, mit denen der blutige Bürgerkrieg dargestellt und interpretiert wurde, bewegt sich R. in einem Feld, das in letzter Zeit große Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat; vor allem zum Werk von Wolpert1 ergeben sich zahlreiche Kontaktpunkte. Während Wolpert jedoch einem chronologischen Gliederungsprinzip folgt, ordnet R. seine Überlegungen nach strukturellen Elementen der Erinnerung an 403. Kapitel I, ’403 e dintorni‘ (15–36), bereitet die Grundlage für die folgenden Textanalysen, indem es Quellen und Forschungsstand zu den Ereignissen dieses Jahres vorstellt. Diese werden als singulärer Gewaltausbruch, als Wasserscheide in der athenischen Geschichte begriffen, so daß große Anstrengungen notwendig waren, nach dem Sieg über die Oligarchen wieder eine stabile Ordnung zu schaffen. R. gibt einen Überblick über die Volksbeschlüsse, welche die Erinnerung an den Bürgerkrieg und das künftige Zusammenleben in der Polis regelten, und geht dabei vor allem auf das verordnete Vergessen als Maßnahme zur Versöhnung ein, ohne Gedanken zu entwickeln, die über das Bekannte hinausgingen. Interessante Thesen vertritt R. im Kapitel II, ’L’enigma del Menesseno‘ (37–46). Wie die meisten Forscher, die sich mit diesem Werk Platons auseinandergesetzt haben, setzt auch er beim offensichtlichen Anachronismus im Text an: Der von Sokrates wiedergegebene Epitaphios gilt den Gefallenen des Korinthischen Krieges, der Dialog ist somit nach dem Tod des Sokrates verortet. R. hält entgegen anderslautenden Meinungen den Dialog für ein authentisches platonisches Werk, lediglich 244 b 3 – 246 a 4 stelle eine spätere Einfügung dar, also diejenigen Passagen, welche die Kriege zwischen 403 und 386 wiedergeben. Dies sei anhand der Unterschiede in der sprachlichen Gestaltung zu erkennen: Während deiktische Elemente in den Partien, die sich auf die Ereignisse bis 403 beziehen, häufig vorkämen, was dem Usus in anderen überlieferten Epitaphien entspreche, kämen solche Elemente in der Schilderung der späte- ____________________________________ 1 A. Wolpert, Remembering defeat. Civil war and civic memory in ancient Athens, Baltimore 2002. ren Ereignisse nicht mehr vor. Es handele sich bei diesen Partien eher um eine Geschichtserzählung ohne konkreten Kontext, nicht um eine Aktualisierung der athenischen Geschichte für einen konkreten kommunikativen Anlaß. Akzeptiert man diese These und streicht die genannte Passage aus dem Text, erscheinen die Schlußpartien in anderem Licht; denn dann ist der Epitaphios nicht im Jahre 386 angesiedelt, sondern kurz nach der Wiedereinführung der Demokratie im Jahre 403. Die Toten sind dann nicht im Kampf gegen die äußeren Feinde Athens, sondern im Krieg unter Bürgern gefallen; ihre mahnenden Worte an die Hinterbliebenen entbehren dann nicht einer ironischen Note, die von R. als typisch platonisch bezeichnet wird. Ein zentrales Problem der griechischen Geschichte, die Integration individueller in die Polis, thematisiert Kapitel III ’Descrivere la stasis: da Tucidide a Senofonte‘ (47–80). Während bei Thukydides als Ursache von Bürgerzwist grundsätzlich negativ besetzt gewesen sei, beobachtet R. in Xenophons Hellenika ein ambivalentes Urteil: Auch Xenophon sei sich der zentrifugalen Kraft der bewußt gewesen, er habe aber auch Möglichkeiten gesehen, sie für die Polis nutzbar zu machen: Beispiele dafür seien der Syrakusaner Hermokrates und der spartanische Nauarch Kallikratidas. Daß der kontrollierte Einsatz von nur Nichtathenern zugeschrieben wird, sei auf die Erfahrung des Bürgerkriegs zurückzuführen. Hier bleiben einige Fragen offen: Für R. ist Kallikratidas in Xenophons Hellenika eine rundum positive Figur; daß von anderen Forschern auch negative Aspekte festgestellt worden sind, ist ihm bewußt, jedoch bleiben seine Gegenargumente unklar. Auch wäre auszuführen gewesen, wie sich die Beobachtungen zu Xenophon zu den athenischen Ehrendekreten des 4. Jahrhunderts verhalten, in denen als positive Eigenschaft aufgeführt wird.2 Das vierte Kapitel des Buches, ’La giustizia di Socrate‘ (81–115), ist das schwächste. Gegenstand ist das Rechtswesen vor ____________________________________ 2 S. etwa D. Whitehead, Competitve outlay and community profit: philotimia in democratic Athens, ClM 34, 1983, 55–74. Gnomon Bd. 80, 2008656 und nach den Ereignissen von 403, vor allem die Prozesse gegen Nikomachos (Lys. 30), der Sokrates- und der Arginusenprozeß. Die letzteren beiden haben bekanntlich sehr große Aufmerksamkeit auf sich gezogen, so daß auf den wenigen Seiten natürlich keine fundierte Untersuchung unter Berücksichtigung der bisherigen Forschungsansätze zu erwarten ist. R. gelingt es jedoch auch nicht, seine selektiven Äu- ßerungen zu den einzelnen Prozessen plausibel zu verknüpfen, und auch im Detail bleibt vieles unklar. Beispielsweise wird nicht deutlich, ob R. mit der These, im Arginusenprozeß zeichne sich die kommende gewaltsame Auseinandersetzung innerhalb der athenischen Bürgerschaft bereits ab, seine eigene Meinung vertritt oder eine Konstruktion Xenophons umschreibt. Die Stärke des Buches liegt in einzelnen interessanten Beobachtungen und Thesen; der Zusammenhang der einzelnen Kapitel wird auch in der abschließenden Zusammenfassung nicht recht deutlich. Freiburg Christian Mann Clemens Homoth-Kuhs: Phylakes und Phylakon-Steuer im griechisch-römischen Ägypten. Ein Beitrag zur Geschichte des antiken Sicherheitswesens. München/ Leipzig: Saur 2005. XIII, 222 S. (Archiv für Papyrusforschung. 17.). This is a revised version of Homoth-Kuhs’ doctoral dissertation of 2002/03 at Heidelberg. It is a study of the attestations in papyri and ostraka of phylakes (guards) and the taxes for phylakes in Ptolemaic and Roman Egypt into the fourth century A.D. The relevant texts are collated by date and region and discussed individually in detail. Considerable papyrological and historical learning has gone into the enterprise, but the outcome is sadly limited. On the papyrological side, the texts are little scrutinised as texts. On the historical side, H.-K. has done a fair amount of spadework towards a study of security arrangements (Sicherheitswesen), a part of policing, in Graeco- Roman Egypt, but because he sows few seeds of questions, his harvest of conclusions is meagre. In his introduction H.-K. explains that this is a study of plain phylakes only, not including what he calls the ’special‘ guards such as eirenophylakes, magdolophylakes and pediophylakes, who appear increasingly frequently in the later Roman period. He does, however, include and discuss all attestations of phylakitai in the Ptolemaic period and of the Roman-period taxes earmarked for phylakes. He takes the guards to have been a form of police in a broad undefined sense, and rightly notes that there has been little previous study of policing in Graeco-Roman Egypt. H.-K.’ second chapter demonstrates, following the work of Kool, that the phylakitai of Ptolemaic Egypt were a standing salaried police force or gendarmerie. Since he wrote, we have learned more about their numbers and fiscal and social status in the third-century B.C. Arsinoite nome, and also the phylakitikon tax (not mentioned by H.-K.), from W. Clarysse and D. J. Thompson, Counting the People in Hellenistic Egypt (2006). In contrast, the phylakes of the Ptolemaic period appear to have been private employees, who could perhaps be called upon to support the state phylakitai. In his third chapter H.-K. argues that the Ptolemaic gendarmerie of phylakitai was replaced by a new structure of public phylakes in the Julio-Claudian period. The last known attestation of a phylakites is of AD 3, although the epistates, the administrative officer, survived into the mid-first century, and the term epistateia for another century. Public metropolite phylakes appear by the late first century and village phylakes by the mid-second century, while in Upper Egypt known receipts for the tax to pay phylakes run from AD 58 to 164. H.-K. must be right that this is a Roman change, but perhaps earlier, at least in some places, than he thinks. In the fragmentary P.Oxy. IV 803 recto descr. of the late first century BC, the phylakes of the nome are not, as he claims, contributing collectively to the epistateia of the phylakitai (i.e. state police administration) but, it seems, are due some global payment from it, so themselves already state employees. After a brief list in chapter IV of all the attestations of phylakes and the tax for them, chapter V presents at some length and with repetition what H.-K. has been able to discover about metropolite phylakes. Their main function was to watch Vorlagen und Nachrichten 657 important buildings and streets under the ultimate control of the nome strategos mediated by civic supervisors; they could also be used as escorts and messengers and to make ’arrests‘, if that is the right term. The guards, most of whom bore Egyptian names, were recruited from the villages of the nome by liturgic appointment for one year, and in the first and second centuries were paid a reasonable monthly salary (opsonion) raised as part of rural taxation. One document of AD 161 claims that 36 metropolite and village guards of the Memphite nome and some from another nome were in flight from their duties, which H.-K. overconfidently takes to demonstrate the general unpopularity of the post. H.-K.’ claim that guards could have been personally liable for thefts is unsupported and rash. In chapter VI H.-K. repeats the procedure for village phylakes with similar results. They were villagers, nominated as liturgists but paid a monthly salary. Subordinate to the village authorities, they mainly watched over fields, crops and stores. There were more guards relative to inhabitants in the villages than in the cities, for example 56 of all types out of about 750 male taxpayers at Theadelphia in 166/7; H.-K. misses the obvious explanation that they had all the rural territory of the nome to patrol. In chapter VII H.-K. reviews the evidence in ostraka from Upper Egypt and tax-registers from the Arsinoite nome for collection of taxes to fund the pay of phylakes. As usual, the data are thin and patchy. H.-K. is probably right to suspect regional differences but wrong to attribute a caesura in the Upper Egyptian evidence to reforms under Trajan. The total absence of third-century references is noteworthy. In chapter VIII H.-K. shows that private guards were still sometimes called phylakes in the Roman period, but his discussion of the use of private guards is of small value because he ignores guards with another or no title. His claim that the use of private guards shows that theft was common begs many questions. The book ends with five pages of conclusions (chapter IX), an index of texts discussed, an utterly inadequate one-page index mostly of titles of guards and a list of nine minor corrections to texts. A minimal bibliography is given at the front. Overall H.-K.’ study is focussed narrowly on phylakes as an element of administrative history (Verwaltungsgeschich-te). It offers a useful starting compendium of information, but with severe limits. First is the unfortunate omission of ’special‘ guards, who were appointed in the same way (see pp. 103–9), probably on the same terms and arguably fulfilled similar functions to ’plain‘ phylakes as part of the same system. H.-K. does not even mention eremophylakes, now well known to us at Tebtunis where their headquarters tower has been excavated. Second is the failure to acknowledge the problem (p. 57, ignoring N. Lewis) whether a compulsory service, if it was paid, was really ’liturgic‘. I also note that the evidence of the Heroninos Archive for guards of various types employed, sometimes for years, directly by the Appianus Estate (mostly missed and misunderstood by H.-K. at p. 121) suggests that in the third century the provision and payment of public guards may have been shifted onto large landowners (euschemones) as part of the municipalisation of Egypt. The whole question of policing in Roman Egypt remains to be studied. H.-K. says nothing about whether phylakes were armed or otherwise recognisable, whether they were meant to prevent fire too, how many days or nights they actually had to serve, where the villagers acting as metropolite guards lived, and so on, let alone the issue of how these guards fit into the broader picture of policing and self-help in Roman Egypt. It would be worth considering the social implications of a system which drafted and taxed Egyptian villagers to guard the property of the hellenised urban elite, and the economic implications of removing so many men from production, if indeed the post was really full-time. Some questions may be unanswerable, but asking them often stimulates new ideas and makes a book more interesting. A related desideratum would be some comparison with the rest of the Graeco-Roman world. A nice example which H.-K. was not able to use is C. Brélaz, La sécurité publique en Asie mineure sous le Principat (2005). It is explicitly comparative, and draws on Egyptian texts to illustrate the shape of crime and possible responses to it. It also identifies, in a striking parallel to Egypt, Gnomon Bd. 80, 2008658 the replacement in the provinces of Roman Asia Minor of the Hellenistic gendarmeries of paraphylakitai and phylakitai with civic forces under magistrates called eirenarchai who dealt with criminals and paraphylakes who patrolled property. The studies of H.- K. and Brélaz should be read together. King’s College Dominic Rathbone London Jörg Daumer: Aufstände in Germanien und Britannien. Unruhen im Spiegel antiker Zeugnisse. Frankfurt a.M./Berlin/ Bern / Bruxelles / New York / Oxford / Wien: Peter Lang 2005. 285 S. (Europäische Hochschulschriften. 1021.). Cet ouvrage de J. Daumer est le fruit d’une dissertation soutenue à la Friedrich- Alexander-Universität d’Erlangen en 2004, sous le patronage de R. Urban. Son propos était d’analyser la manière dont l’historiographie antique a perçu et décrit les troubles politiques et militaires survenus en Germanie et en Bretagne depuis la conquête césarienne de la Gaule jusqu’à la fin du règne de Domitien. L’auteur a volontairement rangé dans une même catégorie guerres extérieures contre les peuples barbares, soulèvements indigènes internes, mutineries et usurpations en se proposant de décrypter les procédés qui ont permis aux auteurs antiques de ’biaiser‘ la présentation des faits, tantôt au profit du pouvoir en place, tantôt pour jeter le discrédit sur tel ou tel ’mauvais‘ empereur. L’idée directrice du livre, exposée dans l’introduction (22 p.), était d’analyser les procédés de propagande qui ont le plus souvent permis d’assimiler les troubles intérieurs sur les frontières du Nord-Est à des guerres contre les Barbares en dénonçant une prétendue collusion entre ennemis du dedans et ennemis du dehors. Pour ce faire, l’auteur analyse, dans une série de chapitres indépendants les uns des autres – certains sont extrêmement courts – les événements rapportés par la tradition historiographique en suivant l’ordre chronologique des faits. On trouve ainsi: 1- César et Arioviste (21 p.); 2- Les deux expéditions de César en Bretagne (13 p.); 3- La révolte d’Ambiorix (6 p.); 4- La crainte, exprimée par Cicéron, de voir Marc Antoine traverser les Alpes à la tête d’une armée germanique, en 44 (16 lignes); 5- La révolte des Trévires en 29 av. J.- C. (3 p.); 6- La clades Lolliana (5 p.); 7- La guerre de 1–4 ap. J.-C. en Germanie (3 p.); 8- La clades Variana (21 p.); 9- L’épisode du faux Agrippa Postume (1 p.); 10- Les révoltes de 14 (4 p., mais les événements de Pannonie, pourtant directement liés à ceux de Germanie, ne sont pas analysés); 11- La révolte de Florus et Sacrovir (2 p.); 12- La soumission des Frisons en 28 (3 p.); 13- La conjuration de Cn. Cornelius Lentulus Gaetulicus contre Caligula en 39 (17 p.); 14- Les mutineries (?) à la veille de la traversée de la Manche en 40 (3 p.); 15- Celles de 43 au moment de la conquête de la Bretagne (3 p.); 16- Les soupçons de rébellion contre Valerius Asiaticus en 47 (2 p.); 17- La révolte de Caratacus et les troubles de Bretagne en 47–51 (18 p.); 18- Les campagnes de Corbulon en Germanie (7 p.); 19- Les accusations contre L. Vetus, gouverneur de la Superior, en 55 (1 p.); 20- La tentative d’invasion des Frisons et des Ampsivariens en 58 (6 p.); 21- Les révoltes des Icéniens et de Boudicca (18 p.); 22- Les accusations portées contre Faustus Cornelius Sulla en 62 (15 lignes); 23- Celles contre Fonteius Capito en 68 (1 p.); 24- L’usurpation de Vitellius (6 p.); 25- Les troubles de 69 en Bretagne (6 p.); 26- La révolte des Bataves (11 p.); 27- Les troubles chez les Brigantes (15 p.); 28- Ceux chez les Ordovices en 77 (2 p.); 29- La révolte des Bructères en 78 (3 p.); 30- La désertion, en 79, et les aventures d’une cohorte d’Usipi en Bretagne (4 p.); 31- L’usurpation de L. Antonius Saturninus (10 p.); 32- Les accusations contre Sallustius Lucullus, légat de Bretagne sous Domitien (18 lignes); 33- L’épisode, sans doute inventé par Juvénal, d’une hypothétique révolte en Bretagne d’un non moins fantomatique personnage nommé Arviragus, sous Domitien (2 p.). Une très courte synthèse (15 p.) rassemble les conclusions de l’auteur. J. Daumer traite chacun de ces épisodes avec l’acribie nécessaire et on le suit assez volontiers dans ses analyses, même si on peut naturellement, çà et là, discuter tel ou tel point de son commentaire, mais une analyse de détail nous entraînerait trop loin. La bibliographie est généralement suffisante, même si la littérature allemande a été très nettement privilégiée, au détri- Vorlagen und Nachrichten 659 ment notamment des études scientifiques en langue française ou italienne, mis à part l’ouvrage incontournable de M. Rambaud sur ’L’art de la déformation historique dans les commentaires de César‘, Paris, 1953. On regrettera toutefois certaines lacunes curieuses, même dans la bibliographie de langue allemande. Citons-en quelquesunes, un peu au hasard de la lecture: par exemple l’ouvrage d’A. Becker, Rom und die Chatten, Quellen und Forschungen zur Hessischen Geschichte, 88, Darmstadt und Marburg, 1992 ou encore les différents travaux de J. Heinrichs sur le monnayage Ubien, ceux de N. Roymans sur le monnayage Batave, voire le livre de ce dernier, ’From the Sword to the plough. Three studies on the earliest Romanisation of Northern Gaul‘, Amsterdam, 1996, dont les premières pages sont importantes pour comprendre la structure tribale et les traditions militaristes de cette gens germanique, tellement impliquée dans les événements de 69–70. Tenons-nous en à ces quelques cas. On peut donner acte à J. Daumer de la justesse de sa thèse générale sur la manière dont la propagande impériale a souvent accusé l’opposant intérieur de collusion avec le barbare, forgeant ainsi une image globale et effrayante de l’hostis publicus pour assurer sa légitimité à le combattre. Ce livre adopte donc un propos, un plan et une grille d’analyse directement inspirés de celui de R. Urban, son modèle direct (Gallia rebellis. Erhebungen in Gallien im Spiegel antiker Zeugnisse, Historia Einzelschriften, Stuttgart, 1999). Il invite à dissocier le danger breton, considéré comme mineur car peu propice à un putsch (l’histoire ultérieure a pourtant montré le contraire) de la crainte bien plus grande des hordes germaniques, fussent-elles constituées des légionnaires en révolte. La lecture de la dissertation de J. Daumer laisse toutefois perplexe, moins en raison de ce qu’elle contient que de ce qu’elle ne contient pas, et de sa composition même. L’idée de base était en effet de compléter l’ouvrage de R. Urban, en offrant une série d’études de cas consacrées à la Germanie et à la Bretagne. Mais, en séparant artificiellement les Gaules et les Germanies, l’auteur s’est parfois condamné lui-même à mutiler son discours. Ainsi n’est-il presque rien dit de la grande révolte gauloise de 69, réduite ici à sa composante ’batave‘. Voulant éviter de suivre de trop près le livre de R. Urban et de reprendre explicitement certaines de ses analyses, J. Daumer, sur ce point précis, a rendu son propos intenable et malencontreusement tronqué son commentaire, se condamnant à séparer des événements historiques qui sont pourtant intimement liés. Il en va de même de la révolte de Florus et de Sacrovir, évoquée au motif que les Germains auraient pu s’y associer, au dire de Tacite (Ann. 3, 44, 1). Mais soit l’épisode doit être traité pour lui-même, au terme d’une analyse serrée des raisons structurelles qui ont conduit une partie de la Gaule à se soulever, soit il doit être oublié dans un livre consacré aux soulèvements de la Germanie et de la Bretagne; en tout cas il ne saurait être mis sur le même plan que la clades Lolliana ou la clades Variana. C’est ici que la composition même du livre est criticable. Fallait-il, par ailleurs, traiter de la même manière mutineries militaires, usurpations de la pourpre et guerres extérieures, toutes situations ennemies de l’ordre romain, pour reprendre l’expression de R. Mac Mullen? Certes, du strict point de vue de la propagande politique intérieure, cette question importe relativement peu, puisque c’est le metus germanicus qu’on entend ici analyser, après le metus gallicus. Mais on aurait alors attendu autre chose qu’un catalogue de cas présentés par ordre chronologique. Si l’on veut étudier l’image du Germain dans les sources, une analyse plus littéraire et plus serrée des procédés d’écriture ou du vocabulaire d’un César ou d’un Tacite est en effet indispensable, mais ce thème a déjà fait l’objet d’un grand nombre d’études. On aurait pu aussi étudier, en contrepoint de cette analyse, les images de la propagande impériale telles qu’elles sont véhiculées par les frappes monétaires, voire les monuments figurés. L’image même du barbare Germain ne ressort donc pas, au total, fondamentalement modifiée de cette analyse qu’on aurait souhaitée à la fois plus ample et plus fine. Paris Michel Reddé Gnomon Bd. 80, 2008660 Marilena Amerise: Il battesimo di Costantino il Grande. Storia di una scomoda eredità. Stuttgart: Steiner 2005. 177 S. (Hermes Einzelschriften. 95.). Die Taufe Kaiser Konstantins wird in der Forschung zwar nicht ganz so intensiv, aber ähnlich kontrovers diskutiert wie seine sog. Konversion. Im Zentrum der Betrachtung steht dabei zumeist die kritische Würdigung der antiken Überlieferung. Wie ist der älteste erhaltene Bericht über die Taufe des Herrschers, die Schilderung in der Vita Constantini des Eusebius, zu beurteilen, in der dieser zwar erwähnt, daß Konstantin das Sakrament gegen Ende seines Lebens als Abschluß eines langen Konversionsprozesses empfangen habe, den oder die vollziehenden Bischöfe aber nicht namentlich angibt? Sucht der Biograph gezielt zu verschweigen, daß die Taufe von Eusebius von Nikomedien und damit einem ’Arianer‘ gespendet worden ist? Wie verhielt sich die katholische Kirche in konstantinischer Zeit gegenüber Taufen durch vermeintlich ’häretische‘ Bischöfe? Wie wurden die eusebianischen Ausführungen über die Taufe Konstantins von späteren Autoren rezipiert? Wie ist der Bericht über die angebliche Taufe durch Papst Silvester zu beurteilen? All diese Fragen werden seit langem dezidiert erörtert. Auch das Quellenmaterial ist bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts von Franz Joseph Dölger zusammengestellt und kritisch ausgewertet worden.1 Insofern unternimmt Marilena Amerise, die sich in ihrer Dissertation noch einmal detailliert mit den Zeugnissen zur Taufe des Kaisers beschäftigt und die genannten Fragen wiederum in den Blick nimmt, nichts konzeptionell Neues. Im ersten Teil ihrer Untersuchung beschäftigt sich Amerise mit der Darstellung der Taufe Konstantins in der Vita Constantini. In Übereinstimmung mit der Mehrzahl der modernen Autoren schätzt sie den Bericht des Eusebius als authentisch ein. Dabei streicht sie insbesondere heraus, daß Eusebius die Taufe Konstantins nicht etwa als eine ’Klinikertaufe‘ (’battesimo clinico‘) darstelle, sondern be- ____________________________________ 1 Franz Joseph Dölger, Die Taufe Konstantins und ihre Probleme, in: Römische Quartalschrift, Suppl. Bd. 19, Freiburg 1913, 377–447. tone, daß der Kaiser seit langem beabsichtigt habe, das Sakrament zu empfangen, dies jedoch aufgeschoben habe, weil er es im Jordan zu erhalten wünschte. An der Stelle wäre es von Vorteil gewesen, Amerise wäre näher auf die Taufpraxis in konstantinischer Zeit – inclusive der unterschiedlichen Haltungen von Christen zum verbreiteten Taufaufschub – eingegangen, um das Verhalten des Kaisers differenziert beurteilen zu können. Den Umstand, daß Eusebius den Namen des Bischofs nicht nennt, erklärt Amerise mit der Tendenz des Autors, die Person des Herrschers zu exponieren und sich demzufolge mit den ihn umgebenden Personen nicht en detail zu befassen. Die Intention des Biographen wäre es damit nicht, das Moment der Taufe durch einen ’Arianer‘ gezielt zu verschweigen. Letzterem ist sicher zuzustimmen. Allerdings wäre zu reflektieren, ob nicht noch weitere Gründe für das Vorgehen des Eusebius zu nennen sind. Zum einen ließe sich hier seine eigene Haltung zu ’arianischen‘ Auffassungen noch einmal genauer in den Blick nehmen; wichtiger noch aber schiene mir zu eruieren, inwieweit die Taufe durch einen ’häretischen‘ Bischof im frühen 4. Jahrhundert von den verschiedenen Gruppierungen von Christen überhaupt problematisiert wurde. Hierzu wäre auch eine Beschäftigung mit den Forschungen zu den Taufformeln, die in der Spätantike verwendet wurden, indiziert.2 Im zweiten Teil der Arbeit fragt Amerise nach der Rolle der Taufe Konstantins in den spätantiken dogmatischen Konflikten. Hierzu nimmt sie zunächst sämtliche Texte der Autoren in den Blick, die Aussagen zu den letzten Lebenstagen Konstantins treffen – im Westen u.a. Ambrosius, Rufinus von Aquileia, Hieronymus, Augustinus, Sulpicius Severus und Orosius, im Osten etwa Sokrates, Sozomenos und Theodoret. Amerise konstatiert, daß die östlichen Autoren die Taufe zwar mehrfach erwähnen, sie aber teils auf das Jahr 312 – also die ____________________________________ 2 Hierzu bes. W. Kinzig/Ch. Markschies/V. Markus (Hgg.), Tauffragen und Bekenntnis. Studien zur sogenannten ’Traditio Apostolica‘, zu den ’Interrogationes de fide‘ und zum ’Römischen Glaubensbekenntnis‘, Berlin – New York 1999. Vorlagen und Nachrichten 661 Phase des Beginns der conversio – vordatieren oder aber auf die Nennung des Bischofs verzichten, während die westlichen sie zum Teil gänzlich übergehen. Eine Ausnahme stellt hier allein Hieronymus dar, der als erster in seinem Chronikon (zum Jahre 337) den Namen des Eusebius von Nikomedien explizit erwähnt. Amerise streicht in dem Zusammenhang heraus, daß der Umgang mit der Taufe des Herrschers bei den einzelnen Zeugen stark durch deren eigene Standpunkte in den je aktuellen Disputen zwischen ’Nicaenern‘ und den verschiedenen Typen von ’Arianern‘ geprägt war. Dies ist prinzipiell überzeugend und läßt sich auch – wie die Forschung der letzten Jahre gezeigt hat – bei der Darstellung anderer zentraler Phasen im Leben Konstantins durch spätantike und mittelalterliche Autoren nachweisen.1 Gleichwohl ließe sich an der Stelle grundsätzlicher beleuchten, von welcher Bedeutung die ’Häretikertaufe‘ in den dogmatischen Auseinandersetzungen der nachkonstantinischen Zeit war. Weiterhin beobachtet Amerise, daß die westlichen Autoren offenbar noch größere Schwierigkeiten mit der eusebianischen Variante des Taufgeschehens zeigten als die östlichen. Sie begründet dies mit einer größeren Skepsis des Westens gegenüber dem ’Arianismus‘. Ob eine solche pauschal angenommen werden kann, scheint mir – nicht zuletzt in Anbetracht der weitaus größeren Intensität der diesbezüglichen Kontroversen im griechischen Kulturraum – fraglich. Im dritten Teil der Studie geht Amerise der ’Zurückweisung‘ (’il rifiuto‘) der Version des Eusebius und ihrer allmählichen Ersetzung durch die Erzählung in den Actus Silvestri nach, deren Datierung nach wie vor umstritten ist. Ausführlich widmet sie sich den theologischen und kirchenpolitischen Motiven, die zur Herausbildung und zur ’Karriere‘ des Berichts geführt haben, der in den Silvesterakten referiert wird. Sie streicht dabei speziell die Intention heraus, eine westliche Variante zu schaffen und ____________________________________ 1 Girardet hat dies etwa für den Umgang mit der Rolle des Kaisers auf dem Konzil von Nicaea gezeigt (K. M. Girardet, Die Teilnahme Kaiser Konstantins am Konzil von Nicaea (325) in byzantinischen Quellen, in: Bizantinistica 5 [2003] 13–51). sich damit vom Osten abzugrenzen. Zu Recht betont sie überdies die antipagane Stoßrichtung der Erzählung über die Silvestertaufe. Auf die spezifischen Interessen des römischen Bischofs in dem Zusammenhang geht Amerise hingegen nur kurz ein. Hier hätte man sich eine etwas ausführlichere Erörterung gewünscht. Schließlich zeigt Amerise, wie die Schilderung der Conversio Constantini aus den Silvesterakten auch von östlichen Autoren, beispielsweise von Theophanes, aufgegriffen wurde und der Bericht des Eusebius selbst im griechischen Osten mit der Zeit in den Hintergrund geriet. Die Arbeit schließt mit zwei Appendices, die sich mit der Behandlung des geplanten Perserfeldzuges des Kaisers durch Eusebius sowie mit den Berichten über die Taufe anderer Kaiser des 4. Jahrhunderts beschäftigen. Die Qualität der Untersuchung liegt in der ausführlichen Präsentation und Diskussion der Quellen, wobei Amerise besonders die intertextuellen Bezüge herauszuarbeiten sucht. Dabei geht sie aber nicht grundlegend über die bisherige Forschung hinaus. Wünschenswert wäre eine stärkere Berücksichtigung der historischen Kontexte gewesen. Der Band enthält eine umfangreiche Bibliographie, bedauerlicherweise aber kein Quellenregister. Mannheim Karen Piepenbrink Massimiliano Vitiello: Momenti di Roma ostrogata: adventus, feste, politica. Stuttgart: Steiner 2005. 162 S. (Historia Einzelschriften. 188.) 36 €. Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht war Rom auch in der Spätantike eine bedeutende Stadt. Dort tagte nach wie vor der Senat, dem die reichsten und mächtigsten Senatoren angehörten und der seit dem späten 5. Jh. wieder an Macht gewonnen hatte, und dort residierte der Papst, der als Oberhaupt der katholischen Kirche einer der größten Grundbesitzer Italiens war. Folglich kam den Rombesuchen der in Ravenna residierenden Ostgotenkönige eine besondere Bedeutung zu. Da sie dem arianischen Glauben anhingen und keine Kaiser waren, sondern nur mit kaiserlicher Machtfülle ausgestattet waren, und die Gnomon Bd. 80, 2008662 Rechtmäßigkeit ihrer Position seit Justinian angezweifelt wurde, stellt sich die Frage, aus welchem Anlaß sie die einstige Metropole des Reiches aufsuchten, wie die Senatoren und der Papst ihnen begegneten und inwieweit ihre Ankunft (adventus) denen der römischen Kaiser glich. In seinem relativ schmalen Buch befaßt sich Vitiello mit einzelnen Aspekten dieser Thematik. Im Vordergrund stehen bei ihm die Rombesuche Theoderichs und seines designierten Nachfolgers Eutharich in den Jahren 500 und 519 sowie die Rombesuche Theodahads, Vitigis’ und Totilas in den Jahren 536, 546 und 549. Das Buch beginnt jedoch nach einer kurzen Einleitung mit einem Kapitel über den Besuch des Grabes des Apostelfürsten Petrus durch die römischen Kaiser (Kapitel I, 13–38). Ausgehend von einer Bemerkung des Kirchenvaters Augustinus (Cum pagani ingrederentur 26) kann der Verf. überzeugend nachweisen, daß Kaiser Honorius 404 anläßlich seines Gotensieges und seines neuen Konsulats nach Rom kam und das Petersgrab aufsuchte. Als Mitglied der theodosianischen Dynastie wollte er wohl wie die Kaiser in Konstantinopel, die ein Mausoleum nahe der Apostelkirche errichteten, ebenfalls ein Mausoleum in dessen Nähe erbauen. Nachrichten über Besuche der Grabstätte durch frühere Kaiser (z.B. Constantin) weist der Verf. als unhistorisch zurück, schließt aber nicht aus, daß seit Constantius II. derartige Besuche, die einen eher privaten Charakter besaßen, vorkamen. Das erste Kapitel schließt mit einer Auflistung von Taten der Päpste zum Schutz des Grabes. Der Frage, inwieweit die Verehrung des heiligen Grabes und die Begegnung mit dem Papst an die Stelle bereits vorhandener religiöser Elemente des Adventuszeremoniells traten, wird nicht nachgegangen. Einen breiten Raum nimmt das 2. Kapitel (39–94) ein, in dem sich der Verf. intensiv mit dem Rombesuch Theoderichs auseinandersetzt. Der Hinweis in der ’Theoderichbiographie‘ (Anonymus Valesianus 2,67), daß der Gote Rom anläßlich seines dreißigjährigen Regierungsjubiläums betrat, hat immer wieder die Frage nach dem eigentlichen Beginn seiner Königsherrschaft über die Goten und letztlich über Italien aufgeworfen. Ob die vorläufige Beilegung des Laurentianischen Schismas eine Rolle bei diesem Besuch spielte, wurde indes weniger berücksichtigt. Der Verf. folgt ebenfalls diesem Forschungstrend und analysiert und kommentiert akribisch unter Berücksichtigung der neueren Fachliteratur die teilweise in sich widersprüchlichen Quellenangaben zu diesem Ereignis. Da sie in der Forschung bereits eingehend besprochen worden sind, kommt seine Analyse kaum über den bisherigen Forschungsstand hinaus, sondern bestätigt in erster Linie die gewonnenen Erkenntnisse. Ähnliches gilt auch für die Darstellung von Eutharichs Rombesuch, der, wie der Verf. zu recht feststellt, wiederum 30 Jahre nach Theoderichs Einmarsch in Italien stattfand. Einleuchtend ist seine These, daß Theoderich damals zwei Silberkandelaber für die Peterskirche stiftete. Theodahads Romaufenthalt hat bislang wenig Beachtung gefunden, obwohl vier Briefe Cassiodors (Variae 10,30 und 12,18– 20) näher über seine Vorbereitung und Organisation informieren. Der Verf. bespricht diese Schreiben umfassend in dem 3. Kapitel (95–130). Er kommt zu einem überzeugenden Vorschlag für ihre zeitliche Einordnung, nachdem er die Abreise von Papst Agapitus nach Konstantinopel noch vor den Beginn des Krieges mit dem oströmischen Reich datiert und Theodahads Ankunft in Rom für Januar/Februar 536 ansetzt. Die wenigen Angaben über die Rombesuche der Gotenkönige Vitigis und Totila (4. Kapitel, 131–143) werden ebenfalls ausführlich besprochen. Die Besuche beider Könige lassen sich aber nur schwer miteinander vergleichen, weil ihre Voraussetzungen sehr unterschiedlich waren. Während Vitigis’ Besuch noch ganz in der Tradition seines Vorgängers Theoderich stand, kam Totila zweimal als Eroberer nach Rom und verschonte wie einst Alarich die Stadt und ihre Bewohner vor weiteren Übergriffen seiner Soldaten. Nach der ersten Eroberung begab sich der Arianer Totila in die Peterskirche zum Gebet. In diesem Zusammenhang weist Vitiello darauf hin, daß Papst Vigilius damals den Frankenkönig Childebert bat, in seiner Eigenschaft als katholischer Herrscher die römische Kirche zu schützen. Mit seiner Bitte nahm er eine Idee vorweg, die nach mehr als 200 Jahren Pippin und Karl der Große in die Tat umsetzten. Vorlagen und Nachrichten 663 Ein dreiseitiger Epilog, ein ergiebiges und aktuelles Literaturverzeichnis sowie ein Orts- und Namensindex beschließen das Buch, dessen Stärke eindeutig im philologischen Bereich, in der genauen und kenntnisreichen Kommentierung von Textstellen liegt. Unter diesem Aspekt ist die Lektüre des Buches gewinnbringend. Es bietet leider keine umfassende Darstellung über den ritualisierten Umgang der Gotenkönige mit ihren italischen Untertanen, obwohl für das Adventuszeremoniell der römischen Kaiser bereits detaillierte Untersuchen vorliegen, an die der Verf. hätte anknüpfen können. Oberursel Ts. F. M. Ausbüttel Jean-Claude Poursat, Carl Knappett: Fouilles exécuteés á Malia. Le Quartier Mu IV. La poterie du Minoen moyen II: Production et utilisation. Athènes: École française d’ Athènes; Paris: de Boccard 2005. 316 S. 44 Abb.76 Taf. (Études Crétoises. 33) The excavations of Quartier Mu, one of the most important sites in Crete, started in 1965 northeast of the palace at Malia. They revealed a large area, separated by streets into blocks and units including the workshops of a potter and a seal-cutter as well as a metal workshop. The center consists of a number of rooms of ceremonial character with the earliest Minoan lustral basin. Some photographs of pottery were published early in periodicals. These included vessels painted in light-on-dark or polychrome technique. Vessels imitating baskets and vessels with relief decoration were published in a previous volume (1980) and a number of storage vessels and vessels of utilitarian character appeared in another volume (1996) on the craftsmen and workshops of Quartier Mu. However, many vessels with light-ondark and polychrome decoration similar to vases found at Knossos and Phaistos remained unknown. The publication of a new volume entirely devoted to the ceramics from Quartier Mu is therefore particularly welcome. The catalogue contains 1346 items (storage vessels, cooking vessels, etc. as well as fine, decorated vases), mostly unpublished. The volume contains two main parts, one dealing with the production of the pottery and the other with the use of the vessels. It is well illustrated with photographs (some in color) of vessels, and thin-sections and drawings and is provided with helpful concordances. One of the arguments is that the ceramics from Quartier Mu are as ’palatial‘ as Kamares, the term initially used for Middle Minoan II vessels found at Knossos, Phaistos and the Kamares Cave. Unfortunately the authors seem to have received the impression that I classed all Malia ceramics as ’provincial‘ because I discussed pottery from Malia in Walberg, ’Provincial Middle Minoan Pottery‘ (1983). However, I stated already in my introduction to that volume that a small number of vases with light-ondark and polychrome decoration from Quartier Mu (i.e. what was published at the time) is similar to Classical Kamares pottery from Knossos and Phaistos and that the style could only have been created in a workshop where the Kamares style pottery from Knossos and Phaistos was known . In spite of the similarities between ceramics from Malia, Knossos and Phaistos, the Malia light-on-dark and polychrome style was described as an independent creation. At the same time it could be shown that storage vessels and other utilitarian vessels from Malia had numerous parallels from other, nonpalatial sites in east-central and eastern Crete. The discussion of pottery from Malia in a book on provincial Middle Minoan pottery had nothing to do with a lack of appreciation, but rather with an emerging realization that Malia and Quartier Mu had its own, distinctive palatial style. The first chapter in the part on production methods deals with fabrics and production techniques, the second with shapes and the third with decoration. In the second part of the volume, the find-contexts of the vessels are analyzed and imports identified. Eleven local and six non-local fabrics from the south coast of Crete (34 samples), the Mirabello area (7 samples) and the Messara (4 samples) are identified. Similarities between pottery from Malia, the south coast (Myrtos-Pyrgos) and the Mirabello area were pointed out by me in 1983, and it is encouraging to see that the Gnomon Bd. 80, 2008664 thin-sections suggest ceramic exchange between Malia and these areas. The techniques of fashioning the vessels are examined and the problems of identifying these techniques in finished products, especially when these consist of small fragments, are discussed. The surface treatment is also examined in detail. This is followed by a useful inventory of shapes represented at Quartier Mu. One or two parallels are listed for many of the shapes, often from Malia, but in some cases also from other sites, especially east Crete, Myrtos, Pyrgos and Phaistos. The Phaistos parallels support the Middle Minoan II date given by Poursat and Knappett and suggested by me in 1983 in ’Provincial Middle Minoan‘. The publication also includes a thorough inventory of decorative motifs. It is noted that certain motifs are particularly often combined with certain types of vessels. Many of the decorative elements found in the Quartier Mu vases decorated in lighton-dark and polychrome technique show decorative elements and in some cases motifs which are also found in Classical Kamares vessels. Some of the vessels from Quartier Mu have an elaborate decoration comparable to that of the most elaborate Kamares vessels. However, the combination of decorative elements is different, and there are no exact parallels. An example of a combination of elements not found in Kamares pottery from Knossos, Phaistos or the Kamares Cave appears on a tripod bowl, Pl. 70d (1168). It is decorated with eleven polychrome radiating motifs tied together with a wavy line. One of the rosettes is framed and provided with an antithetic J-spiral motif. In combination with the radiating, these J-spirals look like leaves and the entire decoration has taken on a floral character. In Kamares pottery, radiating motifs are normally the central, main motif, surrounded by other motifs and decorative elements. Another tripod vase from Quartier Mu, Pl. 31 (1156), does have a central radiating motif, but is surrounded by wavy lines elaborated with groups of petals. The result of this combination is a delicate crocus- or tulip-like motif, not found in Kamares pottery. The radiating motifs on the semiglobular cup from Quartier Mu, Pl. 71a (827), resemble the decoration of several Kamares vessels, but have no exact parallels. They were described by me in 1983 as examples of the local palatial style of Malia . Many other examples could be mentioned. It is also obvious that spiral derivatives in the form of loops were very popular at Malia, not only in light-on-dark and polychrome decoration, but also in the style écossaise , while they were far less so in Kamares pottery. Among storage vessels and utilitarian vessels from Malia, decoration with capsules d’algues is common, but not found in Kamares pottery from Knossos, Phaistos and the Kamares Cave. The publication of the Middle Minoan II pottery from Quartier Mu thus confirms the existence of a palatial style at Malia, which was related to the Classical Kamares style, but at the same time independent with its own combinations of decorative motifs and its own stylistic preferences. The analysis of the find-contexts in the second part of the volume is very valuable. The section includes interesting hypotheses about the function of the vessels, the workshops of Quartier Mu and the economy at Malia. In general, this volume is an important contribution to the study of Middle Minoan Crete. Cincinnati Gisela Walberg Jacqueline Karageorghis: Kypris. The Aphrodite of Cyprus. Ancient sources and archaeological evidence. Nicosia: A. G. Leventis Foundation 2005. XVIII, 269 S. 329 Abb. 1 Kte. 4°. This book is a beautiful publication, richly and well illustrated. It works toward a double end and is aimed at two different audiences. Firstly, the publication is involved in the Cyprus Tourism Organisation’s project for the promotion of cultural tourism on the island. The Organisation wants to build an Aphrodite’s Cultural Route . Such a route is, on the one hand, a physical route linking sites related to Aphrodite and, on the other hand, a symbolic wandering through layers of history and culture. Jacqueline Karageorghis’ book is the scientific ’milestone‘ of this cultural and touristic ambition. Secondly, the book aspires also to be useful to a professional Vorlagen und Nachrichten 665 audience. As the writer of the preface affirms, the book will … prove to be a prominent milestone in the research on this fascinating and inexhaustible subject (p. XI). After insisting on her ambition to give a more thorough and accurate idea of the history of Aphrodite in Cyprus (p. XVI), Karageorghis closes her own preface hoping that this book – although certainly incomplete – will be useful both to Cypriots and visitors to the island, who may wish to know more about our most glorious celebrity, Aphrodite (p. XVII). Jacqueline Karageorghis’ book is therefore a kind of ’hybrid‘, which runs the risk of missing both of its aims: it is probably too complex for the ’cultivated tourist‘, while the researcher in this field will be left unsatisfied by the lack of original texts and, moreover, by the lack of any question in the field of the history of religions. We may also regret the implicit application of a very controversial interpretative pattern of the contacts, interactions and reciprocal influences between the ’Occidental‘ and ’Oriental‘ cultures in Cyprus. We will return to these two points. As the book’s subtitle obviously indicates, the main part of Karageorghis’ research process involved the collecting together of the available textual and archaeological evidence on her subject. Surely, this is the book’s main point of interest. The book puts forward wonderful iconographical evidence, which is wellpublished and copious, and generously provides local dossiers, which have never been systematically presented all in one work. The archaeological evidence is up to date and so is the bibliography, in terms of the very large spectrum covered by the book. The book is arranged, after an introduction, in four chapters on a geographical basis: Aphrodite in Paphos and environs (chap. I), Aphrodite in Amathus (chap. II), the Great Goddess and Astarte in Kition (chap. III), and cult-places of Aphrodite in other parts of the island (chap. IV). Forty pages at the end of the book gather together different tools: a chronological table, a short bibliography, a very useful list of the 329 illustrations, photographical credits, an index of sources and a general index. On a technical point, there are no footnotes. A combined system presents the references to the ancient sources inside the main text and the bibliographical references at the end of each paragraph. The literary evidence has been gathered in the Greek and Latin corpus on the basis of its relationship with the Cypriot Aphrodite and her cult on the island. All these texts are considered as the pieces of a puzzle, which has to be recomposed. The presentation of the material is mainly cumulative. It is assumed that all literary texts may be read in more or less the same way: that is, as straightforward reflections of historical events or situations. Such an uncritical recomposition gives an illusion of consistency, coherence and reliability to a general audience. For the professional scholar, this is very surprising: the differences in genre and date (even though the dates are always noted) are never addressed. Moreover, the systematic reading of literary and archaeological evidence as reflecting the same realities gives an illusion of consensus between the two. Aphrodite’s birth in the Hesiodic ’Theogony‘, Herodotus’ historical reconstruction of her cult’s origin, Ovid’s ’Metamorphoses‘, Porphyrius’ ’De Abstinentia‘ and the apologies of the Church Fathers are very different texts, which require different reading approaches. Moreover, representation and imagination are at stake in various ways in these works and a strictly historicist reading does not take this particular dimension into account. For example, ’Odyssey‘ (8.362–363) mentions Aphrodite’s sanctuary in Paphos, her fragrant altar, her bath and adornment. Karageorghis refers therefore to some well-known ritual ceremony taking place in her sanctuary (p. 13). If she is right, what might we tell of the same scene in ’Iliad‘ 14, where Hera adorns herself to seduce her husband? Is this also a poetically interpreted ritual? Historians will have some difficulty in locating this. Of course, Karageorghis is conscious of the different levels of information in her textual evidence. But cautious remarks are rare and never result from any methodological reflection. This approach results in a purely positivist reading of the literary evidence. The same problem appears in dealing with the archaeological evidence, where more caution would have been necessary in the confrontation between material and texts. More generally, Gnomon Bd. 80, 2008666 Karageorghis never makes her interpretative tools or methodology explicit. Faced with such copious and complicated evidence, it would have been useful to inform the reader – whether ’cultivated tourist‘ or professional scholar – on this point. Such a book refers to goddesses, cults and religious representations and it requires, as such, a minimal knowledge of the discussions engaged in the field of the history of religions. This is the second controversial aspect of the book. The author systematically proposes to interpret the cults of the ’Great goddess‘ as ’fertility cults‘, even if such a label has been questioned for a long time by historians of religions. Of course, we may subscribe to the very general idea that a goddess was shaped, emerging from very ancient fertility cults, who was subsequently influenced by the Oriental religions of the Near East to be finally adopted by the Greek settlers in the island… (p. 1). However, we are not informed enough on the prehistorical religious system to be comfortable in interpreting as ’fertility goddesses‘ the figurines found in excavations. Such undifferentiated labels do not necessarily fit the ancient ritual procedures but are the result of our difficulty in understanding them deeply in their diversity. Even a brief look at the different images offered by Karageorghis’ book clearly points to ritual and functional differences. Moreover, ancient Cypriot communities certainly honoured a plurality of gods, as was the case for the majority of Mediterranean people. The ’Great goddess‘, exceptionally predominant even in Cyprus, was one divinity among others. Pantheonic complexity never appears in Karageorghis’ drawing of Cypriot religious life, except in the evocation of the divine couple formed by the goddess and her paredros. Religious systems are very important structures in understanding the imaginary component of ancient communities and their relationship with other cultures. The Greek Kupris emerges from a representation of Cyprus by the Greeks, culturally determined by a deep ambiguity: Cyprus is both Greek and Oriental, inside and outside the Greek world. Literary evidence reflects such an ambiguity, which is closely connected to the construction of Greekness by means of a series of polarized oppositions of the Greeks themselves to what they were not. Insofar as we miss any literary Cypriot evidence, analysis and interpretation rest on a culturally determined representation of Cyprus by others. The Oriental origin of Aphrodite, as Herodotus and Pausanias saw it, is as dependent on the imaginative register as on a hypothetical historical process of cultural borrowing, which is almost impossible to reconstruct. In the same way, when Karageorghis tells us that: The Ancient Greeks saw Aphrodite as a great and powerful goddess, whose strength derived from her identity as a fertility goddess, and whose strangeness lay in her Oriental roots (p. 7), we might consider, probably with more relevance, that the Greeks associated Aphrodite with an Oriental origin to fit more adequately her disturbing and potentially violent profile (connected to the violence of the sexual instinct more than to a generic ’fertility‘). Finally, the remarkable amount of evidence collected in the book raises the crucial problem of cultural cohabitation and religious interaction. As far as these questions are concerned, Cyprus is an exceptional ’case study‘, something which is never addressed here as such. Nevertheless, the problem underlies the whole work and emerges regularly in problematic terms. This is especially the case regarding the use of iconographical features to reconstruct the evolution of some religious conceptions. The ’naked goddess‘, which has been influenced by Oriental models and becomes systematically an ’Astarte‘ in the book, has progressively disappeared, giving her place to ’clothed‘ figurines. For Karageorghis, this adaptation of the Astarte types attests to the presence of a strong local population which, although certainly influenced by Phoenician religion, changed its symbols to suit their Occidental mentality. Thus, the deity needed to be humanised and understandable, while the cult needed to be imposing, dignified and ceremonious (p. 174). The whole work makes use of such an interpretative reading, whether implicitly or explicitly stated (for example, p. XVI, 190, 227). This interpretative guideline is roughly evolutionistic and ideologically oriented, drawing a path coming from an ’Oriental‘, primitive and animal religion, to an ’Occidental‘ religion, Vorlagen und Nachrichten 667 ’humanized‘ and perfectly ’hellenized‘, to which Cyrpus inevitably belongs. Such a reading does not help an understanding of the different mechanisms of religious interaction at stake in the wonderful Cypriot ’melting pot‘. On the contrary, it refers to out-of-date historiographical schemes, already denounced thirty years ago by Edouard Said (’Orientalism‘, 1978). To sum up, this book has been carefully created and the collected evidence is very rich: in this respect, it will be very useful. Nevertheless, the method of interpreting religious phenomena and the reading of literary evidence are highly controversial. In this respect, caution is needed. Toulouse/Lièget C. Bonnet V. Pirenne-Delforge Stanislao Loffreda, Cafarnao V. Documentazione fotografica degli scavi (1968–2003). Jerusalem: Franciscan Printing Press 2005. 245 S. 468 Abb. 4°. (Studium Biblicum Franciscanum. Collectio maior. 44.) L’importante volume pubblica, come precisato nella prefazione (pp. 7–8), la documentazione fotografica (indicata nel testo con la sigla DF) delle ventitré campagne di scavo svolte dalla Custodia francescana di Terra Santa a Cafarnao, tra il 1968 ed il 2003: diciannove dirette da V. C. Corbo e S. Loffreda dal 1968 al 1986 (cfr. pp. 12–23) e quattro, dal 2000 al 2003, sotto la direzione del solo S. Loffreda (cfr. pp. 23–28). Una tavola cronologica,1 l’indicazione del ____________________________________ 1 Vista la non unitarietà della periodizzazione storico-archeologica della Palestina di età greco-romana, sarebbe stato meglio, a mio avviso, esplicitare le ragioni della scelta fatta dall’Autore, che si allontana dall’usuale griglia cronologica dell’antichità greco-romana. Un quadro sintetico della storia della Terra Santa è offerto dal lavoro di Karl Jaroš, Kanaan · Israel · Palästina. Ein Gang durch die Geschichte des heiligen Landes, Mainz am Rhein 1992. Per la Palestina di epoca greco-romana in generale si veda: H-P. Kuhnen, Palästina in griechisch-römischer Zeit, München 1990, in particolare per il problema della cronopunto di riferimento delle quote (p. 6) e la bibliografia relativa al sito2 (pp. 9–10), precedono l’introduzione (pp. 11–28), nella quale, dopo una breve ma esauriente storia dell’acquisizione da parte della Custodia dei terreni, sui quali sorgeva l’antica Cafarnao, e delle campagne di scavo anteriori al 1968 (p. 11), inizia la relazione di quelle oggetto della monografia. Il resoconto si prefigge di evidenziare i rinvenimenti più importanti, come la scoperta, durante la prima e seconda campagna di scavo (1968), della sala quadrata L1, detta anche sala venerata (pp. 12–14 e in particolare DF 55–70), trasformata, secondo lo studioso nella seconda metà del IV sec. d. C., in quella che oggi viene chiamata domus ecclesia, e del muro di cinta,3 che racchiude l’area cosiddetta dell’insula sacra (Area 1, DF 35–98b), considerato dall’Autore pertinente alla domus ecclesia e quindi anteriore alla chiesa ottagonale (cfr. DF 98a–b), datata verso la fine del V secolo (pp. 13 e 20). Le successive tredici campagne di scavo, tra il 1969 ed il 1981 (pp. 14–23), si concentrarono sulla sinagoga, parte all’interno (Area 12, DF 256–316) e precisamente al di sotto del pavimento in lastroni (sala di preghiera, cortile orientale, balconata), parte all’esterno dell’edificio,4 dove un’ulteriore campagna (la diciassettesima) si svolse ancora nell’autunno 1984, presso il fianco occidentale della costruzione (Area 9; pp. 21–22, DF 163–169). Tra i rinvenilogia di età ellenistica pp. 36–42, e per quella di epoca romana pp. 123–132. Per i problemi di geografia politica e storica, di topografia e di onomastica cfr. il poderoso volume di P. Kaswalder, Onomastica biblica. Fonti scritte e ricerca archeologica, Jerusalem 2002. 2 Contiene i lavori monografici già editi ed una scelta delle relazioni di scavo preliminari, pubblicate tra il 1968 ed il 1997. 3 Costituito dai muri orientale M 204 (DF 37), settentrionale M 205 (DF 39/8), occidentale M 206 (DF 26) e meridionale M 207 (DF 7). 4 Area 2 (DF 123–162c), 5 (DF 208–231), 6 (DF 192–197) e 10 (DF 170–180). Nell’Area 11 (DF 181–191) si fece solo un piccolo saggio, durante la sesta campagna di scavo, nell’autunno del 1970 (p. 17). Gnomon Bd. 80, 2008668 menti più importanti, al di sotto del pavimento della sinagoga, rientra quello pertinente ad un muro di basalto (MB1–6),1 assegnabile a un edificio sinagogale anteriore alla sinagoga monumentale in pietra bianca (p. 16). La costruzione di quest’ultima, per la quale è stato usato il piede romano e non il bizantino (p. 22), non può essere posta, secondo l’Autore, prima della seconda metà del III secolo d. C., in base ai rinvenimenti monetali e ceramici2 (p. 19); essa risulta terminata nel tardo V secolo (p. 15) ed appare edificata sopra abitazioni private (p. 16). Nell’area all’esterno, lo scavo ha dato, tra le altre cose, numerosi resti di stucco dipinto,3 pertinenti alla decorazione della sinagoga (p. 17); abbondanti ritrovamenti di lucerne hanno suggerito di riconoscere, oltre alle abitazioni private, anche la presenza di negozi di epoca bizantina4 (p. 19). Tra gli altri ritrovamenti di questi anni, uno dei più significativi è un miliario dell’imperatore Adriano (cfr. DF 324b), scoperto nel 1975 alla periferia settentrionale dell’antica Cafarnao, che testimonia l’esistenza di una via imperiale che attraversava la cittadina (p. 19). Negli anni 1976–1977 venne scavato, sul terreno del Patriarcato latino di Gerusalemme, l’ipogeo del cosiddetto mausoleo romano, con sepolture in sarcofago (p. 19; cfr. DF 30/A; DF 317–322). Altri rinvenimenti di sepolture in sarcofago fanno supporre un’estensione piuttosto ampia della necropoli (pp. 19–20). Nel 1982 furono ripresi gli scavi della città nell’area immediatamente ad occi- ____________________________________ 1 Ben leggibile in DF 269/3 (MB1), DF 173/B (MB2), DF 264/4–5 (MB3–4), DF 274/4–5 (MB4–5), DF 271 (MB6). 2 In particolare dall’ambiente L130 (Area 5), non raffigurato, ma riportato in pianta. Per quanto riguarda le monete, si veda B. Callegher, Cafarnao IX. Monete dall’area urbana di Cafarnao (1968–2003), Jerusalem 2007, lavoro di rilettura e integrazione del volume di A. Spijkerman, Cafarnao III. Catalogo delle monete della città, Jerusalem 1975. 3 Ritrovati all’esterno, sulla strada L71 (Area 2): cfr. DF 134. 4 Si tratta degli ambienti L118–119 (Area 5): cfr. DF 208, 229, 231. dente della cosiddetta insula sacra (Area 7, DF 99–112a), nel settore occidentale della quale furono trovati riutilizzati molti blocchi in calcare della sinagoga, il cui reimpiego è datato a non prima del tardo VIII secolo (p. 20). Di non poco rilievo lo scavo dell’Area 8 (cfr. DF 232–255), dove, durante la quindicesima campagna (1983), venne scoperto, a oltre cinquanta metri dalla sinagoga, un nucleo di case edificate reimpiegando abbondante materiale da costruzione di età anteriore, e databili tra il tardo VII e la prima parte del IX secolo. Grazie a tale rinvenimento è possibile confutare l’ipotesi che Cafarnao si fosse sviluppata nel settore della proprietà francescana solo fino agli inizi del periodo arabo, dopo il quale, una volta distrutta, si sarebbe ricostruito l’insediamento più a oriente, nell’odierna proprietà del Patriarcato ortodosso (p. 21). Infine, le numerose scorie di vetro raccolte nell’ambiente L13 (cfr. DF 255), indicano l’esistenza di un’industria del vetro, mentre il ritrovamento di uno stipite di porta con il simbolo della menorah testimonia la presenza ebraica a Cafarnao in età araba, attestata anche dalle fonti letterarie (p. 21; cfr. DF 236). Delle ultime quattro campagne, svolte dal 2000 al 2003 nelle Aree 3 (cfr. DF 113– 122a, 325, 330–340) e 4 (cfr. DF 196–207), comprendenti gli strati bizantino e arabo, più che una relazione di scavo in senso proprio, si offre una descrizione dei rinvenimenti: prima di tutto la rete stradale (pp. 23–24), poi gli edifici (pp. 24–27), tra i quali spicca un ampio frantoio pubblico nell’Area 45 (p. 26). Viene evidenziato, infine, come le costruzioni di età araba mostrino una nuova pianificazione rispetto a quelle bizantine, il materiale delle quali vi si trova reimpiegato (p. 28). Conclude il testo un utilissimo indice degli ambienti (pp. 29–32) e dei muri indicati nelle immagini con una sigla (pp. 32– 34). Seguono, quindi, le fotografie, commentate da didascalie che spiegano, integrandole, le osservazioni fatte nel testo, e raccolte nel seguente ordine: un gruppo di foto d’archivio e più recenti delle persone che si sono occupate degli scavi e dell’area ____________________________________ 5 Si tratta dell’ambiente L270: cfr. DF 373–385. Vorlagen und Nachrichten 669 del sito (FG 1–34a), alle quali fanno seguito quelle concernenti l’insula sacra (DF 35– 98b), le Aree 7 e 3 (DF 99–122a), 2 (DF 123–162c), 9–11 (DF 163–191), 4–6 (DF 192–231), 8 (DF 232–255), la sinagoga (DF 256–316), il mausoleo con le iscrizioni (DF 317–324d), e le Aree 3 e 4 (DF 325–468). Allegata al volume è una pianta generale degli scavi, la consultazione della quale sarebbe stata facilitata dall’aggiunta delle sigle dei muri evidenziati nel testo; per lo stesso motivo ci si rammarica della mancanza di riferimenti cronologici accanto ai colori che differenziano le diverse fasi del sito. Il lavoro, paziente e meticoloso, offre una documentazione dettagliata degli scavi, che costituisce sicuramente la base necessaria delle future indagini. Trieste Fulvia Ciliberto Gerald Kreucher: Rostovtzeffs Briefwechsel mit deutschsprachigen Altertumswissenschaftlern. Einleitung, Edition und Kommentar. Wiesbaden: Harrassowitz 2005. X, 230 S. (Philippika. Marburger altertumskundliche Abhandlungen. 6.). Wie zahlreiche andere russische Gelehrte des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts suchte Michael Rostovtzeff (1870–1952) – in seiner Heimat bereits ein angesehener Gelehrter, aber wohl wissend: Rossica non leguntur – seit 1895 durch ausgedehnte Reisen und briefliche Kontakte den Anschluß an die Forschung in den westeuropäischen Ländern.1 Besonders in Deutschland fand er zahlreiche Förderer und Freunde. Seine ersten wichtigen Arbeiten sind in deutscher Sprache erschienen; für die RE steuerte er etwa den bis heute fundamentalen Artikel über Frumentum bei. Im April 1914 wurde er auf Vorschlag von Eduard Meyer, Ulrich v. Wilamowitz- Moellendorff und anderer zum Korrespondierenden Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt, ge- ____________________________________ 1 T. Maurer, Der Weg zur Mündigkeit. Auslandsaufenthalte rußländischer Wissenschaftler im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Hyperboreus 10, 2004, 60–77. rade noch rechtzeitig vor dem Ersten Weltkrieg. Dieser brachte den vollständigen Bruch. Enttäuscht über die Haltung deutscher Gelehrter, insbesondere über ihre Invektiven gegen die russischen ’Barbaren‘, wandte sich auch R. im Herbst 1914 mit seiner Unterschrift gegen den Aufruf ’An die Kulturwelt!‘.2 Folgerichtig emigrierte er nach der bolschewistischen Revolution im Jahre 1918 nicht nach Deutschland, sondern erst nach England, schließlich in die Vereinigten Staaten. Sehr früh aber hat R. das freundschaftliche Verhältnis zu vielen deutschen Kollegen wiederhergestellt. Wie vor dem Krieg ging es dabei um wechselseitige Hilfe in wissenschaftlichen Fragen, nun aber auch um die Unterstützung der materiell oft in Schwierigkeiten steckenden Institute mit der neuesten ausländischen Literatur, vor allem schon mit den zahlreichen bedeutenden Werken von R. selbst. An den hilfreichen Emigranten R. mußten sich aber seit 1933 nunmehr in Deutschland verfolgte Gelehrte wenden, etwa Fritz Heichelheim bereits am 9. März 1933 (Brief Nr. 47) oder Eduard Norden am 26. Juni 1936 (Brief Nr. 90), der sich für Alfons Nehring einsetzte. Für die Situation zuvor ist ein Brief von Ulrich Kahrstedt vom 13. Oktober 1929 (Brief Nr. 78) von einigem Interesse, der aus Furcht vor einem sozialistischen Umsturz eine Auswanderung in die USA ernsthaft in Erwägung zog. Die Korrespondenz mit deutschen Kollegen wurde erst durch den Ausbruch des Krieges mit den USA abgebrochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg finden sich nur noch je zwei Briefe von Franz Altheim und Hermann Bengtson. Der kurze Überblick zeigt bereits, welch großes Verdienst sich Gerald Kreucher durch die umfassende Edition aller noch erhaltenen Briefe von und an R. im deutschen Sprachraum3 erworben hat, wobei er ____________________________________ 2 T. Maurer, Der Krieg der Professoren. Russische Antworten auf den deutschen Aufruf ’An die Kulturwelt‘, Jb. für Wirtschaftsgeschichte 2004/1, 221–247. 3 Diese Ausweitung ist durch die Aufnahme von Briefen der Österreicher Adolf Wilhelm und Leopold Wenger, sowie des Norwegers Hans-Peter L’Orange bedingt. Gnomon Bd. 80, 2008670 die schon zuvor publizierten Briefe, vor allem von Wilamowitz, leider weggelassen hat (die Nachweise 1f. Anm. 2–6). In den meisten Fällen handelt es sich freilich nur um einen oder wenige Briefe an R. aus dessen Nachlaß, er selbst kommt sehr viel seltener zu Wort, vor allem mit seinen Briefen an Otto Crusius und Theodor Wiegand. Insgesamt haben wir also einen Torso vor uns, wie K. schon dadurch deutlich macht, daß er jede Anspielung auf einen verlorenen Brief etwas pedantisch mit der Anmerkung versieht: Das Schreiben wurde bisher nicht aufgefunden und publiziert. Weiteres wird indes hoffentlich noch auftauchen. So wird Eckhard Wirbelauer demnächst einen Brief von R. an Walther Kolbe vom 19. Dezember 1935 veröffentlichen, in dem sich R. – offenbar wunschgemäß – dafür ausspricht, die Emeritierung von Hans Dragendorff in Freiburg hinauszuschieben;1 acht Postkarten und zwei Briefe an Georg Wissowa befinden sich in dessen Nachlaß in der Universitätsbibliothek Halle.2 Jedem Korrespondenten stellt K. eine biographische Einleitung mit Literaturhinweisen und einer kurzen Würdigung der erhaltenene Briefe voran. Deren Text wird sachlich kommentiert mit sehr hilfreichen Hinweisen zu persönlichen Bemerkungen, vor allem aber zu den angesprochenen wissenschaftlichen Problemen samt den genauen bibliographischen Angaben zu der jeweils genannten Literatur. Sie lassen häufig langwierige Recherchen ahnen. Inhaltlich besonders eindrucksvoll sind die Schreiben von Ulrich Wilcken, in denen dieser seine immense papyrologische Ernst Meyer schrieb aus Zürich, war aber deutscher Staatsangehöriger. 1 E. Wirbelauer, Alte Geschichte und Klassische Archäologie, in: Die Freiburger Philosophische Fakultät. 1920–1960. Mitglieder – Strukturen – Vernetzungen, hg. von E. Wirbelauer in Verbindung mit F.-R. Hausmann, S. Paletschek und D. Speck, Freiburg 2006, 137 und Anhang 1.4.8 (für den Einblick in das Manuskript danke ich dem Vf.). 2 Die Signatur zu diesen Schreiben aus St. Petersburg zwischen 1903 und 1912: Yi 20 I R 5135–5144 (freundliche Mitteilung von E. Wirbelauer). Kompetenz wieder und wieder hilfreich beweist; vor allem bei der Korrektur von R.s ’Studien zur Geschichte des römischen Kolonates‘ (1910). Verwiesen sei etwa auf seine Bemerkungen zur Constitutio Antoniniana (Briefe Nr. 17 und 19 vom 13. bzw. 29. April 1910; dazu auch interessant Fritz Heichelheim am 21. Juni 1939 – Brief Nr. 51). Das Vertrauensverhältnis zwischen beiden tritt besonders in der Anfrage Wilckens am 30. November 1930 (Brief Nr. 26) in Erscheinung, ob R. nicht sein Nachfolger an der Berliner Universität werden wolle. Zu seinem Glück ist R. nicht darauf eingegangen. Persönlich besonders berührend sind die Briefe Friedrich Münzers, den offenbar eine tiefe Freundschaft mit R. verband. Sonst findet sich die Anrede mit ’Du‘ nur in dem einzigen erhaltenen Brief von Ernst Kornemann vom 20. Mai 1933 (Brief Nr. 102),3 was wiederum zeigt, wieviel von der einstmals äußerst umfangreichen Korrespondenz verloren gegangen ist. K. ist eine Edition zu verdanken, die das Vorhandene musterhaft erschließt.4 Es ist zu hoffen, daß auf ihrer Grundlage die über ein halbes Jahrhundert und zwei Weltkriege hinweg Bestand habenden engen Beziehungen zwischen R. und der deutschsprachigen gelehrten Welt einmal umfassend dargestellt werden. Basel Jürgen v. Ungern-Sternberg IN EIGENER SACHE Ab Heft 1 des Jahrgangs 2009 wird der Gnomon auch im Internet angeboten werden. Darüber hinaus werden auch frühere Jahrgänge elektronisch vertrieben. Alle Beiträgerinnen und Beiträger, die einer elektronischen Nutzung bereits erschiene- ____________________________________ 3 Über die letzten Jahre von Kornemann berichtet der Brief von Hermann Bengtson vom 27. September 1947 (Brief Nr. 92). 4 Zu dem von Wilhelm Schubart erwähnten (Brief Nr. 75 vom 9. Dezember 1932) Gerhard Plaumann sei doch ergänzt, daß der hoffnungsvolle Althistoriker noch am 23. Oktober 1918 an der Westfront gefallen ist: Klio 16, 1919, 343. Vorlagen und Nachrichten 671 ner oder zur Veröffentlichung vorgesehener Beiträge nicht zustimmen, werden gebeten, ihren Widerspruch gegen eine elektronische Nutzung umgehend der Schriftleitung mitzuteilen; soweit dieser Widerspruch bereits erschienene Beiträge betrifft, werden die Autorinnen und Autoren gebeten, ihn spätestens bis zum 31. 12. 2008 der Schriftleitung zur Kenntnis zu bringen, soweit er zur künftigen Publikation vorgesehene Beiträge betrifft, werden die Autorinnen und Autoren gebeten, diesen Widerspruch spätestens bis zum 31. 12. 2009 der Schriftleitung zur Kenntnis zu bringen. VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK ALTERTUMSWISSENSCHAFTEN Die Virtuelle Fachbibliothek Altertumswissenschaften ’Propylaeum‘ ist ein seit 2006 von der DFG gefördertes Gemeinschaftsprojekt der Bayerischen Staatsbibliothek München, der UB Heidelberg und des Instituts für Klassische Philologie (Latinistik) der Humboldt Universität Berlin (’KIRKE‘). Weitere Kooperationspartner sind das Deutsche Archäologische Institut (DAI) und der Lehrstuhl für Alte Geschichte der Katholischen Universität Eichstätt (’Gnomon Online‘). – ’Propylaeum‘ soll als zentrale Plattform für die altertumswissenschaftliche Lehre und Forschung etabliert werden, indem es entsprechende Recherche-, Informations- und Publikationsmöglichkeiten bündelt und direkten Zugang zu elektronischen Primärund Sekundärquellen bietet. Nach und nach sollen alle relevanten Angebote in die Metasuche ’Propylaeum-Search‘ eingebunden werden, so daß gleichzeitig in einer Vielzahl von Datenbanken recherchiert werden kann. Derzeit werden Informationen für folgende Fächer angeboten: Ägyptologie, Alte Geschichte, Klassische Archäologie und Klassische Philologie, Vor- und Frühgeschichte. Für 2008 geplant ist die Ergänzung um die Fächer: Altorientalistik, Byzantinistik und Mittel- und Neulatein. – Die ’Module‘ der einzelnen Fächer sind: Bibliothekskataloge, Neuerwerbungen, Zeitschriften / Aufsätze und fachwissenschaftliche Aufsatztitel, Fachdatenbanken, digitale Sammlungen, Internetressourcen (um bibliothekarische Standards erweitert), Fachservice und E-Publishing auf dem Dokumentenserver ’Propylaeum-DOK‘. – Alle Fachwissenschaftler sind herzlich dazu eingeladen, sich am weiteren Ausbau von ’Propylaeum‘ (z. B. im Bereich ’Themenportale‘ oder E- Publishing) zu beteiligen. PERSONALIEN Der Generaldirektor i.R. des Römisch- Germanischen Zentralmuseums in Mainz und Honorarprofessor der Frühmittelalterlichen Archäologie an der Universität Mainz Dr. Kurt Böhner ist am 31. Mai 2007 im 93. Lebensjahr gestorben. Der ord. Professor der Alten Kirchengeschichte an der Universität Cambridge Sir Henry Chadwick ist am 17. Juni 2008 im 88. Lebensjahr gestorben. Der ord. Professor der Klassischen Archäologie an der Universität Bochum Dr. Volkmar von Graeve feiert am 7. November 2008 seinen 70. Geburtstag. Der ord. Professor der Klassischen Philologie an der Universität Bonn Dr. Heinz- Gerd Ingenkamp feiert am 22. November 2008 seinen 70. Geburtstag. Der Professor der Geschichte der Medizin an der Universität Kiel Dr. Fridolf Kudlien feiert am 23. November 2008 seinen 80. Geburtstag. Der Professor der Klassischen Philologie an der Universität Bonn Dr. Heinz Neitzel feiert am 6. November 2008 seinen 70. Geburtstag. Der ord. Professor der Klassischen Archäologie an der Universität Hamburg Dr. Hans Georg Niemeyer feiert am 30. November 2008 seinen 75. Geburtstag. Der ord. Professor der Alten Geschichte an der Karlsuniversität Prag Dr. Pavel Oliva feiert am 23. November 2008 seinen 85. Geburtstag. Der ord. Professor der Historischen Theologie an der Universität Heidelberg Dr. Adolf Martin Ritter feiert am 23. November 2008 seinen 75. Geburtstag. Dr. Heinz Schreckenberg, Münster, feiert am 10. November 2008 seinen 80. Geburtstag. Gnomon Bd. 80, 2008672 Der ord. Professor der Klassischen Philologie an der Universität Frankfurt am Main Dr. Gustav Adolf Seeck feiert am 12. November 2008 seinen 75. Geburtstag. Der ord. Professor der Alten Geschichte Dr. Kai Brodersen ist zum Präsidenten der Universität Erfurt gewählt worden und hat dort einen Ruf auf eine ordentliche Professur für Antike Kultur angenommen. Der Privatdozent der Klassischen Philologie an der Freien Universität Berlin Dr. Markus Schauer hat einen Ruf auf eine Professur seines Faches an der Universität Köln angenommen. Die Internationale Thesaurus-Kommission hat Prof. Dr. Ernst Vogt, München, zum Präsidenten, Prof. Dr. François Paschoud, Genf, zum Vizepräsidenten, Prof. Dr. Heikki Solin, Helsinki, und Prof. Dr. Clemens Zintzen, Köln, zu weiteren Mitgliedern des Geschäftsführenden Ausschusses sowie Frau Dr. Silvia Clavadetscher zur neuen Generaldirektorin des Thesaurus linguae Latinae gewählt. Beilagenhinweis: Mit diesem Heft verbreiten wir Gesamtbeilagen vom Narr Francke Attempto Verlag GmbH & Co. KG, Tübingen. Wir bitten unsere Leser um Beachtung! ____________________________________________________________________________ Der GNOMON erscheint vierteljährlich zweimal. Voller Bezugspreis jährlich 154,– €; ermäßigter Bezugspreis im Juniorabonnement jährlich: 98,– €. Abo-Service: Telefon (0049) 0 89/3 81 89-6 79, Telefax (0049) 0 89/3 81 89-2 97. E-Mail: abo.service@beck.de Die Berechnung erfolgt jährlich. Preise früherer Bände auf Anfrage beim Verlag. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen entgegen. Verlag: Verlag C. H. Beck oHG, Wilhelmstraße 9, D-80801 München, Postfachadresse: Postfach 40 03 40, D-80703 München. Druck: Druckerei C. H. Beck (Adresse wie Verlag). Alle redaktionellen Zuschriften an Prof. Dr. Martin Hose bzw. an Dr. Maximilian Braun, Universität München, Institut für Klassische Philologie, Geschwister-Scholl-Platz 1, D-80539 München. Rezensionsexemplare an dieselbe Anschrift. Eingegangene Druckschriften werden nicht zurückgesandt. Mit Namen gezeichnete Artikel geben die Auffassung des Verfassers, nicht die der Redaktion wieder. Alle Nachrichten werden nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr gegeben. Partnerunternehmen des GNOMON sind die GNOMON-Bibliographische Datenbank und der GNOMON ONLINE, die beide verantwortlich von Prof. Dr. Jürgen Malitz, Eichstätt, herausgegeben und betreut werden. Nähere Informationen über beide Werke erhalten Sie im Internet unter: http:/www.beck.de/gw/gnomon.htm und http://www.gnomon.ku-eichstätt.de/Gnomon/Gnomon.html ____________________________________________________________________________

Zusammenfassung

Frank Bücher: Neil Morpeth: Thucydides’ war: Accounting for the faces of conflict

Evina Sistakou: Burkhard Scherer: Mythos, Katalog und Prophezeihung. Studien zu den Argonautika des Apollonios Rhodios

Jan Stenger: Mikael Johansson: Libanius’ Declamations 9 and 10

Mario Geymonat: Franz Witek: Vergils Landschaften. Versuch einer Typologie literarischer Landschaft

Michel Jean-Louis Perrin: Jochen Walter: Pagane Texte und Wertvorstellungen bei Laktanz

Luce Pietri: Meinolf Vielberg: Der Mönchsbischof von Tours im ’Martinellus‘. Zur Form des hagiographischen Dossiers und seines spätantiken Leitbilds

Michael Sommer: Ross Burns: Damascus. A History

Karl Leo Noethlichs: Catherine Hezser: Jewish Slavery in Antiquity

Detlef Lotze: R. Zelnick-Abramovitz: Not Wholly Free. The concept of manumission and the status of manumitted slaves in the ancient Greek world

Christian Mann: Fabio Roscalla: Biaios didaskalos. Rappresentazioni della crisi di Atene della fine V secolo

Dominic Rathbone: Clemens Homoth-Kuhs: Phylakes und Phylakon-Steuer im griechisch-römischen Ägypten. Ein Beitrag zur Geschichte des antiken Sicherheitswesens

Michel Reddé: Jörg Daumer: Aufstände in Germanien und Britannien. Unruhen im Spiegel antiker Zeugnisse

Karen Piepenbrink: Marilena Amerise: Il battesimo di Costantino il Grande. Storia di una scomoda eredità

F. M. Ausbüttel: Massimiliano Vitiello: Momenti di Roma ostrogata: adventus, feste, politica

Gisela Walberg: Jean-Claude Poursat, Carl Knappett: Fouilles exécuteés á Malia. Le Quartier Mu IV. La poterie du Minoen moyen II: Production et utilisation

C. Bonnet/V. Pirenne-Delforge: Jacqueline Karageorghis: Kypris. The Aphrodite of Cyprus. Ancient sources and archaeological evidence

Fulvia Ciliberto: Stanislao Loffreda, Cafarnao V. Documentazione fotografica degli scavi (1968–2003)

Jürgen v. Ungern-Sternberg: Gerald Kreucher: Rostovtzeffs Briefwechsel mit deutschsprachigen Altertumswissenschaftlern. Einleitung, Edition und Kommentar

IN EIGENER SACHE

VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK ALTERTUMSWISSENSCHAFTEN

PERSONALIEN

References

Abstract

As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

The GNOMON is published in eight issues a year.

Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.