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Bruno Bleckmann, André Walther: M. Fulvius Nobilior. Politik und Kultur in der Zeit der mittleren Republik. in:

Gnomon, page 231 - 235

GNO, Volume 93 (2021), Issue 3, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417-2021-3-231

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C.H.BECK, München
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A. Ganter: Franchi/Proietti (Edd.), Conflict in Communities 231 Schließlich veranschaulicht Elena Franchi in ihrem Beitrag ‘La pace die Filocrate e l’enigma della clausola focidese’ (S. – ), wie die athenische Debatte um die phokische Rolle im Frieden des Philokrates von v. Chr. von Ängsten überlagert wurde, welche die nahe Zukunft mit verschiedenen möglichen Kriegsszenarien bereithielt. Hier schüre Demosthenes durch Erinnerungen daran, wie die Phoker betrogen worden seien, auf die nahe Zukunft gerichtete Ängste, nämlich von den Makedonen ebenso behandelt zu werden. Durch die Strategie, an die Verhandlungen im Umfeld des Philokrates-Friedens zu erinnern, habe Demosthenes versucht, die athenische Politik gegenüber den Makedonen zu beeinflussen, resümiert Franchi und setzt damit einen Beitrag ans Ende, der sich der Leitfrage des Bandes voll und ganz annimmt. Kurz: Jeder einzelne Beitrag ist sehr fundiert und wurde von Spezialisten des jeweiligen Feldes kenntnisreich verfasst. Weniger klar ist die thematische Klammer, die dem Band seinen Namen gibt, weil sie insgesamt zu weit gesteckt und damit vage ist. Zunächst einmal bezeichnen ‘forward-looking memories’ das, was man klassisch als didaktische oder, allgemeiner formuliert, normative Funktion von Erinnerungspraktiken bezeichnet. Unter den Ausdruck fallen sowohl ‘intentionale Geschichten’ vergangener Epochen, welche die Absicht verfolgten, normative Vorgaben für die Gegenwart sowie unmittelbare Zukunft zu geben, als auch ‘intentionale Geschichten’ späterer Gegenwartskonstellationen, in denen man sich an ähnlichen Konstellationen in vergangenen Epochen und deren daraus resultierenden Handlungsempfehlungen für die Zukunft orientierte. Während Ersteres in den meisten grundlegenden Studien zur Memorialkultur stets mitgedacht wurde, lässt sich der zweite Aspekt als Ausdifferenzierung dieser Grunderkenntnis bezeichnen. Hier verbirgt sich tatsächlich ein Forschungsdesiderat, dem sich jedoch nur einige Beiträge dieses Bandes konsequent widmen. Insofern behandelt der Band insgesamt weniger ein theoretisches Forschungsdesiderat, als dass er im Rahmen der etablierten Erforschung von Erinnerungskulturen sehr gute Beiträge zu verschiedenen Fragen der kriegsorientierten klassisch-athenischen Memorialkultur vereint. Als solcher ist er sehr zu empfehlen. Regensburg Angela Ganter * André Walther: M. Fulvius Nobilior. Politik und Kultur in der Zeit der mittleren Republik. Heidelberg: Verlag Antike 2016. 302 S. 4 Abb. (Studien zur Alten Geschichte. 22.) 64,90 €. M. Fulvius Nobilior, Konsul des Jahres 189 v. Chr. und zehn Jahre später Zensor, gehört zu den Vertretern der Nobilität, die in der expansiven Hochphase der Klassischen Republik agierten. Dabei ist er zweifelsohne nur eingeschränkt prominent. Seine herausragende Leistung besteht in der Beendigung des Krieges gegen die Ätoler, der mit dem Krieg gegen Antiochos den Großen eng zusammenhing. 187 v. Chr. triumphierte er über die Ätoler und über das mit den Ätolern verbündete Kephallenia, deren Stadt Same er brutal ausgelöscht hatte. Für die römische Kulturgeschichte hat er eine gewisse Bedeutung, weil Ennius ihn bei seinem Feldzug gegen Ambrakia begleitete und die Großtaten des Nobilior und seiner Armee Gegenstand der von Ennius verfassten Praetexta Ambracia sowie des 15. Buchs der Annalen waren. Darüberhinaus kann Nobilior, der zahlreiche griechische Kunstwerke aus Ambrakia nach Rom bringen und in dem von ihm gelobten Votivtempel des Hercules Musarum aufstellen ließ, auch als besonders signifikantes Beispiel für GNOMON 3/93/2021 B. Bleckmann: Walther, M. Fulvius Nobilior 232 die besondere Art und Weise gelten, in der sich die römische Elite in einer Mischung von imperialer Aneignung und aufrichtiger Bewunderung der hellenischen Kultur öffnete. Diese Besonderheiten erklären, warum der Latinist André Walther Fulvius Nobilior zum Gegenstand seiner Dissertation gemacht hat, die im Cotutelle-Verfahren der TU Dresden und der École Pratique des Hautes Études (Paris) eingereicht worden ist. Die insgesamt sorgfältig hergestellte Arbeit1 ist auf der Höhe des Standes der Forschung zur Mittleren Republik und behandelt in einem ersten Teil, der dem Politiker und Feldherrn gilt, einige Elemente der nur lückenhaft bekannten politischen Biographie des Nobilior, insbesondere seine Ädilität, seinen Einsatz als Prätor in Spanien und die sich anschließende Ovatio, seine Wahl zum Konsul und die Operationen in Ätolien und Kephallenia, die Auseinandersetzungen um die Gewährung eines Triumphes nach der Rückkehr aus Ätolien sowie die 179 angetretene Zensur, nach der Fulvius Nobilior aus der Geschichte verschwindet. In einem zweiten Teil werden «Kulturaktivitäten des M. Fulvius Nobilior» behandelt, nämlich seine Aktivitäten als Spielegeber, bei denen zumindest in den ludi votivi von 186 eine besondere kulturelle Komponente durch den erstmaligen Einsatz von griechischen Schauspielern erkennbar ist, seine Beziehungen zu Ennius sowie seine Rolle als Erbauer des Tempels des Hercules Musarum. Diese Zweiteilung ist in vorangehenden Rezensionen kritisiert worden. Da aber ohnehin eine kohärente politische Biographie, die die Instrumentalisierung der Kultur in den verschiedenen Karrierestadien eingehend beschreibt, aufgrund des unzureichenden Materials nicht angefertigt werden kann, mag man diese Disposition durchaus verteidigen. Vom argumentativen Duktus her beruht jedenfalls der Teil, der den ‘Kulturaktivitäten’ des Nobilior gewidmet ist, ganz wesentlich auf Resultaten der Analyse der militärisch-politischen Tätigkeit des Nobilior. Zentral für die von Walther gebotene Interpretation ist nämlich die sogenannte Ambrakia-Affäre. Hier geht es um die Diskussion der Art und Weise, in der Fulvius Nobilior die Belagerung von Ambrakia, das zu dieser Zeit zum ätolischen Bund gehörte, zu Ende brachte. Ambrakia wurde zwar lange belagert, aber am Ende wurde die Stadt nicht erstürmt, sondern ergab sich unter harten Kapitulationsbedingungen, wozu neben der Übergabe von Gold im Wert von 150 Talenten die Auslieferung von Bildwerken gehörte.2 Der inimicus des Nobilior, M. Aemilius Lepidus, sorgt nun nach dem Bericht des Livius dafür, dass die Frage, ob Nobilior überhaupt zu einem Triumph berechtigt ist, im Senat heftig diskutiert wird. Dabei räumt Lepidus schon vor der Rückkehr des Fulvius Gesandten der Ambrakioten die Möglichkeit ein, sich beim Senat über das Verhalten des Nobilior beschweren zu dürfen. Er versucht die Bewilligung des Triumphs zu hintertreiben, indem nach Diskussion der Klage der Ambrakioten der Senat die Rückgabe des Besitzes der Ambrakioten verfügt und darüber hinaus konstatiert wird, dass Ambrakia gar ‘nicht mit Gewalt erobert worden sei’ (38,44,6). Die Verfügung über die erbeuteten Bildwerke sei, so Livius, dem Priesterkollegium der pontifices übertragen und damit dem Nobilior entzogen worden.3 In einer weiteren Senatssitzung 1 Kleinigkeiten sind der Korrektur entgangen, z.B. die «fasti Antiades» (S. 221). 2 Pol. 21,30,9f und Liv. 38,9,13 (partiell mit Missverständnissen der polybianischen Vorlage, vgl. Walther, 76 mit Anm. 84). 3 Liv. 38,44,5. GNOMON 3/93/2021 B. Bleckmann: Walther, M. Fulvius Nobilior 233 nach Nobiliors Rückkehr aus Griechenland kann aber dann Nobilior den Senat von der Bedeutung seines militärischen Einsatzes überzeugen, indem er die Strapazen und den heftigen Kampfeinsatz der Soldaten betont sowie auf die Tötung von mehr als 3000 Feinden verweist.1 Walther hält nun diese Ambrakia-Affäre für den Schlüssel, um die Besonderheiten des Verhältnisses zwischen Ennius und Nobilior zu erklären. W. argumentiert plausibel damit, dass Ennius keineswegs ausschließlich im Dienste des Nobilior stand und ganz einseitig panegyrisch zu seinen Gunsten argumentierte, sondern dass er eine zwar sozial niedrigere, aber durchaus respektierte Stellung hatte, die es ihm erlaubte, unabhängig mit den Großen der Adelsrepublik in Verbindung zu treten. Die entsprechenden Passagen in der kaum rekonstruierbaren Praetexta Ambracia und vor allem die dramatischen Kampfschilderungen im 15. Buch der Annales dienen so nicht einer einseitigen Huldigung des Nobilior, beziehen aber vor dem Hintergrund der Ambrakia-Affäre Position und zeigen, dass tatsächlich ein heftiger Kampfeinsatz, dessen Augenzeuge Ennius war, der Kapitulation von Ambrakia voranging. In ähnlicher Art und Weise waren die ludi votivi des Fulvius Nobilior, in deren Zusammenhang, wie von Walther plausibel dargelegt, die Aufführung der Praetexta gehören muss, darauf berechnet, die Triumphwürdigkeit der Leistung des Fulvius Nobilior zu vergegenwärtigen. Das Gleiche gilt für die dauerhafte Zurschaustellung der herausragenden Kunstwerke Ambrakias im Tempel des Hercules Musarum. Dass es ohne jeden Zweifel eine Diskussion um die Frage, ob die Leistungen des Fulvius Nobilior triumphwürdig waren, gegeben hat, machen die missmutigen Äußerungen eines weiteren innenpolitischen Rivalen, des M. Porcius Cato, deutlich. Cato, der selbst am Ätolienfeldzug als Legat beteiligt war, warf dem Nobilior vor, Soldaten aus Ehrgeiz für zu geringe Anlässe mit Kränzen geehrt zu haben, also offenkundig für eine unziemliche Aufbauschung seines militärischen Erfolgs gesorgt zu haben, ohne dass eine Stadt eingenommen worden sei.2 Auch ist das persönliche Feindschaftsverhältnis zwischen Lepidus und Nobilior selbst eindeutig historischer Natur, wie die Hervorhebung der dann doch erfolgten Versöhnung der beiden durch Ennius beweist.3 Insofern ist der Interpretationsansatz von Walther, Phänomene der ‘Kulturaktivitäten’ vor dem Hintergrund der feindselig ausgetragenen Adelskonkurrenz zu erklären, völlig gerechtfertigt. Allerdings hat sich Walther zur Kernfrage der Rekonstruktion römischer Geschichte zwischen 221 und 168, nämlich der Bewertung der Zuverlässigkeit des Livius, nicht deutlich positionieren wollen.4 Er verweist zwar auf merkwürdige Widersprüche in der Darstellung des Historikers wie zum Beispiel, dass der Senat angeblich die Restitution des Besitzes der Ambrakioten verfügt, dann aber Fulvius Nobilior 1 Liv. 39,4,9f. 2 Cato frg. 148 (ORF4 ) bei Gellius 5,6,24f: Marcus Cato obicit M. Fulvio Nobiliori, quod milites per ambitum coronis de levissimis causis donasset. De qua re verba ipsa apposui Catonis: Iam principio quis vidit corona donari quemquam, cum oppidum captum non esset aut castra hostium non incensa essent? Vgl. Walther, 121. 3 Vgl. zu Cic. Prov. cons. 20 Walther, 127f und 187. 4 Während er an anderer Stelle, wo Livius eine Parallele bei Polybios hat, durchaus kritisch ist, vgl. 70. Dass die Epiroten maßgeblich daran beteiligt waren, die Aufmerksamkeit von Nobilior auf Ambrakia zu lenken, scheint aus griechischer Perspektive durchaus plausibel, da Ambrakia ja die frühere Residenzstadt von Pyrrhos war. GNOMON 3/93/2021 B. Bleckmann: Walther, M. Fulvius Nobilior 234 doch die Ambrakia-Beute im Triumphzug vorzeigt. Genau diese Art der Ausmalung von Diskussionen (in der unmittelbaren Umgebung der Darstellung der Scipionenprozesse: Liv. 38,50,4–60,10) trägt die Handschrift der späten Annalistik. Der Name Valerius Antias drängt sich m.E. zumindest bei einem Detail der Darstellung des Triumphes des Nobilior auf. Walther hält die Angabe des Livius, dass in diesem Triumph catapultae, ballistae, tormenta omnis generis mitgeführt wurden, im Rahmen der Diskussion um die militärische Leistung des Nobilior für durchaus signifikant. Die nur unter erheblichen Schwierigkeiten transportablen Großgeräte der besiegten Feinde hätten nämlich «sichtbar» gemacht, «dass tatsächlich mit allen verfügbaren technischen Mitteln gekämpft worden war».1 Angesichts der selbst von Livius beklagten Manie des Valerius Antias, die Beute von Geschützen übertreibend hervorzuheben,2 sollte man zumindest die Möglichkeit einer annalistischen Erfindung erwägen, genauso wie bei den vermeintlich exakten Angaben der im Triumphzug einhergeführten 118 000 Tetradrachmen und 12 322 Philippeen. Wenn man es also mit Erfindungen der jüngeren Annalistik zu tun haben könnte, stellt sich die Frage, ob die vermeintliche Ambrakia-Debatte sich teilweise in Luft auflöst und einfach nur aus den wenigen Informationen herausgesponnen wurde, die man im ersten vorchristlichen Jahrhundert zur Feindschaft zwischen Nobilior und Lepidus hatte. Der Anspruch des Nobilior auf einen Triumph war durch die Beendigung des Kriegs mit den Ätolern, aber auch durch die gewaltsame Eroberung von Same – der Triumph wurde ja de Aetolis et Cephallenia gefeiert3 – kaum ernsthaft zu bestreiten. Eine kritische Diskussion seiner Erfolge vor Ambrakia ist damit nicht ausgeschlossen, sie wuchs sich aber wohl realiter nicht zur Staatsaffäre mit Senatsdiskussion und -beschlüssen aus. Damit waren vielleicht auch apologetische Gründe für die einzelnen Momente der Selbstdarstellung weniger bedeutend. So glaubt Walther die Aufstellung griechischer Bildwerke aus Ambrakia in dem von Nobilior errichteten Votivtempel des Hercules Musarum aufgrund einer durchaus scharfsinnigen Analyse des archäologischen Befundes im Sinne seiner Gesamtthese deuten zu können: «Das Ensemble aus Tempelbau, Inschrift und Beuteweihungen fügt sich damit nahtlos in die Reihe der Medien ein, die Nobilior einsetzte, um nach der Attacke des Lepidus die Diskurshoheit in der Frage, wie Ambrakia erobert wurde, zu behaupten». Alternativerklärungen sind aber, wenn der Diskurs vielleicht gar nicht so heftige Wellen schlug, durchaus möglich. Es könnte beispielsweise an das Modell gedacht werden, das M. Fulvius, aus dem als bedeutender angesehenen Familienzweig der Fulvii Flacci, bot, als er nach 264 Teile der großen Statuenbeute aus Volsinii im Tempel der Magna Matuta ausstellen ließ.4 Dieser Tempel im Areal von Sant’Omobono befand sich in einiger Nähe (ungefähr 300 m Luftlinie) zur aedes Herculis Musarum, die auf einem bisher noch nicht genutzten Areal am 1 Walther, 120. 2 Vgl. FRH, Valerius Antias (25), frg. 28,3 = Liv. 26,49,3. 3 Fasti triumphales zum Jahre 187/186 v. Chr. (p. 103 Degrassi). Dass der Anteil der Überwindung von Kephallenia beim Triumph eine große Rolle spielt, zeigt noch die Angabe über die 27 im Triumph einhergeführten ätolischen und kephallenischen Militärführer. S. auch Pol. 3,3,6. 4 Plin. n.h. 34,34 (Metrodor von Skepsis); CIL 6, 40895. GNOMON 3/93/2021 B. Bleckmann: Walther, M. Fulvius Nobilior 235 Circus Flaminius errichtet wurde. Bei der Frage nach Vorbildern für die Ausstellung der Statuenbeute hat Walther nur Marcellus im Blick. Auch wenn man also in diesem und anderen Fällen möglicherweise die Bedeutung der Ambrakia-Affäre für die Entwicklung medialer Strategien relativieren kann, bleibt die Auseinandersetzung mit dem anregenden Buch von Walther lohnend. Auf die vielen Diskussionsbeiträge, die Walther in seinem Buch zur politischen Kultur der mittleren Republik beisteuert, kann in dieser Rezension leider nicht eingegangen werden. Dies gilt etwa für die Frage der religiös motivierten Wiederholung von Spielen, der sogenannten instauratio, wo Walther gegen Frank Bernstein die politische Manipulation zur Erhöhung der Wahlchancen ausschließt und den ausschließlich religiösen Hintergrund betont,1 oder auch für die Diskussion der im Hercules-Tempel ausgestellten fasti, deren Bedeutung für die Entwicklung der Gattungsgeschichte und Memorialkultur er gegenüber Jörg Rüpke stark relativiert.2 Düsseldorf Bruno Bleckmann * Richard J. A. Talbert: Roman Portable Sundials. The Empire in Your Hand. Oxford: Oxford UP 2017. XXIII, 236 S. zahlr. Abb. 22 Ktn. 35,99 £. Mit der Entscheidung, eine Sonnenuhr nicht zum Gebrauch an nur einem Ort zu entwerfen, an dem sie fest installiert wird, sondern sie tragbar, überregional und ad hoc einsetzbar gestalten zu wollen, erhöhen sich die Komplexität des technischen Problems und die Anforderungen an den Nutzer. Die Uhr muss so ausgestaltet sein, dass sie für die Anzeige der Zeit in einem gewünschten Zeitsystem den zu einem gegebenen Zeitpunkt für jeden Ort spezifischen Sonneneinfall geeignet nutzen kann. Des Weiteren muss das Instrument bei jedem Gebrauch von neuem gegenüber der Sonne ausgerichtet werden. Die Realisierung beider Aspekte ist eng aneinandergekoppelt. Tragbare Sonnenuhren der römischen Antike, von denen uns heute 23 bekannt sind, sind so konzipiert, dass in die Zeitanzeige nur die Höhe der Sonne über dem Horizont eingeht. Die Ausrichtung der Objekte, die meist als am Rand aufgehängte oder auf einem verbreiterten Rand stehende vertikale Kreisscheiben umgesetzt wurden, besteht darin, sie so um die vertikale Achse zu drehen, dass sich die Sonne in derselben Ebene befindet. Dies kann durch die Beobachtung des Schattenwurfs kontrolliert werden. Im benutzten jahreszeitlichen Zeitsystem, das den lichten Tag zwischen Aufund Untergang der Sonne in zwölf je gleichlange, sich im Lauf des Sonnenjahrs mit der Zu- und Abnahme der Tageslänge variierende Stunden unterteilt, erfolgt die Zeitbestimmung unabhängig von der geographischen Länge. Bestimmend für den Schattenwurf sind dagegen die jährliche Variation des Sonnenstands und die geographische Breite. Die tragbaren römischen Sonnenuhren berücksichtigen genau 1 Walther, 156. 2 Dass der Kalender des Nobilior in irgendeiner Weise Vorbild für die fasti Antiates maiores war, bestreitet Walther, 223. Die Überhöhung des Nobilior zum primus inventor bei der Kombination von Kalender und Beamtenliste bricht damit zusammen. Walther, 226 entzieht allen Spekulationen über Nobilior als Pythagoräer den Boden. GNOMON 3/93/2021

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Abstract

As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

The GNOMON is published in eight issues a year.

Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.