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Stefano Valente, Lexicon Vindobonense sive Andreae Lopadiotae Τεχνολογίαι περὶ γραμματικῆς duabus redactionibus traditae quas una contextas edidit Augustus Guida. in:

Gnomon, page 212 - 216

GNO, Volume 93 (2021), Issue 3, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417-2021-3-212

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C.H.BECK, München
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St. Valente: Lexicon Vindobonense (ed. Guida) 212 Lexicon Vindobonense sive Andreae Lopadiotae Τεχνολογίαι περὶ γραμματικῆς duabus redactionibus traditae quas una contextas edidit Augustus Guida. Florenz: Olschki 2018. LXIV, 349 S. (Biblioteca dell’ ‘Archivum Romanicum’. Serie II. Linguistica. 63.) 65 €. Zur Gelehrsamkeit der byzantinischen Palaiologenzeit zählen nicht nur die philologischen Werke berühmter Persönlichkeiten wie Thomas Magister, Manuel Moschopulos und Demetrios Triklines, sondern auch ‘kleinere’ lexikographische Sammlungen, die sowohl für Byzantinisten als auch für klassische Philologen von großem Interesse sind. Das sogenannte Lexicon Vindobonense nimmt gewiss in diesem Kontext eine wichtige Stellung ein, nicht nur für die Kulturgeschichte der spätbyzantinischen Zeit, sondern auch als Quelle für den Text klassischer, postklassischer und byzantinischer Autoren aus den zahlreichen Zitaten, die in fast jeder Glosse enthalten sind. Der immer noch geläufige lateinische Name dieses Lexikons geht auf August Nauck zurück, der in seiner Ausgabe (St. Petersburg 1867) denjenigen des editor princeps Theodor Bergk präzisierte (‘Etymologicum Vindobonense’, Progr. Halle 1859–1862). Grund für die Benennung war der als Textbasis beiden Editionen zugrunde liegende Cod. Vind. Phil. gr. 169, in dem der Text anonym überliefert wird. 1863 hatte jedoch Heinrich Stein den Namen des Verfassers, Andreas Lopadiotes, im Cod. Vat. gr. 22 bereits gefunden; dort ist auch der vollständige Titel erhalten: Τεχνολογίαι περὶ γραμματικῆς κατὰ στοιχεῖον συντεθεῖσαι παρὰ τοῦ γραμματικωτάτου κυροῦ Ἀνδρέου τοῦ Λοπαδιώτου. Da er aber seine Entdeckung erst in den Prolegomena zum ersten Band seiner Herodot-Ausgabe veröffentlichte (Berlin 21869, Bd. 1, LXXV f), blieb sie Nauck unbekannt (s. u.a. A. G., Prometheus 5, 1979, 1 Anm. 3). Mit zwei Aufsätzen aus dem Jahr 1979 begann die wissenschaftliche Beschäftigung Augusto Guidas mit dem Lexikon des Lopadiotes: Dabei konnte er auch eine vorher unberücksichtigte Hs aus der zweiten H. des 15. Jh. mit einer früheren Textfassung ans Licht bringen (Prometheus 5, 1–20; 193–216). Vierzig Jahre später erscheint seine akkurate Edition mit ausführlichen lateinischen Prolegomena (S. XXVII–LXIV). In diesen wird die Überlieferungsgeschichte genau rekonstruiert und geschildert; auch wird ein Profil des Autors gegeben und die Quellenlage skizziert. Wie Verf. treffend resümiert, stellt das Lexikon des Lopadiotes ein typisches gelehrtes Produkt einer rhetorischen Schule der Palaiologenzeit dar (S. XLVIII). Nach ausführlichen Literaturverzeichnissen (S. IX–XXV: ‘Auctores veteres’, ‘Grammatici veteres’, ‘Recentiorum studia’) werden die vier noch erhaltenen Handschriften des Lexikons sorgfältig beschrieben (‘Traditio textus’, S. XXVII–XXXIII): Dabei handelt es sich um den Vind. phil. gr. 169 (J. 1320/1330 für den Teil mit dem Lexikon; siglum V),1 den Vat. gr. 22 (J. 1342/3, A),2 den Vat. gr. 12 (um 1320/1330, B)3 und den Neap. II.D.29 (um 1460/70, N). 1 Ein vollständiges Farbdigitalisat kann unter folgender Adresse konsultiert werden: http://data.onb.ac.at/dtl/7581919. 2 Eine Schwarz-Weiß-Reproduktion ist online zugänglich: http://digi.vatlib.it/view/ MSS_Vat.gr.22. 3 Auch von diesem Manuskript steht ein Schwarz-Weiß-Digitalisat online zur Verfügung: http://digi.vatlib.it/view/MSS_Vat.gr.12. Eben diese Handschrift hat Varinus Phavorinus Camers bei der Abfassung seines Magnum ac perutile dictionarium (Rom 1523) herangezogen: s. A. G., Prometheus 8, 1982, 264–88. S. auch G. Ucciardello, ‘1523. Guarini Favorini GNOMON 3/93/2021 St. Valente: Lexicon Vindobonense (ed. Guida) 213 Die stemmatischen Verhältnisse werden im darauffolgenden Kapitel überzeugend rekonstruiert (‘Codicum adfinitates’, S. XXXIII–XXXVIII): Die vier Hss lassen sich in zwei Überlieferungszweige aufgliedern, α und β. Von der Fassung α, die eine ursprünglichere Textgestalt darstellt, ist die Hs N der einzige Zeuge; von α stammt die überarbeitete und aus anderen Quellen erweiterte β-Fassung ab. Aus β entstammen unmittelbar die Hs V, über eine Vorlage γ die Hss A und B. Darüber hinaus wird vorausgesetzt, dass der Text jeder Hs – sowie jede rekonstruierbare Textstufe (d.h. β und γ) – durch allerlei Nachträge interpoliert worden ist. Die akribische Studie beider Textfassungen ermöglicht in den meisten Fällen, zwischen ursprünglichem Material der α-Fassung und Erweiterungen bzw. Überarbeitungen der β-Fassung zu unterscheiden. Diese Aufgabe erweist sich allerdings in der Fassung der Hs N als besonders problematisch, denn die Materialien, die sie allein gegenüber den anderen Kodizes überliefert, können entweder dem ursprünglichen Text entsprechen und wiederum in der β-Fassung (willkürlich oder unwillkürlich) ausgelassen worden sein oder aus sekundärer Überarbeitung stammen. Nach gründlicher Untersuchung demonstriert Verf., dass die Textfassung von N den von Lopadiotes herangezogenen Quellen nähersteht als diejenige der β-Fassung (s. auch die angeführten Lesarten auf S. XXXVII f). Das genaue Verhältnis zwischen den Fassungen α und β ist auch Thema des dritten Kapitels (‘Duae redactiones’, S. XXXVIII–XLIII):1 Anhand ausführlichen Beispielmaterials zeigt Verf., welche Art von absichtlichen Überarbeitungen in der β-Fassung vorgenommen wurde, z.B. Textänderungen und Modifizierungen in der Reihenfolge der Glossen. Die Überlieferungsgeschichte wird dann im Kapitel ‘De textus qualitate’ (S. XLIII f) mit dem Gesamtstemma abgeschlossen. Wie Verf. bemerkt, «codex N, quamvis sit testis magni pretii prioris redactionis, tamen et ipse textum originalem non semper servavit integrum» (S. XLIII). Deshalb ist die β-Fassung wichtig, um den ursprünglichen Text der α-Fassung rekonstruieren zu können. Es folgt das Kapitel zum Leben und Werk des Lopadiotes, der im ersten Viertel des 14. Jh. in Konstantinopel tätig war: Als primäre Quelle wird die Briefsammlung von Georgios (?) Oinaiotes herangezogen (‘De lexici auctore sive auctoribus’, S. XLV–XLVIII; s. dazu auch N. Gaul, ‘Moschopulos, Lopadiotes, Phrankopulos (?), Magistros, Staphidakes: Prosopographisches und Methodologisches zur Lexikographie des frühen 14. Jahrhunderts’, in: E. Trapp u. S. Schönauer [Hgg.], ‘Lexicologica Byzantina […]’, Bonn 2008, 163–196: 182 f). Anhand der literarischen Belege sowie der Beweise, die aus den Handschriften des Lexikons herzuleiten sind, zieht Verf. schlüssige Erkenntnisse für die Textgeschichte: Das nach dem ersten Buchstaben angeordnete Lexikon wurde von Lopadiotes anhand von Auszügen aus literarischen, grammatikalischen und lexikographischen Texten für seine Schüler zusammengestellt (α-Fassung); in seinem Schülerkreis – wenn nicht vom Autor selbst, wie Verf. auch vermutet – wurde später der Text aus zusätzlichen Quellen ergänzt (β-Fassung). In dem darauffolgenden Kapitel (‘Fontes lexici’, S. XLVIII–LI) resümiert Verf. die herangezogenen Quellen beider Fassungen. Nach seiner zusammenfassenden Aufzählung hat Lopadiotes sowohl Lexika benutzt (Suidas, das Lexikon des ‘Zonaras’, das Etymologicum Symeonis, Harpokration, die Schedographie des Moschopulos u.a.m.) als auch Zitate aus Magnum Dictionarium Graecum’, in: C. Bianca, S. Delle Donne, L. Ferreri u. A. Gaspari (Hgg.), ‘Le prime edizioni greche a Roma (1510–1526)’, Turnhout 2017, 171–204: 185f. 1 Die Einführung des wohl aus dem Italienischen abgeleiteten Begriffs ‘redactio’ erklärt G. wie folgt (S. XXXVIII): «perspicuitatis gratia ‘recensionem’ a ‘redactione’ distinguere malo. Priore voce formam indico, quae in textus traditione praesertim ex erroribus et mutationibus librariis adscribendis efficitur, redactionem autem, significatione novicia sed commoda utens, eam formam textus dico quae ex retractatione gignitur eidem auctori tribuenda vel eius discipulis qui, praesertim in operibus scholae destinatis, consulto opus novo usui accomodaverint. Cum autem nostrum Lexicon ad usum scholae et discipulorum conflatum videatur et de voluntate auctoris unum vel alterum textum vulgandi non constet, vocibus quae sunt ‘editio’ et ‘edere’ non usus sum». In der vorliegenden Besprechung wird der Begriff durch ‘Fassung’ wiedergeben. GNOMON 3/93/2021 St. Valente: Lexicon Vindobonense (ed. Guida) 214 klassischen und christlichen Autoren, die in der Palaiologenzeit üblicherweise gelesen wurden, aus erster Hand eingefügt; bei der Überarbeitung in der β-Fassung kommen weitere grammatikalische und literarische Texte ins Spiel wie z.B. Herodot, Aristoteles, Johannes Chrysostomos, Gregorios Kyprios, Planudes. Darüber hinaus befindet sich am Ende des Bandes ein vollständiges und sehr nützliches Quellenregister (‘Fontes et testimonia doctrinae Lexici Vindobonensis’, S. 299–316): Dies soll parallel konsultiert werden, um die Komplexität der Kompilation von Lopadiotes wahrnehmen zu können. Darüber hinaus hätte die knappe Anführung der Quellen eventuell durch bibliographische Hinweise erweitert werden können: Um nur ein Beispiel zu nennen, wären die Recherchen von Klaus Alpers (‘Das attizistische Lexikon des Oros’, Berlin/New York 1981, 45–7) in Bezug auf das Verhältnis zwischen dem sogenannten Lexikon des Zonaras und dem Lexicon Vindobonense erwähnenswert gewesen.1 Einer minutiösen Beschreibung der Eigenschaften der byzantinischen Akzentuierung, Interpunktion und Orthographie, die die vier Hss zeigen, ist das folgende siebte Kapitel gewidmet (‘Orthographica’, S. LI–LVIII). Die Einleitung wird mit der Erläuterung der angewandten editorischen Prinzipien abgeschlossen (‘De ratione et via huius editionis’, S. LIX–LXIII). Die auffälligste Innovation der vorliegenden Ausgabe liegt darin, dass Verf. mit seiner Editionsmethode einen neuen Weg wagt, denn er versucht, eine kritische Edition zu erstellen, die alle überlieferten Textstufen gleichzeitig dokumentiert. Dies bedeutet, dass der Text beider Fassungen – α (d.h. Hs N) und β (d.h. Hss VAB) – sowie der Nachträge in den einzelnen Handschriften des Lexikons vollständig herausgegeben wird. Um diese methodologische Voraussetzung zu realisieren, wurde die folgende Methode entwickelt: Zusätzlich zu den kritischen Zeichen für Korrekturzusätze (<αβγ>) und Korruptelen (†αβγ†)2 sowie zu der in der Papyrologie üblichen doppelten eckigen Klammer für von Schreibern getätigte Tilgungen (⟦αβγ⟧) werden zwei neue kritische Zeichen (↑…↓ und ⌠…⌡) mit folgender Bedeutung eingeführt: 1. Wörter, die zwischen zwei nach oben und nach unten gerichteten Pfeilen – ↑ααα↓ – gesetzt werden, sind nur in der ersten Fassung (d.h. in der Hs N) zu lesen; 2. Wörter, die zwischen zwei halben Integralzeichen – ⌠βββ⌡ – eingeklammert sind, werden nur durch die Handschriften der β-Fassung (d.h. in den Hss VAB) überliefert; 3. Die Hintereinandersetzung beider Zeichen – ↑ααα↓⌠βββ⌡ – drückt die Überlieferungsunterschiede derselben Textstelle in beiden Fassungen aus. Darüber hinaus werden die Zusätze, die zumindest eine Hs der β-Familie überliefert, in Petit gedruckt;3 die sigla codicum sind im Text ebenfalls verzeichnet. Um dieses komplexe System durch ein Beispiel zu illustrieren, sei hier die erste Glosse des Buchstabens χ angeführt:4 1 Zu den Quellen des Lexicon Vindobonense s. auch die Besprechung von G. Cattaneo, Medioevo Greco 19, 2019, 311–321. 2 Zur Benutzung der cruces in dieser Ausgabe s. Cattaneo a.O. 316 und A. Musino, Prometheus 46, 2020, 299–303: 301f. 3 Typographisch fällt die Unterscheidung zwischen beiden Schriftgrößen leider nicht immer leicht. 4 Auf die variae lectiones aus dem kritischen Apparat von G. wird hier der Einfachheit halber durch hochgestellte Buchstaben hingewiesen. GNOMON 3/93/2021 St. Valente: Lexicon Vindobonense (ed. Guida) 215 χ 1 χρηματίζεσθαι· ἀντὶ τοῦ πλουτεῖν. καὶ ↑χρηματίζεθαι,↓1 ἀντὶ τοῦ χρήματα ἀπαιτεῖν. ⌠καὶa ἀντὶ τοῦ ὁμιλεῖν – περί τινων μεγάλων. Θεολόγος (Or. 38. 7, 4 sq. Mor. = 45. 3, 5 Mi.)· «τῷ Μωϋσῇ χρηματίζων ἐπὶ τοῦ ὄρους2. καὶ Bb – Ἡρόδοτος (III 118. 1)· «ἐςc τὰ βασιλήϊα εἰσελθὼν χρηματίσασθαι τῷ βασιλεῖ».⌡ χρηματίζει↑ν↓ δὲ ἐνεργητικῶς, ἀντὶ τοῦ ↑συντάττεσθαι καὶ καταλέγεσθαι↓⌠καταλέγεται⌡. ‘χρηματίζει↑ν↓ βουλῇ καὶ δήμῳ’. καὶ ↑χρηματίζειν↓ ἀντὶ τοῦ ↑ἀνταποχρίνεσθαιd↓⌠ἀνταποκρίνεται⌡. (Appian. Bell. civ. V 556)· «τοῖς πρέσβεσινe ἐχρημάτιζε». καὶf ↑χρηματίζειν τὸ↓⌠ἀντὶ τοῦ⌡ λόγους ἀλλήλοις διδόναι ⌠ἤγουν δικαιολογηθῆναι⌡. Ἀριστοφάνηςg (Thesm. 378 sq.)· «καὶ χρηματίζειν πρῶτα περὶ Εὐριπίδου, ὅ τι χρὴ παθεῖν». NVAB a καὶ om. A | b περί τινων – καὶ add. B | c ἐς V Hdt. : εἰς γ | d ἀνταποχρίνεσθαι scripsi : - νει- Na.c. (scripturus erat -νειν), -να- Np.c. | e πρέσβεσιν (sine accentu) Np.c. : -εῦσιν Na.c. | f καὶ om. A | g Ἀριστοφάνης β Su. : om. N Einerseits erscheint der hinter diesem Verfahren stehende Ansatz verdienstvoll und innovativ, andererseits ist m.E. anzumerken, dass die Lesbarkeit dadurch etwas beeinträchtigt wird, denn ein Leser muss sich zunächst in diese Methodologie gründlich einarbeiten, um den Text korrekt zu deuten und Missverständnisse zu vermeiden. Es stellt sich die Frage, ob man eventuell stark abweichende Versionen ein und derselben Glosse besser nacheinander hätte präsentieren können, wie es auch in anderen Ausgaben von Lexika und Scholiensammlungen üblich ist. Dadurch wäre der Umfang des Buches zwar größer, aber die Edition wohl lesbarer geworden, zumal in einigen Fällen dann doch auf diese Lösung zurückgegriffen wurde (vgl. z.B. α 71, β 26, β 29 und κ 61, wobei ‘a’ für die Fassung von N und ‘á’ für diejenige von VAB steht). Diese neue Methode könnte außerdem einige Probleme bei der digitalen Erfassung der besprochenen Ausgabe nach sich ziehen: Man denke z.B. an die Online-Datenbank des Thesaurus Linguae Graecae (https://stephanus.tlg.uci.edu/index.php), in der die Benutzer keine Erklärung für die Sonderzeichen oder die kleingedruckten Passagen finden würden. Ein weiteres kritisches Zeichen in dieser Edition scheint mir außerdem das Ausrufezeichen zu sein: Dies wird in Klammern nach einem an der falschen Stelle stehenden Wort gesetzt, um den Leser auf die Anomalie aufmerksam zu machen: vgl. z.B. κ 21 καίριον· τὸ ἔγκαιρον. Ὅμηρος (!)· «καίριον οὐδὲν λέγεις». καὶ καίριον, τὸ θανατηφόριον. (Hom. Δ 185)· «οὐκ ἐν καιρίῳ ὀξὺ πάγη βῶλος» N. Im Apparat schreibt Verf. dazu Folgendes: «auctor Ὅμηρος perperam additus est a N, vel potius huc male traiectus est, cum post θανατηφόρον, ut in Et. Sym. [s.v. καίριον, Codd. EFCPV] et Et. M. [497, 56–498, 1], esse deberet». Kern des Buches ist die kritische Ausgabe des Lexikons von Lopadiotes (S. 5– 249); in den resümierenden Sigla codicum, die der Edition vorangestellt sind, werden zudem die benutzten kritischen Zeichen erneut kurz erläutert sowie das Gesamtstemma dargestellt (‘Signa’, S. 4). Aufgrund der gegenüber den früheren Ausgaben breiteren handschriftlichen Basis umfasst der kritische Text 1683 Glossen, d.h. 377 mehr als bei Bergk und Nauck; die Edition ist mit aller Sorgfalt erstellt worden; Zitate und Quellen wurden im Text sowie im Apparat sehr genau identifiziert. 1 Es handelt sich um einen Druckfehler für χρηματίζεσθαι. Ein anderer Druckfehler dieser sonst sehr akkuraten Edition befindet sich in der Glosse ν 19 (S. 161 Z. 6: τᾶυτα für ταῦτα). 2 Hier ist das fehlende Zeichen ‘»’ für das Zitatende einzufügen. GNOMON 3/93/2021 St. Valente: Lexicon Vindobonense (ed. Guida) 216 Gedruckt wurden die Glossen hauptsächlich in der Reihenfolge, welche die Hs N (d.h. die α-Fassung) bietet; somit weicht ihre Nummerierung von derjenigen der Bergk’schen und Nauck’schen Ausgaben ab, in denen der Anordnung der Hs V gefolgt wird. Die alte Nummerierung steht im Text in Klammern nach der neuen; eine nützliche ‘Comparatio numerorum glossarum’ (S. 340–9) ist außerdem am Ende des Bandes zu konsultieren. Der kritische Text ist mit zwei Apparaten (Apparatus fontium grammaticorum et locorum parallelorum und Apparatus criticus) versehen. Im ersten werden die von Lopadiotes herangezogenen Quellen verzeichnet: Wenn sich die Quelle einer Glosse mit Sicherheit identifizieren lässt, wird sie durch das Zeichen ‘<’ eingeleitet; kein Zeichen bedeutet, dass dieselbe Lehre mit gleichem oder ähnlichem Wortlaut an den angeführten Stellen zu finden ist; durch ‘cf.’ werden die allgemeineren loci paralleli gekennzeichnet (S. LXII). Dar- über hinaus wäre es vielleicht nützlich gewesen, jede Glosse zusätzlich mit einem Siglum am äußeren Rand zu versehen, um die unmittelbare Quelle auf den ersten Blick identifizieren zu können sowie die Reihenfolge wahrzunehmen, in der die Materialien aus den jeweiligen Quellen herangezogen wurden. Ein solches Verfahren wurde bereits von Georg Wentzel, Richard Reitzenstein und Ada Adler entwickelt und findet heute breite Anwendung in der Edition griechischer und byzantinischer Lexika und Scholiensammlungen. Der mal positive, mal negative kritische Apparat (s. S. LXIII) ist im Allgemeinen sehr klar und gibt hauptsächlich die Lesarten der vier Handschriften bzw. der rekonstruierbaren Fassungen (α, β, γ) an; wo für die Textgeschichte und -herstellung nützlich oder entscheidend, werden auch die Lesarten der im Lexikon herangezogenen Quellen angeführt.1 Vier ausführliche Register schließen den Band ab (‘Auctores veteres in lexico laudati’, 252–98; ‘Fontes et testimonia doctrinae lexici Vindobonensis’, 299–316; ‘Lemmata numerique glossarum’, 317–39; ‘Numeri glossarum editionis Augusti Nauck cum hac editione comparati’, 340–9). Die neue Edition des Lexicon Vindobonense wird diejenige von Nauck ersetzen und dank der Akribie ihres Herausgebers die neue Referenzausgabe darstellen. Wichtig ist aber, dass sich die Leser der neuen editorischen Methode, die hier Anwendung findet, bewusst sind, um diese wertvolle philologische Arbeit optimal nutzen zu können. Augusto Guida ist zu seiner hochwertigen Leistung im Bereich der griechisch-byzantinischen Lexikographie zu gratulieren. Hamburg Stefano Valente 1 Anhand der in den Anm. 1–3 angegebenen Online-Reproduktionen habe ich die Hss VAB stichprobenartig kollationiert: Guidas Kollationen sind im Allgemeinen sehr sorgfältig und zuverlässig. Folgende Angaben lassen sich ergänzen bzw. präzisieren: β 2: l. «8 ὡς om. B; 9βουλεύσομαι»; β 20: Im Apparat liest man «κρηπῖδος V Chrys.: κρηπίδων B, κριπίδων A»; die Hs V, f. 200r Z. 7 v.u. zeigt aber die Lesart κρηπ(ί)δ(ων), die Endung wird durch tachygraphische Abkürzung wiedergeben; ζ 8: Nicht ζεύξεια, sondern ζεύξεια καλεῖται ist die Lesart der Hss VAB, die folglich in den Ausgaben von Bergk und Nauck zu lesen ist; diese Angabe fehlt aber bei G. und im Text steht nur ζεύξεια; ν 1: l. «2 ἀνέρχονται B»; ν 6 Z. 12: die Hs B (f. 38r Z. 16) hat die Lesart ἐν τῇ θαλάσσῃ (nicht ἐν θαλάσσῃ); ν 23 (Z. 1) ἔστι ist die Lesart der Hss VB (und somit in den Ausgaben von Bergk und Nauck). GNOMON 3/93/2021

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As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

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Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.