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Ernst A. Schmidt, Gregory O. Hutchinson: Motion in Classical Literature. Homer, Parmenides, Sophocles, Ovid, Seneca, Tacitus, Art. in:

Gnomon, page 1 - 6

GNO, Volume 93 (2021), Issue 2, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417-2021-2-1

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C.H.BECK, München
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Gregory O. Hutchinson: Motion in Classical Literature. Homer, Parmenides, Sophocles, Ovid, Seneca, Tacitus, Art. Oxford: Oxford UP . XVI, S. Abb. Wie stellt antike Literatur dar, «what people do in space» (S. )? Das ist das Thema des Buchs. Zu ‘people’ sind Götter, Tiere und Naturkräfte/Dinge hinzuzufügen (S. ). Bewegung (im Sinn von ‘Ortsbewegung’) ist in Texten prominent (S. ): Leben äußert sich in Handlung, Handlung schließt Bewegung ein.1 Auch für die Natur ist Bewegung konstitutiv; vgl. z.B. Aristoteles, Physik , , a f, Met. Λ , a – b . , b f, und das gilt auch für die anderen Schulen außer der eleatischen. Insofern ist Bewegung in Texten nicht überraschend; neu ist der Fokus auf Bewegung als Beitrag zur Erkenntnis der Eigenart von Werken und zur Vertiefung des Verständnisses einzelner Textstücke. Befragt ist nicht die Literatur, welche das Phänomen der Bewegung selbst untersucht (vgl. dazu S. f mit Anm. ), also z.B. nicht die atomistische Kinetik oder die aristotelischen Theorien in Physik und De motu animalium. Damit ist nicht gesagt, daß bei Parmenides oder Seneca, Naturales Quaestiones (Kap. und ) Bewegung nicht zentral wäre. Vorangestellt ist ein Kapitel über Bewegungsdarstellung in der bildenden Kunst. Darin beschreibt Verf. vorzüglich und sensibel Kunstwerke (Vasenbilder, Skulpturen, Wandgemälde).2 Von Lessings ‘Laokoon’ grenzt er sich letztlich nur im Blick auf dessen Urteil ab, die bildende Kunst (deren Gebiet der Raum sei) könne Bewegung nicht so gut darstellen wie die Poesie (deren Gebiet die Zeit sei). Er widerspricht, weil Bewegung per se zeitlich und räumlich sei (S. ) und unser Wissen von ihr das Vor- und Nachher des Dargestellten nicht so sehr ergänze als vielmehr mitsehe. Das ist bei der Präsentation bloßer Bewegung (also ohne Handlung) evident der Fall, wie bei der Floßfahrt des Odysseus oder der Meerfahrt des Dionysos. Aber die Auswahl des Pyrrhias im Sprung und des Diskuswerfers,3 die ebenfalls bloße Bewegung ohne Handlung darstellen, geben dem «prägnantesten» Augenblick 1 Menschliche Ortsbewegung ist nicht nur die Fortbewegung des ganzen Körpers, in der Regel mit den Füßen auf dem Boden und Punkten auf diesem als seinen äußeren ‘Stützpunkten’, sondern auch die Bewegung der Extremitäten (Arm heben, Fußtritt) oder des Kopfes (Schütteln oder Zurückwerfen) mit ihrem jeweiligen äußeren ‘Stützpunkt’ in Gelenken (vereinfachte Darstellung von Klaus Corcilius, S. – in ‘Aristoteles, De motu animalium. Über die Bewegung der Lebewesen. Historisch-kritische Edition des griechischen Textes und philologische Einleitung von Oliver Primavesi. Deutsche Übersetzung, philosophische Einleitung und erklärende Anmerkungen von K. C.’, Hamburg .) 2 Zu Körper und Bewegung vgl. Bruno Snell, ‘Die Entdeckung des Geistes’, Hamburg , S. – (vgl. Verf., S. , Anm. ): verschiedenartige Betonung von Gliedern und Gelenken; Richard Harder, ‘Eigenart der Griechen’, Freiburg , S. : Geometrische Vasenbilder und archaische Skulpturen richten am Menschenleib ihre Aufmerksamkeit auf «die Schlüsselpunkte der Struktur und der Bewegung, die Gelenke»; vgl. jetzt auch Annette Haug, ‘Die Entdeckung des Körpers. Körper- und Rollenbilder im Athen des . und . Jahrhunderts’, Berlin/Boston (mit reichem Bildmaterial). – Schnelle Bewegung verdankt sich den Knien oder Füßen, in Il. , tragen das Roß seine Knie dahin. 3 Auf dem offenbar aus idealer Blickrichtung aufgenommenen Foto (Abb. . ) bilden Arme und linker Unterschenkel einen Halbkreis; ein Durchmesser des zu ergänzenden Vollkreises verbindet die linke Ferse und die Diskusmitte. GNOMON 2/93/2021 E. A. Schmidt: Hutchinson, Motion in Classical Literature 98 Lessings eine besondere Pointe, indem nicht die Bewegung selbst dargestellt ist, sondern der ‘zeitlose’ Ruhepunkt zwischen zwei gegenläufigen Bewegungsrichtungen; eben auch auf diese Weise kann gerade die Kunst, auch weil die Literatur ein wirkliches Pendant nicht gibt,1 das Vermögen zu Bewegungsdarstellung beanspruchen.2 Die Kapitel zu Texten sind meist so aufgebaut: Auf eine Einführung folgt eine Übersicht (tabellarisch oder diskursiver Text) über die Bewegungsverben, Geschwindigkeitsadjektive und -adverbien mitsamt ihrer Häufigkeit, woran sich eine Auswertung anschließt. Den umfangreichsten Teil nehmen Interpretationen einzelner mit Text (unterstrichen die genannten Satzteile) und Übersetzung präsentierter Passagen ein. Eine kurze Zusammenfassung beendet das Kapitel. Das durchgehende Interesse3 gilt der Gegenüberstellung von Bewegung und Immobilität, der Verschiedenartigkeit von Bewegungen (auch von Bewegungsformen, wie z.B. geradlinig und kreisförmig,4 oder von entgegengesetztem Umfang, ‘scale’), der Gegenüberstellung von Gruppen und Einzelnen (bes. zu Tac. ann.; vgl. S. ) in Bewegung und Stillstand, dem Nebeneinander von Ortsbewegung im eigentlichen Sinn und als Metapher für innere Vorgänge. Der den Haupteindruck bestimmende Bewegungstyp wird so charakterisiert. In der Ilias sind die Bewegungen der Krieger und mehr noch die der Rosse und Götter5 schnell (und oft heftig), ebenso in der Tragödie: «Tragedy likes speed» und «speed can […] mark out the vigour of the characters» (S. – ; vgl. S. : «speed» als «a crucial variable»). Für die Metamorphosen gilt: Leben ist Bewegung; die vielfältigen Bewegungen machen das Gedicht vital. Zugleich im Blick auf das Fehlen der für Epen typischen Handlungseinheit formuliert Verf. elegant, das Gedicht sei «cohesively restless» (S. ), d.h. Rastlosigkeit konstituiere seine Kohäsion, bilde ein Einheitsband. Die durchgehende Präsenz des Erzählers mit implizit oder explizit moralisch beurteilender Darstellung menschlicher Bewegungen ist eines der Kennzeichen der taciteischen Annalen (S. f. ). Die Auswahl der beiden späten Dramen Philoktet und Ödipus auf Kolonos ist dadurch bestimmt, daß in ihnen Sophokles mit einer speziellen Untersuchung in die Grundlegung der Bewegung und daher des Dramas eintrete (S. ); die Stücke zeigten, wie Tragödie Bewegung 1 Vgl. z.B. Il. , : µέγα τεῖχος ὑπερ-κατ-έβησαν (S. : «contrasting preverbs»): ‘über’ (Ende des Hochsteigens) und ‘nach unten’ (das Hinuntersteigen); der Anblick vieler Trojaner im Augenblick auf der Mauerkrone interessiert nicht. 2 Zu Messalinas iacere caput in bacchantischem Tanz (Tac. ann. , , ) ist keine bildliche Parallele (Vasenbilder) angeführt (S. ). – Zu Bewegungen in griechischen Kampfszenen auf Vasenbildern vgl. jetzt Tonio Hölscher, ‘Krieg und Kunst im antiken Griechenland und Rom’ (Münchner Vorlesungen zu Antiken Welten, Band ), Berlin/Boston . 3 Die ‘Conclusion’ des Buches ist im folgenden immer einbezogen und wird nicht eigens referiert und besprochen. 4 Ein Beispiel für die Genauigkeit des Verf. ist S. , Anm. zu Sen. nat. quaest. b, , in rotundum iacent: «a notional movement along a curved line» sei zumindest impliziert. 5 Der Vergleich der Geschwindigkeit von Heras Flug mit dem Sprung der Gedanken eines Mannes, der sich an andere Orte wünscht (Il. , – ), nimmt die Schnelligkeit der Atome Epikurs voraus: ἅµα νοήµατι (Herodotbrief ). GNOMON 2/93/2021 E. A. Schmidt: Hutchinson, Motion in Classical Literature 99 einsetze, um eine ungewöhnliche Erkundung vorzunehmen (S. ).1 Das Gedicht des Parmenides ist geprägt durch die Spannung zwischen der Bewegung des Geistes auf dem Erkenntnisweg zur Wahrheit und der Immobilität der erkannten Wirklichkeit. In Senecas Naturales Quaestiones mit ihrem Interesse an Bewegungen («in humans or in things», S. ) sind Beschreibung und Gegenüberstellung von Bewegungen oft ethisch oder axiologisch konnotiert oder begründet, wie es gerade auch für die Opposition sublunarer und supralunarer Bewegungen gilt. Die Vielfalt der durch Umsicht, Präzision und Scharfsinn ausgezeichneten Beobachtungen2 und Interpretationen macht eine gleichmäßige Berücksichtigung aller Kapitel unmöglich, und selbst das Referat eines bestimmten Kapitels muß strikt auswählen; das gilt insbes. für die Einzelinterpretationen. Die Ilias (Kap. ) ist in ihrer Grundstruktur fundamental von Bewegung und Abwesenheit von Bewegung bestimmt (S. – . f),3 den Bewegungen der Armeen und einzelner Kämpfer, der Immobilität des sich dem Kampf entziehenden Achill, den Folgen dieser Bewegungslosigkeit (‘liegen’, ‘bleiben’, ‘sitzen’ als Prädizierungen von «inaction») für die Bewegungen der beiden Heere mit deren Konsequenz, der Bewegung des Patroklos und deren Ende, mit der Konsequenz der Bewegung Achills und deren Zielpunkt jenseits der epischen Handlung (dem Ende Trojas und Achills). Wenigstens auf zwei der sechzehn Interpretationen will ich hinweisen. «Leaping and Falling from a Chariot» ( , – ) ist wegen der Parallelität und Opposition der Bewegungen sowie des Gegensatzes zwischen wilder Bewegung und der Immobilität des toten Kebriones besonders eindrucksvoll (S. : «absence of motion», «the state of the dead»). Zu ergänzen ist: Das Löwengleichnis gibt mit v. b: ἑή τέ µιν ὤλεσεν ἀλκή einen unmittelbaren Vorverweis auf Patroklos’ Tod, während , : ἀγηνορίη δεέ μιν ἔκτα auf das entferntere Schicksal Hektors hindeutete. In «Hector Waits» ( , – ) kann die vom Verf. aufgezeigte vielfältige Gegenstrebigkeit von Hektors innerer Bewegung (S. f) als eine enorme Steigerung gegenüber Nestors Unentschiedenheit zwischen nur zwei Möglichkeiten: δαϊζόµενος […] διχθάδι(α) ( , f) betrachtet werden (vgl. S. ). Angesichts der Vielfalt von Bewegungen in Ovids Metamorphosen (Kap. ) bejaht Verf. die Frage,4 ob auch die Bewegung selbst Gegenstand des Gedichtes sei. Er begründet das damit, daß Pythagoras von beständiger Bewegung (met. , f: 1 Beide Sätze (« […] enters into the basics of motion […]»; « […] using motion to particular searching effect») sind mir nicht wirklich klar (wohl Grenzen meiner Sprachkompetenz); meine paraphrastischen Übersetzungen sind hilflose Versuche. Vgl. auch S. : «the staged investigation of difficult movement». 2 Vgl. z.B. S. zu Simplicius in Arist. cael. p. , f, das Parmenideszitat B einführend: ἄρξασθαί φησι λέγειν, «he had begun …». 3 Die Tabelle (S. f) zur Häufigkeit von Verben der Bewegung, zu Adjektiven und Adverbien der Schnelligkeit in Ilias und Odyssee beruht auf genauesten Berechnungen: Relation des Umfangs der Odyssee zu dem der Ilias ohne Buch in Prozent; daraus Berechnung der Anzahl der Belege, welche die Odyssee aufweisen würde, böte sie proportional ebenso viele, und Angabe der tatsächlichen Belege. – Warum fehlt das häufige αἶψα? Weil es nicht so sehr die Schnelligkeit einer Bewegung als entweder die des sofortigen Beginns einer Bewegung (Il. , . , ) oder die Schnelligkeit einer abgeschlossenen Bewegung (Il. , ; Od. , ; Sappho, fr. , ) bezeichnet? 4 Eingangs ist das häufige Wandern (errare) und Fliehen betont. GNOMON 2/93/2021 E. A. Schmidt: Hutchinson, Motion in Classical Literature 100 nihil est toto, quod perstet, in orbe. | cuncta fluunt, omnisque vagans formatur imago) spreche (S. . – . ). Das ist ein Mißverständnis. Diese Verse handeln nicht von Ortsbewegung, sondern von dauernder Veränderung (die zwar Ortsbewegung einschließen kann, aber Pythagoras ist weit entfernt davon, an fliehende Jungfrauen oder springende Frösche zu denken), und die vorgetragene Naturlehre entspricht gerade nicht der ‘wilden Phantasie‘ der unmöglichen Verwandlungswunder des Gedichts, die einmalig sind (weshalb sie erzählt werden können) und zu dauernden, festen, unveränderlichen Gestalten der realen Welt führen (vgl. vor allem das für Aitiologie typische etiam nunc). Kein Frosch wird jemals eine neue Gestalt erhalten, und der Lorbeer bleibt ewig in gleicher Gestalt mit Apollo verbunden. Die ‘Vision ewiger Veränderung’ (S. ) in der Natur ist keine Selbstdeutung, die das Gedicht dem Sinn seiner poetischen Verwandlungen gäbe. Diese sind schlechthin unreal (vgl. S. : «the supreme unreality of the poem»), mirakulös, keiner Philosophie zugänglich. Die Veränderungen, von denen Pythagoras handelt, haben mit den Bewegungen der Menschen und Götter nichts zu tun. Unter den elf interpretierten Passagen ist ein schönes Beispiel die Verfolgungsjagd in met. 7,772–786 (Verf.: «Puzzle») mit ihrem Kontext: Laelaps, der im Laufen alle besiegt (v. 755), verfolgt das wilde Tier (den teumessischen Fuchs; v. 765 und 782: fera), das, schneller als ein Vogel, Jägern und Hunden entkommt (v. 765). Verf. hält für ein Paradox, «that the fastest thing cannot catch or escape the fastest» (S. 97).1 Aber daß die Isotachie2 der Tiere Entkommen und Einholen unmöglich macht, ist so evident wie die fehlende Kreuzung von Parallelen. Ein Gott verwandelt die beiden (sie aus der unendlichen Bewegung erlösend) in ein Marmordoppelbild und garantiert so auf immer ihre Unbesiegbarkeit im Lauf. – Die überzeugenden Interpretationen «River Rage» (3,566–571) und «Defying Dis» (5,391–424) lassen den Leser das gemeinsame Motiv erkennen, daß ein Hindernis eine schnelle und heftige Bewegung intensiviert. Erhellend ist in Kap. , ‘Tacitus, Annals’, die Einsicht, die taciteische Geschichtsschreibung variiere das Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit stärker als das Epos (S. ). Das belegen unter den elf Einzelinterpretationen z.B. die von ann. , , – . , , – . , , – . , , – . Zu diesem letzteren Abschnitt (Brand Roms) ist die Gewalt des Feuers als einer einheitlichen Bewegungskraft gegenüber den vielfältigen und gegenstrebigen Bewegungen der Menschen3 herausgearbeitet. In anderen Zusammenhängen beobachtet Verf. Sprache der Bewegung oder der Bewegung zugleich mit dem Fehlen von Bewegung (S. ) auf verschiedenen Ebenen (S. ) sowie Verbindungen von Bewegungen verschiedenen Umfangs und Typs (S. ). Die farbigen Details (Racine: Tacitus «le plus grand Peintre de l’Antiquité»; zitiert S. ) stehen im Dienst moralischer Urteile (S. ). 1 Unverständlich ist auch, inwiefern man sich bei Ovid «beinah im Problembereich Zenons» befinde (S. ); ein mathematisches Paradox liegt nicht vor, und der Passus läßt keine «touches of philosophy and the Presocratic» (S. ; vgl. S. ) erkennen. 2 Bei Isotachie läuft der Verfolgte als ein ὑπ-εκ-προ-θέων (vgl. S. zu Il. , ). 3 Ein Gegenbild bietet ann. , , : Die unwiderstehliche Gewalt einer Bewegung (magni atque inplacabilis motus), wenn eine Menge einmütig ist. GNOMON 2/93/2021 E. A. Schmidt: Hutchinson, Motion in Classical Literature 101 Die Diskussion von Sophokles, Philoktet und Ödipus auf Kolonos, in Kap. beginnt mit Bewegung in Tragödie allgemein: «motion is directly seen» und oft mit figürlicher Bewegung sprachlich verbunden (S. ), geht dann zu Sophokles über und eröffnet nach dem Satz, jede Tragödie weise ihre eigene spezifische Bewegungswelt auf (S. ), die Untersuchung der beiden Stücke mit Listen des jeweiligen Bewegungsvokabulars. Es folgen sechs (Phil.) plus sechs (OC) Einzelinterpretationen. Als ein Beispiel für die oben in Übersetzung zitierte These von der Grundlegung der Bewegung (?) und ihrem Einsatz zu neuartiger Erkundung (?) betrachte ich den Satz zu Philoktet, v. – : «Motion leads us to a new understanding of a crucial moment in the play» (S. ).1 Noch überzeugender ist das in der bewegenden Interpretation der Eingangsszene (v. – ) des Ödipus auf Kolonos. Sichtbare Bewegung auf der Bühne, Niedersitzen des Blinden («highly unusual on the tragic stage» in einem solchen Zusammenhang, S. ), sprachliche Vergegenwärtigung der vorangegangenen Bewegung, Deutung des Sitzens und der Entschiedenheit, den Sitz nicht mehr zu verlassen, als das Angekommensein am Ziel der Bewegung («his unconscious settling in this spot embodies the crucial event of the play», S. ). Zur Einführung zu ‘Parmenides, On Nature’ (Kapitel ) ist anzumerken, daß die Formulierung, die Bewegung im Proömium (Verf.: a) stelle sich gegen (S. : «against»; S. : «forceful clashes») die Lehre der Immobilität im ersten Teil des Gedichts (b), mißverständlich ist. Denn b lehrt die Unbeweglichkeit der Realität oder des Kosmos (S. . . : «the cosmos as an unmoving entity»),2 während a in der mythischen Rede von der Wagenfahrt, den Bewegungen der Götter und der Türflügel eine Metapher für die Bewegung der Erkenntnis auf ihrem von den Menschen weit entfernten Weg zur Wahrheit ist (B , ; vgl. S. : «intellectual motion»; S. : «new mental travels»; S. : «thought as movement»). Gemeint ist «encounter of motion and immobility on different levels» (S. ). Verf. legt elf Einzelinterpretationen vor. ‘Seneca, Natural Questions’ (Kap. ) behandelt Entitäten, die durch Bewegung definiert sind oder von ihr grundlegend transformiert werden (S. . . ).3 Interpretiert werden zehn Passagen. Einzelnes sei herausgegriffen. Die Gewalt einer Naturkraft, z.B. die naturalis vis movendi des Windes ( , , ), kann Körper zu widernatürlicher (im Sinn von: gegen deren Natur) Bewegung zwingen (nicht menschliche Techne allein bewirkt also widernatürliches Verhalten von 1 Verf. läßt S. Philoktet, v. , ἐκεῖσε νῦν µ’, ἐκεῖσε –, unerklärt; müßte nicht gerade seine Aufmerksamkeit auf die Verflechtung der Bewegungen und ihrer Richtungen hier das Wohin erkennen können? 2 Während Aristoteles (Phys. , , b - ) das parmenideische Lehrgedicht als ‘Ontologie’ und nicht als ‘Physik’ versteht, spricht Verf. wie Willem Jacob Verdenius, ‘Parmenides. Some Comments on His Poem’, Groningen («reality» passim) von Realität oder Welt, nicht von Sein und Seiendem oder Sein des Seienden (vgl. jedoch S. : «the phenomenon of being»). 3 In der Übersetzung S. von Sen. nat. quaest. , , , nata defluere, «when it (sc. water) was born to flow downwards» hat ‘when’ die Bedeutung ‘although’ (ODE, s.v., conjunction ). GNOMON 2/93/2021 E. A. Schmidt: Hutchinson, Motion in Classical Literature 102 Elementen/Körpern, S. – ). Verf. beachtet Bewegungsverben mit verschiedenen Präverbien und vergleicht sie mit ihrem Gebrauch bei anderen Autoren (S. ). Die Aufmerksamkeit auf die Bewegung führt nicht überall zu einem vertieften Verständnis der Texte. Im ganzen aber ergibt sich: Die neue Fragestellung vermag Schönheit und Bedeutung auch wohlbekannter und oft behandelter Texte zu vertiefen; das Buch verwandelt den Blick, fügt dem Umgang mit Literatur eine neue Perspektive zu und regt an, beim Lesen nicht nur antiker Texte sondern auch neuzeitlicher Literatur1 diese Blickrichtung einzubeziehen. Tübingen Ernst A. Schmidt * Stylianos Chronopoulos: Spott im Drama. Dramatische Funktionen der persönlichen Verspottung in Aristophanes’ Wespen und Frieden. Heidelberg: Verlag Antike 2017. 343 S. (Studia Comica. 6.) 80 €. «The political or personal seriousness of Aristophanes in his comedy is […] the great question of modern comic scholarship», osservava Ian Storey nel 1993,2 evidenziando un dato di fatto che, vero allora, non è meno indiscutibile oggi, considerata la mole di riflessioni che in questo ultimo quarto di secolo si è andata instancabilmente addensando, nella letteratura sulla Archaia, intorno alla questione rappresentata dalla natura dell’attacco comico.3 Il volume che qui si recensisce torna sul problema della Verspottung aristofanea in una chiave in buona parte nuova: del che va reso merito all’autore, Stylianos Chronopoulos (d’ora in avanti C.), formatosi prima a Atene, poi nell’officina comica friburghese sotto la guida di Bernhard Zimmermann, e adesso Mitarbeiter del progetto di commento integrale ai frammenti comici (‘Kommentierung der Fragmente der griechischen Komödie’, abbreviato con la sigla ‘KomFrag’) intrapreso, sotto la guida dello stesso Zimmermann, nel 2011. 1 Am Ende der ‘Conclusion’ betrachtet Verf. Tolstois ‘Krieg und Frieden’ (den Originaltext; russische Zitate): Bewegungen Nataschas, von Armeen, in der Geschichte der Menschheit. 2 I. C. Storey, ‘The Dates of Aristophanes’ Clouds II and Eupolis’ Baptai: A Reply to E. C. Kopff’, AJPh 114, 1993, 82 n. 32 (citato da Chronopoulos a p. 21 n. 31). 3 Su natura e prerogative della politicità della Archaia si veda il recente riesame di S. D. Olson, ‘Comedy, Politics, and Society’, in G. W. Dobrov (ed.), ‘Brill’s Companion to the Study of Greek Comedy’, Leiden – Boston 2010, 35–69. Alla Verspottung comica è stato dedicato, in tempi non troppo lontani, un intero convegno, i cui atti si trovano pubblicati in A. Ercolani (Hrsg.), ‘Spoudaiogeloion. Form und Funktion der Verspottung in der aristophanischen Komödie’, Stuttgart – Weimar 2002 (Drama. 11). Contributi importanti sono giunti, di recente, anche da ambiti diversi da quello delle scienze dell’antichità: mi limiterò qui a ricordare la preziosa serie di saggi contenuti in uno dei più stimolanti volumi aristofanei usciti in questi ultimi anni, J. J. Mhire – B.-P. Frost (eds.), ‘The Political Theory of Aristophanes. Explorations in Poetic Wisdom’, Albany 2014, frutto degli sforzi di un gruppo costituito in massima parte da scienziati e teorici della politica. Tra i lavori più recenti apparsi a stampa sul tema segnalerei almeno, per i buoni spunti di riflessione che contiene, D. Sells, ‘Parody, Politics and the Populace in Greek Old Comedy’, London – New York 2019. Fresco di stampa, infine, R. M. Rosen – H. P. Foley (eds.), ‘Aristophanes and Politics. New Studies’, Leiden – Boston 2020 (Columbia Studies in the Classical Tradition. 45). GNOMON 2/93/2021

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Abstract

As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

The GNOMON is published in eight issues a year.

Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.