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Wolf Koenigs, Heide Frielinghaus, Thomas Schattner (Hrsgg.): ad summum templum architecturae. Forschungen zur antiken Architektur im Spannungsfeld der Fragestellungen und Me-thoden. in:

Gnomon, page 42 - 47

GNO, Volume 93 (2021), Issue 1, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417-2021-1-42

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C.H.BECK, München
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F. Lozano Gomez: Kolb/Vitale (Hrsgg.), Kaiserkult in den Provinzen 42 utmost rigour. As a result, it will be highly useful for scholars studying the imperial cult and an essential addendum to the literature. The interesting questions that are posed are too numerous to list here, so I will only mention some of the issues whose examination will provide readers with clear, solid and pertinent information for their research. For example, Madsen’s contribution will be useful for those interested in how the imperial cult came about, inasmuch as it puts forward a novel interpretation of the well-known passage in Cassius Dio (51, 20, 6–8) describing its advent in Bithynia and Asia and, by extension, in the rest of the Empire. Similarly, as regards the specific case of the koinon of Lycia, Campanile’s excellent chapter contains interesting reflections on the way in which this federation conducted its relations with Rome and the important role that the imperial cult played in these. Reitzenstein also deals with Lycia, one of the most comprehensively covered regions in the monograph, offering, in addition to a broad picture of the imperial games and their idiosyncrasies in each region, a very useful catalogue of festivals and games in Lycian cities (pp. 142–152). Also concerning the particularities of each region, in his chapter Cigaina establishes an intriguing link between the military tradition of Crete and the warlike elements appearing in both the island’s traditional cults and the new imperial rites. The chapters by F. Camia and R. Bouchon, two of the book’s most solid contributions, also revolve around the different regions and their singularities, orderly and clearly presenting a synthesis of the imperial cult in the province of Achaia and the region of Thessaly, respectively. In sum, I would like to underscore that, in spite of the concerns indicated above, the co-ordinators Anne Kolb and Marco Vitale, together with the rest of the authors, have managed to produce an interesting volume meeting high intellectual and academic standards. So, to my mind, it is a welcome and engaging contribution to a meaningful object of study such as the imperial cult at present. Sevilla Fernando Lozano Gomez * Heide Frielinghaus, Thomas Schattner (Hrsgg.): ad summum templum architecturae. Forschungen zur antiken Architektur im Spannungsfeld der Fragestellungen und Methoden. Möhnesee: Bibliopolis 2018. 227 S. 97 Taf. 4°. Der Titel dieser zweiten Festschrift für Burkhardt Wesenberg weckt die Hoffnung auf neue wissenschaftliche Äußerungen zu den lateinischen Begriffen summum templum und architectura; aber nur fünf der vierzehn Beiträge berühren Themen der Architekturtheorie und der allgemeinen Baugeschichte, davon allein derjenige von P. Gros (S. 177–187) mit definitorischen Fragen. Die drei lateinischen Begriffe des Buchtitels werden indessen nicht diskutiert. Summum templum kommt bei Vitruv zweimal vor: im ersten Buch (I.1,11) als Metapher für den höchsten Grad der Bildung in der Disziplin Architektur,1 im dritten Buch (III.4,4) steht templum für die oberste Stufe der Krepis eines Sakralbaus zuerst im physischen Sinne, vielleicht auch metaphorisch als Zentrum –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 ‘Georges. Lateinisch-deutsches Handwörterbuch’, Leipzig 1869, 419 s.v. architectura. GNOMON 1/93/2021 W. Koenigs: Frielinghaus/Schattner (Hrsgg.), ad summum templum architecturae 43 eines Heiligtums.1 Die Stelle Vitruv I.1,11 und ihre Übersetzung wird ausführlich von G. Fischer diskutiert.2 Dort wird unter dem Wort architectura explizit die Bautheorie als eigenes Fach verstanden und weniger das Bauen selbst, welches mit fabrica zu bezeichnen sei. Frühere Kommentare zu beiden Stellen finden sich in der aktuellsten Ausgabe von Vitruvs De architectura von P. Fleury (I) und P. Gros (III).3 Templum ist auch sonst ein weiträumiger Begriff mit konkreten und abstrakten Bedeutungen im Bereich des Sakralen vom geweihten, begrenzten Feld (z. B. temenos) bis hin zum Tempel einer bestimmten Gottheit.4 Es bleibt dem Leser überlassen, die Abhandlungen jeweils einzelnen oder mehreren «Fragestellungen und Methoden» im besagten «Spannungsfeld» zuzuweisen, z.B. in folgender, hier angewandter Reihenfolge: Bautheorie, Bauforschung und Geschichte der Bautechnik, Grabungsberichte, Vasenmalerei. – Fragen der Architekturtheorie behandeln hier die vier Artikel von H. Kyrieleis, B. Wesenberg, P. Gros und A. Geyer. Helmut Kyrieleis (S. 87–99. Taf. 45–51.3) weist auf das Phänomen der Übergröße hin, die oft bei griechischen Werken der bildenden Kunst und dann auch der Architektur seit archaischer Zeit zu beobachten sei. Riesenhafte Statuen aus Marmor wie der Apoll der Naxier auf Delos, riesige Bronzegefäße wie der Krater von Vix und der Kolaioskessel im Heraion von Samos, die an die Grenze des Machbaren gehen, seien Ausdruck der «ideellen Konkurrenz der Eliten der archaischen Gesellschaft». Ihre Position in der Landschaft markiert heilige Orte deutlich früher als große Bauten. Deren Entwicklung setzt dann ebenfalls sofort mit großen Formaten ein. Die drei frühen ionischen Dipteroi und die dorischen Riesentempel in Sizilien bezeugen das gleiche «agonale Prinzip» auf der Ebene der städtischen Kommunen. Den Bezug zur Landschaft stellten hingegen schon die Heiligtümer selbst her, ohne dass er zur Regel wird. Der Beitrag von Burkhardt Wesenberg (S. 101–119, Taf. 52–59) befasst sich mit einer minimalen Maßabweichung einer Jochweite am Nordost-Eckbereich des Parthenon, dessen Baumeister Iktinos in einer Diskussion des summum templum architecturae natürlich nicht fehlen darf. In gewohnter Dichte der Beweisführung wird dargelegt, welche Folgen eine anfängliche Unregelmäßigkeit auf die Maßhaltigkeit des ganzen Joches bis hinauf zum Triglyphen-Metopen- Fries hat, und es wird ein schlichter und plausibler Grund dafür vorgeschlagen (S. 114f): das vorläufige Freilassen einer Lücke in der Peristasis für den Baubetrieb. Das Verständnis für den Leser wäre allerdings erleichtert worden, wenn die betroffenen Bauteile bzw. Orte auf der Abbildung einheitlich markiert und nicht nur sprachlich definiert worden wären («das zweite Joch der Nordseite westlich der Säule N2»). Auf Nord- Pfeile wird leider ebenfalls verzichtet – wie übrigens auf den meisten Abbildungen des Bandes. –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 ‘Vitruve III ed. P. Gros’ (1990). 2 G. Fischer, ‘‹Vitruv neu› oder was ist Architektur’ (Basel 2009) 18f. 206f. 3 Siehe hier Beitrag P. Gros, S. 188. 4 Georges a.O., s.v. templum. GNOMON 1/93/2021 W. Koenigs: Frielinghaus/Schattner (Hrsgg.), ad summum templum architecturae 44 I. Jenkins (S. 119–123, Taf. 60) steuert eine kurze, spannende ‘Kriminal-Anekdote’ über ein Konvolut mit Zeichnungen von C. R. Cockerell (1808) im Britischen Museum bei. Da Vitruv fordert, dass ein guter Baumeister sich auch sprachlich angemessen ausdrückt (I.1,4), ist es erlaubt, Vitruvs eigene Ausdrucksweise ernst zu nehmen. P. Gros (S. 177–189) geht in seinem wichtigen, äußerst dichten Essay, dessen wichtigste Punkte hier nur angedeutet werden können, auf einzelne Formulierungen bei Vitruv ein, u.a. mit Verweisen z.B. auf Plutarch. Bekanntlich beharrte Vitruv darauf, dass der Architekt für das Gelingen eines Gebäudes aufgrund seiner umfassenden Bildung ein weites Feld möglicher Vorgaben, etwa auch die Umgebung, mit einbezieht, und dass er alle Probleme über die ratio, d.h. aufgrund von Berechnungen, löst. Es scheint daher konsequent, wenn der Begriff des unberechenbaren καιρός von ihm nicht verwendet wird. Dieser Begriff ist in Griechenland spätestens seit dem 5. Jh. v. Chr. gebräuchlich und verbreitet; seine Bedeutung beruht letztlich auf allgemein menschlicher Erfahrung.1 Dabei geht es immer wieder um das Zusammentreffen vieler Maße (Zahlen) am richtigen Punkt, was zu eurythmia bzw. zur symmetria führen kann, d.h. im Grunde zu einem καιρός, aber einem «καιρός codifié» (S. 179). P. Gros interpretiert die verschiedenen Forderungen Vitruvs, so auch die «célèbres corrections optiques» (S. 181, Anm. 21), bei denen wie auch sonst die richtige Entscheidung getroffen werden muss, notwendigerweise mit «opportunitas» (S. 182). Voraussetzung ist die «sollertia» (Geschicklichkeit S. 183), die es erlaubte, die realen Gegebenheiten aufmerksam einzubeziehen, ohne Normen, Berechnungen, Proportionen etc. zu vernachlässigen, und auch Unvorhergesehenes rechtzeitig aufzugreifen und einzuarbeiten, eine sollertia acuta, wie sie Vitruv Hermogenes zuschreibt. Industria, artis studium und sollertia sind Voraussetzungen für außerordentliche Arbeiten – egregia perfecta (S. 184). Dabei ist sollertia eine natürliche Begabung und mit H.H. Pollitt der χάρις bei Apelles anzunähern, nach M. Trédé einem Äquivalent zu ἀκρίβεια (Anm. 35). Wie in der Medizin gehe es darum, die richtigen Maßnahmen zu treffen, nicht aus Zufall, sondern auf Grund der richtigen αἴσϑησις, eine finesse d’analyse im richtigen Moment, was nach P. Gros dem mobile ingenium bei Vitruv entspräche (S. 185). Nach Gros’ Interpretation muss der Architekt also wie ein Arzt vorgehen – ratio und symmetria sind unabdingbar, müssen aber temperaturae oder temperationes für den gewünschten Effekt erfahren, analog zur natura loci oder der operis magnitudo. Nach P. Gros war Vitruv also mit dem Gedankengut der Griechen des 5. und 4. Jh. v. Chr. sehr wohl vertraut und kannte auch die Erfahrung, die dem Begriff des καιρός zugrunde liegt, aber statt dieses Begriffes führte er als unabdingbare Voraussetzung die sollertia ein, die man nicht erwerben kann, da sie ein «don naturel» sei (S. 184). Vitruv verwende den Begriff καιρός selbst vielleicht deswegen nicht, weil er zumindest im Alltag zu sehr mit der Vorstellung des rein Zufälligen behaftet war. Nach Vitruv könne das Ziel – ein gelungenes Gebäude – nur erreicht werden, wenn ausschließlich perfekte Berechnungen im richtigen Moment zusammentreffen. Diesen zu kennen mache den wirklich guten Architekten aus. –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Zu Geschichte und Bedeutung des Begriffs vgl. hier Gros’ Anm. 1 und 3. GNOMON 1/93/2021 W. Koenigs: Frielinghaus/Schattner (Hrsgg.), ad summum templum architecturae 45 Vitruvs Formulierungen offenbaren seine Schwierigkeiten, die eigenen Forderungen sicher zu begründen. Und eine angemessene sprachliche und klärende Analyse dieser Probleme ist wiederum nur einem so profunden Vitruvkenner wie P. Gros vorbehalten. Der Beitrag von Angelika Geyer (S. 191–206, Taf. 90) zitiert als spätes Zeugnis der Beachtung von Vitruv einen Brief von 471 des Bischofs von Avernum, Sidonius Apollinaris.1 Nach Kategorien wie Bauwesen, Stadtplanung, Villen, städtischer Wohnbau wird Vitruvs Auffassung dargelegt, z.T. mit ausführlichen wörtlichen Zitaten. Von eigenem technischen Interesse ist die Darstellung der natürlichen Luftzirkulation, soweit sie aus der Betrachtung der vorhandenen Bauten – vor allem der Villen – erhellt, darunter besonders der z.T. heute noch gebauten ‘Windtürme’. Der Kategorie praktische Bauforschung und Bautechnik seien die Beiträge von U. Dirschedl, U. Muss und T. Schulz-Brize zugeordnet. Uta Dirschedl (S. 9–28, Taf. 1–12) stellt zum wiederholten Mal Bauglieder und ihre Zuweisung zu den rekonstruierten Vorgängerbauten des hellenistischen Dipteros für Apollon bei Milet vor und greift damit der lange erwarteten, auch hier wieder als «im Druck» angekündigten Schlusspublikation vor. Eindrucksvoll sind die reliefierten Säulentrommeln bester Qualität in zwei Größen, die jeweils dem Fuß bzw. dem Hals der Säulen am archaischen Didymaion zuzuweisen sind. Auf Taf. 4 sei die Zuweisung dargestellt, ist aber wegen der schlechten Druckqualität kaum zu erkennen. Ulrike Muss (S. 35–47) entwickelt auf der Grundlage eigener, früherer Publikationen eine These vom Einfluss der Pythagoreer auf die Architektur des 4. Jh. v. Chr., die als «Ionische Renaissance» zu bezeichnen sei – allerdings ohne frühere Fürsprecher und Gegner dieser These zu benennen.2 Über ein noch fragileres Kartenhaus von Hypothesen gelangt sie zu der Vermutung, dass der hier rekonstruierte Altar von Skopas entworfen sein könnte (S. 46). In einem handfesteren, klar formulierten Beitrag zur Bauforschung in Anatolien zeigt Thekla Schulz-Brize (S. 53–59, Taf. 23–31) aufgrund eigener Forschungen an drei römischen Tempeln in Ephesos, Aizanoi und Chryse (welche ebenfalls vollständiger Publikationen harren) die jeweiligen Decken- bzw. Dachkonstruktionen und ihre formalen Zusammenhänge mit den Säulenordnungen der Peristasen mit guten Abbildungen, allerdings ohne Maßstabsangaben. – Besonders die steinerne Deckenkonstruktion der Peristasis in Aizanoi geht mit 4,20 m lichter Spannweite an die Grenze des physisch Möglichen (Taf. 26–28). – Am Smintheion von Chryse ist die ganze Peristasis-Decke anhand der Balkenlöcher als Flächentragwerk sich kreuzender Balkenlagen zu rekonstruieren, was allerdings nur anhand des zitierten Vorberichts nachvollziehbar ist.3 Zur Baugeschichte im weiteren Sinne zählen die drei Artikel von O. Bingöl, B. Dreyer und R. Schattner. Orhan Bingöl (S. 61–72, Taf. 32–41,1) macht anhand von Beobachtungen in älteren Publikationen einen neuen Vorschlag zur Säulenhöhe des Artemistempels von Magnesia, nämlich: SH = 11,183 m = 34 Fuß à 32,8 cm anstatt der zuletzt von L. Haselberger –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Ergänzung zur Bibliographie: S. Schuler, ‘Vitruv im Mittelalter’ (Wien 1999). 2 W. Hoepfner, in: W. Schuller u.a. (Hrsgg.), ‘Demokratie und Architektur’ (München 1989) 9–16. Dagegen jetzt: W. Koenigs, ‘Der Athenatempel von Priene’ (Wiesbaden 2015) Anm. 1022 mit älterer Lit. 3 T. Schulz (Hrsg.), ‘Dipteros und Pseudodipteros’ (Istanbul 2012) 172f. GNOMON 1/93/2021 W. Koenigs: Frielinghaus/Schattner (Hrsgg.), ad summum templum architecturae 46 ermittelten Höhe von 12,40 m = 38 Fuß. – Fehlende Übereinstimmung der Bezeichnungen in Text und Tafeln, oft fehlende Nordpfeile und Maßstabsangaben erschweren das Verständnis. Boris Dreyer (S. 78–86. Taf. 41,2–42) stellt den Neufund einer bedeutenden Stifterinschrift in Magnesia aus dem 1. Jh. n. Chr. vor mit Namen von 25 bis 27 Personen. Diese geloben die Aufstellung von ca. 29 Säulen für ‘die Hallen um den Tempel’ (Z. 2). Deren Wert wird dort mit Zahlen ohne Nominal angegeben; Dreyer setzt Denare statt Drachmen ein und schließt aus den Kosten auf niedrige, monolithe Säulenschäfte, die er anders als O. Bingöl den äußeren Hallen um das Heiligtum zuweist. Thomas Schattner (Mitherausgeber, S. 207–224, Taf. 91–97) gelingt es, in seinem klaren, zuvor auf Spanisch erschienen Beitrag «Angleichungen» der Romanisierung darzustellen, die der Ausbreitung der römischen Herrschaft in Spanien folgten, anhand von sechs Bauwerkstypen, die er auf römische Vorbilder in Italien und Nordafrika zurückführt, und anhand von drei Siedlungstypen, die durch die jeweilige Topographie bedingt sind. Diese Romanisierung in den ersten zwei Jahrhunderten erfolgt danach in drei Schritten: «Impact – Diffusion – Aemulatio» (Angleichung an die römische Lebensweise). Sie werden mit einigen Bautypen wie Foren, Terrassenheiligtümern, Tor- und Portikusanlagen illustriert. Eine sehr nützliche Verbreitungskarte ist allerdings zu stark verkleinert (Taf. 91). Drei Grabungsberichte aus Epidauros, Messene und Selinunt nehmen nicht Bezug auf das Thema dieses Kolloquiums. Vassilis Lambrinoudakis (S. 125–138, Taf. 61–78) stellt – im Vorlauf auf eine griechische Version («Lambrinudakis im Druck») – archaische Befunde im Asklepieion von Epidauros vor, die eine Kultkontinuität für Asklepios an diesem Platz seit dem 7. Jh. v. Chr. belegen. Von besonderer Bedeutung ist die Bestätigung älterer Thesen zum bisher sog. ‘Apollonaltar’ und dessen Einbindung in eine frühere ‘Kultachse’ für Asklepios aus Brandopfer und Bothros in Richtung auf die klassische Tholos (Taf. 76) bzw. deren vermuteten Vorgängerbau. Der Beitrag von Petros G. Themelis (S. 139–156, Taf. 79–83) gibt einen Überblick über Reste archaischer Bauten in zwei ‘Nachgrabungen’ im Tempelhof des Asklepios-Heiligtums von Messene. Es werden Grabungsberichte bis 2004 zitiert, auf die der Leser zur Orientierung der erneut abgedruckten Pläne zurückgreifen kann, ebenso auf den amtlichen Führer.1 Der klar formulierte und gut illustrierte Artikel von Martin Bentz (S. 147–156, Taf. 84– 89) behandelt aufgrund vorangegangener Grabungsberichte die erste Produktion und Verwendung gebrannter Ziegel in Selinunt in archaischer Zeit und ordnet sie in die Geschichte dieser griechischen Bauteile ein. Der Beitrag von Mitherausgeberin Heide Frielinghaus (S. 151–176, ohne Abb.) behandelt das Thema der Funktion dargestellter Architekturelemente auf apulischen Vasen. Symbolhaft vereinfachte Bautypen geben als Paläste, Tempel etc. Kulissen für Darstellungen griechischer Mythen ab, besonders auf Gefäßen, deren Abnehmer z.T. aus ihrer Kleidung als Italiker zu erkennen seien. Die Sprache dieses Artikels ist durch viele Sprachchiffren aus der Soziologie für fachliche Laien nicht leicht zu ‘rezipieren’. Der Text des Bandes ist sorgfältig gedruckt; englische Zusammenfassungen sind nützlich und fördern bisweilen das Verständnis. Die Autorennamen stehen –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 P. Themelis, ‘Ancient Messene’, Athen 2003. GNOMON 1/93/2021 W. Koenigs: Frielinghaus/Schattner (Hrsgg.), ad summum templum architecturae 47 nicht unter den Titeln, sondern sind am Textende verborgen, im Abbildungsteil fehlen sie gänzlich. Die Wiedergabe der Abbildungen ist von sehr unterschiedlicher Qualität, teils ist sie zu flau (Taf. 34–36. 38. 55), teils zu stark verkleinert (Taf. 4. 92). Oft fehlen selbst bei Bauplänen die Maßstäbe (Taf. 26 f. 36 f. 39) – Aufsätze über heterogene Themen in Sammelwerken geraten leider in Gefahr, dort ‘begraben’ zu werden, auch wenn man dem durch digitale Bibliographien teilweise abzuhelfen versucht hat. Immerhin nähren solche Vorberichte mit der Phrase «hierzu demnächst Verf.» die Hoffnung auf lange erwartete Abschlusspublikationen von Grabungen und Baudenkmälern. München Wolf Koenigs * Gottfried Gruben (†), Klaus Müller: Das Dipylon. Wiesbaden: Reichert 2018. XV, 249 S. 104 Abb. 16 Taf. 15 Beil. 4° (Kerameikos. 22.) 110 €. Der Band zum Dipylon, dem größten antiken Torbau Athens und darüber hinaus ganz Griechenlands, schließt eine seit Jahrzehnten bestehende Publikationslücke. Nach dem Pompeion (1975) und dem Heiligen Tor (2017) sind in der Kerameikos-Reihe nun alle drei Hauptbauwerke dieser berühmten und traditionsreichen Grabungsstätte des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen vorgelegt. Bei der Publikation zum Dipylon handelt es sich im Wesentlichen um die postum vollendete Untersuchung, die Gottfried Gruben, bis zu seinem Tod 2003 international als Altmeister der Archäologischen Bauforschung geachtet, vor einem halben Jahrhundert während einer Anstellung an der Athener Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts erarbeitet hatte. Aus seinem umfangreichen wissenschaftlichen Nachlass konnte somit nach dem samischen Heraion ein zweites Publikationsvorhaben abgeschlossen werden. Für eine angemessene Würdigung ist das Wissen um diese Entstehungsgeschichte und die Grabungsgeschichte des Areals unverzichtbar, wie sie in den Vorworten von Jutta Stroszeck, der örtlichen Leiterin der Grabung und Herausgeberin, und des Bearbeiters und Koautors Klaus Müller dargelegt sind. Nach Auffindung des Dipylontores im Jahr 1872 und der schrittweise bis in die 1930er Jahre durchgeführten großflächigen Ausgrabung des Geländes war die Datierung der Baureste und die Trennung der Bauphasen unklar und umstritten geblieben. Eine begonnene Bearbeitung kam über die Anfänge nicht hinaus und Grabungsunterlagen sind seit der Zeit des Zweiten Weltkriegs verschollen. Erschwerte Bedingungen brachte zudem eine längs durch den Torhof verlaufende moderne Hauptentwässerung des Athener Abwassersystems (‘Kloake’), die die Stratigrafie des Grabungsareals zerschneidet und darüber hinaus bis zu ihrer Sanierung im Jahr 1965 regelmäßig das Gelände überflutete. Den Durchbruch in der Erforschung des Dipylon brachte erst die Untersuchung durch Gruben ab 1961. Sämtliche bauliche Reste im Bereich des Dipylon wurden zeichnerisch aufgenommen und systematische Nachgrabungen erschlossen die Stratigrafie, soweit es angesichts der wenigen unberührten Bereiche noch möglich war. Nach seinem Ruf an die damalige TH München führte Gruben die Arbeiten in geringerem Umfang fort, bis sie ab 1972 ruhten. Wenige Jahre vor seinem Tod betraute er einen seiner Schüler, Klaus Müller, als Coautor mit der GNOMON 1/93/2021

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As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

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Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.