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Clemens Weidmann, Arnobe, Contre les Gentils (Contre les Païens). Tome II. Livre II. Texte établi, traduit et commenté par Mireille Armisen-Marchetti. in:

Gnomon, page 21 - 24

GNO, Volume 93 (2021), Issue 1, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417-2021-1-21

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C.H.BECK, München
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K. Fletcher: Fratantuono/Smith (Edd.), Virgil, Aeneid 8 21 to our understanding of v. 48, under which lemma they include it. Reception is, of course, bound to be idiosyncratic, connected with a given scholar’s (in this case, scholars’) knowledge and interests outside Classics, but I was surprised to see no reference in the lemma for Evander’s o mihi praeteritos referat si Iuppiter annos (560) to Coleridge’s poem of the same title (or to the fact that the quotation appears twice in Hilton’s ‘Goodbye, Mr. Chips’). The bits on reception would be more useful if they were included individually in any of the indices, or under a locator for ‘reception’. As it is, one just has to hope to stumble upon something. But the inclusion of numerous instances of reception points the way to what a modern commentary might look like. Beyond the general appearance and scale, perhaps the aspect of this commentary most similar to Horsfall’s is the consistent self-citation, primarily by the famously prolific Fratantuono. The note to v. 631 cites no fewer than five of his publications, and Camilla – on whom he has written a great deal – is mentioned an astonishing number of times for a character who does not appear at all in Book 8. Appearing only three years after their Book 5 commentary, this 800-page volume shows signs of hasty composition beyond the lack of consistency in citations. Even for a work of this length and detail, typographical errors are frequent enough to be distracting, and occasionally even problematic. Things such as hix for hic (p. 626) are obvious and will cause no trouble, but numerous other typographical errors in Latin sent me to check references to understand a passage. Such errors are particularly troublesome when they cluster, as with the three on p. 541 (persolvam for persolvas; haec haec for non haec; dedera for dederas). Although this commentary is far from perfect – whatever that would look like for such a book, since it is the nature of commentaries to leave readers unsatisfied – I am surely not alone in hoping that they finish the series so that some day we Vergilians can have such mammoth commentaries on every book. All Vergil scholars will need to consult this book and will often profit from doing so—but would benefit even more from a more polished final product that had a clearer set of guidelines underlying it. Baton Rouge, LA Kristopher Fletcher * Arnobe, Contre les Gentils (Contre les Païens). Tome II. Livre II. Texte établi, traduit et commenté par Mireille Armisen-Marchetti. Paris: Les Belles Lettres 2018. XLVII, 302 z.T. Doppels. (Collection des Universités de France. Association Guillaume Budé.) 59 €. Nach Buch 1 (Le Bonniec 1982), Buch 3 (Champeaux 2007) und Buch 6–7 (Fragu 2010) liegt nun das zweite Buch von Arnobius, Adversus Nationes in der Reihe Les Belles Lettres vor. Wie die anderen Bände so bietet auch dieser von M. Armisen-Marchetti (= A.-M.) betreute Band eine Einleitung, den kritisch erstellten lateinischen Text auf der rechten und eine französische Übersetzung auf der jeweils gegenüberliegenden linken Seite. Das zweite Buch nimmt innerhalb der sieben Bücher von Arnobius’ Adversus nationes eine Sonderstellung ein. Es ist erstens das längste Buch des gesamten Werks, zweitens ist es durch entsprechende Bemerkungen zu Beginn des zweiten GNOMON 1/93/2021 C. Weidmann: Armisen-Marchetti, Arnobe, Contre les Gentils 22 und dritten Buches als Digressio markiert und drittens bietet nur das Explicit dieses Buches den Titel des Gesamtwerks Adversus Nationes. Die Verfasserin dieses Bandes, die durch einschlägige Publikationen zur Philosophie in der Kaiserzeit und in der Spätantike hervorgetreten ist (Seneca; Macrobius, Somnium Scipionis; u.v.m.), präsentiert in einem fünf Kapitel umfassenden Einleitungsteil die wichtigsten Probleme dieses Texts: Im ersten diskutiert sie die Stellung des Buches im Gesamtwerk. Im Anschluss an Lucarini spricht sie sich für eine gleichzeitige Entstehung der Bücher 1 und 2 aus, weil diese direkt miteinander verbunden sind und eine kompositorische Einheit bilden; da aber hier anders als in den übrigen Büchern nicht die heidnische Religion, ihre Götter und Riten, sondern philosophische Fragen im Mittelpunkt stehen, sieht A.-M. die Bezeichnung als Exkurs (digressio bzw. deverticulum) als berechtigt an. Der zweite Abschnitt ist der Frage der Datierung gewidmet, zu der das zweite Buch ein viel diskutiertes Testimonium beisteuert: Das Alter Roms beträgt, wie Arnobius berichtet, laut annalistischer Überlieferung ca. 1050 Jahre (71,5: aetatis urbs Roma cuius esse in annalibus indicatur? Annos ducit quinquaginta et mille aut non multum ab his minus). Nach sorgfältiger Diskussion der Forschungsgeschichte schließt sich A.-M. der communis opinio an: «Il s’ensuit que le livre 2 a bien été écrit en 297 ap. J.-C.» (S. XII). Beachtenswert ist, dass diese traditionelle Berechnung des Datums auf der falschen Voraussetzung der Existenz eines Jahres Null beruht; denn wenn man die von Arnobius mit einiger Unschärfe gebotene Altersangabe als exakt annimmt, ergibt sich eine Datierung des Werks auf das Jahr 298 n. Chr., was, soweit ich sehe, noch nie vorgeschlagen wurde. Anstelle eines traditionellen Quellenkapitels präsentiert A.-M. im dritten Abschnitt (‘La culture d’Arnobe dans le livre 2’), getrennt in heidnische und christliche Autoren, den geistesgeschichtlichen Hintergrund des Werks. Neben entlegenen Autoren wie dem Satiriker Lucilius und dem Atellanen-Dichter Pomponius zählen vor allem Cicero und Vergil zu seinen Gewährsmännern; mit Cicero verbindet ihn der akademische Skeptizismus. Während Arnobius im Bereich der Philosophie sowohl direkt als auch indirekt über persönliche Kenntnis vieler philosophischer Schriften (darunter Platons Politikos und Menon) verfügt (S. 121: «il ne travaille pas de seconde main»), sieht es mit seinen Kenntnissen christlicher Texte eher bescheiden aus. Die Heilige Schrift kennt er nur sehr schlecht; im gesamten Werk findet sich nur ein einziges – aus zweiter Hand stammendes – Bibelzitat. Obwohl er keinen seiner christlichen Vorgänger namentlich zitiert, machen es zahlreiche Entsprechungen sehr wahrscheinlich, dass er zumindest einige Schriften Tertullians benutzt. Im vierten Abschnitt diskutiert A.- M. die Frage, wer Arnobius’ Adressaten im 2. Buch seien. Im Mittelpunkt steht hier die ausgiebig diskutierte Frage, was hinter dem handschriftlich überlieferten a nobis quibusdam dicitur viris (15,1) steckt. A.-M. verwirft novis, die Lösung des Gelenius, und folgt bonis, der Konjektur von Orsini, die sowohl paläographisch als auch inhaltlich (vgl. 15,2: boni, iusti et recti) mehr befriedigt. Mit den boni viri zielt Arnobius nach A.-M.s Ansicht auf die Neuplatoniker um Porphyrius, «non un individu unique, amis un groupe plus large». Im fünften Abschnitt legt A.-M. ihre Editionsprinzipien vor: Nur zwei Handschriften (Paris, BNF lat. 1661, s. IX [= P] und Bruxelles, BR 10847, s. XI [= B]) überliefern den Text. B ist zwar eine direkte Kopie von P (S. 133. 246), hat aber GNOMON 1/93/2021 C. Weidmann: Armisen-Marchetti, Arnobe, Contre les Gentils 23 dennoch einen gewissen Wert für die kritische Edition, weil er den Zustand von P vor den humanistischen Korrekturen repräsentiert, die nicht immer mit letzter Sicherheit von älteren Korrekturen zu unterscheiden sind. Dennoch darf man P ohne Bedenken als Codex unicus bezeichnen. Der Text ist auf Basis der zwei Handschriften und unter Benutzung zahlreicher Arbeiten zum Text dieses schwierigen, an Archaismen reichen Autors kritisch ediert. Bei der Textkonstitution beweist A.-M. immer wieder große Umsicht und bezieht auch den Prosarhythmus in ihre Entscheidungen ein (z.B. bei der Tilgung eines se in 50,3). Leider werden nicht alle Textentscheidungen im Kommentarteil diskutiert (es fehlen z.B. Bemerkungen zu 3,1; 4,3; 28,3). Bei der großen Textumstellung in den Kapiteln 2–7 folgt die Editorin der von den bisher maßgeblichen Editionen (Reifferscheid und Marchiesi) vorgeschlagenen ökonomischen Lösung und verzichtet auf eine Diskussion anderer Vorschläge. Es wäre zu begrüßen gewesen, wenn sie auch bei der Aufnahme der Folienangaben des Codex unicus am Rand des Texts den Editionen von Reifferscheid und Marchiesi gefolgt wäre. Ebenso hätte der Conspectus siglorum (S. XLI–XLIII) einen besseren Platz unmittelbar vor dem Text gefunden; im vorliegenden Buch ist er durch die Inhaltsübersicht über das zweite Buch (S. XLV–XLVII) davon getrennt. Wie in den anderen Bänden der Belles-Lettres-Serie wird auch in diesem der Text des Arnobius vom Herausgeber unter der Ebene der Kapitel in kleinere Einheiten (Paragraphen) gegliedert, wodurch eine bessere Referenzierung aus dem Kommentarteil ermöglicht wird (für den textkritischen Apparat wäre freilich im Sinne der Eindeutigkeit eine Zeilenzählung günstiger gewesen). Mit dieser Gliederung und einigen treffenden Übersetzungen («trouvailles heureuses») folgt A.-M. einer unpublizierten Übertragung des 2. Buches durch Le Bonniec. Die Übersetzung ist gut lesbar und bietet wenig Anlass zu Kritik. Auch der ideengeschichtlich orientierte Kommentar lässt kaum Fragen offen (die textlich schwierige Stelle 24,1 hätte freilich eine Kommentierung verdient). Obwohl A.- M. viele Parallelen aus griechischen und lateinischen Apologeten (v.a. Tertullian) vorlegt, hält sie sich mit vorschnellen Rückschlüssen, Arnobius habe eine bestimmte Quelle benutzt, zurück. Klug ist die Formulierung im Kommentar zu 72,4: «nous sommes dans l’un des cas où l’histoire du symbole est si riche et si diversement ancrée dans la culture ambiante qu’il serait imprudent de ramener à une source unique une formule arnobienne qui a pu s’alimenter à des contextes multiples». In diesem Sinne wäre es, auch wenn Arnobius das Neue Testament nicht zu kennen scheint (so S. 162), an einigen Stellen angebracht gewesen, auf frappante biblische Parallelen zu verweisen, z.B.: 64,1: fons vitae (vgl. Io. 4,14) oder 73,6: qui in eius induceret veritatem (vgl. Io. 16,7). Der Band ist ein sehr gelungener Beitrag zum Verständnis des Werks des Arnobius und fügt sich hervorragend neben die anderen Bände der Belles-Lettres- Serie ein; man darf mit einiger Ungeduld der Fertigstellung dieses Kommentierungsvorhabens entgegensehen. Im Folgenden einige Detailprobleme, die den positiven Gesamteindruck nicht beeinträchtigen: 4,3: est ex duobus et A.-M.] est et ex duobus codd.; anstatt den Text umzustellen wäre für überliefertes est et die Konjektur esset zu erwägen. 5,1: id cum A.-M.] Die Einfügung stört den zweigliedrigen Gedankengang: Ita non extimescitis, ne forte haec vera sint …, nec saltem … volvitis, ne … redarguat …? GNOMON 1/93/2021 C. Weidmann: Armisen-Marchetti, Arnobe, Contre les Gentils 24 7,2: nescio quae res] Das von erster Hand in P geschriebene qua ist wohl zu halten; vgl. 1,48 (43,6): nescio qua … crudelitas; 2,46,4: nescio qua vis. 11,5: laudabiles aut non omni genere studiorum et disciplinarum paratos] Hier ist anstelle von paratos die Konjektur peritos zu erwägen (5,18 [272,6]: Tanaquil … Etruriae disciplinarum perita); dasselbe gilt möglicherweise auch für 18,2: ignarum … aut rerum experientia non paratum. 16,5: Die Abkürzung der Handschrift spū ist nicht doppeldeutig (so S. 132: «ambiguë»), sondern kann nur mit spiritu aufgelöst werden, auch wenn hier die Konjektur spiritum eher zu bevorzugen ist. 16,10: seiunctae Klussmann] sumptae codd. Im Satz postquam sunt humanis corporibus seiunctae (sc. animae) wäre, wenn man eine Konjektur für erforderlich hält, anstelle von seiunctae die Konjektur functae vorzuziehen, zumal Arnobius mehrmals das Wort functio im Sinn von Tod verwendet (s. Komm. zu 57,2); vgl. auch Tert. anim. 35,6: sed enim metempsychosis illorum revocatio est animae iam pridem morte functae. 17,2: fecimus] Der Kontext erfordert hier das Präsens facimus. 23,5: radius bezeichnet wohl nicht den Stab des Geometers, sondern wegen des buchtechnischen Kontexts neben codex und liber wohl den Stab (gewöhnlich umbilicus), über den die Papyrusrolle gewickelt wird. 32,1–2: Die traditionelle Interpunktion der Editionen verdunkelt die Periode. Den Hauptsatz zu 32,1 haec cum ita se habeant et cum … teneamus … bildet die Frage zu Beginn von 32,2: quid est quod a vobis … iudicemur …? Dadurch wird auch die im Kommentarteil vorgebrachte Gleichung von summus auctor mit Christus klarer. Ebenso ist wohl auch in 33,1 zu interpungieren: mortis nobis cum proponatur metus …, quid non ex commodi facimus sensu …? Derart überlange Perioden sind bei Arnobius keine Seltenheit; vergleichbar ist der Abschnitt 2,60, der den vorbereitenden Nebensatz zu 2,61 (quid est …) bildet. 33,1: extat Marc. post Kistner] est ut P – Wie in 32,1 (si modo temptent ac meditentur … tum deinde … resumant) ist auch hier ein Konjunktiv, also extet, zu bevorzugen. 34,2: Die Verwechslung der platonischen Dialoge Phaedrus und Phaedon ist aus paläographischer Perspektive nicht schwierig (anders A.-M. S. 167). 37,4 redire] Nach addi empfiehlt sich hier die Konjektur reddi. 39,2: Zu mente aliud volvere aliud in facie polliceri wäre ein Verweis auf die klassische Definition des dolus malus bei Cicero, top. 40 und off. 3,14,60 angebracht. 54,4: puncta per singula Salm.] cuncta per singula codd. – Hier bietet sich die Konjektur cuncta per saecula an; vgl. 55,1: cum omnibus saeculis. 56,4: natum (2x)] An beiden Stellen spricht die Überlieferung für das archaische gnatum, das Arnobius auch sonst öfters verwendet. 59,2: imbres vel nives] inbresvae nives P – Stilistisch und paläographisch näher liegt die Konjektur imbresve nivesve. 59,7: aliquid si posse censetis – Nach si ist wohl ein Infinitiv wie cognosci zu ergänzen. 65,3: inania Vrs.] in alia codd. – Paläographisch und sachlich näher liegt die Konjektur anilia. 70,3: fuere Sab.] fuisse codd. – Es empfiehlt sich die Konjektur fuissent. 73,4: aliquando – Nach post autem empfiehlt sich die Konjektur aliquanto. 73,5: nesciebamus edd.] desciebamus codd. – Möglicherweise liegt dem überlieferten Text descieramus oder discebamus zugrunde. 77,2 materiam codd. edd.] Der Kontext neben tectum, parietem, ianuas spricht für die Konjektur maceriam (Mauer). Zur Übersetzung ist anzumerken, dass 21,2 datum quieti linquat («qu’elle le laisse dormire») eher im Sinn von ‘in Ruhe lassen’ zu übersetzen wäre, und in 29,2 accidere eine Übersetzung mit «éradiquer» nicht stützt (möglicherweise liegt der Übersetzung eine verworfene Konjektur excidere oder occidere zugrunde). Salzburg Clemens Weidmann GNOMON 1/93/2021

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Abstract

As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

The GNOMON is published in eight issues a year.

Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.