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Jochen Griesbach, Cristina Murer: Stadtraum und Bürgerin. Aufstellungsorte kaiserzeitlicher Ehrenstatuen in Italien und Nordafrika. in:

Gnomon, page 539 - 543

GNO, Volume 91 (2019), Issue 6, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417-2019-6-539

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C.H.BECK, München
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Th. M. Weber-Karyotakis: Oren/Weiss (Edd.), Expressions of Cult 539 als deren sechster Band das vorliegende Sammelwerk erschienen ist, darf man zusammen mit den Autoren zu dieser Bereicherung der Kenntnis der Archäologie und Religionsgeschichte Palästinas gratulieren. Amman Thomas M. Weber-Karyotakis * Cristina Murer: Stadtraum und Bürgerin. Aufstellungsorte kaiserzeitlicher Ehrenstatuen in Italien und Nordafrika. Berlin/Boston: de Gruyter 2017. VIII, 302 S. 49 Abb. 32 Taf. 4°. (Urban Spaces. 5.) 119,95 €. Die an der Universität Amsterdam eingereichte Dissertation der Verf. lässt sich in die vielfältigen Bemühungen der jüngeren Forschung zum antiken Porträt einreihen, der einstigen Funktion und Bedeutung der Bildnisse vermehrt über die Erschließung ihrer räumlichen und sozialen Kontexte näherzukommen. Zugleich bewegt sie sich mit ihrer Konzentration auf Standbilder von Frauen an der Schnittstelle zu den historischen Gender Studies und ergänzt damit grundlegende archäologische Arbeiten der letzten 20 Jahre auf diesem Gebiet.1 Mit der Frage nach der spezifischen statuarischen Repräsentation römischer Bürgerinnen – in Abgrenzung zu derjenigen männlicher Bürger und des Kaiserhauses – verfolgt Verf. einen Beitrag dazu, weibliche Beteiligung am öffentlichen Leben genauer bestimmen zu können. Zur repräsentativen Klärung der Verhältnisse im Westen des Römischen Reiches konzentriert sie sich aus Gründen der Quellenlage auf Italien (außer Rom)2 und Nordafrika, indem sie wenige Städte mit reicheren Befunden (Pompeji, Tusculum, Herculaneum, Ostia; Leptis Magna, Bulla Regia) als Fallstudien herausgreift und einzelne Belege aus weiteren Städten in den Zusammenfassungen der jeweiligen Kapitel (3 und 4) ergänzend heranzieht. Der zeitliche Rahmen ergibt sich ebenfalls aus der Überlieferung zur Aufstellungspraxis, da sich die Hinweise auf Ehrenstatuen für römische Bürgerinnen im Westen erst in augusteischer Zeit verdichten und spätestens ab dem frühen 4. Jh. n. Chr. ein Ende finden.3 Bei der inhaltlichen Definition von Ehrenstatuen möchte sich Verf. aus plausiblen Gründen nicht festlegen: Zwar seien im engeren Sinne ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Siehe z.B. J. Lenaghan, ‘Portrait Statues of Women in the Roman World’ (PhD New York University 1998); C. Eule, ‘Hellenistische Bürgerinnen aus Kleinasien. Weibliche Gewandstatuen in ihrem antiken Kontext’ (Istanbul 2000); A. Alexandridis, ‘Die Frauen des römischen Kaiserhauses. Eine Untersuchung ihrer bildlichen Darstellung von Livia bis Iulia Domna’ (Mainz 2004); S. Dillon, ‘The Female Portrait Statue in the Greek World’ (New York 2010); s. allg. J. Fejfer, ‘Roman Portraits in Context’ (Berlin 2008) bes. 331– 369. 2 Rom bleibt vor allem aufgrund der weitgehenden Monopolstellung des Kaiserhauses und der Vestalinnen, die erst in der Spätantike nachlässt, ausgenommen (s. S. 4 Anm. 31). Zu den Vestalinnen s. N. Mekacher, ‘Die vestalischen Jungfrauen in der römischen Kaiserzeit’ (Wiesbaden 2006). 3 Mögliche Ausreißer bilden einerseits umstrittene frühe Bildnisse wie die (postume?) Statue für Cornelia, die Mutter der Gracchen, in der Porticus Metelli/Octaviae (zu dieser und weiteren s. M. Papini, ‘Antichi volti della repubblica’ [Rom 2004] 171–175. 386–395) sowie andererseits – in eingeschränktem Maße – die spätantiken Porträts in den Domus des stadtrömischen Senatsadels: H. Niquet, ‘Monumenta virtutum titulique. Senatorische Selbstdarstellung im spätantiken Rom im Spiegel der epigraphischen Denkmäler’ (Stuttgart 2000) 189–198. GNOMON 6/91/2019 J. Griesbach: Murer, Stadtraum und Bürgerin 540 nur die vom Stadtrat verliehenen Standbilder als solche aufzufassen (S. 16f), die Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Ehrungen dieser Art jedoch in räumlicher (S. 12f) und ikonographischer (S. 15) Hinsicht eher fließend.1 Entsprechend werden stets auch private Stiftungen (z.B. Nr. 18: Statue der Fundilia im Diana-Heiligtum von Nemi) und die vermeintlich privaten Kontexte von Grab- und Wohnbauten in die Betrachtung einbezogen. Die ausschlaggebende Materialbasis der Untersuchung bildet ein Katalog mit Photographien, der alle nachweislichen Ehrenstatuen enthalten soll, deren ursprüngliche Aufstellungsorte bestimmbar sind (S. 150–215 Nr. 1–32),2 und ferner ein umfangreicher Appendix (S. 219–243 Nr. A1–A157), der in unterschiedlicher Vollständigkeit zusätzliches Quellenmaterial (heterogenen Aussagewerts) aus den genannten Gebieten unter Angabe der wichtigsten Daten auflistet. Tabellarische Übersichten im Text (1–4) und im Anhang (5.1–5.3, 6.1–6.7) erleichtern den Überblick über die chronologische und geographische Verteilung, das Typenrepertoire und die Aufstellungskontexte der Statuen. Nach der ausführlichen Erörterung der Voraussetzungen und Ziele der Arbeit geht Verf. in einem kurzen Kapitel (2) auf die Frage ein, inwieweit die Ehrenstatuen für Bürgerinnen im Westen an griechische Gepflogenheiten anknüpften. Eine unmittelbare Berührung scheint zunächst schon dadurch gegeben, dass bereits in der ersten Hälfte des 1. Jh. v. Chr. Römerinnen im Osten eigene Ehrenstatuen erhielten, allerdings lediglich als Angehörige von römischen Promagistraten bzw. Patronen, deren Auszeichnung dadurch an Substanz gewann. Die (wiederverwendeten) Standbilder der Baebia und der Saufeia aus Magnesia am Mäander weisen dabei die konventionell idealisierten Züge griechischer Frauenbildnisse auf. Obwohl Familiengruppen wie etwa die der Ciceronen aus dem Hera-Heiligtum auf Samos ab der zweiten Hälfte des 1. Jh. v. Chr. auch in Italien (Cartoceto) zu greifen sind, erkennt Verf. dennoch keine nahtlose Übernahme der Praxis. Vielmehr betont sie, dass erst der Vorbildcharakter von weiblichen Mitgliedern des Kaiserhauses dafür gesorgt habe, dass sich die Sitte von öffentlichen (Bau-)Stiftungen und deren statuarischer Anerkennung als Gegenleistung auch bei den römischen Bürgerinnen etablierte. Frühestes Beispiel sei Mineia M. f., Frau des Senators C. Cocceius Flaccus, die anlässlich der von ihr finanzierten Renovierung der Basilika von Paestum auch die Aufstellung einer eigenen Bildnisstatue veranlasst hat, allerdings innerhalb einer auf einzelne Nischen verteilten Familiengruppe. Die Frage nach den Impulsen aus dem Osten (und umgekehrt) verdiente aus sozialgeschichtlicher Sicht tatsächlich mehr Aufmerksamkeit, da Verf. selbst einräumt (S. 136), dass eine dahingehende Rezeption bereits in den früher einsetzenden Grabstatuen zu fassen sei und sich die Gestaltung der Statuenkörper nachhaltig an den in Spätklassik und Hellenismus entwickelten Model- ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Vgl. die analoge Diskussion zu griechischen Ehrenstatuen: J. Griesbach, ‘Zur Einführung: Porträts als Kommunikationsmittel in der hellenistischen Polis’, in: J. Griesbach (Hrsg.), ‘Polis und Porträt’ (Wiesbaden 2014) 15f. 2 Ein gewisses Problem besteht jedoch darin, dass für 19 der 32 Statuen keine Inschriften vorliegen, daher Benennung und Auftraggeber im Ungewissen bleiben; zudem ist auch der Fundort der Statuen nicht immer genau bekannt (s. Nr. 6, 8–10, 16–17). Die zugeordneten Statuenbasen sind gelegentlich abgebildet, wurden aber keiner eingehenden Autopsie unterzogen (vgl. S. 148 Anm. 1035). GNOMON 6/91/2019 J. Griesbach: Murer, Stadtraum und Bürgerin 541 len von Gewanddrapierung und Haltungsschemata orientierte. Abgesehen von wenigen Neuschöpfungen unter den in der frühen Kaiserzeit gebräuchlichen Statuentypen bestünde das Innovative der römischen Frauenporträts in der stärkeren Individualisierung der Gesichtszüge und der Übernahme von Modefrisuren, wie sie von den Frauen des Kaiserhauses vorgeführt wurden.1 Hier gelangt Verf. zu einem überraschenden Ergebnis: Die veristische Differenzierung der Gesichter sei ein Phänomen, das vor allem mit der Scheidung von Altersgruppen und Verwandtschaftsgraden innerhalb von Familiendenkmälern in Zusammenhang stehe.2 Bei den isoliert aufgestellten Ehrenstatuen von Bürgerinnen sei hingegen auf idealisierende Merkmale Wert gelegt worden, um diese als zur Identifikation geeignete Projektionsflächen möglichst vorbildhaft erscheinen zu lassen. Die Beobachtung ist allerdings mit Vorsicht zu behandeln, fehlen doch bei ca. 20% der Statuen im Katalog die Köpfe und wird die Präsenz der beiden typenbezeichnenden, idealisiert aufgefassten Standbilder im Theater von Herculaneum gerade damit zu erklären versucht, dass sie Angehörige von namhaften, statuarisch ebenfalls im Theater präsenten Wohltätern der Stadt seien.3 Geringere Aussagekraft wird den Statuentypen beigemessen, da sie weitgehend kontextunabhängig und über die Jahrhunderte relativ unverändert eingesetzt wurden. Abgesehen von gewissen lokalen Vorlieben – in Leptis Magna stechen sieben Wiederholungen der Großen Herkulanerin hervor, die Verf. auf besondere Kontakte zum Osten zurückführt – ist lediglich eine Standardisierung der Typen im 2. Jh. n. Chr. festzustellen, die mit einer generell deutlich steigenden Anzahl weiblicher Ehrenstatuen einhergeht. Da Verf. der spätantiken Praxis umfassender Translozierungen von Standbildern als ornamenta urbis erhöhte Aufmerksamkeit widmet, kann sie das Aufkommen theomorpher Statuen in flavischer Zeit als ein eigentümliches Phänomen der sepulkralen Sphäre ausklammern, das sich weitgehend hinter den verschlossenen Türen tempelartiger Grabbauten abspielte; solche Bildnisse wurden erst in Zweitverwendung in den städtischen Raum überführt. In der Analyse der Aufstellungsorte kommt Verf. zu dem Ergebnis, dass Ehrenstatuen von Bürgerinnen zwar weitaus seltener sind als ihre männlichen Pendants, aber ebenso in allen Kontexten (z. B. macella, Theater, Kultbauten, Thermen, Wohnhäuser) vorkommen können, selbst auf den Fora. In der frühen Kaiserzeit begegnen sie in den Innengebäuden an den Rändern der zentralen Platzanlagen, vorzugsweise in Basiliken, und hängen besonders häufig mit Baustiftungen zusammen. Erst im 2. Jh. n. Chr. sind solche Ehrenstatuen auch auf den Fora ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Spätestens mit den Bildnissen Kleopatras VII. treten dann auch individuellere Züge bei Frauenporträts aus dem Osten auf, wobei nicht hinreichend geklärt ist, inwieweit es sich um Einflüsse aus Italien handelt: s. z.B. F. Queyrel, ‘Die Ikonographie Kleopatras VII.’, in: ‘Kleopatra und die Caesaren. Ausstellungskatalog Hamburg’ (München 2006) 158–163; C. Vorster, ‘Die römischen Porträts der Kleopatra’, BJb 213, 2013, 51–74. 2 Möglicherweise wurde so einem ‘Manko’ griechischer Familiengruppen abgeholfen. Eine eingehende Behandlung des Themas steht noch aus: s. bis dato vor allem C. Löhr, ‘Griechische Familienweihungen. Untersuchungen einer Repräsentationsform von ihren Anfängen bis zum Ende des 4. Jhs. v. Chr.’ (Rahden/Westf. 2000); J. Ma, ‘Statues and Cities. Honorific Portraits and Civic Identity in the Hellenistic World’ (Oxford 2013) 155–239. 3 Ferner gibt es auch Einzelstatuen mit individuellen bzw. nicht idealisierten Gesichtern: Nr. 15 (Ostia) und 25 (Taormina). GNOMON 6/91/2019 J. Griesbach: Murer, Stadtraum und Bürgerin 542 selbst anzutreffen, wobei in den nordafrikanischen Provinzen dort tendenziell eher weibliche Angehörige der Reichsaristokratie in Erscheinung treten als Bürgerinnen aus den rein lokalen Eliten.1 Deren Statuen stünden hingegen häufiger im Zusammenhang mit Kultbauten, nicht zuletzt aufgrund der Ausübung öffentlicher Priesterämter und damit einhergehender Stiftungen – insbesondere im Rahmen des Kaiserkults –, und versuchten auf diese Weise, den Statusunterschied zu den Damen der Reichsaristokratie wettzumachen. Freilich wäre hier klarer hervorzuheben, dass auch letztere in der Regel zu am Ort ansässigen bzw. verwurzelten Familien zu zählen sind.2 In sozialgeschichtlicher Hinsicht kann der selbstbestimmte Einsatz von (geerbtem) Vermögen zugunsten der Öffentlichkeit als wichtigster Grund für die statuarischen Ehrungen von Bürgerinnen ausgemacht werden (Kap. 5.4); das begreift häufig die Ausübung bedeutsamer Priesterämter mit ein. Oft scheinen aber auch nur die engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu bedeutenden männlichen Magistraten ausschlaggebend gewesen zu sein, die ggf. ihre eigenen Meriten in die Ehreninschriften einfließen ließen. So hängt das klare quantitative Missverhältnis zu den männlichen Empfängern von Ehrenstatuen letztlich vor allem mit dem fehlenden Zugang zu politischen Ämtern zusammen. Angesichts dessen, dass Familiengruppen die Überlieferung deutlich dominieren, entsteht so am Ende des Buches der Eindruck, die weiblichen Angehörigen der städtischen Eliten seien nur selten über eine Wahrnehmung als ‘Anhängsel’ ihrer männlichen Verwandten hinausgelangt. Dagegen wäre umgekehrt eher der Umstand hervorzuheben und zu erklären, dass römische Frauen auch ohne eigene (bemerkenswerte) Verdienste öffentlicher Relevanz in den ‘Stadträumen’ der Kaiserzeit zum festen Repertoire bürgerlicher Repräsentation avanciert sind. Wenn ein römischer Ritter wie L. Clodius Pollio, Patron von Brundisium, dafür Sorge trägt, dass die Erinnerung an seine frühzeitig verstorbene Tochter (cuius incrementa etiam supra aetatem florentia inter ornamenta municipi n(ostri) sperabantur) an einem möglichst belebten Ort der Stadt in Form eines Bildnisses (Nr. 22) bewahrt wird, dann erschöpft sich der Sinngehalt seines Vorgehens wohl kaum darin, sich bei dieser Gelegenheit selbst in den Vordergrund spielen zu können; signifikant erscheint hier vielmehr die Vermengung von privaten und öffentlichen Belangen. Bezeichnenderweise bleibt eine Erklärung für die deutliche Zunahme von weiblichen Ehrenstatuen im 2. Jh. n. Chr. letztlich (Kap. 5.4 und 6) aus. Mit ihrem Buch leistet Verf. einen wertvollen, weil weiterführenden Beitrag zum Verständnis der bürgerlichen Repräsentation von Frauen im Westen des Römischen Reiches. Während es jedoch einerseits bei der Auslegung der Befunde gelegentlich zu recht vorschnellen Einordnungen und Verallgemeinerungen ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Ob mit der Zunahme an Ehrenstatuen ein allgemeiner Verlust des politischen Prestigewerts dieser Platzanlagen (in Italien) einherging, wie Verf. (S. 140) in Berufung auf ältere Thesen Paul Zankers vermutet, wäre erst noch nachzuweisen; die Entwicklung der Fora zu Plätzen vornehmlich kaiserlicher Repräsentation spricht zumindest nicht für ein abnehmendes Prestige: vgl. jüngst P. Zanker, ‘Die römische Stadt. Eine kurze Geschichte’ (München 2014) 66–68. 104–107. 2 Das gilt für Italien genauso wie für Nordafrika: s. z.B. A. M. Andermahr, ‘Totus in praediis’ (Bonn 1998) 13 Anm. 4 zum Engagement des M. Nonius Balbus in Herculaneum. GNOMON 6/91/2019 J. Griesbach: Murer, Stadtraum und Bürgerin 543 kommt, wäre andererseits eine tiefergehende historische Reflexion dahingehend wünschenswert gewesen, welche Rückschlüsse der Wandel in der Aufstellungspraxis auf die römische Gesellschaft und ihre Wertvorstellungen zulässt. So bleibt zu hoffen, dass die vorliegende Arbeit zu weiteren Studien auf diesem Gebiet ermuntert. Würzburg Jochen Griesbach * Christoph Hinker: Ein Brandhorizont aus der Zeit der Markomannenkriege im südostnorischen Munizipium Flavia Solva. Mit Beiträgen von Günter Christandl und Ursula Schachinger. Wien: Österreichisches Archäologisches Institut 2014. 341 S. 38 Abb. 52 Taf. 4°. (Zentraleuropäische Archäologie. 4.). Anders als etwa der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie stehen der Provinzialrömischen Archäologie zahlreiche schriftliche Quellen zur Verfügung, die auch für die Grenzprovinzen des Imperium Romanum eine Rekonstruktion der Ereignisgeschichte ermöglichen. Aus der Verknüpfung dieser historischen Quellen mit archäologischen Befunden – unterstützt durch numismatische, epigraphische und naturwissenschaftliche Analysen – hat die Forschung sogenannte ‘fest datierte Plätze’ definiert. Dazu zählen traditionell beispielsweise die augusteischen Fundplätze entlang der Lippe, im Zusammenhang mit der Bataverrevolte, den Thronwirren des Vierkaiserjahres oder beim Boudicca-Aufstand zerstörte Siedlungen, agricolazeitliche Feldlager in Britannien, die vom Vesuvausbruch 79 n. Chr. zerstörten Städte und Villen oder das 256 n. Chr. von den Sassaniden eroberte Dura Europos am Euphrat. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, Fundspektren zeitlich zu differenzieren und aufzuschlüsseln, worauf u.a. auch das Chronologiegerüst für sämtliche Kleinfundgattungen, z.B. Keramikgefäße (insbesondere Terra Sigillata), Glas- und Bronzegefäße, Fibeln oder Militaria, basiert. Diese Methodik stellt somit gewissermaßen eine Kernkompetenz des Fachs Provinzialrömische Archäologie dar und sollte daher einer ständigen kritischen Prüfung unterzogen werden. Vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Verknüpfung eines konkreten archäologischen Befundes mit einem historischen Ereignis kritisch zu beleuchten. Im Mittelpunkt steht eine Brandschuttschicht in Insula XLI in Flavia Solva bei Wagna in der heutigen Südsteiermark, die in der Forschung mit einem historisch belegten germanischen Einfall bis Oberitalien im Zuge der Markomannenkriege in Verbindung gebracht wurde. Der Leiter der Ausgrabungen, Stefan Groh, legte bereits 1996 Funde und Befunde der Grabungen in Insula XLI in seiner Dissertation vor, wobei er sich angesichts der Materialmenge auf ausgewählte Fundobjekte beschränkte.1 Zur vollständigen Vorlage der Funde und Befunde aus der Brandschuttschicht initiierte Groh am Österreichischen Archäologischen Institut ein von 2010 bis 2012 laufendes Forschungsprojekt, dessen Resultate in vorliegender Arbeit präsentiert werden. ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 St. Groh, ‘Die Insula XLI von Flavia Solva. Ergebnisse der Grabungen 1959 und 1989 bis 1992’. Sonderschr. ÖAI 28 (Wien 1996). GNOMON 6/91/2019

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As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

The GNOMON is published in eight issues a year.

Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.