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Moritz Hinsch, Katarina Nebelin: Philosophie und Aristokratie. Die Autonomisierung der Philosophievon den Vorsokratikern bis Platon. in:

Gnomon, page 488 - 492

GNO, Volume 91 (2019), Issue 6, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417-2019-6-488

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C.H.BECK, München
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D. Cairns: Petrovic/Petrovic, Inner Puritiy and Pollution in Greek Religion 488 The authors have substantiated their claim (pp. 9–10, 263) that there are some signs at earlier periods of phenomena, to be discussed in vol. 2, whose attestation increases from the fourth century BC. Their best examples of this, i.e. of inner purity as a requirement for participation in ritual, are Hes. Op. 740 (pp. 41–52); E. Hipp. 73–7 (pp. 190–7), Or. 1604 (pp. 217–18), Ba. 72–7 (p. 238); Ar. Ran. 355 (pp. 241–5); Orphicorum Fragmenta 488–91 Bernabé (pp. 249–62). They recognize that their discussions of Pythagoras and Heraclitus (pp. 55–66, 67–77 resp.), albeit suggestive, are speculative. The fragments of Empedocles (pp. 78–100) certainly present the notion of inner pollution, but in ways that the authors themselves regard as idiosyncratic. The positive evidence for the book’s central claim that inner purity is, at these earlier periods, a prerequisite for ritual efficacy is thus not extensive. The authors argue that, even where the evidence derives from idiosyncratic sources (such as Empedocles), it testifies to wider tendencies (p. 297), yet they occasionally use forms of words which suggest that some of the evidence that they regard as most persuasive is new, striking, or atypical.1 The argument that the scarcity of evidence at earlier periods for inner purity as a ritual requirement need not mean that the profusion of later attestations betokens discontinuity is attractive enough, but the comparatively meagre evidence is buried in discussions which do not, given the elasticity of the authors’ criteria, bear directly on the book’s central claim. Yet the wider phenomena that they canvass do at least suggest a climate in which ideas of inner purity might have been more widely distributed. A full discussion of these wider phenomena – i.e. of the importance of character and motivation in popular Greek religious ethics – needs a different book with a clearer conception of its remit. Edinburgh Douglas Cairns * Katarina Nebelin: Philosophie und Aristokratie. Die Autonomisierung der Philosophie von den Vorsokratikern bis Platon. Stuttgart: Steiner 2016. 424 S. (Hermes. Einzelschriften. 109.) 66 €. N. geht in der überarbeiteten Fassung ihrer 2011 von der TU Dresden angenommenen Dissertation der Frage nach, wie es in der griechischen Antike «und damit erstmals in der europäischen Geistesgeschichte» dazu kam, dass zwischen der Liebe zur Weisheit (φιλοσοφία) und Vortrefflichkeit (ἀρετή) ein «direkter Zusammenhang» behauptet wurde (S. 12). N.s Frage verknüpft zwei Forschungsstränge: einen traditionsreichen zur frühgriechischen Geistesgeschichte und einen gerade in jüngerer Zeit wieder vermehrt aufgegriffenen zu den Besonderheiten der archaischen Adelskultur und der Institutionalisierung der Polis. Eine ähnliche Fragestellung hat zuletzt Tanja Itgenshorst 2014 monographisch für die archaische Zeit behandelt.2 N. beschränkt sich anders als Itgenshorst auf die ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 See e.g. pp. 197–8, 204, 206–7, 238, 295. On p. 206, they observe that «Hippolytus’ reply [ἡ γλῶσσ᾽ ὀμώμοχ᾽, ἡ δὲ φρὴν ἀνώμοτος, E. Hipp. 612] … apparently created a furore among ancient audiences». But why should it have, if it was widely accepted that what really mattered in ritual action was the mental state and inner motivation of the agent? 2 T. Itgenshorst, ‘Denker und Gemeinschaft. Polis und politisches Denken im archaischen Griechenland’, Paderborn 2014. GNOMON 6/91/2019 M. Hinsch: Nebelin, Philosophie und Aristokratie 489 ‘Denker’ im herkömmlichen Sinn und geht dafür zeitlich weiter. Die Untersuchung endet mit der «platonische[n] Grenzziehung» (nach einem Wort von Michel Foucault, S. 312) im 4. Jh. Darunter versteht N. Platons erfolgreiche Durchsetzung seines strengen Begriffs von Philosophie als «das theoretischintellektuelle Streben nach einer transzendenten Wahrheit» gegenüber Isokrates’ Verständnis als «praktische Lebensklugheit» (S. 316). Mit dieser Grenzziehung habe eine geistesgeschichtliche Entwicklung ihren Abschluss gefunden, die N. unter den Schlagwörtern «Autonomisierung», «Disziplinierung» und «Institutionalisierung» zusammenfasst (S. 17). Die wissenssoziologische Bedeutung dieser Schlagwörter erläutert N. in einer Einleitung, die das erste von fünf Oberkapiteln ist. Mit Foucault versteht N. unter ‘Disziplinierung’ die «Reglementierung, Regulierung und Begrenzung des philosophischen Diskurses», wobei diese Regeln sowohl das wie der Äußerungen bestimmen als auch das wer, also die Festlegung der Teilnehmer am Diskurs. Mit Pierre Bourdieu versteht N. diesen Vorgang als Abgrenzung der Philosophie als ein gesellschaftliches Feld, auf dem die Konkurrenz der Akteure um dominante Positionen nach internen, autonomen Regeln erfolgt (S. 17–19). Mit Bourdieu betont sie weiter, dass diese Autonomie nur relativ sei: Gesellschaftliche Voraussetzungen, wie der ökonomisch bedingt beschränkte Zugang zum Feld, müssen in der historischen Analyse berücksichtigt werden, doch das feldinterne Handeln lässt sich auf solche Voraussetzungen nicht reduzieren (S. 19 f). Das zweite Kapitel widmet sich den Vorsokratikern. Zu Beginn umreißt N. die vier gesellschaftlichen Voraussetzungen, mit denen sie die Autonomisierung der Philosophie erklärt (S. 27–36). Zentral ist das Konzept einer archaischen «Adelskultur», das in drei Einzelfaktoren untergliedert wird: erstens der strukturell prekäre Status einzelner «Aristokraten», der einen distinktiven, «aristokratischen Lebensstil» bei gleichzeitig hoher sozialer Mobilität zur Folge hatte; zweitens die für diesen Lebensstil konstitutive «kompetitive Grundhaltung», die mit Jacob Burckhardt als «das Agonale» apostrophiert wird; drittens die geringe Kohäsion der Oberschicht, die verhinderte, dass sich die Institutionalisierung der Polis als Konsolidierung einer Adelsherrschaft vollzog und stattdessen zur «Herausbildung einer relativ autonomen politischen Ebene» führte (S. 32). Auch der vierte Faktor, «die fehlende Autonomie des religiösen Feldes», leitet sich mittelbar aus den Faktoren Konkurrenz, Mobilität und fehlender Machtkonsolidierung ab, weil diese die Ausbildung einer autoritativen Theologie und Priesterschaft verhindert hätten (S. 35 f). Das anschließend gezeichnete Bild der vorsokratischen Philosophie entspricht diesem Modell. Das intellektuelle Feld war offen, feldspezifische Rollen und Regeln waren noch nicht klar definiert. Das Sozialprofil der Denker war so vielfältig wie die Begründungen ihres Wahrheitsanspruchs. Obwohl sie selbst aus der Oberschicht ihrer Heimatstädte stammten, nahmen einige von ihnen bewusst eine Außenseiterrolle ein, was wegen der allgemeinen sozialen Instabilität und Mobilität möglich gewesen sei (S. 49–64). Mit ihrem individuell exklusiven Wahrheitsanspruch und ihrer bloß abwertenden Bezugnahme auf andere Denker trieben die Vorsokratiker das adlige Prinzip des Agonalen sogar auf die Spitze und führten es damit ad absurdum – ein Bester macht noch keine Elite (S. 162). Daher trug das vorsokratische Denken typische Züge eines elitären Diskurses, ohne ein einheitliches Elitenkonzept zu entwickeln. Die Vorsokratiker benutzten freilich eine Reihe von Denkfiguren, die der ‘aristokratischen Ideologie’ entsprachen resp. diese zum Ausdruck brachten, wie etwa die Dichotomie der wenigen ‘Guten’ und vielen ‘Schlechten’, GNOMON 6/91/2019 M. Hinsch: Nebelin, Philosophie und Aristokratie 490 einen exklusiven Anspruch auf überlegenes Wissen und die potentiell gegen Aufsteiger gerichtete Ablehnung von materiellem Reichtum bar standesgemäßer Bildung (S. 142–190). Mit ihrer Verabsolutierung der Weisheit standen die Vorsokratiker allerdings zugleich im Widerspruch zur «aristokratischen Ideologie» und stellten der etablierten Elite sogar «den Entwurf einer intellektuellen Gegenelite» gegenüber (S. 162). Das dritte Kapitel widmet sich den Sophisten. Ihr Auftreten wird mit der Demokratisierung der städtischen Gemeinwesen begründet, die in zweifacher Weise die Nachfrage nach gehobener Bildung gesteigert habe. Die Autonomisierung der Politik erforderte die Beherrschung neuer Führungstechniken, insbesondere der Redekunst. Angesichts der Aufhebung institutionell verankerter Rangunterschiede gewann Bildung als Mittel der sozialen Distinktion zusätzliche Bedeutung (S. 197–206). In diesem Umfeld gesteigerter Elitenkonkurrenz etablierten sich die Sophisten als professionelle Wissensvermittler (S. 208 f). Diese spezialisierte Rolle und das Bemühen um rein argumentative Mittel der Wahrheitsfindung beförderten die Autonomisierung des intellektuellen Feldes, wobei allerdings der Verzicht auf einen absoluten Wahrheitsbegriff ein Zugeständnis an das breitere Publikum war (S. 239–247). N. widerspricht der Annahme, dass das sophistische Postulat der grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen eine emanzipative oder demokratiefreundliche Haltung zum Ausdruck bringe. Die Sophisten entwarfen vielmehr das Konzept einer ökonomisch abkömmlichen und kultivierten Leistungselite, das gut zu ihren überwiegend aus etablierten Familien stammenden Schülern passte (S. 260 f, 274–277). Das vierte Hauptkapitel ist mit ‘Ausblick’ überschrieben und formuliert relativ knapp die These einer platonischen Grenzziehung. N. benennt drei Merkmale des Abschlusses der Autonomisierung der Philosophie durch Platon: erstens die Durchsetzung von φιλοσοφία als ‘Kampfbegriff’ (Reinhart Koselleck), zweitens die «Institutionalisierung philosophierender Freundeskreise» in Form der Akademie und drittens die Verehrung von Sokrates als charismatischem ‘Gründungsheros’ (S. 315–333). Während Isokrates’ Elitenkonzeption letztlich auf eine «demokratisch verbrämte[…] Elitenherrschaft» hinausgelaufen sei (S. 337), habe Platon die revolutionäre Utopie einer «Geistesaristokratie» entworfen und damit auch inhaltlich die Abgrenzung der Philosophie zur realen Politik vollzogen (S. 346–355). Gleichwohl, so betont N. mit dem letzten Satz ihres Fazits, das das abschließende fünfte Kapitel bildet, habe die Philosophie auch in ihrer platonischen Prägung in der gesamten Antike nie aufgehört, eine «Domäne der Privilegierten» und damit «ein aristokratischer und elitärer Diskurs» zu sein (S. 364). N.s Untersuchung bietet eine strukturgeschichtlich verankerte Geistesgeschichte, welche die kritische Auseinandersetzung mit modernen und antiken Theorien mit umfassender Belesenheit verbindet. Eine Abhandlung solchen Anspruchs bietet sich naturgemäß zu Kritik grundlegenderer Art an, die hier in drei Punkten zusammengefasst werden soll. N. belegt die Hypothese von der Disziplinierung des Diskurses, bei dem Methode und Rolle des Philosophen zunehmend Konturen gewannen, überzeugend. Fraglich erscheint allerdings, wie gewinnbringend die Charakterisierung dieses Prozesses als «Autonomisierung» eines institutionalisierten Feldes im Sinne von Bourdieus Feldtheorie ist. Zum einen wäre zu fragen, ob N.s Betonung der argumentativen Wahrheitssuche nicht eher zu Bourdieus ‘wissenschaftlichem Feld’ gehören würde, zumal sich auf seinem intellektuellen Feld auch Literaten und GNOMON 6/91/2019 M. Hinsch: Nebelin, Philosophie und Aristokratie 491 Künstler tummeln.1 Theoretisch entscheidender ist jedoch, dass Bourdieus Feldtheorie (genau wie vergleichbare Theorien der gesellschaftlichen Arbeitsteilung) die moderne, funktional differenzierte Gesellschaft zur Grundlage hat, in der jeder Teilbereich (Wirtschaft, Recht, Religion usw.) relativ autonom ist,2 wovon N. jedoch mit gutem Grund für das antike Griechenland gerade nicht ausgeht. Empirisch ließe sich einwenden, dass die antiken Philosophenschulen im Vergleich etwa zu den mittelalterlichen Universitäten ihre Einheit mehr durch persönliche Verbindungen (wie N. selbst andeutet, vgl. S. 327 f) und Leitideen gewannen als durch verbindliche Statuten, Titel und Insignien, kurzum Dinge, die gemeinhin als Zeichen von Institutionalisierung gelten. In N.s Schilderung von Platons Rückzug in die Akademie als Ort der Philosophie (S. 318–333) bleiben schließlich dessen wiederholte Versuche, am Hof der Tyrannen von Syrakus Fuß zu fassen, unerwähnt, obwohl diese Episoden Platons selbstinszenierte Weltabgewandtheit in ein anderes, trüberes Licht tauchen. N.s Erklärung, dass Instabilität, Mobilität und Konkurrenz die Entwicklung einer eigenständigen rationalen Wahrheitssuche beförderten, überzeugt. Diese Erklärung wird jedoch historisch kaum differenziert. Den Versuch, das Aufkommen der Philosophie ausgerechnet in Ionien und Magna Graecia durch die dortigen sozialen und kulturellen Bedingungen zu erklären, lehnt N. ab (S. 147, Anm. 23). Dabei wäre es vielversprechend gewesen, den Einfluss regionaler Bedingungen (Umwälzungen durch Eroberung, Kulturkontakt, Reichtum durch Handel, Beginn der Münzprägung, Aufkommen mächtiger Tyrannen) auf die intellektuelle Entwicklung zu untersuchen, zumal Forschungsansätze dazu vorhanden sind.3 Methodisch ist schließlich die leichtfertige Quellenkritik zu bemängeln. N. stützt ihre Interpretation wesentlich auf die vor allem von Diogenes Laertios überlieferten Testimonien. Sie problematisiert diese Überlieferungslage zwar unter dem Titel ‘Probleme der antiken Biographik’ (S. 55–59) ganz allgemein, akzeptiert aber in der Einzelanalyse nahezu jedes Zeugnis, das einem intern stimmigen Bild der Vorsokratiker entspricht (vgl. beispielhaft zu Pythagoras, S. 165). Das entscheidende Problem ist nicht, dass nicht einige von Diogenes’ Quellen (mittelbar) bis in das 4. Jh. zurückreichten. Das Problem ist, dass schon die ersten Doxographen des Peripatos nur noch über Legenden verfügten, um die Lebenswelt ihrer geistigen Ahnen zu erhellen; ansonsten versuchten sie, genau wie Diogenes 700 Jahre später, den Charakter des Autors aus dem Charakter seiner Texte herauszuspinnen. Ebenso problematisch ist der Umgang mit Platons Dialogen als Hauptquelle für die Geistesgeschichte des 5. und 4. Jh. N. betont zwar, dass ‘Sophist’ ein negativ konnotierter Kampfbegriff war, den selbst ein professioneller Rhetorikleh- ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Vgl. P. Bourdieu, ‘Die feinen Unterschiede’, Frankfurt a. M. 1987, zuerst frz. 1979, 497–499 und ders., ‘Raisons pratiques’, Paris 1994, 196–200 zum intellektuellen Feld; ebd. 91–97 zum wissenschaftlichen Feld. 2 Bourdieu, ‘Raisons pratiques’ (wie vor. Anm.), 54–56. 3 Vgl. J. Martin, ‘Zur Entstehung der Sophistik’, Saeculum 27 (1976), 143–164 für Sizilien; R. Seaford, ‘Money and the Early Greek Mind’, Cambridge 2004 für orientalische Einflüsse und Münzprägung; T. Itgenshorst, ‘Denker und Gemeinschaft’, wie erste Anm., 181–220 für Unteritalien und Ionien. GNOMON 6/91/2019 M. Hinsch: Nebelin, Philosophie und Aristokratie 492 rer wie Isokrates als Selbstbezeichnung ablehnte (S. 316), suggeriert jedoch gleichwohl, dass eine objektive Unterscheidung in ‘Sophisten’ und ‘Philosophen’ im Sinne Platons möglich gewesen wäre, und folgt letztlich seinen Zuschreibungen. Dass der Unterschied zwischen sophistischem und philosophischem Auftreten und Argumentieren von außen nicht unbedingt erkennbar war und auch die ‘echten’ Philosophen bis ins 3. Jh. hinein von der Allgemeinheit abgelehnt wurden,1 geht hier unter. Es wäre allerdings ungerecht, allein N. diese methodischen Schwächen anzulasten, die Kennzeichen zahlreicher Arbeiten zur griechischen Geistesgeschichte sind, wohl deshalb, weil allein Platon und Diogenes Laertios den Stoff für ein befriedigendes Narrativ liefern. Im Übrigen gilt auch für N.s inhaltliche Ergebnisse, dass sie den maßgeblichen Forschungspositionen zu Adelskultur und Philosophie entsprechen, ohne radikal neue Thesen zu formulieren. Insofern, so lässt sich schließen, hat N. eine Untersuchung vorgelegt, die zukünftige Studien zu beachten haben werden, die diesen allerdings auch noch Raum für Neues lässt. Berlin Moritz Hinsch * Isokrates, Archidamos. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar von Emanuel Zingg. 2 Bde. Düsseldorf: Wellem 2017. XIII, 477 S.; VII, S. 478–826. (Syssitia. 2, 1/2.). Der Archidamos des Isokrates, eine fiktive Rede des gleichnamigen spartanischen Königssohns, in welcher dieser dazu aufruft, sich dem Friedensschluss mit Theben unter der Bedingung des Verzichts auf Messenien zu verweigern, harrt seit Benselers Kommentar aus dem Jahr 18542 einer gründlichen philologischen Untersuchung. Zudem fehlte bislang, wie bei all denjenigen Schriften des Isokrates, die nicht im ersten Band von Drerups leider unvollendet gebliebenen Ausgabe3 enthalten sind, eine verlässliche Textgrundlage. Dieser Desiderate hat sich nun Emanuel Zingg (im Folgenden Z.) angenommen und mit der überarbeiteten Fassung seiner Züricher Dissertation eine neu kollationierte kritische Edition des Archidamos (im Folgenden A.) samt Einleitung, Übersetzung und Kommentar vorgelegt.4 Der erste Band, der Einleitung, Text und Übersetzung umfasst, wird eröffnet von einer ausführlichen Beschreibung der Handschriften und Editionen des A. sowie einer Übersicht über die Isokrates-Philologie der Neuzeit (Kapitel A.), es folgt eine Gliederung der Rede (B.), eine Einordnung des A. in das Gesamtwerk des ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Vgl. P. Scholz, ‘Der Philosoph und die Politik. Die Ausbildung der philosophischen Lebensform und die Entwicklung des Verhältnisses von Philosophie und Politik im 4. und 3. Jh. v. Chr.’, Stuttgart 1998, 41–71 zur öffentlichen Wahrnehmung und J. Dreßler, ‘Wortverdreher, Sonderlinge, Gottlose. Kritik an Philosophie und Rhetorik im klassischen Athen’, Berlin 2014, bes. 120–131 zur Ähnlichkeit der rhetorischen und eristischen Methoden. 2 ‘Isokrates’ Plataikos, Archidamos und Rede über den Frieden, berichtigt, übersetzt und erklärt v. G.E. Benseler’, Leipzig 21854. 3 E. Drerup, ‘Isocratis opera omnia’, Bd. I, Leipzig 1906. 4 Z.s Edition ist Teil der unter der Leitung von Stefano Martinelli Tempesta entstehenden Gesamtausgabe der isokrateischen Schriften, die in der OCT-Reihe erscheinen wird. GNOMON 6/91/2019

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Abstract

As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

The GNOMON is published in eight issues a year.

Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.