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2 Betriebliche Einordnung der Investitionsrechnung und Entscheidungen über Investitionen in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul, Gerd Waschbusch

Investition in Übungen, page 5 - 10

4. Edition 2021, ISBN print: 978-3-8006-6472-6, ISBN online: 978-3-8006-6473-3, https://doi.org/10.15358/9783800664733-5

Series: Vahlens Übungsbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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2 Betriebliche Einordnung der Investitionsrechnung und Entscheidungen über Investitionen Aufgabe 2.1: Zielsetzungen marktwirtschaftlicher Unternehmen Nennen Sie die langfristigen Zielsetzungen marktwirtschaftlicher Unternehmen! Inwieweit trägt die Investitionsrechnung zur Erfüllung dieser Zielsetzungen bei? Lösung Die langfristige Zielsetzung der Unternehmen in einer Marktwirtschaft ist die Rentabilität des eingesetzten Kapitals; dieses Ziel lässt sich nur bei Aufrechterhaltung der Liquidität (Zahlungsfähigkeit) des Unternehmens erreichen. Aufgabe der Investitionsrechnung ist es hierbei, durch die Ermittlung der optimalen Investitionsentscheidungen einen Beitrag zur Erhöhung der Rentabilität des Unternehmens zu leisten und gleichzeitig Sorge dafür zu tragen, dass eine jederzeitige Liquidität (Zahlungsfähigkeit) des Unternehmens gewährleistet ist. Aufgabe 2.2: Prozessphasen einer Investitionsentscheidung Geben Sie einen Überblick über die Prozessphasen einer Investitionsentscheidung von Unternehmen! 6 Investition in Übungen Lösung (1) Problemstellung (2) Suche nach realisierbaren Alternativen (3) Beurteilung der Alternativen in monetärer sowie nicht monetärer Hinsicht (4) Treffen einer Entscheidung Planungsphase Realisations- bzw. Durchsetzungsphase Kontroll- und Überwachungsphase Abbildung 2: Prozessphasen bei Investitionsentscheidungen4 4 Modifiziert entnommen aus Kruschwitz, Lutz; Lorenz, Daniela: Investitionsrechnung, 15. Aufl., Berlin/Boston 2019, S. 7. Betriebliche Einordnung und Entscheidungen über Investitionen 7 Aufgabe 2.3: Investitionsphasen Beschreiben Sie die einzelnen Phasen eines Investitionsprozesses! Lösung Ein Investitionsprozess verläuft im Allgemeinen in drei Phasen:5 (1) Planungsphase, (2) Realisations- bzw. Durchsetzungsphase, (3) Kontroll- und Überwachungsphase. zu (1): Die Planungsphase beginnt mit dem Erkennen des Investitionsproblems und mit der Formulierung der Problemstellung. In diesem ersten Schritt wird die Idee geboren, eine Investition durchzuführen. Der Investor muss nur dann eine Investitionsentscheidung fällen, wenn er Potenziale entdeckt und wenn er diese nutzen möchte. Er muss dann zunächst seine Ausgangssituation sorgfältig analysieren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss er sich über die Ziele seiner Investitionstätigkeit Klarheit verschaffen. Nur so kann er Entscheidungskriterien ableiten, die er benötigt, um die alternativen Handlungsmöglichkeiten zu beurteilen. Im zweiten Schritt der Planungsphase sucht der Entscheidungsträger nach Möglichkeiten, die erkannten Potenziale zu nutzen. Nach der Zusammenstellung der sich ihm bietenden Alternativen ermittelt er deren Konsequenzen, wobei aufgrund seiner Zielsetzung bereits eine Vorauswahl getroffen werden kann, bei der nicht realisierbare oder offenkundig ineffiziente Lösungen von vornherein ausscheiden. Die Ermittlung der Handlungskonsequenzen erfordert, da es sich dabei notwendigerweise immer um zukünftige Ereignisse handelt, den Einsatz von Prognose- und Schätzverfahren. Die Schwierigkeiten bei der Bestimmung dieser Daten sind ein zentrales Problem der Investitionstheorie. Gegebenenfalls müssen alternative Zukunftsentwicklungen unterstellt, quantifiziert und verarbeitet werden. In der dritten Stufe der Planungsphase werden die nach der Vorauswahl verbliebenen Investitionsalternativen bewertet. Nur auf diese Projekte findet die Investitionsrechnung im eigentlichen Sinne überhaupt Anwendung. Die Alternativen werden hinsichtlich der monetären Ziele des Entscheidungsträ- 5 Vgl. hierzu sowie zum Nachfolgenden Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz; Waschbusch, Gerd: Investition, 3. Aufl., München 2016, S. 29–32. 8 Investition in Übungen gers und der hierzu relevanten Daten in eine kardinale Rangfolge gebracht. Dazu ist Vorbedingung, dass alle Handlungsmöglichkeiten nach derselben Investitionsrechenmethode beurteilt werden. Nicht monetäre Ziele und nicht quantifizierbare Daten müssen außerhalb der Investitionsrechnung berücksichtigt werden. Im Rahmen der eigentlichen Entscheidung (vierter Schritt innerhalb der Planungsphase) werden die Ergebnisse der vorangegangenen Stufe zu einem endgültigen Werturteil verdichtet und alle nicht optimalen Alternativen ausgesondert. zu (2): In der Realisations- bzw. Durchsetzungsphase erfolgt der Vollzug der Investition. Die Realisations- bzw. Durchsetzungsphase ist unter finanzwirtschaftlichen Aspekten nur insofern von Interesse, als hier die sehr bedeutsamen Anfangsauszahlungen anfallen. zu (3): In der Kontroll- und Überwachungsphase erfolgt ein Soll-Ist-Vergleich, d. h. eine Gegenüberstellung des erwarteten und geplanten Zielerreichungsgrades mit dem tatsächlich realisierten Zielerreichungsgrad. Bei Abweichungen von den Planwerten sind rechtzeitig geeignete Korrekturmaßnahmen einzuleiten. Wenn zum Beispiel aufgrund einer unterplanmäßigen Auslastung die durch ein Spezialaggregat erreichten Kosteneinsparungen wesentlich geringer sind als ex ante berechnet, kann ein vorzeitiger Abbau der Anlage erwägenswert sein; für die Investitionsrechnung ergibt sich dann eine neue Problemstellung. Diese führt zum Übergang von der Kontroll- zur Planungsphase und schließt damit den Kreis des Investitionsprozesses. Aufgabe 2.4: Zielvorstellungen von Investoren In das Entscheidungskalkül der Investitionsrechnung gehen in erster Linie die folgenden monetären Zielvorstellungen von Investoren ein: a) Vermögensstreben, b) Einkommensstreben, c) Wohlstandsstreben. Erläutern Sie diese monetären Zielvorstellungen von Investoren! Betriebliche Einordnung und Entscheidungen über Investitionen 9 Lösung Teilaufgabe a) Vermögensstreben Im Fall des Vermögensstrebens will der Investor ein möglichst hohes Vermögen am Ende des Planungszeitraums erreichen. Dabei möchte er in jeder der Planperioden einen bestimmten, d. h. vorab festgelegten Geldbetrag zu Konsumzwecken aus seinem Vermögen entnehmen. Dieser Entnahmebetrag kann im Zeitablauf konstant bleiben, steigen, fallen, er kann schwanken oder auch für jede Periode mit Null angesetzt werden. Die zeitliche Struktur des gewünschten Entnahmestroms ist jedoch von untergeordneter Bedeutung. Wesentlich ist vielmehr, dass der gewünschte Entnahmebetrag jeder Periode vorab in seiner absoluten Höhe festgelegt wird. Für die Investitionsrechnung stellt der Entnahmestrom daher eine Nebenbedingung dar, während die Handlungsalternativen, d. h. die verschiedenen Investitionsmöglichkeiten des Investors, ausschließlich nach dem mit ihnen zum Planungshorizont realisierbaren Endvermögen beurteilt werden. Teilaufgabe b) Einkommensstreben Beim Einkommensstreben möchte der Investor möglichst hohe jährliche Konsumentnahmen erhalten. Dazu ist es erforderlich, dass das zum Ende des Planungszeitraums gewünschte Endvermögen als Nebenbedingung mit einem festen Betrag angesetzt wird, der auch den Wert Null annehmen kann. Die Investitionsvorhaben sind in diesem Fall nach der Höhe des aus ihnen erzielbaren Entnahmeniveaus zu bewerten. Auch hier kann durch Vorgaben festgelegt werden, dass die zu maximierenden Konsumentnahmen in zeitlicher Hinsicht einen steigenden, fallenden oder wechselnden Verlauf aufweisen sollen. Teilaufgabe c) Wohlstandsstreben Wohlstandsstreben bedeutet, dass der Investor versucht, sowohl sein jährliches Einkommen als auch sein Vermögen am Ende des Planungshorizonts zu maximieren. Der Investor muss sich dann allerdings vor Beginn der Rechnung entscheiden, welchen Wert er einer Geldeinheit mehr an Endvermögen im Gegensatz zu einer Steigerung des Einkommensniveaus um eine Geldeinheit beimisst, d. h., er muss, um zu einer operablen Zielfunktion zu gelangen, zwischen Vermögens- und Einkommensstreben gewichten. Das Wohlstandsstreben kann aus diesem Grund als Verknüpfung der beiden übrigen Zielsetzungen verstanden werden. Es ist kein grundsätzlich neues Ziel. 10 Investition in Übungen Aufgabe 2.5: Problembereiche der Investitionsrechnung Einzelentscheidungen im Rahmen der Investitionsrechnung sind dadurch gekennzeichnet, dass sich die gegebenen Investitionsalternativen gegenseitig vollständig ausschließen. Die hierbei auftretenden Problembereiche sind das Vorteilhaftigkeitsproblem, das Wahlproblem sowie das Investitionsdauerproblem. Erläutern Sie diese drei Problembereiche! Lösung Beim Vorteilhaftigkeitsproblem geht es um die Beurteilung einer einzigen Investitionsmöglichkeit, etwa um die Anschaffung einer bestimmten Spezialmaschine, die nur von einem einzigen Hersteller angeboten wird. Die Alternative hierzu ist der Verzicht auf Durchführung der Investition (Null-Alternative). Das Investitionsvorhaben sollte realisiert werden, wenn dadurch die Zielgröße des Investors positiv beeinflusst wird, wenn also sein Einkommensniveau und/oder der Endwert seines Vermögens dadurch ansteigt. Das Wahlproblem entsteht, wenn mehrere Investitionsmöglichkeiten technisch realisierbar sind, der Investor sich aber für eine einzige Alternative entscheiden muss. Der Umstand, dass letztlich nur genau ein Projekt ausgewählt werden kann, beruht auf einer der beiden folgenden Ursachen. Zum einen kann der für die Anschaffungsauszahlung zur Verfügung stehende Geldbetrag begrenzt sein. Er reicht nicht für alle vorteilhaften Investitionen aus, sondern nur zur Realisierung genau eines Projektes. Zum anderen können die Projekte technische Alternativen darstellen; sie dienen dem gleichen Verwendungszweck. Sie schließen sich daher aus, weil der Bedarf des Entscheidungsträgers bereits durch ein Projekt gedeckt wird. Nachdem das beste Projekt aus den Investitionsmöglichkeiten aufgrund seiner relativen Vorteilhaftigkeit ausgewählt wurde, ist es zusätzlich hinsichtlich seiner absoluten Vorteilhaftigkeit zu überprüfen; es ist also mit dem Verzicht auf jegliche Investitionsmaßnahme (Null-Alternative) zu vergleichen. Nur wenn es einen positiven Beitrag zur Zielerreichung des Investors leistet, ist es zu realisieren. Eine Ausnahme hiervon sind gesetzlich unumgängliche Investitionen (z. B. Umweltschutzinvestitionen). Beim Investitionsdauerproblem geht es um die Frage der optimalen Nutzungsdauer eines neu anzuschaffenden Investitionsgutes sowie um die des Zeitpunktes des Ausscheidens einer gegenwärtig sich in Betrieb befindlichen Anlage aus dem Produktionsprozess. Gründe für die Stilllegung einer Anlage sind beispielsweise steigende Reparaturkosten, steigende Ausschussquoten, fallende quantitative Kapazität pro Periode, fallende qualitative Leistungsfähigkeit, sinkende Liquidationserlöse der Anlage.

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References

Zusammenfassung

Univ.-Prof. Dr. Hartmut Bieg, Bereich Wirtschaftswissenschaft, Universität des Saarlandes, Saarbrücken.

Univ.-Prof. Dr. Heinz Kußmaul, Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Steuerlehre und Entrepreneurship am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insb. Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken.

Univ.-Prof. Dr. Gerd Waschbusch, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insb. Bankbetriebslehre an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken.

In der Lehre zeigt sich immer wieder, dass es des intensiven Einsatzes von Beispielen – vor allem aber von Übungsaufgaben – bedarf, um Studierenden ein nachhaltiges Verständnis betriebswirtschaftlicher Methoden zu ermöglichen. Investition in Übungen hilft, diese Methodenkompetenz zu erhalten und darüber hinaus – ein nicht zu vernachlässigender Effekt – sich auf Prüfungen optimal vorzubereiten.

Dieses in vierter Auflage erschienene Übungsbuch begleitet das Lehrbuch „Investition“ von Bieg/Kußmaul/Waschbusch. Es ermöglicht den Lesern, das dort ausführlich behandelte Fachgebiet der Investition anhand rechnerisch zu lösender Aufgaben zu vertiefen und damit Sicherheit beim Umgang mit den zentralen Verfahren des Investitionsmanagements zu erlangen.