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1. Prognoseplanung in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 698 - 702

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_698

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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III. Kapitalbedarfsplanung 687 Bollerslev (1986) erweitert das ARCH-Modell zum GARCH-Modell (Generalized ARCH), indem er gegenüber dem ursprünglichen ARCH-Modell auch Zeitverzögerungen der bedingten Heteroskedastizität einbindet. Als sehr nützliches und erfolgreiches Modell gilt das EGARCH-Modell (Exponential GARCH) von Nelson (1991), das durch eine etwas andere funktionale Form der Volatilitätsgleichung sicherstellt, dass Volatilitäten nie negativ werden können, und das asymmetrische Volatilitätseffekte zulässt, die oft auf Aktienmärkten zu beobachten sind. An vielen dieser Erweiterungen war Engle selbst beteiligt. Heute steht die Abkürzung ARCH als generischer Name für alle ARCH-Varianten, die entwickelt wurden. Hauptanwendungsgebiet von ARCH- Modellen sind die Finanzmärkte, da es keine ökonometrisch überzeugende Alternative gibt, variable Volatilitäten zu modellieren, zu quantifizieren und zu prognostizieren. Die ARCH-Modelle haben damit ein völlig neues und sehr weites Forschungsfeld eröffnet. Kointegrationsanalysen und ARCH-Modelle gehören mittlerweile zum Standardrepertoire der empirischen Wirtschaftsforschung. Gewürdigt wurde diese überaus große Bedeutung der beiden Konzepte für Wissenschaft und Wirtschaft im Jahr 2003 mit dem Nobelpreis für Robert F. Engle und Clive W. J. Granger. Eine Sammlung der wichtigsten Aufsätze findet sich für die Kointegration in Engle und Granger (1991) und für die ARCH-Modelle in Engle (1995). III. Kapitalbedarfsplanung 1. Prognoseplanung Im Rahmen der Prognoseplanung wird eine langfristige Vorschau über die finanzwirtschaftliche Entwicklung einer Unternehmung erstellt. Es werden die zukünftige Kapitalbindung und ein etwaiger Kapitalbedarf aufgezeigt. Ausgangspunkt der Planung ist die Prognose des Umsatzes bzw. der Gesamtleistung und des voraussichtlichen Unternehmenswachstums. Aus dem Planumsatz können dann die umsatzbedingten Bilanzveränderungen und Ergebnisentwicklungen ermittelt werden. Da ist zum einen das Betriebsergebnis, das ergänzt um das Finanzergebnis und a. o. Ergebnis zum Plangewinn führt. Zum anderen kann die Höhe bestimmter Bilanzbestände, wie etwa Verbindlichkeiten und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, als umsatzabhängig angesehen werden. Zur Erstellung der Planbilanz ist zusätzlich noch die Planung der umsatzunabhängigen (bestandbedingten) Bilanzveränderungen erforderlich. Aus der Planbilanz, die auch als Bewegungsbilanz (Kapitalflussrechnung) erstellt werden kann, lässt sich Umfang und Art der Kapitalbindung erkennen. Unter Berücksichtigung des Bilanzgewinns kann dann ein etwaiger Kapitalbedarf ermittelt werden (vgl. Abbildung F 16). Die Umsatzplanung kann als Zeitreihenanalyse, basierend auf dem Verfahren der exponentiellen Glättung oder der Methode der kleinsten Quadrate, durchgeführt werden. Daneben ist auch eine kausale Prognose in Form einer einfachen oder multiplen Regression möglich. Als Einflussgrößen kommen dabei u.a. in Betracht: gesamtwirtschaftliches Wachstum, Branchenwachstum, Marketingaufwand und Marktwachstum in Verbindung mit Marktanteil und Grad der Marktsättigung. Im Rahmen einer externen Kapitalbedarfsanalyse kann die Gesamtleistung der nächsten Periode hilfsweise in Abhängigkeit vom Bestand der Sachanlagen bzw. ihrer Verände- F. Finanzplanung688 rung, vom Bestand an Vorratsvermögen oder – soweit branchenüblich – von den Kundenanzahlungen zu Beginn des Prognosezeitraums prognostiziert werden.20 Der kausale Zusammenhang ist natürlich gerade umgekehrt. Bei interner Planung ergeben sich daher diese Positionen in Abhängigkeit vom Umsatz. Darüber hinaus können auch noch weitere Bilanzbestände als umsatzabhängig angesehen werden (vgl. Abbildung F 17). Die Prognose der umsatzbedingten Bilanzbewegungen kann durch Annahme einer (konstanten) prozentualen Umsatzabhängigkeit (Umsatz-Prozent-Methode) oder bei Vorhandensein mehrerer Vergangenheitsbilanzen durch Regression erfolgen.21 Der tat- 20 Vgl. Vogler, Mattes, Bilanzanalyse, 1975, S.129 ff. 21 Vgl. Weston, Copeland, Managerial Finance, 1986, S. 249 ff. Abb. F 16: Ablaufsschema der langfristigen Kapitalbindungs- und -bedarfsprognose Abb. F 17: Bilanzpositionen, die umsatzabhängig sind oder sein können III. Kapitalbedarfsplanung 689 sächliche Zusammenhang wird dabei vielfach nicht linear sein. So erfolgt die Erhöhung des Sachanlagevermögens meist sprunghaft. Die Vorräte können einen unterproportionalen Verlauf in Abhängigkeit vom Umsatz aufweisen (vgl. Abbildung F 18). Abb. F 18: Mögliche Umsatzabhängigkeit von Anlagevermögen und Vorräten 2006 2007 2008 Aktiva Anlagevermögen Grundstücke 1,60 1,85 2,10 80,208,105,1nenihcsaM Betriebs- und Geschäftsausstattung 0,90 1,03 1,14 4,00 4,68 5,32 Umlaufvermögen 03,2etärroV 2,47 2,65 83,301,307,2negnuredroF Kasse, Bank, Postscheck 1,00 1,15 1,25 6,00 6,72 7,28 10,00 11,40 12,60 Passiva 03,200,200,2latipaKsetenhciezeG 05,103,103,1negalkcüR 59,088,008,0negnulletskcüR 11,400,402,3netiekhcildnibreVegitsirfgnal 05,300,305,2netiekhcildnibreVegitsirfzruk 42,022,002,0nniweG 10,00 11,40 12,60 00,4100,2100,01ztasmU Ist-Bilanzen in Mio. € F. Finanzplanung690 Die Ermittlung zukünftiger Werte von Bilanzpositionen mithilfe einer Regressionsgeraden kann daher nur eine grobe Annäherung darstellen. Eine differenzierte Analyse muss sich komplexerer Regressionsmodelle bedienen. Der Kapitalbedarf ergibt sich unter Berücksichtigung der umsatzunabhängigen Bilanzpositionen (einschließlich des Bilanzgewinns/-verlustes) als Überschuss der Aktiva über die Passiva. Ein Beispiel für die Prognose des zukünftigen Kapitalbedarfs ist in Abbildung F 19 dargestellt. Eine Prognosekapitalbedarfsrechnung bei Gründung oder Aufnahme einer neuen Fertigung ist mit extrapolierenden Verfahren nicht möglich, da Vergangenheitsdaten fehlen. Abb. F 19: Beispiel für eine Kapitalbedarfsprognose Für die Jahre 2009 und 2010 wird ein konstantes Umsatzwachstum von jeweils 2 Mio. GE prognostiziert. Die Rückstellungen bestehen zu großen Teilen aus Gewährleistungsrückstellungen und sollen deshalb als umsatzabhängig angesehen werden. Bei Unterstellung einer linearen Umsatzabhängigkeit ergeben sich mit Hilfe der einfachen Regressionsrechnung y = a + b · x mit x = Umsatz und ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ 2 i 2 i iii 2 ii xxn yxxxy a und ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ 2 i 2 i iiii xxn yxyxn b folgende Prognosegleichungen: Anlagevermögen yi1 = 0,706 + 0,33 · xi Umlaufvermögen yi2 = 2,826 + 0,32 · xi Kurzfristige Verbindlichkeiten yi3 = 0,25 · xi Rückstellungen yi4 = 0,4267 + 0,0375 · xi Bilanzgewinn yi5 = 0,1 + 0,01 · xi und daraus die Prognosewerte (siehe nachfolgende Plan-Bilanzen): 2009 2010 Aktiva 56,699,5Anlagevermögen 95,859,7Umlaufvermögen 13,94 15,24 Passiva 19,719,7Gezeichnetes Kapital, Rücklagen langfristige Verbindlichkeiten aus Vorjahr 0,74 82,062,0Gewinn 01,130,1Rückstellungen 05,400,4kurzfristige Verbindlichkeiten 13,20 14,53 Kapitalbedarf 0,74 0,71 13,94 15,24 Plan-Bilanzen in Mio. € III. Kapitalbedarfsplanung 691 Die Prognose knüpft an der gewünschten und absatzpolitisch als sinnvoll erachteten Ausbringung an. Daraus kann die durchschnittliche Tagesproduktion ermittelt werden, aus der sich die erforderliche Kapazität an Maschinen und maschinellen Anlagen ergibt. Die Art des Fertigungsverfahrens und die Kapazität bedingen die räumliche Ausstattung. Für das Umlaufvermögen ist die Kapitalbindungsdauer zu ermitteln. Diese ergibt sich aus der Rohstofflagerdauer, der Produktionsdauer, der Lagerdauer für Fertigprodukte und dem Debitorenziel (vgl. Abbildung F 20). Das Lieferantenziel kann bei der Kapitalbindung für Werkstoffe abgesetzt werden. Der Einsatz für den Fertigungslohn erstreckt sich nur auf den Zeitraum ab Produktionsbeginn. Aus dem täglichen durchschnittlichen Aufwand für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie für Fertigungslöhne und Gemeinkosten, soweit sie zu Zahlungen führen, multipliziert mit der jeweiligen Bindungsdauer, ergibt sich der Kapitalbedarf, bezogen auf das Ende des Betrachtungszeitraumes. Diese Zusammenhänge werden im Beispiel der Abbildung F 21 veranschaulicht. Es handelt sich hierbei um eine reine Kapitalbedarfsermittlung, die nicht an der Zahlungsebene anknüpft und somit keine Liquiditätsplanung darstellt. In den Kapitalbedarf ist daher auch ein gewisser Kassenmindestbestand zur Liquiditätssicherung mit einzubeziehen. 2. Standardfinanzplanung Die Standardfinanzplanung ist eine Vorgaberechnung, die ihren Niederschlag in den Budgetierungsansätzen findet. Es wird primär nicht auf eine Voraussage abgestellt, sondern ein als wünschenswert erachteter Sollzustand vorgegeben. Die Vorgaben sollen der mittleren Führungsebene als Ziel und Maßstab ihres Handelns dienen. Daher Abb. F 20: Kapitalbindung im Umlaufvermögen

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Zusammenfassung

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Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist das Standardwerk für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung nach deutschem Recht. Neben den wichtigen Methoden der klassischen Finanz- und Investitionstheorie werden auch neue Finanzinstrumente und Erkenntnisse im Bereich der Kapitalmärkte erläutert, sodass dem Leser ein fundierter Überblick über den aktuellsten Stand der Forschung ermöglicht wird.

Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.