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6. Formen und Arten der Finanzplanungsrechnung in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 680 - 682

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_680

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
I. Begriff und Wesen der Finanzplanung 669 6. Formen und Arten der Finanzplanungsrechnung Um die Liquidität im Sinne der Zahlungsfähigkeit einer Unternehmung in jedem Zeitpunkt zu gewährleisten, müsste die Finanzplanung alle zukünftigen Einzahlungen und Auszahlungen tagesgenau enthalten. Bei zunehmender Reichweite der Planung werden die Zahlungen jedoch bezüglich ihrer Höhe und des Zeitpunktes ihres Auftretens immer weniger genau präzisierbar. In Finanzplänen auf mittlere und längere Sicht müssen daher Zusammenfassungen nach Zahlungsarten und Perioden erfolgen. Je längerfristig die Planung insgesamt erstellt wird, umso ausgedehnter werden auch die Planungsteilperioden (zeitliche Planungseinheiten). Die Liquidität ist dabei für eine Periode nur durchschnittlich gewährleistet; innerhalb der Periode kann durchaus ein Ungleichgewicht zwischen Zahlungskraft und Zahlungsverpflichtungen entstehen (vgl. Abbildung F 3). Langfristige Finanzpläne garantieren daher nicht die tägliche Zahlungsfähigkeit. Sie dienen der Ermittlung des zukünftigen Kapitalbedarfs und sollen gleichzeitig die Kapitalbindung aufzeigen. Aufgrund dieser Überlegungen können folgende Arten von Finanzplanungsrechnungen unterschieden werden (vgl. Abbildung F 4): 1. Liquiditätsplanung Kurzfristige Detailplanung, die sich weitgehend passiv anpassend vollzieht. Recheneinheiten sind Zahlungsströme. 1.1. täglicher Liquiditätsstatus und tagesgenaue Liquiditätsvorschau Prognosezeitraum: 1 Woche bis ca. 1 Monat Planungseinheit: 1 Tag Abb. F 3: Graphische Darstellung einer möglichen Illiquidität innerhalb  einer  Finanzplanungsperiode F. Finanzplanung670 1.2. Finanzplan im engeren Sinn Prognosezeitraum: bis ca.1 Jahr Planungseinheit: Woche oder Monat 2. Kapitalbedarfsplanung Langfristige Grobplanung, die aktiv als Ausfluss der Finanzpolitik vollzogen werden kann. Recheneinheiten sind (Bilanz-)Bestände und Beständedifferenzen. Prognosezeitraum: mehrere Jahre Planungseinheit: 1 Jahr Bei passiver Finanzplanung ergibt sich der Finanzplan als Konsequenz anderer Pläne, wobei die planerische Tätigkeit nur noch in der Bestimmung der optimalen Deckungsmöglichkeit eines etwaigen Kapitalbedarfs besteht. Wird dagegen berücksichtigt, dass der finanzielle Bereich Engpass bzw. betrieblicher Minimumsektor sein kann oder von den Finanzierungskosten Rückwirkungen auf andere betriebliche Teilpläne ausgehen, so liegt aktive Finanzplanung vor.9 Hierbei ist die Prognoseplanung von der Standardplanung zu unterscheiden. Im ersten Fall geht es um die Prognose der Zahlungsmittel – wie auch der Vermögens- und Kapitalbestände und damit des Finanzmittelbedarfs in Abhängigkeit von der Geschäftsentwicklung. Demgegenüber werden in der Standardplanung Vorgaben (Finanzbudgets) und Richtwerte (Soll-Kennzahlen) gesetzt, die erreicht werden sollen. 9 Vgl. Albach, Kapitalbindung, 1970, S. 381 f. Abb. F 4: Finanzplanungsrechnungen II. Prognosemethoden im Rahmen der Finanzplanung 671 Der passive Finanzplan wird sukzessive durch stufenweises Zusammenführen der übrigen betrieblichen Teilpläne erstellt. Für die aktive Finanzplanung werden neben dem sukzessiven Vorgehen in der Literatur auch simultane Planungsmodelle diskutiert. Diese Simultanansätze bedienen sich der mathematischen Planungsrechnungen, insbesondere der linearen Programmierung, und versuchen gleichzeitig, die Variablen mehrerer Teilpläne optimal festzulegen. In den meisten Modellen erfolgt eine simultane Bestimmung des Investitions- und Finanzierungsprogramms; daneben versuchen einige Ansätze jedoch auch die Einbeziehung der Produktions- und Absatzplanung. Von einer integrierten Finanzplanung wird bei einer Zusammenfassung der Finanz-, Erfolgs- und Bilanzplanung zu einem Gesamtsystem gesprochen.10 Es erfolgt eine Ergänzung des traditionellen Rechnungswesens um differenzierte Ein- und Auszahlungskonten. Der Finanzplan stellt somit keine isolierte Nebenrechnung dar. Bei gleitender Finanzplanung bleibt der Planungshorizont konstant, indem eine abgelaufene Planungsteilperiode jeweils durch Neuplanung einer Teilperiode am Ende des Gesamtplanungszeitraums ersetzt wird. Demgegenüber verringert sich bei einmaliger Finanzplanung der Planungshorizont im Zeitablauf bis zur Erstellung der Neuplanung. II. Prognosemethoden im Rahmen der Finanzplanung Für die Finanzplanung sind Prognosewerte über zukünftige Ein- und Auszahlungen, finanzwirksame Veränderungen von Bilanzpositionen, zu erwartende Umsätze und andere den Erfolg beeinflussende Faktoren erforderlich. Die Zukunftswerte werden durch Verarbeitung von Vergangenheits- und Gegenwartsdaten gewonnen. Im Wesentlichen haben sich hierbei drei Gruppen von Prognosetechniken herausgebildet: 1. subjektive (pragmatische, intuitive, qualitative) Verfahren, 2. extrapolierende Verfahren (Zeitreihenanalyse), 3. kausale Verfahren. Bei den subjektiven Verfahren werden Prognosewerte aufgrund von Erfahrung und Intuition ermittelt. Demgegenüber erfolgt bei den extrapolierenden Verfahren eine Analyse der Vergangenheit einer bestimmten Größe mit mathematisch-statistischen Methoden, und die dabei ermittelte Gesetzmäßigkeit wird dann auch für die zukünftige Entwicklung dieser Größe unterstellt. Die Prognose bei kausalen Verfahren beruht auf logischen Ursache-Wirkungszusammenhängen. Von der vergangenen und gegenwärtigen Entwicklung eines oder mehrerer Einflussfaktoren werden zukünftige Ausprägungen der Prognosegröße abgeleitet. Die Auswahl des geeigneten Prognoseverfahrens hängt von der Art der zu prognostizierenden Größen sowie den spezifischen Gegebenheiten der jeweiligen Unternehmung ab. Je mehr Planungsgrößen einen deterministischen Charakter besitzen, umso geringer wird die Unsicherheit, mit der die Finanzplanung behaftet ist. 10 Vgl. Chmielewicz, Finanz- und Erfolgsplanung, 1972; Niebling, Kurzfristige Finanzrechnung, 1973.

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Zusammenfassung

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Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist das Standardwerk für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung nach deutschem Recht. Neben den wichtigen Methoden der klassischen Finanz- und Investitionstheorie werden auch neue Finanzinstrumente und Erkenntnisse im Bereich der Kapitalmärkte erläutert, sodass dem Leser ein fundierter Überblick über den aktuellsten Stand der Forschung ermöglicht wird.

Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.