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4. Stellung der Finanzplanung und Budgetierung im Rahmen der Gesamtplanung in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 677 - 679

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_677

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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F. Finanzplanung666 sammengefasst werden können. Nur die Aufstellung der Gesamtbudgets gibt einen Überblick über die inneren Zusammenhänge und ermöglicht die globale Führung des Unternehmens. Mit anderen Worten: Im Gesamtbudget werden die Teilbudgets aufeinander abgestimmt und konsolidiert. 3. Grundsatz der Zentralisation Dieser Grundsatz fordert, dass alle Einzahlungen – auch Kreditaufnahmen – zur Deckung sämtlicher Auszahlungen dienen. Hierdurch soll das finanzielle Gleichgewicht der Unternehmung als Ganzes sichergestellt bzw. überwacht werden können (vgl. auch Abschnitt E I 1). 4. Grundsatz der Durchsichtigkeit Nach diesem Grundsatz ist das Budget so aufzustellen, dass jeder Betroffene in der Unternehmung die geplanten Aktivitäten und seine spezifischen Aufgaben zu erkennen vermag. Gerade dieser Grundsatz soll dazu dienen, die Mitarbeiter zu motivieren und sie zu veranlassen, sich für eine Verwirklichung der gestellten Ziele einzusetzen. 5. Grundsatz der Genauigkeit des Budgets Die geplanten Aktivitäten und die durch sie auszulösenden Einzahlungen und Auszahlungen müssen auf realistischen Annahmen beruhen. Dient doch das Budgetwesen dazu, Fehlentscheidungen zu vermeiden. Auch in Bezug auf die Kontrolle wirkt die Genauigkeit einer Verschleierung der wahren Gegebenheiten entgegen. 6. Grundsatz der Spezialisierung des Budgets Dieser Grundsatz fordert, dass Ein- und Auszahlungen ihrer Art und Ursache nach genau zu bestimmen sind. Hierdurch soll feststellbar werden, welche Mittel den einzelnen Verantwortungs- und Profitzentren zufließen und welcher Verwendung sie von diesen zugeführt werden. 7. Grundsatz der Periodizität Nach diesem Grundsatz sollen Budgets periodisch aufgestellt werden. Die Periodizität ist je nach Natur des Teilbudgets verschieden. So können Tages-, Wochen-, Monats-, Vierteljahres-, Jahres- und mehrjährige Budgets aufgestellt werden – je nach Bedürfnis. 8. Grundsatz der materiellen Bedeutung und Wirtschaftlichkeit Eine uneingeschränkte Anwendung der Grundsätze 1, 5 und 6 könnte unter Umständen hohe Kosten verursachen, ohne dass die zusätzliche Präzision, die dadurch erreicht wird, eine wesentliche Bedeutung für das Geschäfts- und Finanzgebaren der Unternehmung hat. Es ist deshalb erforderlich, Kosten und Nutzen an Vollständigkeit und Genauigkeit abzuwägen. Überwiegen die Kosten gegenüber dem Nutzen, muss man sich mit einem geringeren Grad an Präzision zufrieden geben. Schließlich enthalten betriebswirtschaftliche Budgets immer eine gewisse Unvollkommenheit, da die Zukunft immer zu einem gewissen Grad unsicher ist. 4.  Stellung der Finanzplanung und Budgetierung im Rahmen der Gesamtplanung Aus den bisherigen Ausführungen geht hervor, dass der Finanzplan nicht autonom erstellt werden kann, sondern die Interdependenzen zu den übrigen betrieblichen Plänen beachtet werden müssen. Er nimmt jedoch im Vergleich zu anderen Teilplänen eine I. Begriff und Wesen der Finanzplanung 667 Sonderstellung ein, weil er eine globale, d. h. auf das Gesamtunternehmen bezogene Planung enthält. In ihm finden die finanzwirtschaftlich relevanten Vorgänge ihren Niederschlag. Er stellt somit das Instrument des betrieblichen Finanzmanagements par excellence dar. Nachstehendes Schaubild soll die Stellung des Finanzbudgets verdeutlichen: Aus dem Schema wird ersichtlich, dass das Finanzbudget faktisch in zwei Teilpläne zerfällt, in den Kapitalbedarfsplan für Investitionen (Investitionsfinanzierungsbudget) und in den Liquiditätsplan (Liquiditätsbudget, Cash Budget), die über die Bilanzplanung und die Planung der Erfolgsrechnung miteinander in Verbindung zu bringen sind. Der Liquiditätsplan konsolidiert alle eingehenden und ausgehenden Zahlungsströme der betreffenden Budgetperiode, wie sie sich aus dem Gesamtbudget, das seinerseits wieder eine Konsolidierung der Teilbudgets ist, ergeben. Dieser Plan ermöglicht also, wie bereits erwähnt, die Überwachung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Der Kapitalbedarfsplan (Investitionsfinanzierungsplan) enthält Angaben über die Kapitalbedarfsdeckung für die beabsichtigten Investitionen im Laufe der betreffenden Budgetperiode. Er bildet das Kernstück des Finanzmanagements, denn Investitionen binden i. d.R. Kapital auf lange Zeit und können nicht mehr bzw. nicht ohne Verluste rückgängig gemacht werden. Das Investitionsbudget stellt einen „Ausschnitt“ aus dem langfristigen Investitions- und Kapitalbedarfsplan dar, denn meistens überschreitet der Investitionsvorgang den Zeitraum der kurzfristigen Budgetperiode. Abb. F 2: Gesamt- und Teilbudgets F. Finanzplanung668 Im Schaubild (Abbildung F 2) geht das Gesamtbudget (Master Budget) aus den Teilbudgets „Vertrieb“, „Produktion“ und „Beschaffung“ hervor. Diese vereinfachte Darstellung darf nicht so verstanden werden, als ob es nur diese Teilbudgets gäbe; es sind weit detailliertere Aufgliederungen möglich. Ferner stellen diese Budgets ihrerseits wieder eine Konsolidierung von Unterteilbudgets dar. Grundsätzlich ist für jedes Verantwortungs- und Profitzentrum ein Budget aufzustellen. 5. Aufgaben und Ablauf der Finanzplanung Entscheidungen über Kapitalbindung (Investitionen) und Kapitalaufbringung (Finanzierung) einer Unternehmung sind sowohl unter dem Rentabilitäts- als auch unter dem Liquiditätsaspekt zu sehen. Die Erfolgsbeurteilung erfolgt auf der Ebene von Aufwendungen und Erträgen (bzw. Kosten und Leistungen). Demgegenüber ergibt sich die Liquidität im Sinne jederzeitiger Zahlungsfähigkeit aus Aus- und Einzahlungen. Zwischen dem Auftreten der einander entsprechenden Erfolgs- und Zahlungsbewegungen besteht häufig eine zeitliche Differenz. So erfolgt z. B. die Mehrzahl der Einzahlungen erst nach Auftreten der zugehörigen Erträge (z. B. Verkäufe auf Ziel), die Auszahlungen dagegen liegen häufig vor den Aufwendungen (z. B. Abschreibung bezahlter Investitionsgüter). Durch dieses zeitliche Auseinanderfallen von Erfolgs- und Zahlungsvorgängen kann sich eine unterschiedliche Beurteilung einer finanzwirtschaftlichen Maßnahme bezüglich der Kriterien Rentabilität und Liquidität ergeben. Zur Wirtschaftlichkeitsanalyse muss daher notwendigerweise die Liquiditätsanalyse und -planung hinzutreten. Liquiditätswirksame Vorgänge können auch ohne entsprechende Erfolgskomponente stattfinden, wie etwa bei Kreditaufnahme oder -tilgung. Die in die Liquiditätsplanung und -kontrolle einzubeziehenden Bewegungen können daher sowohl zeitlich als auch sachlich von erfolgswirksamen Vorgängen differieren. Neben der Erhaltung der Liquidität ist es Aufgabe der Finanzplanung, den Kapitalbedarf der Unternehmung auf kurze und lange Sicht zu ermitteln. Tritt bei der Planung ein Kapitalbedarf oder ein Finanzmittelüberschuss auf, so ist unter den verschiedenen Alternativen der Mittelbeschaffung bzw. Mittelanlage die optimale aber gleichzeitig auch realisierbare Alternative der Planung zugrunde zu legen. Es ergibt sich somit folgendes Ablaufschema der Finanzplanung: 1. Erstellung der Finanzprognose; 2. Alternativenplanung, d. h. Ermittlung der alternativen Möglichkeiten der Mittelbeschaffung bzw. Mittelanlage; 3. Planausgleich und -feststellung, durch Einbeziehung der als optimal erkannten Alternativen; 4. Plankontrolle, Ermittlung von Planabweichungen durch Soll-Ist-Vergleich und Analyse der Abweichungsursachen; 5. Planrevision, laufende Anpassung der Planung an den realisierten Istzustand. Im Finanzplan hat eine Abstimmung der übrigen betrieblichen Teilpläne zu erfolgen. Er kann somit als Zentralplan bezeichnet werden, der die Rentabilitätsüberlegungen mit den Möglichkeiten der Kapitalaufbringung und Liquiditätserhaltung zum Ausgleich zu bringen hat.

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Zusammenfassung

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Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist das Standardwerk für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung nach deutschem Recht. Neben den wichtigen Methoden der klassischen Finanz- und Investitionstheorie werden auch neue Finanzinstrumente und Erkenntnisse im Bereich der Kapitalmärkte erläutert, sodass dem Leser ein fundierter Überblick über den aktuellsten Stand der Forschung ermöglicht wird.

Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.