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4. Kurzfristige Kreditfinanzierung in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 469 - 488

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_469

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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II. Außenfinanzierung 455 4. Kurzfristige Kreditfinanzierung a) Handelskredite Lieferantenkredit Unter Lieferantenkredit im engeren Sinn (Lieferungskredit) versteht man den Kredit, der vom Verkäufer einer Ware dem Käufer im Zusammenhang mit dem Warenabsatz gewährt wird. Hierbei kann es sich um einen Buchkredit oder um einen Wechselkredit handeln. Daneben werden auch Einrichtungs- oder Ausstattungskredite, die der Lieferant seinen Abnehmern gewährt, zu den Lieferantenkrediten gezählt. Größere Bedeutung besitzt der Lieferantenkredit vor allem für kleine und mittlere Unternehmungen, deren Sicherheiten zur Inanspruchnahme von Geld- und Kapitalmarktkrediten nicht ausreichen. Wesentliches Merkmal des Lieferantenkredits ist seine enge Verbundenheit zum Warenabsatz. In Form des Lieferungskredits soll er den Zeitraum zwischen Beschaffung und Wiedergeldwerdung der Ware überbrücken. Die Tilgung erfolgt aus dem Umsatzerlös der kreditierten Ware. Geldmittel werden dem Kreditnehmer hierbei nicht zur Verfügung gestellt, sondern die Kreditierung liegt in der Stundung des Kaufpreises der Ware durch den Lieferanten. Wird er in Form des Buchkredites gewährt, erfolgt beim Lieferanten eine Belastung des entsprechenden Debitorenkontos (Bilanzposition „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“) und beim Abnehmer eine Erkennung des entsprechenden Kreditorenkontos (Bilanzposition „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“). Ein Akzept wird im Allgemeinen dann verlangt, wenn es der Lieferant für seine eigene Refinanzierung benötigt oder aus Sicherungsgründen, wenn die Kreditwürdigkeit des Abnehmers nicht zweifelsfrei feststeht (zu Wechsel vgl. Abschnitt D II 4 c). Der Lieferantenkredit stellt ein wichtiges absatzpolitisches Instrument dar. In manchen Branchen besitzt der Wettbewerb über die Zahlungskonditionen teilweise die gleiche Bedeutung wie der Preiswettbewerb. Der Lieferantenkredit kann zum einen eine planmäßige organisierte Maßnahme der Absatzförderung darstellen, zum anderen aber auch durch Zielüberschreitungen der Abnehmer oder Konkurrenzdruck erzwungen werden. Die häufigste Form des Lieferantenkredits ist der Verkauf auf Ziel, wobei der Rechnungsbetrag den Zielpreis darstellt. Der Barpreis unterscheidet sich vom Zielpreis durch den Skontoabzug. Seltener ist die Rechnungsstellung zum Barpreis und die Hinzurechnung von Zinsen, wenn eine Kreditzeit beansprucht wird. Der Lieferantenkredit in Form des Skontoabzugs ist i. d. R. sehr teuer, was sich bei Umrechnung der Skontosätze auf Jahreszinssätze zeigt: So ergibt sich etwa bei folgenden Konditionen: 3% Skonto bei Zahlung innerhalb von 3 Tagen, sonst rein netto innerhalb 30 Tagen ein Jahreszinssatz von D. Alternativen der Kapitalaufbringung456 Unter dem Rentabilitätskriterium gesehen ist es daher meist günstiger, Bankkredite in Anspruch zu nehmen als Lieferantenkredite. Eine hohe Verschuldung bei identischen Lieferanten kann auch zu einer wirtschaftlichen Abhängigkeit führen. Da die Absicherung des Lieferantenkredits regelmäßig durch Eigentumsvorbehalt an der Ware erfolgt, ergibt sich hier auch eine gewisse Einschränkung der Verfügungsgewalt über die Vorräte, insbesondere bezüglich ihrer Verwendung für andere Sicherheitsleistungen. Der Lieferantenkredit beinhaltet auch für die Kreditgeber eine gewisse Ansteckungsgefahr bei einer Insolvenz der Kreditnehmer. Die Hauptursache für die relativ häufige Inanspruchnahme des Lieferantenkredits ist darin zu sehen, dass die vergleichsweise umständlichen Formalitäten bei der Nachsuchung um andere Kreditarten vollkommen entfallen. Der Kreditnehmer wird sich häufig gar nicht der Tatsache bewusst, dass er einen Kredit beansprucht. Auch die Kreditwürdigkeitsprüfung wird durch die Lieferanten meist diskret vorgenommen bzw. überhaupt nicht durchgeführt. Streckengeschäft Finanzwirtschaftliche Streckengeschäfte verstehen sich als Finanzierungsinstrumente, die eine Alternative zur Finanzierung mittels Lieferantenkredite darstellen und auch unter dem Markennamen Finetrading bekannt sind. Dabei wird vom Anbieter des Streckengeschäfts (im Folgenden als „Anbieter“ bezeichnet) die Vorfinanzierung von Einkäufen des Kunden des Streckengeschäfts (im Folgenden als „Kunde“ bezeichnet) übernommen. Das Geschäftsmodell des Anbieters lässt sich wie folgt vereinfachend darstellen: Nach Abschluss eines Rahmenvertrages zwischen Anbieter und Kunde kann der Kunde innerhalb eines vordefinierten Limits Einkäufe finanzieren. Dabei vereinbaren Kunde und Lieferant die Konditionen des Einkaufs, woraufhin der Anbieter zu den ausgehandelten Konditionen einen Kaufvertrag mit dem Lieferanten und zeitgleich einen separaten Kaufvertrag mit dem Kunden abschließt. Die Lieferung bzw. Übergabe des Kaufgegenstandes erfolgt direkt vom Lieferanten an den Kunden, die Rechnung wird vom Anbieter an den Lieferanten unverzüglich nach Lieferung bezahlt. Die Rechnungsbegleichung durch den Kunden erfolgt anschließend flexibel innerhalb eines vorher vereinbarten Zeitraums, wobei für die Stundung Gebühren an den Anbieter entrichtet werden müssen. Kunden können durch das Streckengeschäft ihre Liquidität verbessern, eventuelle Kreditlinien schonen und treten gleichzeitig gegenüber den Lieferanten als pünktliche und zuverlässige Zahler auf, wodurch sich eventuell die Lieferkonditionen verbessern. Für Lieferanten können sich aufgrund der gesteigerten Finanzierungsfähigkeit des Kunden Absatzerhöhungen ergeben. Zudem werden Zahlungsverzögerungen aus Lieferungen und Leistungen vermieden und Ausfallrisiken vermindert. Beim Einrichtungs- oder Ausstattungskredit stellt der Lieferant den Abnehmern einen Investitionskredit zur Verfügung, der der Beschaffung von Einrichtungs- und Ausrüstungsgegenständen dienen soll. Im Gegensatz zum kurzfristigen Warenkredit handelt es sich hierbei um einen mittel- bis langfristigen Kredit. Durch Inanspruchnahme eines Einrichtungskredits wird der Kreditnehmer i. d.R. zu einer langfristigen Abnahme der Erzeugnisse des Lieferanten verpflichtet. Investitionskredite werden vor allem von Brauereien an Gaststätten und von Mineralölgesellschaften an Tankstellen gewährt, die dann jeweils verpflichtet sind, die entsprechenden Erzeugnisse des Kreditgebers zu veräußern. Die Rückzahlung des Kredits erfolgt häufig durch einen Aufschlag auf den sonst üblichen Warenpreis. II. Außenfinanzierung 457 Kundenanzahlungen Während beim Lieferantenkredit eine Kreditierung durch Zulieferer der Unternehmung erfolgt, treten beim Vorauszahlungskredit Abnehmer als Kreditgeber auf. Der Besteller einer Ware leistet hier im Voraus, d.h. vor Lieferung, teilweise oder vollständige Bezahlung. Kundenanzahlungen sind vor allem bei Auftragsproduktion üblich, insbesondere beim Schiffsbau und in der Maschinenindustrie beim Bau von Groß- und Spezialmaschinen. Die Anzahlungen oder Vorauszahlungen stellen für das produzierende Unternehmen eine Finanzierungshilfe dar. Ferner wird das Risiko verringert, dass der Auftraggeber die bestellte Ware nicht abnimmt oder keine Zahlung leistet. Anzahlungen können zinslos zur Verfügung gestellt werden, oder die Berücksichtigung der Kreditzinsen erfolgt durch einen unter dem normalen Barpreis liegenden Rechnungsbetrag. b) Kontokorrentkredite Der Kontokorrentkredit stellt die klassische kurzfristige Kreditform dar. Unter Kontokorrent wird eine laufende Rechnung verstanden, bei der Plus- und Minusbewegungen stattfinden und von rechtlicher Bedeutung jeweils der Saldo ist, der durch die Verrechnung der wechselseitigen Ansprüche entsteht (vgl. §§ 355 ff. HGB). Mindestens einer der Partner, der an dem Kontokorrentverkehr beteiligt ist, muss Kaufmann im Sinne des HGB sein. Auch ein Lieferantenkredit kann somit ein Kontokorrentkredit sein. Unter Kontokorrentkrediten im engeren Sinn versteht man jedoch nur Bankkredite. Die Abwicklung von Kontokorrentkrediten bei Banken erfolgt über die Kontokorrentkonten, die auch als Girokonten bezeichnet werden. Mit der Eröffnung eines Kontokorrentkontos ist jedoch nicht automatisch eine Krediteinräumung verbunden. Dies setzt vielmehr i.d.R. einen Kreditantrag und eine Kreditwürdigkeitsprüfung durch die Bank voraus. Die Zusage des Kredits erfolgt dann in Form einer Kontokorrentkreditlinie. Die Kreditlinie stellt den Höchstbetrag dar, bis zu dem das Kontokorrentkonto belastet werden darf. Wird ein Kredit ohne Zusage durch die Bank in Anspruch genommen oder die Kreditlinie überschritten, so wird zusätzlich zu den normalen Kreditzinsen eine Überziehungsprovision berechnet. Die effektiven Kreditkosten beim Kontokorrentkredit setzen sich zusammen aus: Zinsen, Kreditprovision und gegebenenfalls Bereitstellungsprovision. Hinzu kommt noch die allerdings auch bei kreditorischen Konten erhobene Umsatzprovision. Begrüßenswerterweise gingen die Kreditinstitute in den letzten Jahren immer mehr zu Nettozinssätzen über, die eine Zusammenfassung aus Zinsen und Kreditprovision darstellen, wodurch der Kostenvergleich erheblich erleichtert wird. Die Höhe der Kreditkosten ist abhängig von der Geldmarktlage. Es kann in einem Kreditvertrag auch eine Koppelung an einen Refinanzierungssatz der Zentralbank vereinbart werden. Die jeweils gültigen Zinsen und Provisionen werden in den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank im Überblick veröffentlicht. Welche Kreditkosten tatsächlich zu zahlen sind, ist jedoch abhängig von der Bonität und Verhandlungsposition des Kreditnehmers. Kreditkostenvergleiche werden teilweise durch die unterschiedlichen Bezugsbeträge, auf die die einzelnen Zinsen und Provisionen erhoben werden (z. B. effektiver Debetsaldo oder Höchstdebetsaldo der Abrechnungsperiode), erschwert. Für die Besicherung von Kontokorrentkrediten kommen alle fiduziarischen Kreditsicherheiten in Frage, wie Sicherungsübereignungen, Abtretung von Forderungen, Verpfändung von Wertpapieren und Grundschulden sowie die Bürgschaft als akzes- D. Alternativen der Kapitalaufbringung458 sorische Sicherheit. Ungeeignet wegen der flexiblen Inanspruchnahme des Kredits sind streng akzessorische Sicherheiten, wie etwa die Verkehrshypothek. Befindet sich die Bank in der stärkeren Verhandlungsposition, so wird dem kreditnachsuchenden Unternehmen mitunter die Verpflichtung auferlegt, all seine Bankgeschäfte mit dem kreditgewährenden Institut abzuwickeln („Ausschließlichkeitserklärung“). Die Bank erhält dadurch einen hervorragenden Einblick in die finanziellen Transaktionen der Unternehmung (regelmäßige Zahlungsverpflichtungen und Einnahmen, Kreis der Lieferanten und Abnehmer usw.). Ein besonderer Vorzug des Kontokorrentkredits liegt in der Möglichkeit der flexiblen Inanspruchnahme. Darüber hinaus ist er nicht zweckgebunden und steht für alle banküblichen Transaktionen (Barabhebung, Überweisung, Scheck- und Wechseleinlösung usw.) zur Verfügung. Eine nicht ausgenutzte Kreditlinie steht als potenzielle Liquiditätsreserve zur Verfügung und erlaubt es dem Betrieb, geringere liquide Mittel ersten Grades zu halten. Der Kontokorrentkredit eignet sich speziell als kurzfristiger Betriebsmittelkredit zur Finanzierung des Umsatzprozesses, als Saisonkredit zur Finanzierung eines saisonal bedingten Kapitalbedarfs und als Überbrückungs- bzw. Dispositionskredit. c) Wechseldiskontkredite Wechselbegriff und Wechselarten Der Wechsel stellt ein Zahlungsversprechen dar, das Wertpapiercharakter besitzt. Er ist ein geborenes Orderpapier, das durch einen schriftlichen Übertragungsvermerk, das Indossament, weitergegeben werden kann. Als Wechselberechtigter gilt derjenige, der den Wechsel in Händen hat und durch eine ordnungsgemäße Indossamentenkette ausgewiesen ist. Nach dem Wechselgesetz können zwei wichtige Grundformen des Wechsels unterschieden werden: 1. Tratte oder gezogener Wechsel, 2. Solawechsel. Beim gezogenen Wechsel fallen Aussteller und Bezogener (Akzeptant) nicht zusammen (vgl. auch Abbildung D 14). Die Tratte (gezogener Wechsel) stellt die Anweisung des Wechselausstellers (Gläubigers, Trassant) an den Bezogenen (Schuldner, Trassat) dar, eine bestimmte Geldsumme an ihn oder einen Dritten (Wechselnehmer, Remittent) zu zahlen. Zur Zahlung aus dem Wechsel verpflichtet wird der Bezogene, wenn er den Wechsel durch seine Unterschrift angenommen (akzeptiert) hat. Ein gezogener Wechsel, der vom Bezogenen akzeptiert ist, wird auch als Akzept bezeichnet. Der Aussteller des  Wechsels haftet beim gezogenen und akzeptierten Wechsel nur als Rückgriffsschuldner. Löst der Bezogene am Verfalltag den Wechsel nicht ein, so kann der ordnungsgemäß durch Indossament ausgewiesene Wechselbesitzer (Remittent) neben dem Aussteller auch auf alle Vorindossanten zurückgreifen (Regress). Der Solawechsel stellt ein Zahlungsversprechen des Wechselausstellers über eine bestimmte Geldsumme dar. Aussteller und Bezogener (der letztlich aus dem Wechsel Verpflichtete) sind beim Solawechsel identisch (vgl. Abbildung D 15). Beim Wechsel handelt es sich um eine abstrakte Zahlungsverpflichtung, die von dem ursprünglich zugrunde liegenden Rechtsgeschäft (z. B. Warenlieferung auf Ziel) los- II. Außenfinanzierung 459 gelöst ist. Der Akzeptant kann daher gegen die Wechselverpflichtung keine Einreden geltend machen, die ihm aus dem Grundgeschäft zustehen würden, wie etwa Mängelrügen. Voraussetzung dafür, dass eine Urkunde als Wechsel gilt, ist die Beachtung der gesetzlichen Wechselbestandteile. Ein gezogener Wechsel muss folgende gesetzliche Bestandteile enthalten: Verkäufer der Ware Gläubiger (Trassant) Aussteller Käufer der Ware Bezogener Schuldner (Trassat) Akzeptant Wechsel Akzeptierung durch Unterschrift (Akzept) Dritter Wechselnehmer Remittent in Zahlung gegebener Wechsel (Rimesse/Tratte) Vorlage bei Fälligkeit des Wechsels Zahlung des Wechselbetrags Abb. D 14: Gezogener Wechsel oder Handelswechsel Verkäufer der Ware Gläubiger (Wechsel) Aussteller Käufer der Ware Schuldner (Wechsel) Bezogener Akzeptant Dritter Wechselnehmer Remittent in Zahlung gegebener Wechsel (Rimesse) Vorlage bei Fälligkeit des Wechsels = Zahlung des Wechselbetrags Abb. D 15: Sola – oder Eigenwechsel D. Alternativen der Kapitalaufbringung460 1. Die Bezeichnung „Wechsel“ im Text der Urkunde. 2. Die unbedingte Anweisung zur Zahlung einer bestimmten Geldsumme. 3. Die Angabe des Bezogenen (die aus dem Wechsel zahlungsverpflichtete Person oder Firma). 4. Die Angabe der Verfallzeit. Erfolgt keine Angabe der Verfallzeit, so gilt der Wechsel als Sichtwechsel (vgl. Art. 2 Abs.2 WG). 5. Die Angabe des Zahlungsortes. Fehlt der Zahlungsort, so gilt hilfsweise der Wohnort des Bezogenen. 6. Den Namen des Wechselnehmers. Ist der Aussteller gleichzeitig Remittent, so genügt die Angabe „an eigene Order“. 7. Tag und Ort der Ausstellung. Fehlt der Ausstellungsort, so gilt der Wechsel an dem Orte ausgestellt, der beim Namen des Ausstellers angegeben ist. 8. Eigenhändige Unterschrift des Ausstellers. Neben diesen gesetzlichen Bestandteilen haben sich im Handelsverkehr auch noch sog. „kaufmännische Bestandteile“ eingebürgert, die die Bearbeitung und Weitergabe der Wechsel erleichtern sollen. Die Ausstellung von Wechseln erfolgt heute nahezu ausschließlich auf gedruckten Wechselformularen (DIN 5004), die die gesetzlichen Bestandteile des Wechsels nach Art. 1 WG und die üblich gewordenen kaufmännischen Bestandteile enthalten. Löst der Bezogene einen Wechsel bei Verfall nicht ein, so kann der Wechsel zu „Protest“ gegeben werden. Unter Protest versteht man die öffentliche Beurkundung der Zahlungsverweigerung. Der Protest muss an einem der beiden auf den Zahlungstag folgenden Werktage erhoben werden. Wird diese Frist versäumt, so verliert der Wechselbesitzer seine Ansprüche gegenüber den Vorindossanten und dem Aussteller, und er kann sich dann nur noch an den Bezogenen halten. Die Ansprüche aus dem Wechsel können im Wechselprozess (§§602 ff. ZPO) geltend gemacht werden. Der Wechselprozess bietet wegen der beschleunigten Abwicklung und der vereinfachten Beweisführung für den Kläger Vorteile gegenüber dem gewöhnlichen Prozess. Als Beweismittel sind nur Eid und Urkunden zugelassen. Wegen der präzisen Formanforderungen an den Wechsel und der Möglichkeit des Wechselprozesses spricht man auch von der sog. „Wechselstrenge“. Diese Wechselstrenge ist auch Ursache dafür, dass der Wechsel (speziell Solawechsel) häufig als zusätzliches Kreditsicherungsmittel Verwendung findet, da er dem Gläubiger eine rasche Beitreibung seiner Forderung ermöglicht. Die Ansprüche aus dem Wechsel gegenüber dem Bezogenen verjähren binnen drei Jahren, gerechnet vom Tage des rechtzeitig erhobenen Protestes. Ansprüche gegenüber Indossanten und dem Aussteller dagegen verjähren bereits innerhalb von sechs Monaten. Wechsel, denen ein Waren- oder Dienstleistungsgeschäft zugrunde liegt, werden als Handelswechsel bezeichnet. Diese Wechsel basieren auf einem Zielkauf (Kreditkauf), wobei der Lieferant als Aussteller auf den Abnehmer der Ware bzw. Dienstleistung (Bezogener) einen Wechsel zieht. Finanzwechsel beruhen dagegen nicht auf einer Warenlieferung als Grundgeschäft, sondern sie dienen ausschließlich der Kreditbeschaffung. So kann etwa eine Konzerntochtergesellschaft auf die Muttergesellschaft einen Wechsel ziehen, den diese akzeptiert und der dann von einem der beiden Unternehmen bei einer II. Außenfinanzierung 461 Bank diskontiert wird. Der Weg der Finanzierung über Finanzwechsel wird beschritten, da der Diskontkredit meist kostengünstiger ist als andere kurzfristige Kreditformen. Das Instrument der Finanzwechsel wird mitunter auch missbraucht, etwa in Form der Wechselreiterei. Diese liegt vor, wenn zwei Personen oder Unternehmen gegenseitig aufeinander Wechsel ziehen. Ein Depotwechsel dient ausschließlich Sicherungszwecken. Hierbei wird ein Wechsel, häufig ein Solawechsel des Kreditnehmers, beim Kreditgeber zur Sicherung eines Kreditverhältnisses hinterlegt. Kommt der Schuldner seinen Verpflichtungen aus diesem Kreditverhältnis nach, so erhält er den Wechsel zurück. Erfolgt keine ordnungsgemäße Abwicklung des Schuldverhältnisses, so kann der Kreditgeber den Wechsel zu Protest geben und somit die Vorteile der Wechselstrenge ausnutzen. Der Besitzer eines Wechsels kann diesen an eigene Gläubiger zahlungshalber weitergeben, ihn bis zur Fälligkeit selbst aufbewahren und dann dem Wechselschuldner vorlegen oder ihn bei einem Kreditinstitut diskontieren lassen. Diskontkredite Unter Diskontierung versteht man den Ankauf von Wechseln vor Fälligkeit unter Abzug der Zinsen für die Zeit vom Ankaufstag bis zum Fälligkeitstag. Der Abzug der Zinsen wird als Diskont bezeichnet. Der Nominalbetrag des Wechsels verringert um den Diskont ergibt den Barwert, der dem Wechseleinreicher zur Verfügung gestellt wird. Obwohl man bei der Wechseldiskontierung vom Ankauf durch die Bank spricht, handelt es sich um ein Kreditgeschäft, da der Wechseleinreicher der Bank gegenüber so lange verpflichtet bleibt, bis der Bezogene Zahlung geleistet hat. Die Kosten des Diskontkredits setzen sich zusammen aus dem Diskont, den das Kreditinstitut von der Wechselsumme abzieht, und aus den Diskontspesen, die beim Inkasso des Wechsels auftreten können. Bei einer Wechselsumme von 100 GE und einem Diskontsatz von 6 % p. a. ergibt sich bei 360 Tagen Laufzeit ein Diskonterlös von 94 GE und damit effektive Kreditkosten von:  Beim Kostenvergleich mit dem Kontokorrentkredit ist noch zu berücksichtigen, dass die Zinsen beim Diskont im Voraus abgezogen werden. Infolge der europäischen Währungsunion und der Übertragung der Geldpolitik von der Deutschen Bundesbank auf die Europäische Zentralbank wurde die Rediskontpolitik als Instrument der Geldmengensteuerung aufgegeben. Dadurch entfiel die privilegierte Refinanzierungsmöglichkeit von Kreditinstituten bei der Gewährung von Diskontkrediten. Aus diesem Grund ist die Bedeutung von Diskontkrediten seit 1999 stark gesunken. Allerdings werden Wechsel seit der Einführung des Euro als Kategorie-II-Sicherheit (marktfähige Sicherheiten mit besonderer Bedeutung für nationale Finanzmärkte und Sicherheiten) vom europäischen System der Zentralbanken akzeptiert. Kreditinstitute können deshalb diskontierte Wechsel zur Kreditaufnahme bei den Landeszentralbanken nutzen. Folgende Kriterien gelten dafür: 1. Mindestlaufzeit: 1 Monat, 2. maximale Restlaufzeit: 6 Monate, 3. kein Mindestbetrag, D. Alternativen der Kapitalaufbringung462 4. Währung: auf Euro oder nationale Währung lautend, 5. Sitz des Schuldners: Deutschland, 6. Bonität: zumindest ein Wechselmitverbundener muss als notenbankfähig eingestuft sein, und 7. Bewertung: Abzinsung mit dem 3-Monats-EURIBOR und einem zusätzlichen Bewertungsabschlag von zwei Prozent. d) Commercial Papers, Euronotes und Medium Term Notes Als Alternative zu kurzfristigen Krediten bei revolvierendem Kreditbedarf bieten sich für große Unternehmen Commercial Papers oder Euronotes an. Als Entstehungsursache kann der Versuch von Großbanken gesehen werden, ihre Bilanzen von der Aufblähung durch langfristige Roll-Over-Kredite zu minimalen Margen zu entlasten. Als Lösung bot sich die direkte Zusammenführung der institutionellen Kapitalanleger mit den Kreditnehmern über die Emission von Notes an. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch wachsende Überliquidität der internationalen Investoren, besonders der Versicherungen und Pensionskassen. Mit Euronotes und Commercial Papers umgehen Großunternehmen die Banken als Kreditgeber und emittieren eigene kurzfristige Notes am Kapitalmarkt (vgl. auch Abschnitt C I 3). Die Disintermediation, d. h. die Nachfrageverschiebung der Nichtbanken führt bei den Banken zu dem Verlust der Kreditnehmer mit bester Bonität, da sich diese Unternehmen direkt an die Kapitalmärkte wenden. Konsequenz dessen sind die Verschlechterung der Kreditportefeuilles der Banken und die Zunahme der Kapitalkosten für im Portefeuille verbleibende mittelständische und Kleinunternehmen. Darüber hinaus bedeutet dies für die Banken den Übergang vom Zinsspannen- zum Provisionsgeschäft. Commercial Papers und Euronotes sind Inhaberpapiere (Schuldverschreibungen) mit Laufzeiten zwischen sieben Tagen und zwei Jahren, abhängig vom Kreditbedarf des Schuldners und der Marktlage. Seit Anfang der 90er-Jahre ist zu beobachten, dass Commercial Papers und Euronotes häufiger mit mittleren Laufzeiten von zwei bis vier Jahren begeben werden. Diese sog. Medium Term Notes sind etwa zehn Jahre zuvor in den USA entstanden und seit 1986 vorrangig in Euromarktsegmenten verfügbar.59 Ihr rechtlicher Charakter ist der eines voll übertragbaren Zahlungsversprechens (Fully Negotiable Promissory Note), vergleichbar einem umlauffähigen Sola-Finanzwechsel. Eine Sicherstellung erfolgt i. d. R. nicht. Schuldner und platzierende Bank schließen einen Rahmenvertrag über eine Daueremission ab, wobei der Schuldner optieren kann, ob und in welchem Ausmaß die Fazilität in Anspruch genommen wird. Das maximale Emissionsvolumen wird innerhalb des Rahmenvertrages für ein bis sieben Jahre festgelegt. Die Programme sollten aus Kostengründen mindestens 50 Mio. € – bei einem Mindesttranchenvolumen von 2,5 Mio. € – umfassen. Die Papiere werden diskontiert ausgegeben; die Emission erfolgt i. d. R. als Privatplatzierung. Die Verzinsung der Papiere ist für die Laufzeit fest und kann bei Neuemissionen jeweils verändert werden. Die Verzinsung orientiert sich überwiegend am LIBOR oder EURIBOR zuzüglich eines Abschlages von bis zu 1/4 % oder eines Aufschlages bis zu 1 %. Die Zinssätze werden damit vom allgemeinen Zinsniveau der Geldmärkte, von den Fälligkeiten und dem Kredit-Rating der Emission 59 Vgl. Rohleder, Medium Term Notes, 1989. II. Außenfinanzierung 463 bestimmt. Weitere Kosten sind die einmalige Arrangierungsprovision, die jährlichen Gebühren der Zahlstelle, die Emissions- und Ausstellungsgebühren, die Druckkosten und gegebenenfalls die Börseneinführungsgebühren. Bei der Begebung von Euronotes und Commercial Papers haben sich Funktionsteilungen der beteiligten Banken und Kreditinstitute in Anlehnung an syndizierte Anleihen herausgebildet. Beiden Programmen ist gemeinsam, dass der Arrangeur die Vertragsdokumentation übernimmt und die Placing Agents zusammenstellt. Dafür erhält er die Arrangement Fee (ca. 1/8 % des Kreditbetrages). Euronotes unterscheiden sich von Commercial Papers durch die Underwriter-Garantie. Hierin verpflichten sich Kreditinstitute, nicht platzierte Notes bis zu einem vorab festgelegten Höchstbetrag, der Back-up-Linie, zu übernehmen. Die Verpflichtung erstreckt sich auf den Aufkauf dieser Notes zu einem festgelegten Zinssatz, wenn eine Platzierung der Notes zu diesem oder einem geringeren Zinssatz nicht möglich ist (Revolving Underwriting Facility – RUF) oder der Einräumung einer Kreditlinie (Note Standby Facility). Im letzteren Fall übernehmen die Underwriter keine Rückkaufsverpflichtung, sondern stellen dem Kreditnehmer eine Kreditlinie zur Verfügung, die es ihm selbst ermöglicht, die Papiere bei Nichtplatzierung aus dem Markt zu nehmen. Als Oberbegriff für die Möglichkeit der Kreditmobilisierung durch die Ausgabe garantierter Euronotes (Underwritten Euronotes Facilities) hat sich die Note Issuance Facility (NIF) herausgebildet. Die Placing Agents übernehmen den Verkauf der Euronotes und Commercial Papers. Bei den beiden Sole-Placing-Agent-Methoden (SPA-Methoden) erfolgt die Platzierung durch ein einziges Institut. Demgegenüber erhalten bei der Multiple-Placing-Agent- Methode (MPA-Methode) die Underwriter Notes zum Verkauf entsprechend ihrer Übernahmeverpflichtung. Als Nachteil ergibt sich hier, dass die Underwriter nicht gleichzeitig eine gute Platzierungskraft besitzen müssen. Werden die Euronotes oder Commercial Papers nicht platziert, so hat der Kreditnehmer den vereinbarten höheren Kreditzins im Falle einer Underwriter-Garantie zu zahlen oder kann keine Kapitalaufnahme durchführen. Sowohl bei der SPA- als auch bei der MPA-Methode kann der Emittent nicht von im Markt erzielbaren Konditionen profitieren, da er unabhängig von den erzielten Konditionen den Placing Agents den vereinbarten Zinssatz zu zahlen verpflichtet ist. Demgegenüber erfolgt beim Tender-Panel-Agent-Verfahren (TPA-Methode) die Zuteilung für den Verkauf nach den günstigsten zu erzielenden Konditionen. Die Placing Agents müssen an den Tender-Panel-Agent Zins- und Kursangebote (Bids) abgeben, was diese auf der Grundlage von Gesprächen mit Kapitalanlegern tun. Der Zuschlag wird den Instituten mit dem niedrigsten Zins- bzw. höchsten Kursangebot erteilt. Der Vorteil der TPA-Methode ist darin zu sehen, dass durch den Wettbewerb günstige Zinssätze für den Kreditnehmer erzielt werden. Werden von den Placing Agents ausschließlich über dem Marktzins liegende Angebote abgegeben, besteht für den Emittenten der Nachteil, dass er Höchstzinsen zu zahlen hat. Häufig wird deshalb dem Emittenten das Recht eingeräumt, einzelnen Tender-Panel-Mitgliedern zu kündigen. Ein weiterer Nachteil der TPA-Methode besteht darin, dass die Placing Agents die Papiere zunächst nur unter dem Vorbehalt der erfolgreichen Zuteilung anbieten können. Erfolgt dann keine Zuteilung, führt dies zu einer Gefährdung zukünftiger Emissionen, da sich PlacingAgents und Investoren nicht mehr am Auktionsverfahren beteiligen. Die Continuous-Tender-Panel-Methode (CTP-Methode) versucht, diese Mängel zu beheben. Bei dem CTP-Verfahren wird ein CTP-Manager eingesetzt, der im Falle eines Kreditbedarfs die im Panel vereinigten Placing Agents informiert, die für die Dauer der Platzierungsperiode das Continuous-Tender-Panel bilden. Die emittierten D. Alternativen der Kapitalaufbringung464 Wertpapiere können vom Manager direkt an seine Kunden als auch indirekt an die Mitglieder des Panels zu einem vorab bestimmten Zinssatz (strike offered yield) verkauft werden. Der Zins kann dabei in Übereinstimmung mit dem Emittenten während der Platzierungsdauer variiert werden. Underwriter, deren Zinsgebote bis zur maximalen Höhe des strike offered yield reichen, erhalten entsprechend ihrer Beteiligung an der Underwriter-Garantie Papiere zum Verkauf zugeteilt. Zusätzlich besteht für die Mitglieder des CTP die Möglichkeit zur Reservierung von Beträgen ohne spätere Übernahmeverpflichtung, wenn sie mit potenziellen Investoren verhandeln. Im Rahmen des Issuer-Set-Margin-Verfahren (ISM-Methode) legt der Emittent in Absprache mit dem Arrangeur zu Beginn der Emission einen Preis fest, zu dem die Placing Agents Papiere übernehmen können. Für die Platzierung der übrigen Wertpapiere ist der Arrangeur verantwortlich. Der Vorteil dieser Methode liegt in der schnellen Distribution und der Preiskontrolle durch den Emittenten. Für den Schuldner bieten Commercial-Paper- oder Euronotes-Programme insbesondere die Vorteile niedriger Kreditbeschaffungskosten, hoher Flexibilität, Diversifizierung der Kreditgeberbasis und im Falle des Vorliegens einer Underwriter-Garantie der festen Liquiditätszusage.60 Bei erfolgreicher Platzierung der Commercial Papers oder Euronotes beim Publikum hat der Kreditnehmer die Marktzinssätze der Eurogeldmärkte zuzüglich der entsprechenden Gebühren der Kreditinstitute zu bezahlen. Die effektiven Kreditkosten liegen damit nur unwesentlich über den kurzfristigen Marktzinsen. Bei Nichtplatzierung hat der Kreditnehmer den mit den Underwritern vereinbarten Maximum Spread als Zinsverpflichtung zu erbringen. Die Kreditzinsen liegen dann höher als bei einer Platzierung der Papiere am Markt. Liegt eine Underwriter-Garantie vor, kann sich der Kreditnehmer langfristig zu den kurzfristigen Zinssätzen refinanzieren, was bei einem normalen Verlauf der Zinsstrukturkurve günstig ist. Da Euronotes und Commercial Papers in diesem Kontext Kredit-, Geld- und Kapitalmärkte vereinigen, werden sie auch als hybride Finanzinstrumente bezeichnet. Die Ausgabe von Euronotes oder Commercial Papers ist gegenüber der Auflegung einer Anleihe wesentlich flexibler. Die Laufzeit der Notes kann jeweils neu festgesetzt werden, so dass bei erwarteten Zinssenkungen Laufzeitreduzierungen bei einer jeweiligen Neuplatzierung der Notes möglich sind. Auch das Volumen der emittierten Papiere kann dem schwankenden Kreditbedarf angeglichen werden. Die Bereitstellung der Kreditmittel erfolgt nicht ausschließlich durch eine begrenzte Zahl von Kreditinstituten, sondern auch durch zusätzliche Kreditgeber aus anderen Wirtschaftssektoren. Dadurch wird die Abhängigkeit gegenüber einzelnen Kreditgebern reduziert. Die Vertragsdokumentation ist relativ einfach und basiert auf dem Euronote Facility Agreement. Ein Börseneinführungsprospekt muss nicht erstellt werden. Es erweist sich bei Euronotes als Problem, dass durch die Underwriter-Kreditinstitute hohe Eventualverbindlichkeiten übernommen werden. Der Kontakt zwischen den Underwriterbanken und dem Kreditnehmer ist i. d.R. nicht so eng wie bei gewöhnlichen Bankkreditbeziehungen. Risikoveränderungen während der Laufzeit können deshalb durch die Kreditgeber nicht ausreichend beobachtet werden. Die Liquiditätsplanung der Underwriter-Kreditinstitute wird erschwert, da die Inanspruchnahme der Facility vorab nicht planbar ist. 60 Vgl. Dobret, Peetzen, Euronotes, 1987. II. Außenfinanzierung 465 e) Lombardkredite Unter Lombardkredit versteht man die Ausreichung eines Darlehens gegen ein Faustpfand (bewegliche Sachen oder Forderungen; vgl. §§ 1204ff. BGB). Das Charakteristikum des Lombardkredits ist somit die Art der Sicherstellung (vgl. Abbildung D 16). Die Grenzen zu einem durch Verpfändung gesicherten Kontokorrentkredit sind jedoch mitunter fließend. Der Lombardkredit wird i.d.R. als fester Betrag für eine bestimmte Laufzeit ausgereicht und ist nach Fristablauf in einer Summe zu tilgen. Dies unterscheidet ihn vom flexibel beanspruchbaren, durch Faustpfand gesicherten Kontokorrentkredit (unechter Lombard). Kredite gegen Faustpfand werden ausgereicht von Kreditinstituten, von der Deutschen Bundesbank und darüber hinaus auch von Pfandleihanstalten (Leihhäusern). Im vorliegenden Zusammenhang sind nur Lombardkredite der Banken von Interesse. Je nach Art der zugrunde liegenden Pfandobjekte können folgende Formen des Lombardkredits unterschieden werden: 1. Effektenlombard, 2. Wechsellombard, 3. Warenlombard, 4. Forderungslombard und 5. Edelmetallombard. Effektenlombard Beim Effektenlombard wird ein Kredit gegen Verpfändung von Effekten, d. h. fungiblen Wertpapieren (Aktien, Industrieobligationen, Pfandbriefe, Anleihen der öffentlichen Hand u. a.), gewährt. Er ist der Veräußerung der Wertpapiere vorzuziehen, wenn es sich nur um einen kurzfristigen Kapitalbedarf handelt oder der Kurs der Effekten sich zum Zeitpunkt des Kapitalbedarfs ungünstig stellt. Beliehen werden durch Kreditinstitute bevorzugt börsennotierte Effekten. Für festverzinsliche Werte liegt die Beleihungsgrenze bei ca. 80%, während bei Aktien eine Beleihung zu ca. 50% ihres Wertes erfolgt. Bei nicht börsennotierten Werten liegen die Beleihungswerte i.d.R. niedriger. Kreditnehmer Eigentümer der Ware/Sache Kreditgeber Real- Kreditvertrag Kreditsumme Übergabe der Ware/Sache als Sicherheit Abb. D 16: Lombardkredit D. Alternativen der Kapitalaufbringung466 Beim Effektenlombard der Kreditinstitute überwiegt der unechte Lombard. Effekten, die ein Kreditnehmer im Depot einer Bank hinterlegt hat, gelten aufgrund der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken automatisch für eingeräumte Kredite als verpfändet. Die Effekten dienen daher vielfach zur Sicherung von Kontokorrentkrediten. Echte Effektenlombardkredite werden häufig für den Kauf von Wertpapieren verwendet, wobei der Kreditnehmer dann für den Ankauf nur den die Beleihungsgrenze übersteigenden Betrag einschießen muss. In starken Baissezeiten kann von solchen Krediten ein zusätzlicher Kursdruck ausgehen, wenn die Kreditnehmer von den Banken gezwungen werden, zusätzliche Sicherheiten zu stellen oder das Engagement zu liquidieren. Dies hat sich besonders beim „Börsencrash“ im Oktober 1987 gezeigt, als innerhalb eines Tages die Beleihungsgrenzen vieler durch Kredit finanzierter Wertpapierdepots deutlich unterschritten wurden. Im Interbankengeschäft wurde der Effektenlombard in großen Teilen durch das Wertpapierpensionsgeschäft verdrängt. Hierbei handelt es sich um einen Vertrag, bei dem der Besitzer/Eigentümer von Wertpapieren (Pensionsgeber) diese an einen Dritten (Pensionsnehmer) für eine begrenzte Zeit unter Übernahme der Rückkaufverpflichtung verkauft. Bei einem echten Wertpapierpensionsgeschäft ist der Pensionsnehmer im Gegensatz zum unechten Pensionsgeschäft verpflichtet, die Wertpapiere wieder zurückzuverkaufen. Beim unechten Pensionsgeschäft hat der Pensionsnehmer dagegen die eigene Wahl, ob er die Wertpapiere wieder verkaufen will. An der Rückkaufverpflichtung des Pensionsgebers ändert dies aber nichts. Wechsellombard Da der Wechsellombard teurer ist als der Wechseldiskont, besitzt er für die Kreditbeschaffung von Unternehmen eine geringe Bedeutung. Er wird meistens nur gewählt, wenn ein Kapitalbedarf von wenigen Tagen gedeckt werden soll. Warenlombard Das Warenlombardgeschäft ist mit dem Nachteil behaftet, dass die verpfändeten Waren dem Kreditgeber übergeben werden müssen. Der Kreditgeber muss daher je nach Art der Waren entsprechende Möglichkeiten der Lagerung besitzen. Eine direkte Einlagerung von Waren durch Kreditinstitute ist in Deutschland nicht üblich. Die Einlagerung kann jedoch bei einem Lagerhalter unter Mitverschluss der Bank erfolgen. Größere Bedeutung besitzt die Verpfändung von handelsrechtlichen Order- bzw. Dispositionspapieren, die das Recht an der Ware verbriefen. Die Verpfändung lagernder Ware kann durch Einlagerung in den Lagerhausanstalten erfolgen, die ermächtigt sind, „Orderlagerscheine“ auszustellen. Mit Indossierung und Übergabe dieses Orderlagerscheins geht auch das Eigentum an der Ware über. Der Orderlagerschein erleichtert somit die Verpfändung von Waren. Die Verpfändung rollender Ware kann im Eisenbahnverkehr durch Übergabe des Frachtbriefduplikats erfolgen. Das Frachtbriefdoppel ist kein handelsrechtliches Dispositionspapier, dessen Übergabe die Besitzübertragung an der Ware ersetzen könnte. Aber die Übergabe des Frachtbriefduplikats verhindert, dass der Versender die Waren zuungunsten des Kreditgebers umdisponiert. Die Lombardierung schwimmender Ware kann durch Übertragung des Konossements als klassischem handelsrechtlichem Dispositionspapier (vgl. §§363 und 650 HGB) erfolgen. Das Konossement wird in der Überseeschifffahrt ausgestellt, während in der Binnenschifffahrt der Ladeschein des Binnenschiffers (Flusskonossement, II. Außenfinanzierung 467 Binnenkonossement) diesem gleichkommt. Das Konossement wird i.d.R. an Order ausgestellt, und nur der durch eine fortlaufende Kette von Indossamenten ausgewiesene rechtmäßige Inhaber des Konossements kann über die Ware verfügen. Konossemente in der Seeschifffahrt werden regelmäßig in mehreren Originalfassungen ausgefertigt, wobei zur Verfügung über die Ware ein Original genügt. Die Verpfändung von Orderpapieren im Rahmen des Lombardkredits erfolgt durch Einigung zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer und der Übergabe des indossierten Papiers (Pfandindossament §1292 BGB). Forderungslombard Auch Rechte können nach §§ 1273ff. BGB verpfändet werden. Beim banküblichen Lombardkredit kommen als verpfändbare Rechte vor allem Forderungen in Frage. So können speziell Lebensversicherungspolicen in Höhe des Rückkaufwertes als Pfand Verwendung finden. Weniger bedeutsam ist die Verpfändung von Spar- und Festgeldguthaben, die nur bei einem sehr kurzfristigen Kapitalbedarf sinnvoll ist. Die Verpfändung einer Forderung ist nur dann wirksam, wenn der Gläubiger sie dem Schuldner anzeigt (vgl. § 1280 BGB). Daher wird in der Praxis der Verpfändung von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen die Forderungsabtretung (Zession) vorgezogen (s. auch Abschnitt 2 c). Edelmetallombard Die Verpfändung von Edelmetallen, Schmucksteinen und -stücken besitzt bei der kurzfristigen Fremdfinanzierung von Unternehmen keine Bedeutung. Kreditinstitute nehmen im Allgemeinen nur Goldbarren, -münzen und Medaillen entgegen, denen ein notierter Kurs zugrunde liegt. Für die Kreditbeschaffung von Privatpersonen durch Edelmetall- und insbesondere Schmucklombard sind Pfandleihanstalten von größerer Bedeutung. Pfandleihanstalten zählen nicht zu den Kreditinstituten im Sinne des KWG. f) Kreditleihe Bei den bisher behandelten Formen des kurzfristigen Bankkredits wird der Unternehmung durch das Kreditinstitut Geld zur Verfügung gestellt, weshalb daher auch von Geldleihe gesprochen wird. Bei der Kreditleihe dagegen erhält die Unternehmung keine finanziellen Mittel, sondern sie leiht sich die Kreditwürdigkeit einer Bank, d. h., die Bank steht mit ihrem Namen für das Unternehmen ein. An die Kreditleihe kann sich eine Geldleihe anschließen, wodurch dann dem Unternehmen finanzielle Mittel zufließen. Somit stellt die Kreditleihe per se keine Finanzierung dar. Aus Sicht der neoinstitutionalistischen Finanzierungstheorie ist die Kreditleihe dann eine nutzenstiftende Institution, wenn der uninformierte Kreditgeber durch das Einstehen eines Kreditnehmers zweifelsfreier Bonität für die Schuld von den Kosten der Informationsbeschaffung befreit wird. Dies ist etwa dann der Fall, wenn der Verkäufer einer Ware eine Garantie der Hausbank des Käufers mit hervorragender Bonität erhält. Zwischen der Hausbank und dem Käufer der Ware ist wiederum die Informationsasymmetrie als geringer einzuschätzen, da hier bspw. eine langjährige Geschäftsbeziehung vorliegt. Somit kann die Kreditleihe als eine die Informationsbeschaffungskosten senkende Maßnahme angesehen werden. Formen der Kreditleihe sind der Akzeptkredit und der Avalkredit. D. Alternativen der Kapitalaufbringung468 Akzeptkredit Beim Akzeptkredit erteilt ein Kreditinstitut einem Kunden ein Bankakzept. Die Bank räumt dem Kunden das Recht ein, auf sie einen Wechsel zu ziehen, der dann von der Bank als Bezogener akzeptiert wird (vgl. Abbildung D 17). Bei Fälligkeit des Wechsels muss der Kunde die Wechselsumme der Bank zur Verfügung stellen. Die Bank ist daher zwar wechselrechtlich Hauptschuldner, sie hat jedoch nur dann einzustehen, wenn ihr Kunde den Betrag nicht rechtzeitig anschafft. Für diese Eventualhaftung verlangt die Bank von ihrem Kunden eine Akzeptprovision (ca. 1%). Das Bankakzept kann vom Kunden an einen seiner Gläubiger (z. B. Lieferant) weitergegeben oder bei einem Kreditinstitut diskontiert werden. Die Diskontierung erfolgt häufig bei der gleichen Bank, die das Akzept erteilt hat (Selbstdiskontierung). Das Bankakzept wird zu einem Vorzugssatz diskontiert, der unter dem normalen Diskontsatz liegt. Der Akzeptkredit besitzt seine größte Bedeutung im Rahmen des Außenhandels. Der Name und die Kreditwürdigkeit einer Bank treten an die Stelle des Schuldners (Abnehmer, Importeur), der häufig dem Gläubiger (Lieferant, Exporteur) nicht hinreichend bekannt ist. Die Kreditwürdigkeit der Bank gewährleistet die Einlösung des Wechsels und ermöglicht dem Gläubiger eine Diskontierung des Akzepts bei seiner Hausbank. Der Akzeptkredit besitzt daher im Rahmen von Rembourskrediten eine gesteigerte Bedeutung (s. Abschnitt D II 4 g). Avalkredit Unter einem Aval versteht man die Übernahme einer Bürgschaft oder Garantie durch ein Kreditinstitut im Auftrag eines Kunden (Avalkreditnehmer) gegenüber einem Dritten (Avalbegünstigter). Im Rahmen des Avalkredits steht die Bank für gegenwärtige oder zukünftige Verbindlichkeiten unterschiedlicher Art ihrer Kunden gegenüber Dritten ein (vgl. Abbildung D 18). Der Avalkreditnehmer bleibt Hauptschuldner seines Gläubigers, und die Bank wird nur dann in Anspruch genommen, wenn der Avalkreditnehmer nicht zahlt. Der Avalkredit stellt für die Bank eine Eventualverbindlichkeit dar. Die von der Bank übernommene Bürgschaft ist selbstschuldnerisch, d. h., wie bereits erwähnt, Verkäufer der Ware Gläubiger (Wechsel) Aussteller (Wechsel) Käufer der Ware Kunde des Kreditinstituts Schuldner (Bankakzept) Wechselbeziehung Akzeptkreditvertrag (Bankakzept) Bank Schuldner (Wechsel) Bezogener (Wechsel) Gläubiger (Bankakzept) Vorlage bei Fälligkeit des Wechsels Zahlung des Wechselbetrags Zahlung Abb. D 17: Akzeptkredit II. Außenfinanzierung 469 dass ihr die Einrede der Vorausklage nicht zusteht, da die Bürgschaftserteilung für die Bank ein Handelsgeschäft darstellt (§ 349 HGB). Der Avalbegünstigte kann sich daher bei Zahlungsverzug des Avalkreditnehmers sofort an die bürgende Bank wenden, ohne vorherige Klageerhebung gegen den Hauptschuldner. Das Bankaval kann sich stets nur auf die Zahlung eines bestimmten Geldbetrages beziehen und nicht auf die Erbringung anderer Leistungen, wie etwa auf Erfüllung der Lieferung, gerichtet sein. Für die Einräumung des Avalkredits berechnet die Bank eine Avalprovision, deren Höhe von der Laufzeit, dem Bürgschaftsbetrag und von einer etwaigen Sicherstellung des Avals abhängt (ca. 1,5% bis 3% p. a.). Bankavale werden häufig bei der Stundung von Abgaben durch die öffentliche Hand benötigt. Typische Formen sind hier das Zollaval und das Frachtaval. Für die Stundung von Zöllen und Einfuhrabgaben verlangt die Zollverwaltung eine Bankbürgschaft. Diese Bürgschaft ermöglicht es dem Importeur, die zu leistenden Abgaben aus dem Erlös der Importwaren zu begleichen. Über die Deutsche Verkehrskreditbank AG können Frachten der Deutschen Bahn gestundet werden. Voraussetzung ist auch hier ein Frachtaval gegenüber der Deutschen Verkehrskreditbank. Bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand werden häufig Bietungsgarantien verlangt. Hierbei verpflichtet sich die Bank für ihren Kunden, dass dieser den Auftrag ausführt, wenn er den Zuschlag erhält. Die Bietungsgarantie beträgt etwa 5–10 % des Auftragswertes. Bietungsgarantien werden auch häufig bei Auslandsgeschäften gefordert. Dabei sind zusätzlich bezüglich des Umfangs weitergehende Lieferungs- und Leistungsgarantien üblich. Hierbei verpflichtet sich die Bank gegenüber dem Besteller (Avalbegünstigter) zur Zahlung eines bestimmten Betrages, wenn der abgeschlossene Liefervertrag nicht ordnungsgemäß durch den Avalkreditnehmer erfüllt wird. Die in bestimmten Branchen (Schiffsbau, Großmaschinenbau) und im Auslandsgeschäft üblichen Anzahlungen können durch eine Anzahlungsgarantie sichergestellt werden. Erfolgt keine ordnungsgemäße Erfüllung der Lieferverpflichtung, so erhält der Besteller (Avalbegünstigter) einen Betrag in Höhe der Anzahlung von der Bank zurück vergü- Verkäufer der Ware Gläubiger (Handelsgeschäft) Avalbegünstigter Käufer der Ware Schuldner (Handelsgeschäft) Avalkreditnehmer Anspruch auf Erfüllung Anspruch aus der Bankbürgschaft/ Bankgarantie Bank Avalkreditgläubiger Avalkreditvertrag Verbindlichkeit Bankbürgschaft / Bankgarantie Abb. D 18: Avalkredit D. Alternativen der Kapitalaufbringung470 tet. Im Rahmen einer Gewährleistungsgarantie verpflichtet sich die Bank zur Zahlung eines bestimmten Betrages, wenn das vom Avalkreditnehmer gelieferte Produkt den vereinbarten Anforderungen nicht genügt. Auch für Prozessverpflichtungen können Bankbürgschaften erforderlich sein (Prozessaval). So können etwa Bankavale als Sicherheitsleistung bei vorläufig vollstreckbaren Urteilen oder zur Abwendung einer Zwangsvollstreckung dienen. Eine Sonderform des Avalkredits stellt die Bürgschaft für Wechselschulden dar. Die Bank unterzeichnet dabei den Wechsel, für den sie bürgen soll, als Aussteller, Girant (Indossant) oder als Wechselbürge. Wechselbürgschaften sind speziell bei der Stundung von Holzlieferungen der staatlichen Forstverwaltungen üblich. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Holzgeldavalen. g) Kredite im Auslandsgeschäft Die beschriebenen kurzfristigen Kreditformen stehen prinzipiell auch für das Au- ßenhandelsgeschäft zur Verfügung. Es haben sich hierbei jedoch einige spezielle Kreditformen herausgebildet, die teilweise Kombinationen der bisher erläuterten Arten darstellen. Akkreditiv Ein Akkreditiv stellt den Auftrag eines Bankkunden an seine Bank dar, aus seinem Guthaben an einen Dritten eine bestimmte Geldsumme zu bezahlen. Die Auszahlung erfolgt dabei nur, wenn die vom Akkreditiveröffner gestellten Bedingungen durch den Begünstigten erfüllt werden. Beim sog. Barakkreditiv sind diese Bedingungen meist die Vorlage eines Ausweispapieres und Leistung der Unterschrift durch den Begünstigten. Barakkreditive besaßen früher im Reiseverkehr als Zahlungsmittel eine gewisse Bedeutung. Sie sind jedoch heute nahezu vollständig durch Check- und Kreditkarten abgelöst worden. Wesentlich größere Bedeutung als das Barakkreditiv besitzt für die Abwicklung von Handelsgeschäften das Dokumentenakkreditiv. Die Auszahlung beim Dokumentenakkreditiv ist an die Vorlage genau spezifizierter Dokumente durch den Akkreditivbegünstigten gebunden. Hat der Akkreditivsteller der akkreditiveröffnenden Bank den Akkreditivbetrag sofort anzuschaffen, so entsteht kein Kreditverhältnis. Das Akkreditiv stellt somit primär einen entgeltlichen Geschäftsbesorgungsvertrag (§ 675 BGB) dar. Ein Kreditverhältnis entsteht erst, wenn weitere Modalitäten hinzutreten. Die Abwicklung von Akkreditiven im Rahmen des Außenhandels vollzieht sich weitgehend nach den „einheitlichen Richtlinien und Gebräuchen für Dokumentenakkreditive“ der Internationalen Handelskammer, die durch Banken und Bankenverbände der wichtigsten Handelsnationen akzeptiert wurden. Dokumentenakkreditive werden durch den Importeur bei seiner Hausbank (Akkreditivbank) eröffnet (vgl. Abbildung D 19 (1)). Zur Abwicklung bedient sich die Akkreditivbank einer Korrespondenzbank im Lande des Akkreditivbegünstigten (2). Die Korrespondenzbank teilt dem Akkreditivbegünstigten die Eröffnung und die Bedingungen mit (3) und nimmt die Dokumente entgegen (5), welche die vom Exporteur versandte Ware (4) auszulösen erlauben (11); nach ordnungsgemäßer Abwicklung leistet sie Zahlung an den Begünstigten (6). Das Akkreditiv ermöglicht den Zug-um-Zug-Kauf über räumliche Distanzen hinweg. Sowohl die Avisierende Bank als auch der Importeur tauschen jeweils die Dokumente (7) (9) gegen Zahlungen (8) (10). An die Stelle der Zahlungsverpflichtung der Akkreditivbank kann ihre Verpflichtung zur Akzeptierung eines Wechsels treten. II. Außenfinanzierung 471 Akkreditive können widerruflich oder unwiderruflich erteilt werden. Ein widerrufliches Akkreditiv kann durch die Akkreditivbank auf Veranlassung des Auftraggebers jederzeit zurückgezogen werden. Da die Sicherheit in diesem Falle für den Akkreditivbegünstigten sehr gering ist, sind widerrufliche Akkreditive im Auslandsgeschäft sehr selten. Beim unwiderruflichen Akkreditiv verpflichtet sich die Akkreditivbank, bei ordnungsgemäßer Vorlage der Dokumente unwiderruflich Zahlung zu leisten. Die Sicherung des Exporteurs ist daher beim unwiderruflichen Akkreditiv wesentlich besser als beim widerruflichen. Soll noch eine Verstärkung der Sicherung des Lieferanten erfolgen, so kann ein bestätigtes Akkreditiv gewählt werden. Beim bestätigten Akkreditiv tritt die das Akkreditiv avisierende Korrespondenzbank zusätzlich in die Zahlungsverpflichtung ein. Dem Exporteur haftet somit neben der Akkreditivbank noch eine avisierende Bank (meist die Hausbank des Exporteurs). Wegen der dabei auftretenden doppelten Bankprovision wird es jedoch seltener gewählt als das unbestätigte Akkreditiv. Akkreditive können auch übertragbar und teilbar gestellt werden. In diesem Fall ist der aus dem Akkreditiv Begünstigte ermächtigt, das Akkreditiv auf einen Dritten oder mehrere Dritte (z. B. Unterlieferanten) zu übertragen. Wird der Akkreditivbetrag durch den Akkreditivsteller der Akkreditivbank nicht sofort bei Eröffnung angeschafft, sondern erst bei Eingang der Dokumente, so liegt eine Kreditleihe vor. Dies ist ebenfalls der Fall, wenn die Akkreditivbank für den Begünstigten einen Wechsel akzeptiert. Erfolgt eine Diskontierung des Wechsels durch die Akkreditivbank oder die Korrespondenzbank, so tritt zur Kreditleihe eine Geldleihe hinzu. Ein Kreditverhältnis kann sich auch aus dem ebenfalls im Außenhandelsgeschäft üblichen Dokumenten-Inkasso durch Kreditinstitute ergeben. Die Abwicklung eines Dokumenten-Inkasso erfolgt ähnlich wie das Akkreditiv, gewährt jedoch dem Exporteur nicht die gleichen Sicherheiten, da kein Kreditinstitut Exporteur Akkreditivbegünstigter Importeur Akkreditivsteller/-eröffner Ware (4) Auslieferung gegen Dokumente (11) Bank des Importeurs Akkreditivbank (eröffnende Stelle) Bank des Exporteurs Avisierende Bank (Akkreditivstelle) Dokumente (5) Akkreditvschreiben(2) Akkreditivantrag (1) Dokumente (7) Avis (3) Dokumente (9) Zahlung (6) Zahlung (8) Zahlung (10) Kaufvertrag Abb. D 19: Dokumentenakkreditiv D. Alternativen der Kapitalaufbringung472 die Zahlung bei Vorlage ordnungsgemäßer Dokumente gewährleistet. Die Sicherheit für den Exporteur besteht darin, dass die Warendokumente dem Importeur nur gegen Bezahlung bzw. Akzeptierung eines Wechsels ausgehändigt werden. Soweit es sich um handelsrechtliche Dispositionspapiere handelt, kann der Importeur vor Zahlung bzw. Akzeptierung über die Ware nicht verfügen. Erfolgt keine Abnahme der Ware, so trägt der Exporteur das Risiko einer anderweitigen Verwertung oder Rücksendung. Sollen die Dokumente nur gegen Zahlung ausgehändigt werden, so spricht man von „Documents against Payment“ (d/p); soll eine Aushändigung der Dokumente gegen Akzept erfolgen, so handelt es sich um „Documents against Acceptance“ (d/a). Im letzteren Fall kann der Exporteur den Wechsel diskontieren lassen und erhält somit sofort den Diskonterlös. Die Sicherung des Exporteurs ist jedoch von der Bonität der Akzeptanten abhängig. Rembourskredit Will sich der Exporteur mit dem Akzept des Importeurs nicht begnügen, da ihm dessen Bonität unbekannt ist oder unsicher erscheint, so wird er ein Remboursgeschäft fordern. Die Akzeptierung der Tratte bei Vorlage ordnungsgemäßer Dokumente erfolgt dann nicht durch den Käufer, sondern durch eine Bank, die sich hierzu verpflichtet hat. Die akzeptierende Bank wird als Remboursbank bezeichnet. Die Remboursbank ist häufig identisch mit der Hausbank des Exporteurs. Es kann jedoch auch die Bank des Importeurs gewählt werden oder – wie beim klassischen Rembourskredit – eine weitere angesehene Bank in einem dritten Land eingeschaltet werden. Der klassische Rembourskredit unter Einschaltung einer speziellen Remboursbank und somit von drei Kreditinstituten stellt heute, nicht zuletzt wegen der erhöhten Kosten, die Ausnahme dar. Das Bankakzept kann der Exporteur diskontieren lassen. Der Rembourskredit stellt somit eine Kombination aus Akzept- und Diskontkredit dar. Remboursbank Ware Auslieferung gegen Dokumente Kreditantrag Kaufvertrag Zahlung bei Fälligkeit Akzeptierungsauftrag und Rembourslinie Zahlung bei Fälligkeit) Tratte etc. Zahlung Akzept Tratte Remboursbank/ Dokumente Exporteur Akkreditivbegünstigter Importeur Akkreditivsteller/-eröffner Bank des ImporteursBank des Exporteurs Avisierende Bank (Akkreditivstelle) Diskontzahlung Akkreditivbank )(eröffnende Stelle Abb. D 20: Rembourskredit II. Außenfinanzierung 473 Der Rembourskredit kann auch mit einem Dokumentenakkreditiv gekoppelt sein. An die Stelle der Barzahlung bei Übergabe ordnungsgemäßer Dokumente tritt dann das Bankakzept (vgl. Abschnitt Akkreditiv und Abbildung D 20). Darüber hinaus gibt es insbesondere im angelsächsischen Bereich verschiedene Abwandlungen und Ausgestaltungen des Rembourskredits. Negoziierungskredit Die Negoziierungskredite stellen spezielle Formen des Diskontkredits dar, die sich im Außenhandelsgeschäft herausgebildet haben. Das Diskontgeschäft kann dabei mit einem Akkreditiv oder akkreditivähnlichen Ermächtigungen (z. B. Commercial Letter of Credit) verbunden sein. Wesentliche Formen der Negoziierungskredite sind: 1. Authority to Purchase, 2. Order to Negotiate und 3. Commercial Letter of Credit (CLC). Bei der Authority to Purchase ermächtigt die Bank des Importeurs die Hausbank des Exporteurs (oder eine sonstige Bank im Land des Exporteurs), eine vom Exporteur auf den Importeur gezogene Tratte zusammen mit den Dokumenten zu ihren Lasten anzukaufen. Die Bank des Exporteurs belastet dann ihrerseits den Wechselankauf der Bank des Importeurs weiter. Die Order to Negotiate unterscheidet sich hiervon dadurch, dass ein Bankakzept gewährt wird. Die Bank des Importeurs beauftragt die Bank des Exporteurs, eine auf sie (Importeursbank) gezogene Tratte mit den Dokumenten anzukaufen. Bei der Order to Negotiate ist daher die Importbank wechselmäßig verpflichtet, während bei der Authority to Purchase nur der Importeur als Hauptschuldner aus dem Wechsel haftet. Der Commercial Letter of Credit stellt ein dem Akkreditiv ähnliches Zahlungsversprechen dar. Es wird jedoch von der auftraggebenden Bank nicht an eine Korrespondenzbank gerichtet, sondern direkt an den Begünstigten adressiert. Der Begünstigte kann dann die von den Dokumenten begleitete Tratte unter Vorlage des Commercial Letter of Credit einer Bank seiner Wahl zum Ankauf anbieten. Auch eine direkte Einreichung bei der Bank, die den Letter of Credit ausgestellt hat, ist mitunter möglich, soweit es sich nicht um einen „restricted“ CLC handelt, bei dem der Ankauf nur durch eine vorgeschriebene Bank erfolgen kann. Akkreditivbevorschussung (Anticipatory Credit) Die Akkreditivklauseln können vorsehen, dass der Exporteur bereits vor Versendung der Ware und damit vor Einreichung der geforderten Dokumente aus dem Akkreditiv einen Vorschuss erhalten kann. Dies soll dem Exporteur die Finanzierung des Versands erleichtern (Packing Credit). Die Bedingungen der Bevorschussung können differieren und unterscheiden sich insbesondere dadurch, ob die Bevorschussung gesichert oder ungesichert erfolgt (sog. Farbklauseln: Green Clause and Red Clause). D. Alternativen der Kapitalaufbringung474 5. Kreditsubstitute a) Factoring Unter Factoring versteht man den vertraglich festgelegten laufenden Ankauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (meist vor Fälligkeit) durch einen Faktor (spezielles Finanzierungsinstitut oder Kreditinstitut) unter Übernahme bestimmter Service-Funktionen und häufig auch des Ausfallrisikos. Der Veräußerer der Forderung (Klient, Anschlusskunde oder -firma) kann dem Faktor die gesamte Debitorenbuchhaltung, das Inkasso- und Mahnwesen übertragen. Zu dieser Finanzierungs- und Dienstleistungsfunktion tritt bei Übernahme des Ausfallrisikos durch den Faktor noch die Kreditsicherungsfunktion hinzu. Das Factoring hat somit folgende Funktionen: 1. Finanzierungsfunktion (Ankauf und Kreditierung der Forderung); 2. Dienstleistungsfunktion (Verwaltung des Forderungsbestandes); 3. Kreditversicherungsfunktion (Delkrederefunktion), soweit der Faktor das Bonitätsrisiko übernimmt. Das Factoring hat sich, abgesehen von den Factoreien des Mittelalters, in England und insbesondere in den Vereinigten Staaten entwickelt. In den USA besitzt es eine erhebliche Bedeutung, was sich sowohl an der Vielzahl der Factorinstitute als auch an deren Umsatz zeigt. In Deutschland wird demgegenüber das Factoring erheblich weniger verwendet. Während in den USA der Faktor üblicherweise das Ausfallrisiko (Delkrederefunktion) übernimmt, stellte dies in Deutschland, insbesondere bei dem von Banken betriebenen Factoring, zunächst die Ausnahme dar. In den letzten Jahren hat sich auch in der Bundesrepublik der regresslose Ankauf der Forderungen als dominierende Form beim Factoring durchgesetzt. Nach der Übernahme des Kreditrisikos durch den Faktor wird unterschieden in: 1. echtes Factoring (Non Recourse Factoring) und in 2. unechtes Factoring (Recourse Factoring). Beim echten Factoring übernimmt der Faktor die Delkrederefunktion und kauft die Forderungen ohne Rückgriffsrecht an. Beim unechten Factoring verbleibt dagegen das Kreditrisiko beim Veräußerer der Forderungen. Als Ursache für die Hinwendung zum echten Factoring in der Bundesrepublik ist einerseits das gestiegene Ausfallrisiko durch die Zunahme der Insolvenzen zu sehen und zum anderen ein Wandel in der Rechtsprechung im Bereich der Kollision von Kreditsicherungsrechten. Das unechte Factoring wird von der Rechtsprechung weit gehend mit dem Zessionskredit gleichgestellt. Dadurch ergibt sich die bei der Globalzession (siehe dort) beschriebene Kollisionsproblematik mit dem verlängerten Eigentumsvorbehalt des Vorlieferanten. Übernimmt der Faktor das Ausfallrisiko nicht, so liegt wirtschaftlich betrachtet ein Kreditgeschäft vor. Trotzdem zählt das Factoring-Geschäft in der Bundesrepublik nicht zu den genehmigungspflichtigen Bankgeschäften im Sinne von § 1 KWG, und die Factoring-Institute unterliegen daher nur dann der Bankenaufsicht, wenn sie gleichzeitig eine Zulassung als Kreditinstitut beantragt haben.

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References

Zusammenfassung

"...gehört zu den etablierten Standardwerken für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung." boerse.de-MAGAZIN

Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist das Standardwerk für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung nach deutschem Recht. Neben den wichtigen Methoden der klassischen Finanz- und Investitionstheorie werden auch neue Finanzinstrumente und Erkenntnisse im Bereich der Kapitalmärkte erläutert, sodass dem Leser ein fundierter Überblick über den aktuellsten Stand der Forschung ermöglicht wird.

Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.