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2. Wertpapiere im Betriebsvermögen in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 398 - 399

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_398

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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VI. Die Besteuerung von Wertpapieren 383 von ausländischen Kreditinstituten ausbezahlt werden, bspw. weil der Privatanleger ein Wertpapierdepot im Ausland unterhält. Derartige Einkünfte müssen in die reguläre Einkommensteuerveranlagung mit einbezogen werden, unterliegen dann allerdings dem pauschalen Abgeltungsteuersatz ohne dass sie sich auf die Einkommensteuerprogression auszuwirken. Neben den beschriebenen Tatbeständen, die zu einer verpflichtenden Veranlagung führen, besteht auf Antrag des Steuerpflichtigen zudem die Möglichkeit, eine sog. Günstigerprüfung durchführen zu lassen (§ 32d Abs. 6 EStG). Als Konsequenz bedeutet dies, dass eine Prüfung vorgenommen wird, ob die Anwendung des persönlichen Einkommensteuersatzes des Anlegers auf die Kapitaleinkünfte zu einer niedrigeren Belastung führen würde, als eine pauschale Besteuerung in Höhe der Abgeltungsteuer. Ist dies der Fall, werden die Kapitaleinkünfte der Einkommensteuerprogression unterworfen. Ein Ansatz der tatsächlichen Werbungskosten ist in diesem Fall allerdings nicht möglich, wodurch auch bei der Wahlveranlagung zum persönlichen Steuersatz maximal der Sparer-Pauschbetrag angesetzt werden darf. In der Praxis dürfte die Günstigerprüfung die Ausnahme darstellen, da sie nur für Anleger mit geringen Einkommen, deren Differenzsteuersätze der Kapitaleinkünfte unter der Abgeltungsteuer liegen, Relevanz besitzt. 2. Wertpapiere im Betriebsvermögen Befinden sich Wertpapiere im Bestand von Land- und Forstwirten, Freiberuflern oder Gewerbetreibenden, so stellt sich die Frage ihrer Zuordnung zu Betriebs- oder Privatvermögen, welche mit bedeutenden steuerlichen Konsequenzen verbunden sein kann. Die Zuordnung zum notwendigen Privatvermögen erfolgt, wenn die betreffenden Wertpapiere ausschließlich privaten Zwecken dienen. Es handelt sich um notwendiges Betriebsvermögen, wenn die Papiere ausschließlich und unmittelbar für eigenbetriebliche Zwecke des Steuerpflichtigen genutzt werden. Das ist z. B. dann der Fall, wenn eine Beteiligung an einem Zulieferer-Unternehmen gehalten wird oder eine Bank Eigenhandelsbestände besitzt. Stehen Wertpapiere in einem gewissen objektiven Zusammenhang mit dem Betrieb und sind sie bestimmt und geeignet, ihn zu fördern, so können sie durch Ansatz in der Steuerbilanz als gewillkürtes Betriebsvermögen behandelt werden. Eine solche Wahlfreiheit bestünde z. B. beim Kauf von festverzinslichen Wertpapieren als Finanzanlage. Im Regelfall wird Freiberuflern die Aufnahme von Wertpapieren als Betriebsvermögen nicht möglich sein, da ein objektiver Zusammenhang der Wertpapiere mit dem Betrieb des Freiberuflers nur selten zu begründen ist.266 Bei Kapitalgesellschaften entfällt das Problem der Zuordnung, da diese nur Betriebsvermögen und kein privates Vermögen besitzen können. 266 So kam das Finanzgericht Köln zu dem Urteil, dass das Aktiendepot eines Arztes steuerlich nicht als Betriebsvermögen angesetzt werden darf, obwohl dieses in die Finanzierung der Arztpraxis als Sicherheit eingebracht wurde. Der Umgang mit Wertpapieren zu spekulativen Zwecken sei dem Beruf des Arztes „wesensfremd“, da freie Berufe maßgebend durch die eigene Arbeitskraft, den Einsatz des geistigen Vermögens sowie durch Kenntnisse aufgrund einer qualifizierten Ausbildung geprägt seien. Vgl. FG Köln, Urteil vom 25.09.2008, Aktenzeichen 15 K 1235/04. C. Wertpapiergeschäfte384 Sind die Wertpapiere dem Betriebsvermögen zuzuordnen, so werden die Erträge nicht wie Einkünfte aus Kapitalvermögen, sondern wie Betriebseinnahmen behandelt. Die Bewertung der Papiere richtet sich nach den einschlägigen steuer- und – wegen des Maßgeblichkeitsgrundsatzes – handelsrechtlichen Vorschriften. Hierdurch wird auch das Zuflussprinzip durch das handelsrechtliche Realisationsprinzip ersetzt. Dementsprechend müssen die während der Laufzeit anwachsenden Zins- und Zinseszins- Forderungen bei Auf- und Abzinsungspapieren im Betriebsvermögen zugeschrieben und damit jährlich versteuert werden. Hält eine natürliche Person Anteile einer Kapitalgesellschaft im Betriebsvermögen, kommt es nicht zur Anwendung der Abgeltungsteuer, sondern des sog. Teileinkünfteverfahrens, welches eine Abwandlung des vor der Unternehmensteuerreform 2008 auch für private Kapitaleinkünfte anzuwendende Halbeinkünfteverfahren darstellt. Das Teileinkünfteverfahren bedeutet, dass 40% der entsprechenden Einnahmen (Dividenden oder Veräußerungsgewinne) steuerfrei sind (§ 3 Nr.40 Buchst. a EStG). Demnach sind 60% voll steuerpflichtig und der Einkommensteuerprogression zu unterwerfen. Der für private Kapitaleinkünfte anzuwendende Sparer-Pauschbetrag gilt für das Teileinkünfteverfahren nicht. Allerdings dürfen 60% der mit den Kapitaleinkünften in wirtschaftlichem Zusammenhang stehenden Werbungskosten steuermindernd berücksichtigt werden (§3c Abs. 2 EStG). Das Teileinkünfteverfahren muss ebenfalls zwingend für Veräußerungsgewinne von im Privatvermögen gehaltenen Anteilen angewandt werden, falls innerhalb der vorangegangenen fünf Jahre eine Beteiligung von mindestens 1% vorlag (§17 Abs.1 EStG). Von großer Bedeutung ist die Tatsache, dass bei Gewerbetreibenden die Wertpapiereinkünfte der Gewerbesteuer unterliegen. Zur Entlastung von Personenunternehmen erfolgt allerdings eine Anrechnung des 3,8-fachen des Gewerbesteuer-Messbetrags auf die Einkommensteuer. Die Anrechnung ist auf die Höhe der tatsächlichen Gewerbesteuerbelastung bzw. auf denjenigen Anrechnungsbetrag, der zu einer Einkommensteuer von 0 EUR führt, begrenzt. In der Praxis führt das Teileinkünfteverfahren in Verbindung mit der Anrechenbarkeit der Gewerbesteuer dazu, dass sich regelmäßig nur im Falle sehr hoher Differenzsteuersätze der Anteilseigner bezogen auf die Kapitaleinkünfte ein Halten der Wertpapiere im Privatvermögen gegenüber dem Halten im Betriebsvermögen steuerlich vorteilhaft auswirkt.267 3. Besonderheiten bei ausländischen Wertpapieren Ausländische Wertpapiererträge unterliegen der deutschen Kapitalertragsteuer grundsätzlich genauso wie inländische. Oftmals werden Erträge aus ausländischen Wertpapieren, insbesondere Dividenden ausländischer Kapitalgesellschaften, im Ausland jedoch analog zur deutschen Besteuerung mit einer Quellensteuer belastet. Besteht zwischen der Bundesrepublik und dem betreffenden Land ein Doppelbesteuerungsabkommen, so kann eine Befreiung von der ausländischen Steuer vorgesehen sein (Freistellungsmethode). Häufiger beinhalten die Abkommen jedoch eine nachträgliche Ermäßigung oder teilweise Erstattung der ausländischen Quellensteuer noch in dem jeweiligen Land. In diesem Fall und im Fall, dass kein Doppelbesteuerungsabkommen 267 Vgl. Haberstock, Breithecker, Einführung in die Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, 15. Auflage, Berlin 2010, S.78 ff.

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Zusammenfassung

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Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.