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1. Wertpapiere im Privatvermögen in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 395 - 398

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_395

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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C. Wertpapiergeschäfte380 10. Welche Komponenten des Preises einer Option lassen sich unterscheiden? Von welchen Faktoren werden sie beeinflusst? Ihnen wird ein europäischer Kaufoptionsschein auf eine Aktie mit einer Restlaufzeit von einem Jahr und einem Basispreis von 18 GE angeboten. Der stetige Zinssatz für risikolose Anleihen beträgt 4% p. a. Die Volatilität der Aktie beträgt 25% p. a. Die zugrunde liegende Aktie notiert derzeit (t = 0) bei 20 GE. Berechnen Sie mit Hilfe eines einperiodigen Binomialmodells den arbitragefreien Preis der Kaufoption in t = 0 in einem vollkommenen Kapitalmarkt ohne Steuern. Verwenden Sie dabei für die Größe des Aufwärtsschritts u und Abwärtsschritts d im Aktienkursbaum die Faktoren , wobei Δt die Länge eines Zeitschritts im Binomialbaum als Anteil eines Jahres und σ (sigma) die Volatilität p.a. angibt. Der Kurs nach einem Aufwärts- und Abwärtsschritt errechnet sich als Produkt aus Aktienkurs in t0 und u oder d. 11. Leiten Sie aus dem Preis der Kaufoption mit Hilfe der Put-Call-Parität den Preis eines Put mit identischer Laufzeit und identischem Basispreis her! 12. Die Berechnung des Optionspreises erfolgt unter dem Arbitragefreiheitspostulat. Wie würde ein risikofreudiger Investor die Kaufoption bewerten? Begründen Sie kurz! 13. Skizzieren Sie die Vorgehensweise zur Ermittlung der Volatilität für den Einsatz im Black/Scholes-Modell aus historischen Aktienkursen! VI. Die Besteuerung von Wertpapieren Bei der Investition liquider Mittel in Wertpapiere sind Steuern in eine vergleichende Analyse mit einzubeziehen, da sie die Vorteilhaftigkeit einer Kapitalanlage beeinflussen können. Auch aufseiten des Wertpapieremittenten sind die steuerlichen Einflussgrößen, die beim Kapitalanleger auftreten, zu berücksichtigen. Steuerliche Vorteile (z. B. Steuerminderungs- und Steuerstundungseffekte), die der Kapitalanleger realisieren kann, können bspw. den Ansatz eines vergleichsweise niedrigeren Emissionszinssatzes bei festverzinslichen Wertpapieren rechtfertigen; entsprechend muss ggf. eine steuerliche Benachteiligung auf der Anlegerebene durch günstigere Konditionen der Papiere ausgeglichen werden. 1. Wertpapiere im Privatvermögen Werden Wertpapiere im Privatvermögen gehalten, so sind die anfallenden Erträge steuerlich der Einkunftsart „Einkünfte aus Kapitalvermögen“ zuzuordnen. Die unter diese Kategorie fallenden Tatbestände werden in § 20 EStG zusammengefasst, wobei zwischen laufenden Einkünften (§20 Abs. 1 EStG) und Gewinnen aus der Veräußerung, Einlösung oder Abtretung von Wertpapieren und Kapitalforderungen (§ 20 Abs. 2 EStG) VI. Die Besteuerung von Wertpapieren 381 unterschieden wird. Obwohl der Begriff der Kapitaleinkünfte nicht abschließend definiert ist, führen Auffangtatbestände (§ 20 Abs.1 Nr.7 und § 20 Abs. 2 Nr.7 EStG) dazu, dass die Erträge aller im Privatvermögen gehaltener Finanzinstrumente unabhängig von Haltedauer und -zweck unter diese Einkunftsart fallen. Neben den Erträgen aus Aktien, Schuldverschreibungen und Termingeschäften zählen hierzu auch Prämien, die Optionsstillhaltern beziehen. Einkünfte aus Kapitalvermögen nehmen gegenüber den restlichen Einkunftsarten eine Sonderstellung ein, da sie seit der Unternehmensteuerreform 2008 grundsätzlich nicht mehr der Einkommensteuerprogression unterworfen sind, sondern mit einer Kapitalertragsteuer mit abgeltender Wirkung (Abgeltungsteuer) belegt werden. Der Abgeltungsteuersatz beträgt pauschal 25 % (§32d Abs. 1 EStG). Weiterhin wird analog zur Einkommensteuer der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5% (§1 Abs. 1 und § 4 SolzG) auf die Abgeltungsteuer erhoben. Insgesamt ergibt sich so eine tarifliche Gesamtbelastung von 26,375%, ggf. zuzüglich Kirchensteuer. Dem Zuflussprinzip folgend entsteht die Steuerpflicht in dem Zeitpunkt, in dem die Einkünfte dem Empfänger zugeflossen sind und er darüber verfügen kann. Hieraus kann sich ggf. ein Steuerstundungseffekt zugunsten des Anlegers ergeben. So wird bspw. der Ertrag aus einer Nullkuponanleihe (sog. Zerobond) erst beim vorzeitigen Verkauf bzw. bei Rückzahlung am Ende der Laufzeit versteuert, wodurch sich im Vergleich zu einer Kuponanleihe mit laufenden Zinszahlungen, welche jeweils bei Zufluss der Abgeltungsteuer unterliegen, ein barwertiger Steuervorteil ergibt. Schuldner der Abgeltungsteuer ist grundsätzlich der Gläubiger der Kapitalerträge. Die Abgeltungsteuer ist grundsätzlich als Quellensteuer ausgestaltet. Wer zur Abführung der Steuer verpflichtet ist, richtet sich nach § 44 Abs. 1 EStG. Im Allgemeinen muss die auszahlende inländische Stelle der Kapitalerträge, i. d.R. also das jeweilige Kreditinstitut, für Rechnung des Investors die Steuer einbehalten und an das Finanzamt abführen. Bei inländischen Dividenden ist hingegen die ausschüttende Kapitalgesellschaft, bei Zinszahlung aus Wandelanleihen, Gewinnobligationen und anleiheähnlichen Genussrechten der jeweilige Emittent zur Abführung verpflichtet (§ 44 Abs. 1 EStG). Die abzuführende Kapitalertragsteuer hat zugleich abgeltende Wirkung, das heißt dass die der Abgeltungsteuer unterworfenen Kapitaleinkünfte nicht in der Einkommensteuererklärung anzugeben sind und damit nicht dem investorspezifischen Einkommensteuersatz unterliegen. Anders als bei dem bis zum Veranlagungszeitraum 2008 vorherrschenden Halbeinkünfteverfahren sind alle Kapitaleinkünfte voll zu versteuern. Bemessungsgrundlage stellt bei laufenden Einkünften der Bruttogewinn, bei Veräußerungsgeschäften der Veräußerungserlös abzüglich der Veräußerungskosten sowie der Anschaffungs- und Anschaffungsnebenkosten dar (§20 Abs. 4 EStG). Unter die Anschaffungsnebenkosten fallen bei Wertpapieren z. B. Bankspesen, Maklergebühren und Vermittlungsprovisionen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Veräußerungsgeschäft stehen. Von den Einkünften aus Kapitalvermögen ist als Werbungskosten ein Sparer-Pauschbetrag abzuziehen, der zurzeit bei Alleinstehenden 801  EUR beträgt. Bei zusammenveranlagten Eheleuten verdoppelt sich dieser Betrag auf insgesamt 1.602 EUR (§ 20 Abs. 9 EStG). Der Sparer-Pauschbetrag ersetzt ab 2009 den früheren Sparer-Freibetrag bzw. den Werbungskosten-Pauschbetrag. Ein höherer Ansatz der tatsächlich entstandenen Werbungskosten, wie z. B. für Vermögensverwaltungskosten, Depotgebühren oder Kosten, die durch den Besuch von Hauptversammlungen entstehen, ist nach der Unternehmensteuerreform nicht mehr möglich. C. Wertpapiergeschäfte382 Wegen der gesonderten Behandlung von Kapitaleinkünften und des einheitlichen Abgeltungsteuersatzes können Verluste aus Kapitalvermögen nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden. Ein Verlustvortrag in spätere Veranlagungszeiträume ist allerdings möglich. Eine weitere Einschränkung der Verlustverrechnung gilt zudem innerhalb der Einkünfte aus Kapitalvermögen. Demnach dürfen Verluste aus Aktienveräußerungen nur mit Veräußerungsgewinnen aus Aktien verrechnet werden (§ 20 Abs. 6 EStG). Die Verrechnung von Aktienkursgewinnen mit Verlusten aus anderem Kapitalvermögen ist hingegen uneingeschränkt möglich. Begründet wurde diese Verrechnungseinschränkung durch den Gesetzgeber insbesondere damit, dass ansonsten in Zeiten stark fallender Aktienkurse „Steuermindereinnahmen in Milliardenhöhe drohen [würden]“.265 Faktisch bedeutet die Einschränkung eine Verpflichtung für die Kreditinstitute, jeweils zwei „Verlustverrechnungstöpfe“ für ihre Depotkunden zur Abwicklung des Verlustausgleichs einzurichten. Der erste Topf beinhaltet dabei Verluste aus Aktienverkäufen, der zweite bezahlte Stückzinsen sowie Verluste aus anderem Kapitalvermögen, wie z. B. aus Termingeschäften und aus anderen Wertpapierveräußerungsgeschäften. Um Verluste kreditinstitutübergreifend verrechnen zu können, hat der steuerpflichtige Anleger die Möglichkeit, sich die Verluste bei dem jeweiligen Institut bescheinigen zu lassen. Hierfür ist ein Antrag notwendig, der bis zum 15.12. des laufenden Jahres gestellt werden muss (§ 43a Abs. 3 EStG). Obwohl die Abgeltungsteuer für den Großteil der aus im Privatvermögen gehaltenen Wertpapiere resultierenden Kapitaleinkünfte gilt, bestehen auch Ausnahmen, die zu einer verpflichtenden Veranlagung der Einkünfte zum individuellen Einkommensteuertarif führen. In diesem Fall ist zwar der Abzug des Sparer-Pauschbetrags nicht möglich, allerdings dürfen die tatsächlichen, mit den jeweiligen Einkünften im Zusammenhang stehenden Werbungskosten berücksichtigt werden. Auch die oben beschriebenen strikten Verlustverrechnungsvorschriften für Einkünfte aus Kapitalvermögen finden in diesem Fall keine Anwendung, wodurch eine Verlustverrechnung mit anderen Einkunftsarten ermöglicht wird. Eine Aufstellung dieser Ausnahmefälle von der Abgeltungsteuer finden sich in § 32d Abs. 2 EStG. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um laufende Erträge bzw. Erträge aus Veräußerungen von stillen Beteiligungen, partiarischen Darlehen und sonstigen Kapitalforderungen, wenn eine der folgenden Bedingungen als erfüllt anzusehen ist: 1. Gläubiger und Schuldner sind einander nahe stehende Personen. 2. Der Gläubiger ist an der auszahlenden Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft mit mindestens 10 % beteiligt oder er ist eine dem Gesellschafter nahestehende Person. 3. Es liegt eine sog. „Back-to-Back-Finanzierung“ vor. Unter einer Back-to-Back-Finanzierung versteht der Gesetzgeber den Fall, dass ein an dem Unternehmen Beteiligter einem Dritten Kapital überlassen hat und dieser Dritte wiederum dem Unternehmen Darlehen gewährt, also falls bspw. ein Betrieb ein Darlehen von einem Kreditinstitut erhält und gleichzeitig ein Gesellschafter bei demselben Institut Einlagen in gleicher Höhe unterhält. Es gibt weiterhin Fälle, bei denen Kapitaleinkünfte dem pauschalen Abgeltungsteuersatz unterworfen werden sollen, obwohl sie nicht dem Kapitalertragsteuerabzug unterliegen. Beispiele hierfür sind Gewinne aus dem Verkauf von GmbH-Anteilen, Zinsen aus Darlehen von natürlichen Personen und insbesondere Kapitalerträge, die 265 Vgl. Deutscher Bundestag, Drucksache 16/5491, 2007, S. 19. VI. Die Besteuerung von Wertpapieren 383 von ausländischen Kreditinstituten ausbezahlt werden, bspw. weil der Privatanleger ein Wertpapierdepot im Ausland unterhält. Derartige Einkünfte müssen in die reguläre Einkommensteuerveranlagung mit einbezogen werden, unterliegen dann allerdings dem pauschalen Abgeltungsteuersatz ohne dass sie sich auf die Einkommensteuerprogression auszuwirken. Neben den beschriebenen Tatbeständen, die zu einer verpflichtenden Veranlagung führen, besteht auf Antrag des Steuerpflichtigen zudem die Möglichkeit, eine sog. Günstigerprüfung durchführen zu lassen (§ 32d Abs. 6 EStG). Als Konsequenz bedeutet dies, dass eine Prüfung vorgenommen wird, ob die Anwendung des persönlichen Einkommensteuersatzes des Anlegers auf die Kapitaleinkünfte zu einer niedrigeren Belastung führen würde, als eine pauschale Besteuerung in Höhe der Abgeltungsteuer. Ist dies der Fall, werden die Kapitaleinkünfte der Einkommensteuerprogression unterworfen. Ein Ansatz der tatsächlichen Werbungskosten ist in diesem Fall allerdings nicht möglich, wodurch auch bei der Wahlveranlagung zum persönlichen Steuersatz maximal der Sparer-Pauschbetrag angesetzt werden darf. In der Praxis dürfte die Günstigerprüfung die Ausnahme darstellen, da sie nur für Anleger mit geringen Einkommen, deren Differenzsteuersätze der Kapitaleinkünfte unter der Abgeltungsteuer liegen, Relevanz besitzt. 2. Wertpapiere im Betriebsvermögen Befinden sich Wertpapiere im Bestand von Land- und Forstwirten, Freiberuflern oder Gewerbetreibenden, so stellt sich die Frage ihrer Zuordnung zu Betriebs- oder Privatvermögen, welche mit bedeutenden steuerlichen Konsequenzen verbunden sein kann. Die Zuordnung zum notwendigen Privatvermögen erfolgt, wenn die betreffenden Wertpapiere ausschließlich privaten Zwecken dienen. Es handelt sich um notwendiges Betriebsvermögen, wenn die Papiere ausschließlich und unmittelbar für eigenbetriebliche Zwecke des Steuerpflichtigen genutzt werden. Das ist z. B. dann der Fall, wenn eine Beteiligung an einem Zulieferer-Unternehmen gehalten wird oder eine Bank Eigenhandelsbestände besitzt. Stehen Wertpapiere in einem gewissen objektiven Zusammenhang mit dem Betrieb und sind sie bestimmt und geeignet, ihn zu fördern, so können sie durch Ansatz in der Steuerbilanz als gewillkürtes Betriebsvermögen behandelt werden. Eine solche Wahlfreiheit bestünde z. B. beim Kauf von festverzinslichen Wertpapieren als Finanzanlage. Im Regelfall wird Freiberuflern die Aufnahme von Wertpapieren als Betriebsvermögen nicht möglich sein, da ein objektiver Zusammenhang der Wertpapiere mit dem Betrieb des Freiberuflers nur selten zu begründen ist.266 Bei Kapitalgesellschaften entfällt das Problem der Zuordnung, da diese nur Betriebsvermögen und kein privates Vermögen besitzen können. 266 So kam das Finanzgericht Köln zu dem Urteil, dass das Aktiendepot eines Arztes steuerlich nicht als Betriebsvermögen angesetzt werden darf, obwohl dieses in die Finanzierung der Arztpraxis als Sicherheit eingebracht wurde. Der Umgang mit Wertpapieren zu spekulativen Zwecken sei dem Beruf des Arztes „wesensfremd“, da freie Berufe maßgebend durch die eigene Arbeitskraft, den Einsatz des geistigen Vermögens sowie durch Kenntnisse aufgrund einer qualifizierten Ausbildung geprägt seien. Vgl. FG Köln, Urteil vom 25.09.2008, Aktenzeichen 15 K 1235/04.

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Zusammenfassung

"...gehört zu den etablierten Standardwerken für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung." boerse.de-MAGAZIN

Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist das Standardwerk für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung nach deutschem Recht. Neben den wichtigen Methoden der klassischen Finanz- und Investitionstheorie werden auch neue Finanzinstrumente und Erkenntnisse im Bereich der Kapitalmärkte erläutert, sodass dem Leser ein fundierter Überblick über den aktuellsten Stand der Forschung ermöglicht wird.

Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.