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1. Überblick in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 342 - 344

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_342

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
V. Risikomanagement mit Termingeschäften 327 V. Risikomanagement mit Termingeschäften 1. Überblick Aufgrund weltweit zunehmender Zins- und Währungskursschwankungen hat die Nachfrage nach Instrumenten zur Absicherung gegen diese Risiken stark zugenommen. Dabei lassen sich je nach Art des Risikos unterschiedliche Instrumente mit zahlreichen Ausgestaltungsmöglichkeiten einsetzen. Abbildung C 63 soll einen Überblick über die wichtigsten Instrumente geben. Bei Forward Rate Agreements (FRA) handelt es sich um eine Absicherungsmöglichkeit gegen Zinsänderungsrisiken. Beim FRA treffen zwei Vertragsparteien eine Vereinbarung über einen zukünftigen kurzfristigen Zinssatz auf einen vereinbarten Betrag, für eine bestimmte Laufzeit, wobei der Beginn der Laufzeit in der Zukunft liegt. Ist der Laufzeitbeginn erreicht, so zahlt eine Vertragspartei der anderen je nach dem aktuellen Zinsniveau die Differenz zwischen aktuellem Zins und dem FRA-Zins. Sowohl FRAs als auch Devisentermingeschäfte sind in allen wichtigen Währungen der Welt möglich. Ihr Hauptvorteil sind die individuellen Ausgestaltungsmöglichkeiten der Vertragsspezifika. Demgegenüber sind vor allem Future-Geschäfte durch eine Standardisierung der Kontraktspezifikationen gekennzeichnet. Während Währungs-Futures als Kontraktgegenstand bestimmte Währungen beinhalten (z. B. SFR, US$, €) und damit als Instrumente zur Absicherung von Währungsrisiken eingesetzt werden, beziehen sich Zins-Futures auf verschiedene Rentenpapiere und dienen zur Absicherung des Zinsänderungs- Abb. C 63: Wichtige Instrumente zur Absicherung gegen das Zinsänderungs- und Währungskursrisiko C. Wertpapiergeschäfte328 risikos. Beim Kauf oder Verkauf eines Futures entsteht eine feste Verpflichtung des Käufers bzw. Verkäufers, ein bestimmtes Gut (z. B. Renten, Währungen) zu einem im Voraus festgelegten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt abzunehmen oder zu liefern. Für die Vertragspartner besteht wie beim Devisentermingeschäft und beim FRA nicht die Möglichkeit, durch günstige Devisenkurs- oder Zinsentwicklungen zusätzliche Gewinne zu erzielen. Gerade diese Flexibilität, einerseits eine Begrenzung des Verlustrisikos, andererseits die gleichzeitige Chance, von günstigen Marktentwicklungen zusätzlich profitieren zu können, bietet der Einsatz einer Option (Devisenoption, Zinsoption; vgl. auch Abschnitt C V 3). Der Kauf einer Option beinhaltet das Recht, aber nicht die Verpflichtung, ein bestimmtes Gut (Renten, Währungen etc.) zu einem festgelegten Preis am Ende (europäische Option) oder zu einem beliebigen Zeitpunkt während der Laufzeit (amerikanische Option) zu kaufen oder zu verkaufen. Entwickeln sich der Zinssatz bzw. der Wechselkurs des mittels Optionen abgesicherten Grundgeschäfts in die gewünschte Richtung, so kann der Optionskäufer durch Nichtausübung der Option davon profitieren. Treten jedoch Verluste auf, können diese durch Ausübung der Option kompensiert Abb. C 64: Termingeschäfte im Überblick V. Risikomanagement mit Termingeschäften 329 werden. Nachteilig wirken sich die im Allgemeinen nur kurzen Laufzeiten sowie die im Vergleich zu den anderen Absicherungsinstrumenten hohen Kosten aus. Die Kosten in Form einer Prämie sind umso höher, je volatiler die Kurse des zugrunde liegenden Gutes sind; allerdings ist in diesem Fall der Absicherungseffekt auch umso größer. Während die bisher beschriebenen Instrumente schwerpunktmäßig zur kurz- bis mittelfristigen Absicherung eingesetzt werden, hat in neuerer Zeit die Nachfrage nach Absicherungsstrategien mit längeren Laufzeiten als Grundlage für die langfristige Finanzierungsentscheidung stark zugenommen. In diesem Bereich ist das Zins- und Währungsswap-Geschäft in den letzten Jahren volumenmäßig stark ausgeweitet worden. Aber auch die zur Absicherung gegen das Zinsänderungsrisiko einsetzbaren Caps und Floors gewinnen an Bedeutung. 2. Unbedingte Termingeschäfte a) Forwards und Futures aa) Kennzeichnung von Forward- und Future-Geschäften Am Terminmarkt wird zwischen Forward und Future Markets unterschieden. Der Forward Market ist ein i. d.R. nicht organisierter Markt, bei dem Leistung und Gegenleistung im Voraus vereinbart, aber nicht unverzüglich ausgetauscht werden. Die Verträge sind auf die individuellen Bedürfnisse der Partner abgestimmt; die Lieferung der vereinbarten Leistung ist erwünscht. Schwierigkeiten können sich durch den umständlichen Vertragsabschluss (betrags- und zeitgleiche Tauschvereinbarungen müssen getroffen werden) ergeben sowie durch die Probleme bei der Auflösung des Vertrags, da das Einverständnis beider Vertragsparteien notwendig ist. Ferner tritt ein zweiseitig verteiltes Erfüllungsrisiko hinzu. Diese Schwierigkeiten und die zunehmende Nachfrage nach wirkungsvollen Instrumenten zur Begrenzung von Zins- und Kursänderungsrisiken führten zur Schaffung der börsenmäßig organisierten Future-Märkte. Die auf den Future-Märkten gehandelten Terminkontrakte sind durch die Verpflichtung gekennzeichnet, eine genau spezifizierte Warenart und Menge zu einem bei Abschluss des Geschäfts festgelegten Preis und Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen. Zudem wird durch eine Sicherheitenstellung der Vertragsparteien (Einschuss), das Erfüllungsrisiko deutlich abgemildert. Es erfolgt eine Standardisierung bezüglich Erfüllungstermin, Betrag und Menge, so dass ein Börsenhandel möglich wird. Future-Geschäfte, die Getreide, Kartoffeln, Rohöl, Gold u. a. Waren zum Gegenstand haben, werden als Commodity Futures bezeichnet. Seit 1998 wurden solche Geschäfte in Deutschland an der Warenterminbörse WTB mit Sitz in Hannover bzw. an deren Nachfolgeorganisation Risk Management Exchange (RMX) gehandelt. Nach der Insolvenz von RMX hat die Eurex ihre Angebotpalette um Commodity-Futures erweitert. Futures, die sich auf ein Finanzinstrument beziehen (Financial Futures), werden in Deutschland an der DTB/ EUREX (vgl. auch Abschnitt C I) gehandelt. Zu unterscheiden sind Currency Futures, Interest Rate Futures und Index Futures. Currency Futures liegt ein standardisierter Betrag über eine bestimmte Währung zugrunde. Sie können zur Absicherung von Währungsrisiken genutzt werden. Der Gegenstand eines Interest Rate Future (Zins-Future) ist zumeist ein Zinstitel, der bezüglich Laufzeit, Verzinsung und Nominalbetrag standardisiert ist. Die Schuldner dieser Titel besitzen eine einwandfreie Bonität, so dass die Kursentwicklung ausschließlich

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Zusammenfassung

"...gehört zu den etablierten Standardwerken für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung." boerse.de-MAGAZIN

Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist das Standardwerk für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung nach deutschem Recht. Neben den wichtigen Methoden der klassischen Finanz- und Investitionstheorie werden auch neue Finanzinstrumente und Erkenntnisse im Bereich der Kapitalmärkte erläutert, sodass dem Leser ein fundierter Überblick über den aktuellsten Stand der Forschung ermöglicht wird.

Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.