Content

2. Barwertbestimmung in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 205 - 213

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_205

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
C. Wertpapiergeschäfte190 Die dargestellte Methode entspricht dabei den von der ISDA vorgeschlagenen Verfahren, einer nichtlinear unterjährigen (der Quotient aus Tagen und Jahren befindet sich im Exponenten) und taggenauen Effektivzinsberechnung. Diese wurde in die deutsche Preisangabenverordnung mit übernommen und regelt den Effektivzinsausweis bei Konsumentenkrediten, wobei diese neue nicht-lineare Methode eine alte linear unterjährige Methode abgelöst hat.4 Man erkennt aus beiden Formeln, dass die Effektivrendite nur implizit angegeben ist, weswegen eine Auflösung der Gleichungen nach der Effektivrendite für mehr als vier Zahlungszeitpunkte meist nicht möglich ist. Deshalb müssen zur Berechnung etwa Iterationsverfahren eingesetzt werden, die schrittweise die exakte Lösung bestimmen (vgl. Abschnitt B I). Das Problem der internen Zinssatzmethode, dass mehrere Lösungen oder keine Lösungen existieren können, besteht hier nicht. Die eindeutige Existenz der Lösung folgt dabei aus dem nur einmaligen Vorzeichenwechsel in der Zahlungsreihe. Einer Auszahlung für den Ankauf folgen aus Sicht des Investors nur Einzahlungen. 2. Barwertbestimmung a) Barwerte unter der Annahme konstanter Kalkulationszinssätze Das Ziel von Barwertmodellen besteht in der Bewertung zukünftiger Zahlungsströme zu einem vorgegebenen Stichtag. Die Schwierigkeiten dieses Ansatzes bestehen in der Mehrperiodigkeit und der Berücksichtigung des Risikos. Das Mehrperiodigkeitsproblem kann isoliert betrachtet werden, wenn nominal risikolose öffentliche Anleihen betrachtet werden. Ferner wird zunächst ein einheitlicher Kalkulationszinssatz für alle Laufzeiten unterstellt, die Zinsstrukturkurve ist also flach. Da die Zins- und Tilgungs- 4 Vgl. Wimmer,Stöckl-Pukall, Effektivinsberechnung, 1998. Abb. C 6: Beispiel für die Berechnung von Anleiheemissionskursen In diesem Beispiel sollen die Emissionskurse von drei Anleihen mit unterschiedlichen Kuponhöhen und Laufzeiten ermittelt werden. a) Anleihe I: Kupon = 0% (Zerobond) Laufzeit = 2 Jahre b) Anleihe II: Kupon = 3% Laufzeit = 3 Jahre c) Anleihe III: Kupon = 12% Laufzeit = 3 Jahre Als Kalkulationszins werden einheitlich 10% unterstellt (flache Zinskurve). Während der Laufzeit erfolgen ausschließlich Zinszahlungen. Gleichzeitig mit der letzten Kuponzahlung erfolgt die Rückzahlung von nominal 100 % der Verbindlichkeiten. Als Emissionskurse ergeben sich: a) Anleihe I: b) Anleihe II: c) Anleihe III: II. Ansätze zur Beurteilung festverzinslicher Effekten und Portefeuillestrategien 191 zahlungen bei festverzinslichen Anleihen bereits zum Emissionszeitpunkt bestimmt werden, kann der Wert der Anleihe als Summe der Barwerte der einzelnen Zahlungen zum Betrachtungszeitpunkt ermittelt werden: Dabei bezeichnen Zt die Zins- und Tilgungszahlen im Zeitpunkt t, i den verwendeten einheitlichen Kalkulationszinssatz und P den Kurs der Anleihe im Betrachtungszeitpunkt (vgl. die Beispiele in Abbildung C 6). Allgemein ergibt sich immer dann ein positiver Wert, wenn der Kauf der Anleihe günstiger ist als die Anlage des identischen Geldbetrages zum Kalkulationszinssatz. Die Ermittlung rechnerischer Werte von Anleihen erfordert die Berücksichtigung von Stückzinsen. Anleihezinsen werden ausschließlich am Kupontermin gezahlt und entfallen damit vollständig auf diejenigen Anleihen, die sich zu diesem Zeitpunkt im Besitz der Gläubiger befinden. Da die Zinsen tatsächlich für einen Zeitraum gezahlt werden, müssen Anlegern, die Anleihen veräußern, diejenigen Zinsen ausbezahlt werden, die das Kapitalüberlassungsentgelt für den zurückliegenden Zeitraum zwischen letztem Kupontermin und Kauf darstellen (vgl. Abbildung C 7). b)  Barwertbestimmung unter Berücksichtigung nicht-flacher Zinsstrukturkurven Für den Fall, dass bei der Ermittlung des Barwerts einer Anleihe nicht vereinfachend von konstanten Kalkulationszinsfüßen ausgegangen werden kann/soll, erlaubt das Barwertkonzept die Verwendung periodenspezifischer Kalkulationszinssätze. Dies führt zu der modifizierten Barwertformel mit it für den periodenspezifischen Kalkulationszinssatz. Abb. C 7: Beispiel für die Stückzinsberechnung Im Beispiel erwirbt ein Anleger zum 1. Dezember 2012 eine 8%ige Kuponanleihe mit originär zweijähriger Laufzeit. Die Anleihe wurde zum 1. Juni 2011 emittiert. Zinszahlungen finden stets am 1. Juni statt. Der Käufer muss die auf den Vorbesitzer entfallenden Stückzinsen (SZ) für den Zeitraum vom 1. Juni 2012 bis zum 30. November 2012 (T=183 Tage) auszahlen. Die Stückzinsen pro 100 GE Anleihennominalwert belaufen sich auf 4,01 GE. Letztendlich ergibt sich der Kaufpreis der Anleihe inklusive Stückzinsen (dirty price) bei einem unterstellten Anleihepreis von 103% als: dirty price = P + SZ = 103 + 4,01 = 107,01 C. Wertpapiergeschäfte192 aa) Zinsstrukturkurven Die Terminstruktur der Zinssätze kann durch Terminzinsstrukturkurven oder kurz Zinsstrukturkurven (Yield Curves) zum Ausdruck gebracht werden.5 Sie geben die Renditen in Abhängigkeit von der Endfälligkeit wieder. Da die Zinssätze für verschiedene Laufzeiten i.d. R. divergieren, sind einheitliche Kalkulationszinssätze nicht zu rechtfertigen. Hinsichtlich ihres Verlaufes werden normale, inverse und flache Zinsstrukturkurven unterschieden. Bei normalen Zinsstrukturkurven nehmen die Zinsen mit ansteigender Laufzeit zu, d. h. die kurzfristigen liegen unterhalb der langfristigen Zinssätze. Flache Zinsstrukturkurven liegen vor, wenn die Terminstruktur der Zinssätze kaum ausgeprägt ist. Die Rendite ergibt sich dann unabhängig von der Laufzeit der Anleihen. Zinsstrukturkurven mit einem Wendepunkt deuten häufig auf einen Wechsel im Trend der Marktzinsentwicklung hin. Sie können oft beim Übergang von einer Hochzinsphase in eine Phase niedriger Zinssätze beobachtet werden. Für die Interpretation und den Einsatz von Zinsstrukturkurven ist von zentraler Bedeutung, welcher (Effektiv-)Zinssatz auf der Ordinate abgebildet wird (vgl. Abbildung C 8). Grundsätzlich denkbar sind: 1. Nominalzinssätze von einfachen Kuponanleihen mit Auszahlung/Kurs 100%, 2. Effektivrenditen von meist zu pari gehandelten Kuponanleihen, 3. Effektivrenditen von marktgehandelten originären Nullkuponanleihen (Spot-Rates), 5 Vgl. zur Thematik Zinsstrukturkurven allgemein auch Steiner, Bruns, Stöckl, Wertpapiermanagement, 2012, S. 148–152 sowie insbesondere zu praktischen Verfahren der Zinsstrukturkurvenschätzung Steiner, Bruns, Stöckl, Wertpapiermanagement, 2012, S. 158–168. Abb. C 8: Typische Verläufe von Zinsstrukturkurven (Yield Curves, Term Structures of Interest Rates) II. Ansätze zur Beurteilung festverzinslicher Effekten und Portefeuillestrategien 193 4. Effektivrenditen für aus Kuponanleihen abgeleiteten Nullkuponanleihen oder 5. Terminzinssätze. Um Verzerrungen aufgrund unterschiedlicher Bonitäten auszuschließen, werden bei der Ableitung von Zinsstrukturkurven grundsätzlich homogene Risikogruppen verwendet; i.d. R. wird auf nominalrisikolose Anleihen der Öffentlichen Hand zurückgegriffen. Zinszahlungen erfolgen bei Kuponanleihen nicht nur am Laufzeitende, sondern auch zu den Kuponterminen. Gegeben eine nichtflache Zinsstrukturkurve, führt dies bei Anleihen mit identischer Endfälligkeit und unterschiedlichen Kuponhöhen automatisch zu abweichenden Effektivzinssätzen und damit zu nicht eindeutigen Zinsstrukturkurven. Um zu einer eindeutigen Aussage für die laufzeitspezifischen Zinssätze zu kommen, werden Zinsstrukturkurven entweder als Effektivrenditen einer bestimmten Kuponart, etwa zu pari notierende Kuponanleihen (par yield cupon rates), oder Effektivrenditen von Zerobonds (Nullkuponanleihen) angegeben. bb) Nullkuponanleihen-Effektivrenditen (Spot-Rates) Aus Nullkuponanleihen ergibt sich lediglich eine Zins- und Tilgungszahlung am Ende der Laufzeit. Das Wiederanlageproblem entfällt; unter Vernachlässigung steuerlicher Effekte und etwaiger Transaktionskosten müssten sich bei gleicher Laufzeit am Markt identische Effektivrenditen ergeben, da sonst Arbitragegewinne erzielbar wären. So würde jeder Investor mit einem positiven Grenznutzen des Geldes die teurere Nullkuponanleihe verkaufen und im gleichen Nominalbetrag die billigere Nullkuponanleihe kaufen. Zum Kaufzeitpunkt hätte der Investor einen Einzahlungsüberschuss, den Arbitragegewinn, erwirtschaftet. Zum Fälligkeitszeitpunkt erhält der Investor aus der gekauften Anleihe sicher den Nominalbetrag, den er an den Käufer der verkauften Anleihe weiterleiten muss. Insgesamt entsteht im Fälligkeitszeitpunkt ein Zahlungssaldo von null. Da der Investor mit null Kapitaleinsatz stets einen positiven Zahlungsüberschuss erzielt hat, ist das ein Arbitragegeschäft. Dies wäre auf vollkommenen und vollständigen Kapitalmarkt nicht möglich. Allgemein gilt ein Kapitalmarkt als vollkommen, wenn der Preis für jeden Marktteilnehmer gleich ist und von niemandem beeinflusst werden kann. Ein Kapitalmarkt gilt als vollständig, wenn jeder Zahlungsstrom gehandelt werden kann und Preise zur Verfügung stehen. Für den Markt der festverzinslichen Wertpapiere drückt sich Ersteres vor allem durch die Tatsache aus, dass aufgrund der Transaktionskostenfreiheit der ausfallrisikolose Soll-Zins dem Haben-Zins entspricht. Ferner bedeutet die Vollständigkeit, dass für jede beliebige Laufzeit und jedes beliebige Volumen ein Wertpapier gehandelt wird. Mithilfe von Nullkuponanleihen-Effektivrenditen S oder kurz Nullkuponanleihenrenditen (Spot-Rates) lassen sich damit eindeutige Zinsstrukturkurven beschreiben. Die Nullkuponanleiherendite p. a. ergibt sich für eine Nullkuponanleihe mit Fälligkeit zu 100% in t Jahren und einem aktuellen Kurs von P nach 1. P 100 t ts −= Konkrete Probleme ergeben sich bei der Ermittlung von Zinsstrukturkurven aus Nullkuponanleihen in dem Maße, wie am Kapitalmarkt nicht ausreichend Nullkuponanleihen für die verschiedenen Laufzeiten zur Verfügung stehen. C. Wertpapiergeschäfte194 Eine Belebung des Nullkuponanleihen-Marktes wäre aus einer intensivierten Praxis des Kupon- oder Anleihe-Strippings zu erwarten, das insbesondere in den USA verbreitet ist und auch in Deutschland zulässig ist. Hierbei werden die verschiedenen Zins- und Tilgungszahlungen, die aus Kuponanleihen resultieren, separiert und als einzelne abgeleitete Nullkuponanleihen gehandelt. Allerdings ist das Gros der Anleihen am deutschen Rentenmarkt Kuponanleihen, die nicht gestrippt werden können. Reichen die Informationen aus dem Nullkuponanleihenmarkt für die Ableitung einer Zinsstrukturkurve nicht aus, bestehen Möglichkeiten, Nullkuponanleihenrenditen indirekt abzuleiten. Ein erster Ansatz ergibt sich aus der Interpretation der Kuponanleihen als Bündel von Nullkuponanleihen, die zusammen den Marktpreis der Kuponanleihe ergeben. Aus der Analyse eines Bündels von Anleihen lassen sich dann die Abzinsungsfaktoren ableiten, mit denen die zu den untersuchten Zeitpunkten anfallenden Zahlungen diskontiert werden. Aus diesen sog. Nullkuponanleihenabzinsungsfaktoren lassen sich die Nullkuponanleihenrenditen ermitteln (vgl. Abbildung C 9). Abb. C 9: Ableitung von Nullkuponanleihen-Effektivrenditen aus marktnotierten Kuponanleihen Die Möglichkeit der Ableitung von Nullkuponanleihen-Effektivrenditen aus Kursen von Kuponanleihen soll im nachfolgenden Beispiel erläutert werden. Gegeben seien die Kuponanleihen: Jede Kuponanleihe ist als Bündel von Nullkuponanleihen zu interpretieren. Da lediglich jeweils der Preis des Gesamtbündels bekannt ist, werden für die Berechnung von n Nullkuponanleihen-Effektivrenditen n unabhängige, gleich riskante Anleihen benötigt. Werden mit ZAF1, ZAF2, ZAF3 die Nullkuponanleihen- Abzinsungsfaktoren für Laufzeiten von einem, zwei bzw. drei Jahren verstanden, ergibt sich folgendes Gleichungssystem zur Berechnung der Spot-Rates: Gleichung I: 99,07 = 107 · ZAF1 Gleichung II: 77,89 = 3 · ZAF1 + 3 · ZAF2 + 103 · ZAF3 Gleichung III: 100,00 = 12 · ZAF1 + 12 · ZAF2 + 112 · ZAF3 Als Lösungen ergeben sich: ZAF1 = 0,9259, ZAF2 = 0,8250, ZAF3 = 0,7052. Aus den Nullkuponanleihen-Abzinsungsfaktoren lassen sich die Nullkuponanleihen-Effektivrenditen berechnen: Demnach ergeben sich folgende Spot-Rates: einjährige Anlage von t0 bis t1: s1 = 8,00 % zweijährige Anlage von t0 bis t2: s2 = 10,10% dreijährige Anlage von t0 bis t3: s3 = 12,34% II. Ansätze zur Beurteilung festverzinslicher Effekten und Portefeuillestrategien 195 Eine zweite Möglichkeit der indirekten Bestimmung von Nullkuponanleihenrenditen mit dem gleichen Resultat ergibt sich schließlich über die Duplizierung von Nullkuponanleihen durch entsprechenden Kauf und Verkauf von Kuponanleihen oder durch die Kombination aus Krediten und Kapitalanlagen zu den jeweils gegebenen laufzeitabhängigen Kupons. Die Geschäfte sind so zu wählen, dass sich sichere Zahlungsströme ergeben, die denen von Nullkuponanleihen mit der untersuchten Laufzeit entsprechen. Unter Vernachlässigung etwaiger Transaktionskosten lassen sich aus solchen synthetischen Nullkuponanleihen Effektivrenditen ableiten und in eine Zinsstrukturkurve übertragen (vgl. Abbildung C 10). Gerade bei letzterem Verfahren erkennt man wieder die Rolle der Arbitrageüberlegungen. Existierte etwa eine Nullkuponanleihe mit einem höheren Preis als die Summe der Transaktionen in den Kuponanleihen, könnte ein Investor risikolos und ohne Kapitaleinsatz einen Zahlungsüberschuss erzielen, indem die entsprechenden Transaktionen in den Kuponbonds durchführt und die Nullkuponanleihe verkauft. cc) Terminzinssätze (Forward-Rates) Im Gegensatz zu Kassageschäften fallen bei Termingeschäften der Vertragsabschluss und die Leistung auseinander. Terminzinssätze (Forward-Rates) geben die Verzinsung an, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt für ein in der Zukunft liegendes Geschäft zu erzielen ist. Mithilfe von Zinstermingeschäften kann ein aktueller Terminzinssatz in die Zukunft transformiert und die Unsicherheit über die zukünftige Zinsentwicklung eliminiert werden. So kann im Zeitpunkt t0 die Anlage von Mitteln für den Zeitraum t1 bis t2 zum Zinssatz i(t1-t2) vereinbart werden. Abb. C 10: Ableitung einer Nullkuponanleihen-Effektivrendite über eine synthetische Nullkuponanleihe Die Bildung einer synthetischen Nullkuponanleihe aus der Kombination von Krediten und Anlagemöglichkeiten sei nachfolgend erläutert. Die Kupons/Zinssätze für einjährige, zweijährige und dreijährige Anlagen wie Kredite betragen 8%, 10 % und 12 %. Ausgehend von einer 3-Jahres-Geldanlage lässt sich eine Nullkuponanleihe mit 3 Jahren Restlaufzeit nachbilden: Aus der Summe der Zahlungsströme kann die Effektivrendite der Nullkuponanleihe für einen Anlagezeitraum ermittelt werden: Analog dazu können die Spot-Rates für ein- und zweijährige Anlagen ermittelt werden. C. Wertpapiergeschäfte196 Anstatt explizit einen Terminvertrag abzuschließen, können Kassaverträge, Kuponanleihen oder Nullkuponanleihen so kombiniert werden, dass eine Identität mit expliziten Terminverträgen gegeben ist. Unter der Annahme der Arbitragefreiheit lassen sich dann Terminzinssätze rekursiv aus den Kassazinssätzen berechnen. Dabei werden Geldanlagen und -aufnahmen so kombiniert, dass zu Beginn des zukünftigen Anlagehorizontes eine einzige Nettoeinzahlung sowie am Ende des zukünftigen Anlagezeitraumes eine alleinige Auszahlung erfolgen; in allen anderen Perioden muss die Differenz der Zahlungsströme aus Geldanlagen und -aufnahmen Null entsprechen (vgl. das Beispiel in Abbildung C 11). Aus Arbitrageüberlegungen folgt die Gleichheit. Abb. C 11: Beispiel für die Berechnung von Terminzinssätzen Folgendes Beispiel soll die rekursive Berechnung der Terminzinssätze verdeutlichen. Es gelten folgende effektive Kuponrenditen: i(t0–t1) = 8%, i(t0–t2) = 10,10%, i(t0–t3) = 12,34%. Der Terminzinssatz für eine einjährige Geldanlage zum Zeitpunkt t1 errechnet sich als: Analog dazu kann der Terminzinssatz für eine einjährige Geldanlage im Zeitpunkt t2 ermittelt werden. Gleichung I: –100 + x + y = 0 Gleichung II: 12 – 0,1x – 1,08y =0 Im Anschluss an die Auflösung des Gleichungssystems ergeben sich: x = 97,9592; y = 2,0408. Der Terminzinssatz beträgt demnach: II. Ansätze zur Beurteilung festverzinslicher Effekten und Portefeuillestrategien 197 Diese Kombination von Kassageschäften führt zu einem Zinssatz für das Termingeschäft, der als Funktion der Kassazinssätze geschrieben werden kann, wie nachfolgende Rekursivformel mit i für Kuponzinssätze und i(tn-1–tn) für die Terminzinssätze darstellt: 1)tt1(...)tt1()tt1()tt1(t )()()()(t i i i is n1n322110 Aus Arbitrageüberlegungen müssen sich die Renditen mehrjähriger Anlagen genau wie kurzfristige Anlagen und ein zeitgleich abgeschlossenes Termingeschäft mit insgesamt gleicher Endfälligkeit verzinsen. Die Nullkuponanleihenrenditen ergeben sich bei bekannten Terminzinssätzen folgendermaßen: Hinsichtlich der Bestimmung des rechnerischen Wertes von Anleihen unter der Annahme nicht-flacher Zinsstrukturkurven verbleibt also die Methode der Verwendung von Nullkuponanleihenrenditen: ¥ n 1t t t )s1( Z t P Da Nullkuponanleihenrenditen und Terminzinssätze in einem deterministischen Zusammenhang stehen, kann die Formel unter Verwendung von Terminzinssätzen umgeschrieben werden. ¥ n 1t t 1a t )tt1( P i Z a0 Zusammenfassend lässt sich damit sagen, dass die Bewertung von Anleihen mit Hilfe von Nullkuponanleiherenditen, Terminzinssätzen und Nullkuponanleihe-Abzinsungsfaktoren zum gleichen Ergebnis führen. Dagegen kann bei nicht-flachen Zinskurven eine Verwendung von Kuponanleiherenditen zu falschen Ergebnissen führen. Die praktische Bestimmung der Zinsstrukturkurve ist gekennzeichnet durch einen unvollständigen Markt, so dass obige Überlegungen zur Kombination von Kassageschäften aufgrund des Mangels an genügenden Anleihen nicht mehr möglich sind. Um diese Lücke zu schließen, werden verfahrensimmanent plausible Annahmen über die Nullkuponanleihenrenditen getroffen, für die nicht explizit Anleihen vorhanden sind. Dabei ist das bekannteste Verfahren, nicht zuletzt weil es die Deutsche Bundesbank einsetzt, das Svensson-Verfahren.6 6 Vgl. Schich, Zinsstrukturkurve, 1997. Abb. C 12: Beispiel für die Berechnung von Nullkuponanleihenrenditen unter Verwendung von Terminzinssätzen Bespiel zur Berechnung der Spot-Rates aus den Foward-Rates: Mit s1 = i(t0–t1) = 8,00 % und i(t1–t2) = 12,24% ergibt sich C. Wertpapiergeschäfte198 3. Bonitätsrisiko Die Sicherheit einer Kapitalanlage wird in erster Linie durch den Emittenten und die von ihm explizit oder implizit dem Anleger (Gläubiger) zur Verfügung gestellten Sicherheiten bestimmt. Bei den öffentlichen Anleihen deutscher Gebietskörperschaften und deren Sondervermögen haftet mangels einer direkten dinglichen Absicherung der Emittent oder dessen Gewährträger durch sein Vermögen und besonders durch sein Steueraufkommen für die vertraglich vereinbarte Bedienung des Schuldtitels, also für laufende Verzinsung und vereinbarte Schuldrückzahlung. In gleicher Weise sind auch die Kommunalobligationen abgesichert. Die besonders hohe Bonität von öffentlichen Anleihen und Kommunalobligationen im Kapitalmarkt zeigt sich bspw. auch darin, dass diese Papiere ohne besondere Prüfungsverfahren sowohl automatisch börsenfähig (vgl. §37 BörsG) als auch sicherungsvermögensfähig bei Versicherungsgesellschaften sind. Bei Industrieobligationen und deren Varianten gibt es keine entsprechende Börsenzulassung kraft Gesetz. Um diese Papiere börsenfähig zu machen, was dem Käufer die relative Sicherheit permanenter Liquidierbarkeit und damit hoher Fungibilität gibt, ist seitens des Emittenten die Zulassung gemäß den Regelungen der jeweiligen Börsensegmente zu beantragen. Im vom Emittenten vorgelegten Zulassungsprospekt sind weit gehende Angaben über die tatsächlichen wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse zu machen, die eine Beurteilung der zuzulassenden Wertpapiere ermöglichen. Bei diesen Prüfungen wird insbesondere die substanzielle Belastbarkeit des Betriebsvermögens der Emittenten durch langfristiges Fremdkapital untersucht. Soweit der Emittent nicht bereits dingliche Sicherheiten, insbesondere in Form von Grundpfandrechten, anbieten kann oder will, werden vor allem bei den Publikumskapitalgesellschaften auch sog. Negativklauseln akzeptiert. In diesen Erklärungen verpflichtet sich der Emittent, bestimmte Teile des Vermögens, insbesondere des Grundvermögens, nicht durch anderweitige Fremdkapitalaufnahme zu belasten oder zu beleihen. Tritt als Emittent ein Kreditinstitut auf, spricht man von einer Bankschuldverschreibung. Aufgrund ihrer Bedeutung für das Bankwesen haben Bankschuldverschreibungen einen sehr großen Anteil am gesamten Anleihemarkt. Unter Bankschuldverschreibungen nehmen Pfandbriefe der Hypothekenbanken und Girozentralen eine gewisse Sonderstellung ein. Sie sind indirekt immer dinglich durch Beleihung von Grundstücken in Form von Hypotheken oder Grundschulden abgesichert. Da zudem die bankrechtlichen Beleihungsrichtlinien den emittierenden Kreditinstituten sehr restriktive Verhaltens- und Bemessungsnormen vorgeben, besitzen diese Anlageformen ein relativ geringes Kapitalverlustrisiko. Auf die Beurteilung des Bonitätsrisikos – die Bewertung der Zinszahlungs- und Schuldentilgungsfähigkeit – von Anleihen und deren Emittenten für den Zeitraum der Laufzeit eines Schuldtitels hat sich eine Vielzahl von Ratingagenturen spezialisiert.7 Herausragende internationale Bedeutung nehmen dabei die beiden amerikanischen Ratingagenturen Standard and Poor’s (S&P), Moody’s Investors Service (Moody’s) sowie Fitch Ratings (Fitch) ein. Die von den Ratingagenturen eingesetzten Ratingverfahren resultieren in einer ordinalen Skalierung der beurteilten Finanztitel und der sich daraus ableitenden finanziellen Ansprüche. Eine exakte Quantifizierung des Risikos erfolgt nicht, vielmehr beschränkt sich das Ratingurteil auf den Vergleich, ob einzelne 7 Vgl. Everling, Credit Rating, 1991; Steiner, Rating, 1992; Heinke, Bonitätsrisiko, 1998.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

"...gehört zu den etablierten Standardwerken für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung." boerse.de-MAGAZIN

Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist das Standardwerk für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung nach deutschem Recht. Neben den wichtigen Methoden der klassischen Finanz- und Investitionstheorie werden auch neue Finanzinstrumente und Erkenntnisse im Bereich der Kapitalmärkte erläutert, sodass dem Leser ein fundierter Überblick über den aktuellsten Stand der Forschung ermöglicht wird.

Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.