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1. Ökonomischer Bezugsrahmen in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 19 - 22

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_19

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
AGrundlagen der Finanzwirtschaft der Unternehmung Kapitelübersicht I. Finanzwirtschaftliche Grundbegriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 1. Ökonomischer Bezugsrahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 2. Kapital und Vermögen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 3. Finanzmanagement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 II. Finanzwirtschaft und Zielsetzung der Unternehmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 1. Theorien der Unternehmung und Zielsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 2. Finanzwirtschaftliche Entscheidungskriterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 III. Forschungsansätze in der Finanzwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 1. Das Forschungskonzept der klassischen Finanzierungslehre . . . . . . . . . . . . 18 2. Neoklassische Finanzierungstheorien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 3. Neoinstitutionalistische Finanzierungstheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Literatur: Grundlagen der Finanzwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 I. Finanzwirtschaftliche Grundbegriffe 1. Ökonomischer Bezugsrahmen In einer arbeitsteilig organisierten Volkswirtschaft gibt es grundsätzlich zwei Kategorien von Wirtschaftssubjekten, solche, die sich der Produktion von Gütern bzw. Dienstleistungen widmen, und solche, die diese Güter oder Dienstleistungen verbrauchen. Erstere werden „Unternehmen“ oder „Unternehmungen“, letztere „Haushalte“ genannt. Beide Kategorien haben miteinander gemein, dass sie aus ökonomischer Sicht über knappe Ressourcen verfügen und deshalb mit ihnen sparsam, d. h. effizient haushalten müssen. Anders gesagt, die Wirtschaftseinheiten, die man richtiger Produktionshaushalte bzw. Konsumhaushalte nennen sollte, müssen, wenn sie ihre Zielsetzungen optimal erreichen wollen, die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen so einsetzen, dass sie damit unter den gegebenen technologischen, ökonomischen, soziologischen, rechtlichen, politischen und sonstigen Bedingungen einen höchstmöglichen ökonomischen Nutzen erzielen, sei es in der Form der Einkommenserzielung (Gewinn), sei es in der Form der Einkommensverwendung. Ein Produktionshaushalt ist eine auf Fortbestand ausgerichtete und von einem Willenszentrum geleitete Wirtschaftseinheit, die an einem oder mehreren Teilvorgängen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses teilnimmt, indem sie einerseits Wirtschaftsgüter auf ihren Beschaffungsmärkten erwirbt und, nach ihrer Umwandlung in absatzfähigere Produkte, diese andererseits auf den einschlägigen Absatzmärkten veräußert. In dieser Definition wird absichtlich auf mögliche Zielsetzungen, wie Gewinnerzielung, Kostendeckung usw., verzichtet, da die Ziele nicht für alle Produktionshaushalte identisch sein müssen. So können z. B. Unterschiede in den Zielsetzungen zwischen öffentlichen und privaten Produktionshaushalten bestehen. Volkswirtschaftlich fällt den Produktionshaushalten die Aufgabe zu, die Gesellschaft mit Gütern und Dienstleistungen zu versorgen, die zur Befriedigung der vorhandenen und erkennbaren Bedürfnisse benötigt werden. Die Produktionshaushalte sollen einen Beitrag zur Erhaltung und Erhöhung des Wohlstandes der Volkswirtschaft, in die sie eingebettet sind, liefern. Sobald ein Produktionshaushalt diese Dienstleistung an der Gesellschaft nicht mehr erbringt, hat er grundsätzlich seine Raison d’Etre verloren. Den anderen Pol der Volkswirtschaft bilden die Konsumhaushalte. Auf diese ist letzten Endes die Aktivität der Produktionshaushalte gerichtet, weil sie die letzten Abnehmer der in der Volkswirtschaft produzierten Güter und Dienstleistungen sind. Der Konsumhaushalt ist somit eine Wirtschaftseinheit, welche die zur Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Mitglieder notwendigen Güter und Dienstleistungen auf den einschlägigen Beschaffungsmärkten erwirbt und das dazu benötigte Einkommen über den Arbeitsmarkt und ggf. den Finanzmarkt aufbringt, indem sie Arbeitskraft und/oder finanzielle Mittel auf diesen Märkten anbietet. Aus den obigen Definitionen geht hervor, dass die einzelnen Wirtschaftseinheiten durch ein Netz von Märkten miteinander verbunden sind (vgl. Abbildung A 1). In einer arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft sind Märkte notwendige Institutionen, deren primäre A. Grundlagen der Finanzwirtschaft der Unternehmung 4 Aufgabe – alle anderen ihnen zugesprochenen Funktionen, wie Preisgestaltungsfunktion, Informationsfunktion u. ä., können auf ihr begründet werden – es ist, Anbieter und Nachfrager von Wirtschaftsgütern miteinander in Verbindung zu bringen. Märkte sind also funktional betrachtet „Bindeglieder“ zwischen den Produktionshaushalten untereinander einerseits und zwischen diesen und den Konsumhaushalten andererseits. Die bloße Existenz der Märkte genügt aber nicht, um den Tauschverkehr zwischen den Wirtschaftseinheiten optimal zu gestalten. Um ihre Funktion als „Bindeglied“ effizient erfüllen zu können, müssen die Marktteilnehmer über ein Instrument verfügen, das sie in die Lage versetzt, ihre Wertschätzungen bezüglich der auf den Märkten befindlichen Wirtschaftsgüter zu quantifizieren und sie somit miteinander vergleichen zu können. Dieses Instrument ist das Geld. In einer geldmäßig organisierten Volkswirtschaft gibt Geld seinem Besitzer undifferenzierte Kaufkraft, d.h. ein Anrecht auf einen Teil des Sozialprodukts. Die Volkswirtschaftslehre lehrt, dass Geld grundsätzlich drei Funktionen erfüllt: Es ist als erstes Tausch- bzw. Zahlungsmittel sowie als zweites Wertauf- Abb. A 1: Bindung des Produktionshaushaltes im Marktsystem I. Finanzwirtschaftliche Grundbegriffe 5 bewahrungsmittel. Die zweite Funktion des Geldes ermöglicht es, zeitliche Differenzen zwischen eingehenden und ausgehenden Zahlungsströmen zu überbrücken. Auf dieser Funktion beruht unter anderem die Kassenhaltung der Wirtschaftssubjekte. Neben diesen beiden materiellen Funktionen erfüllt das Geld noch eine dritte, abstrakte Funktion, nämlich die einer Recheneinheit. Diese Funktion ermöglicht es, die Wertschätzungen der Güter und Dienstleistungen in einem „Referenzgut“ auszudrücken. Um an dem gesellschaftlichen Tauschprozess erfolgreich teilnehmen zu können, sind diese Funktionen des Geldes effizient zu nutzen. Vor allem müssen die Wirtschaftseinheiten über Geld verfügen. Die Beschaffung von Kaufkraft stellt folglich das primäre Ziel finanzwirtschaftlicher Aktivität einer Wirtschaftseinheit dar. In der älteren Literatur stand die Kaufkraftbeschaffung bisweilen so sehr im Vordergrund, dass sie als die finanzwirtschaftliche Funktion schlechthin betrachtet wurde. Im Laufe der Zeit wurde dieser enge Finanzierungsbegriff weit gehend verlassen und eine Verbindung der Beschaffungs- und Verwendungsfunktion unter dem Begriff der Finanzwirtschaft hergestellt. Danach umfasst die Finanzwirtschaft neben der Akquisition gerade auch die Disposition finanzieller Mittel. 2. Kapital und Vermögen Um produzieren zu können, braucht ein Produktionshaushalt Sachmittel, wie Rohstoffe, Betriebsmittel, Maschinen, Gebäude, Bargeld u. ä., aber auch Personen in dispositiver und ausführender Tätigkeit. Schließlich verfügt er evtl. noch über immaterielle Güter, wie Patente, Rechte usw. Die Gesamtheit aller materiellen und immateriellen Güter, die in Übereinstimmung mit den Zielsetzungen der Unternehmung eine produktive Funktion erfüllen, werden als das Vermögen des Unternehmens i. e. S. definiert. I.d. R. wird der Begriff Vermögen weiter ausgelegt und umfasst schließlich – ungeachtet ihrer jeweiligen Funktion – alle Güter, über die ein Produktionshaushalt verfügt. Angesichts dieses erweiterten Begriffsinhaltes erscheint es dann sinnvoll, zwischen betriebsnotwendigem Vermögen (= Vermögen i. e. S.) und neutralem Vermögen zu differenzieren. Das notwendige Betriebsvermögen unterliegt den spezifischen Risiken, die ein Produktionshaushalt aufgrund der Natur seiner Aktivitäten eingehen muss. Das neutrale Vermögen unterliegt ökonomischen Risiken, die primär nicht unmittelbar aus den normalen Aktivitäten des Produktionshaushaltes entstehen. Es handelt sich um Vermögenselemente, die zwar für den Produktionshaushalt als Ganzes von Vorteil sein können, aber nicht direkt für die erklärten (produktiven) Sachziele eingesetzt werden. Wenn bspw. mehr Vorräte gehalten werden, als für den normalen Aktivitätsgrad notwendig sind, weil davon ein Spekulationsgewinn erhofft wird, gehört diese Vorratshaltung nicht zu den Aktivitäten der normalen Geschäftsausübung des betreffenden Produktionshaushaltes. Zur Bestimmung, ob ein Vermögenselement dem notwendigen oder dem neutralen Vermögen zuzurechnen ist, muss die Frage der betriebswirtschaftlichen Funktion des betreffenden Vermögenselements geklärt werden. Das Vermögen stellt potenzielle Kaufkraft dar; erst wenn es in (undifferenzierte) reale Kaufkraft umgewandelt worden ist, verfügt die Unternehmung über Geld. Anders gesagt, im Vermögen ist Geld gebunden, dort ist es investiert. Diese potenzielle Kaufkraft des Vermögens wird auch das (Real-)Kapital der Unternehmung genannt. Es entspricht der „Summe der Werte aller materiellen und immateriellen Güter, in denen das Kapital

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Zusammenfassung

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Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist das Standardwerk für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung nach deutschem Recht. Neben den wichtigen Methoden der klassischen Finanz- und Investitionstheorie werden auch neue Finanzinstrumente und Erkenntnisse im Bereich der Kapitalmärkte erläutert, sodass dem Leser ein fundierter Überblick über den aktuellsten Stand der Forschung ermöglicht wird.

Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.