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3. Die Lagerhaltung als finanzwirtschaftliches Entscheidungsproblem in:

Louis Perridon, Manfred Steiner, Andreas W. Rathgeber

Finanzwirtschaft der Unternehmung, page 183 - 186

16. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3991-5, ISBN online: 978-3-8006-4900-6, https://doi.org/10.15358/9783800649006_183

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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II. Finanzwirtschaftliche Disposition des  Umlaufvermögens 167 3.  Die Lagerhaltung als finanzwirtschaftliches Entscheidungsproblem Ebenso wie der Bestand an Forderungen bindet auch die Lagerhaltung finanzielle Mittel der Unternehmung, für die Finanzierungskosten entstehen. Eine zu kleine Vorratshaltung beinhaltet jedoch die Gefahr, dass durch Produktionsausfälle Fehlmengenkosten entstehen. Darüber hinaus können bei größeren Bestellmengen auch günstigere Bezugskonditionen ausgehandelt werden. Ebenso wie bei der Kassenhaltung muss daher auch beim Lagerbestand ein Ausgleich zwischen den gegensätzlich verlaufenden Kosten und Größen gefunden werden. Speziell für die Vorratshaltung wurde in der Literatur eine Reihe von Lagerhaltungsmodellen entwickelt. Unterstellt man, dass der Materialbedarf über die gesamte Planungsperiode konstant ist und sich somit die Lager kontinuierlich abbauen, so kann ein einfaches Vorrats-Modell entwickelt werden, das bereits 1927 von Stefanicˆ-Allmeyer in seinen Grundzügen entwickelt wurde.153 Zu Beginn der Periode t0 wird der Bedarf m für die nachfolgende Zeiteinheit beschafft. Dieser wird während der Periode kontinuierlich verbraucht und muss daher zum Zeitpunkt t1 neu bestellt werden. Um stets einen gewissen eisernen Bestand zu gewährleisten, wird die Bestellung bereits durchgeführt, wenn der Lagerbestand diese Mindestmenge erreicht hat (vgl. Abbildung B 82). Wie bereits ausgeführt, wurde dieses Lagerhaltungsmodell von Baumol auf den Kassenbestand übertragen. Für die optimale Bestellmenge ergibt sich daher hier die gleiche Lösung wie beim Baumol-Modell:154 153 Stefanicˆ-Allmeyer, Die günstigste Bestellmenge, 1927, S. 504 ff. 154 Zur Herleitung der Losgrößenformel siehe Baumol-Modell S. 158, sowie Gutenberg, Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Band 1, 1973, S. 195 f. Abb. B 82: Einfaches Lagerhaltungsmodell mit kontinuierlichem Lagerabgang B. Management der Vermögensstruktur168 x = optimale Bestellmenge d = bestellfixe Kosten m = Bedarf pro Periode p = Einstandspreis q = (Lager- und Zinskostensatz) 100 Saisonale, konjunkturelle oder zufallsbedingte Schwankungen im Materialverbrauch werden durch dieses Modell nicht berücksichtigt. Ferner wird der Einstandspreis der Vorräte als bestellmengenunabhängige Größe angesehen. In komplizierteren Modellen des Operations Research werden deshalb auch diese Größen bei der optimalen Bestellmenge mit einbezogen.155 Aus der Verringerung des Lagerbestandes von Vorräten, Halb- und Fertigfabrikaten entsteht ein Kapitalfreisetzungseffekt (Finanzierung durch Vermögensumschichtung). Kurzfristige liquiditätspolitische Eingriffe sind jedoch nur in beschränktem Umfang möglich, da die Veräußerungsmöglichkeit sehr stark vom Absatzmarkt abhängt. Bei Liquiditätsengpässen bietet sich eine Veräußerung von Fertigerzeugnissen unter dem Marktpreis an, doch sollte diese Maßnahme nur zur Überwindung eines kurzfristigen Liquiditätsengpasses eingesetzt werden, da langfristig die erfolgswirtschaftliche Einbu- ße nicht außer acht gelassen werden. Auch eine Produktion unter Abbau des Bestandes an Halbfabrikaten kann bei Liquiditätsproblemen sinnvoll sein. Durch diese Maßnahmen können vorübergehend die Einzahlungsüberschüsse aus dem Umsatzprozess über die Senkung der Auszahlungen für die Fertigung gesteigert werden. Weiterführende Literatur zur finanzwirtschaftlichen Disposition des Umlaufvermögens Ballwieser, W.: Kassendisposition und Wertpapieranlage, Wiesbaden 1978. Brealey, R.; Myers, S., Allen, F.: Principles of Corporate Finance, 9. Auflage, New York 2008. Eistert, T.: Cash Management Systeme, Wiesbaden 1994. Fabozzi, F. J.; Masonson, L. N.: Corporate Cash Management, Homewood 1985. van Horne, J. C.: Financial Management and Policy, 12. Auflage, Englewood Cliffs (N. J.) 2001. Langen, H.; u. a.: Unternehmensplanung mit Verweilzeitverteilungen, Berlin 1971. Orgler, Y. E.: Cash Management Methods and Models, Belmont, Calif. 1970. Smith, K. V. (Hrsg.): Management of Working Capital, New York 1974. Steinmann, H.: Liquiditätsoptimierung in der kurzfristigen Finanzplanung, in: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis 20 (1968), S. 257 ff. Weston, J. F.; Brigham, E. F.: Managerial Finance, 7. Auflage, Hinsdale 1981. 155 Vgl. Churchman, Ackoff, Arnoff, Operations-Research, 1957, S. 189 ff.; Whitin, Inventory Management, 1957, S.37 ff.; Sasieni, Yaspon, Friedman, Unternehmensforschung, 1966, S. 87 ff. II. Finanzwirtschaftliche Disposition des  Umlaufvermögens 169 Fragen: Finanzwirtschaftliche Disposition des Umlaufvermögens 1. Vergleichen Sie die Formel zur Bestimmung der optimalen Bestellmenge mit dem Kassenhaltungsmodell von Baumol bezüglich der Variablen und der Prämissen. 2. Erläutern Sie die Probleme einer optimalen Kassenhaltung. 3. Was versteht man unter Verweilzeit und welche Rolle spielt diese bei der finanzwirtschaftlichen Disposition des Umlaufvermögens? 4. Geben Sie Maßnahmen zur Überbrückung eines Liquiditätsengpasses an, die sich auf das Umlaufvermögen beziehen. CWertpapiergeschäfte Kapitelübersicht I. Organisation der Finanzmärkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173 1. Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173 2. Nationale Kassamärkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174 3. Xeno-/Euromärkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 4. Terminmärkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Weiterführende Literatur zur Organisation der Finanzmärkte . . . . . . . . . . . 186 Fragen: Organisation der Finanzmärkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186 II. Ansätze zur Beurteilung festverzinslicher Effekten und Portefeuillestrategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 1. Effektivrendite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 2. Barwertbestimmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190 3. Bonitätsrisiko . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198 4. Zinsänderungsrisiko und Immunisierungsstrategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202 Literatur: Ansätze zur Beurteilung festverzinslicher Effekten und Portefeuillestrategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213 Fragen: Ansätze zur Beurteilung festverzinslicher Effekten und Portefeuillestrategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214 III. Konzeption und methodische Ansätze der Analyse von einzelnen Aktien und Aktienindizes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 1. Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 2. Fundamentalanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220 3. Die technische Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241 Literatur: Fundamentalanalyse, technische Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259 Fragen: Fundamentalanalyse, technische Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259 IV. Wertpapierprogrammentscheidungen – Aktienanalyse im Portefeuillezusammenhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260 1. Portefeuilletheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260 2. Kapitalmarkttheoretische Grundlagen der Wertpapieranalyse . . . . . . . . . . 270 3. Anlageentscheidungen im modernen Portefeuillemanagement – Asset Allocation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295 4. Investmentfonds . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 303

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Zusammenfassung

"...gehört zu den etablierten Standardwerken für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung." boerse.de-MAGAZIN

Dieses Lehrbuch und Nachschlagewerk ist das Standardwerk für den gesamten Bereich der Investition und Finanzierung nach deutschem Recht. Neben den wichtigen Methoden der klassischen Finanz- und Investitionstheorie werden auch neue Finanzinstrumente und Erkenntnisse im Bereich der Kapitalmärkte erläutert, sodass dem Leser ein fundierter Überblick über den aktuellsten Stand der Forschung ermöglicht wird.

Aus dem Inhalt

- Management der Vermögensstruktur - Investitionsrechnung und Disposition des Umlaufvermögens

- Wertpapiergeschäfte - Analyse von Aktien und Aktienindizes sowie Wertpapierprogrammentscheidungen und Risikomanagement mit Termingeschäften

- Alternativen der Kapitalaufbringung - Finanzierungsformen, Kapitalstruktur und Verschuldungspolitik

- Finanzanalyse - Kennzahlenanalyse und Kapitalflussrechnung

- Finanzplanung - Kapitalbedarf- und Liquiditätsplanung, Plananpassung und Kontrolle

Die Autoren

Dr. Dr. h.c. Louis Perridon und Dr. Manfred Steiner waren bis zu ihrer Emeritierung Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg. Dr. Andreas Rathgeber ist Professor am Institut Materials Resource Management und am Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg.