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4 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 86 - 90

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_86

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 67 4 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation In den beiden vorausgehenden Kapiteln wurden der Kommunikations- sowie der Kulturbegriff eingehend beleuchtet und diskutiert, so dass nunmehr der zentrale Begriff der Interkulturellen Kommunikation näher darzustellen ist. Interkulturelle Kommunikation kann grundsätzlich zugleich als ein wissenschaftliches Fach bzw. eine Teildisziplin, ein Problemfeld der Lebens- und Alltagswelt mit stetig steigender Bedeutung sowie als ein Modebegriff aufgefasst werden. Als wissenschaftliche Fachdisziplin oder Teildisziplin ist die Interkulturelle Kommunikation seit den 1960er Jahren in den USA sowie in Kanada entstanden. Immigration sowie die Entwicklung hin zu einer multikulturellen Gesellschaft sowie die damit einhergehenden Probleme bildeten in Nordamerika den Kontext als entscheidenden Anstoß für die Entwicklung von interkultureller Lehre und Forschung, die schwerpunktmäßig in der Psychologie, der Soziologie sowie der Pädagogik verankert wurde. So war es auch der US-amerikanische Ethnologe und Verhaltensforscher Edward T. Hall, der den Begriff der „intercultural communication“ erstmals in einer Publikation in den 1950er Jahren verwendete1. Zugrundeliegend ist dabei eine geradezu sprunghafte Bedeutungszunahme des zentral im Mittelpunkt stehenden Problemfeldes, nämlich der Beziehungen zwischen unterschiedlichen Kulturen sowie der sich daraus konsequenterweise ergebenden Konfliktmöglichkeiten. Dabei haben Beziehungen zwischen unterschiedlichen Kulturen durchaus eine lange historische Tradition, die bereits seit dem beginnenden 16. Jahrhundert, dem Zeitalter der großen Entdeckungen als weltumspannend bezeichnet werden kann, wurden doch im Gegensatz zur Antike und zum Mittelalter erstmals die Kulturen und Wirtschaften von Europa, Asien, Afrika sowie Amerika vernetzt2. Doch hat das Ausmaß der internationalen Verflechtung der Volkswirtschaften sowie der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit von Unternehmen infolge der weltwirtschaftlichen Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere ab Mitte der 1980er Jahre neue Maßstäbe gesetzt. Das hiermit angesprochene Phänomen der Internationalisierung bzw. Globalisierung3 führt zweifelsohne auch zu einem Anstieg der Beziehungen zwischen unterschiedlichen Kulturen sowie der damit einhergehenden Kommunikation, eben der damit einhergehenden Interkulturellen Wirtschaftskommunikation. In Bezug auf die Definition des Begriffes der Interkulturellen Kommunikation besteht in der Literatur bislang kein Konsens4. Zunächst einmal ist die Interkulturelle Kommunikation von der Internationalen Kommunikation abzugrenzen. Bei der Internationalen Kommunikation kommt es zur Kommunikation über nationale Grenzen von Staaten hinweg. Bei der Interkulturellen Kommunikation hingegen handelt es sich um Akte der Kommunikation zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen: „As an example, communication activities between executives in a Houston, Texas, USA office and executives in a branch office in Brussels, Belgium should be no different from communication between executives in the Houston office if the executives 4 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation 4 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 68 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 69 68 4 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation in the Brussels office were natives of Houston. Yet, this communication certainly is crossing national boundaries; therefore, it is international communication. On the other hand, communication activities between executives in a Houston, Texas, USA office and executives in a branch office located in an Amish area of the USA, staffed by local Amish people, would be considerably different, but it is not international since national boundaries were not crossed. However, such communication certainly would be intercultural communication since it would be between people of different cultural backgrounds.”5 Als zentrales Merkmal der Interkulturellen Kommunikation wird in der Literatur, wie anhand der vorangehenden Ausführungen von Spinks und Wells beispielhaft aufgezeigt, häufig angeführt, dass diese Form der Kommunikation zwischen Vertretern zweier (oder mehrerer) verschiedener Kulturen stattfindet6. Als relevanteste Manifestation von Kulturzugehörigkeit kann dabei die Zugehörigkeit zu einer Sprachgemeinschaft angesehen werden. Zweifelsohne fallen Kultur- und Sprachgemeinschaft nicht zwangsläufig zusammen. Beispielsweise finden in Finnland Finnisch und Schwedisch, in der Schweiz gar Deutsch, Französisch, Italienisch und seit 1999 auch Rätoromanisch als Nationalsprachen Anwendung7. Dennoch ist zwischen der Zugehörigkeit zu einer Kultur und einer Sprachgemeinschaft sicherlich eine größere Annäherung zu konstatieren als zwischen Kulturzugehörigkeit und einer beliebigen anderen Eigenschaft der Menschen. Insofern deckt sich der Gegenstandsbereich der Forschungsgebiete von Interkultureller und Internationaler Kommunikation, allerdings immer nur teilweise. So kann die Interkulturelle Kommunikation grundsätzlich auch innerhalb einer Nation stattfinden, nämlich zwischen Vertretern verschiedener ethnischer Gruppen, genauso wie die Internationale Kommunikation auch innerhalb eines Kulturkreises stattfinden kann. Insofern sind Interkulturelle und Internationale Kommunikation zwei unterschiedliche Bereiche, die sich jedoch teilweise überschneiden, ohne aber identisch zu sein8. Die Sprachenvielfalt eines Landes selbst wird am Beispiel der US-amerikanischen Bevölkerung deutlich. So wurde für das Jahr 2009 ermittelt, dass mehr als 19 Prozent der 5 und mehr Jahre alten Bevölkerung zuhause eine andere Sprache als Englisch sprechen9. Auf beiden Forschungsgebieten wird die Kommunikation zwischen Menschen mit typischerweise unterschiedlicher Muttersprache untersucht. Dennoch lassen sich die beiden Forschungsgebiete anhand der jeweils zugrunde liegenden Fragestellungen eindeutig voneinander abgrenzen. Die Internationale Kommunikation untersucht die äußeren Bedingungen der Kommunikation, fragt also nach den Ursachen für die internationale Stellung bzw. die wirtschaftliche Stärke von Sprachen und untersucht, wie häufig und in welchen Zusammenhängen eine Sprache im internationalen Kontext angewandt wird etc. Die Interkulturelle Kommunikation hingegen hat hiervon abzugrenzende Forschungsschwerpunkte. Zwar steht in der interkulturellen Forschung ebenfalls die Kommunikation zwischen Menschen mit typischerweise unterschiedlicher Muttersprache im Mittelpunkt. Untersucht werden jedoch nicht die äußeren Bedingungen der Kommunikation, sondern vielmehr jene Faktoren, die für ihr Gelingen oder Scheitern ursächlich verantwortlich sind. Insbesondere der Faktor der Kulturzugehörigkeit der Kommunizierenden steht dabei im Mittelpunkt der Analysen. Die Interkulturelle Kommunikation hat also das zentrale Ziel, kulturbedingte Einstellungen, Sichtweisen, Handlungsweisen, Werte, Konventionen etc. sowie den Einfluss, den diese Aspekte auf die Kommunikation mit Angehörigen fremder Kulturen haben, zu analysieren10. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 68 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 69 694 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation Angemerkt sei schließlich, dass die Interkulturelle Kommunikation neben der gemeinten (Wechsel)Beziehung zwischen zwei verschiedenen Kulturen letztlich Sprachunterschiede typischerweise ausdrücklich mit einschließt. Dabei werden mit Sprachunterschieden nicht ausschließlich unterschiedliche Sprachen – etwa die deutsche und die chinesische Sprache – gemeint, sondern insbesondere auch, wie noch zu zeigen sein wird, Unterschiede im Gebrauch einer Sprache. So unterliegen selbst in den Fällen gleicher Sprache die Vertreter unterschiedlicher Kulturen einer kulturellen Prägung, die sich auch im Umgang mit der Sprache widerspiegelt. In diesem Zusammenhang kann beispielsweise auf die unterschiedliche Art und Weise der Kommunikation von US-Amerikanern und Briten (anglophone Sprecher) oder auch von Franzosen und Wallonen (frankophone Sprecher) verwiesen werden11. Auch wenn die Interkulturelle Kommunikation sich per Definition auf die Kommunikation zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen bezieht, so kann eigentlich erst dann von Interkultureller Kommunikation gesprochen werden, wenn die Kommunikationsparteien sich dieser besonderen Situation auch tatsächlich bewusst sind und die jeweils gegenüber befindliche Person als „anders“ empfunden wird, also ein Gefühl einer gewissen gegenseitigen Fremdartigkeit besteht12. Die Andersartigkeit und das Fremde, das sich in Bezug auf einen einer fremden Kultur entstammenden Kommunikationspartner einstellt, wird von Bruck wie folgt beschrieben: „Als interkulturell werden alle Beziehungen verstanden, in denen die Beteiligten nicht ausschließlich auf ihre eigenen Kodes, Konventionen, Einstellungen und Verhaltensformen zurückgreifen, sondern in denen andere Kodes, Konventionen, Einstellungen und Alltagsverhaltensweisen erfahren werden. Dabei werden diese als fremd erlebt und / oder definiert. Interkulturell sind daher alle jene menschlichen Beziehungen, in denen Eigenheit und Fremdheit, Identität und Andersartigkeit, Familiarität und Bedrohung, Normalität und Neues zentral Verhalten, Einstellung, Gefühle und Verstehen bestimmen. Interkulturell sind alle jene menschlichen Beziehungen, in denen die kulturelle Systemhaftigkeit durch die Überschreitung der Systemgrenzen erfahren wird.“13 In diesem Sinne werden all jene Beziehungen als interkulturell verstanden, in denen die Beteiligten nicht ausschließlich auf die kultureigenen Kodes, Konventionen, Einstellungen und Verhaltensformen zurückgreifen, sondern auch ihre Pendants aus anderen Kulturen erfahren. Diese Pendants werden als fremd erlebt und  / oder definiert. Somit sind all jene menschlichen Beziehungen als interkulturell einzustufen, in denen die kulturelle Systemhaftigkeit durch die Überschreitung der Systemgrenzen mehr oder weniger bewusst erfahren wird14. Dabei wird die Wahrscheinlichkeit eines Auftretens von Kommunikationsstörungen infolge eines unterschiedlichen kulturellen Backgrounds naturgemäß umso größer, je größer die tatsächlichen kulturellen Distanzen sind15, zumal der kulturelle Unterschied in verschiedenen Graden „auf einem Kontinuum von totaler Unterschiedlichkeit bis vollkommener Gleichheit auftreten“ kann16. Insbesondere im Falle großer Kulturdistanzen wird die Kommunikation eindeutig erschwert sein. Kumbier und Schulz von Thun bringen diesen Sachverhalt sehr bildhaft wie folgt zum Ausdruck: „Immerhin, innerhalb einer Kultur ist die menschliche Kommunikation erleichtert, weil sie ähnliche Verhältnisse auf den Inseln unterstellen und bereits eingespurte Brückenverbindungen nutzen kann. Man weiß, wie es gemeint ist, und fühlt sich Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 70 70 4 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation irgendwie zu Hause. Bei der freiwilligen Feuerwehr in Kleinkleckersrade hat sich ein bestimmter Stil des Umgangs „eingebürgert“, es herrscht eine hohe Kommunalität, also ein hohes Maß an kultureller Gemeinsamkeit. Wenn zwei deutsche Firmen fusionieren, ist diese Kommunalität vermutlich schon geringer: Hier prallen zwei „Firmenkulturen“ aufeinander, die wechselseitig Irritationen und Befremden hervorbringen können. Man spricht vom „Stallgeruch“, der beim Fusionspartner anders ist. Immerhin, es handelt sich bei beiden Partnern um deutsche Wirtschaftsunternehmen, sodass ebenfalls noch beachtliche Gemeinsamkeiten gegeben sind. Wenn die alte BRD und die alte DDR zusammenwachsen sollen und wollen, dann ist die Kommunalität noch erheblich niedriger, obwohl beides deutsche Staaten mit gemeinsamer Vorvergangenheit sind: Fast fünfzig Jahre lang in unterschiedlichen Systemen aufgewachsen, sind Ossi und Wessi einander (teilweise „tiefgreifend“) kulturfremd geworden. Wechselseitige Irritationen und Befremden schaffen jene viel beklagte „Mauer in den Köpfen“, die abzubauen mehr Zeit braucht als die alte Mauer aus Stein und Beton … Wenn schon bei einer deutsch-deutschen Staaten-Fusion eine erhebliche interkulturelle Brisanz gegeben war und immer noch ist, um wie viel mehr müssen wir damit rechnen, wenn Kulturen aus unterschiedlichen Ländern und Erdteilen aufeinander stoßen! Aber genau darin besteht die Herausforderung unserer Zeit.“17 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation wird, insbesondere in Abhängigkeit von Fachdisziplin und Kulturraum, unterschiedlich weit gefasst. Vor allem Linguisten vertreten dabei die im Vorausgehenden bislang angesprochene enge Definition, indem die Interkulturelle Kommunikation auf den Bereich der interpersonalen Face-to-Face-Kommunikation zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Kulturen beschränkt wird. Hingegen soll hier ausdrücklich ein weiter gefasster Begriff der Interkulturellen Kommunikation zugrunde gelegt werden, der neben der interpersonalen Interaktion zum einen auch die Ebene der mediatisierten Interkulturellen Kommunikation in ihren unterschiedlichsten Ausprägungsformen mit einbezieht. Somit finden auch die medialen Darstellungsformen der Interkulturellen Kommunikation, etwa in Film, Fernsehen, Radio und Internet Berücksichtigung. Zum anderen beinhaltet dieser weiter gefasste Begriff der Interkulturellen Kommunikation aber auch all jene interpersonalen Kommunikationsprozesse zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen, die auf interaktiver mediatisierter Ebene vonstatten gehen18. Im Gegensatz zur Interkulturellen Kommunikation bleibt in der intrakulturellen Kommunikation, bei der gleichkulturierte Kommunikationspartner aufeinander treffen19, die Empfindung einer unterschiedlichen kulturellen Systemhaftigkeit naturgemäß aus. Kommunikationsstörungen lassen sich in diesem Falle naturgemäß nicht auf unterschiedliche Kulturzugehörigkeit zurückführen, was allerdings mitnichten bedeutet, dass in diesen Situationen Störungen grundsätzlich ausbleiben. Anmerkungen 1 Lüsebrink (2012), S. 3 f. 2 Lüsebrink (2012), S. 1 3 Backhaus; Voeth (2010), S. 1 4 Helmolt (1997), S. 14 5 Spinks; Wells (1997), S. 287 6 Maletzke (1996), S. 37 7 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 62 8 Thieme (2000), S. 24 9 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 235 10 Ehrhardt (2003), S. 140 ff. 11 Litters (1995), S. 21 f. 12 Maletzke (1996), S. 37 13 Bruck (1994), S. 345; zitiert nach Thieme (2000), S. 22 14 Maletzke (1996), S. 37 15 Nagels (1996), S. 7; Chen; Starosta (2009), S. 28 16 Jahnke (1996), S. 25 17 Kumbier; Schulz von Thun (2009), S. 9 ff. 18 Lüsebrink (2012), S. 7 f. 19 Klopf; McCroskey (2007), S. 64 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 71 5 Interkulturelle Erscheinungsformen und Instrumente der interpersonalen Kommunikation Die interpersonale Kommunikation ist für den Forschungsbereich der Interkulturellen Kommunikation von überaus großem Interesse. Dabei ist unter interpersonaler Kommunikation oder persönlicher Kommunikation die direkt von Person zu Person vonstatten gehende Kommunikation zu verstehen. Eine andere Ausdrucksweise hierfür ist Mund-zu-Mund-Kommunikation („face-to-face-communication“), die letztendlich die Unmittelbarkeit dieser Kommunikationsform veranschaulicht. In diesem Zusammenhang wird auch verständlich, warum sie, in Abgrenzung zur Massenkommunikation, auch als Primärkommunikation oder direkte Kommunikation bezeichnet wird1. Die interpersonale Kommunikation, die zwischen zwei oder mehreren Personen stattfinden kann, findet sowohl im Rahmen der beruflichen Tätigkeit von Managern, Angestellten und Arbeitern in Unternehmen als auch in den verschiedensten Bereichen des privaten Lebens statt. Das tatsächliche Ausmaß, das die interpersonale Kommunikation in der Gesellschaft einnimmt, wird deutlich, wenn man den in der Literatur überaus häufig wiedergegebenen Überlegungen von Watzlawick folgt. Watzlawick folgert aus der für ihn gegebenen Tatsache, dass alles Verhalten in einer zwischenmenschlichen Situation Mitteilungscharakter hat, dass alles Verhalten in einer zwischenmenschlichen Situation Kommunikation ist. Dementsprechend formuliert Watzlawick sein erstes metakommunikatives Axiom wie folgt: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Seine diesbezüglichen Ausführungen „Verhalten hat kein Gegenteil“ seien wortwörtlich wiedergegeben: „Verhalten hat vor allem eine Eigenschaft, die so grundlegend ist, daß sie oft übersehen wird: Verhalten hat kein Gegenteil, oder um dieselbe Tatsache noch simpler auszudrücken: Man kann sich nicht nicht verhalten. Wenn man also akzeptiert, daß alles Verhalten in einer zwischenpersönlichen Situation Mitteilungscharakter hat, d. h. Kommunikation ist, so folgt daraus, daß man, wie immer man es auch versuchen mag, nicht nicht kommunizieren kann. Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben alle Mitteilungscharakter: Sie beeinflussen andere, und diese anderen können ihrerseits nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren und kommunizieren damit selbst. Es muß betont werden, daß Nichtbeachtung oder Schweigen seitens des anderen dem eben Gesagten nicht widerspricht. Der Mann im überfüllten Wartesaal, der vor sich auf den Boden starrt oder mit geschlossenen Augen dasitzt, teilt den anderen mit, daß er weder sprechen noch angesprochen werden will, und gewöhnlich reagieren seine Nachbarn richtig darauf, indem sie ihn in Ruhe lassen. Dies ist nicht weniger ein Kommunikationsaustausch als ein angeregtes Gespräch.“2 Interessant an diesen Ausführungen ist, dass Watzlawick davon ausgeht, dass in einer unmittelbaren zwischenmenschlichen Beziehung jedes beobachtbare sprachliche (verbale) und nichtsprachliche (nonverbale) Verhalten auf die gegenüber befindliche Person einwirkt und in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext eine 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.