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3.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 71 - 86

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_71

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 52 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 53 52 3 Der Kulturbegriff 3.5.3 Fallstudie zum Kulturmodell nach Spencer-Oatey: „Vaterschaftsurlaub in Island“ In Island haben drei Ministerien (Ministerium für Gesundheit, Ministerium für soziale Angelegenheiten und Ministerium für Finanzen) Ende der 1990er Jahre einen gemeinsamen Ausschuss eingerichtet, um einen Entwurf für ein Gesetz über den Mutterschafts- / Vaterschaftsurlaub zu erarbeiten. Der dem Parlament vorgelegte Entwurf wurde im Jahre 2000 als Gesetz verabschiedet. Gemäß dem Gesetz haben beide Elternteile denselben Anspruch auf Mutterschafts- bzw. Vaterschaftsurlaub. Die Dauer des Urlaubsanspruches wurde auf neun Monate festgelegt. Jeder Elternteil hat dabei einen individuellen Anspruch auf einen dreimonatigen Urlaub. Danach stehen für beide zusammen nochmals drei Monate Urlaub zur Verfügung, die individuell aufgeteilt werden können. Der Urlaub selbst kann innerhalb der 18  Monate, die sich an die Geburt anschließen, wahrgenommen werden. Die Zahlungen belaufen sich auf (mindestens) 80 % des Bruttoarbeitsentgeltes des jeweiligen Elternteils. Einer im Jahre 2006 vom norwegischen „Insititute for Social Research“ durchgeführten Studie zufolge nutzen in Island fast 90 % aller jungen Väter das Angebot einer bezahlten Elternzeit, dies in der Regel über die möglichen vollen drei Monate. Zudem haben fast 74 % der isländischen Arbeitgeber die Haltung, dass der befristete Ausstieg der Männer zu befürworten ist. Anekdotenartig sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass sich in Island in den meisten Herrentoiletten ein Wickeltisch befindet. Beschreiben Sie für die drei äußeren Schichten des Kulturmodells nach Spencer- Oatey, in welcher Weise diese Schichten in den Schilderungen über Island Berücksichtigung finden. Nennen Sie zu diesem Zweck die jeweilige Schicht sowie die damit jeweils in Verbindung zu bringenden Kulturausprägungen Islands. Beantworten Sie sodann abschließend welche der fünf Kulturdimensionen nach Hofstede in ganz besonderem Maße dazu geeignet ist, um als in der innersten Schicht des Modells angesiedelter Grundwert aufgefasst zu werden und die zuvor geschilderten Ausprägungen der Kulturelemente in den drei äußeren Schichten zu erklären. (Anmerkung: Hierfür ist es notwendig, die fünf Kulturdimensionen der kulturvergleichenden Studie nach Hofstede zumindest dem Grunde nach zu kennen.)123 3.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer Ein anderer Ansatz, Kultur modellhaft abzubilden, stammt von Dülfer. Sein Ansatz unterscheidet sich beachtlich von dem Kulturmodell von Spencer-Oatey. Letztere verfolgt das wesentliche Ziel der allgemeinen Abbildung von Kultur durch verschiedene Schichten mit jeweils schichtspezifischen Kulturelementen, die einander gegenseitig beeinflussen. Dülfer berücksichtigt in seinem Schichtenmodell zwar ebenfalls eine Vielzahl unterschiedlicher Schichten. Jedoch versucht er aufzuzeigen, inwiefern Kultur in unterschiedlichen Schichten als Filter für Entscheidungen in Unternehmen wirken kann. Dabei hat er sein Modell nicht auf Basis umfassender empirischer Untersuchungen erhoben, vielmehr baut er sein Modell auf seinen 3.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 52 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 53 533.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer in langjähriger Praxis- und Beratungstätigkeit gesammelten Erfahrungen auf und verbindet diese zu einem konzeptionellen Ansatz124. Im Mittelpunkt steht dabei der einzelne Entscheidungsträger des Unternehmens, also der einzelne Manager, da anzunehmen ist, dass letztlich dieser nach außen hin für das Gesamtsystem, also die gesamte Unternehmung tätig wird125. Der Ansatz von Dülfer sieht eine zweidimensionale Analyse der Beziehung einer Unternehmung bzw. eines Entscheidungsträgers zur jeweiligen Umwelt vor. Für den Entscheidungsträger geht es dabei um die Fragen: • „Mit wem habe ich es zu tun?“ und • „Mit welchen Verhaltensbesonderheiten muss ich bei ihm rechnen?“ In einem ersten Schritt („Mit wem habe ich es zu tun?“) geht es um die Identifikation derjenigen sozio-technischen Systeme, mit denen eine Unternehmung – nicht zuletzt aufgrund ihres Zielsystems – in (horizontaler) Interaktion steht. Angesprochen sind hierbei Beziehungsarten, die über klassische Marktbeziehungen hinaus reichen. Dülfer spricht in diesem Zusammenhang auch von der Strukturanalyse der Aufgabenumwelt. In einem zweiten Schritt („Mit welchen Verhaltensbesonderheiten muss beim jeweiligen Interaktionspartner gerechnet werden?“) geht es um die Identifikation der natürlichen und kulturellen Umwelteinflüsse, die auf die Interaktionspartner (vertikal) einwirken und dergestalt deren Verhalten jeweils ganz spezifisch beeinflussen. In diesem Zusammenhang spricht Dülfer auch von einer Analyse der verhaltensbeeinflussenden globalen Umwelt. In Bezug auf die erste angesprochene Dimension, die Strukturanalyse der Aufgabenumwelt, bezieht sich Dülfer nicht ausschließlich auf den einzelnen Entscheidungsträger bzw. Manager, da auch die Unternehmung als System in Interaktionsbeziehung mit anderen sozio-technischen Systemen stehen kann126. Dies ist sinnvoll, da Interaktionsbeziehungen nicht ausschließlich auf den einzelnen Manager bezogen werden dürfen, sondern vielmehr auch auf die Unternehmung zu beziehen sind. Es sei beispielhaft nur an ein organisationales Beschaffungsverhalten erinnert, welches sich in einem multipersonalen Problemlösungs- und Entscheidungsprozess vollzieht. So können etwa im Industriegüterbereich die Personen von einkaufentscheidenden Gremien (sog. Buying Center) und verkaufvornehmenden Gremien (sog. Selling Center) in hoher Interaktion zueinander stehen. Hierbei bildet sich richtiggehend ein Beziehungsnetzwerk der involvierten Personen127. Dülfer unterscheidet, wie noch im nachfolgenden Abschnitt über die Strukturanalyse der Aufgabenumwelt des Unternehmens zu sehen sein wird, in der Aufgabenumwelt zwischen internen und externen Interaktionspartnern sowie sog. „Mittlern“. Hinsichtlich der zweiten angesprochenen Dimension, der Analyse der verhaltensbeeinflussenden Umwelt einer Unternehmung, nimmt Dülfer eine Gliederung in mehrere Schichten vor. Dabei differenziert er zunächst grundlegend zwischen der natürlichen und der kulturellen Umwelt. Als natürliche Umwelt bzw. natürliche Gegebenheiten wird dabei alles aufgefasst, was nicht durch den Menschen geschaffen wurde, also letztlich durch Natürlichkeit gekennzeichnet ist. Zu dieser natürlichen Umwelt zählen z. B. die klimatischen, topographischen und geologisch-ressourcenorientierten Bedingungen. In Abgrenzung zur natürlichen Umwelt wird die kulturelle Umwelt von all jenen Faktoren konstituiert, die vom Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 54 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 55 54 3 Der Kulturbegriff Menschen geschaffen sind und somit durch eine gewisse Nicht-Natürlichkeit gekennzeichnet sind. Dementsprechend wird Kultur gleichsam als die Nutzung, Veränderung und Gestaltung der Natur angesehen. Da das Interesse von Dülfer insbesondere der Kultur, weniger hingegen der Natur gilt, differenziert er die kulturelle Umwelt sodann weiter. Dabei werden von ihm insgesamt fünf kulturelle Schichten unterschieden, die über der als Basis fungierenden Schicht der natürlichen Gegebenheiten angeordnet werden. Abbildung 3-7 gibt diesen Sachverhalt zur besseren Veranschaulichung visuell wieder. Jede einzelne der fünf Schichten der kulturellen Umwelt wird nachfolgend näher erläutert128. Angemerkt sei, dass die natürlichen und kulturellen Umwelteinflüsse vertikal auf die Interaktionspartner einwirken und somit deren Verhalten oft in einer von heimatkulturbezogenen Erfahrungen abweichenden Weise beeinflussen. Dies bezeichnet Dülfer, wie bereits angeführt, als die Analyse der verhaltensbeeinflussenden globalen Umwelt129. Die globale Umwelt im Sinne der alltäglichen Wirklichkeit der Lebenswelt eines Individuums schließt somit sowohl die erfahrbare Natur als auch die Kulturwelt ein130. Bevor die einzelnen Schichten näher dargelegt werden, sei schließlich darauf hingewiesen, dass sich die einzelnen Schichten nicht nur untereinander beeinflussen. Vielmehr tangiert eine jede einzelne Schicht unmittelbar die Einzelperson des Entscheidungsträgers bzw. Managers. Dieser Sachverhalt wird graphisch zum Ausdruck gebracht, indem eine untere Schicht immer die jeweils darüber befindliche Schicht etwas überragt, so dass der von dort nach oben zeigende Pfeil den durchaus unmittelbaren Einfluss der einzelnen Faktoren der jeweiligen Schichten auf den einzelnen Manager aufzeigt. Das Modell veranschaulicht also, auf welche einzelnen Einflüsse bzw. Wirkungszusammenhänge ein Manager bei internationaler Geschäftstätigkeit zu achten hat, weshalb Dülfer sein Modell auch als „Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung“ bezeichnet. Deutlich zu sehen sind in den beiden Abbildungen 3-7 und 3-8 die internen Einflussbeziehungen zwischen den Abbildung 3‑7: Das Schichtenmodell nach Dülfer im Aufriss (Quelle: Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 250) Natürliche Gegebenheiten „Aufgabenumwelt“ Soziale Beziehungen / Bindungen Rechtlich-politische Normen Stand der Realitätserkenntnis / Technologie Kulturell bedingte Wertevorstellungen Unternehmung Manager Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 54 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 55 553.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer einzelnen Schichten, die damit verbundenen Rückkopplungen sowie insbesondere auch das Einwirken der „globalen Umwelt“ insgesamt auf die „Aufgabenumwelt“, also auf sämtliche Interaktionspartner bzw. Manager. Hingewiesen sei schließlich auf den im Vertikalschnitt des Schichtenmodells zum Ausdruck kommenden Sachverhalt, dass nicht ausschließlich die diversen Interaktionspartner der Unternehmung in ihrem Verhalten durch Faktoren der globalen Umwelt beeinflusst werden, sondern dass auch die jeweils betrachtete Unternehmung selbst diesen Einflüssen unterliegt. Demzufolge unterliegt also auch die Kategorie der sog. Insider den Einflüssen der globalen Umwelt131. 3.6.1 Natürliche Gegebenheiten als Umwelteinflüsse Die Basisschicht des Modells ist in den natürlichen Gegebenheiten zu sehen. In Bezug auf die natürlichen Gegebenheiten, also letztlich die Natur ist zunächst einmal festzuhalten, dass sie im ganz allgemeinen Sinne als Gegenpol zu Kultur zu sehen ist. Bei dieser Sichtweise sind kulturelle Errungenschaften wie Werkzeuge und Unterkunft als Resultate im Prozess der Auseinandersetzung der Menschheit mit der Natur zu sehen132. Die mit der Natur verbundenen Umweltfaktoren beeinflussen unmittelbar das Verhalten der Menschen sowie die kulturellen Umweltbedingungen. Zu den natürlichen Gegebenheiten zählen: • topographische Bedingungen (d. h. die Beschaffenheit der Erdoberfläche, z. B. Gewässer, Gebirge, Wüste etc.) • lebenswichtige Ressourcen (z. B. Trinkwasser, reine Luft etc.) • klimatische Bedingungen (z. B. Temperatur, Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag etc.)133. Es ist davon auszugehen, dass die natürlichen Gegebenheiten von Dülfer ganz bewusst als unterste Basisschicht ausgewählt worden sind, entfalten doch die un- Abbildung 3‑8: Das Schichtenmodell nach Dülfer als Vertikalschnitt (Quelle: in Anlehnung an Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 250) Kultur Natur Natürliche Gegebenheiten Stand der Realitätserkenntnis und Technologie Kulturell bedingte Wertevorstellungen Soziale Beziehungen und Bindungen Rechtlich-politische Normen „Aufgabenumwelt“ externe Interaktionspartner Manager Unternehmung (im Gastland) Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 56 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 57 56 3 Der Kulturbegriff teren Schichten des Modells einen stärkeren Einfluss auf die oberen Schichten als die oberen Schichten auf die unteren. In der Tat muss man sich vor Augen führen, dass die Gegebenheiten der Natur in allerhöchstem Maße die Möglichkeiten der Entwicklung von Kultur geradezu existentiell beeinflussen. Dementsprechend ist es kein Zufall, dass für den Evolutionsbiologen Jared Diamond die Entwicklung des menschlichen Zusammenlebens hin zur Sesshaftigkeit in einer Weltregion stattfand, die auch als arabischer Halbmond bezeichnet wird, in dessen Zentrum das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris liegt und die sich ganz einfach durch eine extreme Fruchtbarkeit ausgezeichnet hat und die zudem über eine einmalige Mischung an genetischer Vielfalt verfügt hat, die nirgendwo anders auf der Erde existent war. So entwickelten sich im Euphrat- und Tigrisdelta Haustiere wie Rind, Schwein und Hund aus mehreren Urformen. Damit aber wurde wiederum eine Ergänzung der Ernährung um kalorienreiches Fleisch erreicht. Demzufolge wurde also eine Ernährung erreicht, die die Überlebensfähigkeit der in der entsprechenden Kultur angesiedelten Menschen in höherem Maße gewährleisten konnte. Zudem repräsentierte die Vielfalt der verschiedenen Getreidesamen und Gemüsevorläufer für die Menschen dieser Region einen großen Vorteil. Im weiteren Verlaufe bildeten sich in der Region des arabischen Halbmondes stadtähnliche Strukturen heraus und somit entstanden soziale Gebilde, die weitaus komplexer waren als die eher archaischen, stammesähnlichen Systeme der Nomaden. In den herausgebildeten agrarischen Kulturen entstand Arbeitsteilung und zwar dadurch, dass der Reichtum der agrarischen Produktion in manchen Regionen sogar dazu ausreichte, um Soldaten und Priester zu „bezahlen“, indem man sie zumindest ernährte. Die entstandene Möglichkeit, den agrarischen Überschuss in Form von Verteidigung oder Eroberung zu investieren war entscheidend für das Überleben in der langen Epoche der Kriege in der archaischen Zeit des Menschen bis hin zum Mittelalter134. Es wird deutlich, dass die natürlichen Gegebenheiten als Umwelteinflüsse eine geradezu überragende Bedeutung für die Entstehung von Kultur haben, so dass gesagt werden kann, dass ohne ausreichend beherrschbare natürliche Voraussetzungen Kultur erst gar nicht entstehen kann. Beispielsweise war die Kultur des alten Ägypten als eine der ersten Hochkulturen der Menschheitsgeschichte überhaupt nur möglich infolge der Lage am Nil. Erst der längste Fluss der Erde sicherte die dauerhafte und ausreichende Wasserversorgung, der mitgeführte Schlamm schaffte fruchtbare Voraussetzungen für den Ackerbau und als Schifffahrtsweg ermöglichte er den Transport der von weiter her geholten Steine zur Schaffung der großen Kulturdenkmäler. Ohne den Nil als eine natürliche Gegebenheit aber wäre die Hochkultur der alten Ägypter niemals denkbar gewesen. Die Bedeutung natürlicher Umwelteinflüsse hat selbstverständlich auch vor Europa nicht halt gemacht. So waren es vorrangig die fruchtbarsten Regionen in Europa, aus denen Erfindungen der Menschheit hervorgebracht wurden sowie Kriegskunst eine Weiterentwicklung erfahren hat135 und letztlich auch eine florierende Wirtschaft entstanden ist. Schließlich entfalten die natürlichen Gegebenheiten je nach Ausprägung kulturspezifisch betrachtet unterschiedliche psychologische Wirkungen, die nicht vernachlässigt werden dürfen. So sind extreme Naturgegebenheiten oftmals nur mit einer gewissen Einstellung zu ertragen, die in Richtung Gelassenheit oder gar Phlegma und Resignation deuten136. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 56 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 57 573.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer In zahlreichen Wüstenkulturen stellt weite Kleidung die optimale Anpassung des Menschen an die extremen Temperaturen dar. Mit dieser Art von Kleidung sind sogar gemeinsame Handlungs- bzw. Kommunikationsweisen verbunden, wie am Beispiel der Begrüßungszeremonie veranschaulicht werden kann. So begrüßt man sich in diesen Kulturen durch eine brüderliche Umarmung. Der sehr praktische Hintergrund dieser Zeremonie ist darin zu sehen, dass die weite Kleidung die Körperformen verdeckt, durch die Umarmung gerade in der Vergangenheit aber eventuell verborgene Waffen schnell entdeckt werden konnten. Es wird deutlich, dass sogar die natürlichen Gegebenheiten, zumindest indirekt, die Art und Weise der Kommunikation beeinflussen können137. 3.6.2 Stand der Realitätserkenntnis und Technologie Für Dülfer ist die Fähigkeit zur Realitätserkenntnis vom technologischen Entwicklungsstand und somit von der Technologie abhängig138. Im Sinne dieser Abhängigkeit führt etwa Popper exemplarisch an, dass die technische Revolution der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg im 15. Jahrhundert eine maßgebliche Voraussetzung für die einer kulturellen Revolution gleichkommenden Entwicklung des Humanismus gewesen ist. Das Entstehen eines wesentlich erweiterten Büchermarktes und die damit einhergehende Neubelebung der antiken Literatur wirkte befruchtend auf Künste und Wissenschaften139. Wesentliches Element der ersten Kulturschicht von Realitätserkenntnis und Technologie ist aber nicht nur der Entwicklungsstand in der Fähigkeit zur Realitätserkenntnis, sondern auch der davon beeinflusste Stand der Verfahrenstechnik. Mit Verfahrenstechnik ist dabei die Fähigkeit angesprochen, erkannte Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge in bewusste und zielgerichtete Handlungen bzw. Wirkungsprozesse umzusetzen. Von daher fasst Dülfer die Realitätserklärung mit der Technologie in einer Kulturschicht zusammen. Elemente dieser Schicht sind z. B. das in einem Land vorherrschende Weltbild, die dort gesprochene(n) Sprache(n) sowie alle verfügbaren Verfahren und Technologien, auch die Kommunikationstechnologien. Damit wird mit der Kulturschicht von Realitätserkenntnis und Technologie letztlich die Beziehung zwischen Kausalitätserkenntnis und Anwendung dieser Erkenntnisse, also die Rationalität der jeweils Handelnden angesprochen140. 3.6.3 Kulturell bedingte Wertevorstellungen Als zweite Kulturschicht zieht Dülfer die kulturell bedingten Wertevorstellungen heran. Hierunter sind sämtliche subjektiv festgelegten Präferenzen eines Individuums zu verstehen. Dabei sind sowohl jene Präferenzen angesprochen, von denen das Individuum glaubt, dass sie für alle Menschen eine absolut gültige Norm verkörpern, als auch jene Präferenzen, die bewusst vom Subjekt frei gewählt werden und demzufolge auch freiwillig als Verhaltensnorm bzw. Zielgröße betrachtet werden141. Als kulturell bedingte Wertevorstellungen sieht Dülfer religiöse Glaubensinhalte, ethische Normen, überlieferte Verhaltensvorschriften, ideologische Postulate, individuelle Motive und Präferenzen sowie Erziehungsgrundsätze an. Besondere Bedeutung kann dabei dem religiösen Einfluss eingeräumt werden. Exemplarisch hierfür können die Einflüsse des Islam auf das Management angeführt werden, Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 58 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 59 58 3 Der Kulturbegriff die in der Literatur in vielfältiger Form diskutiert werden. So erklärt z. B. die ausgeprägte Lehre von der Vorherbestimmtheit des menschlichen Lebens, warum – zumindest bei den Sunniten – die Eigeninitiative von Mitarbeitern in Unternehmen infolge einer fatalistischen Einstellung eine deutlich geringere Bedeutung hat als in christlich geprägten Ländern. Des Weiteren spiegelt sich die allumfassende und absolute Dogmatik des Islam auch in Unternehmen wider, und zwar in Form von eindeutigen und klaren Entscheidungen, in hierarchischen Organisationsstrukturen und in einem autoritären Führungsstil142. Besonders offenkundig wird der Einfluss des Islam im Bank- und Finanzwesen. Im islamischen Bankenwesen hat das nach dem Koran bestehende Zinsverbot dazu geführt, dass sich anstelle des Zinses andere Formen der Vergütung wie z. B. Gewinn- und Verlustbeteiligungen etabliert haben. Allgemein verlangt das islamische Recht, dass die Risiken von der Bank und deren Kundenunternehmen gemeinsam getragen werden. Die hierbei zugrunde liegende Argumentation bezieht sich auf die dadurch vermutete gleichmäßigere Einkommens- und Vermögensverteilung. Islamische Banken entrichten somit an Einleger keine Zinsen, noch belasten sie Kreditnehmer mit Sollzinsen. Anstelle dessen beanspruchen sie einen festzulegenden Teil des Unternehmensgewinns bzw. -verlustes, den sie an die Einleger der Bank ausschütten. Die Gewinnbeteiligung ist nach den Rechten des Islam gestattet, da lediglich der Gewinnanteil, nicht aber die Kapitalrendite festzulegen ist143. Religiöse Einflüsse können aber bereits am Katholizismus und seinen Auswirkungen auf heutige Internationalisierungsentscheidungen festgemacht werden. So betont beispielsweise der deutsche Kondomhersteller „Condomi“, dass ein Markt umso erfolgversprechender ist, je stärker katholisch er geprägt ist. Dies begründet sich darin, dass Präservative in katholischen Ländern besonders geschätzt werden, weil sie ohne ärztliches Rezept erhältlich sind144. Dementsprechend sind die Produkte des Unternehmens, welches zur Spitzengruppe der global agierenden Anbieter auf dem Kondom-Markt zu rechnen ist, z. B. in Deutschland nicht nur in vielen Apotheken, sondern auch in fast allen Kaufhäusern erhältlich145. Am Beispiel des Unternehmens „Condomi“ wird deutlich, dass die Religion auch in westlichen Kulturen einen Einfluss ausübt. Das unterschiedliche Ausmaß des Einflusses wird im Vergleich von US-amerikanischer Kultur und europäischer Kultur augenscheinlich. So führt Harprecht beispielhaft Frankreich als ein Land an, in dem eine geradezu sakrosankte, strikte Trennung von Kirche und Staat herrscht, die es auch in der Meinungsäußerung strikt zu beachten gilt. So hat es die französische Regierung sogar verhindert, dass die Präambel zur Charta europäischer Grundrechte, Teil der Verfassung der Europäischen Gemeinschaft, die jüdisch-christliche Tradition beim Namen nennt. Für US-amerikanische Kulturvertreter ist diese Haltung eher verblüffend und wenig verständlich, zumal die jüdisch-christliche Prägung letztendlich sowohl in Europa als auch in den USA erfolgt ist. Trotz der Tatsache, dass die Religiosität sowohl in den USA als auch in Europa die Menschen maßgeblich prägt, konstatiert Harprecht, dass die Religiosität „mittlerweile zu dem Merkmal geworden (ist, Anm. des Verf.), das Europa und Amerika vielleicht am tiefsten trennt.“146 Harprecht führt in diesem Zusammenhang auch den renommierten französischen Soziologen Boudon an, der seinerseits auf ein hiermit in Einklang stehendes Paradoxon in den USA hinweist: Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 58 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 59 593.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer „Einerseits sind die USA die „modernste der modernen Gesellschaften“, andererseits schütteln die Amerikaner die „Entzauberung“ der Glaubenswelten durch den Fortschritt der Wissenschaften (vor allem ihren eigenen) so gelassen ab, als gehe sie das alles nichts an. Auf die – alles in allem – friedliche, wenn auch nicht spannungslose Existenz dieses fundamentalen Gegensatzes wusste sich der gelehrte Herr (Boudon, Anm. des Verf.) keinen rechten Reim zu machen.“147 Die angelsächsische Religiosität, die ihre Herkunft im calvinistischen Puritanismus hat, stößt insbesondere in Frankreich und Deutschland von jeher auf einiges Misstrauen. Den angelsächsischen Nationen wurde nur in jenen Zeiten eine christliche Glaubwürdigkeit zugestanden, in denen Frankreich die Briten und Amerikaner im Kampf ums Überleben benötigte oder wenn die besiegten Deutschen dank eines calvinistischen Verantwortungsgefühls für das Heil des Nächsten, z. B. in Form von Care-Paketen, vor dem Hungertod bewahrt wurden. Zwar besteht auch in den USA eine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat. Jedoch bestimmt die Religiosität für die Mehrheit der US-Amerikaner das Alltagsleben in einem weit höheren Maße als z. B. in Frankreich oder Deutschland. So bekundeten im Jahre 1998 47 % der Deutschen in der alten Bundesrepublik, dass sie sich für religiös halten, in Ostdeutschland waren es sogar nur 32 %. Demgegenüber versichern 90 % der Amerikaner, dass sie an Gott glauben. Die unterschiedliche Religiosität schlägt sich auch im Gottesdienstbesuch nieder. So finden sich im vereinten Deutschland am Sonntag nicht einmal 5 % der Gesamtbevölkerung zum Gottesdienst ein, bei der Gesamtheit der Katholiken sind es immerhin schon knapp 20 %. Ganz anders dagegen die Situation bei den Amerikanern. Hier finden sich 48 % aller Katholiken mindestens einmal pro Woche zur Messe ein. Bei den Baptisten sind es 50 %, bei den Methodisten 49 %, bei den Lutheranern 43 % und bei den Anglikanern immerhin noch 30 %148. Religiöse Auffassungen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf das Kommunikationsverhalten. Beispielsweise sind in rein animistischen Gesellschaften die Glaubenselemente Grundlage jeglicher interpersonaler Kommunikation. Der Animismus selbst ist eine sog. Naturreligion, die aus dem Bestreben des Menschen nach einer Auseinandersetzung mit der mitunter lebensfeindlichen Natur seit Urzeiten resultiert. Die Glaubensinhalte des afrikanischen Animismus beruhen auf der Überzeugung, dass sowohl die gesamte organische als auch die anorganische Umwelt des Menschen in der Tat beseelt ist. Demzufolge kann der Mensch mit jenen Wesen kommunizieren. Zudem sind Götter, Geister und bereits verstorbene Vorfahren anwesend. Folge dieser Annahmen ist die Auffassung, dass den Erwartungen der in früheren Zeiten Lebenden zu entsprechen ist, um nicht mit ansonsten unausweichlichen Sanktionsmaßnahmen wie Unfällen, Krankheiten oder sonstigen Schicksalsschlägen konfrontiert zu werden. Die dargelegte Grundüberzeugung animistischer Kulturen über die Struktur der Welt sowie die herrschenden Mächte bildet die Basis für die soziale Ordnung und die damit verbundenen Kommunikationsmuster149. Der Einfluss von Religion auf die Kommunikation kann aber auch am Beispiel des Islam festgemacht werden. Das wichtigste Charakteristikum des Islam (von arab.: aslama = sich unterwerfen) ist die Erfassung des Gläubigen in all seinen Lebensäu- ßerungen. Somit gibt es keinen Unterschied zwischen geistlichem und weltlichem Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 60 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 61 60 3 Der Kulturbegriff Bereich. Von daher spielt insbesondere das richtige Verhalten des Gläubigen eine besondere Rolle150. 3.6.4 Soziale Beziehungen und Bindungen Auf Basis der vorangehend geschilderten Wertevorstellungen bilden sich in einer jeden Kultur als eigene dritte Kulturschicht die sozialen Beziehungen und Bindungen heraus. Diese wiederum haben einen bedeutenden Einfluss auf die Interaktionsmöglichkeiten, die einer Unternehmung in ihrer Aufgabenumwelt zur Verfügung stehen. Insbesondere das Individuum unterliegt einer besonders engen Interdependenz zwischen den beiden Schichten, da der Einzelne als Mitglied einer sozialen Umwelt darum bestrebt ist, den Erwartungen der Gruppe, derer er zugehörig ist, zu entsprechen, jedoch nicht ohne den Versuch, eigene Intentionen und Bedürfnisse zum Tragen zu bringen und somit u. U. das Gruppenleben wiederum zu beeinflussen151. Zur Schicht der sozialen Beziehungen und Bindungen gehören demographische Merkmale, Merkmale dyadischer Beziehungen wie z. B. Nepotismus (lat. nepos = Enkel, Neffe), d. h. Vetternwirtschaft. Aber auch Merkmale von Gruppenbeziehungen (horizontale und vertikale Mobilität, Rollenverhalten, Konfliktverhalten) gehören zu dieser Schicht. Mit den sozialen Beziehungen und Bindungen werden konkret Sozialstrukturen in der Form von Stammesstrukturen oder Familienstrukturen, das Kastenwesen sowie die Stellung der Geschlechter angesprochen. In Bezug auf die Wirtschaft haben diese Aspekte einen besonderen Einfluss auf die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, auf die Rolle von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften und letztlich auch auf die Arbeitsbeziehungen152. 3.6.5 Rechtlich-politische Normen Als Konsequenz der kulturellen Wertevorstellungen sowie der sozialen Beziehungen und Bindungen entwickeln sich rechtliche und politische Normen. Zu dieser vierten Kulturschicht gehört zunächst einmal die Gesamtheit aller rechtlichen Regelungen und Gesetze sowie die politischen Normen und Postulate153. Rechtlich-politische Normen zeigen sich in einer Vielzahl von Regelungen wie dem Bürgerlichen Recht, dem Handelsrecht, dem Arbeitsrecht, dem Tarifvertragsrecht oder dem Gesellschaftsrecht. Als Beispiel für zu beachtende politische Normen gesellschaftlicher Art kann Taiwan angeführt werden. Aufgrund der politischen Ansichten ist es in China nicht anzuraten, von Taiwan als eigenständiger Republik zu sprechen, um sich nicht den Unmut chinesischer Geschäftspartner zuzuziehen154. Die bislang dargestellten vier Kulturschichten werden von Dülfer als die „Globale Umwelt“ bezeichnet, die wiederum von der fünften Kulturschicht, der Aufgabenumwelt, abzugrenzen ist155. 3.6.6 Aufgabenumwelt In Bezug auf die Aufgabenumwelt sind diejenigen sozio-technischen Systeme zu identifizieren, mit denen eine Unternehmung aufgrund ihres Zielsystems in (horizontaler) Interaktion steht oder stehen wird. Diese Beziehungsarten reichen Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 60 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 61 613.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer über die klassischen Marktbeziehungen hinaus und können durchaus auch Partner betreffen, die in europäischen Industrieländern keine Relevanz haben156. Im Rahmen der Strukturanalyse der Aufgabenumwelt unterscheidet Dülfer zwischen internen und externen Interaktionsbeziehungen. In einer ersten Kategorie werden dabei die sog. „internen Partner“ zusammengefasst, also beispielsweise die Unternehmensleiter, die Kapitalgeber sowie die vertraglich an das Unternehmen gebundenen Mitarbeiter. Neben dieser Kategorie der Insider ist eine zweite Kategorie in den externen Interaktionspartnern der Unternehmung zu sehen. Angesprochen sind hierbei Unterlieferanten, Banken, Versicherungen, Beratungsgesellschaften, Konkurrenten, Kunden und staatliche Institutionen. Die sog. „Mittler“ schließlich bilden die dritte zu berücksichtigende Kategorie. Angesprochen sind hiermit etwa Handelsbetriebe, Institutionen der Arbeitsvermittlung, Werbeagenturen, Marktforschungsinstitute sowie Logistikdienstleister. Die Aufgabenumwelt konstituiert sich also aus internen und externen Stakeholdern, d. h. aus Anspruchsgruppen, die Interessen gegenüber der Unternehmung geltend machen wollen. Diese Stakeholder haben eine besondere Bedeutung, da sie mit ihren Forderungen und Leistungszusagen letztlich Entscheidungen erheblich beeinflussen können. Als Stakeholder werden jene Anspruchsgruppen bezeichnet, die von den unternehmerischen Tätigkeiten gegenwärtig oder auch in Zukunft direkt oder indirekt betroffen sind. Stakeholder können sowohl zu einer Einschränkung als auch zu einer Erweiterung von Alternativen, Entscheidungskriterien und möglichen Lösungen beitragen. Die wichtigsten Elemente der einzelnen Schichten des Modells von Dülfer werden in der Abbildung 3-9 zusammengefasst. Die erste, von Dülfer berücksichtigte Dimension, eben die Strukturanalyse der Aufgabenumwelt („Mit wem habe ich es zu tun?“), kann letztlich nicht losgelöst Abbildung 3‑9: Die Elemente der Dülfer’schen Schichten Natürliche Gegebenheiten Realitätserkenntnis und Technologie Wertevorstellungen Soziale Beziehungen und Bindungen Rechtlich-politische Normen Topographische Bedingungen Klimatische Bedingungen Lebenswichtige Ressourcen Bodenschätze; Realitätserkenntnis, z.B. • Informationsstand • Wahrnehmung der Umwelt • Sprache; Bildung, z.B. • Alphabetisierungsgrad • Bildungsstruktur • Niveau beruflicher Bildung; Technologie, z.B. • Entwicklungsstand • Adaptionsfähigkeit; Zeitliche Wertestruktur, z.B. • Zeitempfinden • Zukunftsorientierung • Arbeitsrhythmus; Sachliche Wertestruktur, z.B. • Religionszugehörigkeit • Individualismus • Materialismus • Einfluss (Fatalismus) • Arbeit • Führungsverhalten; Demographische Merkmale, z.B. • Bevölkerungsdichte • Urbanisierungsgrad • Altersstruktur; Qualitative Merkmale individueller Beziehungen, z.B. • Nepotismus • Geschlechterrollen; Qualitative Merkmale von Gruppenbeziehungen, z.B. • Familienstruktur • Vertikale Mobilität (Kastenwesen); Gesamtheit rechtlicher Regelungen Politische Normen / Postulate Staatsordnung Konflikthandhabung durch staatliche Organe Rechtssicherheit; Kulturelle Gegebenheiten Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 62 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 63 62 3 Der Kulturbegriff gesehen werden von der zweiten berücksichtigten Dimension, eben der Analyse der verhaltensbeeinflussenden globalen Umwelt („Mit welchen Verhaltensbesonderheiten muss ich bei ihm rechnen?“). Grundsätzlich besteht für den jeweiligen Entscheidungsträger bzw. Manager, zumindest bis zu einem gewissen Grade, ein Anpassungszwang in Hinblick auf die besonderen Verhaltensweisen der jeweiligen Interaktionspartner. Dies betrifft sowohl die geschäftliche als auch die private Kommunikation. Durch die im Ausland bzw. in fremden Kulturen veränderte Entscheidungssituation kann der Handlungsspielraum infolge andersartiger Adressaten sowie durch die mannigfaltigen Einflüsse der globalen Umwelt einerseits eindeutig eingeschränkt, infolge der Andersartigkeit andererseits aber auch erweitert sein. Infolge dessen ist es möglich, dass sich Restriktionen oder auch Erweiterungen durch jede Einflussart im Sinne der erläuterten Schichten des Umweltmodells ergeben157. Die Andersartigkeit der Adressaten konfrontiert den einzelnen Entscheidungsträger bzw. Manager in geschäftlichen Interaktionen mit einer anders gearteten Struktur der Aufgaben-Umwelt im jeweiligen Gastland (erste Dimension). Etwaige Restriktionen können beispielsweise dadurch entstehen, dass der Ausländer nicht mit bestimmten Zielgruppen, etwa Frauen, im Rahmen von Verhandlungen in unmittelbaren Kontakt treten darf. Aber auch ein zusätzlicher Kontakt, etwa mit geistlichen Führern, kann von besonderer Wichtigkeit sein. So können diese als Mittler fungieren und in dieser Rolle letztlich die Erschließung von ganzen Zielgruppen ermöglichen. Aber auch die interkulturellen Unterschiede im Verhalten (zweite Dimension), die letztlich durch unterschiedliche Einflüsse infolge einer anders gearteten globalen Umwelt zum Tragen kommen, müssen in der Interkulturellen Kommunikation Berücksichtigung finden. So übt die Schicht der rechtlich-politischen Normen tiefgreifenden Einfluss auf die Aufgabenumwelt aus. Diesbezüglich bestehende unterschiedliche Regelungen können Auswirkungen auf die Kommunikation haben. In diesem Zusammenhang sei nur auf unterschiedliche Möglichkeiten in der Werbung erinnert. So sind im internationalen Vergleich beispielsweise unterschiedliche, gesetzlich determinierte Handlungsspielräume bei konkurrenzbezogenen Vergleichen gegeben. Die tiefer gelegene Schicht der sozialen Beziehungen und Bindungen kann ebenfalls umfassende Wirkungen entfalten. So ist im Falle eines Imageverlusts der vom Manager zu vertretenden Unternehmung mit u. U. tiefgreifenden Einschränkungen der Kommunikation zu rechnen158. Eine derartig begründete Einschränkung der kommunikativen Möglichkeiten, wie sie vor allem in kollektivistisch orientierten Kulturen zu erwarten ist, widerfuhr z. B. dem Unternehmen Coca-Cola in Burma. Der Imageverlust begründete sich durch die dort herrschenden arbeitsrechtlichen Vorschriften, die den Arbeitnehmern unzureichenden Schutz boten. In letzter Konsequenz vollzog Coca-Cola einen Austritt aus dem Ländermarkt Burma. Kommunikative Störungen können aber auch durch die in der nächst tiefer gelegenen Schicht verankerten Wertevorstellungen entstehen. Unterschiedliche Wertevorstellungen können insbesondere dann zu nachhaltigen Störungen führen, wenn religiöse Werte tangiert werden. Erst das Kennen kulturspezifischer Werte im Vorfeld von kommunikativen Aktivitäten ermöglicht die Vermeidung von Störungen bzw. das Erschließen neuer kommunikativer Möglichkeiten. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 62 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 63 633.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer Ebenfalls zu berücksichtigen ist der im jeweiligen Gastland herrschende Informationsstand, also der bestehende Grad an Erkenntnis von Wirklichkeit bzw. Realität. In Verbindung hiermit ist auch der bestehende Stand der Technologie zu beachten. Bei der Frage nach dem Stand der Technologie finden neben ingenieurwissenschaftlichen Aspekten bereits einfache Techniken der Kultur, etwa Sprachen, Alphabetismus etc. Berücksichtigung. Schließlich führen auch die jeweiligen natürlichen Bedingungen zu einem gewissen Einfluss im Kontakt mit dem jeweiligen Gastland. Extreme topographische oder klimatische Bedingungen können bestimmte Präferenzen oder Handlungsschemata bedingen, wie anhand der Begrüßungszeremonie in arabischen Ländern bereits aufgezeigt. 3.6.7 Besonderheiten des Dülfer’schen Schichtenmodells 3.6.7.1 Weit gefasstes Kulturverständnis Dülfer baut sein Schichtenmodell auf einem sehr weit gefassten Kulturverständnis auf. Dabei besteht Kultur aus allem, was vom Menschen geschaffen ist und demzufolge durch Nicht-Natürlichkeit gekennzeichnet ist. Dabei geht er über die Ebene der sog. Concepta hinaus und betrachtet auch die zahlreichen Elemente der sog. Percepta als wesentliche Bestandteile von Kultur159. Bei der Unterscheidung von Concepta und Percepta wird davon ausgegangen, dass Kultur, vereinfacht ausgedrückt, aus zwei Ebenen besteht. Die eine Ebene ist eine eher unsichtbare Ebene, die meist auch als selbstverständlich angenommen wird (Concepta). Die zweite Ebene ist eine wahrnehmbare Ebene (Percepta). Es kann also zwischen Concepta und Percepta bzw. zwischen immateriellen und materiellen Elementen einer Kultur unterschieden werden: • Als Concepta einer Kultur gelten all jene Phänomene, die den tiefer liegenden Bestandteil von Kultur ausmachen. Angesprochen sind hier die Grundannahmen, Werte, Normen, Einstellungen und Überzeugungen. • Als Percepta einer Kultur hingegen werden all jene Phänomene bezeichnet, in denen sich die Concepta ausdrücken und die empirisch wahrnehmbar, beobachtbar und fassbar werden. Unter Percepta werden somit die Verhaltensweisen, Produkte und Artefakte zusammengefasst. Zum besseren Verständnis der Unterscheidung von Concepta und Percepta ist die Eisberg-Metapher äußerst geeignet. Die Percepta-Ebene stellt gewissermaßen jenen Teil des Eisbergs dar, der aus dem Wasser herausragt und der sichtbar ist. Jedoch ist das, was über der Wasseroberfläche zum Vorschein kommt, nur die Spitze des Eisberges. Diese Spitze wird von einem nach unten hin immer breiter werdenden Fundament getragen, eben der Concepta-Ebene. Concepta ist somit gleichzusetzen mit dem Teil des Eisberges, der unter der Wasseroberfläche verborgen bleibt160. Dülfer geht stärker als manch anderer Autor über die Ebene der Concepta hinaus und betrachtet die zahlreichen Elemente der Percepta als wesentliche Bestandteile von Kultur. Somit werden ideologische, technologische, soziale, rechtliche und politische Faktoren zu konstitutiven Elementen von Kultur. Im Gegensatz zu anderen Autoren sieht Dülfer Kultur nicht als separate Umweltschicht an. Vielmehr subsumiert er Umweltschichten, die von anderen Autoren eindeutig nicht als kulturelle Bereiche betrachtet werden, unter „Kultur“. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 64 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 65 64 3 Der Kulturbegriff 3.6.7.2 Interpretation der Elemente der Aufgabenumwelt als Kultur Dülfer erweitert sein Kulturverständnis sogar noch über die globale Umwelt hinaus, indem er auch die Elemente der Aufgabenumwelt explizit als Kultur interpretiert. So fasst er die Interaktionsbeziehungen innerhalb einer Unternehmung sowie die Interaktionsbeziehungen zwischen Unternehmen und externen Stakeholdern als Kultur auf. Dies ist seiner Auffassung nach notwendig, da der Auslandsmanager für seine Aktivitäten auch Informationen über diesen Teil der Umwelt benötigt. Der Auslandsmanager steht als Teil des Unternehmens im Gastland nicht nur der gesamten Umwelt gegenüber, sondern er wird gleichsam ein Teil von ihr161. 3.6.7.3 Hierarchischer Aufbau der einzelnen Schichten Den einzelnen Schichten liegt ein hierarchischer Aufbau zugrunde. Dabei beeinflussen die tiefer liegenden Schichten die höher liegenden Schichten stärker als die höher liegenden Schichten die tieferen Schichten. Dülfer sieht also Interdependenzbzw. Feedback-Beziehungen zwischen Elementen der unterschiedlichen Schichten, was besonders im Vertikalschnitt des Schichtenmodells zum Ausdruck kommt162. Die einzelnen Schichten sind also durch wechselseitige Interdependenzen gekennzeichnet, deren Verbindung Dülfer auch als genetische Kopplung bezeichnet163. Seit jüngerer Zeit spricht Dülfer sogar vom Simultanmodell, um damit die gleichzeitige Beeinflussung des Managers bzw. der Unternehmung durch unterschiedliche Schichten zum Ausdruck zu bringen. Diese Simultanität führt nach seiner Auffassung jedoch nicht zu einer Gleichordnung der Schichten an sich. Vielmehr verhält sich die natürliche Umwelt als die basale Grundlage, von der aus die einzelnen Schichten der globalen Umwelt sukzessive beeinflusst werden, bevor dann schließlich auch Implikationen für die Aufgabenumwelt auftreten. 3.6.7.4 Situationsabhängige Bedeutung der natürlichen und kulturellen Einflussfaktoren Das Schichtenmodell ist so zu verstehen, dass es zunächst die Identifikation natürlicher und kultureller Einflussfaktoren erlaubt. Im Anschluss an diese Identifikation aber ist jeder einzelne Manager bzw. jede einzelne Unternehmung dazu gezwungen, die Einschätzung der Relevanz dieser Einflussfaktoren in konkreten Situationen selbst vorzunehmen. Dies ist darin begründet, dass nicht alle Faktoren in allen Situationen die gleiche Bedeutung haben. 3.6.7.5 Interaktion zwischen einzelnen Schichten und Unternehmen Die einzelnen Schichten bzw. deren Elemente sind nicht als Restriktionen aufzufassen. Insofern sind die einzelnen Schichten nicht nur als Rahmenbedingungen zu interpretieren, denen Unternehmen passiv ausgesetzt sind. Vielmehr stehen Unternehmen mit Elementen der einzelnen Schichten permanent aktiv in Interaktion. In diesem Zusammenhang kann sogar von einer Beeinflussung und einem „Enactment“ der Umwelt durch die Unternehmen gesprochen werden. An dieser Stelle wird auch deutlich, dass die Trennbarkeit zwischen Unternehmen und Umwelt – wie auch der einzelnen Umweltschichten – durchaus nicht unproblematisch ist. Ein Unternehmen steht der Umwelt weder passiv gegenüber noch Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 64 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 65 65Anmerkungen kann ein Unternehmen die Umwelt aktiv völlig beeinflussen. Ein Unternehmen ist vielmehr selbst Teil der Umwelt, und die Umwelt wird in die Unternehmung „hineingeholt“, nicht zuletzt durch die zahlreichen Interaktionen mit den Stakeholdern. Dementsprechend verschwimmt die Grenzziehung zwischen Unternehmen und Umwelt. Unternehmen und Umwelt werden in gewissem Sinne zu einer Einheit, indem sie sich gegenseitig „durchtränken“. Das Schichtenmodell sollte demnach nicht herangezogen werden, um eine tatsächlich nicht mögliche leichte Trennbarkeit von Unternehmen und Umwelt bzw. eine exakte Differenzierung der einzelnen Schichten zu suggerieren164. Anmerkungen 1 LeMont Schmidt (2003), S. 13 2 Kuß; Tomczak (2007), S. 211 3 Thumann (2003), S. 5 4 Metzger (2002), S. 10 5 Metzger (2002), S. 10 6 Metzger (2002), S. 10 7 Thumann (2003), S. 5 8 Thumann (2003), S. 5 9 Maletzke (1996), S. 15 10 Warthun (1997), S. 8 ff. 11 Maletzke (1996), S. 15 12 Gudykunst; Ting-Toomey (2003), S. 117 13 Dodd; Baldwin (2002), S. 279 14 Nemetz Robinson (1988), S. 12 f. 15 Bolton (1994), S. 20; Warthun (1997), S. 8 16 Browaeys; Price (2011), S. 3 17 Maletzke (1996), S. 15 18 Warthun (1997), S. 8 19 Nemetz Robinson (1988), S. 8 20 Hess-Lüttich (1999), S. 84 21 Nemetz Robinson (1988), S. 8 f. 22 Maletzke (1996), S. 18 23 Warthun (1997), S. 9 24 Helmolt (1997), S. 14 25 Maletzke (1996), S. 16 26 Knapp (1999), S. 12 27 Goodenough (1964), S. 36; zitiert nach Helmolt (1997), S. 14 f. 28 Helmolt (1997), S. 15 29 vgl. Kapitel 6.3 30 Warthun (1997), S. 9 31 Warthun (1997), S. 9 32 Loenhoff (1992), S. 139 33 Helmolt (1997), S. 16 34 Geertz (1987), S. 25; zitiert nach Helmolt (1997), S. 16 35 Litters (1995), S. 17 36 Helmolt (1997), S. 16 37 Warthun (1997), S. 10 38 Chen; Starosta (2009), S. 27 39 Warthun (1997), S. 10 40 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 51 41 Carbaugh (1993), S. 182; zitiert nach Lustig; Koester (1999), S. 30 42 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 165 43 Lüsebrink (2012), S. 66 44 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 165 45 Warthun (1997), S. 18 46 Browaeys; Price (2011), S. 13 47 Intercultural network (2013) 48 Helmolt; Müller-Jacquier (1991), S. 4 49 vgl. Kapitel 6.3.1 und 6.3.3 50 Warthun (1997), S. 9 51 Browaeys; Price (2011), S. 14 52 Browaeys; Price (2011), S. 13 f. 53 Browaeys; Price (2011), S. 14 54 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 49 55 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 580 56 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 598 f. 57 vgl. Kapitel 6.2.2 58 Levine (2011), S. 248 f. 59 Browaeys; Price (2011), S. 15 60 Browaeys; Price (2011), S. 14 f. 61 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 213 62 Browaeys; Price (2011), S. 15 f. 63 Browaeys; Price (2011), S. 17 64 Schulz von Thun (2011 b), S. 297 ff. 65 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 51 ff. 66 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 209 67 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 578 68 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 593 69 Peter; Olson (2010), S. 310 70 Thieme (2000), S. 63 71 Maletzke (1996), S. 17 72 Kuß; Tomczak (2007), S. 206 f. 73 Lustig; Koester (2010), S. 5 74 Kuß; Tomczak (2007), S. 207 75 Lewis (2000), S. 199 76 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 51 ff. 77 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 212 78 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 51 ff. Anmerkungen Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 66 66 3 Der Kulturbegriff 79 vgl. Kapitel 6.3 80 vgl. Kapitel 3.2.3 81 Hofstede (2011), S. 9; Lewis (2000), S. 36 82 Hofstede; Hofstede (2011), S. 3 f. 83 Hofstede (2011), S. 2 84 Olie (1995), S. 35 85 zitiert nach Kuß; Tomczak (2007), S. 40 86 Kuß; Tomczak (2007), S. 40 f. 87 Maidl (2002), S. 25 88 Kuß; Tomczak (2007), S. 40 f. 89 Kuß; Tomczak (2007), S. 205 90 Olie (1995), S. 35 91 Chen; Starosta (2009), S. 27 92 Maletzke (1996), S. 149 93 Hofstede (2011), S. 4 94 LeMont Schmidt (2003), S. 26 f. 95 Gupta; Hanges (2004), S. 180 96 vgl. Kapitel 3.1.1 97 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 276 98 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 279 ff. 99 Maletzke (1996), S. 153 100 Kim (2002 a), S. 181 101 Noack (2007), S. 66 f. 102 Hofstede (2011), S. 81 103 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 187 104 Jahnke (1996), S. 85 105 Noack (2007), S. 67 f. 106 zitiert nach Souris; Hunscha (2013) 107 Spencer-Oatey (2000), S. 4 108 Intercultural network (2013) 109 Browaeys; Price (2011), S. 10 f. 110 Kutschker; Schmid (2011), S. 688 111 vgl. Kapitel 6.3 und 6.4 112 Krämer; Quappe (2006), S. 55 113 Klopf; McCroskey (2007), S. 100 114 Kutschker; Schmid (2011), S. 689 115 Kutschker; Schmid (2011), S. 688 ff. 116 Browaeys; Price (2011), S. 10 117 Krämer; Quappe (2006), S. 30 118 Spencer-Oatey (2000), S. 4 119 vgl. Kapitel 6.3.2 120 Kollermann (2009), S. 75 121 Hofstede; Hofstede (2011), S. 123 122 Spencer-Oatey (2000), S. 4 123 vgl. Kapitel 6.3 124 Kutschker; Schmid (2011), S. 766 125 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 249 126 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 239 f. 127 Backhaus (2010), S. 37 ff. 128 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 240 ff. 129 Kutschker; Schmid (2011), S. 766 ff. 130 Schütz; Luckmann (2003), S. 45 131 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 249 ff. 132 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 70 133 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 273 134 Horx (2002), S. 25 135 Horx (2002), S. 25 136 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 276 f. 137 Molcho (1983), S. 208 138 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 294 f. 139 Popper (2004), S. 217 f. 140 Kutschker; Schmid (2011), S. 766 f. 141 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 303 142 Kutschker; Schmid (2011), S. 767 f. 143 Mitchell (2000), S. 16 144 Kutschker; Schmid (2011), S. 769 145 Przybilski (2002), S. 101 146 Harprecht (2002), S. 13 147 Harprecht (2002), S. 13 148 Harprecht (2002), S. 13 149 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 311 150 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 322 151 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 339 152 Kutschker; Schmid (2011), S. 769 153 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 364 154 Rentzsch (2002), S. 812 155 Kutschker; Schmid (2011), S. 770 156 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 240 157 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 240 158 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 417 f. 159 Kutschker; Schmid (2011), S. 770 160 Kutschker; Schmid (2011), S. 688 ff. 161 Kutschker; Schmid (2011), S. 770 162 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 250 163 Jahnke (1996), S. 83 164 Kutschker; Schmid (2011), S. 771 f. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 67 4 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation In den beiden vorausgehenden Kapiteln wurden der Kommunikations- sowie der Kulturbegriff eingehend beleuchtet und diskutiert, so dass nunmehr der zentrale Begriff der Interkulturellen Kommunikation näher darzustellen ist. Interkulturelle Kommunikation kann grundsätzlich zugleich als ein wissenschaftliches Fach bzw. eine Teildisziplin, ein Problemfeld der Lebens- und Alltagswelt mit stetig steigender Bedeutung sowie als ein Modebegriff aufgefasst werden. Als wissenschaftliche Fachdisziplin oder Teildisziplin ist die Interkulturelle Kommunikation seit den 1960er Jahren in den USA sowie in Kanada entstanden. Immigration sowie die Entwicklung hin zu einer multikulturellen Gesellschaft sowie die damit einhergehenden Probleme bildeten in Nordamerika den Kontext als entscheidenden Anstoß für die Entwicklung von interkultureller Lehre und Forschung, die schwerpunktmäßig in der Psychologie, der Soziologie sowie der Pädagogik verankert wurde. So war es auch der US-amerikanische Ethnologe und Verhaltensforscher Edward T. Hall, der den Begriff der „intercultural communication“ erstmals in einer Publikation in den 1950er Jahren verwendete1. Zugrundeliegend ist dabei eine geradezu sprunghafte Bedeutungszunahme des zentral im Mittelpunkt stehenden Problemfeldes, nämlich der Beziehungen zwischen unterschiedlichen Kulturen sowie der sich daraus konsequenterweise ergebenden Konfliktmöglichkeiten. Dabei haben Beziehungen zwischen unterschiedlichen Kulturen durchaus eine lange historische Tradition, die bereits seit dem beginnenden 16. Jahrhundert, dem Zeitalter der großen Entdeckungen als weltumspannend bezeichnet werden kann, wurden doch im Gegensatz zur Antike und zum Mittelalter erstmals die Kulturen und Wirtschaften von Europa, Asien, Afrika sowie Amerika vernetzt2. Doch hat das Ausmaß der internationalen Verflechtung der Volkswirtschaften sowie der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit von Unternehmen infolge der weltwirtschaftlichen Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere ab Mitte der 1980er Jahre neue Maßstäbe gesetzt. Das hiermit angesprochene Phänomen der Internationalisierung bzw. Globalisierung3 führt zweifelsohne auch zu einem Anstieg der Beziehungen zwischen unterschiedlichen Kulturen sowie der damit einhergehenden Kommunikation, eben der damit einhergehenden Interkulturellen Wirtschaftskommunikation. In Bezug auf die Definition des Begriffes der Interkulturellen Kommunikation besteht in der Literatur bislang kein Konsens4. Zunächst einmal ist die Interkulturelle Kommunikation von der Internationalen Kommunikation abzugrenzen. Bei der Internationalen Kommunikation kommt es zur Kommunikation über nationale Grenzen von Staaten hinweg. Bei der Interkulturellen Kommunikation hingegen handelt es sich um Akte der Kommunikation zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen: „As an example, communication activities between executives in a Houston, Texas, USA office and executives in a branch office in Brussels, Belgium should be no different from communication between executives in the Houston office if the executives 4 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation 4 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.