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3.5 Kulturmodell nach Spencer-Oatey in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 66 - 71

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_66

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 46 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 47 473.5 Kulturmodell nach Spencer-Oatey in Indien die Auffassung, dass eine Person aufgrund ihres Karmas als kumuliert aufgefasstes Ergebnis der guten sowie der schlechten Handlungen im Leben in eine bestimmte Kaste hineingeboren wird101. Die jeweilige Kaste, derer eine Person zugehörig ist, bestimmt den Rang, den diese Person im Leben grundsätzlich einnimmt und beeinflusst dadurch das alltägliche Leben auch heute noch weitgehend102. So kann ein Paria, auch als Unberührbarer bezeichnet, also ein Angehöriger des niedrigsten sozialen Standes, der der Schicht der Kastenlosen angehörig ist und noch unterhalb der vier grundsätzlich existierenden Kasten angesiedelt ist103 niemals in den Vorzug eines sozialen Aufstiegs kommen. Dies gilt auch auf Basis der Grundeinstellung der Reinkarnation für die kommenden Leben, in denen ein sozialer Aufstieg ebenfalls nicht möglich ist. Der Anreiz, entsprechend mehr zu tun als für den eigenen Lebensunterhalt aufkommen zu können, dürfte entsprechend relativ gering sein104. Somit stehen Optionen des sozialen Aufstiegs in Indien nicht zur Diskussion und im Übrigen in krassem Gegensatz zu dem in den USA potentiell möglichen sozialen Aufstieg vom „Tellerwäscher zum Millionär“. Auch nach der offiziellen Abschaffung des Kastenwesens im Jahre 1948, die die Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer Kastenzugehörigkeit unter Strafe stellt, bestimmt die Kastenzugehörigkeit insbesondere auf dem Land noch immer Teile des Alltags in Indien105. 3.5 Kulturmodell nach Spencer-Oatey Eine letzte hier anzuführende Definition des Kulturbegriffs, die in der interkulturellen Forschung häufig herangezogen wird stammt von Spencer-Oatey. Ihr zufolge ist Kultur zu verstehen als die „Gesamtheit von Attitüden, Grundsätzen, Annahmen, Werte und Wertvorstellungen, Verhaltensnormen und Grundeinstellungen, die von einer Gruppe geteilt werden, die das Verhalten der Gruppenmitglieder beeinflussen und mit deren Hilfe diese das Verhalten anderer interpretieren“106. Das Kulturverständnis von Spencer-Oatey ist in Abbildung  3-5 wiedergegeben. Ihrer Vorstellung nach kann Kultur modellhaft im Sinne eines Zwiebelmodells durch verschiedene Schichten dargestellt werden, wobei die Schichten einander bedingen und sich damit gegenseitig beeinflussen107. 3.5.1 Die vier Schichten des Kulturmodells nach Spencer-Oatey In der ersten, innersten Schicht, also im Kern des Kulturmodells von Spencer-Oatey angesiedelt sind die Grundwerte und fundamentalen Annahmen einer Kultur („values and basic assumptions“)108. Grundwerte und fundamentale Annahmen können somit als das am tiefsten liegende Element von Kultur aufgefasst werden. In Bezug auf die Grundwerte als Zustände des Wünschenswerten ist zu bemerken, dass letztlich jede Kultur, wie vorausgehend bereits dargelegt, über ein ganz eigenes Wertesystem verfügt, das wiederum einen ganz eigenen, also kulturspezifischen Referenzrahmen darstellt109. Die fundamentalen Annahmen sind zu verstehen als „generelle Orientierungen, die Annahmen über Weltbilder, 3.5 Kulturmodell nach Spencer-Oatey Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 48 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 49 48 3 Der Kulturbegriff Menschenbilder und Gesellschaftsbilder enthalten“. Zuweilen wird auch von basalen Annahmen gesprochen110. Alle anderen über der ersten, innersten Schicht liegenden Schichten leiten sich direkt oder indirekt aus diesem Kern ab bzw. können von diesem, wie noch zu sehen sein wird, maßgeblich geprägt werden. Als Grundwerte im Sinne von Zielen oder eben Zuständen des Wünschenswerten können im Übrigen sämtliche Kulturdimensionen der nachfolgend noch darzulegenden kulturvergleichenden Studien, etwa der Studien von Hofstede oder Trompenaars111 aufgefasst werden. So sind beispielsweise Individualismus und Kollektivismus, Kurzfrist-Orientierung und Langfrist-Orientierung, Leistungs-Orientierung und Herkunfts-Orientierung oder auch eine sequentielle Orientierung sowie eine synchrone Orientierung im Umgang mit der Zeit letztendlich nicht nur Kulturdimensionen, sondern auch Grundwerte, die in Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Ausprägung in der jeweiligen Kultur auch entsprechend angestrebt werden. Die zweite, zweitinnerste Schicht des Kulturmodells nach Spencer-Oatey setzt sich zusammen aus Glauben, Attitüden und Konventionen („beliefs, attitudes and conventions“). Dabei können unter Glauben durchaus auch Glaubenssätze verstanden werden, die nicht auf den religiösen Bereich verweisen. So können mit jedem in der innersten Schicht gelagerten Grundwert bestimmte Glaubenssätze in Verbindung gebracht werden, die die Grundwerte beschreiben und gleichzeitig als Handlungsgrundlage dienen. So kann etwa mit dem Grundwert der sequentiellen Orientierung im Umgang mit der Zeit der Glaubenssatz sich beeilen zu müssen um pünktlich zu sein in Verbindung gebracht werden112. Attitüden hingegen sind als erlernte Einstellung bzw. innere Haltung anzusehen, gemäß denen in bestimmten Situationen in einer bestimmten Art und Weise zu reagieren ist113. Unter Konventionen schließlich werden Verhaltensmuster verstanden, die allgemein den jeweiligen kulturspezifischen Erwartungen entsprechen. Mittels derartiger Konventionen wird gewissermaßen eine Art Erwartungshaltung an ein bestimmtes Handeln aufgestellt, welches geradezu als verbindlich zu betrachten ist. Die Nichteinhaltung von Konventionen zieht in der Regel negative Sanktionen mit sich. Jedoch fallen Sanktionen, etwa Missbilligung oder Prestigeentzug, zumeist vergleichsweise schwach aus114. Auch die zweite Schicht beeinflusst wiederum  die  darüber liegende dritte bzw. zweitäußerste Schicht direkt. Diese dritte, also zweitäußerste Schicht wird gebildet aus den Systemen und Institutionen („systems and institutions“) einer Gesellschaft. So lässt sich in einer jeden Kultur eine ganze Vielzahl an unterschiedlichsten Systemen beobachten. Hierbei ist sicherlich vorrangig an die in einer jeden Kultur bestehenden sozialen, ökonomischen und politischen Systeme gedacht. In diesem Zusammenhang sei nur an die weltweit existierenden und sehr unterschiedlich, also kulturspezifisch ausgestalteten Systeme wie Bildungssysteme, Wirtschaftssysteme (Marktwirtschaft vs. Planwirtschaft) oder Gesundheitssysteme gedacht. Korrespondierend mit den jeweiligen kulturspezifischen Systemausprägungen lassen sich auch kulturspezifisch geprägte Institutionen vorfinden, seien es Ministerien, Wirtschaftsinstitutionen oder Institutionen der politischen Landschaft wie beispielsweise die Institutionen von Exekutive, Judikative und Legislative. Die zweitäußerste Schicht schließlich beeinflusst, wie auch die tiefer gelegenen Schichten wiederum die vierte und äußerste Schicht. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 48 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 49 493.5 Kulturmodell nach Spencer-Oatey Diese vierte und äußerste Schicht des Kulturmodells schließlich repräsentiert sich in den Artefakten und Produkten („artifacts and products“) sowie in den Ritualen und Verhaltensweisen („rituals and behaviour“) einer Kultur. Im Allgemeinen sind hierunter die offensichtlich sichtbaren Anzeichen von Kultur zu verstehen115. Diese Elemente einer Kultur können vom aufmerksamen, kulturfremden Beobachter bereits beim ersten Besuch frühzeitig erfasst werden. Beispielsweise kann variantenreiches, aufwendig zubereitetes italienisches Essen als Produkt bzw. Artefakt italienischer Kultur beobachtet werden. Aber auch die Verhaltensweisen können frühzeitig erkannt werden, etwa im Rahmen der Kommunikation in Hinblick auf die Körpersprache, die im mediterranen Kulturraum eher überschwänglich, im nordeuropäischen Kulturraum hingegen eher restriktiv und verhalten ausfällt und auch so wirkt116. Angemerkt sei an dieser Stelle, dass im Sinne eines Eisberg-Modells Kultur so verstanden werden kann, dass nur der kleine über dem Wasser liegende Teil sichtbar ist und der große, unter Wasser liegende Teil nicht sichtbar ist117. Es wird deutlich, dass die Artefakte und Produkte sowie Rituale und Verhaltensweisen als Elemente der vierten und äußersten Schicht sowie insbesondere die Institutionen, aber auch noch die Systeme als Elemente der dritten und zweitäußersten Schicht gerade von einem Kulturfremden sehr schnell und einfach beobachtet und erfasst, also letztlich erkannt werden können, was daran liegt, dass sie im Wesentlichen dem sichtbaren Teil von Kultur zuzurechnen sind. Glaube, Attitüden und Konventionen der zweiten und zweitinnersten Schicht sowie Grundwerte und fundamentale Annahmen als Elemente der ersten und innersten Schicht hingegen sind dem unter der Wasseroberfläche zuzurechnenden, nicht sichtbaren Teil von Kultur zuzurechnen, der von einem Kulturfremden auch weitaus schwieriger erfasst und erkannt werden kann. Abbildung 3‑5: Kulturmodell nach Spencer‑Oatey (Quelle: Spencer‑Oatey (2000), S. 5) fundamentale Annahmen & Grundwerte Glaube, Attitüden & Konventionen Systeme & Institutionen Artefakte & Produkte, Rituale & Verhaltensweisen Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 50 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 51 50 3 Der Kulturbegriff 3.5.2 Dem Kulturmodell nach Spencer-Oatey zugrundeliegende Annahmen Dem Modell von Spencer-Oatey liegt eine Reihe von Annahmen zugrunde, die mitunter überhaupt erst ein wirkliches Modellverständnis erlauben. Von zentraler Bedeutsamkeit ist in diesem Zusammenhang die Annahme, dass die weiter innen positionierten Kulturelemente der ebenfalls weiter innen gelegenen Schichten die Elemente der weiter außen gelegenen Schichten maßgeblich beeinflussen bzw. prägen (können)118. Insbesondere die im Kern des Modells angesiedelten Grundwerte sind hierbei explizit zu nennen, können sie doch die drei weiter außen gelegenen Schichten im Einzelfall maßgeblich prägen. Dies sei am Beispiel Guatemala eindrucksvoll veranschaulicht. In Guatemala herrscht gemäß Hofstede ein geradezu maximaler Kollektivismus119 als Grundwert in der ersten Schicht des Kulturmodells von Spencer-Oatey. Dieser Grundwert, der als das Gegenteil von Individualismus zu verstehen ist, führt dazu, dass die Guatemalteken eine ausgeprägte Familienverbundenheit sowie die damit verbundene Wichtigkeit der Großfamilie als kulturspezifische Spielregel im Sinne einer Attitüde bzw. Konvention der zweiten Schicht bevorzugen. In Bezug auf die Systeme und Institutionen der dritten Schicht des Kulturmodells ist es somit wohl kaum überraschend, dass in Guatemala ein dem deutschen System sozialer Absicherung vergleichbares System nicht existiert. Stattdessen obliegt die Zuständigkeit für die Rente in den meisten Fällen der Familie wie im Übrigen auch für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Passend hierzu kann angeführt werden, dass kaum ein Guatemalteke eine Krankenversicherung hat. Schließlich wird es in Bezug auf die Verhaltensweisen als Element der vierten Schicht des Modells kaum mehr überraschen, dass die Kinderbetreuung grundsätzliche Aufgabe der Großfamilie ist. Es wird deutlich, dass durch eine kulturspezifische und gleichzeitig aber auch in sich stringente Ausprägung der einzelnen Schichten des Kulturmodells von Spencer-Oatey letztlich erst das Überleben der meisten Menschen in Guatemala gesichert wird, das ohne die Familie kaum denkbar ist120. Am Beispiel Guatemala wird unter anderem deutlich, dass die Grundwerte der ersten Schicht die weiter außen gelegenen Schichten und so auch die in der vierten Schicht des Kulturmodells angesiedelten Verhaltensweisen beeinflussen. Um dies an dieser Stelle nochmals bildhaft zu untermauern zeigt die Abbildung 3-6 eine Verhaltensweise in Form einer Massenhochzeit, die so sicherlich nur in einer durch sehr deutliche Ausrichtung am Grundwert des Kollektivismus geprägten Kultur wie dem Iran denkbar ist. In den durch Individualismus charakterisierten Kulturen wie beispielsweise USA, Australien oder Großbritannien hingegen wäre eine solche Verhaltensweise wohl kaum vorstellbar. In Bezug auf die in der vierten Schicht angesiedelten Verhaltensweisen hat de Mooij beim Vergleich von 15 europäischen Ländern im Übrigen weitere interessante kulturgeprägte Verhaltensweisen und Artefakte ermittelt. So leben in stark individualistisch geprägten Ländern die Menschen mit größerer Wahrscheinlichkeit in frei stehenden Häusern und seltener in Appartements oder Wohnungen als in kollektivistisch geprägten Ländern. Zudem haben sie mit größerer Wahrscheinlichkeit einen eigenen Garten oder Wohnwagen. Auch lesen Menschen in stark individualistisch geprägten Ländern mehr Bücher und haben auch mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Heimcomputer. Überhaupt verlassen sie sich in Fragen Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 50 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 51 513.5 Kulturmodell nach Spencer-Oatey der Information in höherem Maße auf Massenmedien und weniger auf ihr persönliches soziales Netzwerk121. Eine weitere Annahme, die zum besseren Modellverständnis beiträgt ist darin zu sehen, dass sich Kultur der Auffassung von Spencer-Oatey nach durch unterschiedliche Schichten von unterschiedlicher Tiefe manifestiert. In Abhängigkeit von der Tiefe einer jeweiligen Schicht sind die damit verbundenen Kulturelemente, beispielsweise für Vertreter fremder Kulturen, mehr oder weniger schnell und einfach zu erkennen. Vergleichsweise einfach zu erkennen sind bereits bei einem Erstkontakt mit einer fremden Kultur die äußeren Schichten, insbesondere die äußerste Schicht mit Ihren Elementen der Artefakte und Produkte sowie Rituale und Verhaltensweisen. Zudem versteht Spencer-Oatey Kultur grundsätzlich als nicht klar und eindeutig abzugrenzenden Bereich (Kultur als „fuzzy concept“). Demzufolge kann die Gesamtheit aller Kulturzugehörigen nicht durch ein vollkommen identisches Set an Kulturelementen wie beispielsweise Attitüden, Glauben etc. gekennzeichnet sein. Es existiert also kein absolutes Set an charakteristischen Merkmalen, welches eine definitive Unterscheidung diverser Kulturen ermöglicht. Des Weiteren bezieht Spencer-Oatey den Kulturbegriff auf ethnisch-linguistische bzw. nationalstaatliche Abgrenzungskriterien, verweist aber in diesem Zusammenhang zu Recht explizit darauf, dass der Mensch letztlich Mitglied in vielen weiteren Gruppierungen ist, etwa Alters-, Generations-, Berufsgruppierungen etc. Auch diese Gruppierungen üben einen Einfluss auf den Einzelnen aus122. Schließlich ist zu bemerken, dass Veränderungen auch nur eines kleinen Teils der im Kern des Kulturmodells angesiedelten Grundwerte bereits zu weitreichenden Veränderungen in der Kultur führen können. Im Normalfall dürften derartige Veränderungen, wenn überhaupt, dann aufgrund der hohen Stabilität von Kultur nur vergleichsweise langsam vonstatten gehen. Einen maßgeblichen Einfluss auf die im Modellkern angesiedelten Grundwerte kann die Politik im Allgemeinen nehmen, wenn auch in Abhängigkeit von der jeweiligen Staatsform in unterschiedlichem Maße und in unterschiedlicher Richtung. Abbildung 3‑6: Prägung der Verhaltensweisen durch Grundwerte am Beispiel einer Massenhochzeit im deutlich durch Kollektivismus geprägten Iran (Quelle: unbekannt) Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 52 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 53 52 3 Der Kulturbegriff 3.5.3 Fallstudie zum Kulturmodell nach Spencer-Oatey: „Vaterschaftsurlaub in Island“ In Island haben drei Ministerien (Ministerium für Gesundheit, Ministerium für soziale Angelegenheiten und Ministerium für Finanzen) Ende der 1990er Jahre einen gemeinsamen Ausschuss eingerichtet, um einen Entwurf für ein Gesetz über den Mutterschafts- / Vaterschaftsurlaub zu erarbeiten. Der dem Parlament vorgelegte Entwurf wurde im Jahre 2000 als Gesetz verabschiedet. Gemäß dem Gesetz haben beide Elternteile denselben Anspruch auf Mutterschafts- bzw. Vaterschaftsurlaub. Die Dauer des Urlaubsanspruches wurde auf neun Monate festgelegt. Jeder Elternteil hat dabei einen individuellen Anspruch auf einen dreimonatigen Urlaub. Danach stehen für beide zusammen nochmals drei Monate Urlaub zur Verfügung, die individuell aufgeteilt werden können. Der Urlaub selbst kann innerhalb der 18  Monate, die sich an die Geburt anschließen, wahrgenommen werden. Die Zahlungen belaufen sich auf (mindestens) 80 % des Bruttoarbeitsentgeltes des jeweiligen Elternteils. Einer im Jahre 2006 vom norwegischen „Insititute for Social Research“ durchgeführten Studie zufolge nutzen in Island fast 90 % aller jungen Väter das Angebot einer bezahlten Elternzeit, dies in der Regel über die möglichen vollen drei Monate. Zudem haben fast 74 % der isländischen Arbeitgeber die Haltung, dass der befristete Ausstieg der Männer zu befürworten ist. Anekdotenartig sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass sich in Island in den meisten Herrentoiletten ein Wickeltisch befindet. Beschreiben Sie für die drei äußeren Schichten des Kulturmodells nach Spencer- Oatey, in welcher Weise diese Schichten in den Schilderungen über Island Berücksichtigung finden. Nennen Sie zu diesem Zweck die jeweilige Schicht sowie die damit jeweils in Verbindung zu bringenden Kulturausprägungen Islands. Beantworten Sie sodann abschließend welche der fünf Kulturdimensionen nach Hofstede in ganz besonderem Maße dazu geeignet ist, um als in der innersten Schicht des Modells angesiedelter Grundwert aufgefasst zu werden und die zuvor geschilderten Ausprägungen der Kulturelemente in den drei äußeren Schichten zu erklären. (Anmerkung: Hierfür ist es notwendig, die fünf Kulturdimensionen der kulturvergleichenden Studie nach Hofstede zumindest dem Grunde nach zu kennen.)123 3.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer Ein anderer Ansatz, Kultur modellhaft abzubilden, stammt von Dülfer. Sein Ansatz unterscheidet sich beachtlich von dem Kulturmodell von Spencer-Oatey. Letztere verfolgt das wesentliche Ziel der allgemeinen Abbildung von Kultur durch verschiedene Schichten mit jeweils schichtspezifischen Kulturelementen, die einander gegenseitig beeinflussen. Dülfer berücksichtigt in seinem Schichtenmodell zwar ebenfalls eine Vielzahl unterschiedlicher Schichten. Jedoch versucht er aufzuzeigen, inwiefern Kultur in unterschiedlichen Schichten als Filter für Entscheidungen in Unternehmen wirken kann. Dabei hat er sein Modell nicht auf Basis umfassender empirischer Untersuchungen erhoben, vielmehr baut er sein Modell auf seinen 3.6 Schichtenmodell der Umweltberücksichtigung nach Dülfer

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.