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13 Zusammenfassung und Ausblick in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 504 - 506

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_504

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 489 13 Zusammenfassung und Ausblick Es ist für den Menschen beinahe selbstverständliches Wissen, dass das Innenleben des anderen nicht direkt zugänglich ist. Die Gedanken des anderen und damit auch seine Absichten und Ziele, die er mit dem Kommunizieren seiner Gedanken verfolgt, können nicht in ihm beobachtet werden. Daher bedingt jedwede Kommunikation, dass sowohl die verbalen als auch die nonverbalen Formulierungen eines Kommunikators zu deuten bzw. zu verstehen sind. Dieser Verstehensprozess ist jedoch ein Konstruktionsprozess, der nicht nur von der Sprachkompetenz abhängig ist, sondern auch von den Annahmen über den anderen, von der jeweiligen Situation sowie von den gemachten Erfahrungen in vergleichbaren Situationen. Da die Gedanken des anderen in dessen Kopf nicht unmittelbar beobachtet werden können, muss Kommunikation immer fehleranfällig sein. Eine besondere Fehleranfälligkeit ergibt sich für die Kommunikation in interkulturellen Begegnungen und führt zu einer erhöhten Komplexität der Interkulturellen Kommunikation. Zahlreiche vorangehend angeführte theoretische Sachverhalte und praxisorientierte Beispiele haben dies – hoffentlich – eindrucksvoll aufgezeigt. Allerdings kann angesichts der Darstellung interkultureller Unterschiede, die den vorherrschenden Blickwinkel dieser Schrift bildet, gar nicht ausdrücklich genug auf die Gefahr verallgemeinernder Darstellungen hingewiesen werden. Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen hinsichtlich der interkulturellen Unterschiede im Bereich Kommunikation sind immer mit Vorsicht zu behandeln. In diesem Zusammenhang ist es äußerst hilfreich sich zu vergegenwärtigen, dass eine Kultur, gleich welche, sich naturgemäß und glücklicherweise niemals ausschließlich aus einander sehr ähnlichen oder gar identischen Einzelpersonen zusammensetzt. Vielmehr unterliegen auch Kulturen einer großen Bandbreite an einzelnen Charakteren und Persönlichkeiten. Der Verweis auf die gaußsche Normalverteilung ist in diesem Zusammenhang sicherlich eine sehr bildhafte, aber auch realitätsnahe Vorstellung. Fehleinschätzungen im Einzelfall sind durchaus möglich, wenn nicht sogar vorprogrammiert und somit nur eine Frage der Zeit. Der renommierte Spezialist für Körpersprache, Samy Molcho etwa berichtet von einer Begebenheit, bei der auch er eine Situation vollkommen falsch interpretiert hat. Während einer seiner Veranstaltungen konnte er die Reaktionen eines sehr renommierten Kritikers auf seine Ausführungen sehr gut beobachten. Angesichts der Reputation dieser Persönlichkeit war deren Urteil für ihn höchst bedeutsam. Die nur geringen körpersprachlichen Reaktionen des Kritikers auf seine Ausführungen deutete Molcho als Geringschätzung oder gar ablehnende Haltung gegenüber den von ihm dargelegten Inhalten. Nach der Veranstaltung jedoch erhielt er von dem Kritiker ein derart positives Feedback, so dass er in höchstem Maße überrascht war und sich selbst seine Fehlinterpretation eingestehen musste1. Das Phänomen kommunikativer Störungen ist zweifelsohne unvermeidbar, ob intrakulturell oder interkulturell betrachtet. Kommunikation ist und bleibt ein 13 Zusammenfassung und Ausblick Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 490 490 13 Zusammenfassung und Ausblick Prozess, der einer immensen Komplexität unterliegt, unabhängig davon, ob dies im Alltag von breiten Mehrheiten so gesehen wird oder nicht. An der Komplexität und Störanfälligkeit von Kommunikation ändern auch die überaus hilfreichen Fortschritte und Entwicklungen auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnik nichts. Zwar stellen sie letztlich eine Optimierung im Hinblick auf das Medium dar, gleichzeitig aber können sie dem Kommunikator und dem Empfänger niemals die Arbeit von Enkodierung und Dekodierung abnehmen. Explizit sei an dieser Stelle auch einschränkend angemerkt, dass dieses Buch die interkulturelle Perspektive nicht verabsolutiert verstehen möchte. Natürlich soll die Wichtigkeit der Verfügbarkeit einer interkulturellen Brille nicht im Geringsten in Abrede gestellt werden. Dennoch ist in diesem Zusammenhang auf die notwendige Fähigkeit zu verweisen diese Brille auch wieder absetzen zu können und andere, nicht-interkulturelle Perspektiven darüber nicht zu vergessen. Andernfalls würde die Gefahr drohen konkrete Personen sowie die sich etwa zwischen zwei Individuen (aus unterschiedlichen Kulturen) ereignende Beziehungsdynamik zu stark zu vernachlässigen2. In diesem Zusammenhang sei auch auf die in den 1980er Jahren im Rahmen der Ausländerpädagogik entwickelte Kontroverse verwiesen, gemäß der der Blick auf die Kultur als Quelle von Missverständnissen den Blick auf die eigentlichen Ursachen und Probleme, etwa rechtliche oder ökonomische Ungleichheit oder auch einfach nur individuelle Unterschiede in der grundlegenden Persönlichkeitsstruktur, verdecken kann, die im Einzelfall eben auch vollkommen kulturunabhängig sein können3. Nicht zuletzt aus diesem Grund erscheint der Hinweis angebracht, dass all die vorangehend angeführte Theorie – selbstverständlich – nicht ständig aktiv parat gehalten werden sollte. Abgesehen davon, dass dies gar nicht möglich zu sein scheint würde dies wohl auch das Vergnügen an der (Interkulturellen) Kommunikation, um das es im Leben eben auch gehen kann, auf ein mitunter unerträgliches Maß reduzieren. Aber vielleicht ist es möglich – und sinnvoll – im Falle sich plötzlich ergebender Störungen im Rahmen der (Interkulturellen) Kommunikation im eigenen Geiste auf den ein oder anderen Ansatz, das ein oder andere Modell zu sto- ßen und es zu Hilfe zu nehmen zur Erreichung einer möglichst hohen Effektivität, Effizienz und – ganz besonders wichtig – auch Humanität in der (Interkulturellen) Kommunikation! Eine diesbezügliche Notwendigkeit scheint nicht so realitätsfern, ist doch einerseits der Mensch als Säugetier auch nur ein „Schimpansenartiger“ und in seinem Verhalten somit zumindest absolut gesehen reichlich unbewusst ausgerichtet und andererseits gleichzeitig mit einem unvergleichlichen Differenziertheitsgrad in der Kommunikation gesegnet. Um die (Interkulturelle) Kommunikation, die die Basis aller zwischenmenschlichen Interaktion ist, angefangen von der Liebe bis hin zum Krieg und allem „was sich so dazwischen befindet“, möglichst erfolgreich zu gestalten erscheint eine Steigerung des Bewusstseins und der Einsicht durch die Theorie nicht unangebracht. Anmerkungen 1 Heitmann (2004), S. 1 2 Kumbier; Schulz von Thun (2009), S. 27 3 Keding (2009), S. 341 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 491 Anhang I Direktheitsstufen der Direktheitsskala für Aufforderungen nach House und Kasper: 1. Sanfter Hinweis: Der angesprochene inhaltliche Punkt des Sprechaktes ist nicht identisch mit dem Antragspunkt, der durch den Sprechakt eigentlich angesprochenen wird. Jedoch muss eine unausgesprochene Beziehung zwischen beiden Punkten für Person Y erkennbar sein: „Es ist sehr kalt hier drin.“ 2. Energischer Hinweis: Der in dem Sprechakt angesprochene Punkt ist nicht identisch mit dem Punkt, auf den sich der Sprechakt eigentlich bezieht. Aber es besteht zwischen beiden  eine Beziehung infolge der gemeinsamen Elemente, auf die beide sich beziehen. Dabei nehmen diese Elemente nicht Bezug auf einen der Gesprächspartner: „Warum ist das Fenster offen?“ 3. Vorbereitungsfrage: Der Sprechakt fragt vorbereitend nach einer Bedingung, die für die Ausführung der im Sprechakt angedeuteten Aktivität Voraussetzung ist: „Kannst Du das Fenster zumachen?“ 4. Vorbereitungsaussage: Im Sprechakt wird eine Bedingung, die für die Ausführung der Aktivität Voraussetzung ist, angesprochen bzw. durchgesetzt: „Du kannst das Fenster zumachen.“ 5. Bereichsaussage: Der Sprechakt drückt die Intentionen, Wünsche oder Gefühle aus, welche die Person gegenüber dem vorgetragenen Antrag hegt: „Mir wär’s lieber, wenn Du das Fenster zumachen würdest.“ 6. Ableitbarer Sprechakt: Der inhaltliche Punkt des Sprechaktes ist direkt ableitbar von der Semantik, also Wortbedeutung des Sprechaktes: „Du solltest das Fenster zumachen.“ 7a. Ausweichende Ausführung: Person X spricht im Sprechakt eindeutig an, wie er seinen Sprechakt von Person Y verstanden wissen möchte. Jedoch weicht er hierbei auf ein modales Hilfswort aus: „Ich muss Dich bitten, das Fenster zuzumachen.“ Anhang I

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.