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10.6 Fallstudie zur Akkulturation: „Probleme eines Expatriate im Ausland“ in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 437 - 439

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_437

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 420 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 421 42110.6 Fallstudie zur Akkulturation: „Probleme eines Expatriate im Ausland“ (…) das Essen schmeckt für mich immer noch komisch, anders als in Brasilien. Ich schmecke das auch im Kaffee. Bei mir zu Hause wird bis heute nur Brasilianisch gegessen. Das heißt: jeden Tag Bohnen, jeden Tag Fleisch, jeden Tag Salat. Ich sage meiner Frau immer: „Cintia, im Trainingslager gibt es nur Spaghetti und Kartoffelpüree. Zu Hause will ich das nicht sehen.“48 10.6 Fallstudie zur Akkulturation: „Probleme eines Expatriate im Ausland“ Ralf Maier ist kaufmännischer Angestellter eines weltweit tätigen deutschen Unternehmens. Er hat sich für einen auf drei Jahre befristeten Auslandsaufenthalt bei der in Thailand ansässigen Tochtergesellschaft entschlossen. Von der damit verbundenen Auslandserfahrung erhofft er sich nach seiner Rückkehr nach Deutschland verbesserte berufliche Aufstiegschancen. Zudem ist er sehr gespannt auf das für ihn exotisch anmutende „Land des Lächelns“. Dies umso mehr als er, abgesehen von einigen kürzeren Urlaubsreisen ins innereuropäische Ausland, in seinem Leben noch keine Auslandserfahrung gesammelt hat. Nach vier Monaten Tätigkeit in Thailand hat sich Ralf Maier fachlich gesehen in sein neues Betätigungsfeld bereits recht gut eingearbeitet. Nahezu 95 % seiner Arbeitskollegen sind thailändischer Abstammung, die Verkehrssprache in der thailändischen Tochtergesellschaft ist neben der Heimatsprache Englisch, die von den allermeisten Kollegen gut bis ausreichend beherrscht wird und auch für Ralf Maier keinerlei Problem darstellt. Obwohl er fachlich betrachtet gute Fortschritte in seinem beruflichen Umfeld macht ist Ralf Maier zunehmend unzufrieden und sogar unglücklich, obwohl er gerade zu Anfang seines Auslandsaufenthaltes geradezu begeistert von dem exotisch und interessant anmutenden Umfeld war, von dem er in Telefonaten nach Deutschland diversen Freunden berichtet hatte. Insbesondere der Kontakt zu den thailändischen Kollegen gestaltet sich für ihn zunehmend unbefriedigend. So hat er bei informellen Kontakten während der Arbeitszeit häufig das Gefühl, ausgegrenzt zu werden. Er wird bei eher ungezwungenen Gesprächen in Arbeitspausen nicht mit einbezogen, die Kollegen sitzen gesprächig beisammen und des Öfteren glaubt er sogar, seinen Namen in den Kollegengesprächen zu hören, woraufhin diese dann zu ihm hinüberschielen. Er ist zunehmend davon überzeugt, dass die Kollegen häufig über ihn reden. Seine Sorge, dass die Kollegen einen negativen Eindruck von ihm haben wird so groß, dass er sogar an Schlaflosigkeit zu leiden beginnt und auch tagsüber in seiner Arbeitsleistung nachlässt, so dass er mehrfach auf ausstehende, nicht termingerecht abgelieferte Arbeitsleistungen angesprochen wird. Worin ist die zunehmende Unzufriedenheit von Ralf Maier in seinem neuen Umfeld begründet? Was könnte ihm in seiner Situation geraten werden? 10.6 Fallstudie zur Akkulturation: „Probleme eines Expatriate im Ausland“ Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 422 422 10 Der Prozess der Akkulturation Anmerkungen 1 Maletzke (1996), S. 160 2 Küsters (1998), S. 419 3 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 519 4 Rentzsch (1999 b), S. 17 5 Küsters (1998), S. 419 6 Maletzke (1996), S. 160 7 Chen; Starosta (2009), S. 173 8 Küsters (1998), S. 419 9 Rentzsch (1999 a), S. 33 10 Schümann; Sussebach (2003), S. 47 11 Chen; Starosta (2009), S. 164 12 Rentzsch (1999 b), S. 18 13 Rentzsch (1999 a), S. 33 14 Apfelthaler (2002), S. 90 15 Brüch; Thomas (2007), S. 12 ff. 16 Repplinger (2002), S. 59 17 Schümann; Sussebach (2003), S. 47 18 Rentzsch (1999 a), S. 33 19 Hollensen (2012), S. 456 20 Maletzke (1996), S. 166 21 Kim (2002 b), S. 238 22 Küsters (1998), S. 420 23 Thomas; Hagemann; Stumpf (2003), S. 242 f. 24 Chen; Starosta (2009), S. 173 f. 25 Küsters (1998), S. 420 26 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 285 27 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 519 28 Thomas; Hagemann; Stumpf (2003), S. 242 29 Kim (2002 b), S. 238 30 Küsters (1998), S. 420 31 Kim (2002 b), S. 239 32 Kim (2002 b), S. 243 33 Küsters (1998), S. 420 34 Ehrhardt (2003), S. 138 35 Hofstede (2011), S. 427 36 Stierlin Doctor (2009), S. 152 f. 37 Küsters (1998), S. 420 38 Hollensen (2012), S. 457 39 Hirsch (2003), S. 417 f. 40 Hirsch (2003), S. 420 f. 41 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 544 f. 42 Hollensen (2012), S. 457 43 Hirsch (2003), S. 418 ff. 44 Thomas; Hagemann; Stumpf (2003), S. 269 45 Hirsch (2003), S. 419 ff. 46 Hirsch (2003), S. 424 47 Thomas; Hagemann; Stumpf (2003), S. 245 48 Schümann; Sussebach (2003), S. 47 f. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 423 11 Entwicklung interkultureller Kompetenz 11.1 Konzept der interkulturellen Kompetenz Die große Mehrheit aller Menschen betrachtet die eigene Kultur als den Mittelpunkt der Welt. Das Bewusstsein über die Existenz kultureller Unterschiedlichkeiten ist aber bereits ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Entwicklung einer interkulturellen Kompetenz sowie die Befähigung zur Kommunikation im interkulturellen Kontext1. Ansonsten besteht die erhebliche Gefahr, dass selbst extreme Abweichungen der Kommunikation im Vergleich zur eigenen Kultur personenbezogen attribuiert werden ohne die eigentliche Ursache, nämlich kulturspezifisch begründete Stilunterschiede zu erkennen2. Zudem werden die Charakteristika der eigenen Kultur nicht selten als anderen Kulturen überlegen und somit auch als Maßstab aller Dinge betrachtet3. Diese Einstellung, die auf kultureller Ebene als Pendant eines auf individueller Ebene angesiedelten Egozentrismus zu sehen ist4, wird auch als Ethnozentrismus bezeichnet. Eng verbunden mit dem Ethnozentrismus ist die unbewusste Tendenz großer Mehrheiten, Vertreter anderer Kulturen aus der Sicht der eigenen Kultur zu betrachten und zu bewerten. Die eigenen Werte, Sitten und Normen werden dabei zum Standard und Maßstab aller Bewertungen und Beurteilungen. Neben der Annahme, dass die eigene Kultur durch Selbstverständlichkeiten gekennzeichnet ist, geht mit dem Ethnozentrismus häufig auch ein Bewusstsein der Überlegenheit einher5. Neben fachlicher Qualifikation und Fremdsprachenkenntnissen ist es in erster Linie eine interkulturelle Kompetenz, die, verbunden mit Landes- und Kulturkenntnissen, für den wirtschaftlichen Erfolg im interkulturellen Kontext entscheidend ist. So kommt eine Anfang der 1990er Jahre abgeschlossene Untersuchung, die insgesamt 40 deutsch-chinesische Gemeinschaftsunternehmen einbezieht, zu der Einschätzung, dass die interkulturelle Interaktion der kritischste Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg ist. Hingegen waren wichtige fachliche Fragen wie zum Beispiel Fragen des Vertriebs, der Devisenbeschaffung oder der Preispolitik selbst bei gescheiterten Joint Ventures von sekundärer Bedeutung. Eine aus diesen Ergebnissen ableitbare Notwendigkeit der interkulturellen Kompetenz wird mittlerweile in breiten Kreisen von Wissenschaft und Wirtschaft erkannt6. So zeigen Untersuchungen etwa, dass ein Auslandsentsandter ohne vorbereitendes Training seine beruflichen Aufgaben erst nach drei Jahren in vollem Umfange erfüllen kann. Die für diesen Zeitraum feststellbare geringere Leistungsfähigkeit sowie psychische Probleme in den ersten Jahren können mit der Entwicklung von interkultureller Kompetenz durch entsprechend konzipierte Trainings verringert werden7. Dabei kann mit Thomas, Kammhuber und Layes unter interkultureller Kompetenz verstanden werden: „die Fähigkeit, kulturelle Bedingungen und Einflussfaktoren im Wahrnehmen, Urteilen, Empfinden und Handeln bei sich selbst und anderen Personen zu erfassen, zu würdigen, zu respektieren und produktiv einzusetzen im Sinne von wechselseitiger Anpassung, von Toleranz gegenüber Inkompatibilitäten, sowie einer Entwicklung synergetischer Formen des Zusammenlebens und der Weltorientierung.“8 11 Entwicklung interkultureller Kompetenz 11.1 Konzept der interkulturellen Kompetenz

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.