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10.1 Phase der Euphorie in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 429 - 430

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_429

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 413 10 Der Prozess der Akkulturation Die bislang dargelegten Potenziale für Kommunikationsstörungen in interkulturellen Begegnungen haben sich vorrangig auf temporäre Zusammenkünfte von Vertretern unterschiedlicher Kulturen bezogen, die durch mangelnde interkulturelle Erfahrung und fehlende interkulturelle Kommunikationskompetenz gekennzeichnet sind. Probleme anderer Art entstehen, wenn Personen, beispielsweise durch Versetzung in international ausgerichteten Unternehmen, für längere Zeit im Ausland sind. Gerade beruflich begründete längerfristige Auslandsaufenthalte können mit den Schwierigkeiten des Vorgangs der Anpassung an fremde Kulturen verbunden sein. Die an dieser Stelle behandelte erforderliche kulturelle Anpassung wird auch als Akkulturation, Enkulturation oder Assimilation bezeichnet1. In Bezug auf den Prozess der Akkulturation wurden verschiedene Phasenmodelle entwickelt. Diese Modelle geben Akkulturationskurven wieder, die den Versuch darstellen, den Vorgang der kulturellen Anpassung allgemeingültig nachzuzeichnen. Das in Abbildung 10-1 wiedergegebene Phasenmodell gliedert die Akkulturation in vier verschiedene Phasen. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass dieser idealtypische Verlauf nicht nur auf die sog. „Expatriates“2, im Deutschen auch als Delegierte bezeichnet3, also die für einen begrenzten, aber längeren Zeitraum ins Ausland entsendeten Mitarbeitern von Wirtschaftsunternehmen und Organisationen4 anwendbar ist, sondern in gleichem Maße auch für Migranten Gültigkeit besitzt. Zahlreiche empirische Untersuchungen haben den in Abbildung 10-1 wiedergegebenen Kurvenverlauf der kulturellen Anpassung von Auslandsentsandten 10 Der Prozess der Akkulturation Euphorie Kulturschock Akkulturation Stabilisierung a b c positiv negativ Akkulturationsgrad A Abbildung 10‑1: Darstellung der kulturellen Anpassung mittels der Akkulturationskurve (Quelle: Küsters (1998), S. 421) Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 414 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 415 414 10 Der Prozess der Akkulturation bestätigt, ohne dass hieraus jedoch eine Gesetzmäßigkeit abzuleiten wäre5. Dennoch legen zahlreiche Untersuchungen nahe, dass der Prozess der Akkulturation mit seinen einzelnen Phasen generell erstaunlich gleichartig verläuft, unabhängig davon, in welcher Kultur er sich vollzieht6. 10.1 Phase der Euphorie Die erste Phase der Euphorie ist geprägt von der Begeisterung, die ein Individuum durch den Kontakt mit einem neuen, mitunter völlig fremdartigen Land erfährt7. Dieser Erstkontakt löst bei vielen Personen Interesse, Optimismus und oftmals sogar eine „honeymoon“-artige Euphorie aus8. Das Phänomen der Euphorie erfahren beispielsweise auch Touristen besonders häufig. Dabei erleben sie die neue Umgebung, die fremdartig wirkenden Menschen, das bunte Treiben in den Städten und neue gastronomische Erfahrungen mit großer Aufregung und tiefgehenden Empfindungen9. Diese Faszination der Neuartigkeit beim ersten Kontakt mit Deutschland beschreibt der ehemalige brasilianische Fußballprofi Giovane Elber in einem Interview wie folgt: „Als Erstes, direkt am Flughafen in Stuttgart: Alle Taxis waren von Mercedes! In Brasilien fahren Multimillionäre Mercedes, aber nicht die Taxifahrer. Als ich in Deutschland ankam, dachte ich: „Giovane, ist das ein reiches Land hier.“ Dann, zweiter Eindruck: viele Schilder an den Straßen, viele Polizisten. Dritter Eindruck: Wenn ich in Deutschland um zehn Uhr abends in ein Restaurant gehe, dann ist das leer. Als Brasilianer denke ich natürlich: Die Leute kommen noch. Dabei sind die schon wieder zu Hause.“10 10.2 Phase des Kulturschocks In der zweiten Phase, der Phase des Kulturschocks, ändert sich die Stimmungslage jedoch zusehends, sukzessive machen sich steigende Anpassungsbelastungen bemerkbar11. In dieser Phase tritt der Alltag mit seinen Routinen wieder in den Vordergrund, zahlreiche fremdartige Dinge des täglichen Ablaufes werden als das Leben schwermachend empfunden. Reaktionen wie Frustration, Konfusion, unangemessenes soziales Verhalten, aber auch Beziehungsprobleme mit Geschäftspartnern, Angst, sogar Depressionen und ein Gefühl der Isolation können diese Phase begleiten12. Des Weiteren ist häufig eine Überdrüssigkeit gegenüber der lokalen Küche, dem lokalen Klima oder auch gegenüber den generellen Verhaltensweisen der Menschen feststellbar13. Strategien zur Bewältigung interkultureller Unterschiede konnten noch nicht entwickelt werden, so dass den beschriebenen Problemen zunächst nicht oder nur vergleichsweise unbeholfen begegnet werden kann14. Explizit sei darauf hingewiesen, dass es weniger einzelne, besonders einschneidende und sich stark auswirkende Erlebnisse sind, die das Leben schwer machen. Vielmehr ist es die Vielzahl kleinerer, im Einzelnen wenig bedeutender Ereignisse und Situationen des Alltags, die letztlich eine Krise generieren und verschärfen15. Stellvertretend für diese vermeintlich unbedeutenden Situationen der Hilflosigkeit 10.1 Phase der Euphorie 10.2 Phase des Kulturschocks

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.