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7.3 Demographische Unterschiede im Bereich des unbewussten menschlichen Verhaltens in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 334 - 336

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_334

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 316 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 317 3177.3 Demographische Unterschiede im Bereich des menschlichen Verhaltens 7.3 Demographische Unterschiede im Bereich des unbewussten menschlichen Verhaltens In Bezug auf die Steuerung des unbewussten menschlichen Verhaltens existieren demographische Unterschiede, die im Folgenden kurz näher dargelegt seien. Zwar scheinen diese Unterschiede zunächst nicht mit Aspekten der Kultur in Verbindung zu stehen. Doch lassen sich auf Basis ihrer Kenntnis an mancher Stelle wichtige Parallelen bzw. Schlüsse auch in Bezug auf Kultur ziehen, etwa angesichts einer in zahlreichen Industrienationen zunehmend festzustellenden Umkehrung der Alterspyramide. 7.3.1 Einfluss des Alters Die Struktur des menschlichen Gehirns unterliegt im Verlaufe des Lebens Veränderungen. Das Gehirn selbst kann dabei erst im Alter von ca. 18 bis 20 als ausgereift betrachtet werden. Ab dem Alter von 25 bis 30 Jahren indes beginnt es bereits wieder zu schrumpfen und zwar infolge eines Verlustes an Nervenzellen. Zu gleicher Zeit findet aber auch eine in Abbildung 7-9 dargestellte Veränderung in der Zusammensetzung der im Gehirn zirkulierenden Nervenbotenstoffe statt, die 7.3 Demographische Unterschiede im Bereich des menschlichen Verhaltens Self-direction Universalism Benevolence Conformity Tradition Stimulation Hedonism Achievement Power Security Abbildung 7‑8: Beziehungsgeflecht zwischen kulturellen Werten nach Schwartz (Quelle: Lustig; Koester (1999), S. 83) Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 318 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 319 318 7 Kulturelle Neurowissenschaft auch eine Veränderung der Motiv- und Emotionssysteme im Gehirn zur Folge hat. So nimmt das Dominanzhormon Testosteron mit zunehmendem Alter sehr stark ab, was eine nachlassende Risikobereitschaft sowie eine sinkende Orientierung an Status zur Folge hat. Auch die Konzentration des Stimulanz-Neurotransmitters Dopamin sinkt im Verlaufe des Alters stark, was eine sinkende Neugier zur Folge hat94. Bei der Erzeugung lustbetonter und beglückender Zustände scheint Dopamin unterschiedliche Rollen zu spielen. So befördert es als eine Substanz in den diversen verhaltensrelevanten Zentren des Gehirns Verhaltensweisen, die in irgendeiner Weise eine Belohnung versprechen. Diese Belohnung kann körperlicher, emotionaler oder auch kognitiver Art sein. Ein derart verstandenes Erkundungsverhalten bezieht sich auf die Befriedigung von Neugier, die Suche nach Nahrung, Wärme und Schutz genauso wie die Suche nach einem Sexualpartner, Kommunikation und diversen geistigen Genüssen unterschiedlichster Art. Insbesondere zu Beginn eines derartigen appetitiven, belohnungssuchenden Verhaltens zeigt sich eine besonders hohe Ausschüttung von Dopamin, die erst zurückgeht, wenn der Zustand einer Befriedigung erreicht worden ist. Im Umkehrschluss verspürt der Mensch keine Bedürfnisse mehr, wenn sich eine durch Mangel an Dopamin verursachte Antriebs- und Interesselosigkeit einstellt. Es wird deutlich, dass Dopamin somit die Erwartung von Belohnung und Lust vermittelt95. Im Gegenzug dazu steigt die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Gehirn mit zunehmendem Alter sehr deutlich an, was erklärt, dass der Mensch auch zunehmend versucht Unsicherheiten zu vermeiden96. Cortisol selbst ist das bekannteste Glucocorticoid. Unter Glucocorticoiden sind Stoffe zu verstehen, die dafür Sorge tragen, dass dem Körper Glucose, also Zucker als Energie zur Verfügung gestellt wird. Cortisol selbst mobilisiert über eine Erhöhung des Glucose- und Fettsäurespiegels im Blut den Stoffwechsel und versetzt den Körper somit in die Lage höherer Leistungsfähigkeit. In hohen Dosen allerdings kann Cortisol zu einer sogar gefährlichen Schwächung der Immunabwehr des Körpers führen. Auf diese Weise kann Stress somit krankheitsanfällig machen. Ein mittlerer Cortisolspiegel im Gehirn hingegen führt zu einer verstärkten Produktion von den Zustand von Dominanzhormon Testosteron Stimulanz-Neurotransmitter Dopamin Stresshormon Cortisol bis 20 Jahre 20 – 40 Jahre 40 – 60 Jahre 60 Jahre plus Alter Konzentration Abbildung 7‑9: Konzentrationsveränderung der an den Emotionssystemen beteiligten Botenstoffe in Abhängigkeit vom Lebensalter (Quelle: Häusel (2007), S. 81) Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 318 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 319 3197.4 Interkult. Unterschiede im Bereich des unbewussten menschlichen Verhaltens Nervenzellen befördernder Faktoren, wodurch wiederum die Arbeitsbedingungen für die Neuronen verbessert und die neuronale Plastizität gesteigert werden. Insofern kann ein gewisses Maß an Stress durchaus leistungsfördernd wirken und sich positiv auf Lern- und Gedächtnisleistungen auswirken97. 7.3.2 Einfluss des Geschlechts In Bezug auf das Gehirn und die Neurochemie von Männern und Frauen sind mittlerweile mehr als 200 Unterschiede festgestellt worden, die einen erheblichen Einfluss auf den Denkstil, die Emotionsstruktur sowie das Verhalten haben. Dabei existieren anatomische Unterschiede, funktionale Unterschiede, aber auch neurochemische Unterschiede. So sind im Rahmen der anatomischen Unterschiede bestimmte Gehirnbereiche bei Männern und Frauen unterschiedlich groß. Im Rahmen der funktionalen Unterschiede ist zu erkennen, dass gewisse Gehirnbereiche in unterschiedlicher Weise zusammenspielen. Schließlich sind es insbesondere auch die neurochemischen Unterschiede, die sich im Fühlen, Denken und Handeln bemerkbar machen. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die unterschiedliche Zusammenstellung der Sexualhormone bei Männern und Frauen, denn ihr Einfluss auf die Motiv- und Emotionssysteme im Gehirn ist von weitreichender Bedeutung. So herrscht im männlichen Gehirn eine stärkere Konzentration der Sexualhormone Testosteron und Vasopressin vor98. Das männliche Sexualhormon Testosteron steigert beim Menschen sowie bei anderen Säugetieren wie Affen oder Ratten die männliche Aggressivität. Die aggressionsfördernde Wirkung von Testosteron wird beispielsweise auch dadurch deutlich, dass zyklisch auftretende Revier- und Paarungskämpfe vieler männlicher Säugetiere mit einer Erhöhung des Testosteron-Spiegels korreliert sind99. Es wird deutlich, dass Testosteron im emotionalen Gehirn somit das Dominanz-System verstärkt. Aber auch die in Abbildung  7-7 wiedergegebenen benachbarten Kombinationen aus Dominanz und Stimulanz (sog. „Abenteuer“-Kombination) sowie Dominanz und Balance (sog. „Disziplin“-Kombination) werden verstärkt. Das weibliche Gehirn hingegen wird stärker von Östrogen, Prolactin und Oxytocin bestimmt. Durch das Östrogen wird insbesondere das Balance-System verstärkt100 und eine Ausrichtung an den damit verbundenen Motiven und Werten von Frauen in höherem Maße angestrebt als von Männern. 7.4 Interkulturelle Unterschiede im Bereich des unbewussten menschlichen Verhaltens Es ist deutlich geworden, dass die limbischen Instruktionen in ihrer Kombination einander ergänzen und, dem Grundgedanken der Evolutionstheorie entsprechend, den Fortbestand der Gattung bestmöglich gewährleisten sollen. Nun gilt es jedoch zu beachten, dass die einzelnen limbischen Instruktionen von Individuum zu Individuum und der Unterschiedlichkeit von Menschen im Allgemeinen entsprechend in den vielfältigsten Kombinationen jeweils ganz unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Die dadurch bedingten individuellen Unterschiede sind nach neuesten Erkenntnissen der Verhaltensgenetik zu 50 % angeboren. Die verbleibenden 50 % können auf Erziehung, Lebenserfahrungen und eben nicht 7.4 Interkult. Unterschiede im Bereich des unbewussten menschlichen Verhaltens

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.