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2.1 Definition des Kommunikationsbegriffs in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 22 - 24

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_22

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 3 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess Beim Versuch sich dem Thema der Interkulturellen Kommunikation anzunähern erscheint es nur allzu logisch, diesen etwas komplexeren Terminus zunächst in seine beiden Bestandteile untergliedert zu betrachten. Daher soll in diesem Kapitel 2 zunächst der Begriff der Kommunikation und im Kapitel 3 der Begriff der Kultur näher betrachtet und hinsichtlich seiner für die Interkulturelle Kommunikation relevanten Aspekte näher beleuchtet werden. Diese Vorgehensweise erscheint geeignet, um letztlich alle für das Forschungsgebiet der Interkulturellen Kommunikation relevanten Sachverhalte zu extrahieren und in Kapitel 4 zu einem umfassenden und differenzierten Verständnis hinsichtlich der Interkulturellen Kommunikation zu gelangen1. Bevor auf die interkulturellen Aspekte der Kommunikation näher eingegangen wird, sind zunächst einige grundlegenden Überlegungen hinsichtlich der Kommunikation bzw. hinsichtlich des dabei stattfindenden Kommunikationsprozesses anzustellen. Dies begründet sich auch darin, dass der Begriff der Kommunikation sehr stark in der Alltagssprache verankert und derart geläufig ist, so dass Überlegungen hinsichtlich der Verwendung bzw. der Bedeutung des Kommunikationsbegriffs häufig vernachlässigt werden. 2.1 Definition des Kommunikationsbegriffs Grundsätzlich wird als Kommunikation ein Vorgang bezeichnet, der auf bestimmten Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Subjekten beruht (lat. communis = gemeinsam2; lat. communicare = gemeinschaftlich tun, sich verständigen, miteinander sprechen3). Wenn Menschen miteinander kommunizieren, so versuchen sie also, „eine Gemeinsamkeit mit jemandem herzustellen.“4 Diese Gemeinsamkeiten zwischen Kommunizierenden, also etwa zwischen zwei Kommunikationspartnern, liegen grundsätzlich in den folgenden vier Bereichen: 1) materielle oder energetische Verbindung zur Übertragung von Zeichen; 2) durch bestimmte Erwartungen gekennzeichnete Beziehung, aus der Information entsteht; 3) bestimmte übereinstimmende Kognitionen, aus denen sich die Erwartungen ableiten lassen und die den Zeichen Bedeutung verleihen; Kognitionen sind hierbei zu verstehen als Sammelbegriff für Wissen, Erfahrungen, Einstellungen und Bewertungen hinsichtlich der „Wirklichkeit“ durch die kommunizierenden Subjekte; 4) bestimmte Absichten oder Folgen in Bezug auf den Zustand oder das Verhalten der kommunizierenden Subjekte (Ziel der Kommunikation). Dabei gilt es zu beachten, dass das Ziel der Kommunikation oftmals latenter Art ist5. Latente 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess 2.1 Definition des Kommunikationsbegriffs Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 4 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 5 4 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess Kommunikationsziele stellen beiläufig oder gar unbewusst angestrebte Kommunikationsziele dar, beispielsweise die Stiftung neuer Gemeinsamkeiten oder die Verstärkung alter Gemeinsamkeiten zwischen den kommunizierenden Subjekten. Die Kommunikation wird oftmals als der eigentliche Träger des sozialen Geschehens bezeichnet. Deshalb ist die Erklärung von Kommunikationsprozessen ein Schwerpunkt für die Erklärung des menschlichen Verhaltens. Diesem Verständnis folgend führen Kroeber-Riel et al. an, dass als Kommunikation der Austausch von Informationen bezeichnet wird, durch den ein Mensch auf einen anderen Menschen einwirkt. Der hieraus resultierende Prozess wechselseitiger Einwirkungen wird u. a. auch als Interaktion bezeichnet, so dass die Begriffe Kommunikation und Interaktion auch als Synonyme Verwendung finden. Unterschiede in der Definition der Begriffe Kommunikation und Interaktion kommen insbesondere durch die Einbeziehung der beiden Begriffe in unterschiedlichen spezifischen Theorien zustande, im Rahmen derer die Prozesse des kommunikativen Austauschs unter unterschiedlichen Gesichtspunkten und mit unterschiedlichen Methoden dargestellt werden6. Heutzutage bestehen zahlreiche Definitionen des Begriffs der Kommunikation. So hat etwa Merten bereits 1977 in seiner Begriffsanalyse zum Kommunikationsbegriff 160 verschiedene Definitionen zusammengetragen, ohne dabei Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben7. Grundsätzlich existieren eine sehr weit gefasste Bedeutung und eine enger gefasste Bedeutung von Kommunikation. Der sehr weit gefasste Kommunikationsbegriff wird in vielen verschiedenen Bereichen und in diversen Wissenschaften angewandt. So findet er beispielsweise Verwendung in Bezug auf Kommunikationsprozesse unter Tieren (animalische Kommunikation). Bienen etwa verfügen mit ihrem Schwänzeltanz über die Möglichkeit, Bedeutungsinhalte wie Entfernung, Menge und Richtung einer Futterquelle an die Artgenossen zu vermitteln8. In Hinsicht auf den in diesem Werk im Mittelpunkt stehenden Aspekt der Interkulturalität erscheint es interessant zu erwähnen, dass zwei fast gleichartige Bienengattungen in verschiedenen Sprachen sprechen. So beschreibt Watzlawick die Erkenntnisse des österreichischen Nobelpreisträgers von Frisch, gemäß denen sich etwa „österreichische“ und „italienische“ Bienen durch die jeweils gängigen Tanzformen nicht verständigen können: „Ein und dasselbe Signal gibt aber bei der österreichischen Biene eine andere Entfernung vom Stock an als bei der italienischen. Als nun Kreuzungen gezüchtet wurden, ergab sich, daß eine babylonische Sprachverwirrung entstanden war – mit natürlich ziemlich gefährlichen Konsequenzen. (…) Die zum Stock zurückkehrende Biene, die Futter gefunden hatte und das nun in ihrer Sprache den Artgenossinnen mitteilte, sah sich missverstanden. (…) Ein wichtiges „Bienenwort“ war verfremdet. Und nun kann man sich vorstellen, daß ein Bienenvolk zugrunde gehen kann, wenn eine solche Sprachverwirrung herrscht. (…) Das Interessante ist, daß dann (im Falle der interpersonalen, also menschlichen Kommunikation im interkulturellen Kontext, Anm. des Verf.) sofort die gegenseitigen Beschuldigungen der „Verrücktheit“ oder der Böswilligkeit kommen.“9 Aber nicht nur die animalische Kommunikation ist Gegenstand des sehr weit gefassten Kommunikationsbegriffs. Vielmehr sind auch Kommunikationsprozesse innerhalb lebender Organismen (Biokommunikation) wie auch innerhalb oder zwischen verschiedenen technischen Systemen (technische Kommunikation, Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 4 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 5 52.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell Maschinenkommunikation) oder zwischen Menschen und technischen Apparaturen wie Computern (Mensch-Maschine-Kommunikation) Gegenstand des weiter gefassten Kommunikationsbegriffes. Der engere Kommunikationsbegriff hingegen gelangt im Bereich der interpersonalen Kommunikation zur Anwendung und bezieht sich auf die Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Menschen, also letztlich auf einen sozialen Prozess im Rahmen der Kommunikation von Mensch zu Mensch. Die Gemeinsamkeiten kommunizierender Personen bilden einerseits die Voraussetzung für einen erfolgreichen Kommunikationsprozess, was bedeutet, dass die Kommunikation ohne diese Gemeinsamkeiten gar nicht in Gang kommen würde. Andererseits sind die zwischen den Kommunizierenden bestehenden Gemeinsamkeiten auch als Resultat des Kommunikationsprozesses zu betrachten. Kommunikation bestärkt somit die vorhandene Gemeinsamkeit an Erfahrungen oder begründet auch gänzlich neue Gemeinsamkeiten10. Bei der Betrachtung der Interkulturellen Kommunikation steht in der Literatur häufig die interpersonale Kommunikation im Mittelpunkt der Betrachtungen, d. h. der Schwerpunkt liegt auf dem enger gefassten Begriff der sozialen Kommunikation. Darüber hinaus erscheint es jedoch in Ausrichtung auf den Wirtschaftskontext wichtig, auch dem weiter gefassten Begriff der Kommunikation Rechnung zu tragen. Dieser weiter gefasste Kommunikationsbegriff gelangt beispielsweise in der medialen Massenkommunikation zur Anwendung und umfasst für das Wirtschaftsleben so wichtige Bereiche wie die Marketing-Kommunikation oder den über das Internet abgewickelten E-Commerce. In diesem Buch wird schwerpunktmäßig die interpersonale Kommunikation betrachtet. Daneben wird der Betrachtungsschwerpunkt aber auch auf die mediale Massenkommunikation gelegt, was insbesondere bei den Ausführungen zur Marketing-Kommunikation in Kapitel 12 deutlich werden wird. 2.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell Der Kommunikationsbegriff wird häufig umschrieben mit Begriffen wie Verständigung, Mitteilung, Interaktion, Übertragung etc. Bereits aus diesen Begriffen geht der dynamische Charakter hervor, der die Kommunikation im Allgemeinen kennzeichnet. Diesem dynamischen Charakter zufolge wird auch von Kommunikationsprozessen gesprochen, die im Mittelpunkt kommunikationswissenschaftlicher Untersuchungen stehen. Es wurden bereits zahlreiche Versuche gemacht, Kommunikationsprozesse im Modell abzubilden. Um ein besseres Verständnis für das grundsätzliche Wesen der Kommunikation sowie die dabei zugrunde liegenden Prozesse zu erlangen, werden im weiteren Verlaufe einige der wichtigsten Kommunikationsmodelle näher vorgestellt. 2.2.1 Formel nach Lasswell Bei der Beschreibung von Kommunikationsprozessen stellt sich zunächst einmal die Frage nach den elementaren Prozessbestandteilen. Diese Fragestellung versuchte Lasswell zu beantworten mit seiner in Abbildung 2-1 wiedergegebenen, viel zitierten Formulierung11. 2.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.