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3.1 Grundlagen der statischen Investitionsrechnung in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul, Gerd Waschbusch

Investition in Übungen, page 32 - 34

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3659-4, ISBN online: 978-3-8006-4881-8, https://doi.org/10.15358/9783800648818_32

Series: Vahlens Übungsbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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3 Statische Verfahren der Investitionsrechnung 3.1 Grundlagen der statischen Investitionsrechnung Aufgabe 3.1: Statische Verfahren der Investitionsrechnung a) Erläutern Sie die vier Verfahren der statischen Investitionsrechnung und geben Sie das jeweilige Vorteilhaftigkeitskriterium an! b) Erläutern Sie die wesentlichen Mängel, die den statischen Verfahren der Investitionsrechnung anhaften! Lösung Teilaufgabe a) Bei den statischen Investitionsrechnungsverfahren rechnet man grundsätzlich mit den aus dem internen Rechnungswesen bekannten periodisierten Erfolgsgrößen Kosten und Leistungen (Erlöse); als Zielsetzung des Investors wird Kostenminimierung bzw. Gewinn- oder Rentabilitätsmaximierung unterstellt. Dabei werden die durch ein Investitionsprojekt voraussichtlich während der Nutzungsdauer des Projekts ausgelösten Veränderungen auf eine "Durchschnittsperiode" bezogen ("einperiodige Verfahren"); infolge der Durchschnittsberechnung bleiben zeitliche Unterschiede im Entstehen der in die Rechnung einbezogenen Größen unberücksichtigt. In bestimmten Situationen kommt bei den statischen Investitionsrechnungsverfahren als Zielsetzung des Investors auch eine Verringerung des Risikos (Realisation einer möglichst geringen Amortisationszeit) in Betracht. Aus den vorstehend genannten möglichen Zielsetzungen eines Investors lassen sich die folgenden Verfahren der statischen Investitionsrechnung ableiten: die Kostenvergleichsrechnung, die Gewinnvergleichsrechnung, die Rentabilitätsvergleichsrechnung sowie die statische Amortisations( dauer)rechnung. Bei der Kostenvergleichsrechnung soll aus mindestens zwei Investitionsalternativen die kostengünstigste Alternative gewählt werden. Deswegen sind bei jeder Investitionsalternative alle durch das jeweilige Projekt ausgelösten 12 Investition in Übungen zusätzlichen (aufwands gleichen und kalkulatorischen) Kosten pro Durchschnittsperiode zu berücksichtigen. Allerdings können alle Kostenbestandteile, die für die Realisierung jeder Alternative in gleicher Höhe entstehen, als nicht entscheidungsrelevante Kosten außer Acht gelassen werden. Da die Kostenvergleichsrechnung die durch eine Investition erzielten Leistungen (Erlöse) vollständig vernachlässigt, kann sie nur angewendet werden, wenn nicht mit Leistungen (Erlösen) oder mit nicht von den Investitionsalternativen abhängigen Leistungen (Erlösen) gerechnet wird. Die Gewinnvergleichsrechnung ermittelt als Beurteilungsmaßstab die durch das Investitionsprojekt beim Investor entstehende Gewinnveränderung pro Durchschnittsperiode; es geht also um die gegenüber der Situation ohne Durchführung des Investitionsvorhabens entstehende Gewinnsteigerung in der Durchschnittsperiode. Ein einzelnes Investitionsprojekt wird demnach als vorteilhaft angesehen, wenn man daraus einen positiven Gewinnbeitrag in der Durchschnittsperiode erwartet. Stehen mehrere Investitionsprojekte zur Auswahl, so ist dasjenige zu realisieren, das in der fiktiven Durchschnittsperiode die größte Gewinnsteigerung erwarten lässt. Die Rentabilitätsvergleichsrechnung setzt die durchschnittlichen Gewinne, die unter Berücksichtigung kalkulatorischer Zinsen auf das Eigenkapital aus den einzelnen Investitionsprojekten erwartet werden, zum jeweils erforderlichen durchschnittlichen Kapitaleinsatz ins Verhältnis. Ein einzelnes Investitionsprojekt wird bei einer positiven Kapitalrentabilität als vorteilhaft angesehen. Unter mehreren Investitionsprojekten gilt dementsprechend dasjenige mit der höchsten positiven Kapitalrentabilität als das vorteilhafteste Investitionsprojekt. Bei der statischen Amortisations(dauer)rechnungwird die Vorteilhaftigkeit einer Investition anhand einer Zeitgröße (Zeitdauer, innerhalb der die Anschaffungskosten einer Investition durch die aus dem Investitionsprojekt resultierenden Einzahlungsüberschüsse wieder zurückerwirtschaftet werden) beurteilt. Hierbei sind zwei Verfahren zu unterscheiden: Im Rahmen der Durchschnittsmethode berechnet sich die Amortisationszeit als Quotient aus Anschaffungskosten und durchschnittlichem Kapitalrückfluss im Sinne eines durchschnittlichen Cashflows pro Periode. Bei der Kumulationsmethode wird dagegen die Amortisationsdauer berechnet, indem die in den einzelnen Jahren erwirtschafteten Rückflüsse solange kumuliert werden, bis die Höhe der Anschaffungsauszahlung erreicht ist. Die Kumulationsmethode löst sich somit von den periodisierten Erfolgsgrößen Kosten und Leistungen (Erlöse); sie rechnet stattdessen mit Ein- und Auszahlungen. Darüber hinaus stellt sie ein mehrperiodiges Verfahren dar. Sowohl bei der Durchschnittsmethode als auch bei der Kumulationsmethode gilt ein einzelnes Investitionsprojekt als vorteilhaft, wenn die vorgegebene Statische Verfahren der Investitionsrechnung 13 Höchstamortisationsdauer nicht überschritten wird. Bei einem Wahlproblern ist die Investition mit der kürzesten Amortisationsdauer auszuwählen. Teilaufgabe b) Die im Rahmen der statischen Verfahren der Investitionsrechnung aufgrund der unterstellten Zielsetzungen der Investoren verwendeten periodisierten Erfolgsgrößen berücksichtigen nur unzureichend die finanziellen Zielsetzungen der Einkommens- bzw. Vermögensmaximierung. Darüber hinaus lassen Entscheidungen auf der Basis von Durchschnittsgrößen, wie sie für statische Investitionsrechnungsverfahren typisch sind, das zeitlich unterschiedliche Entstehen der in die Rechnung einbezogenen Größen - und die daraus unter Umständen entstehenden Zins wirkungen - unberücksichtigt. Dies ist allenfalls dann gerechtfertigt, wenn tatsächlich keine Schwankungen dieser Größen erwartet werden. Bei allen statischen Verfahren der Investitionsrechnung besteht zudem die Gefahr, dass falsche, d. h. unvollständige Alternativen formuliert werden. Die somit angestellten unvollständigen Vergleiche können Fehlentscheidungen zur Folge haben. 3.2 Kostenvergleichsrechnung Aufgabe 3.2: Kostenvergleichsrechnung6 Der Tutti-Frutti OHG werden zwei alternative Obstverarbeitungsmaschinen zum Kauf angeboten. Beide Maschinen haben eine Nutzungsdauer von acht Jahren bei gleicher Auslastung von 12.000 ME/Jahr und einem Liquidationserlös von Null. Die Anschaffungskosten der Maschine I betragen 100.000 EUR, die der Maschine 11 nur die Hälfte. Die Tutti-Frutti OHG rechnet mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 10 % p. a. Die Ermittlung der Wertansätze abnutzbarer Gegenstände des Anlagevermögens als Basis für die Berechnung der kalkulatorischen Zinsen erfolgt nach der Durchschnittsmethode. Als Abschreibungsverfahren wählt die Tutti-Frutti OHG die lineare Abschreibung. Stark modifiziert entnommen ans Blohm, Hans; Lüder, Klaus; Schaefer, Christina: Investition, 9. Aufl., München 2006, S. 137-138.

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Zusammenfassung

Investition in Übungen.

Alles zum Thema Investitionen bietet dieses Übungsbuch. Sie erhalten zahlreiche Anhaltspunkte zur Lösung von Investitionsfragen. Die über 140 Übungen mit umfangreichen Lösungen sind der Schlüssel zum Methodenverständnis und die Voraussetzung für den Prüfungserfolg. Damit verfügen Sie über mehr Sicherheit beim Umgang mit den zentralen Verfahren des Investitionsmanagement.