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I. Zum Begriff Management in:

Wolfgang H. Staehle, Peter Conrad, Jörg Sydow

Management, page 84 - 86

Eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive

8. Edition 1999, ISBN print: 978-3-8006-2344-0, ISBN online: 978-3-8006-4874-0, https://doi.org/10.15358/9783800648740_84

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
C. Wissenschaftliche Aussagen über Management I. Zum Begriff Management Wie in Abschnitt B. ausgeführt, finden sich literarische Belege für den Begriff Management erstmals im England des 19. Jh. und wenig später auch in den USA. In der anglo-amerikanischen Literatur wird Management heute in zwei Bedeutungsvarianten verwendet: • Management im funktionalen Sinn, d.h. Beschreibung der Prozesse und Funktionen, die in arbeitsteiligen Organisationen notwendig werden, wie Planung, Organisation, Führung, Kontrolle (managerial functions approach); • Management im institutionalen Sinn, d.h. Beschreibung der Personen(gruppen), die Managementaufgaben wahrnehmen, ihrer Tätigkeiten und Rollen (managerial roles approach). Etymologische Deutungen des englischen Verbs to manage sind kontrovers und reflektieren das jeweilige Gesellschaftsbild des Autors. Während die Annahme, to manage sei auf das lateinische manu agere (mit der Hand arbeiten) zurückzuführen, wenig plausibel erscheint, gewinnt die Interpretation von Braverman (1974), manus agere bedeute ‚ a n der Hand führen‘, oder genauer, ‚ein Pferd in allen Gangarten üben‘, im Lichte der Kontrollund Disziplinierungsfunktion des Managements schon eher an Plausibilität. Boetticher (1963) ist dagegen der Meinung, Manager sei derjenige, der das Haus für einen (Eigentümer) bestelle, denn es stamme von mansionem agere ab. Wie dem auch sei, Management ist ein feststehender Begriff der englischen Sprache, der auch in der deutschen - vor allem nach dem 2. Weltkrieg - weite Verbreitung gefunden hat. Nach der deutschen Übersetzung (1948) des amerikanischen Bestsellers von Burnham1 ‚The Managerial Revolution‘ (1941) wird es allgemein üblich, die Originalbegriffe Manager und Management beizubehalten. Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Verdienst des Übersetzers von Burnhams Werk. „Die Einführung eines besonderen deutschen Wortes dafür (Manager, W.St.) würde ... uns nur die Beteiligung an dem internationalen Gedanken- 1 Burnham, James (geb. 1905) bis 1954 Prof. Philosophie, New York Uni, Herausgeber der National Review, zeitweise Trotzkist. 72 Teil 1: Management als Gegenstand von Forschung und Lehre austausch erschweren, von dem wir zum Schaden allzulange ausgeschlossen waren" (Burnham 1948, S. 10). In der Nachkriegszeit fehlt es in Deutschland keineswegs an Bemühungen, die amerikanischen Management-Ansätze zu verstehen und in die Betriebswirtschaftslehre aufzunehmen (vgl. hierzu Abschnitt D). Originalliteratur wird zunehmend ins Deutsche übersetzt2 und vermehrt werden Erfahrungsberichte und Lehrbücher von deutschsprachigen Wissenschaftlern aus den USA3 vorgelegt. In der Betriebswirtschaftslehre wird - sofern man nicht ebenfalls von Management spricht - eine Vielzahl von Übersetzungen angeboten, die alle darunter leiden, daß diese deutschen Begriffe (wie Unternehmensführung, Betriebspolitik, Führung, Leitung,4 dispositiver Faktor) aus eigenständigen Theorieansätzen stammen und eine historische Entwicklung reflektieren, die mit der des Management-Begriffs kaum vergleichbar ist. Bei dieser Sachlage kann es kaum überraschen, daß keine Einheitlichkeit in der deutschen Management-Terminologie entstehen kann, das um so mehr, als mit den Übertragungsbemühungen u.a. die alte betriebswirtschaftliche Kontroverse um die Abgrenzung von Betrieb und Unternehmung neu aktualisiert wurde (heißt es Betriebs- oder Unternehmensführung?). Da der Begriff Management auf keinen spezifischen Organisationstyp festgelegt ist, neigen viele Autoren dazu, ihn generell mit Führung zu übersetzen, ein Begriff, der so unverbunden in der Betriebswirtschaftslehre keine Tradition hat, dagegen aber in der Psychologie und Sozialpsychologie; dort allerdings keineswegs in der Bedeutung von Management. Andere Autoren identifizieren Management mit Unternehmens- bzw. Betriebsführung (-leitung) und knüpfen damit an auch in der Betriebswirtschaftslehre bekannte sachbezogene Führungs-, Leitungs- und Verwaltungsaufgaben an; erst bedeutend später wird eine personenbezogene, verhaltenswissenschaftliche Komponente des Managements erkannt, die meist mit dem Begriff Menschen- bzw. Personalführung belegt wird. Dieses gesamte Forschungsgebiet bezeichne ich im folgenden als Management; die hierüber gesammelten Forschungsergebnisse als Managementwissen. Dieses gliedert sich in drei große Bereiche: • (Personal-)Führung:5 auf Personen und Kleingruppen bezogen, verhaltenswissenschaftlicher Teil des Managementwissens (Behavioral Sciences) • Unternehmungsführung: auf wirtschaftliche Institutionen bezogen, betriebswirtschaftlicher Teil des Managementwissens (Business Administration) 2 Für die Anfänge vgl. z.B. aus den USA: Drucker 1956: Die Praxis des Management; Dale 1972: Management; aus GB: Hanika 1969: Modernes Managementdenken. 3 Vgl. etwa Junckerstorff 1955, 1958, 1960; Matz 1965, Schoenfeld 1967, Pack 1969, Reber 1969 a, b, Staehle 1971 a. 4 Zur Unterscheidung von Führung und Leitung vgl. Seidel 1984. 5 Vgl. auch die Konzeption des ‚Handwörterbuch der Führung‘ (Kieser/Reber/ Wunderer 1995). C. Wissenschaftliche Aussagen über Management 73 • Unternehmensforschung/Operations Research: auf Verfahren bezogen, formalwissenschaftlicher Teil des Managementwissens (Management Sciences). Die vorliegende Arbeit befaßt sich ausschließlich mit Personal- und Unternehmungsführung. II. Fachdisziplinäre Einordnung von Managementwissen Forschungsergebnisse zum Erfahrungsobjekt Management liegen in den unterschiedlichsten Disziplinen vor, so z.B. in der Psychologie, Soziologie, Politologie aber auch in den Ingenieurwissenschaften und der Rechtswissenschaft. Unabhängig von ihrem eigenen Forschungsbeitrag gelten die Disziplinen Business Administration (für den angelsächsischen Bereich) und Betriebswirtschaftslehre (für den deutschsprachigen Raum) als prädestiniert zur Vermittlung von Managementwissen an Studenten und Praktiker. Der Manager kann sich aber bei der Suche nach Managementwissen nicht allein auf diese beiden Disziplinen beschränken, sondern sollte auch die einschlägigen Forschungsergebnisse der Nachbardisziplinen zur Kenntnis nehmen. Den Zusammenhang zwischen dem Kernbereich einer Managementwissenschaft und benachbarten Wissensgebieten verdeutlicht Abb. 1.5. Abb. 1.5: Kernbereich der Managementwissenschaft und benachbarten Forschungsbereiche Systemtheorie Entscheidungstheorie Erfahrungen der Management-Praktiker Quelle: Koontz/O'Donnell/Weihrich 1984, S. 62 Soziotechnische Systeme Soziale Systeme Angewandte Systemtheorie Kernbereich der Management- Wissenschaft Soziologie/ Sozialpsychologie Gruppenverhalten Interpersonales- Verhalten Psychologie Management Science Managerverhalten Rationale Wahl Mathematik

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Zusammenfassung

Erfolgreiches Management.

„Management bei Staehle“ ist das Motto des in Studium und Beruf gleich nützlichen Managementklassikers. Manager aller Führungsebenen sowie Studenten lernen, wie durch die kompetente Wahrnehmung der Manage-mentfunktionen Strategie, Planung und Kontrolle, Organisation und Personalführung das Mitarbeiterverhalten in Unternehmungen gesteuert werden kann.

Teil 1 beschäftigt sich mit dem „Management als Gegenstand von Forschung und Lehre“,

Teil 2 mit den „Verhaltenswissenschaftlichen Grundlagen des Managements“ und

Teil 3 mit der „Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse im Management“.