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7.5 Befragungen in:

Andreas Schüler

Finanzmanagement mit Excel, page 553 - 560

Grundlagen und Anwendungen

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3662-4, ISBN online: 978-3-8006-4872-6, https://doi.org/10.15358/9783800648726_553

Series: Finance Competence

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7. Ausschüttungspolitik536 7.5 Befragungen 7.5.1 Manager US-amerikanischer Unternehmen Nachdem wir uns mit den empirischen Daten zur Ausschüttungspolitik deutscher und US-amerikanischer Unternehmen auseinander gesetzt haben, wollen wir uns ansehen, was die Handelnden zur Erklärung ihres Handelns zu sagen haben. Dazu stellen wir die Ergebnisse der Befragungen überwiegend von Managern, aber auch von Investoren zusammen. Beginnen wollen wir mit Befragungen der Manager von US-Unternehmen. Ein Großteil der Ergebnisse wird dabei durch Auswertung von Fragebögen, ein geringer Teil auf Basis von Interviews generiert. Vorab ist anzumerken, dass Befragungsergebnisse mit einer gewissen Skepsis auszuwerten sind. Denn es ist nicht unwichtig, dass regelmäßig die Mehrzahl der Befragten nicht antwortet, dass die Kompetenz, Entscheidungsbefugnis und/oder Motivation der Antwortenden nicht gänzlich aufgedeckt werden kann, dass Antworten und Taten nicht unbedingt deckungsgleich sind und dass u. U. nicht allzu kritisch gefragt bzw. ausgewertet wird, um die Antwortwilligkeit nicht zu beeinträchtigen. Nichtsdestotrotz liegen sehr interessante Ergebnisse vor. Die Mutter der Befragungen zum Thema Ausschüttungspolitik ist die bereits erwähnte Arbeit von Lintner (1956), in der er die Manager von knapp 30 US-amerikanischen Industrieunternehmen befragt. Die Befragten gehen davon aus, dass Aktionäre zumindest stabile, besser noch steigende Dividenden präferieren. Sie folgern daraus, dass Dividendenkürzungen wegen drohender Kursrückgänge zu vermeiden sind und orientieren sich daher bei der Bemessung der Dividendenhöhe an der Vorjahresdividende und an einer mit den Jahresüberschüssen (Earnings) atmenden Dividendenquote. Auch spätere Befragungen, wie die von Baker/Farrelly/Edelman (1985), die zudem die Relevanz der vorhanden liquiden Mittel (Free Cashflows) betonen und die Signalling-Theorie zur Erklärung des beobachteten Verhaltens heranziehen, bestätigen diese Ergebnisse. Dies gilt grundsätzlich auch für Baker/ Powell (1999), die einen sehr direkten Ansatz wählen, um die Erklärungskraft der verschiedenen Theorien evaluieren zu können. Denn sie fragen die Manager, welche Theorien – verpackt in Statements – am besten zu deren eigenen Verhalten passen. Die Signalling-Theorie schneidet am besten ab. Dass die Ergebnisse zum Anderer-Leute-Geld-Problem „inconsistent“, also letztlich wenig belastbar sind, überrascht nicht. Sollen die Manager das Problem mangelnder Eigentümerorientierung zugeben? Und wenn das Problem bestünde: sollten die Manager es dann nicht besser durch Überdenken von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen beheben? Ein halbes Jahrhundert nach Lintner legen Brav et al. 2005 eine zweite, überdurchschnittlich gehaltvolle Befragung vor. Sie befragen annähernd 400 Fi- Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:49 vorm. Druckdaten Seite 536 7.5 Befragungen 537 nanzmanager mithilfe eines Fragebogens und führen eine Reihe von Interviews. Zentrale Ergebnisse sind in Abbildung 7-27 zusammengefasst.242 242 Vgl. Brav et al. (2005), S. 491–496. 2,7 35 21,6 20,3 32,3 29,1 23,3 17,4 61,9 78,8 34,2 86,4 24,5 15,2 72,3 22,6 80,3 51,9 47,1 15,9 65,2 65,6 85,4 22,1 22,5 4,4 8,4 9,3 13,2 17,8 21,1 24,5 24,7 30,3 33,1 33,1 34,8 37,5 38,3 40,5 44,5 47,6 52,4 52,5 65,4 67,1 71,9 80 84,1 88,1 *** *** ** *** ** *** *** *** ** *** *** *** *** *** *** *** Use payout to show we can bear costly borrowing or passing up investment, to look better than competitors A temporary change in earnings Flotation costs to issuing additional equity Paying out to reduce cash, thereby disciplining our firm to make efficient decisions The possibility that payout implies we are running low on profitable investments Personal taxes our stockholders pay when receiving payout Payout policy for desired credit rating We use our payout policy to make us look better than our competitors Having extra cash or liquid assets, relative to our desired cash holdings We make payout decisions after our investment plans are determined Attracting institutional investors because they monitor management decisions Market price of our stock (if our stock is a good investment, relative to its true value) Payout makes the stock of a firm less risky (versus retaining earnings) Payout policy of competitors Merger and acquisition strategy Attracting retail investors to purchase our stock The availability of good investment opportunities for our firm to pursue The influence of our institutional shareholders Attracting institutional investors to purchase our stock Instead of reducing payout, we would raise new funds to undertake a profitable project A sustainable change in earnings Stability of future earnings Payout decisions convey information about our company to investors Maintaining consistency with our historic payout policy There are negative consequences to reducing payout Dividends Repurchases Some of the most important factors for dividend and repurchase policy. For each question, we report the percentage of respondents who answer 1 or 2 on a scale from -2 to +2. The bars are sorted by the magnitude of the response to the dividend question. ***, **, and * denote differences in responses between dividend and repurchase answers are significantly different from each other at the 1%, 5%, and 10% level, respectively. Abbildung7-27: Determinanten der Ausschüttungspolitik (US-Unternehmen) Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:49 vorm. Druckdaten Seite 537 7. Ausschüttungspolitik538 Excel-Tipp 63: Anzeigen von zusätzlichen Beschriftungen in einem Diagramm Um in einem Diagramm zusätzliche Beschriftungen, wie in Abbildung  7-27 etwa die durch Sternchen gekennzeichneten Signifikanzniveaus, eintragen zu können, greifen wir auf einen Kniff zurück. Wir erstellen eine Spalte, deren Zellen den gleichen Wert enthalten; hier wählen wir 110, um genügend Abstand von unseren Umfragewerten einzuhalten, die in der Spitze knapp unter 90 liegen. Die Daten der Spalte fügen wir durch Rechtsklick und Auswahl von Daten_auswählen/Hinzufügen in das Diagramm ein. Mittels Rechtsklick auf die neuen Balken und Wahl von Datenreihen_formatieren/Reihenoptionen/Datenreihe_zeichnen_auf werden die Daten dann auf die Sekundärachse verschoben; dies empfiehlt sich für unsere Anwendung aus optischen Gründen, da sonst der „Dummy“-Balken unter oder über den beiden anderen Balken liegt. Anschlie- ßend klicken wir mit der rechten Maustaste auf einen der Balken und wählen Datenreihen_formatieren/Füllung/keine_Füllung aus. Somit liegt nun hinter jedem Balken ein weiterer, transparenter Balken. Um diesen nun zu beschriften, kann mittels eines Rechtsklicks auf einen der Balken die Datenbeschriftung hinzugefügt werden. Diese zeigt zuerst der Wert, also „110“ an: 85,4 22,5 80 88,1 100 110 110 110 Stability of future earnings Payout decisions convey information about our company to investors Maintaining consistency with our historic payout policy There are negative consequences to reducing payout Reihen 3 Punkt 25 Wert: 110 65,6 71,9 84,1 Durch einen Klick in den Text kann dieser manuell geändert werden; im Beispiel tragen wir die Sternchen (***) ein. Sollen einzelne Werte nicht genannt werden, kann die Beschriftung mit der ENTF-Taste gelöscht werden. Anstelle der festen Definition der Balkenlänge, die zu einer bündigen Anzeige führt, kann der Text auch variabel entsprechend der Länge des sichtbaren Balkens platziert werden. Hierzu wird anstelle des in die Hilfsspalten fest eingetragenen Wertes 110 eine Formel verwendet, die zu der Länge des sichtbaren Balkes einen beliebigen Abstand hinzuaddiert, also z.B. =B2+20. Dann wird der Text immer mit Abstand 20 hinter dem Ende des sichtbaren Balkens angezeigt. Analysiert werden sowohl Dividenden als auch Aktienrückkäufe. Wir wollen in Ergänzung zur Abbildung ein paar wichtige Ergebnisse hervorheben sowie eine Reihe nicht enthaltener Resultate nachtragen: r Manager fürchten negative Kursreaktionen auf Dividendensenkungen und erachten – wie schon bei Lintner – die Vorjahresdividenden als wichtigen Referenzpunkt. Beides trifft aber nicht auf Aktienrückkäufe zu. r Dies führt dazu, dass knapp 94 % – das ist der höchste Grad an Zustimmung in der gesamten Studie – der Dividenden zahlenden Unternehmen es vermeiden, selbige zu reduzieren. 90 % versuchen, den Dividendenstrom zu glätten. Zudem dient weniger die Ausschüttungsquote als vielmehr die Dividend per Share (DPS) als Bezugspunkt. r Die Manager sehen von Dividendenerhöhungen ab, wenn sie befürchten, diese in der Zukunft korrigieren zu müssen. Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:49 vorm. Druckdaten Seite 538 7.5 Befragungen 539 r Die Furcht, von der eigenen Dividendenhistorie in späteren Jahren eingeengt zu werden, lässt bislang noch nicht ausschüttende Unternehmen eher zu Aktienrückkäufen greifen. r Ein Grund, trotzdem mit Dividendenzahlungen zu beginnen, ist der Druck von institutionellen Investoren. r Anlässe für den ersten Aktienrückkauf sind Unterbewertung der Aktien, überschüssige Free Cashflows, Mangel an Investitionsgelegenheiten und wiederum Druck der institutionellen Anleger. r Die interviewten Manager nehmen eine Asymmetrie wahr: Dividendenerhöhungen werden weniger gewürdigt als Dividendensenkungen bestraft werden. r Rückkäufe sind ein flexibel nutzbarer Ausschüttungskanal, der in Abhängigkeit von den vorliegenden Investitionsgelegenheiten und der verfügbaren Mitteln genutzt wird. r Die Manager würden zwar auf Aktienrückkäufe zur Finanzierung von Investitionen verzichten, nicht aber auf Dividenden. Das bedeutet, dass letztlich ggf. Dividenden von Außenfinanzierungsmaßnahmen flankiert werden. r Die Ausschüttungspolitik der Wettbewerber hat Einfluss auf die Dividendenaber weniger auf die Rückkaufentscheidung. r Das Aktienkursniveau ist grundsätzlich relevant für die Rückkaufentscheidung. Dass eine empfundene Unterbewertung Rückkäufe auslöst wird also in der Befragung bestätigt. Zudem ist ein wichtiges – wenngleich ökonomisch wenig gehaltvolles – Motiv die Erhöhung der Earnings per Share (EPS) und die Korrektur der im Rahmen von Aktienoptionsplänen an Mitarbeiter ausgegebenen Aktien bzw. der dadurch ausgelösten Verwässerung. r Über einen Aktienrückkauf wird entschieden, nachdem das Investitionsprogramm feststeht. Das gilt nur in deutlich geringerem Maße für Dividenden. In den Interviews werde deutlich, dass Manager gar Projekte mit positivem NPV aufgeben würden, um das Dividendenniveau zu halten.243 Das Residualprinzip wird also hinsichtlich der Rückkäufe gewahrt und bei den Dividenden verletzt. r Einkommensteuern werden als weniger entscheidungsrelevant eingeschätzt. r Transaktionskosten, ausgelöst durch ggf. notwendige Kapitalerhöhungen, sind relevant für die Rückkauf-, nicht aber die Dividendenentscheidung. Lassen diese Ergebnisse einen der eingangs des Kapitels genannten Erklärungsansätze für besonders gehaltvoll erscheinen? Brav et al. ziehen folgende Schlüsse: r Steuern spielen eine untergeordnete Rolle.244 r Ausschüttungsentscheidungen wird Informationsgehalt zugesprochen. Zudem ist den Managern wohl klar, dass Dividendensenkungen vom Kapital- 243 Vgl. Brav et al. (2005), S. 490. 244 Da Manager in Befragungen die steuerliche Diskriminierung von Dividenden nicht als Argument für Aktienrückkäufe anführen, unterstellen Brealey/Myers mit leicht ironischem Unterton, dass man wohl den Fiskus nicht auf den Plan rufen will; vgl. Brealey/Myers/Allen (2008), S.459. Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:49 vorm. Druckdaten Seite 539 7. Ausschüttungspolitik540 markt grundsätzlich als Indikator einer negativen Entwicklung des Unternehmens interpretiert werden. Allerdings bestätigen die Ergebnisse nicht die Signalling-Theorie in dem Sinne, dass die Manager Ausschüttungen für Instrumente halten, mit denen bewusst Signale über die Leistungsfähigkeit des Unternehmens auch in Relation zu den Wettbewerbern an den Kapitalmarkt gesendet werden (vgl. die letzte Kategorie in Abbildung 7-27). Die Autoren sehen wenig Belege für die Gültigkeit der Signalling-Theorie. r Der disziplinierenden Wirkung von Ausschüttungen und damit auch der Agency-Theorie (ALG-Problem) wird – auch bei dieser Befragung von Managern, d.h. der Agenten der Eigentümer – wenig Bedeutung beigemessen. Wie oben angeführt, kann man anhand der Antworten von Managern die empirische Gültigkeit dieses Erklärungsansatzes nicht abschließend prüfen. Der Beitrag von Brav et al. ist m. E. deswegen wertvoll, weil er wichtige Erkenntnisse und Zusammenhänge zur Ausschüttungspraxis von Unternehmen liefert, die für die Formulierung von Regeln für eine eigentümerorientierte Ausschüttungspolitik unter realistischen Rahmenbedingungen nützlich sein können. 7.5.2 Manager deutscher Unternehmen Zunächst will ich auf einige Befragungen eingehen, die Teile der Ausschüttungspolitik, sei es beispielsweise ausschließlich die Dividendenpolitik oder ausschließlich die Rückkaufstrategie, zum Inhalt haben. Dann stelle ich zwei Umfragen dar, die versuchen, die Ausschüttungspolitik umfassend abzubilden. In einem angriffslustig formulierten Aufsatz berichten Frankfurter et al. 2002 über die Ergebnisse einer Umfrage zur Dividendenpolitik unter Managern deutscher Unternehmen. Sie bilden aus den antwortenden Unternehmen dabei zwei Subsamples, die beide z. B. folgenden Statements zustimmten: r Dividendenerhöhungen nur, wenn das neue Niveau dauerhaft durchgehalten werden kann. Das kann man – wie die Autoren – als Bestätigung von Lintner (1956) verstehen. Warum dies ein „serious blow to signaling“ ist, bleibt offen. r Vermeidung von Dividendensenkungen r Dividendenkontinuität r Irrelevanz steuerlicher Aspekte Im Mittelpunkt der Untersuchung von Pellens/Gassen/Richard (2003) steht ebenfalls die Dividendenpolitik. Die wichtigsten Determinanten der Dividendenhöhe sind auch hier der Konzern-Jahresüberschuss und die Vorjahresdividende. Steuerliche Rahmenbedingungen spielen eine untergeordnete Rolle. Sie folgern u. a., dass größere Unternehmen dem Signalling größere Bedeutung beimessen als kleinere. Schremper (2002) frägt nach den Anlässen für Aktienrückkäufe.245 Genannt werden besonders Unterbewertung, Signalisierung und auch steuerliche Motive; weniger häufig wird der Abbau überschüssiger Liquidität, Kapitalstruk- 245 Vgl. Schremper (2002), Kapitel III. Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:49 vorm. Druckdaten Seite 540 7.5 Befragungen 541 turgestaltung, Aktienoptionspläne und Belegschaftsaktien angeführt; unbedeutend sind Einsparungen im Investor-Relations-Bereich und die Abwehr von Übernahmen. Auch das ALG-Problem wird – wie immer, wenn Manager danach gefragt werden – als nicht relevant eingestuft. Prokot wertet etwa 100 von CDAX-Unternehmen ausgefüllte Fragebögen aus und berichtet, dass246 r die Befragten sich eher zustimmend äußern auf die Frage hin, ob Dividendenentscheidungen den Investitions- und Finanzierungsentscheidungen folgen, r Unternehmen eher nicht planen, Dividenden durch Aktienrückkäufe zu ersetzen, r Dividenden zwar eine Kontrollfunktion zugesprochen wird, aber weniger in dem Sinne, dass die Kontrolle durch dann notwendige Außenfinanzierung realisiert wird, r Dividenden als Signal guter Entwicklung gelten, r kontinuierliche Dividendenzahlung bzw. stetiges Dividendenwachstum angestrebt wird, r – im Gegensatz zu den Ergebnissen bei Brav et al. – externe Finanzierung zur Vermeidung von Dividendenkürzungen abgelehnt wird, r nur als permanent angesehene Gewinnänderungen zu Dividendenänderungen führen, r die zentralen Einflussgrößen auf die Dividendenfestsetzung sind – geordnet nach abnehmender Relevanz – der Jahresüberschuss, das (derzeitige) Gewinnwachstum, der Free Cashflow, das erwartete Gewinnwachstum, die Liquiditätsplanung bzw. die geplanten Investitionen und der erwartete Free Cashflow, r die Top-Motive für Aktienrückkäufe sind Akquisitionen, Unterbewertung und die Steigerung des Aktienkurses. Trost wertet die Antworten von 56 Finanzvorständen und 55 Investor-Relations- Managern deutscher Unternehmen aus.247 Gefragt wird nach der Einschätzung einer Liste von Faktoren hinsichtlich deren Bedeutung (von „unwichtig“ bis „sehr wichtig“) für die Ausschüttungspolitik; zwischen Dividenden und Aktienrückkäufen wird nicht differenziert. Zentrale Ergebnisse sind: r Investitionen und deren Rentabilität werden als wichtig erachtet. r Gleiches gilt für eine (Ziel-)Kapitalstruktur, r den Free Cashflow, r den operativen Cashflow, r den Konzernjahresüberschuss und r mit Abstand zum Konzernüberschuss – die EPS, der Jahresüberschuss gem. Einzelabschluss und das ordentliche Betriebsergebnis. 246 Vgl. Prokot (2006), S. 197–218. 247 Vgl. Trost (2009), S. 327–378. Zudem befrägt sie Investoren; mehr dazu in Abschnitt 7.5.3. Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:49 vorm. Druckdaten Seite 541 7. Ausschüttungspolitik542 Eine Einordnung dieser und weiterer Ergebnisse im Sinne ihrer Bestätigung eines bestimmten Erklärungsansatzes fällt zumindest für den Teil der Untersuchung, der lediglich um Einschätzungen zu einer Liste von Kennzahlen bittet, schwer. Anders sieht es bei der Rubrik „Gestaltung der Ausschüttungspolitik“ aus: r Jeweils ein Drittel der Nennungen – bei 142 Antworten und 111 Befragten lagen wohl Mehrfachnennungen vor – entfallen auf die Strategien „Kontinuierlich wachsende Dividendenpolitik“ und „Stabile Ausschüttungsquoten“, r etwa 27 % auf „Stabile Dividendenpolitik“ und r (erschreckend dürftige) 1,4% auf die residuale Dividendenpolitik. Motive für den Aktienrückkauf, geordnet nach abnehmender Bedeutung, sind vor allem: r Unterbewertung der eigenen Aktien r Auskehrung überschüssiger Liquidität r Kapitalstrukturgestaltung r Nutzung der eigenen Aktien als Akquisitionswährung r Positives Signal Mit etwas Abstand werden Verbesserung der Earnings per Share, Alternative zur Dividendenausschüttung, Abwehr einer (feindlichen) Übernahme und Erhöhung der Flexibilität der Ausschüttungspolitik genannt. Die Bedienung von Aktienoptionsprogrammen findet sich ganz am Ende der Liste. Im Vergleich zur oben besprochenen Auswertung der Ad-hoc-Meldungen zur Ankündigung von Aktienrückkäufen und der tatsächlichen Verwendung der erworbenen eigenen Aktien fällt die häufige Nennung der Auskehrung von Free Cashflows und der Kapitalstrukturgestaltung sowie der letzte Platz für die Bedienung von Aktienoptionsprogrammen auf. 7.5.3 Investoren in Deutschland In der Regel werden Manager und nicht Investoren befragt. Das kann man damit erklären, dass Investoren sehr wohl mit den „Füßen abstimmen“ können, indem sie Aktien kaufen oder verkaufen, je nachdem, wie sie neue Informationen zur Ausschüttungspolitik eines Unternehmens aufnehmen. Viele der im Abschnitt 7.4 verarbeiteten Studien zielen auf die Untersuchung eben solcher Marktreaktionen in Form von Aktienkurseffekten ab. Trost hingegen fragt sog. „Investment Professionals“ direkt und verwendet dabei den gleichen Fragebogen bzw. die gleiche Liste an Kriterien wie bei ihrer Managerumfrage. Die Auswertung der 63 (oder 53?)248 ausgefüllten Bögen sieht stark verkürzt und daher unvollständig so aus: 248 Vgl. die Angaben in Trost (2009) auf S. 270 und 306. Angeschrieben wurden ca.4.000 Personen auf Basis einer Datenbank der DVFA (Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management). Die Rücklaufquote ist gering. Nicht alle der Befragten Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:49 vorm. Druckdaten Seite 542 7.6 Praxisbeispiele 543 r Investitionen an sich und erstaunlicherweise weniger deren Rentabilität werden als wichtig für die Ausschüttungspolitik erachtet. r Relevant sind auch (Ziel-)Kapitalstruktur, Nettoverschuldung, unternehmerisches Gesamtrisiko, Verfügbarkeit alternativer Kapitalquellen, statischer Verschuldungsgrad und (Gesamt-)Kapitalkostensatz. r Dem Free Cashflow und dem Bestand liquider Mittel wird besonders hohe Bedeutung beigemessen. r Auch Konzernjahresüberschuss und – in geringerem Maße – EPS, Dividendenrendite und ordentliches Betriebsergebnis werden ähnlich wie von den Managern auch von den Investoren hervorgehoben. r Die im Fragebogen nicht näher definierten „Agency-Kosten“ werden sowohl von „Investment Professionals“ als auch von Managern als weniger wichtig eingestuft. Ob man das im Namen der Eigentümer bedauern soll oder nicht, hängt davon ab, wie man einschätzt, inwiefern das Problem mangelnder Eigentümerorientierung durch die Frage abgedeckt wird. r Die Fragen nach der dividendenpolitischen Strategie werden in etwa so wie von den Managern beantwortet. Gleichwohl zeigen statistische Tests signifikante Unterschiede an. Mit etwa 6 % der Nennungen schneidet die residuale Dividendenpolitik wiederum überraschend schlecht ab. r Die Motive zum Aktienrückkauf werden von den „Investment Professionals“ ähnlich wie von den Managern eingeschätzt. Statistisch signifikante Unterschiede sind die höhere Bedeutung, die Investoren der Verbesserung der EPS – eine Fehleinschätzung249 – und der Bedienung von Aktienoptionen zusprechen. 7.6 Praxisbeispiele 7.6.1 Metro AG Ein Unternehmen, das die Strategie einer konstanten bis sanft steigenden Dividende verfolgt, ist die Metro Group. Stolz verkündet das Unternehmen im Geschäftsbericht 2004 (S.11): „Für das Geschäftsjahr 2004 wird der Vorstand der Hauptversammlung am 18. Mai 2005 vorschlagen, eine Dividende von 1,02 € je Stammaktie und 1,122 € je Vorzugsaktie zu beschließen. Mit der seit nunmehr sieben Jahren unverändert attraktiven Dividende bleibt die METRO Group ihrer Strategie der Dividendenkontinuität treu und bietet ihren Aktionären weiterhin eine überdurchschnittliche Dividendenrendite.“ Im Geschäftsbericht 2009 wird etwas anders argumentiert (S. 128), als dort nicht die Vorjahresdividende, sondern die Dividendenzahlungen von anderen DAX- Unternehmen bzw. von Wettbewerbern als Bezugspunkte genannt werden: sind Aktionäre deutscher Unternehmen oder verwalten Aktien deutscher Unternehmen. 249 Vgl. Abschnitt 7.3.5. Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:49 vorm. Druckdaten Seite 543

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References

Zusammenfassung

"Der sichere Umgang mit Excel wird heute von allen Studienabgängern, die in einen finanzorientierten Beruf einsteigen wollen, vorausgesetzt. Auf die Idee, die Grundlagen des Finanzmanagements von der Investitionsrechnung über die Finanzplanung bis hin zur Unternehmensbewertung sowie zur Finanzierung mit ihrer konkreten Umsetzung in Excel praxisnah zu verbinden, ist (&) bislang noch niemand gekommen. Mit dem vorliegenden Buch wird diese Lücke nunmehr geschlossen. Ein unverzichtbares Buch für Studierende und Praktiker.

Dr. Marc Castedello, StB, WP, Partner und Head of Valuation Deutschland, KPMG AG

&sowohl für Praktiker als auch für Studenten von großem Interesse, da das Buch eine gelungene Verbindung schafft zwischen den Methoden des Finanzmanagements und den entsprechenden Excel-Anwendungen.

Dr. Gerhard Ebinger, Vice President Asset Management & Shareholder Services, BASF SE

Das Buch ist eine gelungene Synthese aus theoretischer Fundierung und deren praktischer Anwendung.

Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Lehrstuhl für Finanzmanagement und Banken, HHL Leipzig Graduate School of Management