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5.11 Aufgaben in:

Andreas Schüler

Finanzmanagement mit Excel, page 397 - 401

Grundlagen und Anwendungen

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3662-4, ISBN online: 978-3-8006-4872-6, https://doi.org/10.15358/9783800648726_397_1

Series: Finance Competence

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5.11 Aufgaben 379 5.10 Zusammenfassung Empirische Analysen zeigen, dass auch bei deutschen Unternehmen die Innenfinanzierung die Außenfinanzierung im langfristigen Durchschnitt dominiert. Dass dies so sein muss, leuchtet ein, da ein dauerhaft mehrheitlich durch Finanzierungsbeiträge von Eigen- und Fremdkapitalgebern alimentiertes Unternehmen ökonomisch keine Existenzberechtigung haben kann. Innerhalb der Außenfinanzierung wiederum ist die Fremdfinanzierung im Durchschnitt bedeutsamer als die Eigenfinanzierung. Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Faktoren für Manager wichtig sind, wenn sie vor der Wahl zwischen verschiedenen Finanzierungsquellen stehen, haben wir uns eine ganze Reihe von Umfragen angesehen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass Außenfinanzierung häufig erst dann in Anspruch genommen wird, wenn die Innenfinanzierung nicht ausreicht. Dass die Eigen- hinter der Fremdfinanzierung zurückbleibt, kann z.B. allgemein mit dem im Vergleich zu den Managern geringeren „Informiertheitsgrad“ möglicher Eigenkapitalgeber, dem doch überschaubaren potentiellen Eigenkapitalbeiträgen von Beteiligungsgesellschaften und einer gewissen Scheu vor dem Börsengang zusammenhängen. Wir haben rechtsformabhängige Spielarten der Beteiligung am Eigenkapital eines Unternehmens genannt, Rahmenbedingungen und Merkmale einer au- ßerbörslichen und einer börslichen Eigenfinanzierung angesprochen, Vorzugsund Stammaktien gegenübergestellt und die Zusammenhänge anhand einer Reihe von Unternehmensbeispielen illustriert. 5.11 Aufgaben Aufgabe 1 A und B diskutieren über die Eigenschaften und Funktionen von Eigenkapital für Unternehmen. A sagt: „Eigenkapital ist nur wichtig im Falle eines Bilanzverlustes (Jahresfehlbetrages). Wenn Du nämlich einen Jahresfehlbetrag hast, kürzt dieser das bilanzielle Eigenkapital. Hat ein Unternehmen kein bilanzielles Eigenkapital mehr, ist es überschuldet.“ B sagt: „Das ist nicht so wichtig. Es kommt darauf an, ob das Unternehmen zahlungsfähig ist: Es muss seine Schulden pünktlich bedienen können. Also ist nicht die Bilanz entscheidend, sondern die Cashflows des Unternehmens. Schau Dir folgendes Beispiel einer GmbH an (Angaben in Tsd. €, n. r. = nicht relevant): Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:48 vorm. Druckdaten Seite 379 5. Eigenfinanzierung380 1 2 3 4 5 Bilanzielles EK zu Beginn der Periode 100 60 25 10 13 Cashflow 20 5 10 7 n.r. Jahresüberschuss 0 0 0 3 n.r. Jahresfehlbetrag -40 -35 -15 0 n.r. Du siehst, das bilanzielle Eigenkapital ist unwichtig. Solange der Cashflow positiv ist, ist alles in Ordnung.“ 1. Beurteilen Sie die Argumentation von A. 2. Wie muss B den Cashflow definieren, damit sein Argument viel Gewicht erhält? 3. Welche Funktionen hat eigentlich Eigenkapital? Hinweis: Berechnungen sind nicht erforderlich. Aufgabe 2 Die VC-Beteiligungsgesellschaft mbH prüft eine Beteiligung an der Tech AG. Zur Bewertung verwendet sie die VC-Methode. Man schätzt, dass am Ende der Laufzeit der Beteiligung im Zeitpunkt 5 ein Cashflow von 200 anfallen wird. Der für die Berechnung unterstellte Preis-Cashflow-Multiplikator beträgt 12. Neben der Eigenkapitaleinlage der Gründer der Tech AG, das im Entscheidungszeitpunkt t = 0 50 beträgt, ist eine Investition der VC-Gesellschaft in Höhe von 80 geplant. Die geforderte Rendite beträgt wegen des hohen Risikos 35 %. Bei geplantem Verlauf soll im Zeitpunkt 2 eine zweite Finanzierung in Höhe von 120 erfolgen. Die geforderte Rendite dieser Investition beträgt dann 25 %. 1. Welchen Anteil an der Tech AG muss die VC-Gesellschaft in den zwei Finanzierungsrunden mindestens fordern? 2. Bestimmen Sie für diesen Fall – d. h. die VC-Gesellschaft erhält genau die geforderten Beteiligungsquoten – den Wert des Eigenkapitals der Tech AG und dessen Verteilung auf die Gründer und auf die VC-Gesellschaft. Beurteilen Sie das Ergebnis. Aufgabe 3 Die X-AG ist eine „launische“ Aktiengesellschaft. Ihre Erträge und damit die bilanziellen Jahresüberschüsse sind in starkem Maße konjunktur- und exportabhängig. Die Aktionäre haben in der Vergangenheit deshalb schon manche Überraschung erlebt, weil die im Jahresabschluss ausgewiesenen Jahresüberschüsse stark schwankten. Diese Schwankung überträgt sich auf die Ausschüttungen, denn die Satzung der X-AG bestimmt, dass Vorstand und Aufsichtsrat bei der Feststellung des Jahresabschlusses 60% des Jahresüberschusses in freie Rücklagen einstellen können. Davon hat die Verwaltung in den vergangenen Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:48 vorm. Druckdaten Seite 380 5.11 Aufgaben 381 Jahren immer Gebrauch gemacht. Sie wird dies auch in Zukunft tun. Die X-AG hat 100.000 Stammaktien zum Nominalwert von 50 € ausgegeben. Sie plant nun, Vorzugsaktien auszugeben: Die Vorzugsaktien sollen kein Stimmrecht haben, mit einem Dividendenvorzug ausgestattet sein, der – sollte er ausfallen – im nächsten Gewinnjahr nachzuholen ist. 50.000 Vorzugsaktien zum Nominalwert von 50 € sollen ausgegeben werden zum Preis von 60 € pro Stück. Damit fließen bei erfolgreicher Ausgabe der X-AG 3.000.000 € an liquiden Mitteln zu, die investiert werden sollen. Der Vorstand schätzt, dass die künftigen Jahresüberschüsse wie folgt aussehen (in Tsd. €): Jahr 1 2 3 4 5ff. CF 400 600 900 800 700 Ab Periode 6 ist mit durchschnittlichen Jahresüberschüssen von 700 Tsd. € zu rechnen. Der Vorstand erwägt alternative Gestaltungen des Dividendenvorzugs: A: Vorzugsaktionäre sollen, soweit der ausschüttbare Betrag es erlaubt, eine Maximalausschüttung von 10 % pro Nominalwert der Vorzugsaktie erhalten. Kann in einem Jahr die Vorzugsdividende nicht geleistet werden, ist sie so schnell wie möglich in einem der folgenden Jahre nachzuholen. Zinsen auf ausgefallene Vorzugsdividenden werden nicht gewährt. B: Die Vorzugsaktionäre sollen, soweit der ausschüttbare Betrag es erlaubt, eine Nominalausschüttung von 8 % pro Nominalwert der Vorzugsaktie erhalten. Verbleibt ein ausschüttbarer Betrag, nachdem die Stammaktionäre die gleiche Ausschüttung pro Aktie erhalten haben, soll dieser zu gleichen Teilen auf Stamm- und Vorzugsaktien aufgeteilt werden. 1. Was kann ein Investor für eine Vorzugsaktie, die mit einem Vorzug gemäß A bzw. B ausgestattet ist, unter Beachtung der angegebenen Daten und Informationen bezahlen, wenn die alternativ erzielbare Rendite 8 % beträgt? 2. Welche Form der Gestaltung des Dividendenvorzugs zieht ein Investor vor? 3. Welche Form der Gestaltung des Dividendenvorzugs zieht der Vorstand der X-AG vor und warum? Aufgabe 4 Die Kronos AG will ein als vorteilhaft identifiziertes Investitionsprojekt durchführen. Die Investitionssumme beträgt 600 Mio. €, die durch zwei Alternativen finanziert werden könnte: r Alternative 1: Darlehensaufnahme, Auszahlung zum Nominalwert; Nominalzins 10% r Alternative 2: Kapitalerhöhung, 600 Mio. Stück zum Nennwert von 1 €, Ausschluss des Bezugsrechts Aktuell sind 1.000 Aktien der unverschuldeten Kronos AG im Umlauf. Um die Berechnungen übersichtlich zu halten, nehmen wir an, dass das Unternehmen Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:48 vorm. Druckdaten Seite 381 5. Eigenfinanzierung382 im Zeitpunkt t = 1 liquidiert wird. Nachfolgende Tabelle zeigt die szenarioabhängigen Liquidationserlöse, einschließlich derjenigen aus dem zusätzlichen Investitionsprojekt. Es fallen keine weiteren Zahlungen in t = 1 an. Szenario Wahrscheinlichkeit Liquidationserlös 1 0,4 1.500 2 0,1 1.700 3 0,5 2.200 1. Stellen Sie für beide Alternativen die Aufteilung der Liquidationserlöse auf die neuen Kapitalgeber und die Altaktionäre dar. 2. a) Berechnen Sie die erwarteten Barwerte jeweils für die neuen Kapitalgeber und die Altaktionäre. Gehen Sie von einer einheitlichen Alternativrendite von 10% aus. Welche Finanzierungsform werden die Altaktionäre bevorzugen? b) Würden die Altaktionäre einer möglichen Kapitalerhöhung zu diesen Konditionen grundsätzlich zustimmen? 3. a) Für welche Finanzierungsform werden sich die Altaktionäre entscheiden, wenn nur sie (die Altaktionäre) eine vorrangige Dividendenzahlung i.H.v. 10 Cent je Aktie erhalten, bevor der verbleibende Liquidationserlös anschließend gleichmäßig auf Alt- und Jungaktien aufgeteilt wird. b) Können die neuen Aktien zu diesen Konditionen platziert werden? Aufgabe 5 Die Eigenkapitalgliederung in der Bilanz der Z-AG sieht so aus: Gezeichnetes Kapital 250.000.000 € Kapitalrücklagen 0 € Gewinnrücklagen a) gesetzliche 25.000.000 € b) andere 25.000.000 € 300.000.000 € T. Pickens, Vorstandsvorsitzender der Z-AG will eine andere Aktiengesellschaft, die Spar-AG übernehmen (kaufen). Den Kaufpreis will er durch eine Kapitalerhöhung bei der Z-AG aufbringen. Das gezeichnete Kapital soll auf 300.000.000 € erhöht werden. Der Nennwert der alten und jungen Aktien beträgt 50 €. Die jungen Aktien haben gleiche Rechte und Ausstattung wie die alten (Stamm) Aktien. Der Kurs der Altaktie vor der Kapitalerhöhung ist K = 600. Der Kaufpreis für die zu übernehmenden Aktien der Spar-AG soll 510.000.000 € betragen. 1. Nehmen Sie an, dass die Hauptversammlung den Vorstellungen des Vorstandsvorsitzenden T. Pickens folgt. Bestimmen Sie: Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:48 vorm. Druckdaten Seite 382 5.12 Literaturhinweise 383 a) den Bezugskurs der jungen Aktien, b) das Bezugsverhältnis, c) den Wert des Bezugsrechts, d) die Eigenkapitalgliederung nach Kapitalerhöhung, e) den Wert einer Aktie der Z-AG nach Durchführung der Kapitalerhöhung. 2. Aktionär X hat 27 Aktien der Z-AG. Er will seinen Bestand über den Kauf von jungen Aktien auf 65 aufstocken. Wieviel Bezugsrechte muss er erwerben? Wie sieht seine Vermögenszusammensetzung aus, wenn er vor der Aufstockung 27 Aktien und 30.000 € in bar besaß? 3. Der Erwerb der Spar-AG zum Preis von 510 Mio. € ermöglicht es der Z-AG, zusätzliche Dividenden in Höhe von 60 Mio. € pro Jahr (unendlich lange) zu leisten. Nehmen Sie an, dass Aktionäre künftige Ausschüttungen mit 10 % diskontieren. Ermitteln Sie, wie hoch der Kurs der Z-AG vor der Ankündigung des Erwerbs der Spar-AG gewesen sein müsste. (Der angegebene Kurs von 600 ist der Kurs nach Ankündigung.) 5.12 Literaturhinweise Achleitner, A.-K./Zelger, H./Beyer, S./Müller, K. (2004): Venture Capital/Private Equity-Studie 2004: Company-(E)valuation und ECVA Valuation Guidelines. In: FinanzBetrieb, 6. Jg., S. 701–709. Bancel, F./Mittoo, U. R. (2004): Cross-Country Determinants of Capital Structure Choice: A Survey of European Firms. In: Financial Management, Vol. 33, S. 103–132. Benninga, S. (2008): Financial Modeling, 3. A., Cambridge, London. Bühner, T./Kaserer, C. 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References

Zusammenfassung

"Der sichere Umgang mit Excel wird heute von allen Studienabgängern, die in einen finanzorientierten Beruf einsteigen wollen, vorausgesetzt. Auf die Idee, die Grundlagen des Finanzmanagements von der Investitionsrechnung über die Finanzplanung bis hin zur Unternehmensbewertung sowie zur Finanzierung mit ihrer konkreten Umsetzung in Excel praxisnah zu verbinden, ist (&) bislang noch niemand gekommen. Mit dem vorliegenden Buch wird diese Lücke nunmehr geschlossen. Ein unverzichtbares Buch für Studierende und Praktiker.

Dr. Marc Castedello, StB, WP, Partner und Head of Valuation Deutschland, KPMG AG

&sowohl für Praktiker als auch für Studenten von großem Interesse, da das Buch eine gelungene Verbindung schafft zwischen den Methoden des Finanzmanagements und den entsprechenden Excel-Anwendungen.

Dr. Gerhard Ebinger, Vice President Asset Management & Shareholder Services, BASF SE

Das Buch ist eine gelungene Synthese aus theoretischer Fundierung und deren praktischer Anwendung.

Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Lehrstuhl für Finanzmanagement und Banken, HHL Leipzig Graduate School of Management