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1.2 In der Praxis eingesetzte Methoden in:

Andreas Schüler

Finanzmanagement mit Excel, page 21 - 25

Grundlagen und Anwendungen

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3662-4, ISBN online: 978-3-8006-4872-6, https://doi.org/10.15358/9783800648726_21

Series: Finance Competence

Bibliographic information
1. Investitionsrechnung2 Nachdem wir uns in aller Kürze mit dem „Warum“ und dem „Wann“ beschäftigt haben, sollten wir uns nun erarbeiten, „wie“ eigentlich über Investitionsprojekte entschieden werden soll. Es bietet sich an, mit der Identifikation möglicher Perspektiven bzw. Adressaten zu beginnen und sich dann auf einen Adressatenkreis zu konzentrieren. Abbildung 1-2 nennt die wichtigsten Gruppen (Stakeholder). Zwischen diesen und dem von den Managern geführten Unternehmen bestehen vertraglich geregelte Austauschbeziehungen. Kunden erhalten Produkte und entrichten den Kaufpreis, Banken stellen Fremdkapital bereit und erhalten Zins und Tilgung etc. Die Beziehung zu den Eigentümern ist hervorgehoben. Das ist kein Zufall, da wir in der Investitionsrechnung immer die Interessen der Eigentümer (der Eigenkapitalgeber) im Auge haben. Denn diese stellen Risikokapital bereit und erhalten erst dann eine Ausschüttung (Dividende), wenn die Ansprüche aller anderen Gruppen befriedigt worden sind. Sollten Sie noch nicht überzeugt sein, so malen Sie sich doch aus, wie über ein Investitionsobjekt entschieden werden soll, wenn nicht das Eigentümerinteresse, sondern beispielsweise das der Lieferanten im Zentrum steht. Wie ginge das? Wir bleiben bei der Eigentümerperspektive. Daraus folgt der Auftrag an das Management, im Eigentümerinteresse zu agieren, ohne den anderen Stakeholdern zu schaden; eine dauerhafte Übervorteilung anderer Stakeholder zu Gunsten der Eigentümer ist nicht möglich, da dann Kunden und Lieferanten abspringen, Banken keine Kredite gewähren etc. Klar ist, dass damit nur ein Aspekt der „Wie“-Frage beantwortet ist, nämlich der, aus wessen Perspektive entschieden werden soll. Wir wollen uns nun an den gewichtigeren Teil der Beantwortung machen, in dem wir uns intensiv mit den Methoden der Investitionsrechnung und deren Umsetzung auseinandersetzen. 1.2 In der Praxis eingesetzte Methoden Welche Methoden der Investitionsrechnung werden in der Praxis eingesetzt? Immer wieder werden Manager danach gefragt. Dabei wird deutlich, dass die Antwort davon abhängt, a) wann die Umfrage stattgefunden hat sowie Unter- 3,9% 13,1% 29,9% 44,2% 46,1% Nachfolgeregelung Forschung & Entwicklung Rationalisierung Ersatzinvestition Erweiterungsinvestition Abbildung1-1: Investitionsmotive gemäß Befragung durch die KfW Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:45 vorm. Druckdaten Seite 2 1.2 In der Praxis eingesetzte Methoden 3 nehmen b) welcher Größe und c) welches Landes befragt werden. Bevor wir uns mit der Definition und Funktionsweise der Methoden beschäftigen, sehen wir uns die Ergebnisse an. Grabbe befragt Anfang der Siebziger Jahre Manager großer deutscher Unternehmen.2 Die Amortisationsrechnung (Payback-Methode) dominiert, mit weitem Abstand gefolgt vom internen Zinsfuß (Internal Rate of Return, IRR) und Bilanzrenditen (Rentabilitätsrechnung; Accounting Rate of Return, ARR). Die Kapitalwert- oder Barwertmethode (Net Present Value, NPV) setzen nur 21 % der Unternehmen ein. Tabelle 1-1 enthält die Kernergebnisse dieser und anderer Untersuchungen. Bröer/Däumler bestätigen Mitte der Achtziger Jahre die Ergebnisse abgesehen von der gestiegenen Relevanz des NPV weitgehend.3 Auffällig im Vergleich zu den Resultaten der Befragung britischer und USamerikanischer Manager ist eine hartnäckige Vorliebe deutscher Manager für Kosten- und Gewinnvergleich. Dies mag am Umfragedesign liegen; so könnte diese Methode bei den nicht-deutschen Studien im Katalog möglicher Antworten fehlen. Oder es liegt an der doch eingeschränkten Leistungsfähigkeit dieser Methoden, die andernorts schon länger bekannt ist; wir kommen darauf in Abschnitt 1.8 zurück. Alle Studien machen aufgrund der Anzahl der Nennungen deutlich, dass die Unternehmen üblicherweise mehrere Methoden parallel einsetzen. Die Untersuchung von Arnold/Hatzopoulos aus dem Jahre 2000, in der englische Unternehmen nach den von ihnen benutzten Kriterien zur Beurteilung von Investitionsprojekten befragt werden, liefert folgendes Bild: 70 % der 96 befragten Unternehmen nutzen die Payback-Methode, 81 bzw. 84 % berechnen die Internal Rate of Return bzw. den Net Present Value. 2 Vgl. Grabbe (1976), S. 26. 3 Vgl. Bröer/Däumler (1986), S. 550. Arbeitnehmer Lieferanten Staat Gläubiger Kunden Eigentümer Unternehmen/ Manager Abbildung1-2: Unternehmen & Stakeholder Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:45 vorm. Druckdaten Seite 3 1. Investitionsrechnung4 10,8% 11,9% 13,7% 20,3% 26,6% 29,5% 38,9% 51,5% 56,7% 56,9% 74,9% 75,6% Profitability Index APV Simulation Analysis Book Rate of Return (ARR) Real Options Discounted Payback P/E Multiples Sensitivity Analysis Hurdle Rate Payback NPV IRR Abbildung1-3: Prozentsatz der Unternehmen, die meistens die genannte Methode benutzen 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 Payback ARR IRR NPV Abbildung1-4: Im Laufe der Zeit präferierte Methoden Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:45 vorm. Druckdaten Seite 4 1.2 In der Praxis eingesetzte Methoden 5 Graham/Harvey befragen etwa zur gleichen Zeit 4.400 Chief Financial Officers (CFOs) US-amerikanischer Unternehmen und erhielten 392 auswertbare Fragebögen. Die wichtigsten ihrer in Abbildung 1-3 ausführlicher dargestellten Ergebnisse sind: r IRR und NPV werden am häufigsten eingesetzt. r Es folgen die Amortisationsrechnung (Payback) und der Einsatz einer Zielrendite (Hurdle Rate), wobei bei Letzterer die Abgrenzung zu NPV und IRR unklar bleibt. Legt man die Ergebnisse der hier aufgeführten Befragungen nebeneinander, erkennt man, dass Methoden wie die Payback-Rechnung oder bilanzielle Renditen (ARR), bei denen – wie wir im weiteren Verlauf sehen werden – alternativ erzielbare Renditen, also Opportunitätskosten, keine explizite Rolle spielen, an Bedeutung verloren haben. Ryan/Ryan folgern aus ihren Ergebnissen darüber hinaus, dass der NPV inzwischen der IRR den Rang abgelaufen hat.4 Eine Botschaft, die wir – dass werden unsere nachfolgenden Überlegungen zeigen – erleichtert zur Kenntnis nehmen. Abbildung 1-4 stellt die Entwicklung der Präferenzen im Zeitablauf dar. Dazu haben wir die in Tabelle 1-1 aufgelisteten Studien chronologisch geordnet. 4 Die Autoren nennen auch eine ganze Reihe von Studien, welche die IRR als beliebteste Methode ausweisen; vgl. Ryan/Ryan (2002), S. 357. Autor/en Grabbe McIntyre/ Bröer/ Arnold/ Graham/ Ryan/ Coulthurst Däumler Hatzopoulos Harvey Ryan Jahr 1974 1975 1980 1984 1985 1986 1992 1997 2001 2002 Unternehmensgröße groß groß groß klein mittel groß groß groß klein mittel groß mittel groß mittel groß Land D UK D UK USA USA Anzahl 332 141 143 96 392 205 % % % % % % % % % % Payback 77 73 81 82 50 92 94 70 57 53 ARR/bilanzielle Renditen 31 51 49 33 37 56 50 56 20 15 IRR 43 44 57 28 52 75 81 81 76 77 NPV 21 32 39 36 48 68 74 80 75 85 DCF (IRR oder NPV) - 58 68 45 - 84 88 96 - - Kostenvergleich 26 - - - 43 - - - - - Gewinnvergleich 10 - - - 15 - - - - - UK UK 100 100 PikePike Tabelle1-1: Investitionsrechnung in der Praxis Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:45 vorm. Druckdaten Seite 5 1. Investitionsrechnung6 Nach diesem Überblick über die Relevanz diverser Investitionsrechenverfahren stellt sich eine Reihe von Fragen, deren Beantwortung das Ziel der nachfolgenden Abschnitte ist: r Wie funktionieren diese Methoden? r Wie sehen gängige Anwendungen aus? r Wie ist zu entscheiden, falls mehrere Methoden eingesetzt werden und diese widersprüchliche Ergebnisse liefern? r Welche Methode ist konzeptionell überlegen? r Wie kann die praktische Umsetzung auf Basis von Microsoft Excel erfolgen? 1.3 Net Present Value (NPV) 1.3.1 Vorbemerkung Entscheidend für die Beurteilung eines Investitionsprojekts ist die Gegenüberstellung des Betrags, der zu investieren ist (Investitionsauszahlung), mit den Überschüssen, die das Projekt künftig erwarten lässt. Wenn wir Überschüsse sagen, meinen wir damit immer die Differenz zwischen Ein- und Auszahlungen (Zahlungsüberschuss bzw. Cashflow). Denn uns interessiert beispielsweise, wann Investitionsobjekte zu bezahlen sind, wann die Kunden zahlen oder wieviel an die Eigentümer ausgeschüttet werden kann. Wir stehen bei einer Investitionsentscheidung vor der Frage, wie die Cashflows eines Projekts so verdichtet werden können, dass wir eine Entscheidung für oder gegen den Projektstart fällen können. Wenn wir uns ein Projekt vorstellen, in das jetzt – im Entscheidungszeitpunkt – zu investieren ist, liegt es nahe, die Cashflows, die das Projekt künftig zu liefern verspricht, auch auf den Entscheidungszeitpunkt zu beziehen und mit der Investitionssumme zu vergleichen. Die entscheidende Gegenüberstellung wäre also der Vergleich des Werts der erwarteten Zahlungsüberschüsse mit der Investitionssumme. Was ist nun der Wert der künftigen Cashflows? Wir wollen uns diesem Problem anhand eines Beispiels nähern. 1.3.2 Beispiel: MP3-Hemdkragen Nehmen wir an, der Entwicklungschef der Pfiffig GmbH hat eine tolle Geschäftsidee: Die Entwicklung eines in den Hemdkragen integrierbaren, waschmaschinenfesten MP3-Players, der über eine Bluetooth-Verbindung Musik – die Kollegen aus der Marketingabteilung werden später vom Soundtransfer sprechen – an ohrmuschelspezifisch gestaltete Ohrknöpfe überträgt. Er trägt diese Idee anderen Führungskräften im Unternehmen vor und erntet Begeisterung von allen bzw. fast allen Abteilungsleitern. Denn der Finanzchef ist misstrauisch und verlangt – völlig zurecht – eine cashflowbasierte Projektanalyse. Der Entwicklungschef geht von folgenden Anfangsinvestitionen (alle Angaben in Tsd. €) aus: Fotosatz Buck – Vahlen Competence – Schüler – Finanzmanagement mit Excel – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 1. Juli 2011, 9:45 vorm. Druckdaten Seite 6

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Zusammenfassung

"Der sichere Umgang mit Excel wird heute von allen Studienabgängern, die in einen finanzorientierten Beruf einsteigen wollen, vorausgesetzt. Auf die Idee, die Grundlagen des Finanzmanagements von der Investitionsrechnung über die Finanzplanung bis hin zur Unternehmensbewertung sowie zur Finanzierung mit ihrer konkreten Umsetzung in Excel praxisnah zu verbinden, ist (&) bislang noch niemand gekommen. Mit dem vorliegenden Buch wird diese Lücke nunmehr geschlossen. Ein unverzichtbares Buch für Studierende und Praktiker.

Dr. Marc Castedello, StB, WP, Partner und Head of Valuation Deutschland, KPMG AG

&sowohl für Praktiker als auch für Studenten von großem Interesse, da das Buch eine gelungene Verbindung schafft zwischen den Methoden des Finanzmanagements und den entsprechenden Excel-Anwendungen.

Dr. Gerhard Ebinger, Vice President Asset Management & Shareholder Services, BASF SE

Das Buch ist eine gelungene Synthese aus theoretischer Fundierung und deren praktischer Anwendung.

Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Lehrstuhl für Finanzmanagement und Banken, HHL Leipzig Graduate School of Management